Animus

Disclaimer: Die Charaktere und das Harry Potter-Universum gehören mir nicht. Ich beabsichtige nicht das Copyright zu verletzen und mache hiermit kein Geld.

Ein herzliches Dankeschön an die Reviewer:

zissy: Hey, du machst mich ja ganz eifersüchtig… g Ich quäl sie ja gar nicht… Das war alles die böse Autorin lol Oh ja, der Katertrank wäre wirklich eine Bereicherung! Ich weiß, ich weiß und das hier ist auch nicht länger, aber sonst schaff ich es einfach nicht einigermaßen regelmäßig zu updaten… Tja, ich glaube das Draco schon einigermaßen professionelle Hilfe benötigt… Lass dich überraschen! Bis zum nächsten Mal!

Reinadoreen: Du hast Recht, das ganze Debakel hat nach dem Kneipenbesuch stattgefunden und dass kommt später noch (meiner Meinung nach verständlicherweise das Härteste Kapitel). Nein, Harry lässt ihn nicht einfach liegen, da kommt der Gryffindor halt doch noch durch. Und mit seinem Gewissen wird er nun etwas zu kämpfen haben. Strafe muss sein!

cori: Du kannst Harry gerne hier beschimpfen und meuchelmorden und was dir sonst noch so einfällt. lach Schön, dass du dazugestoßen bist. Ja, der arme Draco muss wirklich fürchterlich leiden, aber jetzt geht's langsam aber sicher etwas aufwärts.

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„Geh einfach weg", haucht er.

Ich will gerade erwidern, dass ich nicht weggehen kann, als mir eine Idee kommt. Hermine macht eine Ausbildung zur Medi-Hexe. Sie kann Malfoy helfen. Sie ist brillant und obwohl sie erst in ihrem ersten Ausbildungsjahr ist, ist sie bereits besser als viele Heiler, die doppelt so alt sind wie sie. Und Hermine versteht Diskretion.

Ja, das werde ich tun; ich werde Hermine um Hilfe bitten.

Nun, da ich mich für diese Lösung entschieden habe, wende ich meine Aufmerksamkeit wieder Malfoy zu.

„Ich werde jemanden holen, der dir hilft, okay? Kein Muggelkrankenhaus. Aber du brauchst Hilfe."

Er antwortet nicht, sondern dreht nur seinen Kopf weg und zittert leicht. Ich ziehe die Decke wieder hoch, so dass sie seinen Körper bedeckt und widerstehe dem lächerlichen Drang ihn einzuwickeln.

Okay, dann will ich mal keine Zeit mehr verlieren; wer weiß, wie lange er schon mit diesen Verletzungen hier liegt.

Ich renne die Treppen wieder nach unten zum Kamin und greife nach etwas Flohpulver aus der kleinen Schüssel, die auf dem Kaminsims steht. Zur gleichen Zeit ziehe ich meinen Zauberstab aus meiner hinteren Hosentasche und richte ihn auf den Kamin. Ich zaubere ein kleines Feuer herbei und werfe dann das Pulver hinein. Danach knie ich mich vor den Kamin und stecke meinen Kopf hinein.

Ich finde mich in einem Haus wieder, dass ich sofort erkenne, obwohl ich nicht so oft dort bin wie ich es eigentlich sein sollte.

„Hermine? Ron?", rufe ich.

Innerhalb weniger Sekunden rennen sowohl Ron wie auch Hermine aus verschiedenen Richtungen zu mir. Ihnen steht die Überraschung und Besorgnis ins Gesicht geschrieben.

„Harry?", fragt Ron und zur selben Zeit fragt Hermine: „Harry, was ist los? Was ist passiert?"

Ich schaue Hermine an und ignoriere Ron im Moment.

„Du musst schnell kommen, Hermine. Bitte. Ich brauche deine Hilfe…"

Sie schüttelt verwirrt den Kopf.

„Aber was…"

„Ich erkläre es dir, wenn du da bist. Bitte…"

„Nun… natürlich…"

„Und… bring deine Medizintasche mit."

Sie sieht total verwirrt aus, aber sie nickt zustimmend und das ist alles, was ich jetzt sehen musste. Ich ziehe meinen Kopf aus dem Kamin und stehe auf, wobei ich meine schmerzenden Knie ignoriere.

