Die fragliche Schülerin
Anaralasia: Danke, das gibt Mut. Freut mich, dass dir diese Fanfic gefällt!
Übrigens bin ich als Übersetzerin allein tätig
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Kapitel 7: Verdammte Yankees (2)
"Ist das Fruchtkuchen?" Den beiden Amerikanern sah man an, dass ihnen beim Anblick des Gebäcks eindeutig das Wasser im Munde zusammenlief. 'Warum bloß hat Großbritannien diesen Spinnern nicht schon im achtzehnten Jahrhundert ihre Unabhängigkeit gewährt?', wunderte sich Hermine.
"Ja, Dobby hat es extra gemacht. Ron Wheesy erklärte Dobby, es sei seine Lieblingsspeise."
Hermine murmelte ein besonders auserlesenes Muggelwort in ihren nicht vorhandenen Bart.
"Vielen, vielen Dank, Dobby."
"Seht euch doch mal diesen Fruchtkuchen an! Los, schnapp dir n Stück davon, Dob-Man!"
"Ja, Sir!" John nutzte den Accio, um einen Stuhl für Dobby zu besorgen, und nach vielen nervösen Danksagungen setzte sich der Hauself.
Am anderen Ende der großen Halle, woher John den Stuhl mit seinem Zauberspruch geholt hatte, war der Slytherintisch. Als Goyle von Malfoy befohlen wurde, die Klappe zu halten und den verdammten Weihnachts-Toast endlich zu trinken, machten dessen Hintern und der Fußboden Bekanntschaft und boten gleichzeitig eine ordentliche Einleitung in die Feiertage.
"Ma'am mögen den Fruchtkuchen auch, ja?" Dobby legte fette Stücke auf die Teller und gab Hermine ein besonders gigantisches Teil. Cass grinste und schluckte die Pekannuss herunter, die sie von der Oberseite abgenagt hatte.
"Ich liebe dieses Zeug! Vater hat es immer Türstopper genannt und wir haben es als komplette Mahlzeiten gegessen."
"Du 'ast Fru'ktku'ken für Mahlzeiten gegessen?" erkundigte Fleur sich überrascht.
"Wenn man viel Zeit in einer Bibliothek verbringt, ist es wesentlich einfacher, ein bisschen Türstopper abzuschneiden als ein Mittagessen zu kochen." Cass und John verdrückten glücklich ihren Nachtisch, als ob es irgendeine prachtvolle Gaumenfreude darstellen würde anstatt von – na ja, Fruchtkuchen. Auch Dobby nahm versuchsweise einen Bissen und sah Hermine flüchtig an. Mit einem intensiven Übelkeitsgefühl drehte sie sich weg um sich darauf vorzubereiten, etwas vom 'Türstopper' zu probieren, als sie durch einen lauten Ton, wie den einer elektrischen Gitarre, aufschreckte.
"Wenn wir für eine Minute eure Aufmerksamkeit haben könnten", verkündete eine vertraute Stimme. "Da am heutigen Abend Karaokegesang für und von Schülern bzw. auch Lehrern stattfinden wird, haben wir eine spezielle Nummer vorbereitet, um die Festlichkeiten des heutigen Abends zu beginnen. Meine Damen und Herren, ich präsentiere Ihnen: Die Gryffindors!"
Eine Akustikgitarre durchbrach die Stille, und von allen Leuten war es tatsächlich Seamus Finnegan, der sie spielte. Dann erschien Harry am Mikrofon in einer schwarzen Lederjacke und begann zu singen:
"Come
out Virginia, don't let me wait
You
Gryffindor girls start much too late
Aw,
but sooner or later it comes down to fate
I
might as well be the one
You
know that only the good die young!"
Schwach realisierte Hermine nicht nur, dass Ginny völlig baff war, sondern dass Cass rücksichtsvollerweise das Stück Fruchtkuchen von der Größe des Gibraltars gegen ihr wirkliches Lieblingsessen ausgetauscht hatte, nämlich Kürbistorte mit Zauberschlagsahne. Sie formte sich zu Wolken, während man das Zeugs aß, doch Hermine war an Harrys Gesang, und letztendlich auch an seinen Tanz mit Ginny wie gebannt. Insgeheim fragte sie sich, wie viel von Odgen's Feuerwhiskey Hagrid verwendet hatte, um Ron am Totschlag zu hindern, doch dann erkannte sie, dass er das Saxophonsolo zu spielen begann. Offenbar kam er jetzt damit klar, dass sein bester Freund mit seiner Schwester ging, oder aber er sah Harry als das geringste Übel unter den männlichen Schülern Hogwarts an.
