Und ein neuer Oneshot. Mir ist leider kein sehr brauchbarer Titel eingefallen... Und sorry, dass ich im Moment so unregelmäßig hochlade, aber ich habe momentan überhaupt keine Ideen :(
Ich habe jetzt zum ersten Mal auf Sagengestalten angespielt, die nicht aus Tolkiens Welt kommen und habe dafür ein bisschen recherchiert. Ich hatte dabei viel Spaß und würde mich über eine Rückmeldung freuen, wie es euch gefällt.
Ich bin übrigens echt baff über meine Stats! Über 500 aufrufe! Vielen vielen Dank dafür! Wenn sich jetzt noch die „Schwarzleser" dazu entschließen würden, Kommis zu hinterlassen… ;) Um das klar zu stellen: Ich bin keiner dieser Anti-Schwarzleser-Hetzer, ich kommentiere auch nicht alles, aber ich freue mich über jeden Kommentar riesig! Wenn ihr euch also zwei Minuten Zeit nehmen würdet…
So, jetzt aber genug geschwafelt! Viel Spaß beim lesen!
Erschrocken starrte Kili auf die Holzstücke zu seinen Füßen. So doll hatte er doch gar nicht gespielt. Oder? Auf dem Boden vor dem jungen Zwergling lagen der abgetrennte Arm eines Zwergenkriegers und ein Wolfsbein. In der Phantasie des Jungen hatte der Wolf zuvor den Krieger angegriffen und nun hatten beide, nun ja, richtige Verletzungen eben. Immer noch erstarrt blickte er zwischen den Spielsachen umher. An sich war daran ja nichts schlimmes, er hatte schon einige seiner Spielsachen zerstört, aber diese gehörten nun mal nicht ihm. Fili war am Morgen mit Thorin und Dwalin auf die Jagd gegangen und Kili konnte sich sicher sein, dass sie erst am frühen Abend zurückkehren würden. Also hatte er sich die Holzfiguren seines Bruders geschnappt, mit denen er sonst nur so selten spielen durfte. Ihm war dabei bewusst gewesen, dass er äußerst vorsichtig sein musste, wenn er keinen Streit mit seinem großen Bruder haben wollte. Und jetzt das! Er wusste genau, dass der Zwerg eines von dessen Lieblingsfiguren war. Bofur hatte ihn ihm geschenkt und wenn man genau hinschaute, konnte man gewisse Ähnlichkeiten mit ihrem Onkel feststellen. Die grimmige Miene zum Beispiel. Nun verwandelte sich sein Schock in kindliche Panik. Er musste hier weg! Schnell schob er die kaputten Spielsachen unter den Schrank und schlich auf den Flur. Er hörte seine Mutter hinter der geschlossenen Wohnzimmertür mit einer Freundin quatschen. Leise schlich er weiter zur Hintertür (die Vordertür quietschte) und lief – immer noch halb als Ritter verkleidet, mit Holzschwert und Armschienen – in den Wald hinter dem Haus.
Zuerst steuerte er auf eine versteckte Lichtung zu, auf der er mit seinem Bruder immer spielte, aber dann fiel ihm ein, dass Fili diese ja kannte und dort sicher zuerst nach ihm suchen würde. Also rannte er weiter, sprang geschickt über Baumstämme und wich Wurzeln und herunterhängenden Ästen aus. Er mochte den Wald. Die hörbare Stille die sich über alles legte, wenn man nur lange genug da saß und lauschte, den wunderbaren Geruch nach Nadeln und Laub nach einem frischen Regenschauer und das Spiel der Sonnenflecken auf dem Waldboden, wenn die Sonne ihren Weg durch das Blätterdach fand und in denen die Schmetterlinge so gerne tanzten. Aber schon bald war er in einem völlig fremden Wald. Hier wuchsen nicht mehr die hellen Fichten, Buchen und Kiefern, sondern riesige, mit Moos bewachsene Eichen und Tannen, die kein Licht durchließen und unter denen es feucht und kühl war. Das Unterholz bestand aus dornigen Sträuchern, die wild wucherten und manchmal kaum Platz ließen um sich einen Weg zu bahnen. So eine schnelle Wandlung hatte der junge Zwerg noch nie gesehen. Sein Onkel hatte ihm und Fili zwar schon von den bösen Herzen der Wälder erzählt, aber er hatte das immer als Märchen abgetan. Doch jetzt, in dem düsteren Dämmerlicht, war er sich nicht mehr so sicher.
