7. „Da spricht dein gekränkter Stolz aus dir."
Die Behauptung Malfoy hätte es final geschafft Kampfgeist in ihr zu wecken, währe wohl etwas übertrieben. Aber wenn man es genau betrachtete, war es wohl so. Oder man konnte es am ehesten als eine entsprechende Reaktion auf sein Spielchen bezeichnen.
Die Gründe lagen auf der Hand. Zum einen war da die Tatsache, dass ihr vermaledeites Leben davon abhing diese Sache mit ihm durchzuziehen. Gerade jetzt schien der Hauptansporn jedoch darin zu liegen ihm zu zeigen, dass sie ihn sehr wohl haben konnte – wenn sie es wollte.
Zu ihrem Glück zog das Zweitere auch das Erste mit sich. Welch durchaus vorteilhafter Nebeneffekt.
„Toni, ich mache heute etwas eher Schluss", sagte sie, nachdem sie die letzte Unterschrift für heute unter eines der vielen Dokumente gesetzt hatte.
Die Angesprochene blickte sie einen Moment fragend an, schien sich dann aber zu entschließen nicht weiter nachzuharken. „Alles klar. Dann sage ich mal bis morgen."
Hermione stand nickend auf und reichte der jungen Frau einen vollständig frankierten Eulenbrief. Diese nahm ihn langsam an sich und begutachtete ihn einen Augenblick neugierig.
„Draco Malfoy?", fragte sie dann spöttisch grinsend.
Es war offensichtlich, dass sie die gewohnte Schimpfansammlung erwartete, die Mione üblicherweise gemeinsam mit Malfoys Namen über die Lippen kam. Doch heute schwieg der Lockenschopf, während sie sich ihren Mantel überzog und ihr Haar aus dem Kragen befreite.
„Worum geht es mal wieder?", harkte die Südländerin also nach.
„Etwas Persönliches", antwortete sie. „Deshalb sollte es an seine private Direktadresse gesandt werden."
Tonis Augen weiteten sich überrascht, aber sie nickte freundlich.
Mione verließ mit gemischten Gefühlen das Büro…
Zuhause angekommen ließ sie Eile walten. Sie hatte länger gemacht, als sie es ursprünglich geplant hatte. Aber, die Anfrage von Senatorin Sanders hatte nicht warten können und Hermione gab derartig wichtige Dinge selten und ungern ab.
Keine zwei Stunden bevor sie das Haus also erneut verlassen musste, kam sie endlich zuhause an. An für sich würde das für sie genügen, doch heute hatte sie anderes vor. Größeres…
Also streifte sie sich ohne Umschweife den Mantel ab, stieg aus ihren Stiefeln und warf die Tasche auf die Kommode im Flur. Dann pellte sie sich schnell aus der zerknitterten Hose und legte das Shirt ab, welches sie heute getragen hatte. Auch die Unterwäsche blieb im Flur zurück, während sie unter die Dusche sprang.
Knapp 20 Minuten später schlich sie, in einem flauschigen Badetuch eingewickelt und auf nach wie vor feuchten Zehenspitzen, ins Schlafzimmer – wobei sie einen Abstecher in den Flur machte, um ihre Sachen aufzusammeln und in den Wäschekorb zu legen – und rubbelte sich dort trocken.
Sie hatte sich bereits unter der Dusche ausgiebig mit einer Öllotion eingerieben, was das jetzige Prozedere zwar etwas umständlicher machte, ihre Haut aber später entsetzlich weich, verlockend duftend und vor allem verboten schimmern ließ.
Ja, ihr zartbrauner Teint hatte eindeutig etwas Gutes…
Was man von ihren störrischen Locken, die sie heute auf jeden Fall hochstecken würde, nicht behaupten konnte.
Schließlich warf sie das Handtuch beiseite und sprang herüber zur Kommode, in dem sich ihre Wäsche befand. Mit einem Ruck, und einen prüfenden Seitenblick auf ihre Schlafzimmertür, machte sie sich auf die Suche nach etwas Passendem.
