Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.
Ich bin keine Fachfrau in Bereichen wie Medizin, Drogen, Flugzeugtechnik, Waffen oder Undercoverarbeit. Sollten Euch also Fehler auffallen, lasse ich mich gerne korrigieren.
Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.
Kapitel 7 - Bombiger Einsatz
Auf dem Weg zum Bootshaus sah G Joann nachdenklich von der Seite an, stellte aber keine Frage. Joann würde ihm sagen, was sie beschäftigte, wenn sie soweit war.
„Was willst Du erreichen, was wir bisher noch nicht geschafft haben?" Nate sah Joann fragend an.
„Er wird weiterhin nichts sagen, darum geht es mir aber auch nicht. Ich will, dass Du genau auf seine Reaktionen achtest. Die sind wichtig."
Verblüfft blickten ihr G und Nate nach.
„Wir haben Ihre Ziele identifiziert, Sanders. Von Ihnen will ich nur wissen, welche davon von Ihren Kumpeln angefahren werden. Sie haben nicht für alle Bomben dabei. Den Rest haben wir im Keller gefunden, dass wissen Sie. Warum sollen so viele unschuldige Menschen sterben? … Wie können Sie das zulassen? … Sie haben mal Menschenleben gerettet. Was hat sich geändert? … Geben Sie uns einen Hinweis. Mit welchem Wagen sind Ihre Komplizen unterwegs? … Wer sind Ihre Komplizen? … Was hat Logan Coleman damit zu tun? … Und wieso haben Sie sich ausgerechnet für Walter van Pietso entschieden? … Zahlt er so gut? … Oder hat er etwas gegen Sie in der Hand? … Wie hängt Billie Sheridan da drin?"
Joann stellte eine Frage nach der anderen, wartete dazwischen nur kurz auf eine Antwort, die erwartungsgemäß nie kam.
Verblüfft lauschte G den vielen Fragen. „Wer ist Billie Sheridan, Nate?"
„Keine Ahnung, Callen."
„Und was macht Joann da? Wieso stellt sie ihm die ganzen Fragen?"
„Es ging ihr um seine Reaktionen darauf, nicht darum, dass er antwortet."
„Nate, was hast Du entdeckt?" Joann hatte den Befragungsraum verlassen, nachdem auch ihre letzte Frage unbeantwortet blieb.
„Zwei sehr deutliche Reaktionen. Einmal bei Logan Colemann und einmal bei Billie Sheridan. Er kennt sie, aber Du solltest das nicht wissen. Er hat definitiv Probleme mit den möglichen Toten, aber aus irgendeinem Grund will er uns trotzdem nicht helfen. Als Du van Pietso erwähnt hast, war er eindeutig angewidert."
„Und sonst?" „Die ganze Situation behagt ihm nicht, er hat Gewissensbisse, ganz klar. Warum auch immer er für van Pietso arbeitet, er hat gewaltige Probleme damit."
„Danke, Nate."
Zurück im Auto griff Joann sofort zu ihrem Handy und erkundigte sich, wie weit die Kollegen waren. Eric und Nell arbeiteten immer noch an der Verschlüsselung, aber die anderen hatten alle geplanten Ziele identifiziert und das notwendige veranlasst.
„Ihr kommt gerade richtig." Eric drehte sich zu Joann und G um, die gerade die Ops betraten. „Wir haben weitere Fingerabdrücke identifiziert. Zwei bekannte Drogendealer, die von dem mexikanischen Kartell beliefert werden, einen ehemaligen Sprengstoffspezialisten der Army und einen Chemiestudenten der UCLA, der schon mehrfach auffällig geworden ist."
Die Daten erschienen auf dem großen Monitor.
„Eine bunte Mischung. Was, zum Teufel, planen die?" Man konnte Joann ihre Frustration ansehen. „Gibt es irgendwelche Hinweise auf die derzeitigen Aufenthaltsorte, auf zugelassenen Fahrzeuge, irgendetwas, das uns weiterhilft?"
„Ich bin dabei, dass zu prüfen." Eric wandte sich wieder seinem PC zu.
