Kapitel 7

Das kleine Notizbuch mit dem Titel Hermine Granger wurde langsam ein bisschen zu voll.

Da war die Art, wie sie sich auf die Lippe biss, wenn sie etwas sagen wollte, es dann aber doch zu unhöflich fand. Wie sie an einer Locke zupfte, wenn etwas kompliziert war. Und wie sie den Kopf auf die Hand stützte, wenn sie sich wirklich konzentrierte.

Er konnte sich nicht einmal den Vorwurf machen, er würde sich von seiner Arbeit ablenken lassen. Sie war seine Arbeit.

Und im Augenblick durfte er wirklich nicht abgelenkt sein. Er runzelte die Stirn, als er an die zahlreichen Beinah-Unfälle auf ihrem Weg zur Arbeit dachte. Er hatte ein Auto umlenken, ein heranrasendes Fahrrad verlangsamen, einen Baseball abfangen und (ernsthaft) einen fallenden Blumentopf verschwinden lassen müssen.

Anmerkung: Hermine Granger ist, aus irgendeinem Grund, vom Pech verfolgt wie sonst niemand.

Mit finsterem Blick stand er von seinem Schreibtisch auf. Er brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass er gerade vollkommen mit den Gedanken abgeschweift war. Es dauerte noch einen Moment, bis er bemerkte, dass das Objekt dieser Gedanken vor ihm stand. Mit einem Wagen voller Bücher.

„Wenn du schon hier bist", sagte sie, „wirst du auch arbeiten."

Seine übergroße Robe, die ihr von den Schultern hing, verminderte den Effekt ihrer Bissigkeit irgendwie.

„Ich arbeite", sagte er und lehnte sich wieder auf seinem Stuhl zurück. Er schweifte schon wieder ab, zu einem gefährlichen Gedanken über ihre Beine und was es für eine Schande war, dass sie nie etwas trug, das etwas mehr von ihnen zeigte.

Noch eine Anmerkung: Hermine Granger würde es wahrscheinlich gut stehen, etwas zu tragen, das ihr nicht bis zu den Knöcheln reicht. Ich bezweifle stark, dass mir der Anblick ihrer Beine zu allzu vielen Beschwerden Anlass geben würde. Im Gegenteil, es würde mir vielleicht sogar etwas Angenehmes bieten, das ich von Zeit zu Zeit …

Er unterbrach diesen Gedanken abrupt, während sein Gesicht in einem Ausdruck, der an Entsetzen erinnerte, gefror. Hermine, die gerade geredet hatte, unterbrach sich ebenfalls.

„Was?", fragte sie verärgert. „So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Und, weißt du, ich könnte die Hilfe wirklich gebrauchen."

Er murmelte etwas in ich hinein und versuchte zu verhindern, dass ihm anzusehen war, woran er gerade gedacht hatte. Erst als sie den Kopf geschüttelt hatte und herumgewirbelt war, um einen weiteren Wagen zu holen, bemerkte er, dass er etwas gesagte hatte wie „Nein, nein, schon gut, ich helfe ja".

Verdammt.

Mit einem leichten Stirnrunzeln erhob er sich. Diese ganze Situation wurde langsam lächerlich. Dann war sie eben attraktiv, auf eine merkwürdige, allzu wortgewandte, überhaupt nicht mädchenhafte Weise. Er hatte nicht zum ersten Mal mit attraktiven Frauen zu tun. Er hatte schon einige sehr attraktive Frauen ins Gefängnis gebracht. Es gab überhaupt keinen Grund, sich davon zu irritieren zu lassen.

Blaise sah zu, wie Hermine den Rücken eines zurückgegebenen Buches prüfte und ihr dabei diese braune Locke über die Wange fiel. Sie warf einen Blick hinüber zu einem Regal und prüfte noch einmal das Buch, als wollte sie sichergehen. Sie ging zu einer in der Nähe abgestellten Leiter und starrte sie beinahe misstrauisch an.

„Zabini?", fragte sie.

Er blinzelte und versuchte, nicht in Panik zu geraten. Er hatte sie schon wieder angestarrt. Ein wenig. Es war dumm gewesen, zu denken, sie würde es nicht früher oder später merken. In Kürze würde er nie wieder in der Lage sein, sie angemessen in Rage zu versetzen, wenn es sein musste.

