Remorse between the worlds

Kapitel 7

Entflammt

Die Gründe um das Schloss waren dunkel. Trotzdem blitzten in der Ferne Lichter auf. Keine guten. Es war Feuer, das sich aufgrund der Zauber und Flüche ausgebreitet hatte, die niedergegangen waren. Teile der Dächer und Türme standen in Flammen. Explosionen wüteten, hervorgerufen durch eine Vielfalt an Magie. Dementoren, Riesen, Spinnen, Inferi … die dunkelsten Kreaturen, die die Welt je gesehen hatte, trieben ihr Unwesen. Das Quidditch-Feld brannte lichterloh wie ein gewaltiges Flammenmeer.

Doch damit fing die Reise erst an.

Je näher Snape dem Geschehen kam, umso mehr wurde ihm das wahre Ausmaß der Zerstörung bewusst. Massige Trümmerteile lagen vor dem einst so prächtigen Eingangstor. Ohne es zu wollen, wurde er ins Innere der Großen Halle geführt, wo ein unbeschreibliches Chaos herrschte. Tote wie Verletzte lagen in schier endlos langen Reihen anstelle der Haustische auf dem Boden. Das verzweifelte Gesicht von Madam Pomfrey sprach Bände.

„Wir brauchen mehr Verbandszeug!", rief sie mit heiserer Stimme. „Wo bleibt der Nachschub vom St. Mungo's?"

Das Bild drehte sich und Snape sah Teile der Familie Weasley um Freds reglosen Körper stehen. Er hatte nie viel Sympathie für die aufmüpfigen Zwillinge übrig gehabt. Und dennoch wollte er die Wahrheit nicht glauben.

„Ist er tot?", fragte er erschüttert. Aber Dumbledore antwortete nicht.

Gleich darauf ging die Reise weiter. Tonks und Lupin lagen friedlich beieinander, als würden sie schlafen. Auch sie rührten sich nicht mehr.

Er schluckte mit trockener Kehle. „Mein Gott."

Lupin, sein verachteter Kollege, sowie Tonks - beide Mitglieder des Ordens. Er war der letzte lebende Rumtreiber gewesen. Nun waren sie alle fort.

Ungläubig blickte er in die leeren Gesichter seiner eigenen Schüler, die es nicht geschafft hatten. Auch ihr Tod versetzte ihm einen schweren Stich.

Mühsam zwang er sich dazu, diesen Ort des Grauens zu verlassen.

„Genug!", dröhnte er hart. Sein Brustkorb hob und senkte sich schneller als gewöhnlich. „Genug! Das ist grausam. Das ist nicht zu ertragen, Albus ... Es schmerzt."

„Ich habe nie behauptet, dass dem nicht so wäre."

Er schluckte. Sein Gesicht wirkte verzerrt. „Ich – ich wollte das nicht."

„Das weiß ich, Severus. Und trotzdem hast du dich von ihm dazu verleiten lassen, dich ihm anzuschließen."

„Ich war jung. Und naiv ..."

„Es sieht dir nicht ähnlich, dich herauszureden", entgegnete Dumbledore barsch.

Snape zuckte hilflos mit den Schultern. „Macht das jetzt noch einen Unterschied?"

„Sag du es mir."

Er schauderte. Seine hagere Erscheinung mitsamt dem blassen Gesicht wirkte wie ein gespenstischer Schatten seiner früher so verrufenen Vergangenheit. „Ich weiß es nicht. Wirklich. Ich – ich weiß nicht einmal, wo ich hier bin, irgendwo zwischen Leben und Tod! Das allein ist verrückt!"

Mit fragenden Augen blinzelte er zu Dumbledore, der seinen Blick fest erwiderte.

„Denken Sie, dass sie mich je geliebt hat - meine Mutter meine ich."

Dumbledore schien nicht einmal überrascht davon und nickte. „Ja, Severus."

Die Worte des alten Mannes schienen Snape ein wenig zu beruhigen, jedenfalls brachte er seine Atmung langsam unter Kontrolle. „Das ist seltsam, nicht wahr?"

„Warum?"

„Weil sie es mir nicht gezeigt hat, wenn ich so darüber nachdenke."

Für einige Sekunden kehrte Stille ein.

„Sie konnte es nicht", erklärte Dumbledore nachdenklich. „Er hat sie gebrochen."

Abwesend wippte Snape mit dem Oberkörper vor und zurück, die Augen starr in die Ferne gerichtet. „Ja. Ich denke, Sie haben Recht. Er hat alles zerstört. Es war ein Wunder, wie ich das überleben konnte."

„Es war nicht deine Schuld, Severus. Auch nicht die deiner Mutter. Sie tat, was sie konnte. Aber dann hat er gewonnen. Er hat ihr Stück für Stück ihren Lebenswillen genommen. Bis sie sich irgendwann nicht mehr darum kümmerte, ob sie leben oder sterben wollte."

„Ich habe ihn dafür gehasst. Für alles."

„Wenn du mich fragst, hattest du dazu jedes Recht. Du hättest etwas Besseres verdient."

Snape antwortete nicht und verbarg den Kopf in seinen Händen. Er wollte alles hinter sich bringen. Er wollte damit abschließen.