Zu schlicht widerstrebte ihr, denn auch wenn sie sicher war, dass er es heute auf keinen Fall – egal wie geschickt sie sich heute Abend anstellte – zum Äußersten kommen lassen würde. Sie hatte da so eine Ahnung, dass sein Stolz es nicht zulassen würde.
Doch man wusste bekanntlich nie…
Also entschied sie sich für ein hauchzartes Set, bestehend aus einem beigefarbenen Spitzen-BH und einem kaum vorhandenen Spitzenstring. Um eines vorweg zu nehmen: Sie hasste Strings. Sie trug sie wirklich nur für höhere Zwecke, was soviel bedeutete wie: Wenn sich ganz sicher kein Mann an ihre Unterwäsche verirren würde, trug sie lieber etwas stoffreichere Stücke.
Heiler und Ersthelfer waren natürlich ausgeschlossen. Für den Fall, dass sie auf dem Weg zur Arbeit ein Apperationsschweif erwischte zum Beispiel.
Ja, aber heute wusste sie eben nicht, was sie zu erwarten hatte.
Was sie nicht wirklich verwunderte…
‚Aber, was soll's?', dachte sie sich und trat prüfend vor den Spiegel; nur um Sekunden später wieder einen prüfenden Blick über ihre Schulter hinweg zur Tür zu werfen.
Himmel, dieser Spinner hatte mit seiner Dreistigkeit ihr gesamtes Sicherheitsgefühl zerstört. Natürlich hatte sie die Tür in Folge seines Besuches vor einigen Tagen doppelt und dreifach gesichert. Aber, das ungute Gefühl blieb.
Mit einem Seufzen wandte sie sich wieder dem Spiegel zu. Dann warf sie einen prüfenden Blick auf die Uhr.
Anderthalb Stunden noch… 90 Minuten um sich anzuziehen, zu schminken und diesen Mopp auf ihrem Kopf halbwegs zu bändigen.
Ein weiteres Seufzen. Sie hatte nicht mehr viel Zeit…
Mehr oder weniger pünktlich traf sie am vereinbarten – oder eher ihrerseits vorgeschlagenen – Restaurant ein: Ein kleiner aber äußert edler Italiener inmitten von London, jedoch so nahe an der Winkelgasse, dass sich hierher immer wieder Magier verirrten.
Amüsanterweise hatte sie auch ein solcher auf dieses kleine Schmuckstück aufmerksam gemacht. Josh war Malfoy in vielen Dingen ähnlich gewesen. Er war ein Heuchler, arrogant und viel zu selbstverliebt. Allerdings stand ihm diese Rolle nicht so gut, wie sie dem Blonden stand. Anders als Malfoy, der es stets schaffte die Scheinwerfer ohne Zutun auf sich zu lenken, hatte Josh sie erbärmlich angebettelt ihn zu erhören.
Und wenn Hermione etwas noch mehr hasste als falsche Arroganz, dann war es unberechtigte. Also hatte sie diese Beziehung direkt nach dem zweiten Date beendet.
„Miss, was darf ich für Sie tun?", fragte sie der stattliche Kellner, der wie immer an dem gealterten Empfang wartete und die wenigen Gäste zu ihren Plätzen führte.
Mione trat lächelnd an ihn heran und genoss einen Moment den Blick, den er ihr zuwarf. Es bestätigte sie und gab ihr einen ungemeinen Schub Selbstbewusstsein – und das obwohl sie wusste, dass sie gut aussah. Sie war keine von diesen Frauen, die der Meinung waren, sie machten Optisch einfach nichts her.
Sie war sich aber sehr wohl bewusst, dass sie nicht immer das Beste aus sich herausholte. Jedoch hatte sie meistens wahrlich andere Dinge im Kopf, als Männern zu imponieren. Sie hatte eine Welt zu verändern.
„Ich habe einen Tisch für zwei bestellt. Auf den Namen Granger", informierte sie den jungen Mann und er sah einen Moment glatt enttäuscht aus.
