Kapitel 6
Der Maskierte erschrak dabei so stark, dass er zusammen zuckte und sich dadurch ein Schuss löste. Keine zwei Sekunden später sank meine Mutter leblos mit vor Schreck geweiteten, starren Augen zu Boden und er sah mich an. Hinter mir tauchte noch jemand auf – den ich vorher nicht wahrgenommen hatte – und presste mir etwas gewaltsam auf Mund und Nase, bevor mich wenige Sekunden Später schwärze umfing …
Ich kann nicht sagen, wie lange ich weggetreten war, aber als ich meine Augen wieder halbwegs öffnen konnte, hatte ich höllische Kopfschmerzen und wollte mir deswegen mit der Hand die Stirn reiben, wie ich es eigentlich immer tat, doch ich wurde durch irgendetwas festgehalten.
Es dauerte einige Augenblicke, bis ich meine Umgebung wirklich wahr nahm. Das Licht, welches ich zuerst für sehr grell gehalten hatte, war es eigentlich gar nicht, denn es wurde durch eine Holzplatte davor abgedunkelt und ließ den Raum nur ein wenig schummrig wirken. Aber ich konnte genug sehen – und vor allem riechen – um zu wissen, dass ich mich in einem Keller befinden musste, in dem es keine Fenster gab. Wie spät es war, konnte ich also nicht abschätzen. Das einzige was ich mit Sicherheit sagen konnte, war dass meine Arme mit festem Material – es glich Sisal oder Kokos – an das Bett gefesselt war auf dem ich lag.
Ich hörte zwei Personen – wenn ich mich nicht irrte ein Mann und eine Frau – etwas von mir entfernt stritten, aber was sie genau sagten, verstand ich nicht. Nach wenigen Minuten wurde es kurz still, bevor ich eine zufallende Tür hörte. Einer der beiden – oder beide – war gegangen und ich seufzte erleichtert auf.
Ich hatte die leise Hoffnung mich befreien und fliehen zu können, aber nach wenigen Versuchen bemerkte ich, dass es sinnlos war, die Fesseln waren einfach zu fest an meinen Handgelenken, als dass ich auch nur die Chance dazu hatte hinaus zu schlüpfen. Meine Geiselnehmer – zumindest dachte ich mir, dass sie einfach nur Lösegeld wollten – schienen was das Fesseln anging wahre Profis zu sein. Deswegen schnitten mir die Seile nur in die #Handgelenke, anstatt das ich mich befreien konnte, als ich Schritte vor der Tür hörte.
Ich hielt in meiner Bewegung inne und sah voller Angst zu Tür. Wer würde hier jetzt herein kommen? Und vor allem, was würde er mit mir machen? Wer auch immer meine Mom getötet hatte, hielt mich jetzt hier in diesem Modrigen Keller fest und das KONNTE einfach nichts gutes bedeuten. Nur wenig später sollte ich erfahren, wie Recht ich doch damit hatte …
Es kam mir wie Stunden vor, bis sich die Tür öffnete, auch wenn es wohl nur Sekunden dauerte. Ich konnte die Umrisse einer Person im Türrahmen sehen, groß, muskulös und breitschultrig, eindeutig ein Mann. Leider wurde die Lampe nun zusätzlich von der Tür verdeckt, weshalb ich sein Gesicht nicht erkennen konnte, als er auf mich zu kam.
"Wie es aussieht, bist du wieder unter den Lebenden, kleine Isabella." Seine Stimme war einfach nur … schleimig und das bedeutete doch nie etwas gutes! Aber statt zu antworten, sah ich ihn einfach nur wütend an. Ihn schien es jedoch nur zu belustigen, was ich deutlich an seinem Lachen hören konnte. "Oh, eine kleine Wildkatze also … aber das wird dir wohl nicht viel bringen. Du bist gefesselt und kannst dich nicht wehren und zu schreien wird dir auch nichts bringen, wir sind mitten im Wald, dich wird keiner hören." Während er sprach überbrückte er die geringe Distanz zwischen uns und hielt schließlich direkt am Bett.
"Was wollen Sie?" fragte ich und war froh, dass meine stimme ruhig und selbstsicher klang, obwohl ich innerlich vor Angst zitterte.
"Hmmm … das was wohl jeder will, Geld." sagte er zuckersüß, aber ich spürte das er nur so tat. Es ging ihm nur um das beschissene Geld? Warum musste Reneé dann sterben? Er konnte meine Gedanken scheinbar ziemlich gut in meinem Gesicht ablesen, als er weiter sprach. "Es war eigentlich nicht vorgesehen, dass sie stirbt, aber ich sehe es trotzdem positiv, so werde ich wenigstens noch ein wenig Spaß mit dir haben." Seine Augen glitten gierig über meinen Körper, jede Rundung durch das Kleid das ich trug betont. Ich betete still darum, dass er nicht das tun würde, woran ich dachte.
