Extra-Warnings: Noch mehr Angst als üblich


7. Im Schach


Als die drei angriffsbereiten Alphas durch die Türe traten, wünschte sich Nate für einen Moment fast, er hätte sich niemals an die wahre Welt erinnert und wäre immer noch der arme Narr, der sich die Lösungen für alle Probleme der Welt von Eobard Thawne versprach. Zumindest wüsste er dann nicht, dass der wunderschöne Alpha, der bedrohlich auf ihn zukam und ihn anknurrte, die Frau war, die er liebte.

Nate vertraute darauf, dass Mick sich um die Anführerin kümmern würde, und Sara näherte sich gerade Ray (Ray, der immer noch nichts von der wahren Welt wusste), also blieb ihm keine andere Wahl als sich mit Amaya auseinander zu setzen. „Du glaubst mir das jetzt sicher nicht, aber in der echten Welt hatten wir beide Sex – mehrmals, und dir hat es immer gefallen!", erklärte Nate Amaya. Diese schenkte ihm nur einen ungläubigen Blick anstatt zu antworten.

„Es ist wahr!", beteuerte Nate, „Bitte tu mir nichts!" Er versuchte zu Stahl zu werden, doch nichts geschah. Wieder einmal. Und dann fiel ihm gerade noch rechtzeitig ein, dass er seine Kräfte in dieser verkehrten Realität natürlich nicht besaß.

„Ergib dich, dann bin ich vielleicht bereit dich zu verschonen!", sagte Amaya mit drohendem Unterton und warf Nate einen Blick zu, der deutlich machte, dass sie absoluten Gehorsam von ihm erwartete. Das, gekoppelt mit ihrem Outfit, verleiht unserer Beziehung eine neue Wendung, die ich so nicht habe kommen sehen, gestand er sich ein.

Er öffnete den Mund um erneut zu verhandeln, doch in diesem Moment rief Ray: „Deckung!", und Nate sah etwas durch die Luft fliegen, das verdächtig nach einer Granate aussah.

„Granate!", rief Sara erschrocken aus, und Nate ging automatisch in die Knie, doch Ray zerrte ihn wieder hoch und dann explodierte die Wand neben ihnen.

Nate erinnerte sich an Micks Hinweis und sah die Realitätspistole am Boden liegen, schnell griff er sie sich, doch dann wurde er fast von den Füßen geschleudert, als er von Mick am Arm gepackt und mit durch das in der Wand entstandene Loch gezerrt wurde. Dann wurden er und Ray unsanft auf die Rückbank ihres Fluchtwagens befördert, und dann raste dieser auch schon los.

„Was bitte war das?", wunderte sich Nate.

„Das hier!", meinte Ray triumphierend und hielt Nate einen granatenähnlichen Gegenstand unter die Nase, „Ich habe damit ein Loch in die Wand gesprengt. Die erste Regel, wenn man vor Alphas fliehen will, lautet: Tu immer das, womit sie nicht rechnen!"

„Gut zu wissen", meinte Nate trocken und versuchte sich nicht von der Tatsache beunruhigen zu lassen, dass Ray offenbar einfach so selbstgebaute Granaten bei sich in der Wohnung herumliegen gehabt hatte. Ja, die echte Welt war mir eindeutig lieber!

„Was jetzt?", wandte er sich an Mick.

„Jetzt geben wir Gas und hoffen, dass sie lange brauchen um uns einzuholen", meinte Mick nur, „Mit Sara und Amaya ist in dieser Welt nicht gut Kirschen essen."

„Was soll das überhaupt?", beschwerte sich Nate, „Wenn du schon die Realität umschreiben musstet, hättest du dann nicht wenigstens dafür sorgen können, dass es uns allen gut geht?! Oder wolltest du uns für Irgendwas bestrafen?!"

„Du bist kein Bluter mehr, oder?!", gab Mick gereizt zurück, „Und Sara hat ihre Schwester zurückbekommen, und der Professor durfte seine Tochter behalten, und Jax hat sich nie sein Knie verletzt, und Schmalzlockes Verlobte ist nie gestorben."

„Ich hatte nie eine Verlobte", mischte sich Ray ein.

„Ja, genau, und wie sind Sara und Amaya zu Vollstreckerinnen geworden, die uns töten wollen?!", wollte Nate wissen.

„Ich habe es versucht, okay. Aber es war schwer genug euch am Leben zu halten, sie wollten die Möglichkeit haben euch im Auge zu behalten, zumindest die meisten von euch. … Es war offenbar ein Fehler kein Auge auf dich zu haben", erklärte Mick.