„Sicher Miss. Der Gentleman wartete bereits auf Sie." Damit deutete er ihr höflich an ihr zu folgen und Hermione tat erleichtert, wie ihr geheißen wurde.
Erleichtert, weil sie einen Augenblick – oder auch immer wieder den gesamten Tag über – befürchtet hatte, dass er sie versetzten würde. Es hätte in sein Spiel gepasst.
Aus irgendeinem Grund hatte sie daher darauf verzichtet in ihrer Aufforderung sich heute, und hier und jetzt, mit ihr zu treffen keine „Bitte um Antwort" hinzugefügt. Auch wenn sie nicht wirklich sicher gewesen war, dass das der beste Zug war. Sie hätte ihm zugetraut, dass er sie versetzten würde; gleichzeitig aber in der Nähe in Stellung ging um ihren Gesichtsausdruck sehen zu können…
Aber nein. Er war tatsächlich hier.
Und er funkelte sie bereits auf halber Strecke an, als sie mit dem Kellner zu ihrem Tisch schritt. Dabei schien er ihren Aufzug nicht im Geringsten zu bemerken, oder auch zu würdigen. Einen Moment spürte sie erneute Enttäuschung in sich aufkeimen, doch sie entschied sich es herunter zu schlucken.
„Du bist gekommen", flüsterte sie, während der Kellner ihr zuvorkommend auf den Stuhl half.
Mit einem „Danke" und einem Lächeln zeigte sie ihm, dass sie nun bedient war und er sie allein lassen konnte. Etwas, das dem jungen Mann eindeutig nicht wirklich gefiel.
Er warf Malfoy einen merkwürdigen Blick zu, den dieser unterkühlt erwiderte. „Danke", schnarrte er dann gekünstelt grinsend und endlich machte sich der Kellner auf und davon.
„Du hättest etwas höflicher sein können", gab sie zurück und befestigte ihr Täschchen an der Lehne des Stuhls.
Sie hasste es Taschen das gesamte Essen über auf dem Schoss zu balancieren, ganz egal ob es nun sicherer war oder nicht. Außerdem hatte sie alle ihre Taschen magisch vor Diebstahl gesichert. Das wirkte zwar nur bei Muggeldieben, da Magier den Zauber schnell
und unbemerkt lösen konnten, doch in den meisten Fällen war es mehr als genug.
„Du hättest pünktlich sein können", gab er zurück und nahm einen weiteren Schluck Wein.
Sie runzelte die Stirn. „Ich bin 20 Minuten zu spät."
Er lächelte überzogen und schwenkte das Glas in seiner Hand. „Ganz genau. 20 Minuten, Granger."
„Das ist keine Zeit für eine Frau."
„Das ist unverschämt für den Umgang mit einem Malfoy."
Mione rollte genervt mit den Augen und bestellte sich ebenfalls ein Glas Wein. „Jetzt bin ich ja hier."
„Das sehe ich."
„Entschuldige bitte", flüsterte sie herausfordernd und beugte sich etwas vor; wobei sie ihm unbewusst etwas Einsicht in ihr Dekollete gewährte. Allerdings wurde ihr das erst bewusst, als sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht zauberte. „Besser?", sprach sie zeitgleich mit der Einsicht aus und spürte etwas Blut in ihre Wangen steigen.
Sie lehnte sich langsam zurück, wobei ihr bewusst wurde, dass das doch eigentlich wunderbar in ihren Plan passte.
„Besser", gab er grinsend zurück.
Der Kellner kam und stellte ihr das Glas Wein liebevoll vor die Nase. Dabei warf er ihr einen vielsagenden Blick zu.
Ein schwaches Grinsen umspielte ihre Lippen. Der forsche Kerl flirtete tatsächlich mit ihr.
„Miss, Ihr Wein", sagte er und goss ihr noch am Platz etwas ein.
„Stopp", sagte Malfoy immer noch grinsend.
Mione wandte sich ihm überrascht zu und auch der Kellner sah ihn fragend an.
