Entnervt fuhr ich mir mit meinen Fingern durch die Haare. Ich seufzte lautstark. Ist so etwas eigentlich ansteckend? Edward tat dieses „Haar-Ding" andauernd und nun fing ich auch noch damit an. Ich tigerte im Studio auf und ab und zerbrach mir den Kopf darüber wie ich die ganze Geschichte mit Alice, Jasper und mir wieder gerade biegen konnte. Wobei mir ehrlich gesagt die Sache mit Alice um einiges wichtiger war.
Jazz hatte es sich selber verbockt. Wie konnte er mir und vor allem Alice so etwas antun? Sie war doch eine wundervolle Frau, die durchaus Grips hat. Wie konnte er sie nur nicht mögen?! Ich kaute nervös immer wieder auf meiner Unterlippe herum und hoffte inständig, dass sie nicht anfing zu bluten, denn so langsam tat es weh, wie meine Zähne die Haut bearbeiteten. Doch ich konnte definitiv nicht aufhören. Es war zu beruhigend.
Aber Gefühle konnte man einfach nicht erzwingen. Wenn er Alice nun mal einfach nicht attraktiv genug fand? Mich dafür um so mehr? Herr Gott noch mal. Das ist doch keine Rechtfertigung dafür, dass er mich total hintergeht und Sachen über mich erzählt, die überhaupt nicht stimmen. Klar, er und ich hatten... Ich seufzte wieder... ein sehr, sehr gutes Verhältnis zueinander. Die Betonung liegt auf hatten.
Momentan fühlte ich nur Hass und Wut, wenn ich an Jasper dachte. Wie konnte es ihm nur einfallen. Meinte er, mich damit rumkriegen zu können? Hätte da ein normal klärendes Gespräch nicht auch gereicht? Nein! Er musste Alice und mich auseinander bringen damit er freie Bahn hatte.
„Isabella!" Mein Kopf schreckte hoch. Ich war total in Gedanken versunken, dass ich nicht hörte, dass jemand das Studio betrat. Aro lächelte mich zaghaft an und schaute sich um.
„Oh, Hallo Aro!" Ich hob meine rechte Hand und winkte ihm kurz zu. Ich ging einen Schritt in Richtung meines Schreibtisches und ließ mich schwerfällig nieder.
„Noch nichts zu tun gehabt heute?" Er runzelte mit der Stirn und schaute mir intensiv in die Augen. Dabei schnappte er sich den Stuhl, der am anderen Ende meines Schreibtisches stand, ließ sich nieder und fing an mit dem Brieföffner in Delfinform, der am Tischrand stand, herumzuspielen.
Ich seufzte abermals: „Nein, leider nicht! Die Mitarbeiterbilder habe ich dir ja schon alle fertig gemacht. Ich hoffe heute Vormittag kommt noch jemand. Wo genau soll ich nachher eigentlich hin?" Ich ließ meinen Kopf auf meine aufgestützte Hand nieder.
„Auf Deck 4 ist ne große „Pool-Animations-Party". Mit Sommer-Musik, Cocktails, kostenlose Massagen und Poolspiele. Fängt um 15h an! Das ist so das Highlight des heutigen Tages. Wir werden erst spät heute Nacht bzw. Morgen früh vor Ocho Rios vor Anker gehen. Von daher denke ich, dass du nur die Frühschicht hier im Studio machen wirst morgen. Die Meisten werden dann eh die Insel erkunden im Laufe des Nachmittags. Wusstest du, das Bob Marley ganz in der Nähe geboren und gestorben ist? Nine Mile heißt das kleine Dorf!"
Ich schüttelte den Kopf, ich hatte noch nicht allzu viel über unsere Route und die Orte, die wir ansteuerten, erfahren.
„Oh und dann musst du unbedingt die Dunn's River Falls sehen! Das sind die bekanntesten Wasserfälle Jamaikas! Wenn du willst kann ich dich gern mal morgen mitnehmen! Wenn keiner von deinen Freunden mit dir hingehen will oder wenn sie Dienst haben! Da kann man herrliche Bilder machen!"
