Alle Infos bei Disclaimer/Author's Notes
Feedback bitte an: amruniel@hotmail.com
A/N: VIELEN VIELEN DANK! Ihr alle, die mir ein so liebes Review geschrieben habt... DANKE ;o) Ihr wisst ja gar nicht, wie gut das tut *s* Ausführlicher auf eure Reviews geh ich am Schluss des Kapitels ein – jetzt erst Mal schnell ran an die Tasten, damit ihr das neue Kapitel bald in Händen habt *flitz*
**Life is a journey...**
Kapitel 4
Lauthals lachend stand ich am nächsten Morgen an unserem Lagerplatz und beobachtete Aragorn, dessen Nase fast schon in der noch feuchten Erde steckte, beim Spurenlesen. Es war einfach zu köstlich, wie der Waldläufer nun schon seit fast einer Stunde am Boden herum robbte und versuchte, aus einigen Grashalmen und drei Tautropfen zu lesen, wohin unsere Hobbits verschwunden waren. Ich hatte schon im Buch größtes Vergnügen gehabt zu lesen, wie Aragorn sich als Spurenleser betätigte, im Film von Peter Jackson war es sogar noch amüsanter zu sehen gewesen, aber die Realität übertraf einfach alles. Seit einer geschlagenen Stunde stand ich nun schon neben Gimli und lachte hemmungslos. Mittlerweile liefen mir nicht nur Tränen über das Gesicht, nein ich hatte schon regelrecht Muskelkater im Bauch vor lauter Lachen. Es war einfach herrlich.
Eine weitere halbe Stunde später fürchtete ich schon fast unser Waldläufer würde zwar die gesamte Ebene von Rohan mit seiner Nase umpflügen, aber keinen Hinweis auf den Verbleib der Hobbits finden. Doch endlich durchbrach Aragorns Stimme die Stille, die geherrscht hatte, nachdem Gimli und ich uns endlich beruhigen konnten. „Hier endlich finden wir einen Hinweis..."ließ es sich zwischen zwei Grasbüscheln vernehmen, auf die Gimli und ich sogleich zustolperten. Legolas war irgendwohin verschwunden. Elbensachen erledigen vermute ich. Verdutzt beobachteten der Zwerg und ich, wie Streicher ein zerrissenes Blatt aufhob und uns hinhielt. Es war ein großes, helles, goldfarbenes Blatt, das nun verdorrte und braun wurde. „Ein Mallornblatt aus Lórien, es sind noch ein paar Krümel dran und weitere Krümel im Gras. Und schaut, da ganz in der Nähe Stücke von zerschnittenen Stricken!"Sobald Aragorn fertig gesprochen hatte, ertönte hinter mir ein leises, melodisches Lachen, welches mich herumfahren ließ. Dicht hinter mir stand Legolas, der mal wieder lautlos aufgetaucht war. „Boah Elb! Sag mal kannst du es dir bitte endlich abgewöhnen, hinter mir aufzutauchen und mich zu Tode zu erschrecken?"mein Herz raste noch immer, als ich ihn so unfreundlich anfauchte. Ich hasste es, dass ich ihn nie kommen hörte. Immer war er plötzlich da, sprach mich von hinten an oder berührte mich. Ich könnte jedes Mal sterben, so erschrecken mich diese Angriffe aus dem Hinterhalt. Eigentlich war es schon fast ein Wunder, dass ich Legolas in der letzten Nacht nicht mit einem Stein KO geschlagen hatte, als er so plötzlich neben mir aufgetaucht war.
Ja letzte Nacht... ich wusste wirklich nicht, was ich von dem Vorgefallenen halten sollte. Einerseits konnte ich es nicht bestreiten, dass es sich gut angefühlt hatte, von ihm getröstet zu werden, andererseits konnte ich ihn nun mal einfach nicht leiden. Er war ein kleiner, verwöhnter, überheblicher Elbenprinz, der sein ganzes Dasein scheinbar darauf ausgerichtet hatte, mir gehörig auf die Nerven zu gehen. Am besten wäre es wohl, würde ich das Geschehene einfach als Laune in einer Vollmondnacht abtun und nie mehr daran denken. Was sollte das eigentlich überhaupt heißen – das Geschehene. Es war doch gar nichts geschehen. Nicht einmal ein harmloser Kuss. Da hatte ich schon wesentlich wildere Nächte erlebt.
Legolas Stimme, die plötzlich von vor mir kam, ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Ich glaube, ich wollte lieber gar nicht wissen, was ich wieder alles verpasst hatte, während ich meinen eigenen Gedanken nachgehangen war. Immerhin hatte ich es nicht einmal gemerkt, dass der Elb mittlerweile neben Aragorn im Gras kniete. „Nun, von allen Rätseln, auf die wir bisher gestoßen sind, ist dies das seltsamste!"rief Legolas. „Ein Gefangener in Fesseln entkommt sowohl den Orks als auch den sie umzingelnden Reitern. Dann, noch im offenen Gelände, macht er Halt und zerschneidet seine Fesseln mit einem Orkmesser. Doch wie und warum? Denn wie konnte er laufen, wenn seine Beine gefesselt waren? Oder, wenn seine Arme gefesselt waren, wie konnte er das Messer gebrauchen? Oder, wenn er Arme und Beine frei hatte, warum zerschnitt er dann die Stricke?"der Elb kratzte sich sehr unelbisch am Kopf und legte seine makellose Stirn in Falten. Es fehlte gerade noch, dass er beim Denken die Nase kraus zog. Nachdem auch seine Gefährten nicht wesentlich klüger, als Legolas aus der Wäsche schauten, machte ich mich daran, ihren Gedanken ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
„Nun, so schwer ist es doch wohl nicht, meine Herren. Wenn der Gefangene sowohl Orks, als auch Reitern entkommt, muss er wohl ziemlich klein sein, oder zumindest unscheinbar, so, dass er gerne mal übersehen wird. Vermutlich hatte er sowohl Arme, als auch Beine gefesselt und wurde bis hier her getragen – seht euch doch mal die Abrücke da drüben an. Sieht aus, als wäre da ein Ork gestorben."Ich deutete auf den unübersehbaren Blutfleck wenige Schritte entfernt. „Vermutlich ist dieses Messer da auch seines und es ist ihm aus der Hand gefallen, als er starb. Jetzt wollt ihr sicher wissen, wie er gestorben ist, oder? Nun, da kann ich nur raten, ich würde auf einen Speer der Reiter von Rohan tippen, das würde erklären, warum niemand die kleine Person am Boden entdeckte und sie sich in aller Ruhe die Fesseln zerschneiden konnte. Die nächste Frage, die sich dann logischerweise stellt, wäre, warum der Ork die Person hier her getragen hat. Nun, ich denke auch das ist leicht erklärt..."Ich sah den Männern in ihre Gesichter, die alle einen ähnlich fassungslosen Ausdruck hatten. Vermutlich wunderten sie sich gerade, dass eine Frau auch Spurenlesen konnte. Nun ja, das tat ich ja eigentlich auch nicht großartig. Ich zählte hier nur eins und eins zusammen. „...habt ihr euch noch nicht gefragt, warum Boromir erschossen wurde, während die Hobbits scheinbar keinen Kratzer abbekommen hatten, sondern nur mitgenommen wurden? Wenn ihr euch die Helme, die da drüben noch herumliegen anseht, werdet ihr überall die weiße Hand sehen. Sarumans Truppen also. Und somit ist klar, was hier geschehen sollte – die Hobbits sollten nach Isengard gebracht werden, wo Saruman sie nach dem Ring untersuchen würde, den er für sich wollte. Und da wir uns wohl alle einig sind, dass weder Orks noch Uruks sehr hell in der Birne sind, hat er ihnen sicher nix vom Ring gesagt, sondern ihnen nur aufgetragen, die Kleinen heil bei ihm abzuliefern. Und ich nehme an, dass irgendein diensteifriger Ork die Hobbits nur aus dem Kampfgetümmel bringen wollte. Immerhin glaubte er ja, sie seinen gut gefesselt und könnten somit nicht entkommen. Da sie es aber anscheinend doch konnten, schließen wir auf was?" Ich ließ meinen Blick über die drei Herren wandern. „Einer von ihnen muss lose Fesseln gehabt haben."Ich nickte Aragorn zu. „Genau! Naja und dann ist es ja nicht mehr so schwer, oder? Was macht ein müder Hobbit zu allererst? – Essen natürlich! Und dann bringt er sich in Sicherheit. So, aber jetzt bist du wieder dran Aragorn..."ich grinste befriedigt in mich rein und ignorierte sicherheitshalber alle fragenden Blicke, die mich streiften. Scheinbar waren diese Herren nicht sehr bewandert in elementarer Mathematik, sonst hätten sie es wohl selber geschafft, eins und eins zusammen zu zählen. Aber frau ist ja nicht so... man hilft doch gerne, wo man kann.