Die Gryffindor Jungs (inklusive Neville am Schlagzeug) wurden von einer mitreißenden Punk-Rock-Version von 'Deck the Halls' einiger Hufflepuffs gefolgt, und ein Jazztrio aus Ravenclaw spielte ein paar Stücke aus 'A Charlie Brown Christmas'. Offensichtlich hatte Cho Chang mehr als nur ein paar Klavierstunden gehabt.
Doch was ihnen allen die Show stahl, waren Winky und ihr Trio von weiblichen Hauselfen, die gekleidet in Motown-Paillettenkleidern 'You Don't Own Me' in vollem Lesley-Gore-Stil sangen. Eine der witzigsten Nummern waren Padma und Parvati Patil, die 'Sisters' aus dem Film 'White Christmas' vorführten, als Padma einer ihrer Federfächer entglitt und durch den Raum zu fliegen begann (Ginny hatte sie gewarnt, die Sachen nicht im Laden ihrer Brüder Fred und George zu kaufen, aber hatten sie auf sie gehört?). Dumbledore dachte aus irgendeinem Grund, dass es angebracht war, 'If I Were a Rich Man' von 'Fiddler On The Roof' zu bringen, und Flitwick startete schließlich den 'Time Warp', der sieben Strophen lang durchgehalten wurde, bis schließlich absolut jeder inklusive der Hauselfen mittanzte. Es war schon sehr seltsam, wie viele Zauberer die 'Rocky Horror Picture Show' mochten.
"Komm schon Hermine, gib dir nen Ruck!" versuchte Harry sie zu überreden und gestikulierte wild in Richtung der Bühne. "Es macht unglaublich Spaß!"
"Und ja, Severus, auch die Lehrerschaft wird beteiligt", verkündete Minerva mit einem bösartigen Grinsen.
"In Ordnung, wir sind dabei", sagte John Tyler plötzlich. Er und Cass standen auf, er setzte sich ans Klavier, und sie rief mit dem Accio ihre lädierte Gitarre zu sich.
"Liebe Schüler und Kollegen, ich präsentiere euch unsere Gäste aus Amerika, John und Cass Tyler", sprach Dumbledore als Einleitung. "Begleitung?" nuschelte er unter seinem Bart zu John.
"Nö", antwortete dieser und spielte das Klavier, als ob er mit einem Metronom in seinem Arm geboren worden wäre. Cass kam mit ihrer spanisch klingenden Gitarre hinzu und ihr Song begann,
"Let our love be a flame, not an ember", begann Cass,
"Say it's me that you want to dismember."
"Blacken my eye, set fire to my tie", kam John mit seinem Part.
"As we dance to the Masochism Tango!"
Bei der dritten tobenden Strophe dröhnte die große Halle nur so vor Gelächter. John hatte irgendwas mit dem Klavier angestellt, so dass es von selbst spielte, und er tanzte mit seiner Frau in einer Weise, die vie zu skandalös gewesen wäre, als dass die Schüler es auch so getan hätten. Dumbledore und McGonagall tauschen Blicke aus, die in etwa 'Nun gut, sie sind frisch verheiratet' bedeuteten, außerdem folgten sie nach dieser Einlage selbst mit dem Duett 'I Got You Babe', was wirklich sehr süß anzusehen war. Dann verwuschelte Draco Malfoy seine Haare und sang einen Brian Slade-Song, der den meisten weiblichen Anwesenden und auch wohl ziemlich vielen Männern einheizte.
"Das war schon n bisschen schwuchtelig, oder was würden Sie sagen?" fragte Cass bei Snape nach.
"Entschuldigung?"
"Der blonde Kerl da, der die Türen wohl zu beiden Seiten offen hat?"
"Türen?"
"Wo der wohl einkaufen geht?"
