Jeder Schritt den du tust...

7. Ein Feuer in der Nacht

„Lauf endlich!!" Langsam wirklich verzweifelt versuchte Shaila einen Rappen dazu zu bringen, durch das brennende Tor auf die Ebene zu laufen, doch seine einzige Antwort darauf war ein unkontrolliertes Auskeilen. Im Stall wurde es immer heißer. Aus Ermangelung einer Peitsche oder eines Stockes schlug sie dem Pferd mit der flachen Seite ihres Schwertes auf den Hintern. Ein unheimliches Glühen ging von Amaruin aus, aber es wirkte. Mit einem beherzten Sprung setzte der Rappe nach draußen und die anderen Pferde folgten ihm. Gerade als sie sich selbst in Sicherheit bringen wollte, krachte einer der Türbalken herunter und versperrte ihr den Weg. Durch Feuer konnte sie kurzfristig laufen, nicht jedoch über einen brennenden Balken klettern. Etwas stupste an ihre Schulter. „Was…?" Ungläubig drehte sie sich um. Hinter ihr stand der Fuchs und sah sie auffordernd an.

„Danke!" Schnell schwang sie sich auf seinen Rücken und konnte sich gerade noch festhalten, als das Pferd laut wiehernd lospreschte und über den Balken sprang. Kühle Nachtluft schlug Shaila entgegen, als sie sich in halsbrecherischer Geschwindigkeit von dem Stall entfernten und den anderen Pferden, die im Pulk dahin liefen näherten. Auf einmal gab es einen ohrenbetäubenden Knall und als Shaila zurück sah, konnte sie gerade noch beobachten wie das brennende Gebäude in die Luft flog. Das Feuer hatte wahrscheinlich auf alte Ölvorräte übergegriffen, die aufgrund der enormen Hitze explodiert waren.

Der Fuchs hatte jetzt die anderen eingeholt und setzte sich an die Spitze der Gruppe. Shaila blieb nichts anderes übrig, als sich in seine Mähne zu klammern und abzuwarten. Dadurch, dass sie fast schon ihr halbes Leben lang geritten war, hatte sie eindeutig einen Vorteil.

Die Pferde beschrieben eine sanfte Kurve als sie an den Fluss kamen und auch die Geschwindigkeit ließ nach. Weit hinten konnte sie die Stadt erkennen, das Feuer, das immer noch brannte, machte es einem fast unmöglich sie in der Dunkelheit zu übersehen. Erleichtert bemerkte sie, dass keines der Pferde, bis auf ein wenig versengtes Fell und verkokelte Schweifhaare, ernsthaft verletzt worden war.

In der Stadt war die Hölle los. Als das Feuer von einem der Elben entdeckt worden war, war es schon zu spät. Bevor sie die Ställe auch nur erreichen konnten, explodierten sie. Während die Männer die brennenden Überreste des Stalles löschten, lehnte Legolas etwas weiter abseits an der Steinmauer und machte sich Vorwürfe. Aragorn hatte bereits versucht ihn aufzumuntern, vergeblich. Er trauerte um seinen Freund. Arod hatte ihm viele Jahre zur Seite gestanden und mit der Zeit war eine starke Bindung entstanden, die Art von Bindung, zu der nur Elben fähig waren. Alle anderen Elben standen schweigend in der Nähe des abgebrannten Stalles. Man sah es ihnen nicht an, aber auch sie verspürten großen Schmerz über den Verlust ihrer Gefährten. Die Zeit, die Legolas als einer der neun Ringgefährten und abseits seines Volkes verbracht hatte, hatte ihn emotionaler gemacht als es für einen Elben die Regel war.

Ruckartig hob er auf einmal den Kopf. Ihm war, als hätte er das leise Geräusch von Hufgetrappel vernommen. Angestrengt lauschte er in die Nacht. Seine Augen verengten sich. Er konnte nicht glauben was er dort sah- in weiter Ferne trabten Pferde über das Grasland auf die Stadt zu. Wie hatten sie sich retten können?

