Part 7
Alex starrte aus dem Fenster, heute war es soweit. Charly kam zurück. Harry hatte noch zweimal angerufen. Irgendwie hatte Alex das Gefühl, dass Harry mit Charly am liebsten in Amerika geblieben wäre. Er klang so fröhlich. Es muss eine schöne Zeit gewesen sein. Je mehr Harry erzählt, desto stiller wurde Alex. Er fühlt wie die Einsamkeit ihn wieder erfasste. Was hatte Drovers Charly schon zu bieten. Es war ein hartes Land und in Amerika hatte sie nicht nur eines der besten Gestüte, da war auch noch ihre Familie. So wie Harry erzählte, waren sie ein verrückter Haufen und was am wichtigsten war, Harry sprach von der Liebe, die zwischen ihnen greifbar war. Alex dachte zurück. Liebe, wann hatte er jemals solche Liebe erfahren.
Nur bei Claire und das nicht erst als sie zusammen waren. Die Liebe war immer da gewesen. Claire war immer die wichtigste Person in seinem Leben gewesen. Es gab nicht einen Moment, in dem er sich nicht sicher war, dass Claire immer für ihn da ist. Claire, egal ob er traurig war oder fröhlich. Sein Weg führte ihn immer zu Claire. Da war es wieder, die Dunkelheit ergriff. Er dachte sie wäre weg, aber der Weggang von Charly hatte ihm gezeigt, dass er sich nur etwas vorgemacht hat.
Wann wird es jemals aufhören, so ging es nicht weiter. Entweder – er wagte nicht weiter zu denken – er hatte schon mal am Abgrund gestanden. Damals war es nur ein kleiner Schritt gewesen – Tess, war es, die ihn an der Unfallstelle gefunden hatte. Sie kam mit Charlotte vorbei und machte ihm klar, dass Claire so etwas nie gewollt hat. NIE. Aber es war alles wieder so dunkel. Nicht weil er einsam war, denn nun war ja Charlotte immer da. Nein – er wollte wieder die Liebe in seinem Leben. Die Erzählungen von Harry haben ihn noch einmal deutlich gemacht, nach was er sich sehnte.
Aber so wie es aussah, hatte er keine Chance. Er hatte sich nicht wieder verlieben wollen. Sie war kein Ersatz für Claire. Sie war Charly. Er liebte es, wenn sie albern war – ihr lachen – wenn sie mit Charlotte rumtobte oder Harry aufzog. Er hatte bemerkt, dass sie zwar die gleiche Mimik wie Claire hatte, aber doch ganz anders war. Charly war viel lockerer. Sie ging gerne Tanzen und sie hatte gerne Freunde um sich. Sie zeigte ihre Liebe, dass konnte er deutlich bei Charlotte, Harry und Terry sehen. Es war schwer für ihn sie so zu sehen. Er wollte, dass sie ihn liebte. Er wollte ihre Liebe, ihre Zärtlichkeit, ihr Vertrauen.
Er erhob sich langsam und ging zum Fenster. Selbst jetzt während sie nicht ihm Haus war, spürte man noch ihre Anwesenheit. Anders als Claire, legte Charly viel wert auf ein gemütliches Heim. Er schaute sich um, da lag noch ihre Jacke. Langsam ging er zum Sessel und hob die Jacke auf. Sie roch noch nach Charly – er drückte sich an sich – ob er jemals eine Chance bekommen würde. Er – Alex schüttelte den Kopf – so ging es nicht weiter, er zerfloss ja vor Selbstmitleid. Stopp! Er wusste genau wie es weitergeht. Jetzt ist Schluss – er gab kein verkriechen mehr! Er war am Leben und er liebte wieder, aber wer sollte ihn so lieben. Schluss jetzt. Er würde nicht mehr still im Hintergrund sein, jetzt kommt der alte Alex wieder.
HIER BIN ICH – Alex grinste frech – JA ich bin wieder da.
Während Alex grinsend im Zimmer stand, kam Meg rein. Sie schaute verwundert zu Alex, dann musste sie aber auch grinsen.
„Alex ich weiß nicht, was du ausheckst – aber schön dich wieder so zu sehen." Meg lachte
„Willkommen im Leben" Alex schaute Meg an „ Danke" Alex grinste verschmitzt „Ich werde mir das nehmen, was ich schon die ganze Zeit wollte!"