„Könntest du das hier eventuell für mich zurückstellen? Ich bin … ich scheine heute etwas ungeschickt zu sein."

Oh, Gott sei Dank. „Hm? Oh. Ja. Sicher." Sie warf ihm einen misstrauischen Blick zu angesichts seines geistesabwesenden Tons, und er zwang sich, sich zur Ordnung zu rufen. „Obwohl ich erwähnen sollte, dass meine Stellenbeschreibung nicht beinhaltet, dich vor dir selbst zu schützen."

„Ha ha", murmelte sie und reichte ihm das Buch. „Es kommt neben Hippogreife in freier Wildbahn. Es steht eine Signatur drauf."

Er zuckte mit den Schultern und stieg auf die Leiter, wobei er sich fragte, ob sie wohl irgendwas damit gemacht hatte. Nein, das war nicht ihre Art. Trotzdem, es war schon seltsam, dass sie ihn darum gebeten hatte, wenn man bedachte, dass er, äh, sie jedes Mal demütigte, wenn sie den Mund aufmachte. Er fand rasch den Platz, den sie ihm beschrieben hatte, und schob ein paar Bücher zur Seite, um Halb-Vogelartige und ihre Verwandten dorthin zurückzustellen, wo es hingehörte.

Hermine bedachte das Regal mit einem komischen Gesichtsausdruck, als er wieder herunterkam und sich die Hände abklopfte.

„In Ordnung", sagte sie. „Du bleibst hier. Und … mach dich bereit, etwas … zu unternehmen."

Er blinzelte.

„Was genau hast du –"

„Ich versuche ein Experiment." Hermine schob sich an ihm vorbei zu der Leiter und begann, ohne Buch in den Händen hinaufzuklettern. Blaise nahm leicht verwirrt seinen Zauberstab aus der Halterung. Er hoffte nur, dass es in diesem Experiment nicht darum ging, ihm Bücher auf den Kopf zu werfen.

Er hob den Blick, sobald er den Zauberstab fest in der Hand hatte, und hoffte, nicht in einem abgelenkten Moment überrascht zu werden. Er hielt inne. Oh. Das war eine interessante Aussicht und eine gute Antwort auf seinen vorangegangenen Gedankengang …

Als Hermine die oberste Sprosse der Leiter erreichte, ertönte ein Knacken. Hermine schien das fast erwartet zu haben und hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen recht guten Halt an gleich mehreren Sprossen. Unglücklicherweise schien sich die Leiter vom Regal gelöst zu haben, und Blaise fluchte, während er sich bemühte, noch rechtzeitig einen Zauberspruch zustande zu bringen.

Hermine stürzte völlig geräuschlos. Tatsächlich stellte sie lediglich ein sehr finsteres Stirnrunzeln zur Schau, als ihr Füße schließlich nur noch wenige Zentimeter über dem Boden schwebten. „Also, jetzt reicht's", murmelte sie wütend.

Blaise bemühte sich, sich nicht vor Schreck ans Herz zu fassen. „Was – was war das?" Es war fast so, als hätte sie selbst die Leiter manipuliert, um den Unfall zuwege zu bringen. Nach allem, was heute schon passiert war, war das wirklich zu lächerlich. Er war schwerer als Hermine, und das Ding hatte nicht mal geknarrt!

Sie sah ihn wütend an und wippte mit dem Fuß in der Luft. „Ach? Das weißt du nicht?"

„Wenn ich es wüsste, würde ich nicht fragen!", erwiderte er frustriert. Dann, als ihm auffiel, dass er sie noch immer nicht heruntergelassen hatte, ließ er seinen Zauberstab sinken. Ihre Füße landeten geräuschlos auf dem Boden.

„Ich nehme an, das sollte ich wohl nicht von dir erwarten", seufzte sie schließlich. „Es ist eine eher akademische Idee, die nicht unbedingt oft in der Praxis angewendet wird. Hast du jemals von diesen scheußlichen Spiegeln gehört, die Lydia die Elende verflucht hat? Die, die einem sieben Jahre Pech bescheren?"

Er runzelte die Stirn und steckte beinahe den Zauberstab wieder ein, überlegte es sich aber im letzten Moment anders und hielt ihn weiterhin bereit. „Bislang nicht. Jetzt schon."