Seine Frage wurde schon im nächsten Moment beantwortet. Auf dem Rücken seines Hengstes saß ein Mensch. Ein Elb konnte es kaum sein, so wie dieser jemand auf dem Pferd hing.

„Das Mädchen?!", entfuhr es ihm, als er endlich ihre Gestalt näher erkennen konnte. Total verdreckt und voller Ruß saß sie auf Arod, und sah so aus, als könnte sie nicht nur EIN Bad vertragen. „Arod! Teli!" Ein Wiehern seinerseits hallte durch die Nacht und ließ alle anderen aufsehen. Ungläubige Freude breitete sich auf den Gesichtern der Elben aus, die sie jedoch gut verborgen. „Malen!" „Fain!" „Gitrithron! "

Die Rufe der Elben ließen einzelne Pferde aus der Gruppe herausscheren und zu ihren Reitern traben. Arod steuerte direkt auf Legolas zu. Kurz nachdem er zitternd zum stehen kam, kippte Shaila dem Elb auch schon bewusstlos in die Arme. Vollkommen perplex hielt er das Mädchen in seinen Armen und wusste nicht wirklich wie er reagieren sollte. Haldir trat neben ihn und fragte leise: „Was ist geschehen?" „Ich gehe davon aus, dass sie aus irgendeinem Grund mitten in der Nacht im Stall war. Vielleicht hat sie dort geschlafen." „Warum sollte sie das tun? Hat sie hier keine Verwandte in der Stadt, die ihr einen Schlafplatz bieten können?" „Meinem Wissen nach erschien sie heute Morgen ohne jedwede Begleitung noch einem Pferd vor der Stadt und sie kennt auch niemanden hier. Ganz von ihrer unpassenden Anrede Eomers oder ihren Äußerungen meinem Vater gegenüber abgesehen." „Äußerungen deines Vaters gegenüber? Da wären?" Legolas Gesicht nahm einen betont unwilligen Ausdruck an, trotzdem antwortete er seinem langjährigen Freund. „Sie hat ihn als „Arschloch" bezeichnet." „Bitte?!" Halb entsetzt, halb belustigt starrte Haldir ihn an. „Das ist nicht dein Ernst! Und du hast nichts unternommen? Wäre es Lord Celeborn gewesen, den sie beleidigt hätte…" „Ich weiß, ich weiß. Vergessen wir es einfach." „Legolas-„ „Morgen!"

Einen letzten Blick auf Haldir werfend, setzte er Shaila zurück auf Arods Rücken und bedeutete seinem Pferd, ihm zu folgen. Schnaubend trottete er neben seinem Herrn her. „Aragorn? Es gibt einiges zu besprechen!"

Zwei Stunden später standen Legolas, Eomer, Aragorn, Elrond, sowie Gandalf in einem Zimmer des Palastes und schauten auf Shaila, die schlafend und gesäubert in einem Bett lag. Das Schwert, ihre angesengte Kleidung und ihr Rucksack lagen auf einem Tisch daneben. Die Stimmung war Merklich angespannt, denn alle warteten darauf, dass Shaila endlich erwachte. Doch nichts der Gleichen geschah. Gandalf ergriff das Wort. „Ich fasse also zusammen- ihr Name ist Shaila, sie ist etwa 19 Jahre alt und die Gebräuche und Sitten in unserem Land sind ihr vollkommen fremd. Die diensthabenden Wachen berichteten, sie wäre plötzlich vor den Stadttoren aufgetaucht. Sie trägt ein Schwert elbischer Herkunft, seltsame Kleidung, und dieses…" Er deutete auf den Rucksack, „Behältnis dort. Große Macht geht von dem Schwert aus." „Die Frage ist doch", mischte Aragorn sich ein, „Wer ist sie? Wo kommt sie her? Ihrer eigenen Aussage her aus dem Süden, aber dort liegt die Wüste." „Außerdem sieht sie nicht sehr, mh, durchtrainiert aus.", bemerkte Eomer wie nebenbei. „Und reiten kann sie auch nicht." Gandalf sah nachdenklich in die Runde. „Ich folgere daraus, dass wir es mit einer höheren Macht zu tun haben. Sie könnte sehr gefährlich sein, deshalb ist es auch besser, den Inhalt dieses Beutels erst einmal nicht anzurühren. Warten wir bis sie erwacht. Legolas?" „Mithrandir?" „Du wirst an ihrem Bett wachen. Falls sie aufwachen, und versuchen sollte zu fliehen, wird ein Elb sie besser aufhalten können. Haldir und Elrond haben noch andere Pflichten."

