Disclaimer: Ich wünschte, die wären alle meine, sind sie aber nicht.

Thanks, meinen Schwestern und meinen treuen Reviewern!
Und für die, die nur lesen und nicht reviewen, ein 'gefällt mir/gefällt mir nicht' würde mir schon reichen, also bitte, schreibt drei oder vier Worte.

Jetzt wirds soooooo süüüüüß *seufz*

Viel Spass!


Die andere Sache

Der Rest der Fahrt verlief ereignislos. Edward versuchte Smalltalk zu halten, aber entweder ignorierte ich ihn oder konterte mit bissigen Kommentaren. Solange er mich nicht ablenkte, genoss ich die Geschwindigkeit. Als wir schließlich das Ortsschild von Port Angeles passierten, dauerte es bestimmt noch zehn Minuten bis Edward halt machte vor einem kleinen, aber nobel wirkenden Restaurant. Er stellte die Maschine ab. Ich nahm den Helm runter und schüttelte meine Haare bevor ich abstieg. Um uns herum sah ich noch ein paar mehr schicke Restaurants und das eine oder andere feine Hotel. Ich war zwar schon oft in Port Angeles, jedoch nie in dieser Ecke. Wir waren weit abseits der Einkaufsmeile und Strandpromenade für Touristen. Diese Gegend war mehr für die High Society bestimmt. Ich seufzte. Wenn er hier mit mir essen ging, würde das mehr kosten, als zwei Wochen Mittagessen in der Schulcafeteria.

„Können wir nicht runter an den Strand? Da gibt es einen netten kleinen Laden, in dem -"

„Ich hab den Tisch reserviert", unterbrach er mich und nahm mir den Helm ab. Sein Blick duldete keine Wiederrede. Ich seufzte erneut und betrachtete das Restaurant. Das dezente Namensschild wies es als ‚Casa Dolce Casa' aus, also ein italienisches, dann würde ich zumindest das Essen mögen. Das Restaurant war einstöckig mit Flachdach. Große Fenster mit dunklem Holzrahmen führten zu beiden Seiten des Eingangs entlang. In der Mitte war die zweiflügelige Tür, ebenfalls aus dunklem Holz. Der Rest des Gebäudes war in einem dunklen rotbraun gestrichen. Sehr erdige Farben, dunkel, aber warm und gemütlich. „Gehen wir?" Edward bot mir seinen Arm an, aber ich ging an ihm vorbei zum Eingang. Ich würde mit Sicherheit niemandem den Anlass geben, zu vermuten, dass wir zusammen waren. Er eilte an meine Seite, öffnete mir die Tür und grinste dümmlich. Bah, wie ich dieses Macho-Gehabe hasste. Wir gingen rein und der Oberkellner sah von seinem Pult auf.

„Guten Abend, Mr. Cullen. Wir haben Sie bereits erwartet. Und wie ist Ihr werter Name, Miss?", sagte der Oberkellner, dessen Namensschild ihn als Walter Mathew auswies, und sah mich freundlich an.

„Um, Bella Swan", antwortete ich etwas überrascht. So viel Höflichkeit war ich nicht gewohnt, ganz im Gegensatz zu Edward, wie es den Anschein hatte, der mich amüsiert beobachtete. Mr. Mathew nickte und machte eine kurze Notiz in seine Mappe auf dem Pult.

„Wenn Sie mir bitte folgen würden", sagte er und ging voraus durch einen großen Türbogen in den Gastraum. Erstaunt sah ich mich um. Auch innen war alles in dunklen Rot- und Brauntönen gehalten, dunkles Parkett, rustikale Eichentische, dunkelrote, fast blutrote Bezüge auf den Stühlen, und ebenfalls dunkelrote Vorhänge. Die einzigen Lichtpunkte waren die glamourösen Kronleuchter, die in ihrer Art eher vielen aneinandergereihten Kerzen glichen und hervorragend in das Ambiente passten. Wieder mal war ich angenehm überrascht. Edward schien zumindest einen guten Geschmack zu haben. Eine gute Eigenschaft auf... hmmm... wie viele? ... hundert negative? Mr. Mathew führte uns auf der linken Seite immer weiter nach hinten. Wir hatten den Saal mittlerweile fast durchquert, als er durch die Wand ging. Erschrocken zuckte ich zusammen und hätte beinahe aufgeschrieen. Erst als er sich zu uns umdrehte, erkannte ich, dass das noch gar nicht die Außenwand war.