„Ich glaube, das hier ist eine Erweiterung dieser Idee. Mit ausreichenden Arithmantikkentnissen und genügend Leuten, die mithelfen, könnte man den Fluch wahrscheinlich so intensivieren, dass er potentiell tödlich ist." Sie knackte mit den Fingerknöcheln und warf einen Blick auf die umgestürzte Leiter.

Er hob die Augenbrauen. „Und weshalb genau hast du es nicht für nötig gehalten, mich davor zu warnen?"

Hermine zuckte mit den Schultern und machte sich auf den Weg zu einem noch vollen Wagen mit Büchern. „Ich war mir nicht sicher. Das ist ziemlich viel Aufwand, nur um eine einzige Person zu töten, oder?" Sie nahm scheinbar wahllos ein Buch zur Hand – und ließ es mit einem Zischen wieder fallen, um sich den Finger in den Mund zu stecken, an dem sie einen frischen Schnitt hatte. „Und diese kleinen Unfälle sind meiner guten Laune auch nicht gerade zuträglich."

Mit einem letzten Blick auf die Leiter am Boden hob Blaise das Buch auf, das sie fallengelassen hatte. Es war ein schrecklich dicker Wälzer mit einem kaum lesbaren Titel auf der Vorderseite und gar keinem auf dem Buchrücken. Mit einem leichten Schielen konnte er erkennen, das da Historische und mythische Flüche – A bis F stand.

„Da wird es wahrscheinlich nicht drinstehen", sagte sie um den Finger in ihrem Mund herum. „Ich dachte nur, ich seh mal nach der Nummer auf diesem. Es steht unter … hm … vermutlich unter ‚S' wie ‚Spiegel'."

Er nickte langsam und merkte sich die Nummer auf dem Buchrücken. Sie schien als golden leuchtende Inschrift ins Leder gezaubert worden zu sein und schwebte ein wenig über dem Buch.

„Irgendwann", murmelte sie, „werde ich sie einfach nach Thema aufrufen können, aber sie sind noch nicht alle fertig."

Er sah das Buch blinzelnd an.

Korrektur: Hermine Granger ist manchmal umwerfend genial. Aber nur manchmal.

„Okay", sagte er, während er die Flüche zur Sicherheit trotzdem durchblätterte. „Du meinst also, du kannst den Fluch brechen?"

„Nein", erwiderte sie beiläufig, nahm ein weiteres Buch von dem Wagen und warf einen Blick auf den Umschlag. „Das werde ich sicher nicht können, da ich heute eine verflucht grauenhafte Pechsträhne habe. Du wirst das tun müssen."

Er ignorierte den Wortwitz, da er sich ziemlich sicher war, dass es keine Absicht von ihr gewesen war. „In Ordnung. Das kann ich machen."

„Ah, gut. Ich hatte schon befürchtet, du hättest Arithmantik nicht belegt."

Blaise erstarrte, irgendwo zwischen ‚Brennende Sohlen' und ‚Brennessel-Fluch'.

ooOOoo

Typisch. Typisch.

Hermine schnaubte, als sie eine weitere Handvoll mitgenommen wirkender Nachschlagewerke aus dem Arithmantik-Regal nahm. Auroren-Leibwächter, genau! War Arithmantik für Auroren nicht Pflichtfach? Nein, nein – das hatten sie geändert, irgendwann Mitte des 20. Jahrhunderts, oder? Richtig, nach Grindelwalds Aufstieg. Schnellere Ausbildung, nichts wie an die Front, die Toten mit frischen Neulingen ersetzen, und das Ganze noch mal von vorne. Das Ministerium hätte natürlich niemals eine bewährte Vorschrift wieder eingeführt, denn es wäre ja unpraktisch gewesen!

All dies war ein langer, frustrierter Gedanke, während sie die Bücher, die sie im Arm hielt, mit einem lauten Knall auf einen Schreibtisch fallen ließ.

Immerhin hatte Zabini soviel Anstand, etwas kleinlaut auszusehen. Es war ein anderer Ausdruck als damals, als er ein Buch über Verwandlung von ihr gefordert hatte und fortgefahren war, ihre Instruktionen entgegenzunehmen, als seien sie etwas, was ihm naturgegebenermaßen zustand.

