7. Unheimliche SMS's

Poppy suchte wie besessen nach einer neuen Videocassette. Sie musste dringend mit Albus sprechen. Es gab einfach zu viele Arztserien, die sie aufnehmen musste, weil sie während der Sendezeit Dienst hatte. Entweder musste sie bald kürzertreten, oder der Direktor erlaubte ihr die Anschaffung eines DVD-Recorders, am besten natürlich mit Festplatte und ordentlich Gigabyte.

Aufatmend programmierte sie den Videorecorder, was dank Showview nicht ganz so kompliziert war.

Dann verließ sie ihre Räume und eilte zum Krankenflügel. Sie kam eine Viertelstunde zu spät, was nicht weiter tragisch war, da die Stempeluhr erst nächsten Monat in Betrieb genommen wurde, außerdem warteten bislang nur drei Schüler auf sie, aber eben kein Lehrer, so dass sie wohl auch niemand verpetzen würde.

"Was haben wir denn hier?" fragte sie einen Jungen der humpelte.

"Ich bin in eine Trickstufe geraten. Habe mir das Bein verrenkt als ich einbrach."

"Das ist wundervoll. Dann ab zum Röntgen", entschied Poppy gut gelaunt. Dann sah sie zu einem Mädchen, das sich den Unterleib hielt.

"Ich habe Schmerzen."

"Hast du deine Periode?"

"Nein - hätte ich eigentlich gestern oder so bekommen müssen."

"Oh - na wer weiß...dann machen wir gleich mal einen Ultraschall und einen Schwangerschaftstest." "Aber ich hab doch gar nicht..." sagte das Mädchen noch, wurde von Poppy aber schon in Kabine Zwei geschoben.

"Und was ist mit dir, Harry?"

"Ich kann meine Finger kaum noch bewegen. Es tut höllisch weh."

Potter demonstrierte seine Beschwerden, indem er die Finger krümmte und dabei das Gesicht verzog.

Madam Pomfrey sah kurz darauf, dann sagte sie: "Gameboyverbot für mindestens drei Tage. Mach dass du rauskommst!"

"Aber..." versuchte es Harry.

Die Krankenschwester machte: "Schschsch", als wolle sie eine lästige Katze verscheuchen.

"Wollen Sie mich nicht wenigsten röntgen?"

Pomfrey wies zur Tür: "Jetzt habe ich schon einen den ich röntgen kann. Das nächste mal musst du schon früher kommen. Geh jetzt...ich hab zu tun."

Harry verließ den Krankenflügel und bog um die Ecke, als er Hermine mit einem Stapel Bücher zur Bibliothek gehen sah. Er folgte ihr kurzerhand.

Als sie den Raum betraten, stand eine endlose Schlange von Schülern vor Madam Pince Schreibtisch. Der Stuhl war leer und von der Bibliothekarin keine Spur zu sehen.

Hermine sprach den ersten in der Schlange an: "Wo ist denn Madam Pince?"

"Keine Ahnung", erwiderte der Junge gähnend. Er schwankte leicht hin und her, als könne er sich kaum noch auf den Beinen halten, dann erklärte er: "Ich stehe hier schon seit zwei Tagen. Sie scheint einfach verschwunden zu sein - eben war sie noch da und wollte dafür sorgen, dass die Bibliothek auch Mangas führt, und dann verschwand sie einfach so. Aber ich gehe nicht eher, bevor ich nicht einen dieser eingeschweißten Love-Story-Mangas habe."

"Hoffentlich bestellt sie auch genug Shonen-Ai's", rief eine Erstklässlerin hinter ihm.

Hermine sah sie an und schüttelte den Kopf: "Was bitte ist so interessant daran, wenn es Männer miteinander treiben?"

Die Erstklässlerin sah sie an, als könne Hermine nicht bis drei zählen.

"Es ist geil", sagte sie dann.

"Ach so", erwiderte Hermine jetzt aufgeklärt, dann sah sie erneut zu Madam Pince's Pult.

"Sieht nicht so aus, als käme sie wieder."

Harry ergriff die Gelegenheit seiner Freundin ein Kompliment zu machen: "Sieh mal, das wäre doch ein guter Job für dich. Du könntest direkt mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Erstens bist du die größte Leseratte der Welt und hier ohnehin schon zu hause. Zweitens hat Madam Pince bevor sie ging - wohin auch immer sie ging - den Computer ruiniert, und du stehst doch eh viel mehr auf Karteikarten, und außerdem machst du doch gerade den Kurs: 'Wie werde ich möglichst schnell alt, um mit Snape vögeln zu können', und der Job hier macht dich auf einen Schlag um Jahre älter."