Wenige Minuten später hatte Aragorn doch tatsächlich die Spur gefunden, die in den Fangornwald führte und wir standen der Größe nach aufgereiht an dessen Säumen und blickten in die Düsternis vor uns. Es muss ein interessanter Anblick gewesen sein, wie wir da standen – Legolas als richtiger Öko-Freak ganz vorne, seine sowieso schon spitzen Ohren hatte er noch mehr gespitzt und lauschte in den Wald hinein, gleich hinter ihm stand Aragorn und spielte mit seinem Schwert (machte dieser Mann außer mit seinem geliebten Schwert herumfummeln und Spurenlesen eigentlich noch etwas sinnvolles?), dahinter mit gebührend Abstand –immerhin hatte Aragorn sich noch immer nicht gewaschen- kam ich und hinter meinem Rücken lugte Gimli mit großen Kulleräuglein hervor. Scheinbar wollte von meinen drei tapferen Kriegern keiner so recht einen Fuß in diesen Wald setzen.
„Ach man, könnten wir bitte weiter gehen? Da drin ist wenigstens Schatten..." langsam nervten mich diese Hasenfüße. Außerdem stand ich mitten in der prallen Sonne und das schadete meinem neuen, blassen Elbenteint sicher gehörig. Man will ja was gleichschauen, immerhin hatte ich einen ziemlich überlegenen Konkurrenten, was Aussehen betraf, in unserem Elbenprinzchen.
Endlich schien sich etwas zu bewegen. Legolas tappte vorsichtig einige Schritte in den großen, dunklen, bösen Wald hinein – was für ein Quatsch. Ich fand diesen Wald äußerst anziehend. Ich hatte schon immer die düsteren Wälder geliebt und dieser hier war besonders schön, da er so wunderbar alt war. Gimli und Aragorn zögerten noch ein wenig, also marschierte ich zielstrebig in den Schatten unter den Bäumen. Und –wie sollte es auch anders sein- schon bei der ersten größeren Wurzel, die unter einigem Laub verdeckt war, stieß ich mir fürchterlich die Zehen an. Immerhin hatte ich ja noch immer keine Schuhe, abgesehen von meinen Ballschuhen, die noch immer in dem provisorischen Rucksack an meinem Rücken lagen. „Scheiße noch mal! Verfluchte Wurzel, was muss dieses Mistding denn ausgerechnet in meinem Weg rumliegen. Verdammter Baum, kannst du das scheiß Ding nicht einziehen, wenn ne Dame vorbeikommt?"brüllend und schimpfend hüpfte ich auf einem Bein auf und ab und hielt mir meine blutig gestoßenen Zehen. Vermutlich konnte ich froh sein, wenn ich mir da nichts gebrochen hatte. Das kam davon, wenn man mit zu viel Tatendrang in einen Wald spazierte. Ehe ich es mir versah, spürte ich einen kräftigen Arm um meinen Oberkörper, einen weiteren, der sich in meine Kniekehlen legte und schon wurde ich hoch gehoben. Verwundert hörte ich sogar vorübergehend mit meinem Fluchen auf und wartete, was dieser Elb nun schon wieder vorhatte. Es war ja klar gewesen, dass es Legolas war, der mir zur Hilfe eilte. An ihm war wirklich ein guter Samariter verloren gegangen.
Sanft wurde ich auf einem umgefallenen Baumstamm abgesetzt, dann nahm der Elb meinen blutigen Fuß in die Hand, säuberte ihn notdürftig und warf einen Blick auf meine geschundenen Zehen. „Also, wenn du weiterhin ohne Schuhe herumläufst, wird es nicht bei so ein paar Abschürfungen bleiben..."er sah mich unergründlich an. „Ähm, aber dir geht's schon gut, oder? Dir ist wohl der Wald ein wenig zu Kopf gestiegen mein Lieber. HÄTTE ich Schuhe, glaubst du nicht, ich würde die auch tragen? Aber ich HAB nun mal keine. Sonst würde ich mir kaum hier die Füße unter Tags wund laufen und nachts abfrieren. Wie ich schon mal erwähnte – ich bin weder sadistisch noch masochistisch veranlagt, geht das in deinen bezaubernden Kopf hinein, oder ist da drin einfach nur gähnende Leere, was deine Schönheit zu verdecken versucht?"Warum machte mich dieser Elb eigentlich dauernd zu einem hochexplosiven Pulverfass?! Ich war mir sehr wohl darüber im Klaren, dass er es nicht bös gemeint hatte, aber irgendwie bekam ich seine Worte dauernd in den falschen Hals. Mir tat schon fast wieder leid, was ich gesagt hatte, als ich das für ihn so typische leise Lachen vernahm. Nun lachte mich dieser Elb doch tatsächlich aus. Ich glaubte, ich hörte nicht mehr richtig. Irgendwas musste diesem Kerl doch wahrlich in den Kopf gestiegen sein. Vielleicht hatte er eine akute Überdosis Waldluft oder ähnliches. „Was gibt's da schon wieder zu lachen?"wütend starrte ich ihn an. Doch anstatt mir zu antworten, nahm Legolas seinen Rucksack vom Rücken, öffnete ihn und zog ein Paar Stiefel, wie er sie selbst trug, heraus. „Hier, ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass sie dir passen, aber besser zu große Schuhe, als gar keine Schuhe."Mit diesen Worten drückte er mir die ledernen Schaftstiefel in die Hand und machte sich auf den Weg, Aragorn und Gimli in den Wald zu schleppen, denn die Beiden standen noch immer zaudernd vor den ersten Bäumen und konnten sich nicht überwinden, den ersten Schritt zu machen.
Nun, wo Legolas Recht hatte, hatte er einfach Recht. In diesen Stiefeln lief es sich wie auf Wolken, wenn auch meine Füße anfangs darin haltlos hin und her rutschten. Aber auch dieses Problem war bald beseitigt – ich hatte mir einfach einige weiche Blätter in die Schuhe gestopft, die nun den Raum zwischen meinen Zehen und dem weichen Leder ausfüllten. Es war einfach himmlisch endlich wieder Schuhe zu tragen und dementsprechend gut gelaunt hüpfte ich vor meinen Gefährten durch das wechselnde Licht des Waldes. Schon bald hatten wir nicht nur die Spuren von Merry und Pippin am Rade der Entwasser, sondern auch Baumbarts Felsen gefunden. Da Aragorn ratlos war, was weiter geschehen sollte und ich beschlossen hatte, mich wieder mehr aus den Geschehnissen heraus zu halten, um nicht am Ende eine Änderung der Geschichte zu bewirken, traten wir nun einer nach dem anderen den Aufstieg auf den Gesteinsbrocken an.
Aragorn erreichte das Plateau auf der Oberseite des Felsens als letzter. Wieder einmal hatte er seine Nase dicht am Boden und untersuchte jeden noch so kleinen Kieselstein auf einen möglichen Hinweis. „Ich bin fast sicher, dass die Hobbits hier heraufgestiegen sind", sagte er, „aber da sind noch andere Abdrücke, aus denen ich einfach nicht schlau werde..."Sichtlich frustriert und mit angeknackstem Waldläufer-Ego ließ sich Aragorn auf den Boden fallen und starrte trübsinnig in die Ferne.