Der Blonde lehnte sich grinsend vor. „Jerome?", fragte er und sein Grinsen wurde immer breiter, während er über den Tisch hinweg griff und einen Schluck von Hermiones Rotwein nahm. Ihrem Lieblingswein.
Malfoy verzog angewidert das Gesicht.
„Ich heiße Tim", verkündete der Kellner.
„Tatsächlich? Haben nicht alle Kellner ausgefallene Namen, weil sie von Grund her so gewöhnlich sind?", fragte der Blonde herablassend und der Lockenschopf musste sich auf die Zunge beißen, um ihn unter dem Tisch nicht zu treten.
„Nein, Sir", antwortete der Bursche, der eindeutig in ihrem Alter war.
Malfoy nahm einen Schluck von seinem Wein. „Vielleicht sind das aber auch nur Künstlernamen. Meistens verfolgt ihr Burschen doch so hohe Ziele", sprach er weiter, starrte aber ins Glas.
Da lag soviel Spott in seiner Stimme, dass selbst Mione im Boden zu versinken drohte.
„Lass mich raten, Tim? Du willst Schauspieler werden?"
Kellner Tim zog seine Lippen schmal, was ein eindeutiges „Ja" bedeutete.
Malfoy lachte gehässig auf. „Also, Tim. Nimm den billigen Fussel wieder mit und bringe der Dame etwas von dem hier", er hob das Glas und blickte Mione grinsend an. „Oder bring uns gleich eine ganze Flasche."
„Dieser Wein ist sehr teuer, Sir", verkündete Tim.
„Für einen Möchtegern-Schauspieler mit einem Kellnergehalt vielleicht", antwortete der Blonde geradezu lieblich. Sein Lächeln glich einem Sonnenscheinlächeln, welches nicht hinterlistiger sein konnte.
Timmy zog mit einem „Jawohl Sir", von dannen und Mione rieb sich angestrengt die Schläfen.
„Und bring uns bitte auch die Speisekarten", rief ihm Malfoy hinterher. „Nettes Kleid", wisperte er dann an sie gewandt. „Oder sollte ich sagen, schöne Brüste, Granger? Das hätte ich unter deinen formschönen Strickpullovern aus dem Hause Weasley gar nicht vermutet."
Sie holte tief Luft und beugte sich erneut vor. Dieses Mal jedoch bewusst. „Wenn du nicht augenblicklich etwas weniger Arroganz an den Tag legst, werde ich dir hier und jetzt so in die Familienjuwelen treten, dass du niemals wieder zum Luftholen kommst", zischte sie.
Malfoy lachte sichtlich überrascht, aber auch amüsiert auf. „Granger, bitte. Du siehst endlich mal aus wie eine Lady. Zertrümmere nicht die verheißungsvolle Illusion."
Mione lehnte sich wütend zurück. „Sollte das jetzt ein Kompliment sein?"
Ein Feixen. „Ja, wahrscheinlich."
Sie schüttelte den Kopf.
„Granger bitte. Du wolltest mich heute treffen."
„Weil ich keine andere Wahl hatte."
Er hob eine Augenbraue und nahm einen weiteren Schluck Wein. Tim stelle eine ganze Flasche, ohne ein weiteres Wort, auf ihrem Tisch ab. Und ohne ihnen noch etwas einzuschenken.
„Du bist unmöglich", flüsterte sie und beobachtete den jungen Mann dabei, wie er verschwand.
Malfoy lachte. „Das wusstest du bereits vorher."
Ein Zähneknirschen entwischte ihr. „Ich sagte bereits, dass ich keine andere Wahl hatte."
„Granger, hör endlich auf mir die Stimmung zu vermiesen", gab er gespielt enttäuscht zurück und schüttete sich noch etwas Wein ein. „Da komme ich mir so unwichtig und unbedeutend vor."
„Als ob", zischte sie.
Er schenkte ihr einen tiefen Blick. So tief, dass ihr einen Moment glatt anders wurde. Also nahm sie einen Schluck Wein, bevor sie husten oder erröten konnte.
„Der ist bitter", verkündete sie dann mit verzogenem Gesicht.