„Na endlich!" Alle drehten sich zu Nell um. „Ich habe den Code entschlüsselt!" Mit einem befriedigten Grinsen ließ sie die entschlüsselten Daten auf einem der Bildschirme erscheinen.
„Drei Ziele für morgen, zwei weitere für in zwei Tagen, alle anderen sind später." Kensi markierte die fünf Zeilen.
„Könnten sie fünf Bomben haben? Haben die Reste im Keller irgendwelche Hinweise auf die Menge der fertig gestellten Bomben gegeben?" Joann wandte sich an das ganze Team.
„Das Labor vergleicht immer noch die Einkaufslisten und Lieferscheine mit den gefundenen Mengen. Bisher gibt es noch keine klare Aussagen dazu."
„Sam, tritt denen auf die Füße. Ich brauche sofort eine Antwort darauf. Wir können nicht länger warten."
„Ich übernehme dass, Miss MacKenzie." Hetty hatte unauffällig in einer Ecke der Ops gestanden und zugehört. „Kümmern Sie sich um die Ziele für morgen."
Joann nickte. „Eric, wir benötigen die Sprengstoffspürhunde an allen drei Standorten. Nell, schick drei SWAT-Teams auf den Weg. Findet heraus, ob es Überwachungsaufnahmen gibt. Wenn ja, will ich wissen, ob die Gesuchten irgendwo darauf zu sehen sind. Kensi, Marty, Ihr fahrt zu der Adresse in Harbour City. Sam, G, Ihr übernehmt die Firma in South L.A.. Ray und ich fahren nach West L.A.." Ernst sah sie alle an. „Seid vorsichtig. Machen wir uns auf den Weg."
…
„Hey, Leute?"
„Was ist, Eric?"
„Wir haben die Verdächtigen auf Video in Harbour City und West L.A.. In South L.A. sind wir noch nicht fündig geworden. Das L.A.P.D. ist vor Ort und erwartete Euch. Die Suchhunde sind bereits im Einsatz."
„Danke, Eric."
„Waren sie nun hier oder nicht?"
„Keine Ahnung, Ray. Wir gehen erst einmal davon aus, dass es der Fall ist. Nur zur Sicherheit."
Beide schwiegen, Ray wirkte etwas abwesend.
„Worüber denkst Du nach?"
„Wo ist die Verbindung, Joann? Ein mexikanisches Drogenkartell, ein Army-Sprengstoffspezialist, ein Chemiestudent, ein Ex-ATF-Agent, diese seltsame Mischung von Ziele, van Pietso…Ich sehe einfach keine Verbindung."
„Ich weiß, ich suche auch danach. Wir übersehen etwas oder uns fehlen noch Informationen."
„Ich glaube, uns fehlen Informationen."
„Warum, Ray?"
„Das ist nur so ein Gefühl. Wir sind ein sehr gemischtes Team, mit unterschiedlichen Hintergründen, mit unterschiedlicher Ausbildung, mit unterschiedlichem Wissen und Fähigkeiten. Das macht unsere Stärke aus. Wir decken damit ein breites Gebiet ab. Trotzdem sehen wir die Verbindung nicht. Daraus schließe ich, dass uns Informationen fehlen."
Joann nickte. „Gut kombiniert. Mich irritiert da noch etwas."
Ein kurzes Zögern, dann sprach Joann weiter.
„van Pietso hat sich schon mal an einem Bombenanschlag versucht. Ist eine Weile her. Damals war das Ziel ein Empfang mit einer Menge Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Strafvollzugsbehörden, Diplomatie und Militär. Leute, die van Pietso das Leben schwer machen können. Die ihm seine Geschäfte kaputt machen können. Was bezweckt er jetzt? Und wie hat er diese bunte Mischung an…" Joann suchte eine passende Beschreibung, aber ihr fiel nichts ein. „…von was auch immer zusammen gestellt? Normalerweise würde man erwarten, dass sie gegeneinander arbeiten, nicht miteinander."
Ray nickte.