Lange Zeit hingen wir alle unseren Gedanken nach. Ich lehnte gemütlich mit dem Rücken gegen einen Stein, träumte mit offenen Augen vor mich hin und richtete meine Sinne ganz auf den Stein unter mir. Es schien mir, als könnte ich seine Stimme hören, könnte die Gedanken des Felsens lesen. Dieses Elbendasein musste mir wirklich schon schwer zu Kopf gestiegen sein. Als ob ein Fels eine Stimme hätte... Ich war gerade dabei, mir selbst bedeutungsvoll gegen die Stirn zu tippen, als Legolas aufsprang wie ein aufgescheuchtes Huhn und in den Wald unter uns spähte. Langsam bequemte ich mich neben ihn und sah ebenfalls hinunter. „Hach wie nett, wir bekommen Besuch... Glaubst du, ich sollte mir eine neue Frisur zur Feier des Tages machen?"Ich sah Legolas grinsend an, der mir ziemlich verständnislose Blicke zuwarf. „Wie kannst du hier solche Späße machen, wenn da unten Saruman auf uns zu kommt?"zischte er, zog seinen Bogen und gesellte sich neben Aragorn und Gimli, die schon mit gezückten Waffen am Rande des Felsens standen und den alten Mann beobachteten, der immer näher kam.
„Ähm hallo? Sagt einmal, was ist es eigentlich, dass euch hier so schlecht bekommt?"Ich hatte mich an meinen drei Gefährten vorbei geschoben und sah sie nun der Reihe nach an. Wie so oft erntete ich nur fragende Blicke und ein wüstes Gemurmel von Gimli, der mir wohl klar machen wollte, dass ich in der direkten Linie zwischen seiner Axt und dem alten Mann stand, der soeben begonnen hatte, die Stufen zu uns herauf zu klettern. „Ich meine, wo sind wir hier, dass ihr einfach einen alten Mann umnieten wollt, nur weil er einen Sonntagsspaziergang durch den Wald macht. In was für einer Welt lebt ihr denn hier? Kein Respekt vor dem Alter, oder wie sieht's aus?"Ich funkelte die drei Herren böse an und deutete ihnen, sie sollten ihre Waffen wieder einstecken, doch wie so oft hörten sie nicht auf mich. „Nun, wie ihr wollt, aber ich sage euch eines- irgendwann wird es euch noch mal leid tun, dass ihr nicht auf mir hört. Aber bitte, stürzt euch nur in euer Verderben. Mir kann es ja egal sein."Ich drehte mich schwungvoll um und war schon knapp daran, einfach beleidigt davon zu stolzieren, als mir ein anderer Gedanke kam.
Kaum hatte die mittlerweile weiß strahlende Gestalt die letzte Stufe erklommen und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, sprang ich ihr schon freudig entgegen und ignorierte alle erschrockenen Rufe von Aragorn und Legolas. Gimli war zu perplex, um überhaupt noch etwas zu sagen. „Huhu Gandalf! Schön dich zu sehen! Endlich kommt hier wieder wer vernünftiger hinzu. Ich war schon fast am Verzweifeln mit diesen drei Herren... sag mal, wie hast du die nur ausgehalten? Und die Hobbits noch dazu?"ich fiel der Person, die aussah, als hätte sie in zu viel „Weißer Riese"gebadet, um den Hals und war nicht einmal wirklich erstaunt, als er meine Umarmung erwiderte und laut loslachte. „Mädchen, Mädchen, musstest du mich unbedingt verraten? Aber es freut mich, dich wieder zu sehen, du bist die letzte, die ich hier erwartet hätte. Und groß bist du geworden..."er drückte mich ein Stück von sich weg und betrachtete mich mit dem typischen Großvaterblick. „Du... du weißt, wer ich bin?"nun war ich nicht schlecht erstaunt. Ich hatte schon immer gewusst, dass Gandalf ein gescheites Kerlchen war, aber DAS erstaunte mich nun doch. Aber noch mehr erstaunte mich die Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, ich würde ihn schon seit dem Tag meiner Geburt kennen. „Oh ja meine Kleine, ich kenne dich schon seit Anbeginn deines Lebens"er lachte wieder auf, als er mein erstauntes Gesicht sah und zwinkerte mir vergnügt zu. Und in dem Moment wusste ich, dass nun alles wieder gut werden würde.
Schon kurze Zeit später hatten Gandalf auch Legolas, Aragorn und Gimli gebührend begrüßt und wir ließen uns in der strahlenden Sonne, die den ganzen Felsen in helles Licht tauchte, nieder. Meine Gefährten waren noch immer ziemlich sprachlos ob der plötzlichen Rückkehr des Zauberers und so löcherte ich den gutmütigen alten Mann mit tausenden Fragen und ließ ihm nicht einmal die Zeit, eine einzige davon zu beantworten. „Nun mal immer langsam mit den jungen Pferden und alten Zauberern, LindóriÑ. Ich werde dir alles beantworten, so gut es mir möglich ist, aber das hat noch Zeit, bis wir unser Lager für die Nacht aufschlagen. Im Schein eines Feuers lässt es sich leichter über die vergangenen Zeiten plaudern, findest du nicht?"er lächelte mich wieder so warmherzig an und ich stellte erstaunt fest, dass sein Lachen zwar sein Gesicht zierte, aber am gegenwärtigsten in seinen strahlenden Augen war. Vom ersten Augenblick an liebte ich Gandalfs Augen, aus denen sowohl unendliche Weisheit als auch Heiterkeit und Sinn für Humor sprachen. „Ich denke, ich sollte erst einmal unseren Freunden hier erklären, wo Merry und Pippin hin verschwunden sind, und wie unsere Reise weiter geht, denkst du nicht?"Ich warf einen kleinen Seitenblick auf meine Gefährten, die scheinbar noch immer nur Bahnhof verstanden, und nickte Gandalf zu. „Besser wär's, ja. Sonst wird Aragorn noch an seinem Waldläufer verstand zweifeln. Er kann mit Baumbarts Spuren hier heroben nichts anfangen..."Der alte Mann lachte. „Dann weißt DU also, was mit den Hobbits geschehen ist, so wie du wusstest, wer ich bin..."er musterte mich neugierig und interessiert. „Mhm, ja, ich wusste das und ich weiß noch einiges mehr, aber ich denke auch das sollten wir erst am Feuer besprechen. Erst einmal solltest du sie wirklich über den Verbleib der Halblinge aufklären und mit ihnen besprechen, wie es von hier aus weiter geht..."
Gandalf hatte lange Zeit mit Aragorn, Legolas und Gimli gesprochen, ihnen von seinen Abenteuern erzählt und erklärt, was mit Merry und Pippin geschehen sei. Nebenbei hatte er ihnen auch sanft beigebracht, dass die legendären Sagengestalten der Ents nicht nur ziemlich real, sondern im Moment auch hochgefährlich waren. Nachdem sich Elb, Mensch und Zwerg halbwegs von den Neuigkeiten des Tages erholt hatten, kletterten wir wieder von unserem Felsen, verließen den Wald und standen wieder auf den Wiesen vor dem Saum des Waldes. Von unseren Pferden, war nach wie vor keine Spur zu sehen und Gimli begann sich schon wieder zu beschweren, dass er jetzt scheinbar zu Fuß nach Edoras, welches wir als unser nächstes Ziel festgelegt hatten, gehen müsste. „Nun, ich zweifle nicht daran, dass Gandalf vor uns die goldene Halle erreichen würde, sei es nun zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes, ist es nicht so?"es war das erste Mal, dass Aragorn seinen Mund aufmachte, seit der Zauberer wieder zu uns gestoßen war. Groß und majestätisch stand er vor seinem Freund und betrachtete ihn lange. Beiden Männern war anzusehen, dass sie mächtig waren. Aragorn, der seine Hand wie so oft am Schwertgriff hatte, war mächtig mit der Waffe und Gandalf, der ihm gebückt und wie von einem inneren Licht heraus leicht weiß strahlend, gegenüber stand, war auf ganz andere Weise, die man nicht in Worte fassen konnte, mächtig. Es war ihm anzusehen, dass Weisheit, Kraft und Güte, die alle Macht von Königen überstieg, in ihm wohnte. „Ist es nicht wahr, Gandalf"sagte Aragorn nun wieder, „dass du schneller als ich wohin auch immer gelangen könntest? Und noch eines lass mich dir sagen: Du bist unser Feldherr und Fahne. Der dunkle Herrscher hat die Neun. Wir aber haben den Einen, der mächtiger ist als sie: den weißen Reiter. Er ist durchs Feuer gegangen und aus dem Abgrund wieder aufgestiegen. Sie sollen ihn fürchten lernen! Wir gehen, wohin er uns führt..."Mit diesen Worten, die Aragorn in meinen Augen mehr denn je als König auszeichneten, kniete er kurz vor seinem Freund nieder und bot ihm mit gesenktem Haupt sein geliebtes Schwert dar. „Wahrlich königlich bist du geworden, mein Freund"Gandalf klopfte Aragorn lachend auf die Schulter und veranlasste ihn, wieder aufzustehen. „Aber biete nicht mir dieses Schwert an, biete es denen, die alleine nicht mehr den Mut finden, in offenen Krieg zu ziehen. Sie werden es nötiger haben, als ein närrischer, alter Mann, wie ich es bin. Und nun werden wir einmal dafür sorgen, dass Meister Gimli seine neu entdeckte Liebe zu Pferden ausleben kann..."