Er war kaum noch zu stoppen. Die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus. Ich hatte Aro noch nie so enthusiastisch gesehen. Dieses Leben hier, die Karibik, das Meer, die Fotografie - das war genau das was er wollte. Was sein Leben lebenswert machte. Das Leuchten in seinen Augen verriet ihn, wenn er über diese ganzen Dinge redete.
„Danke Aro, das ist wirklich lieb von dir! Ich werde mal sehen, ob ich die Zeit dafür finde, Ocho Rios etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ist denn morgen Abend keine Feier an Bord?" Ich brauchte etwas zu tun, um mich ablenken zu können. Und vor allem, um mir einen Plan auszudenken wie ich Alice Freundschaft wiedergewinnen konnte.
„Öhm, ich glaube in Saal 2+3 ist eine „bayrische Mottoparty"! Aber da hatte ich schon Jane und Alec für eingeteilt. Ich wollte dir einen freien Abend gönnen!" Er zuckte entschuldigend mit den Schultern.
Wunderbar, so hatte ich bestimmt das Glück, dass sowohl Rosalie als auch Alice auch frei hatten und wir uns alle in unserem Zimmer wiedersahen, inklusive dicker Luft.
„Ähm ja, dann halt nicht! Wenn dir aber noch jemand abspringt, dann sag ruhig Bescheid. Ich kann das auch übernehmen, wirklich!" Ich zwinkerte ihm einmal entgegen und versuchte locker zu wirken.
„Ach Bella, du wirst nächste Woche noch genug zu tun bekommen! Glaub mir mal!" versicherte mir Aro. „Ich muss jetzt auch wieder los! Die Pflicht ruft! Habe noch Lagebesprechung mit Alec! Hab noch einen schönen Tag, Liebes!" Er verzog sein Gesicht zu einem Lächeln und schwebte zur Tür hinaus, die er danach geräuschlos ins Schloss fallen ließ.
Ein leises Stöhnen entwich meiner Kehle. Ich ließ meinen Kopf auf den Tisch fallen und schloss die Augen. Ich musste es irgendwie schaffen, Alice dazu zu kriegen, mir einfach zuzuhören ohne gleich wieder irgendwas zu interpretieren bzw. dazwischen zu zicken. Das würde sich aber bestimmt schwieriger gestalten als gedacht.
Ich könnte sie auch einfach auf den Stuhl fesseln, den Mund knebeln. Dann konnte sie nicht weglaufen, musste mir zuhören und konnte keine Widerworte geben. Wenn ich Rosalie lieb fragen würde, könnte sie mir da auch helfen. Indem sie Alice in einen Hinterhalt lockte oder so etwas.
Hilfe, meine Phantasie ging mit mir durch. Bevor das Ganze ausarten konnte riss mich das Vibrieren meines Mobiltelefons aus meinen absurden Gedanken. Ich runzelte die Stirn. Eine SMS von Rosalie.
„14 Uhr, in meinem Behandlungszimmer! Du wirst es nicht bereuen! Kuss"
Was war das denn bitte? Ich lugte auf die große Uhr an der Wand. Es war 13:32h und noch niemand war hier. Wie ätzend. Wieder ließ ich meinen Kopf auf die Tischplatte nieder und vergrub meine Finger in meine Haare. Ich sah fürchterlich aus. Ich hatte mich weder geschminkt noch irgendwie meine Haare heute morgen richten können. Was ein beschissener Tag.
Es klopfte leise an meine Tür.
Ich blickte auf und sah Jasper hineintreten. Na großartig! Der hatte mir gerade noch gefehlt!
„Was willst du?" brüllte ich ihn fast an, als er die Tür geschlossen hatte. Es musste ja nicht das ganze Deck mitkriegen, dass wir Probleme hatten.
„Bella! Können wir noch mal reden?" Er sah mich flehend an.
„Was hast du da hinter deinem Rücken?" Ich zickte ihn immer noch an und verschränkte beide Arme vor die Brust. Zaghaft holte er ES hervor. Es war eine einzelne rote Rose.