All meine Hoffnungen und Gebete wurden aber jäh zerstört, als er sich auf die Bett kannte setzte und mit seinen Händen begierig über meinen Körper streichelte. "Oh ja, ich werde eine Menge Spaß mit dir haben." Ich konnte mit jeder Faser meines Körpers spüren wie erregt er war und es machte mir Angst, mein ganzer Leib zitterte wie Espenlaub. Wahrscheinlich hatte ich auch deshalb nicht mitbekommen, dass er ein Messer zog, mit dem er mein Kleid und meine Unterwäsche zerschnitt, bevor er das Messer einfach auf den Nachttisch legte – immer noch zu weit von mir entfernt – und er seinen Blick über meinen nackten Körper gleiten ließ. Aus reinem Reflex presste ich meine Beine fest zusammen. Auch wenn ich wusste, dass es mir nicht wirklich helfen würde, musste ich es doch wenigstens versuchen.
Es war mir unangenehm, meine Augen brannten als sich Tränen darin sammelten. Ich konnte ihn zwar nicht wirklich sehen, nur seine Silhouette, aber er konnte mich sehen, das wusste ich und ich wollte ihm nicht die Genugtuung geben mich zum weinen gebracht zu haben. Ich schloss deshalb meine Augen und drehte meinen Kopf zu Seite, aber das Zittern ließ einfach nicht nach, meinem Mund entwich immer wieder ein leises Wimmern, er musste also wissen, wie groß meine Angst war.
Ich wünschte mir dass er nichts weiter tat als mich anzusehen, doch kaum hatte ich die Worte zu ende gedacht, spürte ich seine raue Hand auf meiner entblößten Brust. Er knetete sie einfach fest, zu fest, ohne darauf zu achten ob es weh tat oder nicht. Genau das tat es aber und wurde noch schlimmer als er auch noch die andere ebenso heftig knetete.
Für eine winzige Sekunde überkam mich Erleichterung als er damit endlich aufhörte, aber nur bis ich seine ekelhaft nassen Lippen an meinem Hals fühlte, während er mit seinen Händen grob meinen Körper streichelte. Mich schauderte es vor Ekel als er mit seiner Zunge an meinem Schlüsselbein zu meinen Brüsten fuhr, bevor er unsanft hinein biss und mir damit einen Schmerzensschrei entlockte. Doch sein stöhnen verriet dass es ihm gefiel.
Die Matratze unter mir bewegte sich, als er seine Position veränderte. Ich hörte das Ratschen als er seinen Reißverschluss öffnete und das Rascheln von Stoff. Meine Angst wuchs mit jeder Sekunde immer weiter an, mein Wimmern wurde immer lauter ohne es zu wollen, als er seine Hände auf meine Knie legte und sie gewaltsam auseinander drückte, bevor er mit seinen Beinen dazwischen rutschte. Ich spürte sein Gewicht nur kurz auf mir, bevor er mit einem kräftigen Ruck in mich eindrang und mich damit laut vor Schmerz aufschreien ließ.
"Aaah … du bist so eng … " stöhnte er heiser und stieß immer wieder hart in mich. Ich schrie, weite und riss an meinen Fesseln um mich zu befreien, aber es brachte nichts, schien ihn nur noch mehr zu erregen.
"Oh ja, schrei für mich!" Ich konnte nicht anders als dem nachzukommen, weil seine immer heftiger werdenden Stöße immer mehr Schmerzen verursachten. Seine Hände umfassten dabei meine Hüften um mich festzuhalten, bevor er endlich mit einem lauten Schrei von mir ab ließ.
Mir tat alles weh, als hätte mich ein Zug überrollt, ich weinte und krümmte mich so gut ich es mit den gefesselten Händen konnte, während er aufstand, seine Hose wieder anzog und den Raum verließ als wäre nichts gewesen.
Irgendwann musste ich eingeschlafen sein, denn als ich wieder zu mir kam, waren die Fesseln weg und die Überreste meiner Kleidung verschwunden. Trotzdem tat mir immer noch alles weh, also kann es nicht lange gewesen sein.
Auf dem Nachttisch stand ein Teller mit einem Brötchen und ein Glas Wasser. Ich wusste, das ich es eigentlich nicht anrühren sollte, aber ich hatte tierischen Hunger und Durst, so das ich nicht anders konnte.
