Im fünften Jahr...-Deeks-
Ich hörte die anderen schon seit längerer Zeit über sie reden.
Mit der Pubertät und allem, was dazu gehörte, war natürlich auch unser Interesse an Mädchen gekommen. Manchmal redete ich mit Kensi über das was die Jungs und ich abends im Schlafraum redeten, doch irgendwann war ich an einem Punkt angekommen, den ich ihr nicht berichten wollte.
Meine Freunde wussten von der engen Freundschaft zwischen Kensi und mir und ich merkte, wie vorsichtig sie sich an das Thema herantasteten.
Sie waren sich unsicher, ob sie eine Grenze überschritten oder nicht, doch mit der Zeit wurde das Thema "Kensi Martins" immer populärer.
Zunächst dachte ich, sie wäre besonders interessant für die anderen Jungs, weil sie irgendwie zu mir gehörte. Weil wir immer zusammen hingen und sie nicht sicher waren, ob zwischen uns was war oder nicht.
Eine besondere Versuchung, weil es da schon einen Jungen in ihrem Umfeld gab.
Ich wurde mit vorsichtigen Blicken bedacht, wie der große Bruder eines Mädchens, mit dem man sich keinen Ärger einhandeln möchte.
Doch mit der Zeit wurden sie kühner und irgendwann bekam ich das ganze, breite Spektrum männlicher Fantasien über Kensi Martin zu hören. Ich wollte weghören, wenn sie über sie sprachen, ich sagte mir, was andere über Kensi redeten, ginge mich nichts an, doch ich konnte nicht weghören und es ging mich sehr wohl etwas an.
Es war nicht immer angenehm, sie reden zu hören. Einmal hätte ich Brian Handson nur zu gern seine Augäpfel in die Innenseite seines Kopfes verdreht gezaubert, damit er endlich aufhörte, Kensi diese ekelhaften Blicke zuzuwerfen oder ihren Körper zu begaffen.
Es fühlte sich an, als würde er sie allein mit seinen perversen Gedanken irgendwie entweihen.
Einmal, an einem Samstagnachmittag im Sommer, hatten Kensi, ein paar Freunde von ihr und mir und ich uns am Ufer des Sees verabredet. Wir sonnten uns am Ufer oder schwammen im See. Später kam Craig und mir eine Idee. Wir nahmen je ein Mädchen im Wasser auf die Schultern, er Charly O'Lively und ich Kensi. Dann gingen wir aufeinander zu und versuchten jeweils das andere Team zu Fall zu bringen.
Wenn Kensi auf meinen Schultern saß, hielt ich ihre Beine fest, um sie zu stabilisieren, meine Hände strichen über ihre zierlichen Fesseln und schlanken Unterschenkel. Ich fühlte deutlich die Muskeln in ihren Waden, wenn es wackelig wurde und sie sie im Schrecken anspannte.
Manchmal sah ich zu ihr hoch, ein triumphierendes Grinsen auf dem Gesicht, wenn wir wieder gewonnen hatten. Wenn Craig und Charly fielen, brach sie in laute Siegesrufe aus und ihr Lachen und ihre Ausgelassenheit waren ansteckend.
Müde von der Sonne und dem Spielen im Wasser lagen wir später im weichen grünen Gras und ließen uns von der Sonne trocknen. Nach einiger Zeit setzte ich mich auf und ließ meinen Blick über die anderen schweifen. Craig, Charly und ein paar der anderen hatten sich in den kühlen Schatten verzogen. Kensi lag noch neben mir, nur eine Armlänge entfernt im Gras und schlief. Sie lag ganz ruhig da auf der Seite, Arme und Beine leicht angewinkelt. Ich gab mir zum ersten Mal die Erlaubnis, Kensi zu betrachten. Das dunkle, lockige Haar, das perfekt ihr Gesicht umkränzte, weiter zu den vollen Wimpern und den Lidern, die jetzt ihre Augen verbargen, über die sich leicht abzeichnenden Wangenknochen hin zu den geschwungenen, vollen Lippen, die sich im Schlaf zu einem kleinen Schmollen verzogen hatten.
Ich grinste etwas als ich an das runde Kindergesicht zurückdachte, das mich damals durch die Abteiltür hindurch angelächelt hatte. So viel erwachsener wirkte dieses Gesicht jetzt auf mich.
Mein Blick strich weiter, über die dünne Haut an ihrem Hals und ihr Schlüsselbein, hin zu ihrem Oberkörper, welcher jetzt jedoch von ihren Armen verborgen wurde.
Ich war seltsam erleichtert, dass mich dort etwas gebremst hatte.
Ich wusste schon, dass Kensi eine tolle Figur und Oberweite hatte und meine Blicke jetzt wären nicht weniger Gafferei gewesen als die von Brian oder den anderen, also war ich froh, dass es nicht so weit kam.
Ich blinzelte die Gedanken weg und ließ meinen Blick weiterstreifen über die schmale Taille, ihren flachen, trainierten Bauch, den Nabel und dann die langen, schmalen Beine und Waden, die sie im Schlaf wie ein Baby angewinkelt hatte. An ihrem linken Fußknöchel hing noch das kleine Fußkettchen, das ich ihr zum 13. Geburtstag geschenkt hatte.
Ein Gedanke flog mir plötzlich zu, wie ich vorhin im Wasser ihre Knöchel und Waden umfasst hatte. Ich sponn den Gedanken weiter, stellte mir vor, wie meine Hände an ihrer schmalen Taille lagen, ihre warme, gebräunte Sommerhaut auf meiner, wie meine Hand in ihre wilden, dunklen Locken griff...
Erschrocken wendete ich den Blick ab, als könnte ich damit das Bild vertreiben. So weit hätte ich es nicht kommen lassen sollen.
Schnell stand ich auf und streckte mich, ging zum Wasser und schwamm noch ein paar Bahnen, bis die anderen mich aus dem Wasser riefen um mit ihnen auf einer Decke zu picknicken.
Kensi war wieder wach, ihre Augen blitzten fröhlich und ihre Wangen glühten von der vielen Sonne. Ich lächelte dankbar in mich hinein. Das war meine Kensi, wie ich sie in meinen Gedanken sehen wollte, sowas wie eben würde nur alles komplizierter machen.
Und doch ließ sich das Bild seitdem nie mehr ganz aus meinem Kopf vertreiben, es war immer da, im Hinterkopf, und wartete nur darauf, dass mein Wille irgendwann brach.