„Sag mal spinnst du? Nach der Aktion, die du gerissen hast, meinst du mir ernsthaft noch Blumen kaufen zu müssen, Jasper? Ist das dein Ernst!?" Ich steigerte mich so langsam in die Situation rein und das bedeutete definitiv nichts Gutes.
Das Teufelchen saß schon auf meiner rechten Schulter und rieb sich erfreut die Hände.
„Zeig's diesem blöden Arsch!" flüsterte es in mein Ohr. „Er hat es doch nicht besser verdient!"
Auf meiner anderen, der linken Schulter, erschien nun mein Engelchen-Ich.
„Isabella! Hör ihn doch erst mal an!" Sie säuselte auf mich ein.
„Warum sollte sie das tun? Er hat ihr Alice weggenommen und nun muss er büßen für seine Lügen!" Das Teufelchen lachte höhnisch.
„Alice hat dir auch nicht zugehört, Bella! Du willst doch, dass sie dir einfach mal zuhört. Jetzt hörst du Jasper auch nicht zu. Vielleicht will er sich entschuldigen und dir sagen, dass es ihm Leid tut. Du musst ihm erst mal zuhören!" Das Engelchen flehte förmlich.
„Bella?" Jasper guckte mich etwas irritiert an und Engelchen und Teufelchen verpufften und nun war ich allein. Allein mit meiner Entscheidung was ich tun sollte.
Das Engelchen hatte schon Recht. Ich wollte ja auch, dass Alice mir einfach mal zu hörte, ohne direkt in die Luft zu gehen. Sollte ich nicht selber das machen, was ich von anderen auch erwartete?
Ich seufzte einmal: „Also Jasper, 2 Minuten. Ich werde dir genau 2 Minuten zuhören und du kannst versuchen, es mir zu erklären, okay?" Ich schloss meine Augen, atmete einmal kräftig durch und versuchte, mich darauf zu konzentrieren was jetzt auf mich zu kam.
„Ich möchte mich entschuldigen!" Ok, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Ich öffnete meine Augen und starrte auf den Tisch vor mir – gespannt auf das, was er noch zu sagen hatte.
„Bella, ich mag dich wirklich gern und ich habe gemerkt, dass es falsch ist! Es ist nicht richtig, andere Menschen gegeneinander auszuspielen. Ich muss so versuchen, dein Herz zu erobern. Ich muss dafür kämpfen! Mit fairen Mitteln! Das wollte ich dir sagen!"
Er legte sanft die rote Rose auf meinen Schreibtisch.
„Und Bella?" Nun hob ich meinen Blick und sah in seine Augen.
„Ich werde es tun!" Diese Entschlossenheit, die aus seiner Stimme und seinen Augen sprach, machte mir Angst. Doch ich kam gar nicht dazu, etwas zu sagen. Er schien erleichtert, mir das gesagt zu haben und lächelte als er den Türgriff umschloss und sich noch mal zu mir umdrehte.
„Wir sehen uns nachher an Deck zur Poolparty!"
Und schon war er verschwunden. Meine Kinnlade war immer noch zum Boden geklappt und mein Gehirn arbeitete gerade fieberhaft daran, das eben Geschehene zu verarbeiten. Meinte er das Ernst? Genau das wofür ich ihn heute die ganze Zeit verurteilt hatte bereute er?
Das war doch schon mal ein Anfang!
Das Engelchen auf meiner Schulter streckte demonstrativ dem Teufelchen die Zunge raus. Einfach erst mal zuhören hatte sich definitiv gelohnt.
Vielleicht klärte sich die Sache mit Alice auch so schnell. Ich hoffte es inständig. Streit mit ihr war nervenaufreibend. Ich blickte auf meine Armbanduhr und es war nun kurz vor 14h. Ich dämmte das Licht und schloss die Tür ab. Ich war gespannt was Rosalie von mir wollte.
Kurz bevor ich da war, sah ich Alice, die aber auf den Weg ans obere Deck war, vor ihr lief Jasper. Sie blickte ihn finster an und als ob das noch nicht genug wäre erblickte sie nun auch mich. Wenn das Sprichwort „Wenn Blicke töten könnten..!" wirklich stimmen würde, wäre ich sofort auf der Stelle an Herzversagen gestorben.