„Natürlich ist er das. Billiger Dessertfusel gehört ebenso wenig zur Vorspeise, wie er zum Hauptgang gehört."
„Er ist nach wie vor bitter."
Ein weiteres Grinsen. „Bittere Säfte sind also nicht nach deinem Geschmack?"
„Malfoy", fluchte sie aufgrund der Zweideutigkeit, die sich in seinen Worten fand.
Er lachte. „Was? Ich versuche nur dich kennen zu lernen. Außerdem würde das einiges erklären."
Mione blieb ernst, spürte aber ein gewisses Maß an Wärme, als er sie auffällig musterte und dabei immer wieder an ihrem Dekollete hängen blieb. Dieses Mal spürte sie sie jedoch nicht nur in ihrem Gesicht, sondern auch in der Bauchgegend. Als er sich schließlich in Gedanken versunken über die Lippen leckte wurde ihr so heiß, dass sie einen Moment auf dem Stuhl herumrutschte.
Wie von Sinnen starrte sie ihn an. Ihn und sein feines blondes Haar und diese leicht glänzenden Lippen, die schon in der Schule so manches Mädchen um den Verstand gebracht hatten.
Und sie hatte auch Marisol und Emily aus der Außenstelle mehrmals heimlich über ihn reden hören. Über ihn und seinen kleinen Knackarsch und diese durchaus küssbaren Lippen. Und Merlin, sie hatten recht - auch wenn keine von beiden ihn jemals geküsst hatte und Mione den Part mit der Rechtzusprechung niemals zugeben würde…
Ertappt sah er auf. Aber natürlich war er alles andere als empört.
„Es war deine Absicht mich anzusprechen", wisperte er rau. „Warum bist du jetzt also so überrascht?"
‚Weil ich nicht damit gerechnet habe, dass du tatsächlich darauf eingehst', antwortete sie stumm.
„Natürlich war es beabsichtigt", flüsterte sie grinsend und deutete auf das Kleid, welches er erst vor wenigen Tagen aus ihrem Schrank gefischt hatte. Das Kleid, was wahrhaftig mehr Haut zeigte, als es ihren Eltern lieb wäre; natürlich ohne zu billig zu wirken.
„Aber, du könntest dich trotzdem etwas zügeln", fügte sie hinzu und spürte, wie ihr Herz für einen klitzekleinen Schlag aussetzte, als er sie so vollkommen ungewohnt ansah.
Da lag soviel Unbekanntes in seinen eisgrauen Augen.
„Bis wann?"
„Malfoy", hustete sie und spürte dass ihre Wangen erröteten.
Merlin, sie hatte wahrhaftig schon zu lange nicht mehr geflirtet.
Und es schockierte sie, dass es scheinbar doch leichter war, als geahnt. Natürlich nicht im Allgemeinen, sondern im Bezug auf ihn.
„Okay", lachte er und lehnte sich vor. „Zurück zum Kennenlernen."
Einen Moment war sie glatt etwas enttäuscht. Doch das Gefühl der emotionalen Belastung, die gerade aufgrund des Unbekannten über sie hereingebrochen war, sagte ihr, dass es besser so war.
Das er recht gehabt hatte, als er vor einigen Tagen darauf hinwies, dass es nicht so einfach wäre es durchzuziehen, wie sie es sich erhofft und auch eingeredet hatte.
„Einverstanden", sagte sie, nahm einen Schluck Wein und sah ihn erneut prüfend an.
Es würde schwer werden, sich von ihm berühren zu lassen. Ihm so entsetzlich nahe zu sein. Im Grunde so nah, dass es körperlich nicht näher ging.
„Mein Schwanz in dir", hörte sie seine Stimme hinter ihren Schläfen widerhallen und wieder durchfuhr es sie. Dieses Mal jedoch etwas anders… Auf fast schon ungute Art und Weise schoss es kurz hinab zwischen ihre Beine…
„Also", holte er sie zurück ins Hier und Jetzt - doch zeitgleich brachte Tim die Speisekarten, so dass sie einen Moment hinter dieser verschwinden konnte.