Uh verdammt. Au! Au! Au! Kann man hier keine Rücksicht auf empfindliche Elbenohren nehmen? Das einzige, das diesen Schmerz erträglich macht, ist zu sehen, wie Legolas neben mir ebenso verzweifelt die Handflächen gegen seine Ohren presst, wie ich es mache. Holla die Waldfee... man glaubt wirklich nicht, was Gandalfs alte Lunge noch für Pfiffe produzieren kann. Das war mindestens Ultraschallfrequenz und irgendwie schien sich dieser Ton in meinem Hirn einzunisten. Sollte er solchen Unsinn schon öfter gemacht haben, würde es mich plötzlich gar nicht mehr so wundern, warum Legolas, Aragorn und Gimli teilweise ziemlich an Hirnmangel zu leiden hatten. Diese Töne zerkochten jeden Funken Verstand restlos zu Mus. Verdammt noch mal. Wo war bloß Schattenfell? Sollte dieser nicht bald auftauchen und den Zauberer zum verstummen bringen, würde nicht nur mein Hirn flöten gehen, sondern vermutlich auch meine neuen Ohren abfallen – und das jetzt, wo ich langsam begann, mich an sie zu gewöhnen...
Aber nicht nur Legolas und mir schien dieser Pfiff zuzusetzen. Aragorn lag flach im Gras und presste sein Ohr gegen den Boden. Was das wohl schon wieder sollte?! Dieser Waldläufer würde sich einige seiner reichlich schrägen Eigenschaften abgewöhnen müssen, sollte er wirklich seinen Königstitel annehmen und über Gondor regieren wollen. Es würde doch etwas seltsam anmuten, wenn der König in seinem Thronsaal flach am Boden kleben würde um herauszufinden, ob irgendein Bittsteller oder Berater auf dem Weg zu ihm war. „Es kommt nicht nur ein Pferd!"endlich stand Streicher mit einem selbstgefälligen Grinsen wieder auf. Hatte er scheinbar endlich gehört, was er hören wollte. „Na no na... oder glaubst du wirklich wir fünf würden zusammen auf ein Pferd passen?"Ich sah Aragorn an und tippte mir ganz dezent gegen die Stirn. „Ich glaube, dir hat die Waldluft wirklich nicht gut getan..."über soviel Dummheit konnte ich ja wirklich nur den Kopf schütteln. „Vier sind es"warf Legolas nun auch ein. Ach ja, musste Herr Elb mal wieder zeigen, was er alles kann. Ein Wunder, dass er uns nicht auch noch erzählte, wie viele Fliegen um ihre Köpfe schwirrten – sollte es in diesem wunderschönen Land überhaupt Fliegen geben. „Da ist Hasufel"ließ sich der Elb nun wieder vernehmen, „und dort Altáriel und neben ihnen mein Freund Arod! Doch den dreien voraus kommt ein anderes: ein sehr großes Pferd. Nie habe ich seinesgleichen gesehen!"Ja, da war er wieder in seinem Element unser Prinz. Alles was vier Beine hatte und sich bewegte schien sein ganz besonderes Steckenpferd zu sein. Naja, sah man mal von seiner abgöttischen Liebe zu Bäumen ab. Wahrlich, dieser Elb war einfach nur seltsam. Schräge Hobbies hatte der zur Genüge... war wohl auch schon alt genug, um im Lauf der Jahre einige verrückte Ideen anzusammeln.
Mittlerweile war Schattenfell bei uns angekommen und wir begrüßten den Fürst der Mearas. Ich war wirklich hin und weg. Von so einem edlen, muskulösen Pferd hatte ich mein Leben lang geträumt und nun stand es in voller Lebensgröße vor mir. „Darf ich ihn mal streicheln, Gandalf?"Ich hörte mich vermutlich an, wie ein Kleinkind vor dem Christbaum, aber so fühlte ich mich in diesem Moment auch. Gandalf lachte gutmütig. „Nun mein Kind, das solltest du lieber Schattenfell fragen. Er bestimmt, wer ihn berühren darf und wem er es erlaubt, dem wird eine besondere Ehre zu Teil." Ich wiederholte meine Frage in Richtung von Schattenfell und nach einem kurzen einladenden Schnauben seinerseits näherte ich mich diesem Prachtpferd vorsichtig. Ich war so versunken in die Liebkosungen, die ich Schattenfell zukommen ließ, dass ich gar nicht merkte, wie die Blicke der Männer amüsiert und teilweise auch liebevoll an mir hangen und mein Tun beobachteten.
Einige Zeit später riss mich ein Zupfen am Ärmel aus meiner Welt, die zu dieser Zeit nur aus dem Pferd und mir bestand. Nachdem ich Schattenfell gedankt hatte, wandte ich mich Gimli zu, er brummelnd vor mir von einem Bein auf das andere trat. „Was gibt's?" „Hast dus bald? Wir wollen heute noch los, sonst kommen wir nicht vor nächstem Jahr in Edoras an und das ist ja wohl ein wenig zu spät."Irrte ich mich, oder klang dieser Zwerg da wirklich beleidigt? War er am Ende etwa eifersüchtig, weil ich mich so sehr Schattenfell gewidmet und nicht wie sonst mit ihm irgendwelche Pläne gegen Legolas ausgeheckt hatte? Ich beschloss meine Unaufmerksamkeit ihm gegenüber wieder gut zu machen, schwang mich auf Altáriel und zog den Zwerg vor mich auf den Rücken meines Pferdes. Sobald sich unser kleiner Trupp in Bewegung gesetzt hatte, merkte ich, dass Gimli mir mein Geknuddel mit Schattenfell verziehen hatte, denn er begann schon wieder über sein Lieblingsthema zu sprechen.
„Und weißt du LindóriÑ es ist völliger Unsinn, dass wir Zwerge aus Erdlöchern schlüpfen..."ich verdrehte gutmütig lächelnd meine Augen und ritt dem Sonnenuntergang entgegen, während Gimlis Geplapper über Zwergenfrauen an mir vorbei zog.
***
A/N: Ja, das Kapitel ist irgendwie nicht wirklich was geworden, ich weiß... aber das lag mir auch nicht wirklich *Asche über mein Haupt* Nur auslassen konnte ich es schlecht, irgendwie muss Gandalf ja auch wieder auftauchen, nicht wahr? Also – das nächste wird wieder besser, lustiger, etc. – Versprochen ;o) Und nun zu meinen lieben Reviewern: @Kristin: yeah Emanzipation muss sein – und keine Sorge, sie wird's den Männern in den nächsten Kapiteln noch zeigen *fg* @Meryll: Hoffe es gefällt dir *s* @DragonSleep: hihi das hör ich gerne, dass du fast vom Stuhl gefallen bist vor Lachen... freut mich, dass du genauso viel Spaß beim Lesen hast, wie ich mit dem Schreiben... und ich hoffe, dass bald wieder viel zum Lachen kommt. @SabC: hab ganz schnell weiter geschrieben – zufrieden? *gg* Und was das „R"angeht... also es wird sicher das eine oder andere „R"-Kapitel dazu kommen, wieso fragst du? @Morgenstern: *grins* ich muss zugeben, ich hab auch das eine oder andere Mal beim Schreiben so mancher Stellen selber laut gelacht. Hab mich köstlich amüsiert beim Schreiben und finds echt schön zu lesen, dass es anderen auch so geht.
