Die Geschichten von Tolliks, dem Uralten
Kapitel 7 In Kälte gehüllt - Der Kabalkrieg 4

Keiner hätte gedacht, dass wir Vex beschützen würden, aber Netka war wichtig. Nicht umsonst hatten die Maschinen diesen Planeten befallen. Er lag taktisch perfekt. Genau die richtige Entfernung zum Zentralgestirn, abgestimmte Masse und jede Menge Rohstoffe und Energiequellen. Den Kabalen lag mehr daran, als nur diesen strategischen Punkt einzunehmen. Sie wollten an die Vex. Die Könige hatten es bereits geahnt, Servitor Kaliks es bereits ausgerechnet. Und ich? Ich wusste es irgendwie.

Am Board des Alienschiffes fühlte ich mich klein. Auch wenn die Psion ungefähr ähnliche Körpergrößen hatten, wie halbjährige unserer Spezies, war das Meiste einfach nur gigantisch. Überdimensionale Schaltflächen und Stühle, für die Anführer. Einige wenige Armaturen waren niedrig genug, um einen Blick darauf zu werfen.

Für Kaliks war das alles kein Problem. Er schwebte geschwind von Konsole zu Konsole und sandte falsche Signale aus. Die Kabele glaubten uns, denn wir hatten Glück einen hochrangigen Gefangenen zu haben. Der Psion schwieg zwar, aber wir stahlen seinen Identifikationscode.

Wir sahen bei unserer Ankunft bereits ein gewaltiges Kabalschiff im Orbit von Netka vor Anker liegen, als ein unverständlicher Bericht auf allen Kanälen an die Flotte ging. Die Kabale auf Noridan riefen um Hilfe. Doch das Kommando gab keine Befehle einen Teil der Flotte zurückzuschicken. Das war schlecht.

Gleichzeitig kontaktierten uns die getarnten Ketschen, die sich in unserem Schatten aufhielten.

Einige Capitans und Kells gaben an, dass ihre Arkusenergie nachließe und die Tarnung bald ausfallen würde. Ich wies Kaliks an, das Waffenschiff in dem Hangar des Kabal-Kommandos zu landen. Die Ketschen sollten folgen.

Alles lief wie geplant. Kaliks fragte zur Landung an, um Reparaturen durchzuführen und sie genehmigten.

Es war geradezu einfach. Bei den Kabalen herrschte zwar Strenge, aber sie waren zu hochmütig, um zu glauben, dass Gefallene eines ihrer Schiffe verwenden würden. Oder waren wir zu hochmütig zu glauben, dass sie dies nicht vorausgesehen hätten?

Und deshalb empfing uns an Board des großen Schiffes ein Aufkommen von Psion und schweren Kabaleinheiten. Ich sah zu Taniks hinüber, dessen Blick von meinem mechanischen Arm zu meinem Gesicht wanderte. Ich ignorierte dieses Verhalten und er verheimlichte seine Gedanken. Stattdessen wandten wir uns dem Alienproblem zu.

„Feuer!", rief ich. Kaliks aktivierte alle Waffensysteme und zerschoss den gesamten Hangar. Kurz danach drang ein ohrenbetäubender Lärm durch das Schiff. 15 Ketschen waren uns unsichtbar gefolgt. Nun war ihnen die Energie ausgegangen und sie verloren die Tarnung. Einige griffen sofort die kleineren Kabalschiffe an, andere steuerten auf die Oberfläche von Netka, wo schon einige Einheiten gelandet waren.

Obwohl wir sie sichtlich überrascht hatten, brach ein unkontrollierbares Chaos aus.

Unsere Ketschen draußen wurden schnell zerstört, aber im Hangar des Kommandos, waren wir vor den Waffensystemen relativ sicher. Ich befahl allen, die Schiffe zu verlassen und das Kommando Schiff einzunehmen. Niedere Pilot-Servitoren sollten dann unsere Transporter hinaussteuern und für Ablenkung sorgen. Ein Ketsch stand allerdings noch bereit. Für den Fall des Rückzugs.

Das schwere Tor des Waffenschiffs öffnete sich und wir legten alle unsere äthergefüllten Masken an, luden unsere Drahtgewehre, Schockpistolen und neueren Versengungswaffen. Ich legte ebenfalls eine dieser schweren Kanonen an und hielt sie bereit. Sie hatte ein ordentliches Gewicht, darum stützte ich sie auf meiner Schulter.

