Kapitel 7:
Als Emmy am nächsten Morgen erwachte spürte sie irgendetwas warmes neben sich. Langsam schob sie die Decke zur Seite, nur um in das schlafende Gesicht, eines halbnackten Sirius' zu blicken.
Erschrocken richtete sie sich auf und brachte ein wenig Abstand zwischen sich und ihn. Er schien noch zu schlafen. Nicht gerade sanft begann sie ihn zu rütteln, doch alles was er tat, war sich zur Seite drehen und weiter schlafen.
„Wirklich toll!", dachte sie, „Der scheint sich ja wirklich wohl zu fühlen in meinem Bett."
Aber Moment mal, war das überhaupt ihr Bett? Die Betwäsche war ja ganz anders. Als sie sich im restlichen Zimmer umschaute, fiel ihr auf, dass, dieses zwar aussah, wie ihres, aber ganz anders eingerichtet war. Verdammt, was sollte das?
Sie versuchte weiter Sirius zu wecken. Er würde ja schließlich wissen, was hier los war.
„Sirius!", brüllte sie direkt neben seinem Ohr, „Wach endlich auf!"
Das schien seine Wirkung nicht zu verfehlen, denn er drehte sich leise stöhnend auf den Rücken und öffnete langsam seine Augen.
Emmy, die sich nun leicht über ihn gebeugt hatte, sah ihn mit einem abwartenden Ausdruck an.
Sirius war bei ihrem Anblick zunächst auch ein wenig erschrocken, aber dann erinnerte er sich wieder daran, dass er sie ja hergebracht hatte. Ein paar Sekunden blieb er noch so liegen, bis er schließlich langsam aufstand.
Emmys verwirrte und fragende Blicke ignorierend ging er zu seinem Schrank und holte sich frische Klamotten heraus. Dann verschwand er hinter einer Tür, die wie Emmy vermutete, zum Badezimmer führte. Für einen kurzen Moment hatte sie daran gedacht ihm zu folgen, aber er würde schließlich irgendwann auch wieder da raus kommen und solange konnte sie auch hier warten.
Trotzdem stand sie auf und sah sich das Zimmer etwas genauer an. Es war anscheinend wirklich der Jungenschlafsaal, denn sie erkannte z.B. James' Schultasche, ein Bett weiter und sein teurer Rennbesen war direkt daneben.
Nur warum war sie hier? Sie versuchte sich daran zu erinnern, was gestern passiert war:
Sie war mit Sirius im Gemeinschaftsraum gewesen und sie hatte geweint. Er hatte sie getröstet. Und dann? Ja, was war dann? Sie vermutete, das sie eingeschlafen war und Sirius sie dann hierher gebracht hatte. Aber warum hatte er sie nicht einfach im Gemeinschaftsraum gelassen?
Bevor sie noch weiter darüber nachdenken konnte, ging die Tür, hinter der Sirius verschwunden war, auch schon auf und eben dieser kam, jetzt angezogen, wieder heraus.
„Guten Morgen Emmy", sagte er mit einem Lächeln, aber dennoch ein wenig nervös.
„Was soll das hier?", fragte Emmy etwas wütend, aber auch verwirrt.
„Du bist gestern eingeschlafen. Ich konnte dich ja schlecht im Gemeinschaftsraum lassen.", sagte Sirius entschuldigend.
„Ach und da denkst du, du legst mich einfach mal in dein Bett?", sagte Emmy, noch immer nicht ganz zufrieden, aber dank Sirius' treuen Hundeblick etwas ruhiger.
„Was hätte ich denn sonst machen sollen? Du weißt doch, dass ich nicht in die Mädchenschlafsäle komme", sagte Sirius, jetzt schon ein wenig verzweifelt. Er wollte nicht, dass sie etwas falsches dachte.
„Na gut", sagte Emmy schließlich, „Vergessen wir das einfach, es ist ja nichts passiert."
Sirius atmete erleichtert aus. Er war froh, das Emmy nicht zu den Mädchen gehörte, die bei so etwas gleich ausrasteten. Wenn James das mit Lily gemacht hätte, wäre er vermutlich bereits einen Kopf kürzer.
„Aber das ist ja auch eine völlig andere Situation", dachte er.
„Ich denke ich gehe dann mal wieder zurück, wo ich eigentlich hingehöre", sagte Emmy dann.
Grinsend fügte sie noch hinzu: „Ich muss unbedingt aus diesen Klamotten raus, hast du eigentlich eine Ahnung, wie unbequem es ist mit einem BH zu schlafen?"
„Wäre es dir lieber gewesen, ich hätte ihn dir ausgezogen?", erwiderte Sirius daraufhin, ebenfalls mit einem Grinsen.
„Natürlich, war ja klar, das so was jetzt kommt.", sagte Emmy und rollte genervt mit den Augen. Trotzdem war das Grinsen nicht von ihrem Gesicht verschwunden. Sie konnte ihm einfach nicht böse sein...
