A/N: Sorry, dass ich so lange gebraucht habe, aber ich hatte ziemlich viel zu tun ;) Ich gelobe Besserung!
Kapitel 7
Beebee-Ate war offline. Poe konnte sich nur denken, dass der Traktorstrahl nicht nur das Schiff flugunfähig und alle Systeme abgeschaltet, sondern auch Beebee-Ate lahmgelegt hatte. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Schon sah er, wie sein X-Wing die geöffneten Hangartore passierte. Vor seinem geistigen Auge sah er was auf ihn zukommen würde. Er hatte es schon einmal erlebt und dieses Mal würde es keinen FN-2187 geben, der ihn hier heraus holte. Keinen Finn. Finn... Nein. Nicht an ihn denken. Nur nicht an Finn denken.
Seine Hand zitterte, als er nach dem Blaster im Holster seines Fluganzuges griff. Das Ziel, der Planet der neuen Basis war im Navcomputer eingespeichert, der Kurs geplant. Er zögerte nicht eine Sekunde länger abzufeuern und sofort wünschte er sich, er hätte die Waffe auf sich selbst gerichtet. Der Rauch und aufzüngelnden Flammen raubten ihm die Sicht und den Atem. Im nächsten Moment, noch bevor er sich selbst ausschalten konnte um die neue Basis endgültig zu retten, wurde das Dach des Cockpits geöffnet. Er war hatte den Schalter nicht betätigt. Als die Sturmtruppen ihn bei den Armen packten und nach außen hievten, rang er nach Luft.
„Der Gefangene hat den Navcomputer gesprengt." Eine Information in ein Kommgerät gesprochen. Eine starke Hand wand ihm den Blaster aus der Hand. Poe hatte ohnehin keine Kraft sich zu wehren. Hustend ließ er sich auf die Füße stellen und er blinzelte gegen das grelle Licht des Hangars. Es war unheimlich, wie vertraut ihm dieses Szenario war. So oft träumte er noch davon, doch die panische Todesangst, die ihn jedes Mal aus den Träumen riss, ließ auf sich warten. Er fuhr sich mit einer Hand über die tränenden Augen. Die Rampe auf der er stand war sein einziger Weg. Hinter ihm spürte er bereits den Lauf des Blasters im Rücken. Poe sah nach links, warf einen Blick über die Schulter. Beebee-Ate rührte sich noch immer nicht. Selbst die Signalleuchten waren inaktiv und dieser Anblick war für ihn beinahe schlimmer als die Tatsache, dass er wieder seinen Feinden ausgeliefert war.
Poes Augen und Lungen brannten, als sie ihn die Rampe hinab führten und er von zwei Sturmtruppen in Empfang genommen wurde. Das letzte Mal, dass er einem von ihnen so nahe gewesen war, hatte der sich als sein Retter entpuppt. Nicht so heute. Nicht so jetzt. Seine Knie waren weich, als sie ihn abführten. Poe warf nicht einmal mehr einen Blick zurück. Das konnte er nicht ertragen. Im Gehen spürte er die Erschütterungen im Boden. Seine Schwadrone hatten offensichtlich begonnen anzugreifen. Gut. Vielleicht würden sie den Sternenzerstörer und ihn gleich dabei mitnehmen. Die Handfesseln spürte er kaum. Er sah nichts als den weißen Helm vor sich, als sie ihn den dunklen Gang entlang führten. Der Weg kam ihm seltsam vertraut vor und sein Herz schlug nur noch schneller. War er wieder hier? Hier, wo es angefangen hatte?
Poe biss sich auf die Zunge, als sie vor dem Raum ankamen und die Tür geöffnet wurde. Die Zelle sah noch genauso aus und ihm war, als sei keine Zeit vergangen, als sie ihn hinein schoben und gegen den Stuhl drückten. Den Stuhl auf dem er schon einmal Geheimnisse preis gegeben hatte. Und dieses Mal, das wusste Poe, würde er nicht so lange standhalten können wie damals. Schon da hatte er nicht lange ausgehalten.
Die Fesseln saßen noch strammer und der Sturmtruppler, der direkt vor ihm stand rammte Poe mit einem gewaltigen Hieb die Faust in den Magen, bevor Poe überhaupt wusste, wie ihm geschah. Wieder schossen ihm Tränen in die Augen. Noch immer schmeckte er den Rauch auch der Zunge. „Hey, das ist wohl ein bisschen übertrieben, he?" Er konnte sich nicht helfen. Alles einstecken, ohne auch nur ein Wort? Es ging nicht. Er hatte alles verloren. Der Widerstand musste ihn für tot halten. Schlimmer noch als vor ein paar Monaten auf Jakku, als sie ahnen konnten, dass die Erste Ordnung ihn geschnappt hatte. Das hier... das kam einem Todesurteil gleich.