Sooooo... das wars an Review-Antworten *auf Schulter klopf weil allen was geschrieben* Und lasst mich nicht im Stich mit den Reviews... ich brauche diesen Ansporn *fg* Also je mehr ihr schreibt, umso schneller kommt das nächste Kapitel *fg*
A/N: VIELEN VIELEN DANK! Ihr alle, die mir ein so liebes Review geschrieben habt... DANKE ;o) Ihr wisst ja gar nicht, wie gut das tut *s* Ausführlicher auf eure Reviews geh ich am Schluss des Kapitels ein – jetzt erst Mal schnell ran an die Tasten, damit ihr das neue Kapitel bald in Händen habt *flitz*
**Life is a journey...**
Kapitel 4
Lauthals lachend stand ich am nächsten Morgen an unserem Lagerplatz und beobachtete Aragorn, dessen Nase fast schon in der noch feuchten Erde steckte, beim Spurenlesen. Es war einfach zu köstlich, wie der Waldläufer nun schon seit fast einer Stunde am Boden herum robbte und versuchte, aus einigen Grashalmen und drei Tautropfen zu lesen, wohin unsere Hobbits verschwunden waren. Ich hatte schon im Buch größtes Vergnügen gehabt zu lesen, wie Aragorn sich als Spurenleser betätigte, im Film von Peter Jackson war es sogar noch amüsanter zu sehen gewesen, aber die Realität übertraf einfach alles. Seit einer geschlagenen Stunde stand ich nun schon neben Gimli und lachte hemmungslos. Mittlerweile liefen mir nicht nur Tränen über das Gesicht, nein ich hatte schon regelrecht Muskelkater im Bauch vor lauter Lachen. Es war einfach herrlich.
Eine weitere halbe Stunde später fürchtete ich schon fast unser Waldläufer würde zwar die gesamte Ebene von Rohan mit seiner Nase umpflügen, aber keinen Hinweis auf den Verbleib der Hobbits finden. Doch endlich durchbrach Aragorns Stimme die Stille, die geherrscht hatte, nachdem Gimli und ich uns endlich beruhigen konnten. „Hier endlich finden wir einen Hinweis..."ließ es sich zwischen zwei Grasbüscheln vernehmen, auf die Gimli und ich sogleich zustolperten. Legolas war irgendwohin verschwunden. Elbensachen erledigen vermute ich. Verdutzt beobachteten der Zwerg und ich, wie Streicher ein zerrissenes Blatt aufhob und uns hinhielt. Es war ein großes, helles, goldfarbenes Blatt, das nun verdorrte und braun wurde. „Ein Mallornblatt aus Lórien, es sind noch ein paar Krümel dran und weitere Krümel im Gras. Und schaut, da ganz in der Nähe Stücke von zerschnittenen Stricken!"Sobald Aragorn fertig gesprochen hatte, ertönte hinter mir ein leises, melodisches Lachen, welches mich herumfahren ließ. Dicht hinter mir stand Legolas, der mal wieder lautlos aufgetaucht war. „Boah Elb! Sag mal kannst du es dir bitte endlich abgewöhnen, hinter mir aufzutauchen und mich zu Tode zu erschrecken?"mein Herz raste noch immer, als ich ihn so unfreundlich anfauchte. Ich hasste es, dass ich ihn nie kommen hörte. Immer war er plötzlich da, sprach mich von hinten an oder berührte mich. Ich könnte jedes Mal sterben, so erschrecken mich diese Angriffe aus dem Hinterhalt. Eigentlich war es schon fast ein Wunder, dass ich Legolas in der letzten Nacht nicht mit einem Stein KO geschlagen hatte, als er so plötzlich neben mir aufgetaucht war.
Ja letzte Nacht... ich wusste wirklich nicht, was ich von dem Vorgefallenen halten sollte. Einerseits konnte ich es nicht bestreiten, dass es sich gut angefühlt hatte, von ihm getröstet zu werden, andererseits konnte ich ihn nun mal einfach nicht leiden. Er war ein kleiner, verwöhnter, überheblicher Elbenprinz, der sein ganzes Dasein scheinbar darauf ausgerichtet hatte, mir gehörig auf die Nerven zu gehen. Am besten wäre es wohl, würde ich das Geschehene einfach als Laune in einer Vollmondnacht abtun und nie mehr daran denken. Was sollte das eigentlich überhaupt heißen – das Geschehene. Es war doch gar nichts geschehen. Nicht einmal ein harmloser Kuss. Da hatte ich schon wesentlich wildere Nächte erlebt.
Legolas Stimme, die plötzlich von vor mir kam, ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Ich glaube, ich wollte lieber gar nicht wissen, was ich wieder alles verpasst hatte, während ich meinen eigenen Gedanken nachgehangen war. Immerhin hatte ich es nicht einmal gemerkt, dass der Elb mittlerweile neben Aragorn im Gras kniete. „Nun, von allen Rätseln, auf die wir bisher gestoßen sind, ist dies das seltsamste!"rief Legolas. „Ein Gefangener in Fesseln entkommt sowohl den Orks als auch den sie umzingelnden Reitern. Dann, noch im offenen Gelände, macht er Halt und zerschneidet seine Fesseln mit einem Orkmesser. Doch wie und warum? Denn wie konnte er laufen, wenn seine Beine gefesselt waren? Oder, wenn seine Arme gefesselt waren, wie konnte er das Messer gebrauchen? Oder, wenn er Arme und Beine frei hatte, warum zerschnitt er dann die Stricke?"der Elb kratzte sich sehr unelbisch am Kopf und legte seine makellose Stirn in Falten. Es fehlte gerade noch, dass er beim Denken die Nase kraus zog. Nachdem auch seine Gefährten nicht wesentlich klüger, als Legolas aus der Wäsche schauten, machte ich mich daran, ihren Gedanken ein wenig auf die Sprünge zu helfen.
„Nun, so schwer ist es doch wohl nicht, meine Herren. Wenn der Gefangene sowohl Orks, als auch Reitern entkommt, muss er wohl ziemlich klein sein, oder zumindest unscheinbar, so, dass er gerne mal übersehen wird. Vermutlich hatte er sowohl Arme, als auch Beine gefesselt und wurde bis hier her getragen – seht euch doch mal die Abrücke da drüben an. Sieht aus, als wäre da ein Ork gestorben."Ich deutete auf den unübersehbaren Blutfleck wenige Schritte entfernt. „Vermutlich ist dieses Messer da auch seines und es ist ihm aus der Hand gefallen, als er starb. Jetzt wollt ihr sicher wissen, wie er gestorben ist, oder? Nun, da kann ich nur raten, ich würde auf einen Speer der Reiter von Rohan tippen, das würde erklären, warum niemand die kleine Person am Boden entdeckte und sie sich in aller Ruhe die Fesseln zerschneiden konnte. Die nächste Frage, die sich dann logischerweise stellt, wäre, warum der Ork die Person hier her getragen hat. Nun, ich denke auch das ist leicht erklärt..."Ich sah den Männern in ihre Gesichter, die alle einen ähnlich fassungslosen Ausdruck hatten. Vermutlich wunderten sie sich gerade, dass eine Frau auch Spurenlesen konnte. Nun ja, das tat ich ja eigentlich auch nicht großartig. Ich zählte hier nur eins und eins zusammen. „...habt ihr euch noch nicht gefragt, warum Boromir erschossen wurde, während die Hobbits scheinbar keinen Kratzer abbekommen hatten, sondern nur mitgenommen wurden? Wenn ihr euch die Helme, die da drüben noch herumliegen anseht, werdet ihr überall die weiße Hand sehen. Sarumans Truppen also. Und somit ist klar, was hier geschehen sollte – die Hobbits sollten nach Isengard gebracht werden, wo Saruman sie nach dem Ring untersuchen würde, den er für sich wollte. Und da wir uns wohl alle einig sind, dass weder Orks noch Uruks sehr hell in der Birne sind, hat er ihnen sicher nix vom Ring gesagt, sondern ihnen nur aufgetragen, die Kleinen heil bei ihm abzuliefern. Und ich nehme an, dass irgendein diensteifriger Ork die Hobbits nur aus dem Kampfgetümmel bringen wollte. Immerhin glaubte er ja, sie seinen gut gefesselt und könnten somit nicht entkommen. Da sie es aber anscheinend doch konnten, schließen wir auf was?" Ich ließ meinen Blick über die drei Herren wandern. „Einer von ihnen muss lose Fesseln gehabt haben."Ich nickte Aragorn zu. „Genau! Naja und dann ist es ja nicht mehr so schwer, oder? Was macht ein müder Hobbit zu allererst? – Essen natürlich! Und dann bringt er sich in Sicherheit. So, aber jetzt bist du wieder dran Aragorn..."ich grinste befriedigt in mich rein und ignorierte sicherheitshalber alle fragenden Blicke, die mich streiften. Scheinbar waren diese Herren nicht sehr bewandert in elementarer Mathematik, sonst hätten sie es wohl selber geschafft, eins und eins zusammen zu zählen. Aber frau ist ja nicht so... man hilft doch gerne, wo man kann.