Wenige Minuten später bemerkte ich meinen Fehler schon. Mir wurde schwindelig, meine Bewegungen unkoordinierter als wäre ich betrunken, nur die Schmerzen blieben.
Mein Zeitgefühl war zwar nicht mehr vorhanden, aber es konnte nicht lange gedauert haben, als die Tür wieder aufging, als hätte er mich beobachtet … Meine Benommenheit war jedoch so groß, dass ich noch nicht einmal mehr zittern konnte.
"Wie ich sehe bist du wach und hast sogar alles verputzt." Auch wenn ich nur eine Silhouette sah, konnte ich das Lächeln aus seiner Stimme heraus hören. Zu gern hätte ich ihm irgendetwas an den Kopf geknallt, aber meine Zunge fühlte sich schwer an und auch ein giftiger Blick gelang mir dank dieser verfluchten Droge nicht.
Ich rollte mich soweit ich konnte zusammen, als er wieder auf mich zu kam und sich auf die Bettkante setzte. In der nächsten Sekunde lag ich auf meinem Rücken und er hielt meine Hände über meinem Kopf fest zusammen.
"Es mach zwar nicht ganz so viel Spaß wenn dich richtig schreist, aber dafür habe ich ohne die Fesseln mehr Möglichkeiten." raunte er und ich sah für einen Augenblick etwas in seiner anderen Hand auf blitzen, ein Messer. Mein Körper zeigte die einzigen Reaktionen die mir noch möglich waren, meine Augen weiteten sich vor Angst, meine Atmung nahm zu und ich wimmerte wieder leise.
Er lachte kurz und ich hätte schwören können, dass da ein irres Glitzern in seinen Augen war, als er mit der Spitze so fest über meinen Bauch kratzte das es Blutete. Es tat höllisch weh und ich wollte schreien, aber das einzige was meinen Mund verließ war ein schmerzvolles stöhnen.
Er dagegen zog scharf die Luft ein und stöhnte erregt auf und leckte über die Wunde während ich weiterhin wimmerte. Im nächsten Moment lag ich auf dem Rücken und er drang hart von hinten in mich ein …
~Flashback Ende~
" … Es schien ihm zu gefallen, wenn ich blutete, er kam immer wieder fügte mir neue Schnitte zu um sie dann ab zu lecken und mich dann … Er setzte mich nicht immer unter Drogen, aber das war auch nicht nötig, weil ich einfach zu schwach war und ihm gefiel es wenn ich schrie bis ich nicht mehr konnte." Ich hatte meine Beine während ich erzählte eng an meinen Körper gezogen die meine Arme fest darum geschlossen und meine Stirn auf die Knie gelegt. So war es einfach leichter, wenn ich nichts und niemanden ansehen musste, wenn die Erinnerungen mich überkamen und mir Tränen über die Wangen liefen. Es war mir peinlich so schwach zu sein, und wenn ich das Zittern schon nicht verbergen konnte, dann wenigstens die Tränen …
Als ich nach einer Weile der Stille meinen Kopf hob, saß Edward immer noch in dem Sessel, das Gesicht in den Händen vergraben und sein Körper bebte. Weinte er etwa? Oder verachtete er mich etwa … verübeln könnte ich es ihm nicht, ich war nicht gut, für niemanden. Dennoch sah ich aus dem Fenster, weil ich ihn nicht anstarren wollte, was seine Reaktion auch immer zu bedeuten hatte. "Es ist okay, dass du nichts sagst, ich weiß, dass ich selbst schuld an dem ganzen bin, ich hätte mich mehr dagegen wehren müssen." flüsterte ich als mir die stille einfach zu fiel wurde. Wieder hörte ich nichts von ihm, also schielte ich kurz zu ihm und sah in seinem Gesicht den ganzen Unglauben, den er Empfand.
Er schüttelte den Kopf. "Das glaubst doch wohl nicht wirklich, oder?"
Ich zuckte mit den Schultern. "Wessen denn sonst? Wenn ich nicht immer so dagegen gewesen wäre meinen Geburtstag zu feiern wäre das alles wohl nie passiert." sagte ich leise und sah wieder aus dem Fenster. Im nächsten Moment saß Edward neben mir. Er wollte mich in seine Arme ziehen, aber ich zuckte heftig zusammen, weswegen er mir nur sanft mit den Fingerspitzen über den Rücken strich, obwohl ich zitterte.
"Wenn jemand absolut keine Schuld an diesem Mist trägt, dann bist du es." sagte er sanft und als ich ihn daraufhin ansah, konnte ich Schmerz und Wut in seinem Gesicht sehen.