„Ich werde deiner Bitte Folge leisten.", sagte Legolas schlicht. „Gut. Es wird besser sein, wenn wir uns jetzt alle ein wenig ausruhen. Es ist ein langer Tag gewesen, der hinter uns liegt." Alle anderen nickten zustimmend und verließen nacheinander das Zimmer, bis nur noch Gandalf, Legolas und Aragorn zugegen waren. „Hannon le, Legolas. Gandalf." Aragorn nickte ihm zu. „Gute Nacht." Dann verließen auch die beiden Menschen das Zimmer, und Legolas blieb allein mit Shaila zurück. Jetzt hatte er das erste Mal die Chance, sie näher zu betrachten. Ihre Figur war zwar nicht schlank, aber durchaus annehmbar. Die Haare fielen ihr bis über die Schultern, und ihm fiel auf, dass sie offenbar rötlich eingefärbt worden waren. Neben dem recht ebenmäßigen Gesicht und den tiefen Augenringen war nichts Außergewöhnliches mehr an ihr zu erkennen. Legolas stellte sich schon auf einen langen Abend ein, als sie plötzlich die Augen aufschlug und ihm direkt ins Gesicht starrte.

Überrascht sah Shaila ihn an. „Was… wo bin ich hier?" Einigermaßen verwirrt setzte sie sich auf. „Beunruhigt euch nicht", meinte Legolas mit ausgesucht sanfter Stimme, um sie nicht zu verängstigen oder gar zu provozieren. Seit Gandalfs Warnung, rechnete er mit Allem. „Ihr seit in König Aragorns Palast." „Achso…" Langsam kam Shaila die Erinnerung an den Brand. „Ich bin wohl vom Pferd gekippt." „Ja.", bestätigte der Elb, gespannt darauf, was sie als nächstes tun würde, doch Shaila war im Moment viel mehr damit beschäftigt, Legolas zu betrachten. Nach einigen Augenblicken ließ sie von ihm ab, um sich umzusehen. „Wo sind meine Sachen?" „Dort auf dem Tisch." „Ah, okay. Öhm…" Sie sah an sich herunter und bemerkte, dass sie nichts als ein weißes Nachthemd trug. „Wer hat mich umgezogen?" „Einige der Dienstmädchen.", antwortete der Elb pflichtgemäß. Sie kam ihm nicht sehr gefährlich vor. „Aha…" In ihrem Kopf arbeitete es. Was sollte sie jetzt tun? Und vor allem, warum war ausgerechnet Legolas jetzt bei ihr? „Warum seid ihr hier?" „Ich wurde von Aragorn beauftragt, über euch zu wachen, bis ihr erwacht." „Angst, dass ich das Schloss in die Luft sprenge?" Shaila grinste. „Nun…"

„…

Das war ein Scherz."