Hermine riss die Augen weit auf: "Woher weißt du das mit Snape?"

"Oh - so wirklich wissen weiß ich es erst jetzt, wo du es mir bestätigt hast. Vorher war es nur eine Vermutung, weil Ron so etwas davon erwähnte, dass Snape dir seine Nase zeigen wollte und du seit diesem Abend nur noch Bücher zum Thema: 'In 20 Tagen um 10 Jahre altern' liest"

"Er wollte mir nicht seine Nase zeigen - er hat Eis mit mir gegessen", stellte Hermine klar, "und außerdem - seit wann hörst du eigentlich Ron wieder zu?"

Harry holte jetzt stolz ein Diktiergerät aus der Tasche: "Ich habe jedes einzelne Wort von ihm aufgenommen. Er ist doch mein Freund - da höre ich ihm natürlich zu - allerdings bestimme ich gerne den Zeitpunkt."

Hermine sah kopfschüttelnd auf das Diktiergerät, während die wartende Schülerschlange im Hintergrund zeitgleich vom linken auf den rechten Fuß wechselte und in Ermangelung an sonstiger Unterhaltung gespannt dem Gespräch der beiden Neuankömmlinge lauschte.

"Was ist denn jetzt - willst du mit ihm vögeln?" erkundigte sich Harry erneut.

"Ja - äh Nein, Nein!"

"Ne, is klar", erwiderte Harry spöttisch.

"Nun ja - es ist sehr interessant wie er sein Eis isst", erwiderte Hermine mit geröteten Wangen.

Harry sah sie kritisch an.

"Das scheint er ja wirklich gut zu machen."

"Oh, er macht das einfach...himmlisch...so...sinnlich, fest und zärtlich zugleich. Er ergreift Besitz und verwöhnt es auf raue Art...er nimmt es ganz und gar und beherrscht es dominant und sehr zielstrebig."

"Klingt, als würde er Eis wirklich lecker finden", erwiderte Harry mit belegter Stimme.

Das Mädchen mit dem Wunsch nach Shonen-Ai-Mangas fragte aufgeregt: "Oh Harry, kannst du nicht auch mal Eis mit Snape essen?"

Harry schüttelte sich nun angeekelt.

"Nein - das fällt mir doch gar nicht ein - ich will nicht, dass mein Gegenüber mich damit durcheinanderbringt, dass er sein Eis dominant und zielstrebig auf raue Art verwöhnt. Ich brauche so etwas nicht - ich will doch nur, dass meine Hände wieder funktionieren, damit ich sie wieder benutzen kann."

Hermine sah ihn alarmiert an: "Harry - mach dich bitte nicht zum Gespött, indem du zugibst, dass du es dir am liebsten selbst machst."

Harry senkte einen Moment den Kopf und murmelte leise: "Denken hier eigentlich alle nur noch an Sex?", dann hob er den Kopf wieder und sagte laut in die Menge: "Ich möchte meine Hände wieder benutzen können, weil ich dann endlich wieder Gameboy spielen kann."

"Ja, klaro!" erwiderte das erste Mädchen in der Schlange spöttisch und machte eine unflätige Geste vor ihrem Körper. Einige weitere Schüler in der Warteschlange stimmten johlend ein. Harry schüttelte wutschnaubend den Kopf und bedachte sie mit einem noch wütenderen Blick. Warum zum Teufel machten seine Mitschüler ständig auf seine Kosten widerwärtige Scherze? Er kam zu dem Schluss, dass ihm dies alles egal sein konnte. Wenn er erst einmal berühmt war, dann würde man Bücher schreiben in denen er der Held war - auf denen sein Name prangen würde und niemand würde sich mehr lustig über ihn machen. Bis es soweit war musste er sich allerdings auf seine Nebenrolle in dieser Geschichte konzentrieren und so rückte er auch endlich mit dem nächsten Dialog heraus.

"Hermine du willst dir doch nicht etwa ein Buch ausleihen? Du kommst hier nie wieder raus wenn du das tust", ermahnte er sie.

Hermine sah kurz auf die endlose Schlange und sagte dann: "Nein, keine Sorge - ich werde das Buch einfach klauen."

"Das ist gut", murmelte Harry.

Hermine ging zur Verbotenen Abteilung und dann zielstrebig zum Regal: Illegale sexuelle Beziehungen.