Hatte Jasper noch nicht mit Alice gesprochen? Sprachen die beiden überhaupt zusammen? Ich musste schnellstens Alice mal alleine erwischen. Meine Gedanken wurden von einem jämmerlichem Schrei unterbrochen. Meine Schultern zuckten zusammen. Was war das denn bitte?
Es kam definitiv aus Rose' Salon. Ich beschleunigte meinen Schritt. Wobei es war keine Frauenstimme. Es war eine Männerstimme. Als ich um die Ecke bog, um das Schauspiel in Augenschein zu nehmen, prustete ich los.
Dieser Anblick war göttlich. Rosalie hatte ein entzückendes weißes Tanktop an mit der passendfarbenen Shorts. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich die Freude wieder, die sie auch körperlich ausstrahlte.
Auf ihrem Kosmetikstuhl saß bzw. lag Emmett. Nur mit einem Handtuch um den Hüften bekleidet. Sein Gesicht zierte eine Schokoladenmaske. Es war aber gerade hochkonzentriert angespannt. Seine Bauchmuskeln spannten sich an und wieder entwich seinem Mund ein herzzerreißender Schrei.
Ich kugelte mich wieder vor Lachen. Nun entdeckte mich auch Rosalie. Triumphierend hielt sie mir den Wachsstreifen entgegen auf dem, nicht wenige, von Emmetts Brusthaaren hingen. Er winselte vor sich hin und murmelte: „Bellaaaaa, rette mich!"
"Womit hat er denn diesen Service verdient?" Ich giggelte und hatte das erste Mal an diesem Tag gute Laune. Behutsam kam ich näher und strich mit meinen Fingerspitzen über die schon errötete Haut an seiner Brust. Er zog scharf die Luft ein und versuchte, so locker wie möglich zu wirken.
„Er wollte das volle Programm!" grinste Rosalie. Sie zuckte mit den Schultern und setzte ihre Unschuldsmiene auf.
„Aber Roooose!" Quängelte er. „Ich wusste doch nicht, das wir beide so eine unterschiedliche Interpretation von „volles Pro-" Auuuuuuuuuuuutsch.
Sie hatte ihm wieder ein paar Haare entfernt und schien es sichtlich zu genießen. Ich liebte Rose für ihre offensive Art. Sie hatte Emmett voll und ganz im Griff. Konnte sich ihre Späße mit ihm erlauben und wusste aber auch genau, dass der große Teddybär auch ab und zu ein paar Streicheleinheiten benötigte. Ich lächelte in mich hinein. So süß waren die beiden.
„Rose, Liebes, was beinhaltet dein Programm denn eigentlich noch?" Seine Frage hatte einen nervösen Unterton und Rosalie grinste ihn an.
„Tja Emmilein, deine Augenbrauen benötigen definitiv eine neue Form!..." Ein Stöhnen entwich seinem Mund.
„Und zu guter letzt steht noch eine Gesichtsmassage an!" Jetzt lächelte er lieblich. Wie gesagt, Rosalie wusste genau wie man Emmett ködern konnte. Als sie die Pinzette zum Augenbrauenzupfen heraussuchte und danach langsam Emmett's Schokoladenmaske mit lauwarmem Wasser entfernte, lugte sie aus den Augenwinkeln zu mir rüber.
„Und, schon was Neues von der Front?" Sie versuchte zu lächeln. Ich zuckte mit den Schultern.
"Wusstest du was Jasper Alice gesagt hat bezüglich was ich angeblich machen würde?" Ich runzelte die Stirn.
„Alice war total aufgebracht, oder ist es immer noch. Ihr hattet drüber gesprochen. Über ihre Gefühle zu Jasper und so! Und was machst du? Flirtest mit ihm und machst ihm Hoffnungen. Ist ja nicht so, dass wir nicht alle mitbekommen haben, dass er dich mehr als nur mag!" Sie seufzte.
„Rose, Rose, Rose.. Halt! Ich habe weder mit Jasper geflirtet noch sonst was! Das ist schlichtweg gelogen!"
Rosalie seufzte abermals. Diesmal nur noch etwas lauter.