Wenige Minuten später hatte Aragorn doch tatsächlich die Spur gefunden, die in den Fangornwald führte und wir standen der Größe nach aufgereiht an dessen Säumen und blickten in die Düsternis vor uns. Es muss ein interessanter Anblick gewesen sein, wie wir da standen – Legolas als richtiger Öko-Freak ganz vorne, seine sowieso schon spitzen Ohren hatte er noch mehr gespitzt und lauschte in den Wald hinein, gleich hinter ihm stand Aragorn und spielte mit seinem Schwert (machte dieser Mann außer mit seinem geliebten Schwert herumfummeln und Spurenlesen eigentlich noch etwas sinnvolles?), dahinter mit gebührend Abstand –immerhin hatte Aragorn sich noch immer nicht gewaschen- kam ich und hinter meinem Rücken lugte Gimli mit großen Kulleräuglein hervor. Scheinbar wollte von meinen drei tapferen Kriegern keiner so recht einen Fuß in diesen Wald setzen.
„Ach man, könnten wir bitte weiter gehen? Da drin ist wenigstens Schatten..." langsam nervten mich diese Hasenfüße. Außerdem stand ich mitten in der prallen Sonne und das schadete meinem neuen, blassen Elbenteint sicher gehörig. Man will ja was gleichschauen, immerhin hatte ich einen ziemlich überlegenen Konkurrenten, was Aussehen betraf, in unserem Elbenprinzchen.
Endlich schien sich etwas zu bewegen. Legolas tappte vorsichtig einige Schritte in den großen, dunklen, bösen Wald hinein – was für ein Quatsch. Ich fand diesen Wald äußerst anziehend. Ich hatte schon immer die düsteren Wälder geliebt und dieser hier war besonders schön, da er so wunderbar alt war. Gimli und Aragorn zögerten noch ein wenig, also marschierte ich zielstrebig in den Schatten unter den Bäumen. Und –wie sollte es auch anders sein- schon bei der ersten größeren Wurzel, die unter einigem Laub verdeckt war, stieß ich mir fürchterlich die Zehen an. Immerhin hatte ich ja noch immer keine Schuhe, abgesehen von meinen Ballschuhen, die noch immer in dem provisorischen Rucksack an meinem Rücken lagen. „Scheiße noch mal! Verfluchte Wurzel, was muss dieses Mistding denn ausgerechnet in meinem Weg rumliegen. Verdammter Baum, kannst du das scheiß Ding nicht einziehen, wenn ne Dame vorbeikommt?"brüllend und schimpfend hüpfte ich auf einem Bein auf und ab und hielt mir meine blutig gestoßenen Zehen. Vermutlich konnte ich froh sein, wenn ich mir da nichts gebrochen hatte. Das kam davon, wenn man mit zu viel Tatendrang in einen Wald spazierte. Ehe ich es mir versah, spürte ich einen kräftigen Arm um meinen Oberkörper, einen weiteren, der sich in meine Kniekehlen legte und schon wurde ich hoch gehoben. Verwundert hörte ich sogar vorübergehend mit meinem Fluchen auf und wartete, was dieser Elb nun schon wieder vorhatte. Es war ja klar gewesen, dass es Legolas war, der mir zur Hilfe eilte. An ihm war wirklich ein guter Samariter verloren gegangen.
Sanft wurde ich auf einem umgefallenen Baumstamm abgesetzt, dann nahm der Elb meinen blutigen Fuß in die Hand, säuberte ihn notdürftig und warf einen Blick auf meine geschundenen Zehen. „Also, wenn du weiterhin ohne Schuhe herumläufst, wird es nicht bei so ein paar Abschürfungen bleiben..."er sah mich unergründlich an. „Ähm, aber dir geht's schon gut, oder? Dir ist wohl der Wald ein wenig zu Kopf gestiegen mein Lieber. HÄTTE ich Schuhe, glaubst du nicht, ich würde die auch tragen? Aber ich HAB nun mal keine. Sonst würde ich mir kaum hier die Füße unter Tags wund laufen und nachts abfrieren. Wie ich schon mal erwähnte – ich bin weder sadistisch noch masochistisch veranlagt, geht das in deinen bezaubernden Kopf hinein, oder ist da drin einfach nur gähnende Leere, was deine Schönheit zu verdecken versucht?"Warum machte mich dieser Elb eigentlich dauernd zu einem hochexplosiven Pulverfass?! Ich war mir sehr wohl darüber im Klaren, dass er es nicht bös gemeint hatte, aber irgendwie bekam ich seine Worte dauernd in den falschen Hals. Mir tat schon fast wieder leid, was ich gesagt hatte, als ich das für ihn so typische leise Lachen vernahm. Nun lachte mich dieser Elb doch tatsächlich aus. Ich glaubte, ich hörte nicht mehr richtig. Irgendwas musste diesem Kerl doch wahrlich in den Kopf gestiegen sein. Vielleicht hatte er eine akute Überdosis Waldluft oder ähnliches. „Was gibt's da schon wieder zu lachen?"wütend starrte ich ihn an. Doch anstatt mir zu antworten, nahm Legolas seinen Rucksack vom Rücken, öffnete ihn und zog ein Paar Stiefel, wie er sie selbst trug, heraus. „Hier, ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass sie dir passen, aber besser zu große Schuhe, als gar keine Schuhe."Mit diesen Worten drückte er mir die ledernen Schaftstiefel in die Hand und machte sich auf den Weg, Aragorn und Gimli in den Wald zu schleppen, denn die Beiden standen noch immer zaudernd vor den ersten Bäumen und konnten sich nicht überwinden, den ersten Schritt zu machen.
Nun, wo Legolas Recht hatte, hatte er einfach Recht. In diesen Stiefeln lief es sich wie auf Wolken, wenn auch meine Füße anfangs darin haltlos hin und her rutschten. Aber auch dieses Problem war bald beseitigt – ich hatte mir einfach einige weiche Blätter in die Schuhe gestopft, die nun den Raum zwischen meinen Zehen und dem weichen Leder ausfüllten. Es war einfach himmlisch endlich wieder Schuhe zu tragen und dementsprechend gut gelaunt hüpfte ich vor meinen Gefährten durch das wechselnde Licht des Waldes. Schon bald hatten wir nicht nur die Spuren von Merry und Pippin am Rade der Entwasser, sondern auch Baumbarts Felsen gefunden. Da Aragorn ratlos war, was weiter geschehen sollte und ich beschlossen hatte, mich wieder mehr aus den Geschehnissen heraus zu halten, um nicht am Ende eine Änderung der Geschichte zu bewirken, traten wir nun einer nach dem anderen den Aufstieg auf den Gesteinsbrocken an.
Aragorn erreichte das Plateau auf der Oberseite des Felsens als letzter. Wieder einmal hatte er seine Nase dicht am Boden und untersuchte jeden noch so kleinen Kieselstein auf einen möglichen Hinweis. „Ich bin fast sicher, dass die Hobbits hier heraufgestiegen sind", sagte er, „aber da sind noch andere Abdrücke, aus denen ich einfach nicht schlau werde..."Sichtlich frustriert und mit angeknackstem Waldläufer-Ego ließ sich Aragorn auf den Boden fallen und starrte trübsinnig in die Ferne.