Dann ging sie in Richtung Tür, die aus dem Schlafsaal führte und bevor sie dahinter verschwunden war drehte sie sich noch mal kurz um.
„Danke Sirius", sagte sie und sah ihm dabei direkt in die Augen. Sie sagte dies sehr ernst, aber dennoch mit einem Lächeln auf den Lippen.
Sirius lächelte zurück und er wusste, sie meinte es ernst.
Dann drehte sie sich um und ging die Treppe hinunter, die in den Gemeinschaftsraum führte.
Sirius sah ihr noch eine Weile nach, bis er schließlich beschloss zum Frühstück zu gehen. Die anderen waren bereits wach und er glaubte sie dort zu finden.
Emmy hingegen ging zuerst einmal ins Bad und machte sich etwas frisch. Sie musste unbedingt neue Sachen anziehen und am besten auch duschen, denn ihre Haare waren schon ziemlich fettig. Normalerweise duschte sie immer abends, bevor sie ins Bett ging, aber das hatte sie ja gestern versäumt.
Gestern...
So langsam kamen die Erinnerungen an den gestrigen Abend wieder zurück. Sie war Sirius wirklich dankbar dafür, dass er sich so um sie gekümmert hatte. Er schien sich wirklich um sie zu sorgen und für sie da zu sein. Er gab ihr Halt und obwohl sie ihm nicht wirklich von ihrem Problem erzählt hatte, fühlte sie sich irgendwie befreit. Er brachte ihr so viel Wärme entgegen, etwas, dass sie von zuhause nicht wirklich kannte...
Sirius kam gerade in den Speisesaal, als ihm auch schon Remus und James entgegen kamen. Sie kamen direkt auf ihn zu und ihr Gesichtsausruck sprach Bände. Sirius war klar, dass er jetzt einiges klarstellen musste.
„Morgen Tatze. Schon ausgeschlafen?", sagte James grinsend.
„Morgen ihr zwei. Wo habt ihr denn Wurmschwanz gelassen?", erwiderte Sirius.
„Das gleiche könnten wir eigentlich dich fragen.", sagte Remus etwas verwundert, „Er hat schließlich noch geschlafen, als wir zum Frühstück gegangen sind."
„Echt? Ich habe ihn nicht gesehen. Er war definitiv nicht mehr im Schlafsaal, als ich aufgewacht bin.", sagte Sirius.
„Ach du kennst ihn doch. Er wird schon irgendwann wieder auftauchen.", sagte James, obwohl er eigentlich selbst gerne wissen wollte, was mit Peter los war.
Es kam in letzter Zeit öfter vor, dass er einfach für unbestimmte Zeit nicht auf zu finden war. Am Ende hatte er zwar immer einen Grund, aber James war trotzdem misstrauisch. Er hatte schon die Idee, Peter hätte eine heimliche Freundin, aber das war immerhin Peter, nicht gerade ein Frauenschwarm. Es war aber im Moment das einzig logische, was James einfiel.
„Aber es war dir sicher nicht ganz unrecht, dass er heute Morgen nicht da war.", sagte Remus dann an Sirius gewand.
„Genau", stimmte James ihm zu, „so konntest du noch ein wenig Zeit mit deiner Emmy verbringen."
„Sie ist nicht meine Emmy!", protestierte Sirius, „Wir haben nur geschlafen! Sonst nichts!"
„Natürlich. Und ich bin der Papst. Aber bitte, Tatze, sag uns doch nächstes Mal bescheid, sodass wir woanders hingehen können.", sagte James grinsend.
„Hey, ich meine es ernst! Sie ist im Gemeinschaftsraum eingeschlafen und da ich sie weder in ihr Bett bringen konnte, noch sie einfach so da liegen lassen wollte, habe ich sie eben in mein Bett gebracht.", sagte Sirius aufgebracht.
„War sie wütend?", fragte Remus, bevor James, Sirius noch weiter ärgern konnte.
„Nicht wirklich. Am Anfang ein bisschen, aber ich denke sie hat damit kein Problem.", antwortete Sirius.
„Lily hätte mich gelyncht!", sagte James dann.
„Das ist ja wohl auch etwas anderes.", erwiderte Sirius
„Wirklich? Ist es das?", sagte James und sah Sirius mit einem vielsagenden Blick an. Dieser erwiderte darauf nichts mehr.
„Ich denke wir gehen dann mal.", sagte Remus schließlich, „Krone hat vergessen seine Hausaufgaben in Verwandlung zu machen. Jetzt will er sie natürlich wieder von mir abschreiben."
„Hey, bei dir klingt das so, als ob ich das andauernd machen würde.", sagte James empört.
„Du machst das andauernd", sagte Remus, woraufhin alle anfingen zu lachen.
Dann machten sich Remus und James auf den Weg, in den Gemeinschaftsraum, während Sirius sich an den Gryffindortisch setzte und frühstückte.
Emmy war derweil schon fertig angezogen und machte sich, mit immer noch nassen Haaren, auf den Weg in die große Halle. Sie hatte wirklich wahnsinnigen Hunger...
