Kapitel7
Das Warten hatte nun endlich ein Ende. Organa hatte Anakin zu einem persönlichen Gespräch in sein Zimmer gebeten. Endlich würde Licht in diese Sache kommen.
Schnellen Schrittes war er auf dem Weg. Vor der Tür angekommen, klopfte er nur kurz und trat dann, ohne eine Antwort abzuwarten, ein.
Organa saß hinter einem Schreibtisch in einem relativ kleinen und dunklen Raum und las sich Aufzeichnungen durch. Wie auch immer er das bei dieser schwachen Beleuchtung tat. Als Anakin den Raum betrat, schaute er auf.
„Schön, dass du so schnell gekommen bist. Dass ich dir keinen Blaster entgegen halte, ist ein Zeichen meines Vertrauens. Nutze das bloß nicht aus! Ich bin mir deiner besonderen Fähigkeiten sehr wohl bewusst und weiß, dass du mich töten könntest, aber ebenso weißt du sicherlich, dass du mich für unsere Abmachung brauchst. Wobei wir beim Thema wären.
Kommen wir zunächst zu den Dingen, die ich von dir erwarte. Dazu gehört als erstes, dass du meinen Befehlen gehorchst. Und das bedingungslos. Auch, wenn dir einer dieser Befehle vielleicht unsinnig erscheint. Das spielt keine Rolle. Ich kann es nicht leiden, wenn meine Autorität untergraben wird.
Als zweites sollst du besondere Aufgaben übernehmen. Natürlich habe ich auch anderes Personal, dass dafür zuständig ist, bestimmte Leute zu entfernen, doch leider neigen viele dazu, zu versagen, sobald es ein bisschen komplizierter wird.
Nach allem, was ich jedoch gehört habe, wirst du mich nicht derart enttäuschen.
Nun möchtest du auch sicherlich wissen, was für dich dabei herausspringt. Sobald ich sicher sein kann, dass du mir auch wirklich loyal bist, wirst du zu meiner rechten Hand werden. Das ist ein ganz besonderes Vorrecht. Ich hatte schon mal eine rechte Hand, aber als mir diese Hand widersprach, wurde sie entfernt und bis jetzt hatte ich noch keinen Ersatz gefunden. Du wirst mehr Verantwortung bekommen und mehr Macht. Wir werden sozusagen ein Team werden.
Mit einem Jedi an meiner Seite werde ich zu einem der mächtigsten Männer werden.
Als letztes möchte ich noch erwähnen, dass du mich nicht unterschätzen solltest. Du bist zwar objektiv betrachtet mächtiger als ich, aber das heißt nicht, dass du mich besiegen kannst. Ich habe Mittel und Wege, dich zu beherrschen.
Dir wird ein kleiner Chip eingepflanzt werden, den ich nach belieben aktivieren und deaktivieren kann und der dafür sorgt, dass dir Schmerzen zugefügt werden, die du bestimmt nicht ertragen willst. Also solltest du es dir überlegen, mich stürzen zu wollen.
Gibt es Fragen?"
Schon nach den ersten Worten war sich Anakin sicher, dass es entweder eine versteckte Kamera gab oder in einem benachbarten Zimmer jemand zuhörte. Während Organa also sprach, schaute er sich unauffällig um, um eine eventuelle Kamera auszumachen, konnte aber keine entdecken. Auch eine andere Präsenz konnte er nicht spüren. Also richtete der Jedi seinen Fokus auf Organa, da er zum ersten Mal ein ungutes Gefühl verspürte.
Er musste feststellen, dass Organa von dem, was er sagte, überzeugt war.
Er war davon überzeugt? Das konnte doch unmöglich sein. Er schauspielerte doch nur!
Offenbar nicht. Man musste ihn einer Gehirnwäsche unterzogen haben. Daraus folgte jedoch unweigerlich, dass er tatsächlich das, was er sagte, von Anakin verlangte und er ihm wirklich diesen Chip einpflanzen wollte.
Nicht in diesem Jahrtausend! Nie wieder würde er sich einen derartigen Chip einpflanzen lassen und von ihm abhängig werden! Nicht noch einmal! Aber was nun tun?
Organa erwartete offensichtlich eine Antwort, denn er schaute seinen neuen „Kollegen" fragend an.
Anakin räusperte sich.
„Nun Mr. Organa, bevor wir dazu kommen, würde ich gerne mehr über Eure Vergangenheit wissen. Wie geht es zum Beispiel Senatorin Amidala?"
Anakin hatte gelernt, dass man Opfer einer Gehirnwäsche mit bekannten Dingen konfrontieren sollte, damit sie sich erinnern. Also fing er mit Namen an.
„Außerdem bedauert es Meister Kenobi, dass er Euch schon so lange nicht mehr gesehen hat, genauso wie Kanzler Palpatine."