Nate wusste nicht, ob er sich jetzt geschmeichelt fühlen sollte oder nicht. Vermutlich eher nicht, denn offenbar hatte die Legion der Verdammnis ihn nicht für wichtig genug genommen um ihn zu einem ihrer Haustiere zu machen. Und dann hatten sie ihn trotzdem töten wollen. Zumindest das hatte Mick nicht zugelassen. Trotzdem war Nate immer noch sauer auf ihn. Er hatte sie alle verraten und zugelassen, dass die Welt in diesem Alptraum umgewandelt worden war.

„Was ist unser nächster Schritt? Außer nicht getötet zu werden, meine ich", fragte er dann.

Mick grunzte. „Wir vereinen das Team wieder. Da es schwer sein dürfte an die anderen ran zu kommen, und wir brauchen jemanden, der strategisch denken kann, schlage ich vor, dass wir den Engländer dazu holen", meinte er, „Wenn wir uns beeilen, sind wir bei ihm, bevor die mitkriegen, was wir vorhaben."

„Weißt du denn, wo Rip ist?", erkundigte sich Nate.

Mick nickte. „Er ist jetzt Malcolm Merlyns Omega oder so etwas ähnliches", informierte er Nate, „Wir müssen nur noch in das Merlyn-Herrenhaus in Keystone City einbrechen, wo er gefangen gehalten wird."

„Oh, ja, nichts einfacher als das", murmelte Nate wenig begeistert. Das Ganze wurde ja immer besser. Er warf einen Seitenblick auf Ray und zuckte im nächsten Moment erschrocken zusammen, als dieser unversehens von der Rückbank aufsprang und Micks Hals packte und den Alpha mit etwas kleinem spitzen bedrohte. Mick war noch erschrockener als Nate wie es schien, da er das Steuer verriss und das Auto in den nächsten Straßengraben steuerte.

„Ray?!", empörte sich Nate, aber der andere Omega beachtete ihn gar nicht.

„Ich steige hier aus!", verkündete er, „Du hast gesagt, dass ich nein sagen kann, und hiermit sage ich nein. Ich will mit all eurem Gerede von anderen Realitäten nichts zu tun haben. Ich musste euretwegen gerade mein Zimmer sprengen und werde von mörderischen Alphas verfolgt! Ich will das alles nicht! Ich will einfach nach Hause! Da kann ich aber nicht mehr hin – euretwegen! Also werde ich einfach zu Sydney gehen und ihn anbetteln mich zu verstecken! Vielleicht tut er das ja auch."

„Schmalzlocke…", begann Mick, doch Ray packte ihn fester am Hals, woraufhin der Alpha meinte, „Okay, du darfst aussteigen, keiner zwingt dich zu irgendwas. Lass mich nur los, ja? Dann können wir über alles reden…"

Ray ließ von Micks Hals ab, trat die Auto-Türe auf seiner Seite auf, und sprang dann aus dem Wagen hinaus auf die Straße.

„Worauf wartest du? Beschieß ihn mit dem Ding!", herrschte Mick Nate an und stieg ebenfalls aus.

Nate war einen Moment lang verwirrt, bis ihm einfiel, dass Mick die Realitätspistole meinte, die er eingesteckt hatte, und ebenfalls ausstieg und in Rays Richtung rannte. Dieser war einige Meter vom Auto entfernt stehen geblieben, dort in sich zusammengesunken und zitterte am ganzen Körper. Er stand offensichtlich unter Schock, was Nate eigentlich überhaupt nicht wunderte. Es war nur zu verständlich.

„Du kannst jetzt nicht gehen, Ray, die werden dich finden und töten!", erklärte Mick, der beim Auto stehen geblieben war, „Die wissen mehr über dich als du selbst! Du kannst dich nicht vor ihnen verstecken!"

Nate warf einen wütenden Blick in Micks Richtung. Damit half er nicht, sondern machte alles nur noch schlimmer. „Ich will aber nicht mit euch gehen!", schleuderte Ray ihnen wütend entgegen, während er sich langsam wieder aufrichtete und nach Atem zu ringen schien. Mick deutete Nate zu ihm zu gehen, was dieser auch langsam und wachsam tat. Wenn Ray wieder in Panik geraten würde, dann würde er vielleicht wieder versuchen zu fliehen.

„Ray, du glaubst mir das jetzt vielleicht nicht, aber du bist mein bester Freund", erklärte Nate, „Und Mick hat recht. Es ist zu gefährlich für dich alleine unterwegs zu sein. Wir machen uns einfach Sorgen um dich, verstehst du? Das ist alles unsere Schuld, damit hast du recht, aber wir haben dich da nicht mit rein gezogen um dich zu quälen, sondern deswegen, weil du uns am Herzen liegst."

