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Des Blödsinns Konkretisierung
Die große Standuhr im Wohnzimmer meiner Mom schlägt gerade zum siebten Mal. Durch das geöffnete Fenster weht ein leichter Lufthauch herein, als ich gelangweilt auf den Fernsehbildschirm sehe und desinteressiert die Nachrichten verfolge, während meine Mutter zum gefühlt dreihundertsiebenundachtzigsten Mal die Karten mischt und anschließend austeilt.
»Hör auf zu träumen, Liebes«, weist sie mich zurecht und ich versuche meinen unfokussierten Blick vom Bildschirm loszureißen.
Mechanisch nehme ich die Karten an mich, fächere sie in meiner Hand auf und mache mir nicht einmal mehr die Mühe sie nach Farbe zu sortieren, denn die letzten dreitausend Runden oder so, gingen eh alle an Mom.
»Uh, das ist schwierig«, sagt sie gerade, ordnet ihre Karten und beginnt just damit alle aufgedeckt und in kleinen Gruppen auf den Tisch zu legen »Aber nicht für mich. Ich bin fertig.«
Schicksalsergeben schiebe ich meine Karten sogleich wieder zusammen, lege sie vor mir auf die Platte und leere mein Branntweinglas in einem Zug. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass meine Mutter mich hier bescheißt und fühle mich abgezockt. Niemand kann so viel Glück haben. Kopfschüttelnd fülle ich mein Glas wieder und lehne ich mich anschließend im Stuhl zurück. Ich habe Gin Rummy noch nie gemocht.
»Oh, schau!«, sagt Mom dann, greift nach der Fernbedienung und stellt den Ton lauter.
Ich wende meinen Blick und sehe gerade noch die verwackelte Aufnahme eines Flugzeugabsturzes. Das Banner am unteren Bildschirmrand berichtet über einen Terrorakt. Ist das Iron Man, der die Tragfläche des Flugzeuges auf seinen Schultern trägt und so zu einer sicheren Landung verhilft?
Ich lehne mich stirnrunzelnd näher an den Fernseher, dann wechselt das Bild zu einer Liveübertragung vor den qualmenden Überresten der Maschine. Ein Reporter ergeht sich über die Hintergründe der Tat und beantwortet die Fragen seiner Kollegen im Studio, aber ich höre nicht richtig hin, da ich im Hintergrund eine nur allzu bekannte Mischung aus Gold- und Grüntönen erblicke.
»Hinter mir sind die Rettungskräfte bereits mit den ersten Aufräumarbeiten beschäftigt«, informiert der Reporter weiter und kommentiert dann eine Aufnahme die zeigt, wie die Avengers zur Stelle waren und durch ihr rasches Einschreiten schlimmeres Übel verhindert haben.
Die bewegten Bilder in der Glotze zeigen nun Hawkeye, der traumatisierten Passagieren von der Notrutsche hilft, während Captain America einen mutmaßlichen Attentäter an die Polizei übergibt.
»Er sieht nicht besonders glücklich aus«, spricht Mom das aus, was ich denke, als ein von Reportern umringter Loki zu sehen ist, der gerade ein kleines Mädchen in die Arme seiner weinenden Mutter überreicht.
»Er wird sich schon noch daran gewöhnen.« Hoffe ich. Und ich hoffe auch, dass die Medien ihn nicht in der Luft zerreißen werden. Oder noch schlimmer, sich einen albernen Spitznamen für ihn ausdenken. Grusel.
Ein »Phlump« ertönt in der Küche, als die Luft von der Stelle verdrängt wird, an die Loki sich gerade materialisiert. Ich wende den Kopf in Richtung Flur, als seine Schritte durch das Haus hallen und setze ein Lächeln auf.
»Entschuldigt die Unterbrechung«, sagt Loki, als er ins Wohnzimmer tritt und mir einen Kuss auf den Haaransatz drückt.
Ich muss mädchenhaft kichern und befürchte, dass Moms Selbstgebrauter bereits Wirkung zeigt. Mein Blick gleitet über Lokis Wange, als er sich zu uns setzt und ich bemerke etwas Merkwürdiges. Ein roter Fleck. Ist das Lippenstift?
Mein Blick schießt zum Fernseher, wo ich just in dem Moment sehen muss, wie eine wildfremde Frau einen Kuss auf die Wange meines Freundes drückt.
»Ist das Lippenstift?«, fragt auch Mom sich und ich muss mit ansehen, wie sie mit einer Serviette bewaffnet, versucht Lokis Wange zu reinigen. Fehlt nur noch, dass sie dazu Spuke benutzt.
Peinlich berührt lege ich eine Hand über meine Augen und wische mir dann übers Gesicht. Ich will zurück nach Valdez. Hunger habe ich sowieso keinen mehr. Nachdem ich alle Cupcakes im Alleingang vernichtet habe, war mir hinterher so schlecht, dass ich fast in nähere Bekanntschaft mit der Toilettenkeramik gekommen wäre. Mom hat mir daraufhin Alkohol vorgesetzt und gemeint, dass das meinen Magen beruhigen würde.
»Danke«, höre ich Loki trocken sagen und stehe auf, um den Fernseher auszuschalten.
Als ich mich wieder setze, gibt Mom bereits wieder Karten. Diesmal für drei Spieler.
»Eine Runde schaffen wir noch, bevor wir ins Restaurant gehen«, sagt sie und erinnert mich wieder daran, dass ich so wirklich überhaupt keinen Hunger habe.