Meg musste über Alex lachen „Wen soll ich warnen?" Alex schwieg und verließ pfeifend den Raum.
Ein paar Stunden später saßen alle auf der Veranda. Es war sonderbar, alle waren freundlich und doch – Meg dachte an die Begrüßung. Charly war freundlich gewesen, aber im Gegensatz zu ihrem früheren Verhalten ging eine gewisse Kühle von ihr aus. Es war als hätte Charly einen Graben gezogen, einzig Charlotte, Terry, Harry und Stevie waren davon ausgenommen. Auch bei Nick und Alex war es nicht so, wie bei ihr, Tess und Jodi. Meg dachte nach – warum Charly sich so bei Tess und ihr so verhält, dass konnte sie ja noch verstehen, aber warum bei Jodi. Meg bekam ein mulmiges Gefühl – Nein, dass konnte nicht sein. Es war doch nicht sicher – nein Charly konnte nichts ahnen. Aber selbst wenn, warum schloss sie Jodi aus? Meg schaute in die Runde. Jodi saß bei Tess, beide bemühten sich auf Charly zuzugehen. Jetzt war es Charly die alles abblockte.
„HEY" Charly lachte laut auf „Sag mal spinnst du Alex?" Alex schaute sie unschuldig an
„Was denn?" Charly nahm ein Stück Brot und warf es nach Alex „DU hast mein Bier ausgetrunken. Wenn du ein Bier haben willst steh auf und hol dir eins"
„Warum, ich habe doch eins" Alex hatte sich eine Strategie zurecht gelegt. Erst einmal musste er ihr Freund werden, soviel stand fest. Charly war keine Frau, die es einem leicht machte.
„Los steh auf und hol mir ein neues" Charly grinste „Sonst bekommst du Morgen Diablo als Trainingspferd" Alex stöhnte gespielt gequält auf „Manmanman, immer diese Drohungen"
Langsam stand er auf und holte Charly ein neues Bier. Beide grinsten sich frech an.
Stevie lachte laut auf und auch Harry und Terry grinsten. Alex war wieder da – er war wieder wie er früher war. Sein Geplänkel erinnerte alle Drei an die alten Zeiten. Es erinnerte ein bisschen an sein Verhältnis zu Claire. Locker und unbeschwert. Harry lehnte sich entspannt zurück. Ja, dass gefiel ihm.
Es war ein entspannter Abend und doch war alles ganz anders, Charly wollte nicht mehr dazu gehören. Man merkte ihr an, dass sie nun mehr sie selbst war. Keine Rücksichtnahme mehr auf Tess. Kein Vorsichtiges annähern. Charly war es leid und Tess, Tess hatte Angst. Schließlich hatte sie viel wieder gut zu machen. Aber wie? Tess schaute verstohlen zu Jodi, aber auch die zuckte nur kaum merklich mit den Schultern. Charly war freundlich, zeigte den Beiden aber deutlich, dass sie auf ihre Zuneigung und Sympathie keinen Wert mehr legt.
„Jodi, wie müssen noch einiges klären. Nächste Woche kommt ein neuer Mitarbeiter. Er wird Hauptsächlich bei den Pferden helfen, so dass du von diesen Arbeiten befreit bist.
Jodi schaute Charly erschrocken an. Sie hat so gerne mit den Pferden gearbeitet. „OH" Jodi war sprachlos „Ähm, es hat mir Spaß gemacht, ich habe gerne mit den Pferden gearbeitet"
Charly schaute sie ernst an „Tut mir leid, aber ich habe diesen Job nun schon vergeben. Joe trifft nächste Woche ein und wir wollen hier das Zuchtprogramm aufbauen" Stevie schaute erstaunt zu Charly „JOE?"
