A/N: So, hier das (von einigen von euch wohl langersehnte) 6. Kapitel. Ich hab mich sehr über die Reviews gefreut, und hoffe, dass es euch auch weiterhin so gut gefällt. Kapitel 7 sollte nicht all zu lange auf sich warten lassen, da es schon bei meiner Betaleserin Fizban ist, bei der ich mich an dieser Stelle auch noch bedanken möchte.
Und nun viel Spaß!
Kapitel 6
„Da seid Ihr ja, Legolas", rief Haltharon mit einem erleichterten Gesichtsausdruck, als Legolas mit Haldir an Galadriels und Celeborns Talan ankam, wo die Reisegruppe verabschiedet werden sollte. „Ich hatte schon befürchtet, Ihr hättet Euch wieder einmal aus dem Staub gemacht." Zwar lag ein leichtes Lächeln auf den Lippen des Gardemeisters, doch konnte Legolas in seinen Augen erkennen, dass er dies wirklich geglaubt hatte.
Drei weitere Mitglieder der Garde standen bei Haltharon, doch die Herrin und der Herr des Waldes ließen noch auf sich warten.
Haldir sah, wie Legolas den Blick senkte und sich wieder nervös auf die Unterlippe biss. Er stieß ihn leicht am Arm an, und lächelte ihm zu, um ihn aufzufordern, Haltharon von seinem Vorhaben zu unterrichten. Den gesamten Weg über – wenn er nicht gerade über Ithiliel redete - hatte Legolas immer wieder geprobt, was er sagen könnte, um den Vertrauten seines Vaters davon zu überzeugen, hier bleiben zu können.
„Auf ein Wort", sagte Legolas etwas heiser und der ältere Elb trat stirnrunzelnd an ihn heran. Haldir entfernte sich und ließ die beiden in Ruhe sprechen.
„Was ist, Junge?" fragte Haltharon etwas besorgt und verfiel dabei wieder in den formlosen Umgangston, der zwischen ihnen üblich war, wenn sie alleine miteinander redeten. „Du führst doch wieder irgendetwas im Schilde."
Legolas holte tief Luft, um seinen Mut zu sammeln und zum ersten Mal in seinem Leben offen eine Bitte dieser Art zu äußern, statt einfach weg zu laufen.
„Ich möchte hier bleiben", sagte er schließlich und war erstaunt, wie fest seine Stimme klang. Haltharon wollte soeben widersprechen, doch Legolas schnitt ihm das Wort ab.
„Nein, lass mich erklären, bitte", flehte er fast, und sein Gegenüber nickte seufzend.
„Es tut mir wirklich leid, dass ich dich und Vater so in Sorge versetzt habe, und beinahe hätte ich es wieder getan, wenn Haldir mich nicht davon abgehalten hätte", gab er ehrlich zu, und sah, wie der Gardemeister seinen Blick fragend zu dem Galadhrim schweifen lies.
„Ich liebe mein Zuhause, das weißt du, genauso wie ich Vater liebe, doch war ich in letzter Zeit rastlos und habe mich danach gesehnt, auch einmal etwas anderes von der Welt zu sehen, als immer nur die Wälder meiner Heimat. Ich bin noch nicht lange hier, doch habe ich bereits Freunde gefunden, und… es gibt da noch etwas." Legolas senkte wieder den Blick und war dankbar, dass Haltharon ihn nicht unterbrach. Er schien zu wissen, dass Legolas dies zu Ende bringen musste. „Ich glaube, ich habe mich verliebt. Gestern Abend war ich bei zwei Schwestern zu Gast, und die eine ist schöner als jede Elbenmaid, die meine Augen je erblickt haben. Wenn ich jetzt fort gehe, habe ich nicht die Möglichkeit, sie genauer kennen zu lernen." Legolas schaute Haltharon nun fragend, nein flehend an, bis dieser schließlich leicht den Kopf schüttelnd ausatmete und endlich anfing zu sprechen.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Legolas. Es ehrt mich, dass du mir diese Dinge so offen anvertraust, und es freut mich für dich, dass du eine schöne Maid gefunden hast, der du bereit bist, dein Herz zu schenken, doch kann ich nicht einfach den Befehl deines Vaters, des Königs, missachten."
„Glaubst du nicht, er würde es verstehen?" Verzweiflung machte sich in Legolas breit und die Züge von Haltharon wurden sanfter, als er dies bemerkte.