Auffällig unauffällig lehne ich mich langsam in Lokis Richtung und flüstere gerade so laut in sein Ohr, dass Mom es noch hören kann.
»Mom bescheißt.«
»Tue ich nicht!«, echauffiert sie sich und Loki legt die Stirn in Falten, während Mom entrüstet ihr Kostüm glatt streicht.
»Vorsicht, sonst fallen dir noch die Asse aus dem Ärmel«, sage ich neckend und sehe, wie meine Mutter aufgebracht nach Luft schnappt. Habe ich eigentlich gerade gelallt?
»Harleen!«
Loki lacht.
Ich schrecke aus dem Schlaf und reiße erschrocken die Augen auf. Ich habe schlecht geträumt, kann mich aber schon nicht mehr daran erinnern.
Die Sommersonne fällt durch die dünnen Gardinen auf mein Gesicht und blendet mich. Schnell kneife ich die schmerzenden Augen wieder zusammen und drehe mich auf die andere Seite.
Oh Gott. Wie spät ist es eigentlich? Was für ein Tag ist heute? Muss ich wieder auf Arbeit? Welche Route ist heute dran?
Ich setze mich auf, wobei die wärmende Decke von meinem Oberkörper rutscht, kämpfe eine aufkommende Übelkeit nieder und versuche einen klaren Gedanken zu fassen. Nein, heute ist Donnerstag, der Zwölfte. Ich muss erst am Sechzehnten wieder arbeiten.
Dann erinnere ich mich an den gestrigen Abend. War wohl doch zu viel Branntwein.
Ich husche aus dem Bett und greife im Vorübergehen nach meinem Morgenmantel, der über einer Stuhllehne hängt. Danach trete ich gutgelaunt in den Wohnbereich und finde... nichts, beziehungsweise niemanden.
Mein Blick gleitet durch den Raum und bleibt am Küchentisch hängen. Frühstück! Loki hat Frühstück gemacht! Ich hebe meinen Blick. Frischer Kaffee gluckert durch die Kaffeemaschine. Ich habe Loki nur um ein Haar verpasst. Mist.
Doch dieses kleine Dilemma habe ich schnell überwunden. Wie ein ausgehungerter Vielfraß stürze ich mich auf die frischen Croissants, die Madeleines, Éclairs und Makronen. Ich liebe Frankreich. Plötzlich kann ich Nicks Entscheidung, nach Paris zu gehen, voll und ganz nachvollziehen. Wer will denn nicht in einem Land leben, in dem Bouef Bourguignon zum Nationalgericht gehört? Hm, Bouef Bourguignon.
Ich tauche gerade ein unverschämt luftiges Croissant in Erdbeermarmelade, als ich unter meiner Kaffeetasse – die mit Disneys Arielle als Aufdruck – einen handgeschriebenen Zettel entdecke. Ich schiebe die Tasse beiseite und überfliege Lokis Notiz an mich. Daraus entnehme ich, dass er schon wieder Avengers-technisch unterwegs ist und sich meldet, sollte es länger dauern. Außerdem hat Bill angerufen. Die Taube ist repariert und freut sich wieder in Betrieb genommen zu werden. Yay! Jedoch runzele ich die Stirn, als ich die Verabschiedung der Nachricht lese.
»'Gruß und Kuss, dein Julius?'«, lese ich laut vor und starre auf die geschwungenen Linien. »Scherzkeks.«
In einem P.S. weißt Loki noch darauf hin, dass ich keinen Blödsinn machen soll.
Blödsinn? Ich? Wie definiert sich Blödsinn überhaupt? Ich mache doch keinen Blödsinn! Nur, wenn mir langweilig ist mache ich Blödsinn. Und ich habe doch so viel zu tun.
Mein Blick fliegt suchend in der Wohnung umher.
Ich könnte... äh... Ich muss doch noch... Mist. Es wird wohl damit enden, dass ich Blödsinn mache.
Erst einmal frühstücke ich in Ruhe zu Ende. Ich halte das nämlich für einen super Plan! Gerade verputze ich mein drittes Croissants, als das Telefon klingelt. Mürrisch erhebe ich mich und tapse in den angrenzenden Wohnbereich. Ich trenne mich wirklich nur sehr ungern von den köstlichen Gebäcken.
Sicheren Schrittes umrunde ich den neuen Couchtisch. Nachdem ich vor ein paar Monaten äußerst unglücklich in dem alten aus Glas gelandet bin, besteht der neue Beistelltisch nun nur noch aus Holz und kann bei erneuter ungewollter Begegnung nicht ganz so viel Schaden anrichten, wie es die Glasscherben damals getan haben.
»Parker«, sage ich, als ich das Telefon an mein Ohr drücke und unschlüssig vor dem Sofa stehen bleibe.
»Harleen? Hier ist deine Mutter.«
Genervt rolle ich mit den Augen. Erstens: Ich erkenne sie an ihrer Stimme. Zweitens: Niemand sonst, wirklich NIEMAND sonst, nennt mich bei meinem zweiten Vornamen.
»Was gibt's Mom?«, will ich wissen und schaue sehnsüchtig zu den bunten Makronen hinüber. Hm, Makronen.
»Kann ich Loki sprechen?«, fragt sie sogleich und ich blicke alarmiert auf, alle lüsternen Gedanken über Makronen sind vergessen.
»Er ist nicht da«, sage ich vorsichtig, halte den Hörer zwischen Schulter und Wange fest und binde meinen Morgenmantel enger.