Ein Raumteiler, perfekt eingefügt in den Saal in Farbe und Form, so dass man ihn für die Wand halten könnte und Mr. Mathew war lediglich durch den schmalen Zugang getreten. Erst als ich Edwards fragenden Blick sah, bemerkte ich, dass ich stehen geblieben war. Ich ging zügig weiter und sah mich kurz um. Auf der rechten Seite des Zugangs war nach etwa einem halben Meter bereits eine weitere Trennwand mit Kleiderhaken. Als ich nach links blickte, sah ich einen Eichentisch mit Bänken zu beiden Seiten, bezogen mit blutrotem Stoff. Der Platz reichte aus für vier Personen. Der Tisch und die Bänke stießen an die Außenwand und man konnte durch eines der großen Fenster nach draußen blicken.

„Darf ich Ihnen die Jacke abnehmen, Miss Swan?", fragte Mr. Mathew höflichst und streckte bereits seine Hände aus.

„Gern, Danke." Ich wartete etwas unbeholfen, bis Mr. Mathew meine Jacke aufgehängt hatte und uns alleine ließ.

„Bitte", sagte Edward und deutete mit einer Hand auf die Sitzgruppe. Ich machte zwei Schritte auf den Tisch zu und entschied mich dann doch, meine Strickjacke auszuziehen, da es hier drin sehr warm war.

„Moment", sagte ich nur und machte kehrt in Richtung Kleiderhaken. Ich öffnete den Reißverschluss und spürte plötzlich zwei Hände an meinen Schultern. Ich zuckte kurz zusammen und drehte mich halb um. Edward stand hinter mir und lächelte mich an. Er lächelte tatsächlich, kein fieses oder gemeines oder dümmliches Grinsen. Ich sah weg und grummelte in mich hinein. Hatte ich schon erwähnt, wie sehr mir dieses Macho-Verhalten auf den Keks ging? Ich ließ ihn gewähren und mir die Strickjacke abnehmen. Als ich mich umdrehte, kehrte langsam das dümmliche Grinsen auf sein Gesicht zurück und seine Augen verschlangen mich erneut. Uuuh, war das widerlich, als ob mich ein hundert Jahre alter Tattergreis anfassen würde. Ich ging schnell an ihm vorbei, setzte mich an den Tisch und betrachtete wartend Edwards Rücken. Er verharrte noch einem Moment wie eine Statue mit meiner Strickjacke in den Händen, bevor er sie aufhängte und dann seine Motorradjacke auszog.

Und dieses Mal starrte ich ihn an. Ich gab es nur ungern zu, aber... wow. Er hatte wirklich einen guten Geschmack. Das weiße Hemd passte in Form und Art perfekt zu seinem Motorradlook und war trotzdem elegant. Er kam an den Tisch, ich sah schnell unbeteiligt weg, und setzte sich mir gegenüber. Er rutschte ganz durch bis ans Fenster. Ich saß in etwa in der Mitte und da ich nicht unhöflich sein wollte, rutschte ich ebenfalls ganz nach außen. In diesem Moment kam Mr. Mathew wieder. Er reichte uns die Speisekarten und fragte nach Getränken. Ich bestellte ein Wasser und Edward orderte dann eine Flasche für uns beide. Ich schlug die Speisekarte auf und sah verwirrt über das Menü. Seufzend machte ich sie zu und legte sie beiseite. Edward sah fragend von seiner Karte auf.

„Sag mir nicht, du hast keinen Hunger", sagte er leicht pikiert. Ich seufzte erneut.

„Das ist italienisch. Ich versteh kein Wort", gab ich zu. Er zog ungläubig eine Augenbraue hoch, ich starrte finster zurück.

„Möchtest du eine Suppe?", fragte er schließlich.

„Nein." Ich schüttelte leicht meinen Kopf.

„Vorspeise?"

„Hmm, einen kleinen Salat." Er blätterte eine Seite zurück und studierte die Karte, dann sah er wieder auf.