"Cassandra, wenn man bedenkt, dass Sie nicht nur eine verheiratete Frau, sondern auch einige Jahre älter als Mr. Malfoy sind, wundert man sich doch, aufgrund welcher Motive Sie das fragen."
"Ich glaube bloß, dass diese etwas dämlich Dreinschauende mit den zwei großen Typen da drüben auf ihn steht."
"Das wäre Pansy Parkinson, und ja, ich glaube das tut sie."
"Die sieht doch wirklich wie ne einfältige Kuh aus, hm?" fragte Cass abwertend. "Ich sah vor dem Ball, wie sie so eine süße Katze trat."
Einen Moment lang sah Severus die finsteren Blicke der Amerikanerin und fürchtete, dass sie in ihrem Anfall von Groll seine Schülerin verhexen könnte, was für die Todesser so etwas wie einen Startschuss bedeuten würde. Auf einmal fiel ihm auf, dass Werwölfe normalerweise keine Katzen leiden konnten.
"Können Sie mir erzählen, wie die Katze aussah?"
"Oh, das war so eine süße dünne, mit gelb-rötlichen Augen."
"Hager, mit einer Art misstrauischem Blick?"
"Joa."
"Bei Salazar, endlich hat es mal jemand getan!" sinnierte Severus.
"Was getan?"
"Die Katze, die Sie meinen, wird Mrs. Norris genannt, das Haustier unseres Hausmeisters. Ich bin nicht unbedingt jemand, der Tiere nicht ausstehen kann, aber jeder Schüler in diesem Schloss brennt darauf, dieses Biest zu treten."
"Verfickte Engländer" sagte Cass unverblümt und kippte ein kleines Glas Feuerwhiskey herunter, als ob es Wasser wäre. Snape starrte sie in stummer Ehrfurcht an. Er kannte keine Frau – außer selbstverständlich Minerva McGonagall – die das so herunterschütten könnte.
"Bitte denk nicht, dass wir alle Katzenhasser sind", bat Hermine sie, die darauf hoffte, die Wogen ein wenig zu glätten. "Mrs. Norris ist nur – naja, sie ist nicht gerade unglaublich nett."
"Oh, sie ist ein verschwörerischer kleiner Spitzel, und das weißt du", sagte nun auch Ron, der hinter ihr auftauchte und die Überreste des Fruchtkuchens beäugte. "Hat's geschmeckt?"
"Ronald Weasley, du bist ein gastronomischer Sadist", erwiderte Hermine.
"Ich mag den Fruchtkuchen", sagte Cass und biss ein Stückchen ab. "Du musst Ginnys Bruder sein. Ich liebe diese Geschichte, wie du das Auto geflogen bist und so."
"Das hat Ginny erzählt?" Ron schaute gerade ein wenig geknickt drein.
"Wir beide."
"Hermine!"
"Es ist ja nun nicht so, als ob es keiner gewusst hätte", bemerkte Snape.
"Vielleicht könnte deine Heldentat ja in einem Lied verewigt werden", schlug Cass vor und betastete dabei liebevoll ihre Gitarre. "Ich hab außerdem gehört, du seiest gut im Schach." Sie spießte noch ein weiteres Stück Fruchtkuchen mit ihrer Gabel auf. "Bist du morgen um drei in der Bibliothek?"
"Ähm – ja, ich denke… - warum?"
"Wollte schon immer mal lernen, wie man das spielt. Mein Vater und ich haben immer Dame gezockt, vielleicht könnten wir ja auch ne Runde spielen."
Rons Augen blitzten kurzzeitig auf und er sagte zu, um fünf vor vier mit seinem neuen Schachset da zu sein, das Harry ihm geschenkt hatte. In diesem Moment erschien Padma Patil und nahm ihn am Arm, daher verschwand der Rotschopf wenig später mit einem Grinsen. Auf Snapes Gesicht zeigte sich eine tiefe Stirnfalte.
"Ich habe Ihre Aufzeichnungen gelesen, Cassandra."
"Und? Was?"
"Einen Schüler bedrängen?" Snape gab ihr seinen finstersten Blick und Hermine sah Cass schockiert an.
"Ich wollte ihn nicht bedrängen!"