"Gibt es dieses Regal eigentlich schon lange?" fragte Harry verwundert.

"Weiß nicht genau - aber diese Literatur ist sehr nützlich", sagte Hermine und zog eines der Bücher hervor.

Harry spähte auf den Titel: "Schüler und Lehrer - eine lehrreiche Beziehung."

"Hermine - das kann Ärger geben", mahnte Harry.

"Ich muss ja nur kurz was nachlesen - reg dich ab. Ich lass das Buch ja hier." Hermine überflog ein paar Seiten, dann bildete sich ein Lächeln um ihre Mundwinkel, das sofort wieder verschwand als sie Harrys ernstes Gesicht sah.

Sie stellte das Buch schnell zurück, ging dann einige Gänge weiter und überprüfte die Schrift über dem Regal: Wer will schon jung sein?

Hier griff sie nach einem Exemplar das in runzeliges Leder gebunden war. 'Dauerhaft schnelles Altern - so werden ihre Wünsche wahr.'

Hermine steckte das Buch unter ihren Umhang und sagte: "Gut - das ist das Buch das ich klauen wollte - jetzt können wir gehen."

Gemeinsam schoben sie sich an den anderen Schülern vorbei und verließen die Bibliothek.

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"Alle für mich?"

Fassungslos stand Minerva vor einem Berg aus Briefen.

Dumbledore lachte sie an.

"Ja - alle für dich! Meine Güte Minerva - wenn du die Männer alle ausprobierst, dann brauchst du deinen künstlichen Spielgefährten ein ganzes Jahr lang nicht zu konsultieren. Obwohl die sicher nicht alle ganz so überdurchschnittlich bestückt sind."

"Wie ist das denn eigentlich bei dir?" wagte Minerva in ihrer Euphorie den Vorstoß.

"Bei mir? Oh prächtig. Fast genau so riesig - jedenfalls wenn ich alle meine Briefe auf einen Haufen schmeiße. Aber ist natürlich kein Vergleich zu deinen Antwortschreiben, denn Frauen bekommen immer mehr Zuschriften."

Minerva entfuhr ein enttäuschtes Stöhnen.

"Oh, sieh mal der hier. Der arbeitet in einer Recyclingfabrik. Der ist ja fast so etwas wie ein Meister der Verwandlungen - aber sag mal, hast du auch Muggelantworten zugelassen?"

Minerva riss ihm den Brief aus der Hand: "Ja, habe ich. In dieser Geschichte sind Muggel schon viel zu viel diskriminiert worden."

Der Direktor schmollte jetzt: "Ich habe nichts gegen nicht-magische-Menschen."

"Ja, außer dass sie nicht zaubern können", sagte Minerva ironisch.

"Das ist schon ein ziemlicher Makel", gab Dumbledore zu.

Minerva war inzwischen in das Bild des Fabrikarbeiters vertieft.

"Kein magisch-bewegliches Bild", stellte Dumbledore trocken fest.

"Nein, aber ich brauche auch keine Fotos, auf denen mir die Männer ihren Po hinstrecken."

Dumbledore zog jetzt eine Augenbraue hoch. "Wie kommt es eigentlich, dass so viele Videocassetten beiliegen? Du hast die Anzeige nach unserem ersten Entwurf ja ganz schön verändert - verrätst du mir was das zu bedeuten hat?"

Minerva druckste nun herum, doch sie sah ein, dass sie Dumbledore nicht belügen konnte.

"Hm...nun ja, ich habe Muggel zugelassen, dort jedoch ausdrücklich um ein Videotape gebeten."

"Ah ja - soviel zum Thema den Po hinstrecken. Minerva, dir reichen nicht mal Fotos - du willst es ganz genau wissen, oder? Nach was wählst du denn jetzt die möglichen Kandidaten aus? Nach der Größe ihres..."

"ALBUS! Ich muss doch sehr bitten!"

"Ich weiß nicht - hast du sie um diese Angabe gebeten?" fragte er mit hochgezogener Augenbraue.

"Nein! Das hab ich nicht! So etwas fragt frau schließlich nicht!"

"Warum nicht?" meinte Dumbledore aufgeschlossen, "wenn es doch ein wichtiges Auswahlkriterium für dich ist - also meiner ist im Gegensatz zu deinem Dildo eher klein - aber etwas dicker würde ich sagen - über so etwas kann man doch sprechen, Minerva. Wir sind ja schließlich moderne und aufgeschlossene Leute."