Kaum öffnete sich das Tor, wurde alle Luft ausgesogen und wir rannten ohne zu stoppen hinaus. Einige Kabale kamen aus dem Hauptkorridor und eröffneten das Feuer. Keiner erwiderte, bis auf mich. Der Solarofen in der Versengungswaffe glühte und pfiff. Schließlich entrann dem Lauf ein mächtiges brennendes Projektil, das einen flammenden Schweif hinter sich herzog. Bei seinem Aufprall ließ es nichts als tote Aliens und einem Loch in der Wand zurück. Kurz darauf leitete uns Kaliks über Funk immer tiefer ins Schiff. Es waren gewaltige Gänge und Räume, die wir passierten. Doch wir brauchten vermutlich länger als die Erbauer dieses Monstrums, um überhaupt irgendeinen wichtigen Raum zu erreichen. Ziel waren die Triebwerk- und Lebenserhaltungssysteme. Die Brücke einzunehmen, hatte sich als viel zu gefährlich erwiesen.

„Links! Fahrstuhlsystem bis Ebene 3 unterste Decks verwenden!", drang Kaliks Stimme in meinen Ohren. Wir sicherten die ebenfalls großen Fahrstühle und fuhren los.

Auf der Aliensprache erklangen die Bezeichnungen für die Etagen. Ich konzentrierte meinen Blick auf die Anzeige rechts von mir. Die Symbole waren so viel anders, aber sie schienen einen Sinn zu haben. Meine Neugier gewann wieder einmal und ich vergaß beinahe alles, als ich versuchte die Schrift zu verstehen. Plötzlich öffneten sich die Fahrstuhlflügel und offenbarten uns eine Waffenkammer, in welcher sich gerade ein paar Dutzend Kabale ausrüsteten. Einer der größeren schrie laut auf und baute sich kräftig auf, mit einem Maschinengewehr im Anschlag. Wir strömten aus dem Fahrstuhl und eröffneten das Feuer. Ich schoss mehrere Versengungsprojektile in die Kammer und hörte aufschreiende Psion und sterbende Kabale. Ich kam wieder hinter der Deckung hervor und wollte ein weiteres Mal feuern. Doch ehe ich abdrückte, sah ich, wie sich die Wand hinter den Kabalen aufspaltete. Metall dehnte sich, brach und schien sich zu entfernen. Dann wurde es schrecklich laut. Dunkelheit ersetzte die Waffenkammer und zog alles in sich auf. Luft presste sich hinaus, in den Weltenraum. Die Versengungswaffe entglitt mir. Ich wollte nach etwas greifen, woran ich mich festhalten konnte, doch ich bekam nichts zu fassen. Stattdessen kollidierte ich mit einem Kabal und ich begann, mich unaufhaltsam im Kreis zu drehen. Das Bild vom Kabal-Kommando Schiff wechselte sich schnell und immer schneller mit dem Anblick von Netka, den Sternen und einer näherkommenden Königsflotte ab. Ich geriet in Panik. Aber ich lebte. Allerdings war es kalt. Mehr als mir lieb war.

Plötzlich wurde ich langsamer und durch meine Bewegungen konnte ich mich endgültig in der Schwerelosigkeit zum Stoppen bringen. Ich sah zu dem Loch in der Außenhülle, durch das ich hinausgeschleudert wurde. Trümmer und Kabale traten immer noch den Weg in die Kälte an. Die entweichende Luft bildete einen Trichter in alle Richtungen. Mit einem Mal ging ein gewaltiges Inferno daraus hervor. Weitere Ebenen darüber wurden in den Weltenraum gepresst und die Flammen schlugen weit aus.

Ich hörte nichts. Keinen Knall, kein Geräusch. Nur mein atmen. Schneller und schneller. Dann versuchte ich mich zu beruhigen, und einen Ausweg zu finden. Als es jedoch aussichtslos erschien, sah ich auf das Resultat der Explosion. Ich dachte an Taniks und die Soldaten. Wenn sie nicht genauso wie ich hinausgezogen wurden, dann brachte sie sicher das Feuer um.

Ich hatte das angerichtet. Ich hatte Hüllen brechende Munition abgefeuert.

Ich versank so tief in meiner Schuld, dass ich immer schwächer wurde. Meine vier Arme ruderten automatisch, ich spürte sie kaum noch. Meine Beine hörten auf sich zu bewegen. Das Schiff vor meinen Augen verschwamm. Ich verlor langsam das Bewusstsein. Doch vorher erblickte ich etwas. Es schien irrelevant. Aber für das, was noch folgen sollte, war es zu wichtig, um es nicht zu erwähnen:

Ein Stern, ein Planet. Es war beides zusammen. Es war eine Kugel, runder noch als ein Planet. Weiß war sein Äußeres. Und etwas sagte mir, dass es mich ansah. Es war groß, aber weit entfernt. Doch ich wusste es irgendwie. Es sah mich an, bevor ich nur noch Dunkelheit erblickte.