»Dann versuche ich es einfach auf seinem Handy«, plappert meine Mutter weiter und meine Augen werden groß. Wo hat sie denn bitteschön Lokis Handynummer her?
Ich denke daran, dass es bestimmt nicht so gut kommt, wenn er sich gerade in einem bitterbösen Dialog mit irgendeinem Fiesling befindet und plötzlich die Melodie von DuckTales erklingt. Meine Fantasie spinnt das Szenario weiter. Was würde Loki dann sagen?
Oh, warte kurz. Das ist meine Schwiegermutter. Hallo Wilhelmina. Aber selbstverständlich, ich komme sehr gern zum Tee vorbei. Und jetzt entschuldige mich, ich muss noch kurz die Welt retten.
»Das ist vielleicht keine so gute Idee«, bringe ich schnell ein. »Soll ich ihm etwas ausrichten?«
»Himmel, nein!«, ruft Mom aufgebracht, als hätte ich sie gebeten Fallschirm zu springen. »Und sag ihm bloß nicht, dass ich angerufen habe. Ich melde mich wieder.«
»Heckst du irgendetwas aus?«
»Mach's gut, Liebes. Und achte etwas mehr auf deine Linie. Du hast ein bisschen zugenommen.«
Ein Klicken ertönt in der Leitung und ich lausche noch ein paar Sekunden dem Laut, der mir sagt, dass die Verbindung unterbrochen wurde.
»Danke, Mom«, sage ich lustlos, obwohl sie es nicht mehr hören kann und lege den Telefonhörer beiseite. Die Momente, in denen ich an ihrem Verstand zweifle, nehmen sprunghaft zu.
Ich beschließe, die Merkwürdigkeit schnell zu vergessen, begebe mich zurück an den Frühstückstisch und versuche angestrengt, mir eine To-do-Liste für den heutigen Tag zu überlegen. Mein Blick huscht über ein Foto, welches neben dem Fernseher steht. Es zeigt mich vor der Taube an einem strahlenden Sommertag.
Ein Lächeln zeigt sich auf meinen Zügen.
Befriedigend stelle ich den Motor aus und beobachte, wie der Rotor der Taube sich immer langsamer dreht. Es ist herrlich, wieder fliegen zu können. Anfangs glitt ich nur ziellos über Berge und Täler hinweg, doch als ich in der Ferne die Gipfel der Eliaskette ausmachen konnte, wusste ich, wohin mich mein Probeflug führen würde.
Beschwingt steige ich aus der Kabine und schlüpfe sogleich aus meiner schwarzen Lederjacke. Ganz schön warm hier.
Das Dach der Forschungsstation glänzt unter der hoch stehenden Frühlingssonne und ich muss schmunzeln, als ich einen Liegestuhl vor dem kleinen Haupteingang erblicke. Ich trete näher und erkenne Darcy, die, mit den Füßen wippend, in der Sonne liegt. Hat sie die Taube denn gar nicht landen gehört?
Ich winke ihr zu, erhalte jedoch keine Reaktion. Seltsam.
»Darcy!«, rufe ich und beginne zu laufen, um die Distanz zwischen uns noch schneller zu überbrücken.
Ich werde langsamer, als ich erkenne, dass sie laut Musik hört und die Augen geschlossen hat. Grinsend baue ich mich vor ihr auf, stemme die Hände in die Seiten und beobachte, wie ihr Gesicht zu irgendeiner Heavy Metal Mucke Grimassen schneidet.
»Hey«, sage ich laut und berühre ihren Fuß mit meinem eigenen.
»Whaaa!«, schreit sie los, holt aus dem Nichts einen Taser hervor und reißt diesen nach oben, während sie in die Sonne blinzelt.
Meine Augen werden groß und ich hebe abwehrend die Hände, während ich rückwärts stolpere. Bitte keine fünfzigtausend Volt, die durch meinen Körper rasen. Bitte nicht jetzt.
»Darcy, nein! Ich bin's!«
Darcy blinzelt noch ein paar Mal verwirrt, dann lässt sie den Taser sinken und zieht die Kopfhörer aus ihren Ohren.
»Himmelherrgott! Ich hätte dich beinahe getasert. Ich dachte, du wärst einer von denen«, sagt die wissenschaftliche Assistentin und rutscht unbehaglich auf ihrer bequem aussehenden Liege herum. Dann scheint ihr etwas einzufallen. »Ach, du meine Güte. Du lebst ja noch!«
Sie springt auf die Beine, zieht mich in eine Umarmung und wir hüpfen beide mädchenhaft durch die Gegend, während Darcy hochfrequentierte Laute von sich gibt.
»Du lebst, du lebst, du lebst!«, sagt sie dabei immer wieder, hält schließlich an und boxt mich gegen den Oberarm. »Wieso hast du dich nicht gemeldet? Ich dachte ernsthaft, dass dich der Trip nach Asgard in Stücke gerissen hat.«
Uiii, wie nett. Riley-Schaschlik.
»Ich... äh... « Das habe ich wohl irgendwie vergessen. »Tut mir leid. Eigentlich bin ich hier, um dir noch einmal zu danken, dass du mir damals geholfen hast.«
»Kein Ding«, winkt Darcy lässig ab und beißt sich dann auf die Unterlippe. »Meinst du, du könntest mir auch einen Gefallen tun?«
»Sicher«, sage ich schulterzuckend und mir fällt ein super Witz ein. »Solange du nicht mein Erstgeborenes willst.«
Darcy deutet mir, ihr zu folgen, während sie Anstalten macht, die Forschungsstation zu betreten. Gemeinsam setzen wir uns in Bewegung.
