Kapitel 7: Vor verschlossenen Türen
„Glaubst du, du kannst mir helfen sie zu bewegen?" fragte Jeremy erneut und zeigten auf das für ihn leider unüberwindbare Hindernis.
„Ich kann…es versuchen…."
Der Hase griff einen der Kisten und stemmte sich mit voller Kraft dagegen. Und tatsächlich kurz darauf begann diese sich ein kleines Stück zu bewegen.
„Warte, ich helfe dir."
Jetzt, wo er sah, dass sich diese tatsächlich bewegen ließen, wollte er nicht nur unbeteiligt daneben stehen. Und zusammen schafften sie es tatsächlich, die erste Kiste beiseite zu räumen. Der erste Schritt war getan, aber unter diesen Umständen wären sie bis morgen früh damit beschäftigt…
„Ich denke es reicht, wenn wir sie nur ein Stückchen bewegen, damit ich mich durch zwängen kann. Dahinter können sie mich nicht erreichen und vielleicht kriege ich raus, was es mit diesem Ort auf sich hat."
„Ich kann…dort nicht hin…" sagte Toy Bonny und wirkte enttäuscht.
„Tut mir leid. Im Moment kann ich leider nichts tun. Aber wenn ich das hier heute überleben sollte, Frage ich meinen Mitbewohner, der hat bestimmt eine Lösung."
Das war wahrscheinlich nur ein kleiner Trost für den Roboter, aber er wusste nicht, wie er ihn sonst hätte aufmuntern sollen…
„Aber wenn du möchtest, kannst du hier Wache stehen. Ich werde wahrscheinlich nicht lange brauchen und vielleicht brauche ich dann noch deine Hilfe."
Das schien ihn wieder ein wenig aufzuheitern: „Ruf mich…falls du etwas…brauchst."
Der Blick, den Toy Bonny ihm zuwarf…er konnte es selbst nicht beschreiben, aber er schien damit mehr andeuten zu wollen, als das was Jeremy geplant hatte…
Was zur Hölle?! Er war ein Roboter!
Diese Nacht hatte ihm wohl doch mehr abverlangt, als er bis dato gedacht hatte...Und vielleicht war es an der Zeit, dass er sich mal einen Urlaub gönnte. Mag sein, dass er hier erst seit einer Woche arbeite, aber bei diesen Bedingungen, war er mehr als bereit für eine Auszeit. Aber wenn er sich wirklich dazu entscheiden würde der Marionette zu helfen, würde es wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis er sich diese gönnen könnte.
Außer natürlich es ging alles schief, dann brauchte er sich darüber keine Gedanken mehr zu machen.
„Dann wollen wir mal…"
Er winkte Toy Bonny noch einmal kurz zu, bevor er sich zwischen den Kisten entlang schlängelte. Diese standen bis zum Ende des Flurs, wenn auch dort nicht mehr ganz so gequetscht, wie noch kurz zuvor.
„Wenigstens muss ich mir keine Gedanken machen, wie ich von hier aus weiterkomme…"
Er tastete sich langsam vorwärts, bis er die zugenagelte Tür wieder erreicht hatte. Nichts hatte sich hier seit der letzten Nacht verändert, wenigstens etwas…
Trotzdem stand er jetzt vor seinem nächsten Problem. Er konnte an den Brettern rütteln wie er wollte, ohne das richtige Werkzeug würde er nicht weiterkommen…
„Toy Bonny!"
Fast augenblicklich erschien der blaue Hase und lugte zwischen ein paar Kisten hervor.
Es war offensichtlich, dass er am liebsten zu Jeremy gelaufen wäre, aber diese unsichtbare Wand hielt ihn davon ab.
„Ich komme hier nicht weiter…glaubst du, du kannst ein Werkzeug wie einen Hammer oder ein Brecheisen auftreiben?"
Es musste einfach auf einen Versuch ankommen. Die Roboter wurden, soweit er wusste, noch gewartet, also musste es hier auch irgendwo etwas vergleichbares geben.
„Im...Lagerraum sollte es...so etwas...geben..."
Das war eine gute Nachricht.
„Gut, aber pass auf, dass Golden Freddy dich nicht erwischt." Noch einmal würde der Bär seinen ehemaligen Kameraden sicherlich nicht so glimpflich davonkommen lassen...
„Keine Angst...er kann mir...nicht in die...Lüftungsschächte folgen...aber..."
„Was?"