„Hauptgericht?"

„Fisch?", fragte ich dagegen. Edward blätterte zwei Seiten weiter.

„Lachs?" Eigentlich mochte ich Lachs gerne, aber mir war heute nicht danach.

„Was hab ich noch zur Auswahl?" Edward studierte wieder die Karte und listete auf.

„Forelle, Heilbutt, Scholle, - "

„Scholle", unterbrach ich ihn und nickte. Ja, das hörte sich wirklich gut an. Edward sah wieder mit hochgezogener Augenbraue ungläubig zu mir. Ich wartete.

„Dessert?", fragte er schließlich.

„Nein." Das bescherte mir einen erneuten ungläubigen Blick. Dann sah er noch mal die Karte durch und legte sie zur Seite. Ich überlegte, über was ich mich mit ihm unterhalten könnte, als Mr. Mathew mit den Getränken kam. Er stellte Flasche und Gläser ab und fragte nach unseren Essenswünschen. Edward ratterte einige italienische Gerichte runter, von denen ich hoffte, dass sie auch das waren, was ich gewünscht hatte. Nachdem Mr. Mathew uns wieder verlassen hatte, versuchte ich es mit Smalltalk. „Warst du schon öfters hier?" fragte ich und erinnerte mich daran, wie er sofort beim Namen begrüßt wurde. Er grinste.

„Nur ein paar Mal."

„Sie scheinen dich gut zu kennen", hakte ich nach. Er grinste noch breiter.

„Weniger mich, als meinen Bruder", erklärte er. „Er wohnt mit seiner Frau in Seattle. Sie kommen oft her und er hat die ganze Familie ab und an hierher eingeladen, als wir noch in Chicago wohnten. Er schwärmt geradezu von diesem Restaurant."

„Es ist wirklich sehr schön hier", stimmte ich zu und sah mich wieder um.

„Es gefällt dir also", stellte er wieder mal fest und als ich ihn ansah, grinste er dümmlich. Hat mal jemand ne Giftflasche für mich? Ich versuchte, meine Mordgedanken abzuschütteln und ein anderes Thema zu finden, sonst würde ich diesen Abend nicht überstehen oder vielmehr er, als mir wieder einfiel, dass wir ja aus einem bestimmten Grund hier waren.

„Sagst du mir jetzt, was die andere Sache ist?", fragte ich ganz unverhohlen. Er setzte seine Ellbogen auf den Tisch, legte die Hände zusammen und stützte sein Kinn auf seine Hände. Er sah mich eine Zeit lang einfach nur an.

„Nach dem Essen", antwortete er schließlich. Ich grummelte kurz vor mich hin. Eigentlich hatte ich gehofft, das Ganze schnell hinter mich zu bringen, aber er fürchtete wohl, dass ich seine Bedingung erfüllen und dann darauf bestehen würde, zu gehen. Was ich wohl auch getan hätte. Also musste ich noch etwa eine geschlagene Stunde auf das Mysterium warten. Bei diesem Gedanken fiel mir noch ein anderes Rätsel ein. Edward und die Polizei. Ich sah zum Fenster hinaus, obwohl es schon so dunkel war, dass man außer Schemen nichts erkennen konnte, und überlegte, wie ich wohl dieses Thema ansprechen könnte. Mr. Mathew brachte kurz darauf meinen Salat, Edward hatte sich scheinbar keinen bestellt, und ich knabberte gedankenversunken an einem Salatblatt. „Woran denkst du?" Ich wandte mich ihm zu und begegnete seinem neugierigen Blick.

„Du bist nicht zufällig mit Jessica verwandt?" Es war das Erste, das mir bei diesem Anblick in den Sinn kam und ich konnte mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Edward sah mich irritiert an.

„Um, nicht, dass ich wüsste...", sagte er langsam, noch immer verwirrt. Er war doch tatsächlich darauf hereingefallen.