„Nun, wie auch immer, darum müssen wir uns später kümmern. Wir sind da."
Joann zeigte ihren Ausweis und wurde durch die Absperrung gelassen. Sie wechselte ein paar Worte mit dem zuständigen Officer vom L.A.P.D. und rief dann Eric.
„Was machen die Überwachungsaufnahmen? Seid Ihr fündig geworden?"
„Vor einer Minute. Einer der Drogendealer hat sich als Bote getarnt und ein größeres Paket abgegeben. Nell bearbeitet gerade die Aufnahmen, damit wir den Empfänger ermitteln können."
„Danke, Eric."
…
„Sam, auf drei Uhr."
Unauffällig blickte Sam in die Richtung, die Callen angegeben hatten. „Das ist Miller, der Chemiestudent." Er warf noch einen weiteren Blick in die Runde. „Sonst sehe ich niemanden, G."
„Die lassen den niemals alleine eine Bombe verstecken. Hier muss noch jemand sein. Gehen wir ihn suchen."
Callen sprach mit dem zuständigen Leiter der Operation und kurz darauf wurde Miller diskret verhaftet.
Unauffällig mischten sich die beiden Agenten unter die Menge. Hier war ein Bürogebäude geräumt worden, in dem sich ausschließlich Unternehmen des Finanzwesens befanden. Jeder zweite hatte ein Handy am Ohr und sprach aufgeregt rein.
„Eric, wir brauchen Aufnahmen von den Leuten hier."
„Ich bin bereits im Sicherheitssystem und habe alle Außenkameras angezapft."
„Lass die Gesichtserkennung über die Aufnahmen laufen."
„Schon dabei, Callen."
Langsam gingen sie durch die Menge.
„G."
„Ja, ich sehe ihn. Eric, Nordostecke, grauer Overall."
„Ich habe ihn…Sergeant Taylor Campbell. Identität bestätigt."
Wortlos verständigten sich Sam und Callen und näherten sich dann unauffällig von zwei Seiten. Doch Campbell bemerkte sie trotzdem und griff in seinen Overall.
„Waffe!"
Sam hatte seine schon gezogen und zielte auf Campbell. Callen stieß ein paar Leute an die Seite.
„Bundesagenten! Aus dem Weg!"
Aufgescheucht rannten die Menschen in alle Himmelsrichtungen. Leider lief ein junger Mann direkt auf Campbell zu. Der nutzte seine Chance, griff nach ihm und benutzte ihn als Schild.
„Verschwindet!"
Langsam rückwärtsgehend zog er den Mann mit sich. Als Callen und Sam seiner Aufforderung nicht nachkamen, feuerte Campbell wahllos ein paar Schüsse in die Menge. Kreischend stoben die Menschen auseinander, leider blieben auch welche auf dem Boden liegen.
„Verschwindet, oder hier sterben noch mehr!"
„Waffe fallen lassen!"
Sam ließ Campbell nicht aus den Augen. Dann ging alles ganz schnell. Campbell drehte sich zu Sam und schoss auf ihn. Das gab Callen die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte. Zwei Schüsse, schnell hintereinander abgefeuert, und Campbell fiel auf den Boden. Seine Geisel leider auch.
„Sam?"
„Ich bin in Ordnung."
Vorsichtig näherten sie sich den auf dem Boden liegenden Männern. Sam stieß die Waffe mit seinem Fuß außer Reichweite. Callen fühlte nach dem Puls der Geisel.
„Er ist nur ohnmächtig. Was ist mit Campbell?"
„Für den brauchen wir einen Krankenwagen."
…
Kensi und Deeks starrten das Gebäude vor sich an. Eine Fabrikhalle mit Büros in der obersten Etage. Die Überwachungsaufnahmen hatten gezeigt, dass die beiden Mexikaner hier eine Holzkiste angeliefert hatten. Sobald sie einmal auf dem Gelände waren, konnten sie sich frei bewegen, es gab keine weiteren Sicherheitskontrollen. Die Arbeiter und Büroangestellten waren evakuiert worden und die Suchhunde schnüffelten sich durch das Gebäude. Es gab unzählige Möglichkeiten, hier eine oder mehrere Bomben zu verstecken.