Dann warte ich.

Keine zwei Minuten später apparieren Hermine und Ron in mein Wohnzimmer.

Hermine stürmt mit ihrer Medizintasche auf mich zu.

„Okay, Harry. Was geht hier vor? Bist du krank?"

„Nein, ich nicht. Jemand anderes."

„Wer?"

„Er ist oben."

„Oben? Aber wer ist es? Was geht hier vor? Ist es ein Muggel?"

„Hermine. Ich erklär dir alles später. Du musst ihm helfen."

Ich schnappe ihre Hand und ziehe sie hinter mir die Treppen hoch. Ron, der bisher die Rolle des stillen Beobachters eingenommen hatte, folgt uns.

Ich betrete das Zimmer und gehe einen Schritt zur Seite, damit sie auch eintreten können. Sie werfen einen Blick auf die Person im Bett, drehen sich dann zu mir und beide beginnen gleichzeitig Fragen zu stellen. Sie reden so schnell, dass ich gar nicht sagen kann, wer was fragt.

„Malfoy?"

„Was macht er hier?"

„Was ist mit ihm passiert?"

„Harry, was geht hier vor?"

Malfoy hingegen schaut Ron und Hermine an und verdreht sein gesundes Auge.

„Das wird ja immer besser."

Ron tritt einen Schritt vor.

„Harry. Eine Erklärung. Jetzt."

Ich ignoriere ihn wieder und rede mit Hermine.

„Mine… bitte?"

Sie sieht mich lange an, so als würde sie versuchen festzustellen, ob ich schon verrückt geworden bin oder nicht. Dann seufzt sie und dreht sich zum Bett.

„Bitte geht ihr beide. Ich rufe euch, wenn ich fertig bin."

„Ich lass dich nicht alleine mit diesem Bastard hier!", schreit Ron.

Hermine fixiert ihn mit einem Blick, den wir beide nur zu gut kennen. Es ist der ‚legt euch nicht mit mir an'-Blick.

„Ron, geh jetzt. Bitte. Mir wird nichts passieren. Nicht wahr, Harry?"

Ich nicke.

„Er wird dich nicht verletzen."

Als ob er in seinem Zustand irgendwen verletzen könnte…

Ein Zustand in den ich ihn gebracht habe…

„Wir sind unten", sage ich, als ich Rons Arm schnappe und ihn aus dem Zimmer zerre.

Für eine Sekunde glaube ich, dass er sich gegen mich sträuben wird und verlangt zu bleiben, aber anscheinend vertraut er mir genug, um sich von mir führen zu lassen.

Wir gehen nach unten und setzen uns auf das Sofa, das dem umgeworfenen Tisch gegenüber steht.

Ron verschränkt seine Arme und sieht mich an.

„Sprich mit mir", verlangt er.

Konfrontiert mit seiner Bitte, verstumme ich. Ich kann nicht einmal darüber nachdenken wie ich anfangen soll das alles zu erklären. Ron beharrt jedoch darauf.

„Warum ist er in deinem Schlafzimmer? Und warum ist er so zusammengeschlagen worden?"

„Ich… Es ist eine lange Geschichte, Ron", sage ich schließlich.

Er lehnt sich auf der Couch zurück.

„Ich habe Zeit. Wenn man bedenkt, dass Hermine oben einen unserer schlimmsten Feinde heilt… Ich habe massig Zeit."

Die Sache ist – Ron hat seinen eigenen ‚leg dich nicht mit mir an'-Blick. Er ist nicht so angsteinflößend wie Hermines, aber er wirkt trotzdem. Ich weiß, dass ich ihm erzählen muss, was hier vor sich geht.

Also… tue ich es.

Ich erzähle ihm von der schicksalhaften Nacht in der ich Malfoy getroffen habe und von unserer Vereinbarung. Dann erzähle ich ihm von unserem Streit und dass ich in den Pub gefahren bin. Ich beende meine Erzählung mit dem was ich heute nach dem Aufwachen vorgefunden habe. Es ist nicht verwunderlich, dass ich eine Menge Details weglasse. Es gibt Dinge, die auch mein bester Freund nicht zu wissen braucht.