"Sie erwarten von mir zu glauben, dass Sie kein Schach spielen können?"
"Nun, ich könnte es spielen", erwiderte Cass defensiv. "Ich weiß halt nicht, was die einzelnen Figuren tun oder wie man sie schlägt, oder welche man im Auge behalten sollte, oder –"
"Wie kann es sein, dass du noch nie Schach gespielt hast?", fragte Hermine. "Es ist das populärste Brettspiel der Welt."
"Eigentlich ist es das nicht, Miss Granger. Es gibt ein Muggelspiel, in dem man um Geld spielt, und dieses Spiel schlägt Schach es in dieser Hinsicht schon seit Jahrzehnten." Snape befüllte wieder sein Glas und betrachtete ihren zunächst überraschten, dann jedoch berechnenden Blick.
"Ja, das stimmt… Monopoly. Wir haben eines zu Hause."
"Also das kann ich spielen", verkündete Cass.
"Und ich ebenfalls", Snape nahm einen kleinen Schluck Kürbissaft. "Lucius Malfoy spielt gerne um richtiges Geld."
"Welche Spielfigur mögen Sie am liebsten, Sir?", fragte Hermine.
"Wir sind auf einer Party, Miss Granger, das 'Sir' können Sie weglassen", antwortete er kurz. "Ich persönlich mag das kleine Auto."
"Jap, das gilt auch für mich", erklärte John.
"Ich mag den kleinen Hund."
"Mir ist grad was eingefallen", sagte Cass und nahm ihre Gitarre. Geschickt zupfte sie eine Saite an. "Sing diesen Ton, Sev."
"Ich singe nicht!"
"Doch, das tust du, Severus", rief Minerva über ihre Schulter.
"Fein." Er tat wie ihm geheißen und sang geduldig jeden der acht Töne, die Cass ihm vorspielte. Ein wahrheftig seltsamer Ausdruck huschte über ihr Gesicht, dann drehte sich die Amerikanerin zu Hermine.
"Jetzt du."
"Ich kann nicht singen!"
"Sie können reden, oder?", bemerkte Snape säuerlich.
"Im Ernst, Cass, du willst mich nicht singen hören! Ich – aber – meine Stimme… da kommt der Putz von den Wänden!"
"Ich sehe hier keinen", antwortete Cass grinsend. "Komm schon, oder soll ich Dobby rufen, dass er dir noch mehr Fruchtkuchen besorgt?"
"Ich kann mitsingen, wenn es dir hilft", bat John ihr an.
"Oh… in Ordnung."
John stand auf, um sich zu Hermine zu setzen und ihr seinen klangvollen Charme herüberzuwerfen, damit sich ihre nervösen Töne hörbar gestalteten, aber abgesehen von der Tatsache, dass sie vor Angst eine aschfahle Gesichtsfarbe hatte, war sie nicht schlecht. Cass grinste breit und schulterte ihre Gitarre.
"Na dann los."
"Was haben Sie vor?", fragte Snape. Als Antwort verwandelte Cass eine Serviette in einen schwarzen Pelzhut und platzierte ihn auf seinem Kopf. "Oh nein! Auf gar keinen Fall, Cassandra!"
"Warum denn nicht, Sevvy?"
"Nennen Sie mich nicht so!"
"Cass, vielleicht sollten wir sie doch nicht zum Singen bewegen", schlug John vor.
"Aber sie sind einfach perfekt für eine mehrstimmige Harmonie!"
"Wahrscheinlich haben sie einfach nicht das Selbstvertrauen", antwortete der Werwolf. "Es ist wirklich schade. Das muss ein Fehler in der englischen Erziehung sein." Cass seufzte theatralisch.
"Stimmt. Was ist nur mit England seit der Zeit der Beatles passiert?"
"Wenn Sie zwei denken, dass umgekehrte Psychologie bei Hermine und mir auch nur eine Minute lang funktioniert", drohte Snape, doch Hermine sträubte sich schon.
"Professor, ich glaube, dass ich das Lied gerade kenne." Cass und John schlugen unter dem Tisch ein, als Hermine, die sonst der nette Bücherwurm war, Severus zur Seite der Bühne schleppte und sich dort positionierte.
