Dana
„Wow, er hat einfach so gefragt, ob du mit ihm zum Ball gehen willst? Ich dachte, er macht das bei eurem Date!"
Kathleen nickte bestätigend.
„Es hat mich ja auch total überrascht!" meinte sie. „Bupp. Einfach so."
„Endeeee" schloss Dana die Diskussion mit einem Grinsen ab.
„Jetzt brauchst nur noch du ein Date für den Ball!" sagte sie begeistert.
Dana verzog das Gesicht.
„Ich kann nicht mal tanzen – das hast du letztes Jahr selber gesehen – wer will da schon mit mir auf den Ball gehen, ganz zu Schweigen vom Tanzen, was wirklich katastrophal wird, das versichere ich dir!"
„Ach Quatsch" meinte Kathleen. „Ich bring's dir einfach bei! Du wirst schon sehen, dass es eigentlich ganz einfach ist, du musst dir nur die Schrittfolge merken!"
„Du weißt genau, dass ich mir nichts merken kann!" grummelte ihre Freundin.
„Und mir fehlt das Talent zu jeglichem Sport." fügte sie düster hinzu.
Kathleen schüttelte grinsend den Kopf.
„Nee, nee, so leicht kommst du mir nicht davon! Wir werden in unseren Freistunden anfangen."
„Und wo genau willst du das machen?" erkundigte sich Dana, in der Hoffnung, sie von dieser Idee abzubringen.
„Ich lass mir was einfallen; kümmer du dich nicht darum, ich werde schon was finden!"
Es schien sie nicht zu stören, dass sie ihre Begeisterung nicht unbedingt teilte.
Hatte sich die Hexe etwas in den Kopf gesetzt, konnte sie ganz schön stur sein, sehr zur Frustration von Dana.
Diese seufzte. „Na gut, aber nur, wenn du niemandem was davon erzählst. Es ist auch so schon peinlich genug für mich, nicht tanzen zu können."
„Versprochen" Kathleen grinste siegreich.
„Ich muss noch kurz in die Bibliothek, willst du mitkommen?" fragte die blonde Hexe.
„Nein, danke" lehnte Kathleen ab. „Ich hab Draco versprochen, ich komme noch vorbei."
„Na, gut, ich komme dann nach!"
„Wir sehen uns!" rief Kathleen noch über die Schulter, dann war sie aus dem Porträtloch geklettert.
Mit einem Ächzen hob Dana die Bücher hoch, die sie Madam Pince an diesem Tag zurückbringen wollte und schlug den Weg Richtung Bibliothek ein.
Zehn Minuten ließ sie die schweren Wälzer auf den Schreibtisch der Bibliothekarin knallen.
Madam Pince schaute sie empört an.
„Das ist keine Art, seltene Bücher zu behandeln!" schnaubte sie entrüstet.
„Hm? Oh, tut mir Leid, meine Hände waren nur vom Tragen so schwitzig geworden und dann sind sie mir einfach aus den Händen gerutscht." war die Erklärung, die Dana ihr anbot.
Madam Pince rümpfte die Nase und schaute angewidert auf den Stapel Bücher vor ihr.
„Die können Sie bitte schön gleich wieder einsortieren! Ich nehme an, Sie wissen, wo Sie hingehören und machen keine Dummheiten, wie Ihr Vater und seine Bande es vielleicht getan hätten, Miss Black?"
„Ja, Madam Pince" murmelte die Schülerin und hievte den Bücherstapel erneut auf ihre Arme, um schnell in Richtung Regale und aus der Sicht der missbilligenden Bibliothekarin zu verschwinden.
Bei ihrer säuerlichen Art war es kein Wunder, dass ihr Vater, Sirius Black, ihr gerne Streiche gespielt hatte.
Sie seufzte und begann, die Bücher einzusortieren. So schlecht ihr Gedächtnis auch sonst war, etwas, das mit Büchern zu tun hatte, konnte sie sich immer mit erstaunlicher Präzision merken.
Die Bibliothek war wie immer zu dieser Zeit, wo die meisten Unterricht hatten, eher spärlich besucht, und deswegen zuckte sie überrascht zusammen, als ihr jemand auf die Schulter tippte.
Sie war gerade beim letzten Buch angekommen und bemühte sich hastig, es aufzufangen, bevor es auf dem Boden aufschlug.
Mit einem Seufzer der Erleichterung, konnte sie sich noch gerade vor einem möglichem Wutanfall von Madam Pince retten und blickte auf, um zu sehen, wer sie da fast zu ihrem vorschnellem Tod durch die schräge Bibliothekarin verurteilt hatte.
Es war Hermine Granger, die ein Jahr unter ihr war und nun erschrocken die Hände vor den Mund schlug.
„Oh, das tut mir so Leid!" versicherte sie ihr mit geröteten Wangen. „Das wollte ich wirklich nicht!"