„Doch, das würde er, jedoch unter anderen Umständen – wenn du nicht mitten in der Nacht verschwunden wärest und ihn vor Sorge fast in den Wahnsinn getrieben hättest. Zunächst war dein Vater wütend, doch kenne ich ihn auch gut genug, dass ich sehen konnte, wie verängstigt er war. Es lag noch mehr Verzweiflung in seinen Augen als nun in deinen, als er mich bat dich zurück zu bringen. Ich befürchte, dass er keine Ruhe findet, bis er dich wieder unversehrt vor sich sieht."
Legolas sah nun, wie töricht er gewesen war. Noch mehr als zuvor wurde es ihm bewusst. Nicht in Lorien bleiben zu dürfen, schien die gerechte Strafe, und dennoch wollte er es nicht geschehen lassen, dass er zurück müsste.
„Bitte", flehte er nur, doch Haltharon schüttelte den Kopf, ein Ausdruck des Bedauerns auf seinem Gesicht.
„Es tut mir leid, aber ich kann dies nicht tun. Doch kannst du sicherlich ein anderes Mal hier her zurückkehren. Wenn diese Elbenmaid auch an dir interessiert ist, wird sie warten. Wenn du möchtest, kannst du dich noch von ihr verabschieden", bot er an, doch dies schien Legolas nicht genug. Und trotzdem blieb ihm keine andere Wahl, als es zu akzeptieren.
Plötzlich sah Legolas aus dem Augenwinkel, wie ein helles Licht wieder von den Treppen des Baumpalastes ausging. Auch Haltharon hatte es bemerkt und so gingen sie zum Fuße der Stufen, wo die Herrin und der Herr des Waldes umgeben von einem Glanz aus Weiß und Silber herunter schritten. Die beiden Düsterwaldelben verbeugten sich vor dem Paar.
„Seid gegrüßt zu dieser frühen Stunde, Legolas und Haltharon", sprach Celeborn hoheitsvoll, während Galadriel neben ihm nur freundlich und warm lächelte. „So ist die Stunde des Abschieds gekommen, da Ihr in Eure Heimat zurückkehrt."
Legolas schluckte den Knoten herunter, der sich in seiner Kehle zu bilden schien, als er die Worte vernahm. Abschied. Es klang so schmerzlich.
„Wir schicken Euch auf die Reise mit unseren besten Wünschen", fuhr Celeborn fort. „Möge der Zauber des Goldenen Waldes Euch noch lange schützen, denn rau sind die Zeiten und voller Gefahren."
Legolas spürte den Blick Galadriels auf sich ruhen und hatte wieder einmal das Gefühl, dass sie in sein Bewusstsein sehen konnte, doch sprach sie diesmal nicht zu ihm, wie sie es zuvor getan hatte. Sie musste wissen, was in ihm vorging, und Legolas formte ein Gedanken ein stummes ‚Bitte'.
„Auch ich gebe Euch meinen Segen, sodass ihr wohlbehalten in Eurer Heimat ankommt, Haltharon, Beschützer", sprach nun Galadriel und ihre Stimme klang fast wie die leise Musik einer Harfe.
„Bringt Eurem Herren die Nachricht unseres Bündnisses und der Freundschaft, die wir zwischen Düsterwald und Lorien ersehnen. Doch soll König Thranduil als Zeichen für die Unversehrtheit seines Sohnes nur unsere Botschaft erhalten, denn Legolas hat bereits beschlossen, Lorien noch nicht zu verlassen, und mein Herz erfreut es, ihn noch als Gast zu behalten."
Legolas seufzte erleichtert, als er die Worte Galadriels vernahm und ein dankbares Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Haltharon jedoch blickte die Herrin des Waldes verwirrt an und kämpfte offensichtlich um die richtigen Worte.
„Meine Herrin", sagte er schließlich und beugte den Kopf in einer ergebenen Geste. „Ich möchte Euch nicht widersprechen, doch habe ich Befehl meines Königs, seinen Sohn nach Düsterwald zurück zu bringen."
„Ich verstehe Eure Furcht, Haltharon", sprach sie sanft. „Euer Herr ersehnt das Wiedersehen mit seinem Sohn, doch gibt es viele Dinge, die Legolas hier lernen kann, und sicherlich werden sie sich auch für Euren König als nützlich erweisen, denn soll sein Sohn bei den Wächtern des Waldes verweilen und in den Küsten des Bogenschiessens ausgebildet werden. Er wird viele Erfahrungen sammeln, die sich für sein späteres Leben als wichtig erweisen werden, manche davon werden angenehm sein, andere schmerzlich, doch muss er sie hier erfahren, denn dieses Schicksal ist ihm bestimmt."