»Uns ist es bisher nicht gelungen, einen weiteren Menschen zu... versenden. Jane hat es ebenfalls probiert, aber... es hat nicht funktioniert.«
»Ist ihr etwas passiert?«, frage ich, als wir durch den klimatisierten Eingangsbereich in Richtung Aufzug gehen.
»Nein, zum Glück nicht, aber die Maschine ist hinüber. Das wirft uns um Monate zurück. Ich fürchte, sie dreht noch durch, wenn sie den Donnergott nicht bald wiedersieht.«
Ich runzele die Stirn und sehe zu Darcy, die ein Stück kleiner ist, als ich.
»Was hat Jane denn mit Thor zu schaffen?«
Darcy bleibt vor dem Aufzug stehen und wirft mir einen eindeutigen Blick zu.
»Oh...«, sage ich, erst dann begreife ich es richtig. »Oh! Das habe ich nicht gewusst. Hättest du etwas gesagt, dann hätte ich ihm etwas ausrichten können.« Liebe Grüße, oder so? Gruß und Kuss... Vielleicht wäre er dann mir gegenüber nicht ganz so brummig gewesen.
»Gib mir einfach eine Blutprobe, dann sind wir vorerst alle zufrieden.«
Sie wollen mein Blut? Für Tests? Weil die Maschine bei mir funktioniert hat und bei Jane nicht? Habe ich etwas Abnormales an mir? Oiii.
»Okay«, sage ich kleinlaut, als die Aufzugtür zur Seite fliegt und suche nach einem anderen Thema, während wir nach unten ins Labor fahren. »Was meintest du mit, du dachtest, ich wäre einer von denen?«
»S.H.I.E.L.D.«, sagt Darcy schlicht und beobachtet dabei die Stockwerkanzeige.
Uh! Jetzt kann ich mit Fachwissen glänzen. Ich hab den Namen geübt und jetzt drauf.
»Du meinst das strategische... heimatliche... Einsatz... Dingens?«
Mist. Ich hab's versaut.
»So ähnlich«, meint Darcy ungerührt und tritt in das Labor, nachdem der Aufzug zum Stillstand gekommen ist und die Tür wieder zur Seite gleitet. »Die wollen uns verbieten hier zu arbeiten, obwohl wir alle nötigen Erlaubnisse dafür haben.«
»Aha«, mache ich nur und sehe mich um.
Das große Sternentor, mit dem ich kürzlich noch nach Asgard gereist bin, liegt hinter der Fensterfront in seine Einzelteile zerlegt am Boden und wird vermutlich in nächster Zeit niemanden mehr irgendwo hinbringen. Computer piepen auf Arbeitsflächen leise vor sich hin, Maschinen rechnen komplizierte Sachverhalte aus und Reagenzgläser beherbergen nicht ganz koscher aussehende Flüssigkeiten. Genauso hatte ich es in Erinnerung. Herrlich.
»Bist du etwa schon wieder ganz allein hier?«, frage ich, als ich weder Jane noch ihren Mentor Dr. Selvig erspähen kann.
»Du wirst es nicht glauben«, sagt Darcy, während sie in diversen Schiebern nach Nadel und allerlei medizinischem Kram sucht und ich mich auf einem rollenden Laborstuhl platziere. »Die beiden wurden kurzfristig nach Finnland abkommandiert. Nach Finnland! Warst du da schon mal? Ich ja. Mit dem Finger auf der Landkarte. Und das hat mir gereicht. Nein, danke, habe ich gesagt, als die Frage aufkam, ob ich mitgehe. Ich bleibe hier und bewache den Kram den es zu bewachen gibt. Bist du soweit?«
Wie Dr. Frankenstein steht sie vor mir und ich krempele schnell meinen Ärmel nach oben, weil ich Angst habe, dass sie mir sonst noch mein Gehirn klaut... oder Körperteile annäht, die nicht meine eigenen sind.
Ich sehe nicht hin, als mich die Nadel in die Armbeuge pickst und versuche, an etwas anderes zu denken. Was ist eigentlich die Wurzel aus dreitausendvierhundertsiebenundachtzig? Ääähhh...
»Hast du Twinkies mitgebracht?«, fragt Darcy plötzlich und ich sehe in ihre flehenden Augen, muss jedoch bedauernd den Kopf schütteln. »Ich habe in den letzten Wochen den ganzen Jahresvorrat aufgefuttert.«
Ich nehme mir vor, dass ich ihr nächste Woche welche vorbei bringe und beobachte, wie sie meine Blutprobe beschriftet, während ich mir ein kleines Heftpflaster in die Armbeuge klebe. Dann wandert ein Teststreifen in das dunkle Rot meines Blutes und wird sogleich in eine Maschine gesteckt, die daraufhin einen dünnen Papierstreifen an ersten Testergebnissen druckt. Darcy wirft einen kurzen prüfenden Blick über die Ergebnisse und ihre Augen werden groß. Mich beschleicht Verwirrung, die die Grenze zur Besorgnis stürmt, als sie mich daraufhin überrascht ansieht. Ich muss schlucken. Stimmt irgendetwas nicht mit mir? Ich bin doch kein Alien, oder so?
»Du-«, setzt sie an zu sagen, dann schwingt die Aufzugtür zur Seite und zwei äußerst finstere Zeitgenossen betreten den Raum.
Ich habe plötzlich ein ganz mieses Gefühl in der Magengegend, denn diese Herren sehen nicht so aus, als würden sie uns den Wachturm andrehen wollen.