„Nell, hast Du schon rausgefunden, ob die Mexikaner noch hier sind?"
„Ich bin noch dabei, Kensi, aber die Aufnahmen sind eine Katastrophe. Furchtbar körnig und unscharf. Ich…"
„Nell, ich habe es schon verstanden. Danke."
Kensi rollte mit den Augen und Deeks konnte sich trotz der Situation ein Grinsen nicht verkneifen. Ein paar Minuten später kam dann die gewünschte Information.
„Sie sind ungefähr eine Stunde, nachdem sie gekommen sind, wieder verschwunden. Das Fahrzeug war gestohlen, das L.A.P.D. hat es inzwischen gefunden. Ausgebrannt am Straßenrand."
„Danke, Nell."
Kensi drehe sich zu Deeks herum.
„Sie haben mehrere Bomben angebracht. Wir brauchen die Gebäudepläne und einen Ingenieur oder Baustatiker."
„Kensi, die Pläne hast Du gleich auf Deinem Handy, der Fachmann ist unterwegs."
„Danke, Eric."
Sie drehte sich lächelnd zu Deeks um. „Eric ist uns wie immer einen Schritt voraus."
Dann stutze sie. Deeks stand nicht mehr neben ihr, sondern sprach mit einem der Männer der Sprengstoffeinheit. Sein Gesichtsausdruck sagte ihr alles.
„Sie haben die Dinger gefunden." Das war keine Frage.
„Ja, aber sieh Dir an, was genau sie gefunden haben." Deeks gab Kensi sein Handy und sie warf ein Blick auf das Foto.
„Das kann nicht sein, sie ist wie…" Kensi sprach nicht weiter und sah Deeks leicht entgeistert an.
„Ja, ich weiß."
„Die Sprengstoffeinheit muss da sofort raus."
Deeks nickte. „Habe ich veranlasst, nachdem ich das Foto bekommen habe."
„Gut. Eric?"
„Ja, Kensi?"
„Wir haben es mit mehreren Bomben zu tun, die per Fernzündung ausgelöst werden. Genau wie damals auf dem Empfang. Funktioniert das hier auch mit dem…"
Weiter kam Kensi nicht. Es gab mehrere Explosionen und das Gebäude verschwand in einer Wolke aus Feuer und Trümmern. Kensi und Deeks brachten sich hinter ihrem Wagen in Deckung.
„Kensi? Deeks? Meldet Euch!" Eric starrte auf seinen Monitor, der nur Schnee anzeigte. „Kensi? Deeks? Sagt doch etwas!"
„Alles in Ordnung, Eric, uns ist nichts passiert."
Erleichtert sacke Eric in seinem Stuhl zusammen. „Gibt es…Opfer?"
„Wissen wir noch nicht. Sag den anderen, was los ist. Beeil Dich!"
…
„Eric, was war das? Eric? Eric!"
Joann hatte die Explosion über ihr Ohrmikro gehört, wusste aber nicht, welche Kollegen betroffen waren.
„G? … Sam? … Kensi? … Marty? … Verdammt noch mal, meldet sich mal jemand von Euch! Geht es Euch gut?"
„Jo, alles in Ordnung, uns geht es gut."
Mit Erleichterung vernahm sie G's Stimme.
„Bei uns ist auch alles in Ordnung, Joann. Wir haben einen verletzten Officer aus der Sprengstoffabteilung. Er ist nicht schnell genug aus dem Gebäude gekommen, aber er wird wieder werden. Jo, es sind dieselben Bomben wie auf dem Empfang damals."
Für einen Moment erstarrte Joann, dann riss sie sich wieder zusammen. „Eric, gib die notwendigen Informationen an die Sprengstoffeinheiten weiter. Ray, die Officers sollen die Sicherheitszone erweitern. G, Sam, habt Ihr das mitbekommen?"
„Ja, wir ziehen uns gerade weiter zurück."