Ich lächelte leicht, weil er mich in dem Moment an Carlisle erinnerte. "Das sagt dein Dad auch immer."
"Und er hat Recht, was dieses Dreckschwein dir angetan hat … " Er schüttelte den Kopf, wollte es scheinbar genauso wenig aussprechen wie ich …
Wir saßen eine Weile nur still da, jeder in seinen Gedanken, während Edward mir weiter über den Rücken streichelte und mein Zittern immer mehr nachließ desto länger er es machte. Aber ich merkte das ihn etwas beschäftigte, weil er sich immer wieder auf die Unterlippe biss. "Na los, frag schon." seufzte ich deshalb schließlich.
"Sicher?" fragte er unsicher und sah mich besorgt an, aber ich nickte nur. "W-Wie lange hat er dich festgehalten?"
"Ich selbst weiß es nicht genau, aber Charlie sagte das es einhundert drei Tage waren. In einem #Raum ohne Fenster kann man Tag und Nacht nur schwer unterscheiden." sagte ich entschuldigend.
Edward schluckte und lächelte leicht. "Es ist nicht deine Schuld." Im nächsten Moment war er wieder ernst. "Ist Jamie … " Er beendete die Frage nicht, aber es war auch nicht nötig, ich wusste was er wissen sollte und nickte.
"Ja, er ist von diesem … " Ich schüttelte den Kopf, weil mir selbst das Wort Monster noch zu harmlos für so jemanden erschien, denn ein Mensch war er in meinen Augen nicht! "Weißt du, es ist für ein normales vierzehn jähriges Mädchen schon schwer schwanger zu sein, aber in meinem Fall … Es war für mich einfach die Hölle, und im Gegensatz zu den meisten hatte ich nicht mal eine Wahl, ich musste ihn austragen weil ich bereits im vierten Monat war … Ich habe Jamie am Anfang gehasst, wenn ich ehrlich bin, aber am Ende … ich weiß nicht, aber ich denke man kann von Liebe sprechen und trotzdem konnte ich ihn nach der Geburt nicht wirklich bei mir haben. Ich war deinen Eltern echt dankbar, dass sie ihn erstmal zu sich genommen haben, damit ich mich daran … gewöhnen konnte Mutter zu sein."
"Glaub mir, ich kann mir nicht mal im entferntesten vorstellen so etwas zu erleben, geschweige denn dieses Monster jeden Tag in den Augen meines Kindes sehen zu müssen … " Er schüttelte den Kopf.
Für einen Moment war ich verwirrt, lachte dann aber leise, als ich seine Worte wirklich begriff. "Glaub mir, ich bin froh, das wirklich nicht zu müssen." Edward hob skeptisch eine Augenbraue, und sein Blick verriet dass er mich für verrückt hielt. Ich lächelte leicht und zuckte mit den Schultern. "Wenn ich in Jamie's Augen sehe, sehe ich nur in meine eigenen, oder in Charlie's … "
Edward runzelte verwirrt die Stirn. "Aber er hat doch braune Augen und du blaue … "
"Sicher?" fragte ich und kicherte leise.
Er schüttelte verwirrt den Kopf und sah mir dann genau in meine Augen. "Aber … wie … ?" stotterte er schließlich ein wenig erschrocken.
"Kontaktlinsen." gab ich ohne Um schweife zu und zuckte mit den Schultern.
"Aber wozu das ganze?" fragte er ein wenig aufgebracht. Ich konnte es verstehen, schließlich hatte ich ihn damit an der Nase herum geführt, und nicht nur ihn, sondern auch Alice, Rose, Jasper und vor allem Esme.
"Es gehört einfach zu meiner Tarnung, ebenso wie meine ekelhaft blonden Haare." Ich nahm eine Strähne eben dieser und verzog angewidert das Gesicht. "Damit wollte ich einfach das Risiko erkannt zu werden so gering wie möglich halten, ohne mich dafür unter ein Skalpell zu legen. Und wie ich sehe hat es ja gut geklappt, schließlich hat selbst mein selbst ernannter größter Fan mich nicht erkannt."
Edward schnaubte und schüttelte den Kopf. "Der Typ muss ja ein ziemlicher Volltrottel sein."
In dem Moment war alles andere was vorher war vergessen, ich konnte einfach nicht anders und prustete los, weil Edward so schwer von Begriff war. Dafür sah er mich dann aber so an, als wenn ich den Verstand verloren hätte. "Wie sagt man so schön, Einsicht ist der erste Weg zur Besserung." Ich sah ihn überheblich an und verschränkte meine Arme vor der Brust nachdem ich das gesagt hatte.