Eine Weile saßen beide schweigend da. „Wie lange habt ihr vor, noch hier zu sitzen?", erkundigte sie sich auf einmal. Es war noch mitten in der Nacht und sie war demnach auch noch entsprechend müde. „Ich hatte nur den Auftrag zu warten, bis ihr erwacht." „Äh… schön. Könnte ich vielleicht jetzt noch etwas weiterschlafen?" Erstaunt über ihre direkte Art, nickte er nur und erhob sich. Bevor er die Tür erreichte, hielt er noch einmal inne. „Wie… wie geht es euch?" Sie stutzte. „Es geht schon. Danke." Er nickte und verließ das Zimmer. Seufzend ließ Shaila sich zurück in die Kissen sinken. Irgendetwas verbarg er vor ihr, aber das konnte ihr im Moment auch egal sein. Sie wollte nur noch schlafen. Mit einem Lächeln im Gesicht glitt sie langsam ins Reich der Träume.

Ein lauter Aufschrei, direkt neben ihr, ließ sie aufschrecken. Innerhalb von wenigen Sekunden, erfasste sie die Situation. Es war Morgen. Anscheinend hatte Aragorn in ihrem Rucksack gewühlt und geradewegs den Herr der Ringe Band herausgezogen, auf dem er selbst auf einem Pferd zu sehen war, wie er dem Betrachter entgegen ritt. Sprich den, auf dem dick und fett stand: „DER HERR DER RINGE- Die Rückkehr des Königs." Die Katastrophe war perfekt. So schnell wie nur irgend möglich riss sie dem entsetzten König das Buch und den Rucksack aus der Hand. Im nächsten Moment flog auch schon die Tür auf und Legolas und Gandalf, gefolgt von einem dutzend bewaffneter Soldaten stürmten hinein. „Aragorn! Ist alles in Ordnung?" Irritiert sah Legolas von Shaila zu Aragorn, beide sahen gleichsam entsetzt aus. „Das… war ein Bild von mir!", keuchte Aragorn schließlich. „Wie ich auf Hasufel in die Schlacht ritt! Ich trug auf diesem Bild genau dieselbe Rüstung, wie die, als wir in die letzte Schlacht gegen Mordor zogen." „Was?!" Gandalf streckte verlangend die Hand aus. „Shaila- das Buch!", sagte er in herrischem Ton.

Fieberhaft suchte sie nach einem Ausweg. Sollte sie ihm einfach das Buch geben, oder sich weigern? Anscheinend hatte Gandalf einigen Respekt vor ihr, sonst hätte er ihr es längst aus der Hand gerissen. „Also… ich glaube nicht, dass ihr es euch ansehen solltet, äh…" Vorsichtig schielte sie zur Seite. Ihr Schwert lag in Reichweite. Sie musste unbedingt verhindern, dass Gandalf das Buch zu Gesicht bekam, sonst würde er sie noch für eine böse Hexe halten und sie womöglich verbrennen. Vielleicht nicht ganz so extrem, aber es war wohl besser, es gar nicht erst darauf ankommen zu lassen. „Das Buch.", sagte Gandalf noch einmal. Im Raum war es totenstill. Aus einem spontanen Entschluss heraus griff Shaila blitzschnell nach ihrem Schwert und hielt es Gandalf unter die Nase. So überzeugend wie möglich, ohne der Versuchung nachzugeben aufgrund der absurden Situation, in der sie sich befand, einfach in Lachen auszubrechen oder ihm gar eingeschüchtert das Buch zu geben, sagte sie: „Nein, das Buch bekommt ihr nicht!" Gandalf verzog keine Miene, im Gegensatz zu den Soldaten hinter ihm, die erschrocken die Luft anhielten, und schlug das Schwert mit seinem Stab zur Seite. Oder besser, er versuchte es, denn kaum berührte der Stab es, fing die Muster auf ihm an zu glühen und es sendete gleißend helles Licht aus. Der Zauberer wurde von einer unsichtbaren Druckwelle nach hinten geschleudert und nur durch Legolas beherztes Eingreifen aufgehalten, sonst wäre er bestimmt noch bis an die Zimmerwand geflogen.