„Schon okay" meinte Dana achselzuckend. „Es ist ja noch mal gut gegangen."
„Genau! Also, ich wollte dich nur was fragen. Ich hab in den letzten Wochen schon dauernd versucht, dich irgendwo alleine abzufangen, aber da waren dann entweder Lehrer oder Malfoy mit dir und na ja, da dachte ich, jetzt ist der Moment gekommen."
Sie lächelte schwach.
„Draco ist vollkommen okay!" meinte Dana hitzig. Sie hasste es, wenn ihn Leute beleidigten, nur weil er ein Slytherin war.
„So war das auch gar nicht gemeint!" sagte Hermine beschwichtigend.
„Es ist nur wirklich total wichtig und ich wollte einfach nicht, dass sonst noch wer dabei ist!"
„Okay, also was genau wolltest du mich fragen?"
Die jüngere Hexe senkte ihre Stimme noch weiter und flüsterte:
„Also, Harry, Ron und ich hatten uns überlegt, eine Art Verteidigungsgruppe ins Leben zu rufen. Du weißt schon, wegen Umbridge, wir lernen ja wirklich gar nichts bei ihr! Und ich wollte dich fragen, ob du Lust hättest, da mitzumachen. Wenn du willst, kannst du auch wen mitbringen. Je mehr, desto besser!"
Dana dachte kurz nach. Harry war dabei. Sie lächelte.
„Klar, hätte ich Lust! Und ich wüsste auch schon wen, den ich mitbringe. Du kennst doch meine Freundin Kathleen?"
Hermine runzelte nachdenklich die Stirn.
„Die Braunhaarige? George hat sie zum Ball eingeladen, nicht?"
„Ja, das hat er" bestätigte Dana lachend.
„Ich würde mich freuen, sie offiziell kennen zu lernen." meinte Hermine und wandte sich zum
Gehen.
„Ich werde dich wissen lassen, wann das erste Treffen stattfindet, okay?"
„Geht klar." Da fiel ihr noch was ein, das sie unbedingt fragen wollte.
„Du, Hermine, warum hat mich denn Harry nicht einfach gefragt? Wir waren gestern die letzten beiden im Gemeinschaftsraum."
„Ähm, na ja, das war so…" Hermine blickte sich nervös um. „Also, ich hab versprochen nichts zu sagen, also behalt' das für dich, ja?"
Dana nickte bestätigend und machte sich im Geiste eine Notiz, es gleich Kathleen und Draco zu erzählen.
„Also, die Wahrheit ist…" Hermine räusperte sich verlegen. „Okay, also, Harry hat sich nicht getraut dich zu fragen, weil er Angst hatte, dass du ablehnst… und er aus welchen Gründen auch immer in deiner Gegenwart öfters etwas nervös wird… und, ja, also, vergiss einfach den letzten Teil…" Und mit geröteten Wangen verschwand sie hastig aus der Bibliothek.
Dana musste erstmal verarbeiten, was sie erfahren hatte, dann rannte sie ihr nach in Richtung Slytherin-Gemeinschaftsraum.
Das musste sie einfach den beiden erzählen!
Kathleen
Sie ging mit Draco den Gang zur Bibliothek entlang.
Was machte Dana so lange dort?
War ja mal wieder typisch, dass sie über ihre Bücher die Zeit vergessen würde.
Aber nicht heute! Heute würden sie sie nicht davonkommen lassen!
Deswegen hatten sie sich auf den Weg gemacht, sie notfalls unter Gewaltanwendung aus der Bibliothek zu zerren.
Um eine Ecke biegend, wären sie fast mit Hermine Granger zusammengestoßen, die Hals über Kopf den Gang entlang rannte.
Ohne anzuhalten, um sich zu entschuldigen, hastete sie weiter.
Kathleen blickte Draco verblüfft an.
„Was ist denn mit ihr los? Das war ja mal total untypisch für sie!"
Ihr bester Freund zuckte mit den Schultern.
„Die ist doch immer komisch drauf!" meinte er gleichgültig.
„Trotzdem!" setzte Kathleen an.
Da kam auch Dana um die Ecke gelaufen, als ob der Teufel hinter ihr her wäre.
Jetzt vollkommen verwirrt guckte sie auf die Uhr.
War es bereits Zeit zum Abendessen, dass ihre Freundin sich so beeilen würde?
Nein, es war immer noch Nachmittag.
Bevor Kathleen nicht viel mehr tun konnte, als den Mund aufzumachen, um sich zu erkundigen, was mit ihr abging, fuhr ihr Dana auch schon über den Mund.
„Oh mein Gott, ihr werdet nicht glauben, was gerade passiert ist!"
„Hat es etwas mit einer gewissen Hermine Granger zu tun, die völlig verstört war und uns eben fast umgerannt hätte?" fragte Draco trocken.