Und die ganze Zeit ist Hermine oben und heilt Draco Malfoy. Es ist komisch, dass das Leben sich immer anders entwickelt als wir uns es vorstellen. Wir haben immer gedacht, dass Hermine einmal einen hohen Rang im Ministerium einnehmen würde oder so etwas – wir hätten uns nicht einmal träumen lassen, dass sie eine Medi-Hexe werden will. Aber dann kam der Tag, an dem sie sah wie Rons Bein in einem besonders brutalen Kampf abgetrennt worden war.

Sie hat seine Hand gehalten, während er auf dem Schlachtfeld langsam verblutet ist und auch als der Medi-Zauberer das Bein unter Schmerzen wieder magisch anwachsen ließ. Der Zauberer hatte Rons Leben gerettet und genau dort und zu diesem Zeitpunkt wusste sie was für eine Karriere sie anstreben würde. Das war auch der Augenblick wo sie realisierte, dass sie in einen ihrer besten Freunde verliebt war.

Und obwohl sie sich noch in der Ausbildung befindet und so gesehen noch keine Medi-Hexe ist, ist sie eine großartige Heilerin. Und im Moment ist sie oben und heilt Draco Malfoy – den Stricher. Die Ironie des Ganzen ist überwältigend. Ron sagt etwas und unterbricht damit meinen Gedankengang.

„Was hat dich da nur geritten, als du dachtest, dass das eine gute Idee ist, Harry?"

„Ich habe nie gesagt, dass ich dachte, es wäre eine gute Idee", verteidige ich mich.

Er lehnt sich vor.

„Dann warum zur Hölle?"

Ich beginne die Geduld zu verlieren. Wie kann er erwarten, dass ich ihm etwas erkläre, das ich selber nicht verstehe.

„Ich weiß es nicht, Ron! Ich weiß es nicht!"

Er schüttelt den Kopf und lässt das Thema fallen.

„Also, aus Malfoy ist eine Hure geworden. Ich muss zugeben, dass das eine sehr poetische Gerechtigkeit ist… obwohl so wie ich ihn kenne, genießt er es."

Ich denke an die erste Nacht und die Würgegeräusche aus der Halle.

„Er genießt es nicht", sage ich leise.

Ron holt tief Luft und schaut zu Boden.

„Schau, Harry, du bist erwachsen. Wenn du Malfoy vögeln willst… nun… das ist deine Sache. Aber versprich mir, dass du vorsichtig bist."

Er sieht mich an und ich schaue direkt in seine ernsthaften, fast bittenden Augen.

„Er kann zwar nicht mehr zaubern, aber er ist immer noch ein Malfoy und ein Slytherin. Benutz ihn so sehr du willst, aber pass auf, dass er dich nicht benutzt."

Ich nicke stumm, um meine Zustimmung zu zeigen. Ich würde ja antworten, wenn da nicht dieser Kloß in meinem Hals wäre.

„Okay, dann", sagt Ron und lehnt sich wieder gegen die Sofalehne. Wir verfallen in ein unangenehmes Schweigen, während wir auf Neuigkeiten von unserem ‚Patienten' warten.

Ungefähr zwanzig Minuten später kommt Hermine die Treppen hinunter. Sie setzt sich uns gegenüber auf einen Stuhl und schenkt dem umgestoßenen Tisch und den Glasscherben nur einen flüchtigen Blick.

„Wie geht es ihm?", frage ich.

Sie schüttelt den Kopf und fährt sich mit ihrer Hand müde durchs Haar.

„Er wird es überleben. Das Schlimmste waren die gebrochenen Rippen und die Gehirnerschütterung. Ich kann immer noch nicht glauben, dass er geschlafen hat – er hat verdammtes Glück gehabt, dass er wieder aufgewacht ist. Nun, er braucht für die nächsten zwei oder drei Tage viel Bettruhe, damit sein Körper vollständig heilen kann; danach sollte er in Ordnung sein. Ich habe ihm etwas gegeben damit er ohne Sorgen schlafen kann."

Ich seufze erleichtert auf.

„Danke, Hermine. Ich schulde dir was."

„Was du mir schuldest, ist eine Erklärung."

„Er hat dir nicht erzählt, was passiert ist?"

„Er hat gesagt, dass du die Geschichte erzählen solltest."

Ich presse meine Hände zusammen und versuche ihrem Blick auszuweichen.