"Sind Sie verrückt?", fragte er sie. Es war eine ernst gemeinte Frage.
"Haben Sie nichts vom Kürbissaft getrunken?", flüsterte sie verstohlen. "Wir werden heute Abend singen, ob wir wollen oder nicht."
"Terpsichoratrank!" Snape rauchte für einen Moment vor Wut, dann realisierte er die Bedeutung ihrer Worte: "Sie haben es geschmeckt, während ich es nicht bemerkt habe!" Seine Verwunderung ließ seine samtene Stimme nahezu zart klingen.
"Sie waren ein wenig abgelenkt – Professor."
"Zwanzig Punkte für Gryffindor für ihre scharfe Zunge, Miss Granger." Ihre Gesichter waren nicht weit auseinander, und Hermine hoffte in Gedanken, etwas 'Traumlosen Schlaf'-Trank zu bekommen. "Welchen Song hatten Sie denn im Sinn?"
"Ähm… ich, also ich hatte – keinen."
"Sie haben gegen die Amerikaner geblufft?"
"Unglücklicherweise."
"Gryffindors", verfluchte Severus sie in Verzweiflung. "Also, haben Sie irgendwelche Ideen? Oder beinhaltet die Bibliothek keine Musik?"
"Der einzige Song, der mir gerade einfällt, wäre 'Yellow Submarine! Und Sie machen das hier nicht gerade einfacher!"
"Ich würde lieber Voldemort Sinatra singen hören, als das zu ertragen!", grummelte Snape dunkel. Nun waren sie an der Reihe und wurden auf die Bühne geführt. "Warum spiele ich nicht etwas auf dem Klavier und Sie singen?", flüsterte er ihr zu.
"Sie sind der Boss", antwortete Hermine verärgert.
"Eine gute Wahl", bemerkte Dumbledore. "Ich wusste nicht, dass du Brian Setzer magst, Severus."
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Der zweijüngste Weasley ließ vor Schreck sein Glas fallen.
"Sag mir, dass ich das gerade nicht sehe", flehte Ron.
"Doch, ich glaube schon", antwortete Harry bleich vor Entsetzen. "Sie singen."
"Zusammen", sagte Ron mit einer Grimasse.
"Sie mögen es", beobachtete Ginny mit einem unterdrückten Grinsen.
"Ist euer Professor nicht ein sexy Blödmann?" fragte Cass, als sie mit John hinter ihm genau so auftauchte, wie der Rotschopf es vorher bei Hermine getan hatte. Jemand musste Ron auf den Rücken klopfen, sonst wäre er wahrscheinlich erstickt.
"You've got me beat up und down,
Inside-out and across!" Snape hatte in der Tat eine sexy Stimme.
"But in the middle of the night,
When the moon is shining bright, ah,
You're the boss!"
Der Gesang stoppte und eine machte Pause für den Swingtanz. John wirbelte untätig seinen Zauberstab zwischen seinen Fingern wie einen Sektquirl, und Severus machte es ähnlich, indem er Hermine herumwirbelte. Cass stieß ihn mit dem Ellbogen an und der Gesang ging weiter. Da das Lied von der anzüglichen Sorte war, sahen sowohl Professoren als auch Schüler ihnen mit Glotzaugen zu. Draco Malfoys Kiefer hing fast zwischen seinen Füßen als er Hermine zusah, und Madame Hooch stieß für Severus einen anerkennenden Pfiff aus.
Als diese Prüfung schließlich vorbei war, nahm das unglückliche Paar unter donnerndem Applaus wieder seine Sitze ein. Cass und John kehrten nach ein paar angespannten Sekunden zu ihren Sitzen neben ihnen zurück.
"Das war cool", sagte John zu Hermine als Kompliment.
"Ich glaube ich werde mich umbringen", verkündete sie süß und sarkastisch.
"Es war doch nicht schlecht", protestierte Cass.
"Doch, war es", sagte Severus, und sein Blick war mörderischer als der bei der heulenden Hütte drei Jahre zuvor. "Sie können sich so unglaublich glücklich schätzen, dass Albus die Unverzeihlichen über die Feiertage verboten hat."
"Sind alle Amerikaner manipulierende Idioten?" fragte Hermine.