Lange Zeit hingen wir alle unseren Gedanken nach. Ich lehnte gemütlich mit dem Rücken gegen einen Stein, träumte mit offenen Augen vor mich hin und richtete meine Sinne ganz auf den Stein unter mir. Es schien mir, als könnte ich seine Stimme hören, könnte die Gedanken des Felsens lesen. Dieses Elbendasein musste mir wirklich schon schwer zu Kopf gestiegen sein. Als ob ein Fels eine Stimme hätte... Ich war gerade dabei, mir selbst bedeutungsvoll gegen die Stirn zu tippen, als Legolas aufsprang wie ein aufgescheuchtes Huhn und in den Wald unter uns spähte. Langsam bequemte ich mich neben ihn und sah ebenfalls hinunter. „Hach wie nett, wir bekommen Besuch... Glaubst du, ich sollte mir eine neue Frisur zur Feier des Tages machen?"Ich sah Legolas grinsend an, der mir ziemlich verständnislose Blicke zuwarf. „Wie kannst du hier solche Späße machen, wenn da unten Saruman auf uns zu kommt?"zischte er, zog seinen Bogen und gesellte sich neben Aragorn und Gimli, die schon mit gezückten Waffen am Rande des Felsens standen und den alten Mann beobachteten, der immer näher kam.
„Ähm hallo? Sagt einmal, was ist es eigentlich, dass euch hier so schlecht bekommt?"Ich hatte mich an meinen drei Gefährten vorbei geschoben und sah sie nun der Reihe nach an. Wie so oft erntete ich nur fragende Blicke und ein wüstes Gemurmel von Gimli, der mir wohl klar machen wollte, dass ich in der direkten Linie zwischen seiner Axt und dem alten Mann stand, der soeben begonnen hatte, die Stufen zu uns herauf zu klettern. „Ich meine, wo sind wir hier, dass ihr einfach einen alten Mann umnieten wollt, nur weil er einen Sonntagsspaziergang durch den Wald macht. In was für einer Welt lebt ihr denn hier? Kein Respekt vor dem Alter, oder wie sieht's aus?"Ich funkelte die drei Herren böse an und deutete ihnen, sie sollten ihre Waffen wieder einstecken, doch wie so oft hörten sie nicht auf mich. „Nun, wie ihr wollt, aber ich sage euch eines- irgendwann wird es euch noch mal leid tun, dass ihr nicht auf mir hört. Aber bitte, stürzt euch nur in euer Verderben. Mir kann es ja egal sein."Ich drehte mich schwungvoll um und war schon knapp daran, einfach beleidigt davon zu stolzieren, als mir ein anderer Gedanke kam.
Kaum hatte die mittlerweile weiß strahlende Gestalt die letzte Stufe erklommen und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, sprang ich ihr schon freudig entgegen und ignorierte alle erschrockenen Rufe von Aragorn und Legolas. Gimli war zu perplex, um überhaupt noch etwas zu sagen. „Huhu Gandalf! Schön dich zu sehen! Endlich kommt hier wieder wer vernünftiger hinzu. Ich war schon fast am Verzweifeln mit diesen drei Herren... sag mal, wie hast du die nur ausgehalten? Und die Hobbits noch dazu?"ich fiel der Person, die aussah, als hätte sie in zu viel „Weißer Riese"gebadet, um den Hals und war nicht einmal wirklich erstaunt, als er meine Umarmung erwiderte und laut loslachte. „Mädchen, Mädchen, musstest du mich unbedingt verraten? Aber es freut mich, dich wieder zu sehen, du bist die letzte, die ich hier erwartet hätte. Und groß bist du geworden..."er drückte mich ein Stück von sich weg und betrachtete mich mit dem typischen Großvaterblick. „Du... du weißt, wer ich bin?"nun war ich nicht schlecht erstaunt. Ich hatte schon immer gewusst, dass Gandalf ein gescheites Kerlchen war, aber DAS erstaunte mich nun doch. Aber noch mehr erstaunte mich die Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, ich würde ihn schon seit dem Tag meiner Geburt kennen. „Oh ja meine Kleine, ich kenne dich schon seit Anbeginn deines Lebens"er lachte wieder auf, als er mein erstauntes Gesicht sah und zwinkerte mir vergnügt zu. Und in dem Moment wusste ich, dass nun alles wieder gut werden würde.
Schon kurze Zeit später hatten Gandalf auch Legolas, Aragorn und Gimli gebührend begrüßt und wir ließen uns in der strahlenden Sonne, die den ganzen Felsen in helles Licht tauchte, nieder. Meine Gefährten waren noch immer ziemlich sprachlos ob der plötzlichen Rückkehr des Zauberers und so löcherte ich den gutmütigen alten Mann mit tausenden Fragen und ließ ihm nicht einmal die Zeit, eine einzige davon zu beantworten. „Nun mal immer langsam mit den jungen Pferden und alten Zauberern, LindóriÑ. Ich werde dir alles beantworten, so gut es mir möglich ist, aber das hat noch Zeit, bis wir unser Lager für die Nacht aufschlagen. Im Schein eines Feuers lässt es sich leichter über die vergangenen Zeiten plaudern, findest du nicht?"er lächelte mich wieder so warmherzig an und ich stellte erstaunt fest, dass sein Lachen zwar sein Gesicht zierte, aber am gegenwärtigsten in seinen strahlenden Augen war. Vom ersten Augenblick an liebte ich Gandalfs Augen, aus denen sowohl unendliche Weisheit als auch Heiterkeit und Sinn für Humor sprachen. „Ich denke, ich sollte erst einmal unseren Freunden hier erklären, wo Merry und Pippin hin verschwunden sind, und wie unsere Reise weiter geht, denkst du nicht?"Ich warf einen kleinen Seitenblick auf meine Gefährten, die scheinbar noch immer nur Bahnhof verstanden, und nickte Gandalf zu. „Besser wär's, ja. Sonst wird Aragorn noch an seinem Waldläufer verstand zweifeln. Er kann mit Baumbarts Spuren hier heroben nichts anfangen..."Der alte Mann lachte. „Dann weißt DU also, was mit den Hobbits geschehen ist, so wie du wusstest, wer ich bin..."er musterte mich neugierig und interessiert. „Mhm, ja, ich wusste das und ich weiß noch einiges mehr, aber ich denke auch das sollten wir erst am Feuer besprechen. Erst einmal solltest du sie wirklich über den Verbleib der Halblinge aufklären und mit ihnen besprechen, wie es von hier aus weiter geht..."
Gandalf hatte lange Zeit mit Aragorn, Legolas und Gimli gesprochen, ihnen von seinen Abenteuern erzählt und erklärt, was mit Merry und Pippin geschehen sei. Nebenbei hatte er ihnen auch sanft beigebracht, dass die legendären Sagengestalten der Ents nicht nur ziemlich real, sondern im Moment auch hochgefährlich waren. Nachdem sich Elb, Mensch und Zwerg halbwegs von den Neuigkeiten des Tages erholt hatten, kletterten wir wieder von unserem Felsen, verließen den Wald und standen wieder auf den Wiesen vor dem Saum des Waldes. Von unseren Pferden, war nach wie vor keine Spur zu sehen und Gimli begann sich schon wieder zu beschweren, dass er jetzt scheinbar zu Fuß nach Edoras, welches wir als unser nächstes Ziel festgelegt hatten, gehen müsste. „Nun, ich zweifle nicht daran, dass Gandalf vor uns die goldene Halle erreichen würde, sei es nun zu Fuß oder auf dem Rücken eines Pferdes, ist es nicht so?"es war das erste Mal, dass Aragorn seinen Mund aufmachte, seit der Zauberer wieder zu uns gestoßen war. Groß und majestätisch stand er vor seinem Freund und betrachtete ihn lange. Beiden Männern war anzusehen, dass sie mächtig waren. Aragorn, der seine Hand wie so oft am Schwertgriff hatte, war mächtig mit der Waffe und Gandalf, der ihm gebückt und wie von einem inneren Licht heraus leicht weiß strahlend, gegenüber stand, war auf ganz andere Weise, die man nicht in Worte fassen konnte, mächtig. Es war ihm anzusehen, dass Weisheit, Kraft und Güte, die alle Macht von Königen überstieg, in ihm wohnte. „Ist es nicht wahr, Gandalf"sagte Aragorn nun wieder, „dass du schneller als ich wohin auch immer gelangen könntest? Und noch eines lass mich dir sagen: Du bist unser Feldherr und Fahne. Der dunkle Herrscher hat die Neun. Wir aber haben den Einen, der mächtiger ist als sie: den weißen Reiter. Er ist durchs Feuer gegangen und aus dem Abgrund wieder aufgestiegen. Sie sollen ihn fürchten lernen! Wir gehen, wohin er uns führt..."Mit diesen Worten, die Aragorn in meinen Augen mehr denn je als König auszeichneten, kniete er kurz vor seinem Freund nieder und bot ihm mit gesenktem Haupt sein geliebtes Schwert dar. „Wahrlich königlich bist du geworden, mein Freund"Gandalf klopfte Aragorn lachend auf die Schulter und veranlasste ihn, wieder aufzustehen. „Aber biete nicht mir dieses Schwert an, biete es denen, die alleine nicht mehr den Mut finden, in offenen Krieg zu ziehen. Sie werden es nötiger haben, als ein närrischer, alter Mann, wie ich es bin. Und nun werden wir einmal dafür sorgen, dass Meister Gimli seine neu entdeckte Liebe zu Pferden ausleben kann..."