Gerade wollte sie in den Gang abbiegen, der sie zu ihrem heiß geliebten Frühstück gebracht hätte, als sich von hinten eine Hand auf ihre Schulter legte und sie sich erschrocken umdrehte.
Sie sah direkt in die Augen von Severus Snape!
„Komm mit! Ich muss mit dir reden.", zischte er und zog sie mit sich in ein leeres Klassenzimmer.
Dann ließ er sie los und sah sie erwartungsvoll an.
„Was...", begann sie, doch wurde sofort von ihm unterbrochen.
„Du weißt genau, was los ist!", sagte er und funkelte sie gefährlich an.
„Ich...", fing sie erneut an, doch konnte auch diesmal ihren Satz nicht zu Ende sprechen. Nicht, weil sie unterbrochen wurde, sondern weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte.
„Was hattest du hinter dieser Rüstung verloren?", fragte Severus aufgebracht.
„Es war...ich habe...ich...ich wollte...", stotterte Emmy und senkte ihren Blick.
„Du hast uns belauscht, nicht wahr?", sagte Severus gefährlich leise.
Emmy wusste wirklich nicht, was sie ihm erzählen sollte, also beschloss sie so weit es ging bei der Wahrheit zu bleiben.
„Ich war zufällig da.", sagte sie und ihre Stimme klang schon ein wenig fester, aber immer noch verunsichert, „Ich wollte euch nicht belauschen, es war nur..."
„Was hast du gehört?", unterbrach er sie.
Als er Emmys Zögern bemerkte funkelte er sie bedrohlich an, sagte aber nichts.
„Ihr habt über mich gesprochen.", sagte sie schließlich.
„Weiter.", sagte Severus
„Darüber, dass ich vielleicht eine Todesserin werden könnte und das ihr mich beobachtet.", fuhr sie fort.
„Hast du sonst noch etwas gehört?", fragte Severus
Emmy überlegte einen Moment, bevor sie antwortete.
„Nein", sagte sie, „Nichts weiter."
Das stimmte zwar keineswegs, aber es schien ihr im Moment klüger ihm nichts weiter zu verraten.
„Gut.", sagte er dann nach einer Weile.
Emmy war schon im Begriff zu gehen, doch Severus hielt sie zurück.
„Warum hast du geweint.", fragte er sie.
Emmy sah ihn ein wenig erschrocken an und wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als Severus fort fuhr.
„Du wusstest nichts davon, nicht wahr?", sagte er, „Deine Familie hat es geplant, ohne dich davon in Kenntnis zu setzen."
„Ich wusste tatsächlich nichts davon.", sagte Emmy etwas geknickt, „Ich wusste bisher nur von einem Treffen mit Malfoy."
Severus sah sie abschätzend an, bevor er etwas erwiderte.
„Du bist ein Halbblut oder?", fragte er sie.
Emmy sah ihn angesichts des plötzlichen Themenwechsels etwas irritiert an. Was sollte das werden? Er konnte ja schlecht vorhaben sie zu diskriminieren, immerhin war er ja selbst ein Halbblut. Sie wollte ihm das gerade an den Kopf werfen, als ihr wieder einfiel, dass sie das ja eigentlich gar nicht wissen sollte.
„Ja", sagte sie dann mit leichtem Zögern.
Severus sah sie daraufhin fast schon zärtlich an. Als er jedoch anfing zu sprechen, war dieser Ausdruck aus seinem Gesicht verschwunden und seine Stimme klang ungewöhnlich kalt.
„Du musst dich entscheiden, Wright. Entweder der dunkle Lord oder deine Schlammblutfreunde. Du kannst diese neutrale Haltung nicht ewig beibehalten.", sagte er
Auch wenn seine Wortwahl mehr als unpassend gewesen war, wusste Emmy doch, dass er recht hatte. Wahrscheinlich ging es ihm sogar ähnlich wie ihr, denn auch er war weder Fisch noch Fleisch.
Severus dreht sich noch mal kurz um, bevor er schließlich aus dem Klassenraum verschwand und Emmy alleine zurückließ. In dem Blick, den er ihr zuwarf hatte Emmy Mitleid erkennen können und fast schon so etwas, wie Verständnis.
Nun war sie wirklich verwirrt. Konnte es denn sein, dass er genauso, wie sie, mehr oder weniger gezwungen war Todesser zu werden? Hatte auch er sich vielleicht noch nicht entschieden? Immerhin war er ein Slytherin und um dort akzeptiert zu werden, gerade als Halbblut, war es sicher von Vorteil sich für Voldemort zu entscheiden. Er war ja auch nicht gerade beliebt, bei den Schülern der anderen Häuser schon gar nicht.
Emmy schüttelte ihren Kopf um diese wirren Gedanken abzuschütteln. Dann ging sie aus dem Klassenraum und machte sich endlich auf den Weg zu ihrem Frühstück.