„Du bist aber genauso neugierig, wie sie. Vielleicht kann man das Neugierde-Gen ja anhand eures Blutes herausfiltern. Da muss doch eine Übereinstimmung zu finden sein", plapperte ich drauflos. Ich hatte sichtlich Spaß daran, ihn auf die Schippe zu nehmen. Edward zog die Augenbrauen finster zusammen und öffnete leicht seinen Mund, als ob er widersprechen wollte, schloss ihn dann aber wieder, ohne dass auch nur eine Silbe über seine Lippen gekommen war. Ich ahmte seine Haltung nach und sah ihn gespielt erstaunt an. „Hat es uns die Sprache verschlagen?", fragte ich neckisch mit einem leichten Schmunzeln. Edward gab diese Haltung auf, lehnte sich zurück und sah mich noch immer kritisch an. Nach kurzer Zeit schüttelte er leicht seinen Kopf und sah dann nachdenklich zum Fenster hinaus. Ich richtete mich wieder auf, aß weiter und versuchte mich an die Polizeiakte heranzutasten. „Fährst du eigentlich immer so schnell?" Er sah mich ernst an, ich wartete gespannt auf seine Antwort.

„Spart Zeit." Toller Grund.

„Schon mal geblitzt worden?", fragte ich weiter und konnte mir ein Grinsen nicht ganz verkneifen. Edward hingegen schien misstrauisch geworden zu sein. Er sah mich jetzt sehr nachdenklich an.

„Wieso fragst du danach?" Weil ich weiß, dass du bei der Polizei bekannt bist. Aber das konnte ich ja schlecht sagen.

„Ich hatte ein... interessantes Gespräch mit meinem Dad." Edward schüttelte erneut den Kopf und murmelte vor sich hin. Ich war mir nicht ganz sicher, aber er sagte so etwas wie ‚ausgerechnet die Tochter des Polizeichefs'. Das ließ mich erneut schmunzeln. Er hatte sich in der Tat mit der Falschen angelegt.

„Und was hat er dir erzählt?", fragte er schneidend und seine Augen verengten sich.

„Nicht viel." Ich wurde ebenfalls ernst. Unser Smalltalk hatte eine überraschende Wendung genommen. „Eigentlich nur das, was alle Väter sagen. Du seiest nicht gut für mich, ich solle mich von dir fernhalten und dergleichen", fügte ich an. Edwards Gesichtszüge entspannten sich. Er hatte scheinbar Schlimmeres erwartet. Ich stellte mein Glück auf die Probe. „Also, was hast du verbrochen?", fragte ich leichthin. Edward sah mich mit einer Mischung aus Überraschung und Skepsis an, bevor er den Blick auf das Polster neben sich senkte.

„Das willst du nicht wissen", sagte er leise. Ich seufzte ärgerlich. Nichts war so interessant wie ein ungelöstes Geheimnis.

„Muss ich raten?"

„Da kommst du nicht drauf." Er starrte noch immer auf das Polster der Bank.

„Hast du was geklaut?", begann ich.

„Nein."

„Um, irgendwas mutwillig beschädigt?"

„Nein." Er sah auf und musterte mich.

„Was gibt's noch? Alkohol am Steuer?"

„Nein." Ich konnte sehen, wie ein Lächeln seine Lippen umspielte. Es schien ihn zu amüsieren, dass ich verzweifelt versuchte, auf die Lösung zu kommen.

„Es wäre einfacher, wenn du es mir sagst."

„Aber nicht halb so lustig", stichelte er. Seltsam, eben war er noch völlig angespannt und jetzt redete er ganz locker.

„Na dann. Wo war ich stehen geblieben? Sex mit Minderjährigen?" Edward sah mich fassungslos an. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen.

„Schönen Dank auch", sagte er beleidigt. Ich zuckte mit den Schultern. Ich ärgerte ihn nur allzu gerne, er hatte mich immerhin viereinhalb Wochen lang schikaniert.

„Ich muss alle Möglichkeiten in Betracht ziehen", konterte ich. Ich sah nachdenklich auf meinen leeren Salatteller. Was fehlte noch? Mir gingen die Ideen aus. Was machten Jungs in seinem Alter noch so? Mit ihrer Clique abhängen, zusammen um die Häuser ziehen, ‚Revierkämpfe',... Oh, das war gut. „Eine Schlägerei?", fragte ich und sah auf. Edwards düstere Miene und die Tatsache, dass er nicht antwortete, sagten mir, dass ich richtig lag. „Eine Niederlage?" spöttelte ich grinsend.