„Ich glaube nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist um genauer…"

„Harry! Ich habe gerade Draco Malfoy geheilt. Draco Malfoy! Du wirst mir auf der Stelle erklären, was hier vorgeht!"

Warum war es einfacher gewesen es Ron zu erzählen?

„Hermine, ich…"

Aber sie hört mir nicht mehr zu. Sie starrt auf meine angeschwollenen Hände und lässt dann ihre Augen zu meinem Gesicht hoch wandern. Ich glaube, dass sie jetzt erst die blauen Flecken bemerkt.

„Deine Hände… dein Gesicht… Harry? Hast du ihm das angetan?"

Ich blicke zu Boden.

„Ja, das habe ich."

„Harry… warum?"

Ich schaue zu Ron und blicke ihn bittend an. Tatsache ist, dass ich es nicht kann. Ich kann diese schäbige Geschichte nicht noch mal von vorne erzählen. Besonders nicht Hermine.

Ron steht auf und geht zu ihr. Er legt ihr liebevoll einen Arm um die Schulter.

„Komm, Schatz. Ich erzähl dir alles zu Hause."

„Aber warum könnt ihr es mir nicht jetzt erzählen?"

„Harry hatte einen schlimmen Morgen. Er ist erschöpft und muss sich ausruhen. Er hat mir bereits alles erzählt was passiert ist und ich werde es dir erzählen. Versprochen."

Sie schaut ihn intensiv mit hochgezogenen Augenbrauen an. Dann dreht sie sich zu mir.

„Lass mich zumindest deine Hände heilen."

„Nein", sage ich.

Ich brauche diesen Schmerz. Ich brauche ihn, um mich daran zu erinnern, was ich getan habe. Wozu ich fähig bin. Wozu ich jederzeit fähig bin.

„Harry…"

„Nein!"

„Gut!", schreit sie zurück.

Sie sieht wütend aus; wütend genug, um streiten zu wollen. Aber dann wird ihr Blick weicher. Sie kommt zu mir und nimmt mein Gesicht sanft in ihre Hände.

„Was auch immer passiert, Harry, erinnere dich daran, dass wir bei dir sind und dich lieben."

„Ich weiß", flüstere ich.

Sie stellt sich auf die Zehenspitzen und haucht mir einen Kuss auf die Stirn. Dann holt sie ihre Medizintasche und stellt sich neben ihren Ehemann.

„Vergiß nicht, was ich dir gesagt habe, Kumpel. Und lass dich öfter mal blicken", sagt Ron.

Ich nicke.

„Werde ich nicht. Und werde ich."

Für einen kurzen Augenblick erscheint ein schwaches Lächeln auf meinem Gesicht.

„Danke euch beiden."

Sie lächeln beide etwas befangen… und dann sind sie weg.

Und nun bin ich alleine. Nun, nicht ganz alleine. Ich blicke nach oben, wo sich Malfoy ausruht und alles, was ich sehe, ist sein Gesicht… das Blut… alles, was ich höre, sind die Worte, die er unter Schmerzen hervorgebracht hat.

Ich lasse mich hart auf meine Knie fallen und verberge den Kopf in meinen Händen.

Sie tun wieder weh. Gut. Sie sollen schmerzen. Ich verdiene nichts anderes. Jemand wie ich verdient nichts anderes.

Ich schließe meine Augen, als eine Welle der Traurigkeit und Verzweiflung über mich hereinbricht. Ich beginne mich vor und zurück zu wiegen und wünsche mir, dass ich weinen könnte. Wenn ich nur einmal weinen könnte… Fühlen sich Menschen nicht besser, wenn sie weinen?

Aber es kommen keine Tränen. Das tun sie nie.

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So, das war's auch schon wieder. Ich hoffe, dass es euch gefallen hat.

Und bevor ich es vergesse: Am Sonntag oder Montag werde ich wahrscheinlich das erste Kapitel eines kurzen Zweiteilers online stellen. Es ist wieder eine Übersetzung und zwar eine von Emma. Also wieder eher etwas für die Romantiker. Ich hab das jetzt einfach gebraucht, weil mich Animus doch ziemlich runterzieht… Wär schön, wenn ihr reinlest.

Bis zum nächsten Mal!