„Das habe ich nämlich befürchtet! Ich hab Alice auch versucht zu erklären, dass sie erst mit dir reden solle! Aber sie ließ sich nicht abbringen. Ihr beide, du und Jasper geht ja auch immer recht „vertraut" miteinander um und da hat sie halt ihr Schlüsse draus gezogen. Ihr habt zusammen gearbeitet und da du dich ja überhaupt nicht um Edward gekümmert hast, bzw. dich mal mit ihm getroffen oder sonstiges hat sie gedacht, das wäre nur ein Alibi, um dich in Ruhe an Jasper ranschmeißen zu können!"
Ich massierte mir mit meinem Zeige- und Ringfinger die Schläfe und versuchte, das gerade gesagte zu verarbeiten. So etwas dachte Alice von mir? Warum? Ich dachte wir wären Freundinnen und Freundinnen traut man doch eher als irgendwelchen blöden Typen.
„Aber Rosalie! Ich war so frustriert wegen Edward und seiner äääh Schwester, die ich als seine Freundin hielt! Natürlich find ich ihn immer noch ganz nett!" Ich merkte wie ich rot wurde.
„Meinst du diese Victoria?" Nun schaltete sich Emmett in unser Gespräch ein. Er hatte die Augen immer noch geschlossen, weil Rosalie nebenbei immer noch seine Schokoladenmaske aus dem Gesicht kratzte.
„Ja, woher weißt du das denn?" Ich zog eine Augenbraue hoch.
„Hat Jasper gestern nur kurz erzählt. Er hat sie wohl am ersten Tag an der Mittagsbar getroffen. Sie hat gekellnert als er zum Essen ging. Da haben sich die beiden wohl unterhalten und sie hat halt erzählt, dass ihr Bruder Edward auch hier als Barkeeper arbeiten würde!"
Mir klappte die Kinnlade runter. Jasper wusste die ganze Zeit, dass es seine Schwester ist? Und er wusste doch mit Sicherheit auch, dass ich Edward ganz anziehend fand. Holy Shit... Was sollte das denn? Er versucht auch mit allen Mitteln mein Herz zu erobern, ohne Rücksicht auf Verluste. Warum dann dieser komische Auftritt vorhin? Mit dem Entschuldigungscheiß und so! In mir brodelte es schon wieder.
„Bella, ich glaube du solltest mit Alice reden und vor allem solltest du Jasper mal gehörig den Kopf waschen!" Rosalie blickte mir nun direkt in die Augen.
„Das habe ich schon..." murmelte ich.
„Wie?" Fragend zog sie eine Schnute.
„Er ist heute morgen bei mir aufgetaucht und hat dann halt alles gestanden. Das mit Alice und ihm. Dass sie geknutscht haben und er meinen Namen dabei gesagt hat...."
„Er hat was?" Emmett kicherte und Rosalie zupfte zur Strafe ein paar Härchen aus seinen Augenbrauen. Er quiekte auf.
„Naja und dann hat er ihr wohl auch gesagt, dass ich ihm Hoffnungen machen würde und wir ja so gut wie zusammen wären, oder so einen Mist!" Ich zuckte mit den Schultern. „Naja und dann habe ich ihm eine verbraten! Und kurz bevor ich hier hin bin, kam er ins Studio und hat sich entschuldigt. Er wolle ernsthaft um mich kämpfen, ohne falsche Mittel, bla bla! Er sah so entschlossen aus, das macht mir Angst!" Ich lehnte mit der Schulter an der Türlehne.
„Ich sag ja, schleunigst mit Alice reden. Ich habe nichts Gutes im Gefühl. Sie hat sich kurz bevor du gekommen bist mit Jasper unterhalten und sah danach noch grummeliger aus, als eh schon den ganzen Tag! Ich trau dem Typen nicht mehr über dem Weg! Vorerst nicht! Liebe macht bekanntlich Blind!" Rosalie musterte mich.
„Ich muss jetzt erst mal oben an Deck arbeiten gehen und danach oder zwischendurch versuch ich Alice abzuschirmen, ja?" Fragend blickte ich sie an. Rosalie nickte nur und lächelte.