„Also", gab sie hinter dem Schutz der Karte zurück. „Verrate mir etwas über dich."
Er lachte, doch sie ignorierte es.
„Ein Gericht, welches du überhaupt nicht ausstehen kannst. Oder auch eine Frucht…"
Kurzes Schweigen.
„Ich bin allergisch gegen Erdbeeren", gab er schließlich amüsiert zurück. „Ist es das, was du wissen willst?"
Mione senkte todesmutig die Karte. „Das war ein Scherz. Aber, gut zu wissen." Ein leichtes Schmunzeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Also sollte man dich eher mit Trauben füttern?"
Himmel, warum fragte sie das?
Ein Husten. Erst im nächsten Moment wurde ihr bewusst, dass es von ihr stammte.
„Ich falle nicht direkt ins Koma. Aber ja, falls du Füttern wie Füttern meinst, sollte man darauf wohl verzichten." Sie konnte ihn grinsen hören. „Ansonsten könnte der Abend sehr unschön enden."
„Schwellungen?", fragte sie und hatte immer noch das Gefühl, dass sie über extrem verdorbenes Zeug mit ihm sprach.
Was sie mehr oder weniger ja auch tat. Was wiederum auf surreale Weise sehr absurd war.
Hätte ihr jemand vor sechs Monaten gesagt, dass sie heute hier glattrasiert und in ihrem teuersten Kleid mit Draco Malfoy sitzen und über seine Erdbeerallergie sprechen würde, hätte sie ihn ausgelacht.
Jawohl…
Allerdings beschrieb absurd wohl gerade ihre gesamte Situation.
„Ausschlag", antwortete er und sie hatte tatsächlich einmal in ihrem Leben das Gefühl, dass er die Wahrheit sprach.
Er ließ die Karte sinken und sah sie an. „Und wie sieht es bei dir aus?"
„Was?", fragte sie irritiert. „Ob ich Erdbeeren mag?"
Er lachte. „Ja. Oder was du nicht magst", seine Augen funkelten kurz spitzbübig auf. „…oder was du ganz besonders magst."
Ein heiseres Lachen entwischte ihr. „Sprechen wir noch von Speisen?" Es sollte bitter klingen, tat es jedoch nicht.
Eines stand fest, dieses Kleid hatte einen schlechten Einfluss auf sie. Das letzte Mal, als sie es getragen hatte, war sie nackt und auf allen Vieren auf ihrem Teppich geendet. Und nun saß sie hier und errötete anrüchig vor diesem Mistkerl.
Aber, solange sie nicht nachher nackt und auf allen Vieren vor ihm endetet.
Eine weitere Welle Hitze durchfuhr sie. Dieses Mal schoss sie ihr jedoch voll und ganz ins Gesicht.
War denn nicht genau das ihr Ziel gewesen?
Wenn man ihrem Körper glauben konnte lautete die Antwort „nein"… Ihr Verstand sagte aber natürlich „ja"…
Oh Merlin. Aber, genau das galt es ja auf einen Nenner zu bringen.
Malfoy blickte sie fragend und mit hochgezogener Augenbraue an. „100 Galleonen für deine Gedanken, Granger", flüsterte er dann feixend.
„Ich habe nur…", sie stockte und Tim, der ihre Bestellung aufnahm, kam ihr zur Hilfe.
„Ich mag keine Oliven. Die sind mir zu glitschig", antwortete sie anschließend.
Sein Grinsen, welches er die gesamte Bestellung über gehalten hatte, erlosch nicht. „Warum habe ich das Gefühl, dass das nicht in deinem zerzausten Kopf vorging?"
Mione runzelte über die Beleidigung zwischen seinen Zeilen die Stirn. „Wir wollen uns kennen lernen…"
Er lachte. „Ja, Granger. Weil wir miteinander ins Bett müssen. Nicht, weil wir heiraten müssen. Warum sollten wir es nicht also auf interessante Themen einschränken?"
„Ich werde ganz sicher keine intimen Details mit dir teilen", zischte sie.