McGonagall starrte ihn an, dann sagte sie mit krächzender Stimme: "Und das erzählst du mir so einfach - das vertraust du mir an, Albus?" Minervas Augen wurden feucht vor Rührung.

"Natürlich - warum denn nicht? Ich würde das jeder Frau erzählen, deren Interessen so gelagert sind. Wenn du Fußfetischistin wärst, dann würde ich dir ja auch erzählen, dass ich überaus große Füße habe, obwohl die Zehen etwas schief sind und ich auch zwei Hühneraugen habe, die ich einfach nicht weggezaubert bekomme - da fällt mir ein, ich wollte Severus ja noch nach einer Tinktur fragen. Also, Minerva - viel Spaß mit deinen Briefen. Bis bald."

Damit verabschiedete er sich fröhlich und bemerkte nicht, dass Minerva ihm nachschaute und leise seufzte.

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"Sicherheitshinweis: Bitte lassen Sie Ihre Zauberstäbe nicht unbeaufsichtigt. Bei Verlust begeben Sie sich bitte zu einem der Nottelefone und erstatten Sie Anzeige."

Ginny Weasley zuckte zusammen und tastete automatisch nach ihrer Umhangtasche. Der Zauberstab war noch da. Alles in Ordnung. Doch diese ständigen Durchsagen machten Sie jedesmal nervös.

Es war fast so, als würde erst diese Warnung potentielle Zauberstabdiebe auf den Gedanken bringen fremde Zauberutensilien zu entwenden.

Ginny strich ihr rotes Haar zurück und versuchte sich zu entspannen.

Das war nicht so leicht, denn seit dem frühen Morgen schon fühlte sie sich verfolgt.

Und tatsächlich meldete ihr Handy auch sofort eine neue SMS. "Ich bin verrückt nach dir. Komm bitte in den dritten Stock - ich warte unter dem Kunstdruck von Escher auf dich."

Ginny sah sich sofort um. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass sie beobachtet wurde. Entschieden drehte sie sich auf dem Absatz um und wich so weit von den Treppen fort, wie es nur möglich war. Sie würde alles tun, nur nicht in den dritten Stock gehen.

Sofort traf wieder eine SMS ein.

"Warum gehst du weg? Du brauchst keine Angst zu haben. Bitte!"

Ginny blieb wie angewurzelt stehen.

Panisch sah sie sich um.

Niemand war zu sehen.

Zögerlich ging sie zur Treppe.

Wieder verkündete der Piepton, dass eine Botschaft eingegangen sei.

"Ja - so ist es gut - weiter!"

"Verdammt, was ist das? Kannst du mich sehen, oder was? Wo bist du?" kreischte sie beinahe.

"Gibt es ein Problem, Miss Weasley?" ertönte die dunkle Stimme von Snape.

"Ich...waren Sie das etwa?"

Snape sah an sich herunter.

"Ja - ich bin es."

"Nein - ob Sie es waren?"

"Nein - ich war es nicht - ich bin es noch immer!"

"Verzeihung?"

Snape rieb sich die Stirn.

"Was wollen Sie jetzt eigentlich wissen, Miss Weasley?"

Ginny griff sich ebenfalls an die Stirn, ihre Hand verharrte einen Moment dort, dann fragte sie: "Haben Sie mir SMS's geschickt?"

"Ich? Nein! Warum sollte ich das tun?"

"Weil Sie Leuten gerne Angst einjagen?"

Snape wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als Ginnys Handy erneut piepste. Mit zitternden Händen nahm sie es aus der Tasche und las die Nachricht: "Hör endlich auf mit Snape zu labern und komm her!"

Ginny starrte darauf und gab ein erschrecktes Quietschen von sich, worauf Snape ihr das Handy aus der Hand riss und die Botschaft las.

"Was zum...?" Er sah Ginny in die Augen. "Da ist schwarze Magie am Werke. Irgendetwas Dunkles geht hier vor. Etwas nicht erlaubtes. Ich muss Sie durchsuchen."

Ginny wich zurück als er seine Hände nach ihr ausstreckte.

"Nein!" sagte sie empört.

"Ich muss das tun!" sagte er bestimmt.

Gerade als seine Hände über sie glitten kam Hermine um die Ecke.

Sie blieb wie angewurzelt stehen.

"Aber...das geht doch nicht - Ginny ist doch noch jünger als ich. Haben Sie denn gar keinen Anstand?"

Snape hielt irritiert inne und bemerkte dann erst, dass Ginny sich ziemlich heftig gegen ihn wehrte. Abgelenkt wie er war, bemerkte er ihr ausholendes Knie nicht, das sich nur eine Sekunde später in seine Hoden rammte.