„Halt den Mund", zischte der Sturmtruppler ihn an, trat einen Schritt zurück und Poe wünschte sich nichts sehnlicher als Finn. Finn, der ihn hier heraus holte. Dabei war Finn weit weg. Weit, weit weg. In Sicherheit. Wenigstens so lange bis Poe die neue Basis aufgab und Finn und alle anderen nur wieder in Gefahr brachte. Er spürte den feindseligen Blick auf sich ruhen und wieder wurde das Schiff erschüttert.
„Sieht aus, als hättet ihr ganz andere Probleme als mich hier festzuschnallen."
Die Antwort war ein Schlag gegen das Jochbein. Ein schmerzerfülltes Stöhnen kam über seine Lippen, ehe er es zurückhalten konnte. Die weiße Platte, die den Handrücken des Trupplers schützte, schnitt in seine Haut und sofort spürte Poe das Blut seine Wange hinunter rinnen. Sein Magen verkrampfte sich, als er zu dem Gesichtslosen vor sich aufsah. Auch hiermit war er vertrauter als ihm lieb war. Sie klopften ihn weich, wie beim letzten Mal, ehe derjenige kam, der wirklich alle Antworten aus ihm herausholte, die er nicht geben wollte. Poe holte tief Luft und schloss die Augen. Es hatte keinen Sinn gegen die Fesseln anzukämpfen. Keinen Sinn dem Sturmtruppler sarkastische Bemerkungen entgegen zu schleudern.
„Name?"
Poe schnaubte. Sein Kopf dröhnte schon jetzt. Trotzdem rang er sich ein unfrohes Lächeln ab, als er dem Blick der Augen begegnete, die sich feige hinter dem Helm verbargen. Kein Wort kam über seine Lippen. Nicht jetzt. Noch nicht. Das Blut rauschte in seinen Ohren, als er den Kopf schüttelte und sich innerlich auf das einstellte, was kommen würde.
Das bekannte Gefühl eines Schiffes, das aus dem Hyperraum sprang, riss ihn aus seinem Dämmerschlaf, der mehr einer Ohnmacht glich als alles andere. Ihm war speiübel und gleichzeitig fühlten sich seine Lippen an wie Sandpapier. Wie lange hatten sie ihn bearbeitet? Es schien Stunden gedauert zu haben, dabei war es vielleicht nur eine gewesen. Er konnte nur ein Auge öffnen. Das andere war zugeschwollen. Verklebt von seinem eigenen Blut. Was er im Halbdunkel der Zelle erkennen konnte diente kaum dazu seine Stimmung zu heben. Schwarze Wände, einige wenige Konsolen, deren Funktion Poe am liebsten gar nicht erfahren wollte und deren Lampen stetig in Weiß und tiefem rot leuchteten. Ruhig und stet. Ein gutes Zeichen? Poe wusste es nicht.
Er versuchte zu Schlucken, doch es ging nicht. Seine Kehle war wie ausgedorrt. Wann hatte er das Bewusstsein verloren? Als sie gingen? War seine Ohnmacht der Grund dafür gewesen, dass sie ihn allein gelassen hatten? Vorsichtig fuhr er mit der trockenen Zunge über die aufgesprungenen Lippen. Nichts. Keine Möglichkeit sie zu befeuchten. Der Geschmack nach Eisen erfüllte seinen Mund und schwerfällig unterdrückte er ein Würgen. Sein Schädel dröhnte noch immer. Warum hatten sie ihm überhaupt die Chance gegeben das Bewusstsein zu verlieren? Sie hatten doch Mittel und Wege einen Gefangenen wach zu halten, entgegen jeglichen Befehlen des Körpers des Gefolterten. Immerhin, das wusste er, hatte er nichts preis gegeben. Wie beim letzten Mal. Nichts. Nicht einmal seinen Namen. Sein Blick flog zu der Einstichwunde in seinem linken Arm. Sie hatten ihm Blut entnommen. Jetzt spätestens wussten sie wer er war. Da war er sich mehr als nur sicher. Commander Poe Dameron. Pilot des Widerstands. Der, der ihnen einmal entkommen war. Sie würden sicher stellen, dass es nicht wieder geschehen würde. Und er musste sich auch nichts vormachen. Niemand würde wissen, dass er hier war. Niemand würde ihn retten. Sie hielten ihn für tot. Ganz sicher. Blue Threes Explosion unterhalb des Sternenzerstörers hätte genauso gut auch ihn ausschalten können. Keine Sekunde später war sein X-Flügler offline gegangen. Immerhin waren die Transporte im Hyperraum verschwunden, ehe die Erste Ordnung ihnen wirklich nahe kommen konnte. Immerhin das. Jess hatte sicherlich das Kommando übernommen und Poe war dankbar für den Gedanken, dass sein Platz reibungslos gefüllt werden würde.