„Vielleicht komm ich euch später mal an der frischen Luft besuchen! Bis später Süße!" Sie warf mir einen Luftkuss zu.
Ich ging schnell zurück ins Studio und packte meine Kamerautensilien. Dann stürmte ich noch schnell in unser Zimmer, um mich kurz umzuziehen.
Ich zog mir ein dunkelblaues schlichtes Spaghetti-Träger-Top, dazu eine kurze Short und passende Flip Flops. Schon war ich wieder aus unserem Zimmer verschwunden und sprintete, so gut es ging, die Treppe zum Deck hinauf.
Als ich blinzelnd in die Sonne trat entspannte ich im ersten Moment sofort. Die Sonne war so herrlich warm und prickelte auf meiner Haut. Ich ließ einen kurzes Seufzer los.
„Na, so eine Begrüßung hatte ich ja schon lange nicht mehr!" Ich öffnete meine Augen und blickte in das grinsende Gesicht von Edward.
"Wie sieht's denn aus? Kommst du heute Abend vorbei auf einen Cocktail? Jetzt musst du ja wahrscheinlich arbeiten, so sieht's zumindest aus!" Wieder lächelte er mich unwiderstehlich an. Er blickte auf meine Kamera, die ich fest umklammert in meiner Hand hielt und dann wieder in mein Gesicht. In seiner Gegenwart konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Aber ich musste klar denken können. Ich wollte Alice Freundschaft wieder gewinnen und da konnte ich jetzt keine Männer in meiner Gegenwart gebrauchen.
„Hör mal Edward. Ich hab viel zu tun. Ich glaube nicht, dass ich das heute Abend schaffe, ok? Nur das du es weißt!" Ich sah den etwas enttäuschten Ausdruck in seinem perfekt geformten Gesicht.
„Hmm, dann eventuell Morgen, oder so?" Ich sah die hoffnungsvollen Schimmer in seinen smaragdgrünen Augen. Ich war kurz davor doch ja zu sagen. Doch dann rief ich mir wieder ins Hirn, dass ich mich um Alice bemühen musste.
„Hmm, ich glaube ich muss viel Arbeiten diese Woche! Tut mir leid!" Mir tat es so leid. Seine Mundwinkel verzogen sich nach unten und seine Miene wurde unergründlich.
„Dann halt nicht!" Sprach er kühl und sein Tonfall ließ mich aufhorchen. Nanu, was war denn nun? Er schaute auch nicht mehr zu mir, sondern an mir vorbei. Ich folgte seinem Blick und erblickte Jasper, der auf einem Barhocker saß und uns beide beobachtete. Als sein Blick auf mich fiel lächelte er strahlend und winkte mir zu.
„Ist es wegen ihm?" Edward blickte mich immer noch nicht an, doch ich wusste wen er meinte und was er meinte. Jasper sah mich so besitzergreifend an und das machte mir tierische Angst.
„Ich muss jetzt los, Edward!" Ich flüchtete. Ich spürte genau seinen Blick bei jedem Schritt, den ich mich weiter von ihm entfernte. Verdammt! Wieso dachte er jetzt ich hätte was mit Jasper? Wieso dachte jeder ich hätte etwas mit Jasper?! Ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, stolzierte ich an ihm vorbei und wollte meine Ausrüstung in den Schatten stellen.
„Bellaaaa" rief Jasper überlaut und sprintete in meine Richtung. Ich rollte mit den Augen. Was habe ich getan, um DAS verdient zu haben.
„Was ist?" murmelte ich nur und packte ein paar Utensilien aus meiner Kameratasche aus.
„Du und dieser Barkeeper? Huh? Das gefällt mir nicht! Er scheint voll der Player zu sein! Und diese Rothaarige, die baggert er..."
Moment, Moment!
„Jasper?" Er kam einen Schritt näher und legte demonstrativ eine Hand auf meine Hüfte. „Was soll dieser verdammte Bullshit? Ich weiß, dass Victoria Edwards Schwester ist und ich weiß das DU das auch weißt! Warum erzählst du mir dann so einen Scheiß?" Die Wut bekam langsam wieder die Überhand.
