7. Keine Hand frei
„Wie bestellt: Pur, on therocks und um Himmels Willen ohne scheiß Zitrone", Wilson reicht House seine Cola und setzt sich neben ihn. Die Lobby füllt sich allmählich zur alljährlichen Wohltätigkeitsveranstaltung im Krankenhaus.
„Hast du das ehrlich so bestellt?"
„Ja, klar. Obwohl … Ich glaube, ich hab ein paar Kleinigkeiten weggelassen. Um Himmels Willen ohne scheiß war es, glaube ich. Wie ist das Sandwich? Ich glaub, ich hab auch Hunger."
House hebt gespielt entrüstet die Augenbrauen. „Das ist kein Sandwich!", sagt er verächtlich und schüttelt den Kopf, „Dies hier ist ein Canapé."
„Ist das nicht dasselbe?"
Das angeknabberte belegte Brot kritisch betrachtend nickt er schließlich. „Alles Marketing. Schmier ein Brot, belege es mit Zutaten, denen du tolle Namen gibst – französische kommen immer gut an – und nenne die Gesamtkreation dann Canapé. Dann kannst du als Koch einen Haufen mehr Kohle machen, als wenn du sagst, was es ist. Nämlich ein stinknormales belegtes Brot. Aber dies hier ist wirklich lecker."
„Wenn auch gefährlich zu essen, wenn man einen Smoking trägt. Pass auf, hinten tropft's gleich.", warnt Wilson ihn vor der Soße und bemerkt im selben Moment aus den Augenwinkeln, dass zwei der Kellner sich gegenseitig in die Quere kommen. Der eine, der ein Tablett mit Champagnergläsern trägt, kann es noch gerade eben ausbalancieren, ohne dass eines der Gläser oder etwas von der teuren Flüssigkeit verlustig gegangen wäre, doch der andere, auf dessen Tablett sich ein paar Glasschalen mit Knabbergebäck befinden, kommt ordentlich ins Stolpern und lässt schließlich das Tablett fallen. Es landet genau vor dem Sofa, auf dem House und Wilson sitzen. House verzieht gequält das Gesicht, und Wilson weiß genau, was er denkt: ‚Hätte nicht der andere Kellner das Tablett fallen lassen können? So schade um die leckeren Erdnüsse, Chips und Cracker.'
House erzählt Wilson gerade von einem Alleinunterhalter, der auf der Bühne bei jedem Auftritt ein Weinglas austrinkt und es danach aufisst, als eine Schwester, heute zur Feier des Tages in einem schicken Hosenanzug gekleidet, mit Handfeger und Schaufel auftaucht. Sie beginnt, das Scherben-Knabbergebäck-Gemisch aufzufegen und sieht zu ihnen auf.
„Dr. Wilson, Dr. House, würden Sie kurz die Füße heben, bitte?"
Artig hebt Wilson seine Füße, und auch House hebt seinen linken. Als die Schwester ihn fragend ansieht, sagt er: „Keine Hand frei. Tut mir leid. Putzen Sie drum herum."