Edward's Augen weiteten sich vor schock und er schüttelte den Kopf. "D-Das ist unmöglich, … Isabella Dwyer ist tot … " stotterte er sehr leise.
"Also eigentlich fühle ich mich noch SEHR lebendig." kicherte ich. Edward schüttelte wieder den Kopf als müsse er seine Gedanken ordnen, öffnete dann seinen Mund um etwas zu sagen, schloss ihn aber nach wenigen Augenblicken wieder, als nichts heraus kam.
Er wiederholte die Geste noch ein paar mal, ehe er scheinbar endlich die richtigen Worte fand. "Ich bin echt verwirrt und … wenn ich ehrlich bin ein wenig böse … auch wenn ich es verstehen kann, aber warum hast du deinen Tod nie bestritten?"
Ich seufzte. "Weißt du, nachdem ich aus dieser Hölle raus kam wollte ich einfach nur noch meine Ruhe haben und die hätte die Presse mir doch niemals gelassen. Deswegen bin ich auch froh, das ich immer noch Isabella Marie Swan heiße und nicht Dwyer, weil Charlie nie einer Adoption zugestimmt hatte."
"Bella … Es tut mir wirklich Leid was ich dir alles an den Kopf geworfen habe. Wenn ich das alles gewusst hätte … " Er schüttelte den Kopf und legte seine Hand auf meinen Unterarm, den Verletzten Unterarm. Der Schmerz durchzog mich wie ein Blitz und ich konnte ein schmerzhaftes Zischen nicht mehr zurück halten. Edward's Hand zuckte erschrocken zurück, während ich mich selbst in Gedanken verfluchte, weil ich nach dem Duschen vergessen hatte einen neuen Verband anzulegen.
Ich wollte den Arm wegziehen, aber Edward war schneller und hielt meine Hand fest bevor er den Ärmel meines Sweatshirts ein wenig hoch schob. Ich wich seinem Blick aus, hörte aber am Keuchen seine Reaktion.
"Was ist das?" In jeder Silbe konnte ich seinen Schock heraus hören. Aber wen sollte es wundern? Mich nicht, denn ich wusste wie es dort aussah.
"Schnitte, sieht man doch." murmelte ich vor mich hin und verzog dabei schmerzerfüllt das Gesicht, obwohl Edward die Wunden mit äußerster Vorsicht berührte.
Edward schüttelte ungläubig den Kopf. "Und das nicht zum ersten mal." sagte er leise und streichelte sanft, ja sogar fast zärtlich mit den Fingerspitzen über die Narben am meinem Arm. Aus einem für mich unerklärlichen Grund kribbelte meine Haut an genau den stellen die er berührte. Mein Kopf schoss in seine Richtung, aber ich rechnete nicht damit so viel Schmerz in seinem Gesicht zu sehen. "Warum?"
Ich biss mir auf die Unterlippe und spürte wie mir Tränen in die Augen traten, weshalb ich meinen Blick wieder von ihm abwandte. "Immer wenn ich mich daran erinnere spüre ich wieder seine Hände auf meiner Haut … Ich ekel mich vor mir selbst und habe einfach Angst dass er wieder kommt und alles von vorn beginnt. Der Schmerz durch die Schnitte vertreibt alles andere und … die Schnitte machen mich hässlich … hoffe ich … damit die Jungs mich einfach nicht … wollen … "
"Das glaubst du ja wohl selber nicht." sagte er leise.
Ich zuckte nur mit den Schultern. "Okay, es kann natürlich auch an den Kartoffelsäcken liegen, die ich immer trage."
Edward schluckte schwer. "Aber nur wenn man nicht weiß, welch tolle Figur darunter steckt … Von wann sind die?" fragte er sehr leise, so dass ich es kaum verstand.
Wieder biss ich mir auf die Unterlippe, und ich schluckte bevor ich sprach. "Von dem Tag als … du mir das mit Mike an den Kopf geworfen hast … "
Edward zuckte stark zusammen und sah mich voller Selbsthass und Traurigkeit an. "Oh mein Gott, das wollte ich nicht." flüsterte er, unterbrach mich damit und strich wieder sanft über meine frischen Wunden.
"Du konntest es ja nicht wissen … Selbst Charlie wusste es nicht … Und was meine 'tolle' Figur angeht … die nutzt mir rein gar nichts mit den Narben die dieses Monster an mir hinterlassen hat. Ich bin kaputt, Edward , und dass nicht nur Seelisch, sondern auch Körperlich. Ich kann es ja noch nicht mal ertragen, wenn jemand fremdes mich anfasst … " Ich wollte nicht das er sah wie fertig ich war und starrte aus dem Fenster, aber ich hatte meine Rechnung ohne Edward Cullen gemacht, denn er nahm die Hand von meinem Arm und legte ihn unter mein Kinn, um meinen Kopf damit in seine Richtung zu drehen, während er mit der anderen immer noch meine hielt.