Shaila starrte ihr Schwert entgeistert an. ‚So viel zum Thema „Das Schwert Illuvatars"…' „Ähm, ah… das wollte ich nicht! Ent… Entschuldigung…Aber jetzt scheint der Akku ohnehin leer zu sein." Peinlich berührt wedelte sie mit dem Schwert in der Luft herum, was jedoch nur zur Folge hatte, das alle Anwesenden, bis auf Legolas, Gandalf und Aragorn einen Schritt zurückwichen. Stöhnend rappelte Gandalf sich auf und hielt Legolas gleichzeitig davon ab, sein Schwert zu ziehen. „Baw, daro." „Mithrandir…!" „Legolas." Vorsichtig hob der Zauberer eine Hand und berührte damit sachte die Klinge. Ein leises Knistern war zu hören, sonst geschah nichts. „Seine Kraft ist verbraucht, doch sie wird wiederkehren." „Ah, ich-" „Nein Mädchen, ich weiß, dass du das nicht beabsichtigt hast. So wie du das Schwert gehalten hast.", unterbrach er Shaila. „Aragorn. Du allein musst entscheiden, was nun mit ihr geschehen soll." „Was rätst du mir?" Gandalf machte eine kleine Pause. „Lasst sie hier in Minas Tirith bleiben, bis wir näheres herausgefunden haben. Sie ist offensichtlich nicht bösartig und gehört auch nicht zum Feind. Und… Shaila…" Sie sah auf. „Ja?" „Sagt, woher kommt ihr wirklich?" Es hatte keinen Sinn weiter zu lügen, deshalb entschied sie sich, ihm in diesem Fall die Wahrheit zu sagen.

„Aus Hannover. Liegt in Deutschland." Sehr zur Verwirrung von Gandalf. „Von Deutschland habe ich noch nie etwas gehört." „Öhm… kann sein. Es wurde ja auch erst vor ein paar hundert Jahren gegründet." Verlegen strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Trotzdem sagt es mir nichts. Wie sieht es aus, in Deutschland? Sprecht ihr dort auch Westron?" Seine Augen fingen an, fasziniert zu glitzern, wie die eines Kindes, das gerade erfahren hatte, dass Weihnachten vorverlegt worden war.

„Ja, vorwiegend. In den anderen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, unserem Nachbarland, sprechen sie aber auch noch andere Sprachen." „Beherrscht ihr sie alle?" „Oh nein!" Lachend winkte sie ab. „Ich spreche nur Deutsch- äh, Westron, Englisch und Französisch, das aber auch mehr schlecht als Recht." Ungeduldig wedelte Gandalf mit der Hand den Wachen zu, die noch immer im Zimmer standen. „Ihr könnt gehen." Und setzte sich auf die Bettkante. „Erzählt mir bitte alles über dieses Deutschland!"

Das Aragorn und Legolas sich übergangen fühlten, war nicht leicht zu übersehen. Beide schauten mit etwas säuerlichen Mienen auf ihren Zauberer. Während Shaila erzählte. Von Straßen, Supermärkten, Autos, Schulen und der ganzen modernen Technik. „Das klingt wie Zauberei!", sagte Legolas ungläubig, als sie von Glühbirnen berichtete, die mit elektrischem Strom liefen." „Ist es nicht. Es beruht alles auf mathematischen und physikalischen Gesetzten." „Soso..." Das Glitzern in Gandalfs Augen wurde mit jeder Minute mehr, die Shaila von der ihm so unbekannten Welt berichtete, sodass sie es für nötig befand, ihm auch die Nachteile der modernen Technik aufzuzählen. Das Abholzen der Regenwälder, die Überbevölkerung, die Ausrottung vieler Tierarten…

Legolas wurde immer bleicher.