Beide haben ein Kreuz so breit wie ein Schrank, könnten glatt als Wrestler durchgehen und in ihren vernarbten Gesichtern spiegeln sich all die Ängste der besorgten Mütter wunderbar wieder, die garantiert nicht wollen, dass ihre Töchter in einer dunklen Gasse solchen Typen begegnen.
Dreck auf Toast. Sind das Wilderer? Was wollen die hier? Wo kommen die her? Und wieso zum Teufel gibt es hier so wenig Sicherheitsvorkehrungen?
»Scheiße«, haucht Darcy so ganz und gar nicht ladylike, während ich mich frage, ob ihr Taser noch auf dem Sonnenstuhl liegt.
Dann höre ich das Klicken.
»Ist das ein Klappmesser?«, höre ich mich fasziniert fragen und starre auf das glänzende Metall. Sofort presse ich die Lippen hart aufeinander, sodass sie nur noch zwei schmale Striche sind.
»Schnauze, Püppchen, oder deine Innereien schließen gleich Gesellschaft mit meinem kleinen Freund hier«, sagt einer der Typen, der so hässlich wie die Nacht ist und fuchtelt mit dem Messer vor meiner Nase herum.
Verängstigt rutsche ich von dem Laborstuhl, stolpere einen Schritt zurück und stoße dabei unsanft gegen einen Schreibtisch.
»Moment mal«, schiebt die Göttin der Elektroschocker sich mit erhobenen Armen zwischen mich und die Klinge. »Hier gibt es überhaupt nichts zu holen. Wir päppeln weder verwaiste Seehundbabies auf, noch sind wir-«
Ich zucke zusammen, als Darcys Wange Bekanntschaft mit dem Handrücken des Wilderers mit dem Messer macht und im Raum ein unschönes »Fatsch« widerhallt. Darcy geht hart getroffen zu Boden und stößt sich zu allem Überfluss noch die Stirn an einer Tischkante, sodass sie erst einmal benommen liegen bleibt.
»Darcy!«, schreie ich und hechte zu ihr.
»Schnauze, hab' ich gesagt!«, werden wir angebrüllt, weiterhin mit dem Messer in Schach gehalten, während sich der zweite Eindringling an den Rechnern und Computerbildschirmen zu schaffen macht.
»Die können wir super verkaufen, Eddie«, lässt er seinen Kumpel wissen und reißt Kabelverbindungen aus ihren Verankerungen, um sogleich die erste Elektronik aus dem Labor schleppen zu können.
Darcy gibt ein unartikuliertes Glucksen von sich und ich lege ihr beruhigend einen Arm um die Schultern.
»Das sind die Forschungsergebnisse von mehreren Monaten«, bringt sie gequält hervor. »Jane wird mich umbringen.«
Ich beobachte, wie der erste Typ sein Klappmesser wegsteckt, um seinem Kumpel zur Hand zu gehen und fasse mir ein Herz.
Ich drücke kurz Darcys Oberarme, dann erhebe ich mich in einer fließenden Bewegung, straffe die Schultern und räuspere mich. Die Wilderer sind so mit ihrer illegalen Arbeit und der Demontage des Equipments beschäftigt, dass sie von mir keinerlei Notiz nehmen. Ich räuspere mich erneut, diesmal lauter.
»Entschuldigung, die Herren«, sage ich laut und merke gleichzeitig, dass Darcy mich warnend am Bein berührt. »Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie Ihre Tätigkeit unterlassen und von dannen ziehen könnten.«
Beide Wilderer halten perplex in ihrem Tun inne und sehen sich entgeistert an. Dann brechen sie in schallendes Gelächter aus und ich komme mir schlagartig äußerst blöd vor.
»Lass gut sein, Riley«, zischt Darcy mir zu und versucht mich dazu zu bewegen, mich wieder neben sie zu setzen. »Das ist es nicht wert.«
»Genau, Riley«, äfft Nummer Eins Darcy nach und schiebt sich sein Kopftuch auf dem Glatzkopf zurecht. »Lass es gut sein und geh zurück in deine Ecke.«
»Ja«, pflichtet Eddie bei und versucht, mich mit Blicken auszuziehen. »Mit dir habe ich dann noch etwas ganz Besonderes vor.«
Ich glaube, mich übergeben zu müssen und will mich angewidert abwenden, als meine Hose vibriert und gleichzeitig die Melodie von »Probier's mal mit Gemütlichkeit« ertönt. Ich erstarre, während die ungeteilte Aufmerksamkeit aller auf mir liegt. Vorsichtig wandert meine Hand langsam an meine Gesäßtasche.
»Das würde ich lassen«, sagt Eddie schnell und überbrückt die Distanz zwischen uns mit wenigen Schritten.
Meine Hand verharrt an Ort und Stelle, als Eddie sich nah an mich drückt und ich halte die Luft an, als seine Hand langsam und anzüglich an meinem Körper nach unten und in meine Hosentasche gleitet.
Ob ein Unglück passiert, wenn ich ihm gleich das karierte Holzfällerhemd voll kotze?
Der Klingelton meines Telefons wird lauter, als Eddie das Handy in seinen fleischigen Händen hält. Ich versuche einen Blick auf die Nummer des Anrufers zu erhaschen und meine Laune verbessert sich, als ich »Schneeprinz« auf dem Display lesen kann. Dann lässt Eddie das Mobiltelefon fallen und tritt mit dem Absatz seines klobigen Stiefels so lange darauf ein, bis die Melodie kläglich versiegt und es in seinen Einzelteilen vor mir liegt.