„Du hast ja keine Ahnung", sagte er wütend und starrte zum Fenster raus. Es musste schlimmer sein, als ich angenommen hatte. Und das machte das Geheimnis noch interessanter.

„Dann sag es mir. Was genau hast du getan?", forderte ich schlichtweg. Er sah mich wieder an, noch immer wütend, und ich wartete beharrlich auf eine Antwort. Er atmete einmal tief durch.

„Ich habe jemanden verprügelt... krankenhausreif", knurrte er beinahe und sah mich gespannt an. Deshalb redete Charlie so abschätzig von ihm. Und er hatte Angst, Edward könnte mir etwas antun. Aber so, wie Edward das gesagt hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, Macho hin oder her, dass er das aus Spaß an der Freude getan hatte. Da war Etwas, ein Grund, ein triftiger Grund, der ihn dazu veranlasst hatte. Ich konnte es in seinen zornigen Augen sehen. Seine Wut galt diesem Jemand. Allerdings konnte ich es mir nicht erklären.

„Warum?", fragte ich interessiert. Verschiedene Emotionen huschten über sein Gesicht, Überraschung, Verwirrung, Unglaube, und schließlich wurde er nachdenklich. Genau in diesem Moment kam Mr. Mathew mit dem Essen. Unglücklicher konnte der Zeitpunkt nicht sein. Herausfordernd starrten wir uns gegenseitig an, bis Mr. Mathew wieder gegangen war und Edward plötzlich lachte. Ich sah ihn verdutzt an. Er fing meinen Blick auf und lächelte.

„Du bist die Erste, die fragt", erklärte er sein Verhalten. „Die meisten reagieren anders. Viele Teens feiern meinen... Mut und versuchen, sich an mich zu hängen, mir ähnlich zu sein, ein bisschen von dem Ruhm abzubekommen. Die Erwachsenen dagegen sind misstrauisch, ausweichend, wütend. So wie dein Vater. Aber niemand fragt." Er seufzte und begann zu essen.

„Du hast mir noch nicht geantwortet." Ich brannte innerlich vor Neugierde, nahm aber mein Besteck in die Hände.

„Er ist meiner Schwester zu Nahe getreten", sagte er aufgebracht und seine Hände umklammerten das Besteck noch fester. Die Erinnerung daran war wohl schwer für ihn. Doch jetzt machte alles einen Sinn. Er hatte seine Schwester beschützt und im Übermut zu heftig reagiert. Aber es war nachvollziehbar. Ich nickte verständnisvoll.

„Das erklärt einiges", sagte ich mehr zu mir selbst. Edward sah mich kurz überrascht an, bevor er seinen Blick traurig auf seinen Teller senkte.

„Für dich vielleicht", flüsterte er. Ich runzelte verwirrt die Stirn.

„Das verstehe ich nicht", gab ich zu. „Jeder, dem du das erzählst, muss doch glauben, dass du das nicht bewusst gemacht hast. Es war ein Impuls, eher ein Reflex. Du wolltest ihr helfen." Er schnaubte, schüttelte leicht den Kopf und sah mich ärgerlich an.

„Weißt du, warum wir nach Forks gezogen sind? Meine Schwester hat das Pech, immer von den falschen Typen angehimmelt zu werden und ich bin derjenige, der ihnen Manieren beibringt... auf meine Art. Ich bin deswegen immer wieder von verschiedenen Schulen geflogen und dieses Mal wollte keine andere im Umkreis von fünfhundert Kilometern um Chicago mich aufnehmen. Sie sind alle davon überzeugt, dass ich... das personifizierte Böse bin. Ich weiß sehr wohl um meinen Ruf Bescheid. Und selbst hierher, dreitausend Kilometer entfernt, ist mir mein Image vorausgeeilt. Ich bin so was wie eine Legende. Außer meiner Familie kennt niemand meine Beweggründe. Sie wollten einen Neuanfang machen, aber dazu müssten wir wohl die Vereinigten Staaten hinter uns lassen."