"Bella … Isabella, das was wirklich zählt ist nicht wie jemand aussieht, sondern was er hier hat." sagte er und legte meine Hand auf seine Brust, an die Stelle wo sein Herz schlug. "Jemand der so schöne Melodien schreiben kann wie du, kann niemals hässlich sein!"
Ich schnaubte. "Sicher Edward, und warum holst du dir dann nur solche … Schminkkästen ins Bett? Ich habe dich noch nie mit einem Mädchen gesehen, das irgend einen Makel hatte, keine war etwas rundlicher, hatte Pickel oder gar nur die kleinste Narbe, also erzähl du mir nicht, das ICH schön wäre!"
Er wich nun meinem Blick aus und verzog dabei das Gesicht. "Ich habe mein Gründe." Auch wenn seine Stimme monoton und ohne Gefühl schien, sah ich absoluten Schmerz in seinem Gesicht, den er versuchte vor mir zu verbergen.
"Ach ja? Welche denn bitte? Ich schätze mal so schlimm wie meine können sie wohl nicht sein ... " Meine Stimme war immer leiser geworden, aber ich wusste, das er mich gehört hatte, als er leise seufzte.
"Das ist eine lange Geschichte." wisperte er und seine Augen schienen noch eine Spur trauriger zu werden.
"Ich schätze wir haben noch eine Menge Zeit, bis wir hier weg kommen und ich habe dir auch meine erzählt." sagte ich mit einem Schulterzucken. Ich würde nicht locker lassen und das schien auch Edward zu bemerken. Trotzdem zuckte ich leicht zusammen, als er abrupt aufsprang, im Wohnzimmer auf und ab lief und sich dabei immer wieder mit den Händen durch die Haare und über sein Gesicht fuhr. Nach ein paar Minuten blieb er endlich stehen, und sah mich ernst an, bevor er schließlich nickte.
"Okay, aber erst kümmern wir uns um deinen Arm und dann wird etwas gegessen." stellte er seine Bedingungen. Wie auf Kommando begann auch sofort mein Magen zu knurren und ich errötete, was ja wohl auch nicht anders zu erwarten war. "Ich schätze das heißt dann wohl ja."
Ein leichtes lächeln zierte seine Lippen, aber seine Augen sahen immer noch traurig aus. Mir blieb wohl nichts anderes übrig, also nickte ich. "Abgemacht, wir verbinden meinen Arm und du nimmst dann ein Bad, während ich uns etwas Koche, Charlie hat immer genug Fisch im Haus … "
"Willst du damit sagen, dass ich stinke?" fragte er und zog dabei eine Augenbraue nach oben.
Ich verdrehte die Augen. "Nein, aber das heiße Wasser wird dich entspannen. Es tut dir denke ich gut, wenn du ein wenig Zeit zum nachdenken hast und es ist dann auch leichter zu reden, wenn man nicht total angespannt ist."
Edward nickte. "Du musst es ja wissen, aber da gibt es ein kleines Problem. Ich habe keine Klamotten zum wechseln dabei und ich denke nicht, dass ich hier nackt durchs Haus laufen sollte." Seine Wangen zierte nach seinen Worten ein leichtes rosa, als wenn es ihm peinlich wäre und wenn ich nicht wüsste, wie viele Mädchen er in den letzten Wochen allein hatte, würde ich es ihm sogar fast abnehmen.
Ich verzog ein wenig mein Gesicht bei dem Gedanken an einen nackten Edward der durchs Haus lief, das musste ich wirklich nicht haben. Aber auch wenn es mir nicht wirklich gefiel, hatte ich schon eine Lösung parat, nachdem ich seine Größe geschätzt hatte. "Du müsstest ungefähr Charlie's Größe haben, und ich denke nicht, das es ihm etwas ausmachen würde, wenn ich dir was von ihm zum anziehen gebe. Sind zwar nicht die modernsten Klamotten, aber außer mir sieht dich hier wohl eh keiner." sagte ich so gleichmütig wie ich konnte und hoffte dass er mir meinen Schmerz nicht ansah, als ich kurz daran dachte wie Charlie immer aussah. Die Tränen, die sich wieder sammeln wollten, versuchte ich runter zu schlucken und es gelang mir dieses mal sogar.