„Da wäre ich nicht so sicher", gab er zurück. Und wieder stand diese Überhabenheit in seiner Miene.
„Über das hinaus", knurrte sie.
Himmel, das konnte doch nicht wahr sein. Innerhalb von zehn Minuten schaffte er es sie scheinbar sämtliche Emotionen durchlaufen zu lassen.
Dieses kleine, selbstverliebte Stück.
„Was nach wie vor wohl der intimste Detailtausch sein wird."
Mione schoss vor und präsentierte ihm wieder tiefe Einblicke. „Warum fängst du dann nicht an?"
„Das habe ich bereits."
Nun lachte sie. „Die Erdbeeren? Die zählen nicht."
Er zuckte mit den Schultern und nahm einen weiteren Schluck Wein. „Gut. Ich habe meine Unschuld mit 19 verloren", sagte er und als ihr mehr als nur ungläubig die Augenbraue hochschoss, fügte er ein „unglaublich aber wahr" hinzu.
„Du nimmst mich auf den Arm", wisperte sie.
Malfoy lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Nein, tue ich nicht. Denk mal nach. Ich war gerade 16, als Voldemort mir seine ehrenvolle Aufmerksamkeit schenkte. Und ich war 18, als er von der Bildfläche verschwand. Granger, ich war in der ersten Blüte meiner Jahre viel zu sehr damit beschäftigt nicht zu sterben. Mein Schw-"
„Malfoy", zischte sie ermahnend. „Wie kann man nur gleichzeitig so aristokratisch und obszön sein?"
Wieder lachte er und machte eine ausladende Geste, die letztendlich auf ihn deutete. „Voila", hauchte er dabei und setzte schelmisch grinsend fort: „Wie soll ich es denn sonst nennen?"
„Es?", fragte sie skeptisch und beide verstummten, als Tim ihre Bestellungen zu ihnen an den Tisch brachte.
„Oder ihn. Mir soll es recht sein", fuhr er fort, als der Kellner wieder außer Sichtweite war.
Mione kicherte schwach. „Klein Malfoy", entwischte es ihr, während sie ihr Steak schnitt.
Himmel, was?
Oh, sie hatte ihren Verstand mit ihrem BH zuhause gelassen; den BH, den sie hatte ausziehen und durch magische Stützen ersetzten müssen, weil er unter dem Kleid zu sehen gewesen war.
Sie konnte nur hoffen, dass er gerade schlechter hörte, als er sah.
Malfoy blickte ihr gegenüber skeptisch auf. „Klein Malfoy?"
Nein, sie hatte kein Glück.
„Das ist der Wein", hustete sie errötend und stopfte sich ein Stück Fleisch in den Mund, um sich selber zum Schweigen zu bringen.
„Granger, du überrascht mich immer wieder", seufzte er und schnitt ebenfalls sein Steak an. Sie beide hatten es Medium bestellt. „Du besitzt tatsächlich Humor – wenn auch einen sehr fragwürdigen."
„Hey", zischte sie leise, „du bist hier der mit den Obszönitäten."
Wieder grinste er und spießte etwas Fleisch auf. „Und ich warte nur darauf, dass du mit deinem Fuß zwischen meinen Beinen endest. Aber, bitte ohne den hübschen Schuh."
Mione verschluckte sich fast an dem Bissen Fleisch, den sie sich Sekunden zuvor in den Mund geschoben hatte. Und während sie fast hustend vom Stuhl fiel, genehmigte er sich in Seelenruhe den ersten Bissen.
Nach dem Essen, welches etwas ruhiger von statten ging, zahlte Malfoy zu ihrer Überraschung und begleitete sie bis zu ihrer Haustür.
Dort angekommen blieb sie verlegen stehen und fragte sich einen Moment, was sie jetzt tun sollte. Natürlich wollte sie es auch hinter sich bringen, aber ein großer Teil von ihr fühlte sich nach wie vor unwohl bei dem Gedanken daran.
Aber, konnte man es ihr verübeln?
Immerhin würde sie dann zwar leben - aber bei ihrem Glück auf Lebzeit mit seinem Spott und Hohn.