Etwas besorgt trat Jeremy ein Stück an ihn heran. Hatte der Hase bedenken, dass etwas schief gehen könnte? Und dann ging plötzlich alles sehr schnell. Ehe er sich versah, fand er sich in einer festen Umarmung wieder.
„Uahhh...!"
Wie es schien hatte Toy Bonny ihn hereingelegt und er konnte den Flur doch etwas weiter betreten, als er vorgegeben hatte...
Die ganze Aktion traf Jeremy vollkommen unvorbereitet, aber als er spürte, wie Toy Bonny seine Nase durch seine Haare rieb, entspannte er sich ein wenig.
Trotz seines metallischen Innenlebens, wahr er unglaublich weich und strahlte eine angenehme Wärme aus, wie er es bereits gestern erfahren hatte. Doch jetzt, wo er buchstäblich in dieser eingehüllt war, fiel es ihm ihm unglaublich schwer, sich wieder aus dieser zu lösen. Er war so unendlich müde...aber noch waren sie nicht in Sicherheit.
„Hey...äh...Toy Bonny? Ich bin mir sicher, dass es dir diese Nähe sehr wichtig ist, aber glaubst du nicht auch, dass es besser wäre es auf später zu verschieben? Ich meine...es wäre sicherlich nicht von Vorteil, wenn Freddy jetzt um die Ecke kommen würde, oder?"
Toy Bonny gab ein paar unverständliche Laute von sich und drückte ihn noch fester an sich bevor er ihn wieder los ließ.
„Das ist...ein Versprechen..."
So einfach würde er aus dieser Sache sicher nicht herauskommen und Jeremy bezweifelte, dass der Hase es einfach vergessen würde. Aber solange es sich nur um eine Umarmung handelte, war ja nichts dabei, richtig?
„Versprochen."
Toy Bonny nickte ihm zu: „Nicht...vergessen..."
Dann drehte er sich um und rannte davon.
„Wieso habe ich das Gefühl einen großen Fehler begangen zu haben?" murmelte er kopfschüttelnd und setzte sich hinter eine der Kisten. Er war positiv, dass die Animatronics hier nicht her konnten, aber für den Notfall sollte er hier unbemerkt bleiben.
„Hoffentlich lohnt sich dieser ganze Stress..."
Er blickte in Richtung der verschlossenen Tür.
Vollkommen umsonst haben sie sicherlich nicht all diese Schwierigkeiten auf sich genommen, um ihn von diesem Ort fernzuhalten. Jetzt konnte er nur noch hoffen, dass es sich auch als etwas Gutes herausstellte. Und es sich nicht um einen grausamen Scherz ihrerseits handelte...
„Bei meinem Glück muss ich wohl mit dem Schlimmsten rechnen..."
Fast unbewusst wanderten seine Augen zu seiner Seite, er erwartete regelrecht das Blut zu sehen, dass aus dieser hervor quoll, aber Mike hatte ganze Arbeit geleistet und bis auf ein leichtes ziehen war so gut wie nichts zu spüren. Er war sich nicht mal sicher, ob er die Ersatztablette überhaubt noch bei sich hatte.
„Wie spät es inzwischen wohl ist...?"
Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, aber wahrscheinlich war gerade mal eine viertel Stunde vergangen, seit er das letzt Mal auf eine Uhr geschaut hatte...
„Jeremy!"
Toy Bonny war schneller wieder zurück als er erwartet hatte. Und so fröhlich wie er aussah, war seine Suche erfolgreich gewesen.
„Reicht...das?"
Er reichte ihm ein, wie es schien, unbenutztes Brecheisen.
„Das ist perfekt. Vielen Dank."
Der Hase strahlte ihn stolz an und fügte hinzu: „Nicht...vergessen."
„Natürlich nicht, aber jetzt wollen wir doch mal sehen, was sich hinter dieser Tür verbirgt..."
Er setzte das Brecheisen an: „Ich hoffe das funktioniert..."
Er stemmte sich dagegen und schaffte es nach einiger Mühe tatsächlich das erste Brett zu lockern. Kurz darauf folgten die anderen. Im Vergleich zu allem anderen, mit dem er sich heute Nacht herumschlagen musste, war das hier schon fast verdächtig einfach. Umso vorsichtiger öffnete er anschließend die Tür...
Doch nichts hätte ihn darauf vorbereiten können, was anschließend geschah.
Eine Hand schoss aus der Dunkelheit hervor, packte ihn an seinem Hemd und zog ihn in den Raum.
Heißer Atem traf ihm ins Gesicht und er blickte in leuchtend weiße Augen.
‚Scheiße...'