Er betrachtete mich einen Moment eingehend ehe er schließlich nickte. "Okay." war das einzige was er leise dazu sagte. Edward folgte mir in Charlie's großes Schlafzimmer, wo ich ihm ein Kariertes Holzfällerhemd, eine einfache blaue Jeans und Unterwäsche sowie Socken aus dem Schrank meines Vaters gab.
Wenig später war Edward im Bad während ich das Essen fertig machte. Allerdings gaben Charlie's Vorräte nicht mehr als den Fisch, ein paar Kartoffeln und Harry Clearwaters Spezialsoße her. Mir reichte das schon um mich wohl zu fühlen, aber wie sah es mit Edward aus? Selbst wenn es ihm nicht gefiel, konnte ich ja eh nichts daran ändern, also schälte ich die Kartoffel und schnitt sie klein, panierte den Fisch und machte die Soße schon mal in einen kleinen Topf.
Ich wollte gerade eine Pfanne für den Fisch aus dem Schrank holen, als ich auf einer leichten Mehlschicht ausrutschte. Sofort rechnete ich bei meinem Krach damit dass Charlie jeden Moment rein kam und etwas wie 'Typisch Bella' murmelte während er mir aufhalf, aber im nächsten Moment wusste ich wieder dass das niemals wieder passieren würde, denn mein Vater würde nie wieder ein Wort mit mir sprechen.
Meine Augen füllten sich mit Tränen, die ich nicht mehr zurück halten konnte, aber ich wollte es irgendwie auch gar nicht mehr, weil ich den Schmerz und die Trauer über den Tod meines Vaters nicht mehr zurück halten wollte, geschweige denn meine Schluchzer …
Edward's Sicht:
Ich saß hier im Haus von Bella's Vater, in seiner Badewanne, den Kopf fast komplett unter Wasser – nur mein Gesicht war noch außerhalb – und hatte einfach nur Wut und Schmerz in mir. Wie konnte dieses verfluchte Dreckschwein einem vierzehn jährigen Mädchen nur so etwas antun? Es war einfach nur grausam! Dieses Monster konnte kein Mensch sein! Ich konnte es zwar nur schwer glauben, was sie mir erzählt hatte, aber warum sollte Bella mich jetzt in diesem Punkt anlügen? Alles was Carlisle anging war schließlich die Wahrheit und sie war auch NICHT Tanya …
Ich wünschte mir die Zeit zurück drehen und sie beschützen zu können vor dem was ihr passiert war. Aber es war unmöglich, nichts von alledem konnte ich ungeschehen machen … leider. Allein der Gedanke einem Mädchen das noch fast ein Kind war so etwas anzutun widerte mich an, brachte mir Übelkeit und ließ mir Tränen in die Augen steigen.
Normalerweise war ich nicht der Typ, der schnell weinte, aber in diesem Fall ging es nicht anders, nur vor ihr wollte ich das nicht zeigen. Wie konnte mein Vater nur so ruhig bleiben, wenn er doch wusste was dieses Schwein ihr angetan hatte? Wie oft hatte er schon ähnliche Fälle gehabt, ohne dabei zu zerbrechen? Er wurde immer mehr zum Vorbild für mich, denn ich würde das ganze niemals so hinnehmen können, ohne diese Mädchen und Frauen zu rächen, denen Gewalt angetan wurde … Aber er blieb ruhig – zumindest schien es so – und half ihnen sogar damit klar zu kommen, wieder ein normales Leben zu führen. Irgendwann musste ich ihn mal nach seinem Geheimnis fragen, aber zuerst mussten wir wieder zurück in die Villa.
Ich wusste, das ich Bella niemals so helfen konnte wie Jakob oder mein Dad – auch wenn es mich traurig machte, war es einfach eine Tatsache. Klar hatte ich früher sehr für sie geschwärmt und jedes noch so kleine Detail über sie aufgezogen wie ein Schwamm, aber um einem gebrochenen Menschen zu helfen war ich nicht wirklich der richtige, das wusste ich zu gut, schließlich war ich selbst ja nicht ganz gesund … 'Nein, ich war eigentlich krank wenn man es genau nahm. Um Tanya zu vergessen und über alles hinweg zu kommen benahm ich mich nicht viel besser als sie, auch ich nutzte andere nur aus um meine Bedürfnisse zu befriedigen.