Schließlich sah sie ihn an, lehnte sich todesmutig vor und küsste seinen Nacken. Ähnlich wie er es beim letzten Mal getan hatte. Und zu ihrer Belustigung wich er tatsächlich etwas irritiert zurück.
„Ich denke wir haben uns für heute genug kennen gelernt", sagte sie leise.
Immerhin hatte sie noch fast drei Monate.
Himmel, wie das klang… Aber genau das war es, was sie gerade dachte.
Er schmunzelte. „Ich hatte nicht vor mit hoch zu kommen."
Sie sah ihn überrascht an und schenkte ihm ein süffisantes Grinsen. „So wie du mich", dabei deutete sie auf ihre dezent verhüllten Brüste, „heute angestarrt hast, habe ich wahrhaftig anderes vermutet."
„Tztz", machte er und blickte zu Boden, „denkst du so schlecht von mir?"
Was hatte das damit zu tun? Er war immerhin ein Mann…
Und er hatte sie teilweise wirklich verdächtig angestarrt. Wenn „schlecht Denken" in diesem Fall also bedeutete, dass er – warum auch immer – seine albernen Spielregeln und Bedenken über Bord geworfen haben könnte, dann ja. Dann dachte sie verdammt schlecht von ihm…
„Das heute war sehr gut", fuhr er fort. „Aber, du musst dich nach wie vor etwas mehr anstrengen."
Mione schnalzte leise mit der Zunge und musterte ihn ungläubig. Das heute war „gut" gewesen? Sie hatte den Eindruck, dass es „fantastisch" gewesen war. Jedenfalls wenn man bedachte, dass sie es hier mit einem Kotzbrocken wie diesem zu tun hatte. Und dieser kleine, verlogene Kotzbrocken hatte ihr rund 70 Prozent des Abends ungeniert auf die Brüste geschaut.
Mione atmete tief durch. Sie musste sich schwer zügeln, ihm das nicht ins Gesicht zu schreien.
„Da spricht dein gekränkter Stolz aus dir", flüsterte sie unschuldig lächelnd.
„Tut er das?", fragte er forschend. Seine Hände hatte er in seinen Hosentaschen vergraben.
Sie bevorzugte es zu schweigen und weiterhin erhaben zu lächeln.
Und plötzlich war er ganz nah. So nah, dass sie bis zur Haustür zurückweichen musste, damit ihre Lippen sich nicht berührten.
„Dass du dich da mal nicht verhörst, Granger", flüsterte er heiß gegen ihre Lippen, schenkte ihr ein undeutbares Grinsen, in welchem jedoch eindeutig etwas Verachtung lag, und wich dann blitzschnell zurück.
Auf der Straße trat er grinsend zwei weitere Schritte zurück und apparierte dann wortlos.
Mione blieb stirnrunzelnd und wieder einmal wütend zurück. „Du bist so ein Arschloch, Malfoy", raunte sie leise. Der Wind trug ihre Worte ungehört davon…
Doch sie konnte ganz leise seine Antwort hinter ihren Schläfen hören, während sie die Haustür öffnete. „Ich weiß."
Huhu ihr Lieben… Wie immer Danke fürs Lesen, Danke für die lieben Reviews und Danke an Ashe fürs Betalesen. :)
Reviewtime:
Windspiel: Ja, ich zahle auch meistens selber. Obwohl ich wahrscheinlich nicht neun gesagt hätte. *lach*
HexenLady: Danke… :P
Allienelson: Well, I do speak english. A little bit at least… *lol* I think fanfiction is a really cool thing, too. Not only the Harry Potter stuff, but also talking about the many other fandoms around… Anyway, I´m happy that you checked out my stuff… I hope you liked it… :)
Die-na: Das frage ich mich auch jedes Mal, wenn ich im Kino sitze und selber zahlen musste… ;)
Anna: Ja, vielleicht hat sie das... Vielleicht aber auch nicht… ;) Ich würde mich übrigens auch auf ihn stürzen… *hihi*