Ganz blöde Idee, denke ich nur, während Eddie sich wieder gehässig lachend einem Computerbildschirm widmet und mir den Rücken zukehrt.
Ich bin über die Zerstörung meines Telefons nur minder entsetzt. Zuhause liegt ein funkelnagelneues Smartphone und wartet nur darauf, in Betrieb genommen zu werden. Gekauft habe ich das Teil schon vor ein paar Wochen aus einer Laune heraus. Seitdem suche ich nach einer Ausrede, mein altes Telefon in den Müll werfen zu können. Eddie hat mir quasi einen Gefallen getan. Aber das sage ich ihm nicht.
Beide Wilderer verschwinden in einem angrenzenden Raum und ich wende mich eilig an Darcy, die immer noch am Boden kauert und mit einer Hand ihren Kopf betastet, während die andere Hand ein Tischbein umklammert.
»Hast du ein Telefon?«, frage ich eilig flüsternd.
Darcy nickt und verzieht sogleich schmerzvoll das Gesicht, als sich ihr malträtierter Kopf zu Wort meldet. Dann angelt sie ein Handy aus ihrer Jackentasche und will es mir reichen, als ich das unverwechselbare Geräusch vernehme, wenn Luft verdrängt wird, da sich von jetzt auf gleich eine Person an dem Ort befindet, die gerade eben noch nicht da war. Darcy sieht an mir vorbei und ihr Kinn klappt nach unten.
Schwungvoll wirbele ich herum und blicke in Lokis fragendes Gesicht. Seine Stirn liegt in Falten, die Arme sind hinter dem Körper verschränkt und er wirkt aufgebracht. Gut für uns.
»Oh, Gott sei Dank«, hauche ich erleichtert und kann nur schwer dem Drang widerstehen, mich in seine Arme zu werfen.
»Ich sagte doch bereits«, beginnt er und lässt seinen stechenden Blick durch den Raum gleiten. »Loki ist völlig ausreichend.«
Ich kann die Komik in der Situation gerade nicht erkennen, da Eddie in dem Moment hinter Loki auftaucht und sich augenblicklich mit grimmigem Gesicht auf ihn stürzen will.
»Vorsicht!«, rufe ich entsetzt.
Als Eddie meinen Freund erreicht, flackert Lokis Erscheinung kurz auf und Eddie rennt ins Leere, direkt durch Lokis Erscheinung hindurch. Geistesgegenwärtig stellt Darcy ihm ein Bein, sodass er mit dem Kopf voran durch das Labor stürzt, mit der Schläfe schmerzlich hart gegen einen Stahltisch knallt, zu Boden geht und sich nicht mehr rührt.
Lokis Trugbild blickt ungerührt auf die reglose Gestalt, dann löst es sich auf.
»Was stellst du schon wieder an, du Idiot?«, ruft Eddies Kumpel und stößt ebenfalls zu uns. Er blickt ratlos zwischen Darcy und mir hin und her, dann sieht er Eddie und läuft auf der Stelle purpurrot an. »Was ist hier los?«
Er setzt sich in Bewegung, ein »Phlump« ertönt und der Wilderer rennt ungebremst in Lokis ausgestreckten Arm. Er geht jedoch nicht zu Boden, sondern taumelt nur kurz. Dann schießt seine Faust hervor, unter der Loki sich gekonnt wegduckt. Eine Sekunde, sowie eine halbe Drehung später, schreit der verbliebene Wilderer wie ein Kleinkind, als ihm sein Arm unbequem auf den Rücken gebogen wird. Lokis Auge zuckt verärgert, als sich der verbliebene Wilderer in wüsten Beschimpfungen ergeht, wo Lokis Mutter keine unwesentliche Rolle spielt. Ich zucke zusammen, als ein Knochen splittert, der schreiende Mann in irgend so einer Martial Arts Kampfsportbewegung über Lokis Schulter rollt und keuchend auf den Boden knallt.
»Hurensohn«, presst er hervor und Lokis Auge zuckt erneut, bevor seine Faust niedersaust und den Unglücklichen in die selige Ruhe der Bewusstlosigkeit zwingt.
Ich stehe anerkennend nickend in der Gegend herum, als Loki sich wieder elegant zu voller Größe aufrichtet und das Leder seines Mantels ruhig um seine Beine schwingt. Seufz.
»Hast du meine Nachricht gelesen?«, fragt er gelassen, zupft seine Ärmel zurecht und hebt den Kopf um mich fragend anzublicken.
»Ja«, sage ich kleinlaut und will nach unten sehen und mit den Füßen scharren.
»Du solltest doch keinen Blödsinn machen«, weißt er mich auf den Inhalt der Notiz hin.
»Entschuldigung«, ist alles, was mir dazu einfällt und Loki beginnt nun doch zu schmunzeln.
Neben mir klickt ein Mobiltelefon und ich wende den Blick. Darcy steht mit offenem Mund neben mir und fotografiert Loki.
»Darcy«, sage ich ruhig und sie dreht den Kopf langsam in meine Richtung, wendet den Blick jedoch nicht von Loki ab. »Mach den Mund zu, sonst kommen die Fliegen rein.«
Sie gehorcht, dann macht sie noch ein Foto und Lokis Augenbraue schießt in die Höhe.
»Das kommt auf Facebook«, höre ich sie sagen.
Ich seufze erneut, sehe zu Loki und spüre ein Flattern in der Magengegend, als er mir zuzwinkert.