Ich setzte mich auf, seufzte dabei und fuhr mir mit den Händen durch mein nasses Haar. Ich musste endlich damit aufhören so zu handeln, musste aufhören andere Mädchen einfach nur flach zu legen um meinen Spaß zu haben … Irgendwie fragte ich mich, ob die Mädchen wirklich so ganz freiwillig mit mir ins Bett gingen und nicht nur weil ich ihnen falsche Versprechungen machte … Wenn sie es wirklich nur deswegen taten und nicht weil sie mich wollten, war ich dann wirklich so viel besser als dieses Monster was Bella zerstört hatte, meine erste Liebe?
Ich weiß das es kaum zu glauben ist, aber bevor ich mit Tanya zusammen war hatte ich wirklich das Gefühl dieses tolle Mädchen – das so wundervolle Melodien komponierte – zu lieben.
Ich schüttelte den Kopf und stieg aus der Badewanne, bevor ich mir ein Handtuch um die Hüften band. Auch wenn das Wasser kalt war, war der Spiegel noch beschlagen und darüber war ich einfach nur froh, denn ich wollte jetzt nicht in das Gesicht eines Monsters, in mein Gesicht sehen.
Was hatte ich mir nur dabei gedacht dieses Mädchen – von dem ich einmal dachte es zu lieben – so fertig zu machen, wo doch ich eigentlich die Hure von uns beiden war, die alles nahm was ihr über den Weg lief … und das alles nur wegen Tanya … War ich wirklich dazu in der Lage ihr alles zu erzählen? Bella war so ein zartes Wesen, was würde sie wohl dabei empfinden, wenn sie von allem erfuhr? Aber sie wollte es doch wissen, konnte ich ihr da die Wahrheit enthalten? Die Antwort war eigentlich ganz einfach, NEIN. Wie sie gesagt hatte, hatte mich das Bad beruhigt, aber ob ich ihr alles sagen konnte, wusste ich trotzdem nicht.
Ich schüttelte mit einem Seufzer den Kopf. Sie hatte mir vertraut und mir alles erzählt, ich sollte es also auch tun und ihr die ganze Geschichte erzählen, auch wenn sie die erste war, die dann wirklich alles wusste, nicht mal meine Familie wusste was damals passiert war, nur dass wir uns getrennt hatten. Vielleicht würde es mir ja sogar helfen endlich darüber hinweg zu kommen, der Sex mit all diesen Mädchen hatte es ja schließlich nie geschafft … und mit meiner Familie konnte ich einfach nicht darüber reden, denn trotz allem wollte ich nicht dass sie schlecht von IHR dachten …
Also zog ich mich einfach schnell an, verließ das Bad und wurde durch ein leises Schluchzen sofort aus all meine Gedanken geholt, welches nur von Bella kommen konnte. Klar … es war ja sonst auch niemand anders außer uns beiden hier.
Ich fand sie zusammen gesunken, wie ein Häufchen Elend, in der Küche vor dem Herd sitzend, die Arme fest um ihre Beine Geschlungen und den Kopf auf die Knie gebettet. Bei ihrem Anblick schmerzte etwas in meiner Brust, das ich nicht kannte und deshalb nicht verstand, ich wusste nur dass ich ihr helfen wollte, was auch immer der Grund für ihr weinen war. Dieses Gefühl reichte aber aus, dass ich mich neben sie setzt und eine Hand auf ihre Schulter legte.
"Bella?" fragte ich leise und vorsichtig, ich wollte sie schließlich nicht erschrecken, aber sie reagierte nur mit einem erneuten Schluchzen. Ich fühlte mich einfach hilflos und das einzige was mir einfiel war sie vorsichtig auf meinen Schoß zu ziehen und mit meinen Armen einen schützenden Käfig um sie zu errichten, also tat ich auch genau das und streichelte ihr dann ganz sanft über den Rücken, während ich ihr immer wieder beruhigende Worte zuflüsterte. Selbst wenn ich es wollte, hätte ich nicht sagen können warum ich das tat, nur das etwas in mir sie beschützen wollte und das vor allem und jedem!
Ich konnte mir nicht mal im Ansatz vorstellen wie es war beide Eltern zu verlieren und wollte es auch gar nicht, aber ich wollte ihr am liebsten all diese Qualen abnehmen und drückte sie deshalb fest an mich, in der Hoffnung das es wenigstens ein wenig helfen würde.
Nach einer Weile – ich weiß nicht wie lange es war – beruhigte sie sich allmählich, das Schluchzen wurde weniger, bis es endgültig erstarb. Doch im nächsten Moment versteifte sie sich, bevor sie Zitterte, als sie bemerkte dass sie auf meinem Schoß saß.
"Schhh, hab keine Angst, ich werde dir nichts tun, Bella. Das verspreche ich." sagte ich leise und lockerte nun meine Umarmung, während ich ihr trotzdem weiter über den Rücken streichelte …