Ihn ignorierend platzte sie heraus: „Harry ist nervös in meiner Anwesenheit!"
Jubelnd hob sie Kathleen hoch und schleuderte sie durch die Gegend.
Die Flugbahn falsch kalkulierend, taumelte sie und ließ ihre Freundin los, die jedoch weich auf Fred landete, der gerade um die Ecke gebogen war.
„Ey, was soll denn das?" ächzte er und schubste die braunhaarige Hexe von sich herunter.
„Au, spinnst du? Du bist echt ein Trottel!" schnauzte Kathleen.
„Boah, sei doch nicht immer so pampig! Gott, man könnte meinen, du hättest kein anderes Hobby als mich anzumachen!"
„Lass mich doch!" wurde er auch so gleich von ihr angeranzt, während sie sich von Draco hoch helfen ließ; Dana war vor Lachen nicht mal mehr im Stande aufrecht zu stehen.
Einen bösen Blick in ihre Richtung werfend, schimpfte sie weiter auf Fred ein, bis er die Hände hob und genervt meinte:
„Okay, du hast Recht, wie immer! Zufrieden?"
„Komm mir hier nicht mit deinem Scheiß-Sarkasmus!" giftete Kathleen.
„Giftzwerg…" murmelte Fred, dann zuckte er zusammen als Kathleen, die ihn gehört hatte, scharf sagte: „Was hast du gesagt? Kannst du das netterweise noch mal wiederholen, Doofnuss?"
„Schon gut, schon gut" brummte er genervt. „Man sieht sich!"
Und schon war er wieder verschwunden.
„Mann, der regt mich so auf!" zeterte die kleine Hexe und ließ sich von Dana in Richtung Gryffindor-Gemeinschaftsraum zerren.
„Ach komm, du magst ihn doch!" meinte diese belustigt.
„Jetzt gerade nicht!" rief sie.
In einem Korridor im fünften Stock verabschiedeten sie sich von Draco, der den Weg in die Kerker einschlug.
Den ganzen restlichen Weg beschwerte sich Kathleen weiterhin über den „blöderen Klon", wie sie ihn bevorzugt nannte und verstummte erst, als sie vor dem Porträt der Fetten Dame standen.
Der Gemeinschaftsraum war wie immer spärlich besetzt zu dieser Zeit und es war still, bis auf das markerschütternde Schluchzen, das aus einem der Sessel drang.
Es war Ginny.
Mit geröteten Augen blickte sie zu den beiden Neuankömmlingen, die sie ohne jegliches Schamgefühl schadenfroh ansahen.
Mit einem Kreischen versuchte sich Ginny auf Dana zu stürzen, die perplex beobachtete, wie sie unterwegs über den Teppich stolperte und sich auf die Nase legte.
So, wie diese da lag, erregte sie Mitleid in ihr und sie streckte eine Hand aus, um ihr aufzuhelfen.
„Alles okay mit dir?" fragte sie bemüht freundlich.
Ginny zog an ihrer Hand, was dazu führte, dass Dana ihre Balance verlor und neben ihr auf den Teppich plumpste.
„Nein!" schrie die rothaarige Hexe. „Nichts ist in Ordnung! Das ist alles deine Schuld!"
„Was?" fragte Dana. „Was hab ich dir denn getan?"
„Du hast mir meinen Harry weggenommen! Du, du…" Sie suchte nach der richtigen Beleidigung. „Du…Arsch!" war alles, was ihr einfiel.
„Jetzt ist aber mal gut hier!" Harry war unbemerkt die Wendeltreppe hinunter gestiegen und bedachte nun Ginny mit einem bösen Blick.
„Aber du verstehst nicht!" quengelte Rons kleine Schwester. „Diese Schlampe" Sie zeigte mit dem Finger anklagend auf Dana. „Sie versucht -"
Doch der schwarzhaarige Zauberer schien wütend geworden.
„Hör auf, hier deine Fresse so weit aufzureißen!" schnauzte er.
„Es interessiert hier keinen, was du denkst, also spar dir deine Beleidigungen und tu uns allen einen Gefallen und verzieh dich!"
Mit offenem Mund saß Ginny da, dann klappte sie ihn zu und rannte – immer noch heulend – die Wendeltreppe hoch.
„Hey, äh, danke!" sagte Dana mit einem unsicheren Lächeln.
Harry drehte sich um.
„Kein Problem!" sagte er mit einem warmen Lächeln, bei dem ihr das Herz aufging.
„Wenn sie dir weiter Probleme macht, sag Bescheid!" meinte er und machte sich auf, aus dem Porträtloch zu klettern.
„Mach ich!" rief ihm Dana hinterher, dann stand sie mit einem seligen Lächeln auf ihrem Gesicht und schaute auf die Stelle, wo sie Harry zuletzt gesehen hatte.