Ich döse vor mich hin, befinde mich irgendwo in der herrliche Welt direkt zwischen Schlaf und Wachsein, spüre Lokis Herzschlag an meiner Wange und vernehme seine leise Stimme, die mit mir spricht, während er mich in seinen Armen hält und meinen Nacken streichelt.
»Deine Mutter hat mich heute angerufen.«
Ich brauche ein paar Sekunden bis ich das Gesagte realisiere, doch schließlich bin ich wieder hellwach und mein Oberkörper schießt nach oben. Beklommen sehe ich Loki an, der weiterhin der nächtlichen Fernsehserie folgt und erst zu mir schaut, als die Verfolgungsjagd im Fernsehen ein jähes Ende an einem Brückenpfeiler findet.
Vermutlich mache ich einen ziemlich verstörten Eindruck, denn Loki sieht mich relativ alarmiert an und fragt:
»Ist alles in Ordnung?«
»Tut mir leid«, entschuldige ich mich sogleich für ein mir nahe stehendes Familienmitglied. »Ich habe ihr gesagt, dass sie das lieber lassen soll.«
Loki lächelt verstehend, legt einen Arm um mich und zieht mich zurück in meine Ausgangsposition an seinen Körper. Einigermaßen beruhigt bette ich meinen Kopf an seine Brust und blicke auf den Fernseher, jedoch ohne das Gesehene wirklich wahrzunehmen.
»Mach dir keine Gedanken«, sagt er und streicht mir das Haar aus der Stirn. »Es war sehr... amüsant.«
Ich verziehe leidend das Gesicht. Ja, das kann ich mir allerdings vorstellen.
»Will ich wissen, was ihr Anliegen war?«, frage ich und meine Finger wandern spielerisch über Lokis Bauch.
Er lacht leise und mein Kopf hebt und senkt sich im selben Rhythmus.
»Das bezweifle ich«, lässt er mich kurz und knapp wissen.
Seine Finger wandern meine Wirbelsäule hinab und ich schaudere. Meine Hand findet Lokis und sie verhaken sich ineinander. Ich spüre seine Lippen an meiner Stirn und hebe den Blick.
»Alles in Ordnung?«, liegt es nun an mir zu fragen, da ich seinen Ausdruck nicht deuten kann.
Loki nickt, legt seine Finger unter mein Kinn und mustert mich. Ich warte darauf, dass er mich küsst, aber er tut es nicht und ich runzele die Stirn. Irgendetwas stimmt nicht.
»Ich habe heute meinen Sohn gesehen«, rückt er endlich mit der Sprache raus.
Oha.
Ich nicke dennoch verstehend und bin froh, dass ich mir den Namen der Weltenschlange endlich merken konnte.
»Jormungand.«
»Nein, Fenrir.« Meine Augenbrauen schießen in die Höhe, während meine Synapsen versuchen, diese Information zu verarbeiten. »Zumindest war ich der Meinung, dass er es ist. Aber es war wieder eine... Täuschung.«
Ich sehe Loki an, als würde er von Einhörnern reden, während er die Konturen meines Gesichts mit seinen Fingerspitzen nachzieht und mein Haar glatt streicht. Ich blinzele, als mir bewusst wird, dass er sich nicht mehr zu dem Thema äußern wird. Mein Blick huscht immer wieder zu seinen Lippen, die ich unbedingt küssen will, aber eine Frage brennt mir auf der Zunge.
»Wie viel Kinder hast du eigentlich?«
Lokis trauriger Blick erhellt sich, als er mich amüsiert mustert, jedoch unterbricht ihn ein nervtötendes Piepen, noch ehe er mir antworten kann.
»Ich muss los«, sagt er stattdessen und ich richte mich auf, sodass Loki sich erheben kann. Blöder Pieper. Gerade wo es spannend wird.
»Okay«, sage ich nur und greife nach der Fernbedienung. «Ich warte hier auf dich.«
»Um ehrlich zu sein«, beginnt er, greift nach meinen Händen und zieht mich auf die Beine, »wäre es mir lieber, wenn du mit mir kommst. Es sei denn, du hast wichtige Dinge zu erledigen.«
»Ich könnte mir zum zehnten mal die erste Staffel 'Pushing Daisies' anschauen«, sage ich und finde das gar keine so schlechte Idee.
»Du und dein Kuchenbäcker«, zieht Loki mich ein wenig auf und ich nicke nur bestätigend. »Also?«
Ich wäge Für und Wider ab, doch noch ehe ich eine geistige Liste beginnen kann, nicke ich bereits und wir sind mit einem »Phlump« verschwunden.
»Himmel, Arsch und Zwirn, Rudolf!«, höre ich sogleich darauf eine Männerstimme, die ich sofort Stark zuordne. Irgendwo scheppert etwas klirrend zu Boden und ich bemerke, dass wir uns am Besprechungstisch im Helicarrier befinden. Loki macht ein selbstgefälliges Gesicht, als Tony auf uns zu stapft, die kläglichen Reste einer kaputten Kaffeetasse in der Hand. »Wie oft muss ich dich noch bitte, das nicht zu tun? Hey, Riley!«
Verunsichert starre ich auf Starks ausgestreckte Faust, doch schließlich begreife ich, dass es eine Begrüßung sein soll. Schnell hebe ich den Arm, um meine Faust gegen seine zu drücken. Dabei spüre ich, dass Lokis Hand an meinem Rücken mich noch fester packt.
»Bis du aufhörst mir nächtliche Textnachrichten zu senden«, antwortet Loki auf Tonys Frage und dieser muss lachen.