Inzwischen hatte er Ray fast erreicht, und der andere Omega sah nun mit rot umrandeten Augen zu ihm auf, und es war offensichtlich, dass er geweint hatte. Nate kam sich wie der furchtbarste Mensch auf dieser Welt überhaupt vor, als er als Antwort auf diesen Blick die Waffe hob und Ray mitten ins Gesicht schoss.

Ray taumelte zurück und umfasste seinen Kopf mit seinen Händen, und plötzlich war Mick da und umarmte seinen Omega beruhigend. „Ruhig, ganz ruhig. Jetzt ist alles gut", behauptete der Alpha.

„Ray?", fragte Nate vorsichtig.

Die Gestalt in Micks Armen zuckte ein wenig vor sich hin, und dann stieß sie Mick mit erstaunlicher Kraft von sich und schrie ihn an: „Wie konntest du … wie konntest du das zulassen?! Nach allem was auf Maaldoria passiert ist?! Wie konntest du… Thawne?!"

Mick machte eine beruhigende Geste, aber die schien Ray nur noch mehr aufzuregen. „Und dann, immer wieder, und nie hast du etwas gesagt!" Er schüttelte sich und warf Mick einen erstaunlich Ray-untypischen Blick zu, in dem reine Wut lag, bevor er ausholte und Mick einen Faustschlag ins Gesicht versetzte. Mick hatte diesen Schlag kommen sehen müssen, aber er hatte keinen Anstalten gemacht auszuweichen.

Rays Wut schien nun verraucht, und er begann offen zu weinen. Nate fühlte sich unglaublich hilflos, weil er nicht wusste, was er tun sollte. Und Mick hatte Ray wieder in die Arme genommen, was dieser sogar zuließ, und flüsterte ihm irgendwelche Dinge ins Ohr.

„Leute, wir verlieren wertvolle Zeit", meinte Nate schließlich, „Du … du kommst doch jetzt mit uns mit, oder etwas nicht, Ray?"

„Natürlich komme ich mit", schniefte Ray in Micks Armen, „Lasst uns gehen…" Er befreite sich aus Micks Umarmung und ging zurück zum Auto. Nate sah ihm kurz hinterher und warf dann einen prüfenden Blick auf Nate, der neben ihm stand und Ray ebenfalls hinterher sah.

„Ich bin noch zu wütend auf dich um ein gutes Wort für dich einzulegen", meinte er ungerührt.

„Ist nur fair", erwiderte Mick, „Hab ein Auge auf ihn ja? Er hatte kein leichtes Leben hier in dieser Welt."

Nate beschloss lieber nicht nachzufragen. Sie hatten schon genug andere Probleme. „Okay, dann lass uns Rip retten. Hast du schon irgendeine Idee, wie wir das anstellen sollen?", erkundigte er sich stattdessen nur.


Ich hätte Mick nicht schlagen sollen. Das ist alles nicht seine Schuld, dachte Ray bei sich, als das Auto weiter in Richtung Keystone City fuhr. Er war gegen Gewalt in Beziehungen, und ob der Alpha nun seinen Omega schlug oder umgekehrt, machte für ihn nicht viel Unterschied.

Ich hätte das wirklich nicht tun sollen. Aber Mick, ausgerechnet Mick, hatte zugelassen, dass sie ihm das antaten. Mick, der ihn besser kannte als jeder andere, Mick der wissen sollte, dass ihn das alles schrecklich verletzen würde. Zumindest hätte Ray das zuvor gedacht.

Aber, er wusste nicht alles, oder? Und als er es erfahren hat, hat er angeboten Thawne für dich zusammen zu schlagen, oder? Und er hat dir gesagt, dass du ein Genie bist, als du dich noch für dumm gehalten hast. Ray seufzte und nahm die dumme StarLabs-Kappe ab, die er verkehrt herum auf seinen Kopf getragen hatte, als hätte er Grund dazu gehabt stolz auf sie zu sein. Nachdenklich betrachtete er die Kappe. Ich will da nie wieder hin. Aber der Professor und Jax arbeiteten dort, also mussten sie wahrscheinlich zurück dorthin um die beiden zu holen.

„Es tut mir leid, Mick", murmelte er.

„Dir muss nichts leidtun", ließ sich Mick von Vorne vernehmen.

„Hast du eine Ahnung, wie viele Toiletten ich putzen musste?!", fragte Ray vorwurfsvoll.

Mick erwiderte nichts, vermutlich hatte er Angst Ray sonst wieder nur aufzuregen.