„Jepp JOE, er brauch eine Auszeit und bringt 3 Pferde mit, dass wird ein Anfang sein. Willst du das Zuchtprogramm mitbetreuen?" Stevie schaute nachdenklich in die Ferne „ Ich denke das ist keine gute Idee" Charly nickte bedächtig „ Richtig, es soll ja auch noch gearbeitet werden" Sie grinste Stevie frech an „HEY" Charly musste lachen „Naja, stimmt doch, wenn ihr zwei zusammen seid, dann macht ihr nur Unsinn" Charly wurde wieder ernst. „Überleg es dir" Stevie nickte. „Er bringt Marie mit, ich bedauere ihn jetzt schon. Eine Reise mit Marie ist wie ein Spießrutenlauf" Stevie und Charly mussten laut lachen.
Alex hatte all dies mit Interesse verfolgt. Joe, ihr Bruder würde also hier leben. Charly hat sich ein Stück Familie nach Australien geholt. Er würde es nicht einfach haben. So wie es aussah, hat Charly eine Mauer gebaut, diese Mauer hatte nur für wenige eine Tür.
Die Nachricht von Charly hatte die Stimmung des Abends deutlich gedrückt. Jodi war nun ganz still, sie wusste nicht was sie sagen sollte. Saß ihr doch ein Klos im Hals, sie hatte so gerne mit Charly gearbeitet. Warum nur hatte sie immer wieder versucht Tess Verhalten zu entschuldigen. Für Charly muss es immer wie ein Schlag im Gesicht gewesen sein. Charly hatte sich immer um Tess bemüht und alles was sie dafür bekommen hat, war Desintresse und Kälte. Als wäre das nicht genug, müsste sie sich auch immer die Entschuldigungen von Meg und ihr anhören. Ja, niemand ist auf Charly eingegangen. Jodi schluckte – sie erhob sich langsam. „ So für mich wird es Zeit – Nacht zusammen" Jodi ging davon. Auch Kate und Stevie erhoben sich – „Nacht"
Tess schaute in die Runde „Dann helfen wir noch mit und räumen auf" Sie schaute Nick auffordernd an
„Danke, aber dass müsst ihr nicht, ich machte das gleich schon" es klang abschließend. Charly stellte klar, dass sie Tess´s Hilfe nicht wollte. Tess seufzte leise und schaute Nick traurig an. „Ok, dann gehen wir jetzt auch – Nacht zusammen" – sie erhob sich und umarmte Meg, Alex und Charlotte. Vor Charly blieb sie stehen – Charly nahm ihr die Entscheidung ab und nickte ihr zu. „Kommt gut nach Hause" - Tess nickte Terry und Harry zu und ging mit Nick zum Wagen.
Alex schaute zu seinen alten Herren „Na wie sieht es aus? Sollen wir auch fahren."
„Nein, ich bleibe heute hier. Morgen hat Charly viel zu tun und da passe ich auf Charlotte auf." Alex schaut Charly frech an „Wie sieht es aus ist auch für mich noch ein Platz frei?"
Charly wusste nicht wie sie Alex neues Verhalten einordnen sollte „ Kein Problem, wir finden schon noch ein Plätzchen für dich" Alex schaute gespielt unschuldig in ihre Richtung „Im Notfall nehme ich auch den Platz neben dir" Harry und Terry konnten sich nicht mehr beherrschen und lachten laut los, dass war ihr Alex. Er war wieder da und so wie es aussah, wusste Alex was er wollte und ging direkt auf sein Ziel los. „Na, soweit muss es nicht kommen. Ich glaube wir haben genug Betten hier im Haus. Schließlich habe ich anbauen lassen" Auch Charly musste lachen. So kannte sie Alex gar nicht. Aber was sie sah gefiel ihr. Schnell rief sie sich zur Ordnung. Stopp! Das war Alex. Der Mann ihrer Schwester! TABU!