Kili stolperte über eine versteckte Ranke und kugelte einen kleinen Abhang hinunter. Benommen setzte er sich auf. Er befand sich am Boden einer kleinen Senke. Aus welcher Richtung war er gekommen? Er schaute den Rand hinauf, konnte aber keine Spuren von sich finden. Im Spurenlesen war er noch nicht sehr gut, darüber machte sein Bruder sich regelmäßig lustig. Er spürte Panik in sich aufsteigen, konnte sie aber unterdrücken. Ok, tief ein- und ausatmen. Sein Onkel hatte ihm zigmal gezeigt, wie man sich im Wald zurechtfand, das müsste er ja wohl schaffen. Der Wald befand sich nördlich von ihrem Haus und er war nur geradeaus gelaufen.
Ameisenhaufen. Ameisen bauten ihre Hügel immer auf der Südseite von Gesträuch. Der junge Zwerg suchte eine Weile, konnte leider keines der Bauwerke finden. Ok, da gab es noch mehr. Spinnennetzte. Die waren auch immer nach Süden ausgerichtet. Aber er hasste Spinnen. Na egal, er wollte hier raus. Moos! Es gab noch eine Variante mit Moos! Moos wuchs immer… auf der nördlichen oder südlichen Seite? Verdammt! Er legte die Fäuste an die Schläfen um sich zu konzentrieren. Es fiel ihm nicht mehr ein. Also doch die Spinnennetz-Variante. Er fand ein paar Netzte, allerdings waren die entweder waagerecht oder in tausend unterschiedliche Richtungen gespannt. Das half ihm also auch nicht weiter. Und die Sonne auch nicht. Die Bäume waren zu hoch und ließen kein Licht durch. Wieder kroch die Angst langsam seinen Hals hinauf und schnürte ihn zu. Nein! Er würde nicht weinen! Und er würde auch keine Angst haben! Er war doch ein Durin! Die durften sich nicht einfach im Wald verlaufen! Plötzlich hörte er hinter sich ein Knacksen. Er fuhr herum, das kurze Holzschwert schon in den Händen, doch es war nur ein Eichhörnchen. Er schloss die Augen und atmete noch einmal tief durch. Er wollte nicht einfach willkürlich in eine Richtung laufen, aus Angst, sich noch weiter zu verlaufen. So langsam verzweifelte er wirklich. Der kleine Zwerg ließ sich auf den Boden sinken und begann, Blätter in kleine Stücke zu zerreißen. Hatte seine Mutter ihm nicht immer gesagt, er sei zu wagemutig und würde erst handeln und dann denken. Er hatte das immer mit einem Lachen abgetan, aber jetzt schien es tatsächlich so, als habe sie immer Recht gehabt. Er tastete unter seinem dünnen Hemdchen nach der Kette, die Thorin ihm von seiner letzten Reise mitgebracht hatte. Fili besaß eine Identische. Jetzt stiegen ihm doch die Tränen in die Augen. Er hatte nicht die geringste Ahnung, wie er nach Hause finden sollte. Was nutzten diese verdammten Tricks, wenn man sie doch nicht anwenden konnte?! Jetzt fuhr auch noch eine frische Brise unter das dunkle Blätterdach und Kili begann zu frösteln. Er war nur in seinem dünnen Leinenhemd und der dunklen Stoffhose aus dem Haus gelaufen. Zum Glück hatte er zumindest noch daran gedacht, seine warmen Lederstiefel anzuziehen. Er rutschte zu einer der alten Eichen und lehnte sich an den bemoosten Stamm. Er zog das hübsch gearbeitete Holzschwert wieder aus dem Gürtel und begann, damit wahllos Blätter aufzuspießen. Warum war er eigentlich von Zuhause weggelaufen? Ach ja, er hatte Angst gehabt, dass Fili böse auf ihn sein würde, wenn er das kaputte Spielzeug sah. Fili. Wie gern hätte er sich jetzt in die Arme seines großen Bruders gekuschelt und den Erzählungen von der heutigen Jagd gelauscht. Soweit er die Zeit in dem Dämmerlicht beurteilen konnte, müssten sie jetzt so langsam nach Hause kommen. Die Tränen liefen ihm jetzt die Wangen hinunter und er lehnte den Kopf zurück, um sie wegzublinzeln. Dann hielt er die Augen einfach geschlossen. Er war so müde.