Poe schloss die Augen und lehnte den Kopf zurück. Er konnte nur hoffen, dass die Erste Ordnung die Flotte nicht hatte verfolgen können. Dass der Widerstand in Sicherheit war und die neue Basis nicht ansteuerte. Nicht sofort jedenfalls. Imerhin aus seinem Navcomputer hatten sie nichts herausholen können und Beebee-Ate hatte die neuen Daten noch nicht herunter geladen. Da war Poe sich sicher. Aus ihm würden sie nichts herausholen. Immerhin. Doch der Gedanke an den Droiden versetzte Poe einen unerwarteten Stich. Beebee-Ate wurde vermutlich in diesem Augenblick auseinander genommen, oder war schon längst im Müllschacht verschwunden. Es war nicht allein die Tatsache, dass Beebee-Ate ihm dank seines Persönlichkeitschips ans Herz gewachsen war, sondern auch die Erinnerung an Morap, die für Poe unauslöschlich mit dem Droiden verbunden war. Beebee-Ate hatte Morap gehört und Poe hatte sich für den Astromech verantwortlich gefühlt. So unglaublich es sich auch nur in seinen Gedanken anhörte: Poe Dameron fühlte sich verantwortlich für und freundschaftlich verbunden mit einem Astromech. Wieder versuchte er zu schlucken, doch es ging nicht. Seine Kehle klickte trocken, während seine Augen brannten. Es war als habe er Morap noch einmal verloren. Morap und obendrein auch noch Finn. Finn, zu dem er sich gerade hatte durchringen können, denn das mit Finn, das war nichts Einfaches. Nichts, das er einfach nur tun wollte um es zu tun, sondern etwas, das in nur wenigen Minuten begonnen hatte seine Grundfesten zu erschüttern. Und jetzt lag Finns und das Leben so vieler anderer Widerstandskämpfer in seinen Händen.
Poe ruckte den Kopf nach vorne und schlug ihn wieder gegen die metallene Kopfstütze. Nichts. Keine Spur von einer weiteren erlösenden Ohnmacht. Finn... für Finn musste er durchhalten. Der Gedanke an ihn konnte ihn vielleicht weiter tragen. Finn einen Aufschub geben. Das war das Geringste, was er tun konnte, nachdem Finn gerade erst angefangen hatte sich ein neues Leben außerhalb der Ersten Ordnung und in Freiheit aufzubauen. Ein Leben, das er leichtfertig für Poe und dessen Mission auf's Leben gesetzt hatte. Ein Leben, das Poe im garantieren, versprechen wollte. Poe musste den Befragungsmethoden widerstehen. Wenigstens lange genug, dass der Widerstand sich neu formieren konnte. Und dann würde es vielleicht schnell gehen. Mit etwas Glück nicht einmal öffentlich. Vielleicht ersparte man ihm wenigstens das. Oder er starb während des Verhörs. Der Gedanke hatte beinahe etwas tröstliches, fand Poe.
Stunden vergingen. Stunden in denen Poe nichts weiter tun konnte als sich seine Zukunft in immer finsterer werdenden Facetten vorzustellen. Er spürte, wie das Schiff landete, vermutlich um vom Bodenpersonal sorgsam durchgecheckt zu werden und er ahnte sofort, dass sein X-Flügler unter den ersten Dingen sein würde, den die Techniker von Bord schaffen würden um ihn noch genauer zu untersuchen in der Hoffnung etwas vom Navcomputer retten zu können, während Poe nur beten konnte, dass sie nichts fanden, das rekonstruierbar war. Auch wenn es ihm selbst sicherlich einiges ersparen würde. Ohnehin war er überrascht, dass sie nicht längst wiedergekommen waren um die Befragung fortzusetzen. Lediglich zwei reguläre Sturmtruppen waren gekommen um ihm in einer erniedrigenden Prozedur Wasser und eine schleimige Substanz, die wohl Nahrung sein sollte mithilfe eines metallenen Trichters einzuflößen und ihm die Notdurft zu ermöglichen. Zum ersten Mal in seinem Leben war Poe froh gewesen die Gesichter der feindlichen Soldaten nicht sehen zu müssen, obwohl ihm beim bloßen Gedanken an die kurzen Momente die Galle aufstieg und am liebsten hätte er es vergessen, doch er konnte nicht. Natürlich konnte er nicht. Es war Teil des ganzen Vorgangs. So brachen sie ihre Gefangenen. Als die Tür zum zweiten Mal aufglitt und wieder kein neuer Foltermeister vor ihm stand, sondern nur weitere fünf Sturmtruppen, wusste er nicht ob er erleichtert oder angespannt sein sollte. Wie angenehm wäre es gewesen, wenn es ihm egal gewesen wäre, doch der Gedanke an Finn hielt ihn auf den Beinen, als sie ihn losmachten, bei den Armen packten und hinaus führten.
„Darf ich fragen, wo es hingeht, Jungs?", fragte er mit einem Anflug seines Charmes. Zu mehr war er schon jetzt kaum noch fähig.
Ein kurzer Stoß in die Rippen, als sie den Flur entlang gingen war die einzige Antwort die er erhielt. Auf Antworten musste er vermutlich ab jetzt ohnehin verzichten.