Er hatte so schnell gesprochen, dass ich höllisch aufpassen musste, alles zu verstehen und zu verarbeiten. Er musste wegen dieser Geschichte sein ganzes Leben umkrempeln und, was viel wichtiger war, er hatte nicht mal abgestritten, dass die Vermutungen, die über ihn angestellt wurden, falsch seien. Er hielt an seinem Image fest, er hielt sich selbst für Böse. Wie konnte man nur so dumm sein? Ich konnte ihn aufgrund seiner Art nicht leiden, und ich würde auch jetzt nicht damit anfangen, sein ganzes Verhalten widerte mich an, aber deshalb wäre ich nie auf die Idee gekommen, ihn als mutwillig böse zu bezeichnen.

„Du bist... sehr seltsam", war alles was ich für diesen Moment darauf erwidern konnte und widmete mich meinem Essen. Keiner von uns sprach ein weiteres Wort, während wir aßen und ich sah ihn nicht ein Mal an. Ich war immer noch damit beschäftigt, es zu verstehen, ihn zu verstehen. Er wurde seinem Ruf mehr als gerecht, das hatte ich gleich an seinem ersten Schultag erfahren müssen. Und ja, ‚Bad Guy' passte zu ihm, aber trotzdem... böse, also so richtig böse... nein, das glaubte ich nicht. Die Zeit verging schneller, als mir lieb war und ehe ich mich versah, hatten wir aufgegessen. Ich spähte vorsichtig zu ihm auf, aber sein Blick war auf das Fenster gerichtet. Er wirkte entspannt, daher entschied ich, das Thema nicht erneut anzusprechen. Ich hatte den Abend kompliziert genug gemacht. Ich sah ebenfalls aus dem Fenster. Der Anblick, der sich mir bot, war atemberaubend. Draußen waren zwischenzeitlich mehrere meterhohe Fackeln entzündet worden und aufgrund der spiegelnden Oberfläche konnte man erkennen, dass sie um einen großen Teich aufgestellt waren. Die Flammen warfen einzigartige Muster auf das von der Nacht geschwärzte Wasser. „Wie schön", flüsterte ich. Anders konnte man es nicht beschreiben.

„Nicht annähernd so schön, wie du." Jetzt fing das wieder an. Meine Laune sank augenblicklich um mehrere Etagen und ich starrte finster weiter nach draußen. „Willst du es wissen?", fragte er und mir war sofort klar, was er meinte. Die andere Sache. Gespannt sah ich ihn an und wartete. Aber statt etwas zu sagen, stand er auf, ging um den Tisch und setzte sich auf meine Seite. Verwirrt sah ich dabei zu. Was sollte das nur werden? Er hatte den Oberkörper mir zugewandt, einen Arm auf dem Tisch, den anderen auf der Lehne und dieses dümmliche Grinsen im Gesicht. Und so rutschte er näher zu mir... näher... noch näher. Ich bekam Panik. Ich wollte gar nicht mehr wissen, was die andere Sache war. Ich war mir sicher, dass es nichts Gutes sein konnte. Nichts, was ich in Erwägung ziehen würde, zu tun. Ich rutschte von ihm weg, genauso langsam, wie er auf mich zukam. Am liebsten wäre ich jetzt davongelaufen, jedoch hatte er mir den einzigen Fluchtweg versperrt. Als ich die Fensterbank im Rücken spürte, versteifte ich mich noch mehr. Sackgasse. Was sollte ich jetzt tun? Was konnte ich tun?

Edward kam weiter auf mich zu und machte erst Halt, als unsere Beine nur noch wenige Zentimeter von einer Berührung entfernt waren. Automatisch lehnte ich mich mit dem Oberkörper nach hinten, näher an das Fenster und weg von Edward. Die ganze Zeit über grinste er nur und seine Augen funkelten vor Freude. Er schien Spaß daran zu haben, mich so in die Enge zu treiben. Oder er freute sich auf das, was er vorhatte. Beide Gedanken machten mir Angst. Schließlich wanderte sein Blick etwas nach unten... auf... meine... Lippen?

„Ein Kuss", flüsterte er.


*im Zimmer auf und ab renn* Waaaaaaahhhhh! ich weiß, wies weitergeht, ich weiß, wies weitergeht! *plötzlich stehen bleib*

Und ihr nicht *fiesgrins*

Reviews! Ein Muss! :)