Er erwachte zitternd in fast völliger Dunkelheit. Hatte er da nicht eben Stimmen gehört? Es musste mittlerweile fast Nacht sein. Wie lange hatte er geschlafen? Da! Schon wieder. Da rief doch jemand seinen Namen! Und wenn er sich nicht ganz täuschte, war da hinten Licht zwischen den Bäumen. Strauchelnd lief er darauf zu. Bei dem fehlenden Licht konnte er den Wurzeln und Sträuchern nicht mehr ganz so gut ausweichen. Immer schneller versuchte er voran zu kommen, aber er kam einfach nicht näher an die Lichter heran. Wieder fiel er über eine Wurzel und als er wieder stand, waren die Lichter verschwunden. Mittlerweile wusste er nicht mehr, wie weit er sich von seinem Ausgangspunkt entfernt hatte und in der nun fast perfekten Dunkelheit konnte er sich nicht mehr orientieren. Kili stolperte weiter. Irgendwo mussten die Lichter doch sein! „Hallo?" rief er zaghaft, dann noch einmal lauter: „Haaalloooo! Wo seid ihr?" Tränen liefen ihm über die Wangen. Dort! Ein einzelnes Licht flammte wieder ein Stückchen entfernt auf. Während er darauf zu rannte, hörte er, wie der Boden unter seinen Füßen feuchter und matschiger wurde. Bald schon sank er bis zu den Knöcheln ein und Schlamm lief von oben in seine Stiefel. Aber er lief weiter. Noch immer konnte er das Flackern erkennen. Die Bäume wurden lichter und er meinte, ein alleinstehendes Haus zu erkennen. Plötzlich fiel der Zwergling mit einem Ruck nach vorne. Sein Fuß war in einem besonders tiefen Schlammloch stecken geblieben. Als er sich aufsetzte und den anderen Fuß in den Boden stemmte, spürte er auch diesen einsinken. Er geriet in Panik. „Hilfe!" schrie er. „So helft mir doch!" Er begann mit den Händen seine Füße auszugraben und tatsächlich konnte er sich damit befreien. Plötzlich brach die Wolkendecke auf und der Mond schien durch nun nur noch vereinzelten Äste. Voller Schrecken erkannte Kili, dass er sich am Rande eines großen Moors befand, das sich vor ihm erstreckte. Hinter sich konnte er die bedrohliche Dunkelheit des Waldes erkennen. Das Gebäude konnte er auch nicht mehr sehen. Noch nie hatte er sich so gefürchtet! Alte Geschichten, die Dwalin und Thorin am Kaminfeuer erzählt hatten, während er an seine Mutter gekuschelt lauschte, kamen ihm in den Kopf. Irrlichter! Erst vor ein paar Monaten hatte sein Onkel ihm und Fili von einem Jungen erzählt, dessen Eltern am Rande eines Moors gewohnt hatten. Jeden Abend hatte er sich an den Zaun gestellt und hinunter auf die Sumpflandschaft geschaut, wo die bläulichen Lichter ihre Tänze vollführten. Eines Abends hatte er sich nicht mehr zurückhalten können und war über den Zaun geklettert und zu ihnen gelaufen. Doch als er zwischen den Binsen und dem Sumpfgras gestanden hatte, waren sie verschwunden. Also war er zurück zum Haus gelaufen und dort, auf einem Zaunpfahl, hatte eines der Lichter gesessen. Gebannt hatte der Junge es angestarrt, bis er von einer plötzlichen Panik erfasst, zurück zum Haus gerannt war. Er war sehr krank geworden und als er nach Monaten wieder hatte aufstehen können, konnte er nur noch am Stock laufen und das Entsetzen hatte sein Gesicht nie wieder verlassen.