Zu ihrer Entschuldigung brachte Shaila hervor: „Die Menschen zerstören ihre Welt, aber langsam haben sie jetzt auch bemerkt, dass man zwar Maschinen, aber nicht ihre Umwelt einfach so ersetzten kann, und tun etwas dagegen. Es ist dennoch sehr schwer. In einer von über hunderten von Städten leben zum Beispiel mehr Menschen, als allein in Gondor!" Aragorn sog die Luft ein. „Mithrandir… Das reicht fürs erste, denke ich. Und Legolas… auch wenn alles so schrecklich klingt, sollten wir uns doch vor Augen halten, dass sie kaum dafür verantwortlich gemacht werden kann, obwohl sie volljährig ist. Wir wissen auch nicht, ob alles der Wahrheit entspricht." Zu Shaila gewand fragte er: „Seid ihr schon verheiratet?" „Nein, bloß nicht!", rief sie entsetzt. „Ich bin 17!" Verwundert sah Gandalf sie an. „Ich hielt euch für 19 oder älter…" „Na danke. Ist doch auch jetzt egal." „Da habt ihr ausnahmsweise Recht. Ich schicke euch ein Dienstmädchen vorbei, die euch Kleidung bringt und euch beim Ankleiden hilft." Mit diesen Worten trat Aragorn, Gandalf hinter sich herziehend, aus der Tür und verwand im Gang. Nur Legolas stand noch unschlüssig im Zimmer.

„Ist eure Welt wirklich so grausam?", fragte er auf einmal. In seiner Stimme war keine Abscheu zu erkennen, höchstens ein leichtes Zittern. „Sie kann auch sehr schön sein…", sagte Shaila langsam. „Aber ich persönlich bevorzuge die weiten Wälder und Grasebenen, von denen es bei uns leider fast keine mehr gibt." Nachdenklich schaute Legolas aus dem Fenster. Sie versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Jetzt, wo sie wirklich in Mittelerde war, fiel ihr der Unterschied sofort ins Auge. Hier lag kein Müll auf der riesigen Wiese vor Minas Tirith. Hier waren die Flüsse so klar, dass man aus ihnen trinken konnte, hier gab es noch unberührte Natur. Ganz anders, als alles, was sie kannte. Schon nach dem ersten Tag, so musste sie jetzt feststellen, hatte sie sich in Mittelerde verliebt. Tief seufzend blickte sie ebenfalls aus dem Fenster, von dem aus sie eine gute Sicht auf das Land vor Minas Tirith hatte. Goldene Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster und ließen Berge sowie die Ebene, auf der jetzt die Pferde weideten, wunderschön aussehen. Langsam vertrieb sie auch den Nebel, der sich über Nacht auf das Land gelegt hatte.

„Ich habe Mitleid mit euch.", sagte Legolas leise, sah sie einmal kurz mit traurigen Augen an, und ging schließlich auch. Zurück blieb Shaila, allein auf ihrem Bett sitzend. Der ehrlich traurige Blick seinerseits hatte sie sehr berührt. Elben waren sehr mit der Natur verbunden, das wusste sie aus Tolkiens Werken, aber noch nie hatte sie diese Verbundenheit selbst erlebt. Es war ihr fast so vorgekommen als hätte Legolas in diesem einen Moment selbst das Leid der Bäume aus ihrer Zeit empfunden, die es selber nicht zum Ausdruck bringen konnten.


Kommt ein Chappi, geflogen... na, war ich schnell? ;-)

Ich habe wirklich einen Hang dazu, während eines Kapitels von der einen Stimmung in die andere zu wechseln. Und ja, ich werde auch gerne sentimental. Mit Legolas werde ich es übrigens noch langsam angehen lassen, aber die Romanze kommt bestimmt. Wow, das Kapitel hier ist das längste überhaupt! Über 3000 Wörter! Ich staune über mich selbst...

-seuuufz-

Ihr da draußen...? Das Kennzeichen eines guten Schreibers ist doch eigentlich, dass er es schafft, vor den Augen der Anderen während des Lesens Bilder entstehen zu lassen. Ob mir das hier gelungen ist...? Bitte rewievt!

PS: Locke? Was meinst du mit "aus dem RAhmen fallen"? xD

Eryna