Harry erhob sich „Es wird Zeit" Der Rest der Gruppe löste sich auf. Jeder wusste ja im Prinzip wo er hin sollte. Charly blieb noch sitzen. Es war anders. Sie hatte das Gefühl angekommen zu sein. Lag es daran, dass sie sich nicht mehr verstellte, dass sie ihre Hoffnungen aufgegeben hatte? Oder, dass ihre Familie bald auf Drovers war. Sie schaute zu den Sternen. „Hi Claire. Ich bin angekommen." Sie hätte sich gewünscht mit Claire hier zu leben. Charly erhob sich und begann aufzuräumen. Sie war schon fast fertig, als sie spürte, dass sie jemand beobachtete. Ihre Nackenhaare stellten sich auf, bevor sie sich umdrehen konnte umarmte sie jemand von hinten. „Na, Charly. Wenn die Sterne so schön leuchten, sollte eine Frau wie du nicht alleine aufräumen" Sein Atem strich sanft über ihre Wange - ein Schauer durchfuhr ihren Körper, sie versuchte ihre Gefühle zu ignorieren „Ach? Wolltest du helfen?" Sie drehte sich um und das war ein Fehler. Nun schaute sie ihm direkt in die Augen. Sie versuchte von ihm abzurücken, aber er hielt sie fest umschlungen. „Kein Problem, aber nur, wenn du dich dann noch mit mir hinsetzt" Er lies sie los. Alex hatte bemerkt, dass Charly wie ihn reagierte und wollte es nicht übertreiben, auch wenn er sie am liebsten sofort geküsst hätte. Ruhig Alter, er wüsste, es wäre ein Fehler gewesen. Charly lächelte ihn unsicher an „Klar es ist so schön heute Abend." Schweigend räumten sie die restlichen Sachen weg, kochten einen Kakao und setzten sich gemeinsam auf die Bank. Charly lehnte sich seitlich an und legte ihre Beine auf die Bank. Alex schaute sie voller Zuneigung an. Wie zufällig legte er seine Hand auf ihr Bein und streichelte sie sanft. Sie konnte sich sein Verhalten nicht erklären, es war so zufällig, es sah so beiläufig aus. Sie schüttelte leicht den Kopf. Sie machte sich etwas vor. Alex wollte nichts von ihr. Alex war nur freundlich. Sie sah doch wie er mit Charlotte, Tess, Jodi und Stevie umging. Auch da war er immer sehr zärtlich und fürsorglich.
„Bleibst du nun hier? Oder ist es nur ein Zwischenstopp?" Charly war so versunken in seinem Anblick, dass sie die Frage fast nicht wahrgenommen hat. „Ich bleibe jetzt hier. Es war einiges zu Überdenken, aber nun bin ich angekommen. Ich glaube wir haben alle Hoffnungen gehabt, die sich nicht erfüllt haben. Nun ist es an der Zeit nach vorne zu schauen und ein neues Leben zu beginnen" Charly lächelte ihn unsicher an. Es war das erste Mal, dass sie so vertraut mit Alex sprach. Es fühlte sich richtig an. Alex schaute in die Ferne. Es ist ein Anfang. Schweigend saßen sie noch lange da. Irgendwann fielen Charly die Augen zu und sie schlief ein. Alex hob die Hand und streichelte zärtlich ihr Gesicht. Er liebte sie. Nicht so wie Claire, anders, aber nicht weniger intensiv. Zärtlich strich er mit seinen Fingern über ihr Lippen, ihre Wangen. Er wollte so vieles und wusste doch, dass alles Zeit brauchte. Langsam erhob er sich und hob Charly hoch. Es ist ein Anfang. Im Schlaf kuschelte sie sich an Alex und vergrub ihr Gesicht an seinen Hals. Alex trug sie nach oben und setzte sich mit ihr im Arm auf ihr Bett. Er sollte sie hinlegen, aber es war so schön sie in seinen Armen zu halten. Er lehnte zurück und lag nun mit ihr auf dem Bett. Ich sollte gehen. Nur nichts Übertreiben mein Freund. Sanft legte sie aufs Bett, zog ihr die Schuhe aus und öffnete ihre Jacke. Er konnte nicht widerstehen und beugte sich zu ihr runter und gab ihr einen Kuss. Charly lächelte im Schlaf und er küsste sie erneut. Die Versuchung sich neben sie zu legen war so gross, nur eine kleine Weile. Alex schüttelte den Kopf, dass würde ihm morgen aber gar nicht gut bekommen. Zärtlich streichelte er noch einmal ihr Gesicht und gab ihr einen Kuss. Gib dir einen Ruck Alter. Alex erhob sich und verlies langsam das Zimmer. An der Tür drehte er sich noch einmal um, es wird die Zeit kommen, da bleibe ich. Das ist ein Versprechen. Nicht Heute, nicht Morgen, aber die Zeit wird kommen.
Fortsetzung folgt……