„Hey, Kumpel, jetzt sei mal nicht so. Mick wollte nicht, dass du das alles tun musst", mischte sich Nate ein, der seine Hand auf Rays Knie gelegt hatte und ihn ab und zu beruhigend streichelte, „Ich meine, es ist nicht seine Schuld, dass er ein Idiot ist. Die haben ihn übers Ohr gehauen."

„Sagt der Mann, der ihn Hurensohn genannt hat und versucht hat ihm das Kiefer zu brechen", erinnerte Ray seinen Freund nur ungerührt.

„Ja, schon, aber da war ich wirklich wütend. Ich hatte seit dem Zeit nachzudenken, und ich finde, jeder kann mal einen Fehler machen. Hast du noch nie einen Fehler gemacht?", fuhr Nate fort den Alpha zu verteidigen.

Ray seufzte nur anstatt zu antworten. „Amaya sah gut aus", ließ sich Nate dann vernehmen, „Aber sie schien es abwegig zu finden, dass wir Sex hatten. Ich hoffe, das liegt nur an meinem Haarschnitt."

Ray musterte Nates Frisur. „Was soll das überhaupt darstellen?", wollte er dann wissen.

„Mein Friseur meinte, das sei gerade sehr modisch und alle männlichen Omegas würden ihre Haare gerade so tragen", informierte ihn Nate spitz.

„Der hat dich angelogen", ließ sich Mick vom Fahrersitz vernehmen.

Nate seufzte. „Ja, ich schätze das hat er", gestand er ein.

Ray hätte fast gelächelt, aber nur fast. Der Schmerz war einfach noch zu frisch. „Weißt du, ich dachte, dir liegt mehr an mir", sagte er, „Das war offensichtlich ein Irrtum, aber…"

„Mir liegt mehr an dir!", zischte Mick, „Ich wollte, dass du glücklich leben kannst, ohne mich! Ich wollte, dass du deine Verlobte oder Green Arrow oder sonst wen haben kannst und mit dieser Person glücklich wirst. Mit einer Person, die dir geben kann, was du brauchst! Mit jemanden, der dich verdient hat! Ich dachte nicht, dass Thawne … Zuerst wusste ich nur, dass du bei StarLabs arbeitest und dachte das ist gut so. Wo sonst solltest du arbeiten? Ich wusste nicht, dass du Hausmeister bist. Und von allem anderen, wusste ich auch nichts. Und dann war es zu spät. Thawne hat den Speer, hat die Gebrauchsanleitung vernichtet, und sie als Einziger noch im Kopf, und weigert sich den Speer noch mal einzusetzen. Und Leonard hat gesagt, dass ich mich nicht mit ihm anlegen soll."

Ray lehnte sich bedrückt zurück. „Leonard hat das gesagt, ja?", meinte er nur bitter. Nun, offensichtlich hatte er von Anfang an recht gehabt, Mick würde immer Leonard Snart wählen, wenn er die Wahl zwischen ihnen beiden hatte. Das war nicht überraschend, tat aber verdammt weh.

Du hast mir gesagt, ich soll mich nicht Thawne anlegen!", erinnerte Mick ihn.

„Ich war nicht bei klarem Verstand! Das ist dir vielleicht entgangen, vielleicht dachtest du ja, jemand der sich selbst für dumm hält, und in seiner Arbeit wohnt, und dessen Leben aus nichts anderem als Computerspielen, Sex und heimlichen Basteleien besteht, würde ein normales Leben führen!", erinnerte ihn Ray wütend.

„Normalität wird überschätzt. Doomworld-Ray Palmer war okay. Er war wie du, nur netter", meinte Mick leise.

Was bitte ist Doomworld? Ist das wieder auf Nates Mist gewachsen? „Doomworld-Ray Palmer hat dein Leben bedroht, nur um aus diesen Auto aussteigen zu können!", schleuderte ihm Ray entgegen.

„Das war nicht seine Schuld!", verteidigte Mick den anderen Ray.

„Ach, dann ist es dir also doch aufgefallen?!", ätzte Ray, der nun begann eine irrationale Eifersucht auf sich selber zu verspüren. Es war von Anfang an ein Fehler mich auf Mick einzulassen! Was habe ich mir nur dabei gedacht? Der Kerl treibt mich noch in den Wahnsinn!

„Natürlich ist es mir aufgefallen!", bellte Mick, „Und ich wollte Thawne umbringen, weil er dir das angetan hat und dich danach trotzdem ausgenutzt hat!"