Uh verdammt. Au! Au! Au! Kann man hier keine Rücksicht auf empfindliche Elbenohren nehmen? Das einzige, das diesen Schmerz erträglich macht, ist zu sehen, wie Legolas neben mir ebenso verzweifelt die Handflächen gegen seine Ohren presst, wie ich es mache. Holla die Waldfee... man glaubt wirklich nicht, was Gandalfs alte Lunge noch für Pfiffe produzieren kann. Das war mindestens Ultraschallfrequenz und irgendwie schien sich dieser Ton in meinem Hirn einzunisten. Sollte er solchen Unsinn schon öfter gemacht haben, würde es mich plötzlich gar nicht mehr so wundern, warum Legolas, Aragorn und Gimli teilweise ziemlich an Hirnmangel zu leiden hatten. Diese Töne zerkochten jeden Funken Verstand restlos zu Mus. Verdammt noch mal. Wo war bloß Schattenfell? Sollte dieser nicht bald auftauchen und den Zauberer zum verstummen bringen, würde nicht nur mein Hirn flöten gehen, sondern vermutlich auch meine neuen Ohren abfallen – und das jetzt, wo ich langsam begann, mich an sie zu gewöhnen...
Aber nicht nur Legolas und mir schien dieser Pfiff zuzusetzen. Aragorn lag flach im Gras und presste sein Ohr gegen den Boden. Was das wohl schon wieder sollte?! Dieser Waldläufer würde sich einige seiner reichlich schrägen Eigenschaften abgewöhnen müssen, sollte er wirklich seinen Königstitel annehmen und über Gondor regieren wollen. Es würde doch etwas seltsam anmuten, wenn der König in seinem Thronsaal flach am Boden kleben würde um herauszufinden, ob irgendein Bittsteller oder Berater auf dem Weg zu ihm war. „Es kommt nicht nur ein Pferd!"endlich stand Streicher mit einem selbstgefälligen Grinsen wieder auf. Hatte er scheinbar endlich gehört, was er hören wollte. „Na no na... oder glaubst du wirklich wir fünf würden zusammen auf ein Pferd passen?"Ich sah Aragorn an und tippte mir ganz dezent gegen die Stirn. „Ich glaube, dir hat die Waldluft wirklich nicht gut getan..."über soviel Dummheit konnte ich ja wirklich nur den Kopf schütteln. „Vier sind es"warf Legolas nun auch ein. Ach ja, musste Herr Elb mal wieder zeigen, was er alles kann. Ein Wunder, dass er uns nicht auch noch erzählte, wie viele Fliegen um ihre Köpfe schwirrten – sollte es in diesem wunderschönen Land überhaupt Fliegen geben. „Da ist Hasufel"ließ sich der Elb nun wieder vernehmen, „und dort Altáriel und neben ihnen mein Freund Arod! Doch den dreien voraus kommt ein anderes: ein sehr großes Pferd. Nie habe ich seinesgleichen gesehen!"Ja, da war er wieder in seinem Element unser Prinz. Alles was vier Beine hatte und sich bewegte schien sein ganz besonderes Steckenpferd zu sein. Naja, sah man mal von seiner abgöttischen Liebe zu Bäumen ab. Wahrlich, dieser Elb war einfach nur seltsam. Schräge Hobbies hatte der zur Genüge... war wohl auch schon alt genug, um im Lauf der Jahre einige verrückte Ideen anzusammeln.
Mittlerweile war Schattenfell bei uns angekommen und wir begrüßten den Fürst der Mearas. Ich war wirklich hin und weg. Von so einem edlen, muskulösen Pferd hatte ich mein Leben lang geträumt und nun stand es in voller Lebensgröße vor mir. „Darf ich ihn mal streicheln, Gandalf?"Ich hörte mich vermutlich an, wie ein Kleinkind vor dem Christbaum, aber so fühlte ich mich in diesem Moment auch. Gandalf lachte gutmütig. „Nun mein Kind, das solltest du lieber Schattenfell fragen. Er bestimmt, wer ihn berühren darf und wem er es erlaubt, dem wird eine besondere Ehre zu Teil." Ich wiederholte meine Frage in Richtung von Schattenfell und nach einem kurzen einladenden Schnauben seinerseits näherte ich mich diesem Prachtpferd vorsichtig. Ich war so versunken in die Liebkosungen, die ich Schattenfell zukommen ließ, dass ich gar nicht merkte, wie die Blicke der Männer amüsiert und teilweise auch liebevoll an mir hangen und mein Tun beobachteten.
Einige Zeit später riss mich ein Zupfen am Ärmel aus meiner Welt, die zu dieser Zeit nur aus dem Pferd und mir bestand. Nachdem ich Schattenfell gedankt hatte, wandte ich mich Gimli zu, er brummelnd vor mir von einem Bein auf das andere trat. „Was gibt's?" „Hast dus bald? Wir wollen heute noch los, sonst kommen wir nicht vor nächstem Jahr in Edoras an und das ist ja wohl ein wenig zu spät."Irrte ich mich, oder klang dieser Zwerg da wirklich beleidigt? War er am Ende etwa eifersüchtig, weil ich mich so sehr Schattenfell gewidmet und nicht wie sonst mit ihm irgendwelche Pläne gegen Legolas ausgeheckt hatte? Ich beschloss meine Unaufmerksamkeit ihm gegenüber wieder gut zu machen, schwang mich auf Altáriel und zog den Zwerg vor mich auf den Rücken meines Pferdes. Sobald sich unser kleiner Trupp in Bewegung gesetzt hatte, merkte ich, dass Gimli mir mein Geknuddel mit Schattenfell verziehen hatte, denn er begann schon wieder über sein Lieblingsthema zu sprechen.
„Und weißt du LindóriÑ es ist völliger Unsinn, dass wir Zwerge aus Erdlöchern schlüpfen..."ich verdrehte gutmütig lächelnd meine Augen und ritt dem Sonnenuntergang entgegen, während Gimlis Geplapper über Zwergenfrauen an mir vorbei zog.
***
A/N: Ja, das Kapitel ist irgendwie nicht wirklich was geworden, ich weiß... aber das lag mir auch nicht wirklich *Asche über mein Haupt* Nur auslassen konnte ich es schlecht, irgendwie muss Gandalf ja auch wieder auftauchen, nicht wahr? Also – das nächste wird wieder besser, lustiger, etc. – Versprochen ;o) Und nun zu meinen lieben Reviewern: @Kristin: yeah Emanzipation muss sein – und keine Sorge, sie wird's den Männern in den nächsten Kapiteln noch zeigen *fg* @Meryll: Hoffe es gefällt dir *s* @DragonSleep: hihi das hör ich gerne, dass du fast vom Stuhl gefallen bist vor Lachen... freut mich, dass du genauso viel Spaß beim Lesen hast, wie ich mit dem Schreiben... und ich hoffe, dass bald wieder viel zum Lachen kommt. @SabC: hab ganz schnell weiter geschrieben – zufrieden? *gg* Und was das „R"angeht... also es wird sicher das eine oder andere „R"-Kapitel dazu kommen, wieso fragst du? @Morgenstern: *grins* ich muss zugeben, ich hab auch das eine oder andere Mal beim Schreiben so mancher Stellen selber laut gelacht. Hab mich köstlich amüsiert beim Schreiben und finds echt schön zu lesen, dass es anderen auch so geht.
Sooooo... das wars an Review-Antworten *auf Schulter klopf weil allen was geschrieben* Und lasst mich nicht im Stich mit den Reviews... ich brauche diesen Ansporn *fg* Also je mehr ihr schreibt, umso schneller kommt das nächste Kapitel *fg*