„Wovon zur Hölle sprichst du da? Ich habe außer von Kenobi noch nicht von den anderen gehört. Außerdem geht dich meine Vergangenheit ja wohl nicht das Geringste an!"
Hervorragend, wenigstens an seinen ehemaligen Meister konnte sich Bail erinnern. Er sollte dort weitermachen.
„Auf jeden Fall würde Meister Kenobi es sehr begrüßen, mal wieder mit Euch zu sprechen. Wann habt Ihr ihn denn das letzte Mal gesehen?"
Höhnisch antwortete Organa ihm: „Das kann ich mir vorstellen, dass Kenobi mich noch mal wieder sehen will! Nach der Demütigung, die ich ihm beigebracht habe. Wenn du davon auch weißt, dann scheint es sich ja wunderbar herumgesprochen zu haben! Das ist dir hoffentlich eine Lehre!"
Organa schien sich köstlich darüber zu amüsieren, denn er lachte laut und herzhaft.
Anakin kam die ganze Sache immer merkwürdiger vor.
„Verzeiht, aber ich bin mit den Details dieser Anekdote nicht vertraut. Würdet Ihr sie mir erzählen?"
Sprachlos hörte er nun Bails Erzählung zu.
„Nun über Kenobis Charakter muss ich dir sicherlich nichts mehr erzählen. Außerdem ist das inzwischen auch außerhalb des Jedi-Ordens ausreichend bekannt."
Dem konnte Anakin nur zustimmen.
„Offenbar bin ich für die Regierung ein störender Faktor. Dass man sogar Kenobi zu mir geschickt hat, schmeichelt mir sehr. Tatsache ist, dass er mich unterschätzt hat und meinte, es sei ein leichtes, mich zu töten."
Zu töten? Das war gar nicht gut. Was auch immer man mit Organa gemacht hatte, es würde schwierig werden, es wieder rückgängig zu machen. Zumal er nicht in der Position war, Nachforschungen anzustellen.
Anakin beschloss, Organa gut zuzuhören. Vielleicht konnte er dadurch und durch Schmeicheleien noch mehr herausfinden.
Inzwischen war dieser gerade dabei, sehr ausgeschmückt zu erzählen, wie er es fertig gebracht hatte, Obi-Wan zu entgehen.
„…und so habe ich diesem Typ eine Lektion erteilt, die er seinen Lebtag nicht mehr vergessen wird."
Organa lachte lauthals.
„Nun, Mr, da habt Ihr ihm es aber wirklich gezeigt. Das hatte er auch mal verdient! Ich konnte ihn noch nie richtig leiden. Im Gegenteil, ich habe ihn gehasst."
Anakin hätte es nie für möglich gehalten, dass ihm diese Worte jemals über die Lippen gehen. Na ja, Obi-Wan würde ihm das sicherlich verzeihen. Denn er meinte es schließlich nicht so und würde es definitiv nie wieder sagen…
„Nur keine Schmeicheleien, Skywalker! Ich habe nicht ewig für dich Zeit. Jetzt weißt du darüber Bescheid und wirst es hoffentlich nicht vergessen!
Aber nun wird dich ein Droide zum Arzt führen, der den Eingriff bei dir vornimmt. Danach bekommst du deine Waffe zurück und erhältst deinen ersten Auftrag. Dabei kommt es sehr gelegen, dass du Kenobi nicht leiden kannst. Aber mehr erfährst du später. Du kannst gehen. Mein Droide wartet vor der Tür."
Zögernd drehte Anakin sich um.
Rasendschnell überlegte er, welche Optionen er hatte, um dieser Sache zu entgehen. Er könnte Organa überwältigen. Als er einen Blick über die Schulter warf, hatte dieser einen Blaster in der Hand.
„Denk nicht mal dran, Skywalker!"
Doch, das tat er.
„Du solltest jetzt gehen und dich nicht mehr umdrehen. Bemerke ich eine Bewegung dieser Art, werde ich nicht zögern, abzudrücken.
Ach, und noch etwas, Jedi, draußen wartet nicht nur der Droide, sondern auch noch eine Wache, die von mir persönlich ausgebildet worden ist. Also komm auch dort nicht auf dumme Gedanken!"
Das kam also schon mal nicht in Frage.
Aber Moment, hatte Organa nicht eben gesagt, dass es für ihn von Vorteil wäre, wenn er Obi-Wan nicht leiden kann. Hervorragend, dann würde er sicherlich auf seinen ehemaligen Meister treffen.
Trotzdem wollte er natürlich dieser Chip-Sache entgehen. Aber das wird sich dann schon ergeben. Er vertraute auf seine Fähigkeiten und wer weiß, vielleicht konnte er sogar schon besagte Wache überwältigen.
Allerdings gab es immer noch gewisse Ungereimtheiten, auf die er bis jetzt keine Erklärung hatte.