„Ich kann nicht fassen, dass sie von euch kein bisschen Übung in Arithmantik verlangen!", sagte sie hitzig. „Du meine Güte, es ist immerhin eine Notwendigkeit, um komplexere Flüche brechen zu können!"

„Die nicht so häufig vorkommen wie die weniger komplexen", betonte er, „da die meisten Schwarzmagier sich auch lieber nicht mit dem Zeug auseinandersetzen."

„So schwierig ist Arithmantik nun auch wieder nicht!", protestierte sie und setzte sich. „Das Fach hat nur einen schlechten Ruf, weil die Leute im ersten Jahr durchfallen."

„Machst du Witze? Fast drei Viertel der Klasse sind im ersten Jahr durchgefallen!"

„Und die ZAGs sind vielleicht etwas anspruchsvoller, das ist alles", fügte sie mit einem tiefen Stirnrunzeln hinzu. Den Rest dessen, was sie dachte, sagte sie nicht. Es war etwas wie ‚Kingsley Shacklebolt ist ein sehr guter Auror, der stümpert auch nicht mit Arithmantik-Gleichungen rum!' Schließlich wäre es unfair gewesen, Blaise mit Kingsley Shacklebolt zu vergleichen. Shacklebolt war bei seinem Abschluss unter den besten zehn gewesen, außerdem hatte er wesentlich mehr Erfahrung auf diesem Gebiet. Abgesehen davon konnte sie sich nicht vorstellen, dass Mad-Eye Moody viel von arithmantischen Lösungen hielt. Nach der Anzahl an Narben in seinem Gesicht zu urteilen, löste er solche Probleme einfach nach dem Prinzip „Augen zu und durch".

Zabini hatte immerhin etwas Erfahrung mit dem Brechen von Flüchen. Jemand wie Simone hätte es unmöglich mit einem fortgeschrittenen Böser-Blick-Fluch aufnehmen können (eine alternative Bezeichnung, die doch im ersten Band von Historische und mythische Flüche gestanden hatte). Erst recht nicht mit einer mutierten Version.

„Du kannst unmöglich vorhaben, mir innerhalb eines Tages fortgeschrittene Arithmantik beizubringen", sagte Zabini mit einem finsteren Blick in Richtung der Bücher.

„Nein", sagte Hermine. „Selbstverständlich nicht. Ich habe eine Stunde Zeit – dann ist meine Mittagspause vorbei und ich muss wieder an die Arbeit."

Er starrte sie an. „Das … das kann nicht dein Ernst sein."

„Ich bin sehr selten etwas anderes als ernst", antwortete sie knapp. „So, hier – das ist der erste Band. Da sind einige sehr simple Beispiele für Zahlenverbindungen drin und ein paar einfache Gleichungen im ersten Kapitel, die du wahrscheinlich kennen solltest. Das solltest du dir ansehen, während ich mich etwas tiefer in diesen Fluch einlese. Ich bin immer noch nicht ganz sicher, wie man einen personenbezogenen Fluch auf so eine Entfernung bewerkstelligt."

Zabini betrachtete die Seite, auf die sie gezeigt hatte, mit einem irgendwie gequälten Ausdruck. Bei ihrer letzten Feststellung blickte er wieder auf. „Sie müssen etwas benutzt haben, das dir gehört hat. Das ist eine preiswerte Methode und außerdem schwer zu kontern."

Hermine sah ihn düster an. „Ich mache es mir nicht zur Gewohnheit, meine Sachen für andere Leute herumliegen zu lassen."

„Nein." Er zuckte mit den Schultern. „Aber du bringst jede Woche deinen Müll raus. Oder – ach, sie könnten sich einfach deine Zeitung greifen. Das wäre zwar keine starke Verbindung, aber sie wäre da."

Sie starrte ihn an. „Das ist nicht dein Ernst", echote sie.

„Natürlich ist es das. Allerdings ist es das oft auch nicht, daher verstehe ich deinen Standpunkt." Er drehte sein Buch in ihre Richtung. „So, was zum Teufel bedeutet jetzt dieser … Kreis?"