"Aargh!" er brach wimmernd zusammen.

"Ginny - du hast gerade einem Lehrer in die Eier getreten - spinnst du?" erkundigte sich Hermine nur der Form halber.

"Der hat mich angetatscht!" gab Ginny achselzuckend zurück.

"Wollte er mit dir Eis essen?" fragte Hermine mit schwankender Stimme.

Snape röchelte etwas, das man jedoch nicht verstehen konnte, weil er die Zähne gleichzeitig zusammenbiss.

Erneut das Signal des Handys: "Gut gemacht, hat der Drecksack verdient - jetzt quatsch nicht auch noch mit Hermine, sondern komm endlich!"

"Oh Mann, wer ist das nur? Und woher weiß der was ich gerade mache?"

Während Snape langsam wieder atmen konnte, erzählte Ginny Hermine von den seltsamen Botschaften.

"Hm...das hört sich aber wirklich merkwürdig an. Vielleicht hat Sev...äh Snape ja recht."

Der Zaubertrankmeister konnte nun endlich wieder aufrecht stehen und wich einen Schritt vor Ginny zurück, was die mit einem lapidaren: "Buh!" quittierte.

"Miss Weasley - für Ihr Verhalten werden Ihrem Hause sämtliche Punkte abgezogen, plus die, die im Laufe der nächsten Woche erworben werden. Und wenn sich ein dauerhafter Schaden bei mir einstellen sollte, dann können Sie damit rechnen, dass ich Sie verklagen werde - Sie mieses kleines Biest!"

Ginny war irritiert, weil auch Hermine sie nun reichlich hasserfüllt ansah.

Dann stutzte sie plötzlich und sagte: "Hermine, du hast ja ganz viele Krähenfüße um die Augen. Und wenn mich nicht alles täuscht, dann hast du auch eine graue Haarsträhne. Wie kommt das?"

Hermine nuschelte eine schnelle Erwiderung.

"Wie bitte?" hakte Ginny nach.

"Ich habe einen Alterungszauber über mich gesprochen", erklärte Hermine noch einmal langsamer.

"Aber warum?" fragte Ginny entsetzt.

"Ja, warum?" echote jetzt auch Snape.

Hermine sah ihren Lehrer kurz an, und sagte dann: "Weil ich denke, dass es sich lohnen könnte - jedenfalls hoffe ich, dass dem noch so ist", damit sah sie auf Snapes lädierten Unterleib.

Dieser rückte - in für Männer typischer Manier - seine Geschlechtsteile zurecht und grinste dann auf für ihn sehr untypische Weise.

Ginny sah zwischen den beiden hin und her und wollte gerade entsetzt etwas erwidern, als abermals eine SMS eintraf.

"Snape und Hermine? Frag die mal, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben."

Ginny warf das Handy zu Boden: "So, jetzt reicht's!" schrie sie wütend.

"Sicherheitshinweis: Bitte lassen Sie Ihre Zauberstäbe nicht unbeaufsichtigt. Bei Verlust begeben Sie sich bitte zu einem der Nottelefone und erstatten Sie Anzeige."

Snape legte jetzt die Stirn in Falten.

"Miss Weasley, war Ihr Zauberstab zu irgendeiner Zeit unbeaufsichtigt, oder gar verschwunden?"

Ginny zuckte kurz mit den Schultern.

"Naja, gestern Abend hab ich ihn verloren..."

"Warum haben Sie das nicht gemeldet?"

Ginny druckste jetzt herum: "Ich hab ihn ja nicht so verloren."

"Reden Sie endlich Klartext - ich kann mich ohnehin gerade schlecht konzentrieren", gab Snape unwirsch zurück und versuchte jetzt seine Erektion angenehmer zu verstauen, die seit Hermines Geständnis für ihn altern zu wollen, standhaft nach Aufmerksamkeit verlangte.

"Tja, ich hab ihn beim Pokern verloren", erklärte Ginny.

"Sie meinen beim Kartenspiel?" fragte Snape düster.

Ginny wurde nun zickig: "Natürlich - oder glauben Sie ich spreche von Würfelpoker?"

"Jetzt sagen Sie nur noch, Sie haben um Geld gespielt", sagte Snape drohend.

"Nein - haben wir nicht. Wir haben Strippoker gespielt - und da ich bereits alles ausgezogen hatte, aber wir irgendwie vergessen haben, dass ich eigentlich keinen Einsatz mehr hatte, habe ich meinen Zauberstab gesetzt."