Nachdem die Sprengstoffeinheit mit Erics Hilfe ein Störsignal senden konnte, wurde die Bombe in dem Labor, vor dem Joann und Ray standen entschärft. Sie war in eine Abteilung geliefert worden, in der mit hochexplosiven Chemikalien gearbeitet wurde. Wäre sie hochgegangen, hätte sie das ganze Gebäude zerstört und wahrscheinlich auch noch schwere Schäden an den Nachbargebäuden verursacht.
Bei Callen und Sam war die Situation leider ganz anders. Hier hatten Campbell und Miller wie bei Kensi und Deeks viele kleinere Sprengladungen angebracht, alle in der Tiefgarage. Bei einer Explosion würde das Gebäude wie ein Kartenhaus zusammenstürzen.
…
Müde saß Joann vor ihrem Laptop. Es war ein langer und anstrengender Tag. Das Sprengstoffräumkommando hatte alle Bomben im zweiten Gebäude entschärfen können. Leider waren die beiden mexikanischen Drogendealer entkommen. Eric und Nell versuchten, Spuren von ihnen zu finden.
Inzwischen hatten fast alle das Hauptquartier verlassen. Nur Sam und G waren noch da.
„Es wird Zeit, dass Du sagst, was los ist."
„Was?"
Joann sah Sam leicht verwirrt an, weil sie mit ihren Gedanken ganz weit weg gewesen war.
„Ich will wissen, worüber Du nachdenkst. Seit Eric die Überwachungsaufnahme von Coleman entdeckt hat, bist Du ständig geistig abwesend."
Joann runzelte die Stirn. „Ich glaube nicht, dass meine Arbeit darunter leidet, Sam."
„Das habe ich auch nicht gesagt."
Joann warf einen Blick zu G. Er hatte sich in seinem Stuhl zurückgelehnt und wartete einfach ab.
Schließlich nickte Joann.
„Okay, einen Moment."
Sie gab ein paar Befehle auf ihrem Laptop ein, dann erschienen einige Fotos auf dem Monitor.
„Logan Coleman, Dave Sanders, Billie Sheridan. Drei Bundesagenten mit makellosen Akten, die aus vollkommen unerfindlichen Gründen auf einmal für einen Waffenschieber und Drogenhändler arbeiten. Und dann die hier." Joann wandte sich wieder ihrem Laptop zu. Diesmal erschienen zwölf Fotos auf dem Monitor. „Polizisten, Soldaten, zivile Angestellte von Bundesbehörden. Auf den ersten Blick gesetzestreue Bürger. Auf den zweiten Blick sind sie korrupt, beteiligen sich an illegalen Geschäften und stehen alle samt auf der Lohnliste von van Pietso. Aber die wirklich interessante Tatsache ist folgende: Keiner von diesen und weiteren siebzehn Leuten ist entdeckt geworden, bevor wir Coleman enttarnt haben. Sie waren genauso unauffällig wie unsere drei Bundesagenten."
Joann ging wieder an ihren Laptop.
„Aber das ist nicht alles. Ich habe noch ein paar weitere interessante Informationen. Nell hat für mich einen Abgleich gemacht. Die Gästeliste vom Empfang und die Ziele von heute. Das kam dabei raus."
Aufmerksam waren Sam und Callen Joanns Bericht gefolgt.
„Da sind aber eine Menge Übereinstimmungen. van Pietso hat also nicht aufgegeben, er hat nur einen anderen Weg gewählt."
„Das ist nicht alles, Sam. Er hat zum Teil sogar dieselben Leute dafür eingespannt."
„Jo, was ist mit den Bomben?"
Sie nickte. „Die Spezialisten sagen, dass sie aus einer Hand stammen, G."
„Campbell?"
„Ich warte noch auf Informationen von der Army, G, aber es sieht so aus."
„Du willst aber noch auf etwas anderes hinaus."
„Ich habe eine ziemlich verrückte Idee."
Joann unterbrach sich. Ihre Vermutung schien ihr selber so abwegig, dass Joann sie selbst Sam und G gegenüber nicht aussprechen wollte. Erwartungsvoll sahen die Männer sie an.