In ihrem Gesicht zeichnete sich schiere Verzweiflung ab. „Das ist ein Zahlenkreis, Zabini. Das ist nicht nur einfach, es ist grundlegend. Sogar Lavender und Parvati konnten damit umgehen." Die beiden hatten es aus der Hexenwoche gelernt, um den anderen ihre Tageshoroskope erstellen zu können.

„Tja, ich schätze, du wirst mir trotzdem den Gefallen tun müssen und es mir erklären", erwiderte Blaise scharf.

Hermine blinzelte und blickte von ihrem Tisch zu ihm auf. Seine Miene war angespannt. Es war das erste Mal, dass sie ihn verärgert über irgend etwas hatte sprechen hören – und mit Sicherheit das erste Mal, dass er das so offensichtlich getan hatte.

„Würdest du bitte bei der Sache bleiben?", bat er ungeduldig. Der zornige Unterton war noch nicht ganz verschwunden, aber er schien sich Mühe zu geben, so zu tun, als wäre er nie da gewesen.

„Gut", sagte sie. „Ja. Dann fangen wir eben ganz am Anfang an."

Das schien seine Stimmung nicht zu verbessern.

ooOOoo

Nach einer Viertelstunde versuchte sie immer noch, ihn dazu zu bewegen, einen logischen Sonnenzirkel zu zeichnen. Nach zwanzig Minuten war er ganz offensichtlich beleidigt, als sie ihn aufforderte, bitte seinen Namen zu schreiben. (Was sie gemeint hatte, war, dass er ihn transkribieren sollte, aber das war nicht ganz das, was er verstanden hatte.) Nach einer halben Stunde stellte sie fest, dass sie eine Pause machen musste, denn er stand unvermittelt auf und stelzte vom Tisch weg.

„Es gibt einen wesentlich leichteren Weg, dieses Problem zu lösen", sagte Blaise finster und zog seinen Zauberstab. „Und das hätte ich einfach direkt tun sollen, anstatt zuzuhören, wie du über astrologischen Schwachsinn quatschst …"

Wie bitte?" Hermine sprang auf.

„Wenn ich noch ein weiteres Wort von dir in diesem besserwisserischen Tonfall ertragen muss, werde ich dich sowieso selbst töten, und dann habe ich keinen Job mehr!" Er richtete energisch den Zauberstab auf sie, mit einer Geste, die sie erkannte, und ihre Augen weiteten sich.

„Zabini, das ist eine ganz schlechte Idee!"

Ihre Warnung kam nicht direkt zu spät, verhallte jedoch vollkommen unbeachtet. „Exsolve!"

Hermine hatte ihren Zauberstab ungefähr zu der Zeit gezogen, als sie das violette Licht erreichte. „Declino!", rief sie rasch, aber sie wusste, dass der Gegenzauber höchstens die Hälfte abfangen würde, wenn überhaupt. Als es sie berührte, ertönte ein seltsames Klingen, und mit einem Lichtblitz reagierten die beiden Zauber – auf unglückselige Weise. Hinter ihr fiel ein Tisch zu Boden, als sämtliche Nägel auf einmal aus ihm heraussprangen. Die Bücher auf dem Regal etwa fünf Meter zu ihrer Rechten ergossen sich in einer Papierlawine auf den Boden. Sie machte einen zögerlichen Schritt rückwärts und blickte entsetzt an sich hinunter.

Es entstand eine lange Stille. Zabini besaß die Unverfrorenheit, sie einfach nur anzusehen und zu blinzeln.

Mit täuschend ruhiger Stimme sagte sie: „Hast du irgendeine Ahnung, wie komplett – wie absurd unmöglich du gerade alles gemacht hast?"

Sie konnte ihm am Gesicht ablesen, dass er verzweifelt versuchte, eine geistreiche Erwiderung zu finden, mit der er sie in die Defensive befördern konnte, aber keine fand.

„Simone!", rief Hermine der älteren Frau hinter ihr zu. Die Bibliothekarin schrak zusammen, aus ihrem Versteck hinter dem nächsten Bücherregal aufgestört, dessen Bücher sich einhellig überlegt hatte, zu Boden zu segeln. „Ich gehe für heute nach Hause. Mr. Zabini wird einen Wagen Arithmantikbücher benötigen."

„Du liebe Güte", murmelte Simone bei sich.