Ray ersparte sich eine Antwort. Es war wohl nicht viel Arbeit gewesen. Schon als Kind war Ray klar gewesen, dass er Glück gehabt hatte, dass er nicht auf dem Spektrum gelandet war, oder zumindest nicht eindeutig genug um diagnostiziert zu werden. Doomworld-Ray war es aber anders ergangen, und sein Zustand war unerkannt geblieben und von Thawne dazu ausgenutzt worden um ihm das Gefühl zu vermitteln dumm zu sein. Und weil Thawne allen anderen befohlen hatte ihn anzulügen, hatte er das irgendwann geglaubt, weil er nicht erkannt hatte, wann er angelogen wurde. Ray seufzte tief und schloss seine Augen. Er wünschte sich nur alles, was passiert war, wäre ein Traum gewesen, dass er einfach seine Augen öffnen würde und neben Anna im Bett aufwachen würde.

Ist es wirklich schon so weit gekommen? Will ich Atom, Felictiy, Oliver und all meine Abenteuer auf der Waverider vergessen? Wünsche ich mir Kendra niemals begegnet zu sein? Barry nicht zu kennen, nie mit Cisco gelacht zu haben? Will ich lieber ohne Sara, Nate, Amaya, Jax, Rip und Martin sein als Leonard zu verlieren? Hat Mick mir so sehr weh getan, dass ich mir wünsche, er wäre nie in mein Leben getreten?

Nein, er war nur müde. Er liebte sein Rudel, und er brauchte es. Er liebte Mick und brauchte ihn. Nur im Moment war ihm alles irgendwie zu viel. Diese zwei widersprüchlichen Leben in seinem Kopf waren zu viel für ihn.

„Hey, hey, Ray, alles in Ordnung, Mann?" Er öffnete seine Augen wieder und sah in Nates besorgtes Gesicht. Und zwang sich zu einem Lächeln. „Ja, es geht schon wieder. Mach dir keine Sorgen", behauptete er, „Hört mal, wenn wir angekommen sind, dann will ich das Hoverboard nehmen und Rip retten."

„Auf keinen Fall", meinte Mick vom Fahrersitz aus kategorisch, „Du bist nicht in der Verfassung dazu."

„Aber es macht Sinn. Angenommen sie haben auch Rip ein neues Leben gegeben: er wird kaum mit einem fremden Alpha mitgehen, nicht freiwillig. Und mich kennt er länger als Nate, vielleicht erinnert er sich unterbewusst an mich", argumentierte Ray, „Wir waren uns zuletzt recht nahe."

„Der Schönling wird es machen", verkündete Mick fest.

„Aber es ist meine Erfindung. Mein Hoverboard", beharrte Ray, „Wenn es jemand ausprobieren sollte, dann ich!"

„Du wirst der Fluchtwagen-Fahrer sein", sagte Mick nur.

Ray knirschte mit den Zähnen. Und beschloss dann dreckig zu spielen. „Das bist du mir schuldig. Du bist es mir schuldig, Mick", knurrte er. Micks Blick fand seinen via Rückspiegel. Ray starrte ihm fest in die Augen. Mick wandte den Blick ab und meinte dann: „Von mir aus, aber denk daran, dass es deine Idee war, und ich dagegen war."

Ray lächelte schwach. „Keine Sorge, ich kann das. Ich habe euch gesagt, dass es mir besser geht. Ich bin vielleicht noch wütend auf dich, aber ich bin schon wieder fast ich", log er. Er konnte Micks Blick durch den Rückspiegel spüren, aber diesmal erwiderte er ihn nicht. Er hatte bekommen, was er wollte. Zumindest vorerst.

Und er wollte Rip retten. Ray musste einfach etwas tun um sich wieder wie er selber zu fühlen. Um sich wieder wie Ray Palmer zu fühlen. Seinen Atom-Anzug hatte er in dieser Welt nicht, aber er hatte sein selbstgebautes Hoverboard und seine Willenskraft. Das musste ausreichen.

Wenn es ihm gelingen würde Rip da raus zu holen, würde er sich vielleicht wieder wie ein Held fühlen, und dann würde er vielleicht endlich damit aufhören sich wie ein Opfer zu fühlen, sich wie ein Omega-Sklave oder ein Doomworld-Ray Palmer zu fühlen.

Einige Zeit später als der Hoverboard mit ihm und Rip darauf auf den Rasen von Malcolm Merlyns Herrenhaus abstürzte, fragte er sich, wie er jemals so naiv und dumm hatte sein können. Die Killer-Alphas kamen auf sie zu um sie zu töten, und Sara sah richtig wütend aus, und Ray wurde klar, dass es wohl noch eine Weile länger dauern würde, bis er sich nicht mehr wie ein Opfer fühlen würde. Vermutlich bis in die nächste Welt.


A/N: Reviews?