„Was ist, wenn unsere drei Bundesagenten gar nicht die Seiten gewechselt haben? Wenn es sich dabei um eine gemeinsame Undercovermission von FBI, DEA und ATF handelt? Immer, wenn es hart auf hart kam, gab es plötzlich anonyme Hinweise oder Tipps von Informanten. Der Anschlag auf den Empfang: ein anonymer Hinweis. Das Haus von unseren Bombern: Tipp eines Informanten."
Joann rief wieder die zwölf Fotos auf und deutete nacheinander auf einige davon.
„Ein anonymer Hinweis, bevor er einen Bürgermeister erschießen konnte. Ein anonymer Hinweis, dass sie die Tochter eines Wirtschaftsbosses entführen wollte. Tipp eines Informanten, dass er einen Brandanschlag verüben wollte. Ein anonymer Hinweis, dass er Drogen aus der Asservatenkammer stehlen würde zum Weiterverkauf. Und so weiter. Soweit ich das nachvollziehen konnte, arbeiten alle drei Bundesagenten in unterschiedlichen Landesteilen, was zu den verschiedenen Informationen passt. Ich konnte bisher nur keine Erklärung dafür finden, warum Sanders in Kalifornien ist und dann noch an so exponierter Stelle."
Joann zuckte mit den Schultern. „Keine wirklichen Beweise, nur eine Menge Indizien."
„Weiß Hetty davon?"
Joann schüttelte den Kopf.
„Nein, Sam, Ihr seid die ersten, den ich davon erzähle. Allerdings scheint Ray auch in diese Richtung zu denken."
„Warum erzählst Du uns davon und nicht Hetty?"
„Weil es nur Indizien sind, G. Und da ist noch etwas. Wenn ich es Hetty sage, müsste sie Anfragen an die drei Bundesbehörden stellen. Wenn ich Recht habe, könnte so eine Undercoveroperation auffliegen und ein paar gute Leute in Lebensgefahr geraten. Wenn ich mich irre, mache ich unsere Abteilung lächerlich."
„Aber Du glaubst nicht, dass Du Dich irrst." G stellte keine Frage, trotzdem erhielt er eine Antwort.
„Nein."
Sam sah die beiden nachdenklich an. „Dann müssen wir mit Hetty sprechen."
„Sam…"
„Jo, wir sind nicht die einzigen, die ermitteln. Du bist wahrscheinlich die erste, die das herausgefunden hat, aber irgendwann werden es andere auch. Die sind vielleicht nicht so um die Sicherheit der Agenten besorgt wie Du. Hetty wird das schon entsprechend regeln."
„Sam hat Recht." G hielt Joanns Blick fest.
Schließlich nickte sie. „In Ordnung, ich rede sofort mit ihr."
Aufmerksam lauschte Hetty den Ausführungen von Joann. „Das ist gute Arbeit. Ebenso wie Ihr Einsatz heute. Mailen Sie mir Ihre Daten, ich kümmere mich darum."
„Hetty, ich…" Joann war sich nicht sicher, wie sie ihrer Chefin sagen sollte, was sie bedrückte. „Wenn ich Recht habe, sind die drei Agenten in Gefahr. Was ich rausgefunden habe, kann auch jemand anderes entdecken. Jemand, der die Informationen an van Pietso verkauft."
Hetty nickte langsam. „Ich weiß, Miss MacKenzie. Glauben Sie mir, ich werde entsprechend vorsichtig vorgehen. Informieren Sie Ihre Kollegen über Ihre Erkenntnisse." Einen Moment schwieg Hetty. „Wollen Sie Sanders darauf ansprechen?"
Joann schüttelte den Kopf. „Darüber habe ich schon nachgedacht. Wenn er tatsächlich undercover ist, wird er mir nichts sagen. Seine Tarnung aufzugeben, könnte lebensgefährlich für ihn sein. Das würde von uns auch keiner machen."
„Gut, warten wir ab, was ich in Erfahrung bringen kann, dann sehen wir weiter."
„Danke, Hetty."