Galadriel blickte Legolas nun tief in die Augen, doch er senkte wieder seinen Blick, als er spürte, wie sie tief in seine Seele schaute. Zwar war er erfreut darüber, dass sie ihn nicht nach Düsterwald zurück kehren lassen wollte, doch hatte ihn etwas in ihren Worten auch beunruhigt, und er fragte sich, welche schmerzlichen Erfahrungen er machen sollte. Er hoffte, sie würden nichts mit Ithiliel zu tun haben.
„Meine Herrin, mit Verlaub", sagte Haltharon, doch seine Stimme brach vor Unsicherheit. „Was soll ich meinem König sagen?"
Auf Galadriels Lippen kräuselte sich ein Lächeln, das sowohl weise als auch verschmitzt wirkte. „Nun, sagt ihm, es ist Zeit für seinen Sohn erwachsen zu werden."
Immer noch verwirrt stand Haltharon vor ihr, doch nickte er dann.
„So sei es, Herrin. Ich danke Euch für Eure Gastfreundschaft, auch Euch Herr Celeborn, und ich hoffe, dass ich eines Tages wieder in ihren Genuss kommen werde."
„Lebt wohl", sagte Celeborn freundlich. „Möge Euer Weg sicher und die Reise unbeschwert sein."
Mit einer letzten Verbeugung verließ Haltharon, gefolgt von seinen drei Männern, die Plattform im Wipfel des hohen Mallorn-Baumes. Für einen Augenblick blieb Legolas an der Stelle stehen, von der aus er das Geschehen beobachtet hatte.
„Ich danke Euch", sagte er schließlich zu Galadriel, die ihm lächelnd zunickte.
Schnell lief er nun die Stufen der um den Baumstamm geschlängelten Treppe hinunter und Haltharon hinterher, von dem er sich noch verabschieden wollte.
„Haltharon, warte!" rief er und schloss mit dem älteren Elben auf, der bereits den Platz vor dem Talan erreicht hatte.
„So, du wirst also hier bleiben", sagte dieser. „Ich weiß nicht wie du das angestellt hast, mein Junge, aber die Herrin Galadriel scheint sehr an der Erfüllung deiner Wünsche interessiert zu sein."
Legolas wusste nicht so recht, ob dies ein Vorwurf sein sollte oder nicht.
„Sie kann Gedanken lesen", antwortete er nur, und Haltharon lachte kurz auf. Doch verstummte er alsbald, da er wohl in Legolas Zügen sehen konnte, dass dieser nicht gescherzt hatte.
„Ich hatte es für ein Gerücht gehalten, doch macht es Sinn." Er lächelte und legte Legolas eine Hand auf die Schulter. „Doch nun müssen wir aufbrechen. Der Morgen ist schon weit voran geschritten und unser Weg weit. Mögen deine Wünsche sich in der Tat erfüllen."
Legolas war etwas gerührt von den freundlichen Worten. „Dank dir, und sage Vater, dass er sich nicht um mich sorgen braucht."
„Das werde ich tun, doch weiß ich noch nicht, wie ich ihn davon überzeugen soll, dass es wirklich so ist." Er schmunzelte Kopf schüttelnd, und wand sich dann zum Gehen. „Und dass du mir ja etwas lernst", sagte er über seine Schulter.
Legolas lachte. „Ich verspreche es. Auf bald!"
„Auf bald", antwortete Haltharon. „Und wenn du nach Hause zurückkehrst, bringst du hoffentlich deine Braut mit."
Legolas war fast traurig, den Elben gehen zu sehen, denn hätte er auch gerne Rat bei ihm gesucht, wie er sich Ithiliel gegenüber verhalten sollte. Sicherlich hätte er sich Haltharon in Allem anvertrauen können, so wie er es schon als kleines Kind getan hatte, doch nun war er allein und musste sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Zu den leicht wehmütigen Gedanken schlich sich ein anderer – tiefste Dankbarkeit Galadriel gegenüber, ohne die er sich jetzt mit der Eskorte auf dem Weg nach Düsterwald befinden würde. Doch konnte er hier bleiben, wie er es sich erseht hatte. Noch lange blickte er den Männern nach, als er plötzlich leise Schritte hinter sich vernahm.
„Nun, was habe ich Euch gesagt?" Legolas wand sich herum und blickte in das schmunzelnde Gesicht von Haldir.
„Ihr habt gesagt, dass mein Schicksal vielleicht noch glimpflich ausgeht, und damit hattet Ihr Recht. Ich danke Euch." Legolas war erleichtert, und doch war er wieder einmal etwas beschämt, dass er so unüberlegt hatte handeln wollen. Er musste lernen, die Konsequenzen seiner Taten besser abzuwägen.