"Mit WEM haben Sie gespielt Miss Weasley?"

"Sag ich nicht - Sie wollen ja eh nur Stress machen!"

"MIT WEM?"

"Ginny, sag es ihm", bat nun auch Hermine.

"Nein - und dir sag ich auch nichts mehr. Du willst Sex mit 'nem Lehrer - und Ihr regt euch auf, wenn ich ein bisschen Strippoker spiele - Ihr seid ja so was von scheinheilig!"

Snape atmete tief durch - all das Gerede über Sex und Strippen sorgte nicht gerade dafür, dass das Pochen in seinem Schritt verschwand.

"Miss Weasley", knirschte er hervor: "Geben Sie mir sofort Ihren Zauberstab!"

Ginny sah ihn kurz an und holte schließlich ihren Stab hervor. Während sie ihm den Stab reichte, sagte sie an Hermine gewandt: "Meine Güte - der Mann sieht aus wie ein tollwütiger, räudiger, angeschossener Wolf. Und mit dem willst du wirklich Sex haben, Hermine?"

Snape riss ihr unwirsch den Stab aus der Hand, während Hermine stammelte: "Warum muss da eigentlich ständig drauf rumgeritten werden? Wenn es erst mal so weit ist, dann ist es doch keine Überraschung mehr...und romantisch auch nicht."

"Klappe Granger!" herrschte Snape sie an, worauf Ginny vieldeutig zu verstehen gab was sie von dem Traum der schlaflosen Nächte ihrer Freundin hielt, indem sie sich einen Finger theatralisch in den Rachen steckte.

Hermine verdrehte die Augen und keifte dann ihrerseits an Snape gewandt zurück: "Ist ja schon gut - SCHATZ!"

Snape ignorierte dies völlig und nahm den Zauberstab genau in Augenschein. Wenige Augenblicke später hob er sein Knie und brach ihn kurzerhand darüber entzwei.

Ginny entfuhr ein spitzer Schrei.

Snape reicht ihr die beiden Teile zurück.

"Tja Miss Weasley, Ihr Zauberstab war verwanzt. Und jetzt werden wir herausfinden wer das getan hat und denjenigen zur Rechenschaft ziehen."

Ginny sah erschüttert auf die beiden wertlosen Teile ihres einst so mächtigen Zaubererutensils.

"Hätten wir die Wanze nicht einfach entfernen können?" fragte sie erschüttert.

Zur Antwort lächelte Snape nur bösartig.

"Hermine, ich kann wirklich nicht verstehen, wie du mit so einem..."

"Sei jetzt still, Ginny!" fauchte Hermine.

"WER?" fragte Snape erneut.

"Wer was?"

Snape stöhnte laut auf: "Wer hat Ihren Zauberstab gewonnen? Und warum haben Sie ihn wieder?"

Ginny schien jetzt ohnehin alles egal zu sein, wo ihr heißgeliebter Zauberstab das Zeitliche gesegnet hatte.

"Es war Colin Creevy. Er hat meinen Zauberstab gewonnen und ihn mir heute vor dem Frühstück zurück gegeben. Er sagte, dass er es unfair fände wenn er ihn behalten würde. Bei Merlin - was der alles heute gesehen hat, wie schrecklich!" Ginny schlug die Hand vor den Mund.

"Nackt hat er Sie doch wohl ohnehin schon gesehen - bei dem Pokerspiel", gab Snape zu bedenken, "was könnte da wohl noch schlimmer sein?"

Ginny färbte sich tiefrot und Snape sog scharf die Luft ein, dann schüttelte er schnell den Kopf und sagte: "Ist schon gut - ich will es gar nicht wissen!"

Hermine murmelte unterdessen: "Dieser verfluchte kleine Spanner - schon früher hat er Stalking bei Harry betrieben - wir hätten ahnen müssen wohin dies führen kann wenn er erstmal in die Pubertät kommt."

"Ich gehe jetzt rauf in den dritten Stock", sagte Ginny beherzt.

"Und dann? Was willst du tun wenn du ihn findest?" fragte Hermine neugierig.

Ginny lächelte kalt: "Na was wohl - ich tret ihm in die Eier!"

"Und das kann sie wirklich gut", sagte Snape und nickte ihr aufmunternd zu, "wir werden Sie begleiten, Miss Weasley", stellte er dann noch klar und sofort machten sich die drei auf den Weg.

tbc