"Ne. Nur die Republikaner", antwortete John.
"Warum konnten die Japaner bei ihrer Bombardierung vor fünfzig Jahren ihren Job nicht vernünftig erledigen?", fügte Snape hinzu.
"Warum konnten wir euch fünf Jahre davor nicht einfach den Nazis überlassen?"
"Warum haben uns die Franzosen euch nicht umbringen lassen?"
"Warum hat sich die Kartoffelfäule nicht noch ein bisschen mehr ausgebreitet?"
"Schade, dass die amerikanischen Ureinwohner nicht gleich alle Puritaner massakrierten."
"Die waren doch wirklich anmaßende Affen, oder?" fragte Cass rhetorisch mit einem Grinsen, bevor sie wahrnahm, dass sie unabsichtlich mit Snape übereingestimmt hatte. "Verdammt."
"Frieden?", fragte John und bot Hermine ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum an.
"Noch nicht, Yankee-Wolf", bestimmte Snape. "Sie zwei müssen noch mal singen."
"Wie lautet eure Rache?"
"'Yellow Submarine'!", sagten Snape und Hermine im Einklang.
"In Ordnung, wir waren böse.", gab John zu. "Geschenke auspacken?"
"Das hier ist für Sevvy", sagte Cass während sie ihm das metallisch glänzende in die Hand drückte.
"Und diese beiden hier sind mit unseren Namen versehen." John reichte eines seiner Frau.
"Countdown auf drei?", schlug Hermine vor.
"Eins",
"Zwei",
"Drei!"
Snape sah sich begeistert den Inhalt seines Päckchens an. Es war ein handgeschriebenes Tränkelehrbuch im Taschenformat, und es datierte mindestens von den Schultagen Dumbledores an. Er betrachtete die Namen, die im Einband standen, nur um festzustellen, dass es nicht nur Nicolas Flamel einmal gehört hatte, sondern dass dieser es auch markiert und kommentiert hatte. Umso erstaunlicher war das Anhängeschildchen.
"Wo um alles auf der Welt hast du das gefunden, Hermine?"
"Eine glückliche Entdeckung bei Nooke's während der Feiertage. Woher wussten Sie, dass ich das hier brauche?" Sie starrte begeistert auf das Buch, das er für die gewählt hatte.
"Nun, wer beaufsichtigt denn Ihr Tränkeprojekt?" antwortete er und schaute ehrfürchtig auf die ordentliche Handschrift an den Seitenrändern. "Das ist unglaublich."
"Danke."
"Nein, ich danke Ihnen. Ich hatte keine Ahnung, dass so etwas existiert, es ist…" Für einen Moment wusste Severus Snape nicht, was er sagen sollte. "Ich danke Ihnen, Hermine."
"Bitte sehr", antwortete sie ein wenig nervös. Für ein paar Sekunden sahen sie in das Lächeln des anderen, bevor ihnen bewusst wurde, dass die Tylers sie entsetzt anblickten.
"Was?"
Cass deutete mit erhobenen Händen auf einen Mistelzweig, der frei schwebend über ihren Köpfen hing.
"Ich war's nicht". Auch John hatte seine Hände gehoben, und beide schüttelten ihre Köpfe. Hermine schaute flüchtig zu einem anderen Tisch.
"Sieht so aus, als hätte Madame Hooch ein bisschen zu viel zu trinken gehabt."
"Cass!", züchtigte John sie.
"Sie sagte, sie liebt Eierpunsch!"
"Tja, es gibt nur einen Weg, um ihn loszuwerden", seufzte Hermine.
Ganz sachte lehnte sich Professor Snape herüber und küsste seine Schülerin, beziehungsweise jetzt seine Freundin, auf die Wange. Sie tat es ihm gleich, und dann küssten sie sich ganz schlicht auf die Lippen.
"Awwww." Cass und John dachten beide, dass es sehr süß war, auch wenn die beiden Briten fast so sehr wie das Rot der Gryffindorfahnen erröteten. Snape zog mit einem sarkastischen Blick seinen Zauberstab und ließ den Mistelzweig zu ihnen hinüberschweben.
"Zeit, das Spiel umzudrehen."
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