»Also nie. Riley, setz dich doch.«
Ich sehe, dass er einen Stuhl zur Seite zieht und mir diesen anbietet. Lokis Arm rutscht einverstanden von meinem Rücken und ich nehme das Angebot dankend an.
Ich nicke Dr. Banner zu, der mir gegenüber sitzt und er erwidert dies stumm lächelnd. Netter Kerl.
Ich kriege einen kleinen Schreck, als ich beobachte, wie Tony Loki in den Oberarm boxt. Loki lässt dies gelassen über sich ergehen und revanchiert sich mit gleicher Geste. Tony schreit auf, als dabei ein magischer Stromschlag durch seinen Arm fließt und Loki zufrieden grinst. Dann lachen beide.
Noch vor wenigen Monaten wäre diese Konstellation undenkbar gewesen.
Jetzt sind es zwei Milliardäre unter sich, denke ich mir und würde es echt witzig finden, wenn Starks Freundin auch rote Haare hätte. Hat er eine Partnerin? Wen muss ich fragen, um das herauszufinden? Erfährt man so etwas über die Medien? Die Klatschpresse? Wo sind die Illustrierten meiner Mutter, wenn ich sie einmal brauche? Ist es von Belang? Nein. Aber ich will es trotzdem wissen!
»Das ist nicht ihr Ernst, Laufeyson«, höre ich Furys durchdringende Stimme und ziehe automatisch den Kopf ein wenig mehr zwischen die Schultern zurück. Ein Blick zur Seite sagt mir, dass der autoritäre Direktor von S.H.I.E.L.D. die Brücke betritt und dass sein durchdringender Blick kurz auf mir ruhen bleibt, bevor er sich verärgert an Loki wendet. »Das hier ist kein Ort für Zivilisten.« Fury blickt erneut zu mir und hebt abwehrend eine Hand. »Nichts gegen Sie, Miss Parker.«
»Schon okay«, höre ich mich sagen, winke gelassen ab und male mit dem Finger undefinierbare Figuren auf die glatte Tischplatte.
Loki lehnt sich lässig gegen das Geländer, verschränkt die Arme vor der Brust und überkreuzt die Beine.
»Sehen Sie es als Bedingung für unsere Zusammenarbeit, dass Miss Parker dahin geht wo ich hingehe.«
Mir gefällt, wie er meinen Namen ausspricht, aber ich versuche es zu ignorieren, da die Situation irgendeinen ernsten Hintergrund zu haben scheint, den ich noch nicht ganz begreife. Hätte ich vielleicht doch zu Hause bleiben sollen?
Fury beißt verbissen die Zähne aufeinander und stößt letztendlich resignierend die Luft aus. Ich sehe, dass Starks Hand zur selben Zeit in die Höhe schießt.
»Dafür«, ruft er lautstark und tritt dabei näher an mich heran, was mich nur noch mehr verwirrt.
»Ebenso«, sagt Dr. Banner mit beruhigender Stimme und mein Blick huscht zu ihm.
»Wenn es wirklich jemand auf unseren Ziegenpeter und sein Umfeld abgesehen hat«, lenkt Tony die Aufmerksamkeit der Anwesenden wieder auf sich, »ist Rotkäppchen nirgendwo so sicher, wie beim bösen Wolf.«
Der Vergleich hinkt, denke ich mir, aber dann manifestiert sich recht schnell ein ganz anderer Gedanke:
Hä? Wer ist in Gefahr?
Ich habe das ungute Gefühl, dass ich irgendetwas ganz Entscheidendes nicht mitbekommen habe und wehre mich deswegen nicht, als Tony mir durch die Haare wuselt und Lokis Blick Blitze in unsere Richtung wirft. Thor wäre stolz.
»Das werde ich noch bereuen«, nuschelt Fury nur und reibt sich die Stirn. Danach sieht er auf die Uhr und schreit Befehle an die Kommandanten des Helicarriers.
Ich bekomme nur noch die Hälfte mit, denn plötzlich kommt in alle Anwesenden Bewegung. Dr. Banner und Tony verlassen wie auf Kommando die Brücke durch den Hauptzugang und Loki tritt neben mich. Er hält mir Hilfe anbietend seine Hand entgegen. Ich sehe von seiner Hand zu seinem Gesicht und erkenne darin die selbe Sorge, die ich gerade empfinde.
»Ist irgendjemand in Gefahr?«, frage ich.
Loki lässt seine Hand langsam sinken und genauso stetig sinkt meine Hoffnung, dass dem nicht so ist.
~ Ende des 7. Kapitels ~
Hier bin ich wieder! Zurück aus London!
Wie ihr euch vielleicht schon denken könnt... Jetzt kann ich glücklich sterben, denn ich habe Mr. Hiddleston erneut sehen dürfen. Live. 2 1/2 Stunden lang. Gott... was habe ich dafür auf mich genommen... aber es hat sich SOWAS von gelohnt! *_*
Es. War. Fantastisch.
Tom war fantastisch!
Der Cast war fantastisch!
Die Inszenierung von »Coriolanus« ist fantastisch und unser mehrmaliger Blickkontakt (!) war oberfantastisch! *dies*
Aber ich will nicht zu viel verraten... vielleicht haben einige von euch noch das große Vergnügen bei der Live-Übertragung am 30. Januar dabei zu sein! Wenn dem so ist: Bringt starke Nerven mit und denkt an meine Wort! Und bis dahin: Viel Spaß mit Loki und Riley =)