„Aber Bella!" Er wollte mich mit einer Hand näher an sich ran ziehen. Über seine Schulter konnte ich Edward erkennen, der finster drein schaute und unser „Schauspiel" beobachtete. Doch nicht nur Edward war auf uns aufmerksam geworden. Aus den Augenwinkeln sah ich eine wütende Alice auf uns zustapfen. Sie trug ein rotes Tank-Top und eine weiße Hotpants. Ihr Augen funkelten. Ich wusste jedoch nicht, ob ihre Feindseligkeiten mir oder Jasper galten.
Wahrscheinlich uns beiden.
Sie schubste Jasper zur Seite und baute sich demonstrativ vor ihm auf.
„Jetzt hör mir mal zu Freundchen! Es reicht nicht nur, dass ihr beide was miteinander am laufen habt! Nein, du musst das auch noch in aller Öffentlichkeit darstellen! Herzlichen Dank! Nicht, dass DU mir den peinlichsten Abend aller Zeiten bereitet hast. NEIN! Du hast mir die schlimmste Zeit hier auf diesem Schiff bereitet. Ich muss mit der da..." Sie zeigte mit den Finger in meine Richtung „...ein Zimmer teilen und NEIN ich kann es nicht tauschen. Das habe ich schon versucht. Aber immerhin wird sie dann ja bald mehr bei dir schlafen als bei uns! Gott sei Dank!"
Alice war außer sich.
Sie funkelte nun in meine Richtung. Sie musterte mich von oben bis unten.
„Und wenn wir einmal dabei sind. Bella? Hast dich aber schön hübsch gemacht für den lieben Jasper! Ich dachte wirklich ich würde dir was bedeuten! Und was machst du? Trittst auf meinen Gefühlen herum, als wenn sie überhaupt nichts wert sind...." Sie unterdrückte den Kloß in ihrem Hals und funkelte mich weiter böse an.
Mir wurde diese Sache langsam zu bunt. Hinter Alice erblickte ich Jasper, der ein zufriedenes Gesicht aufgesetzt hatte. War es das, was er wollte? Ich würde ihm verzeihen und mich trotzdem weiter mit Alice streiten, sodass er mich für sich alleine hatte? Ich wurde immer wütender je länger Alice auf mich einredete, was ich doch für ein verlogenes Stück wäre.
„STOP!!!!" Ich brüllte.
Alice stoppte ihren Redeschwall und blickte mich irritiert an.
„Du wagst es dich noch, mich zu unterbrechen?" Fauchte sie.
„Alice du hältst jetzt verdammt noch mal die Klappe und hörst mir zu! Verdammte, verfluchte Scheiße hier!" Die Schimpfwörter flogen nur so aus meinem Mund. Aber es schien zu helfen. Alice schwieg.
„Ich habe weder mit Jasper geflirtet, noch habe ich ihm irgendwelche Hoffnungen gemacht. Das hat er alles frei erfunden. Hallo? Alice? Hältst du mich für so herzlos, dass ich einfach so deine Gefühle ignorieren würde? Ich hätte wenigstens mit dir drüber geredet! Verdammt! Aber ich will nichts von Jasper, kein einziges bisschen! Dazu hab ich..."
Nun stockte mir der Kloß im Hals fest, denn ich wusste ER würde es hören.
„Viel zu viel gefallen an jemand anderen gefunden und DAS weißt du auch! Und weißt du was? Selbst da hat Jasper versucht dazwischen zu funken, in dem er mir Sachen vorenthält, die schon wichtig sind! Und Alice, ich kann es nicht verstehen, dass du mir so was zutraust! Ehrlich nicht! Ich bin kein Monster. Ich wollte deine Freundin sein! Aber das war ja anscheinend mal!"
Ich kniff meine Lider zusammen, um die Tränen zu unterdrücken, die unaufhörlich vor Wut den Weg nach draußen suchten. Ich schnappte mir wortlos meine Ausrüstung und stürmte sowohl an Alice als auch an Jasper vorbei.
Die Tränen benebelten mein Blickfeld. Aber eines konnte ich sehen.
Edwards fragenden Blick!
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