Haldir winkte ab. „Dankt mir nicht, sondern der Herrin Galadriel, dass sie für Euch gesprochen hat. Doch nun sollten wir wieder zum Wachstützpunkt gehen."
Legolas runzelte die Stirn. „Zum Wachstützpunkt? Aber weshalb?"
„Nun, ihr habt die Herrin gehört. Ihr sollt hier bleiben, um etwas zu lernen, und deshalb gab sie mir eben noch Anweisungen, dass ich euch zu den Wachen des Waldes bringen sollte, damit ihr dort Eure Kampfkünste verfeinern könnt und lernt, Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für Euch selbst, sondern auch für andere."
Legolas seufzte kaum merklich in sich hinein. Er hatte gehofft, Ithiliel um ein weiteres Treffen bitten zu können, doch konnte er nicht nur die Annehmlichkeiten genießen, sondern musste sich wohl auch den Pflichten stellen, die mit ihnen einhergingen.
„Wie lange werden wir dort bleiben?" fragte er schließlich und es klang ungeduldiger, als er es geplant hatte.
Haldir lachte leise auf. „Alle zwei Wochen werden wir für ein paar Tage nach Caras Galadhon zurückkehren, aber von nun an wird das Lager im Wald Euer zu Hause sein", klärte ihn Haldir auf. So hatte Legolas es sich sicherlich nicht vorgestellt.
„Ihr werdet es dort mögen. Zwar ist das Leben im Wald rauer als in dieser von Magie erfüllten Stadt, doch hat die Freiheit und Ruhe der Wildnis auch ihre Vorzüge."
Legolas hatte Mühen, sich vorzustellen, dass er dies genießen könnte, doch musste er es akzeptieren, denn dies war, was Galadriel für ihn bestimmt hatte.
„Wie viele Mann stark ist Eure Gemeinschaft, und was sonst außer Wachen tut ihr dort?" fragte er.
„Wir sind insgesamt Zehn Wächter des Waldes, wobei immer zwei von uns in Caras Galadhon sind. Und was unsere Aufgaben sind, werdet ihr noch schnell genug zu sehen bekommen, denn sie werden für die kommenden Wochen auch die Euren sein, doch im größten Teil bestehen sie daraus, die nördliche Grenze unseres Reiches zu überwachen oder auch von Zeit zu Zeit auf die Jagd zu gehen", erklärte Haldir, und begann langsamen Schrittes die Richtung des Tores einzuschlagen.
„Und wir müssen jetzt sofort aufbrechen?" fragte Legolas nun. Wenigstens wollte er sich von Ithiliel verabschieden und ihr sagen, wann er zurück sein würde.
„Ja das müssen wir, denn Daeron und Thalgorn wollen noch vor Einbruch der Nacht hier her gehen, und sie werden erst dann aufbrechen, wenn wir im Lager ankommen", antwortete Haldir und sah zu Legolas herüber. Ein verschmitztes Lächeln kräuselte sich um seine Lippen.
„Habt keine Angst. Nachrichten sprechen sich hier schnell herum. Ithiliel wird wissen wo Ihr seid und warten, wenn auch sie so von Euch angetan ist wie Ihr es von ihr seid."
Hoffnungsvoll lächelte Legolas zurück. „Vielleicht ist es gar nicht so schlecht", sagte er. „Ein Wiedersehen ist nach längerer Trennung oft viel schöner."
Nun lachte Haldir laut auf. „Oh ja, sie wird vermutlich vor Sehnsucht vergehen."
Legolas erkannte den spottenden Unterton in Haldirs Gelächter, doch klang es nicht boshaft sondern eher belustigt, und so konnte auch Legolas sein Lachen nicht lange unterdrücken.
„Nun, vielleicht war dies ein wenig viel verlangt, doch ich werde es sicherlich."
Haldir schüttelte immer noch schmunzelnd den Kopf. „Ein liebeskranker Elb unter den Wächtern des Waldes. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, Euch zu uns zu schicken", scherzte er. „Nun ja, so lange ihr nicht den ganzen Tag Liebesgedichte und Lieder rezitiert und damit das Wild verjagt, wird es uns nicht stören."
„Ich glaube das werde ich nicht", antwortete Legolas ebenfalls lächelnd, als die beiden Elben sich dem Tor näherten, um in die Tiefen des geheimnisvollen Waldes einzutauchen.
~ TBC ~