Kili schüttelte den Kopf. Sowas half ihm jetzt auch nicht weiter, auch wenn er sich zu Tode gruselte. Aber die Geschichten flossen in seinen Kopf und er konnte sie nicht daran hindern. Dwalin hatte einmal von einem alten Zwerg berichtet, der Tag für Tag im Bergwerk gearbeitet hatte und auf dem Weg nach Hause durch ein Moor kam. Er hatte das Gelände gekannt wie seine Westentasche, aber eines Nachts hatte er sich von einem Licht ablenken lassen. In dem Glauben, einen anderen Wanderer im Moor zu treffen, war er vom gewohnten Weg abgewichen. Als er gemerkt hatte, dass er im Moor versank, war es bereits zu spät gewesen. Alles was man Tage später von ihm fand, war eine starre Leiche, die knapp unter der Wasseroberfläche trieb, die Augen in starrer Panik weit aufgerissen.
Fili hatte immer über solche Geschichten lachen können, aber Kili war es immer ein wenig mulmig zu Mute gewesen, auch wenn er Schauergeschichten liebte, und hatte sich dichter an Dís gedrückt. Aber grade, wo er praktisch mitten in einer drin steckte, drohte die Panik ihn völlig zu überwältigen. Mittlerweile war der Mond wieder hinter der Wolkendecke verschwunden und erneut umfing den kleinen Zwerg Dunkelheit. Wieder tauchten die Lichter auf, aber da er sich nun bewusst war, was sie waren, lief er in die entgegengesetzte Richtung. Zu spät bemerkte er, dass er so weiter in das Moor lief. Er hörte ein lautes Schmatzen und plötzlich steckte er bis zur Hüfte im Morast. Panisch wühlte er mit den Händen im Schlamm, aber es war hoffnungslos. Langsam schloss sich der Kreis der Lichter um ihn und er glaubte, ein leises, höhnisches Lachen zu hören. Sie kamen immer näher und das letzte was er hörte, bevor er das Bewusstsein verlor, war ein lauter Schrei.
Als er wieder zu sich kam, beugten sich besorgte Gesichter über ihn und er befand sich, in eine warme Decke gehüllt, vor einem warmen Kaminfeuer. „Mahal sei Dank! Du bist wach!" Dís hatte Tränen in den Augen. „Hier, trink das", forderte Thorin ihn auf und hielt Kili einen dampfenden Becher an die Lippen. „Du hast uns vielleicht einen Schrecken eingejagt!" Was hattest du um diese Uhrzeit noch im Wald zu suchen?!" „Wo ist Fili?", fragte Kili. „Ich bin hier, kleiner Bruder", kam es aus dem Sessel neben ihm. „Was hast du dir nur dabei gedacht? Wieso bist du überhaupt weggelaufen?" Ich… Deine Holzfiguren… Wie habt ihr mich gefunden?" Die Unterlippe des Zwerglings zitterte. „Kili! Das ist doch kein Grund wegzulaufen!" „Wir waren schon eine Weile auf der Suche nach dir. Als es dunkel wurde haben wir uns wirklich Sorgen gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass du alleine so weit in den Wald läufst!" „Ja, ich dachte immer, das Moor ist zu weit weg, um eine Gefahr für euch darzustellen", fügte Thorin hinzu. „Offensichtlich habe ich mich getäuscht." „Wir haben dich schreien gehört. Als wir dich sahen, warst du schon bis zur Brust im Morast versunken und ohnmächtig." „Ich habe geschrien?" „Ja. Du hast Irgendjemanden angeschrien, dass er dich in Ruhe lassen soll. Wer oder was war da?" Kilis Augen füllten sich wieder mit Tränen. „Ok, vergiss es. Ruh dich erst mal aus. Du kannst uns auch später noch von deinem Abenteuer berichten", warf sein großer Bruder ein. „Wir lassen dich mal in Ruhe" Dís schob Thorin zur Tür hinaus und warf Fili einen auffordernden Blick zu. „Einen Moment, ich komme gleich", versicherte ihr dieser. Als die zwei alleine in dem gemütlichen Raum waren, flüsterte Kili: „Und du bist wirklich nicht böse wegen der Figuren?" Die großen braunen Augen glänzten. „Kili, das einzige, was zählt ist, das du hier in Sicherheit bist. Bei mir!" Der Kleine lächelte erschöpft und schloss die Augen. Fili strich ihm liebevoll über die dunklen Locken. „Versprich mir, dass du mich nie verlässt, Kee!"
