~*~will you still love me tomorrow Teil 2~*~

Will bestellte für Kenzie Frühstück und ließ sie dann allein. Sie respektierte seinen Wunsch nach einem ruhigen Moment um begreifen zu können, was die letzte Nacht für sie Beide bedeutete. Nun, da sie wieder bei klarem Verstand waren und sich ihre erotischen Emotionen abgekühlt hatten, musste eine Entscheidung getroffen werden wie es weiter ging. Und sowohl Kenzie als auch Will taten sich schwer damit.

Was auf dieser Insel passiert war, musste sie nie verlassen. Aber konnte das wirklich funktionieren? Wollten die Beiden, dass es funktionierte?

MacKenzie stand auf ihrer Veranda und sah Will nach, wie er mit gesenktem Haupt an der Wasserlinie entlangging und seine Gedanken zu ordnen versuchte. Ob es ihm gelang, war aus der Entfernung nicht auszumachen, doch Kenzie zweifelte sowieso daran, dass er sie irgendwann an seinen Überlegungen teilhaben ließ. Er war manchmal so verschlossen. So sehr, dass es ihm selbst nicht guttat.

Sie selbst versuchte vergebens auch nur einen einzigen Gedanken klar zu definieren. Sie hatten unglaublichen Sex gehabt. Erfüllend. Getrieben von purer Leidenschaft. Respektvoll. Nun hatte Kenzie Angst davor, dass dieser magische Moment einzigartig bleiben würde.

Mit einem tiefen Seufzen ließ die Brünette sich in den Korbsessel fallen, in dem sie schon am Abend gesessen hatte und starrte auf den Ozean. Sie hatte Hunger, doch sie konnte die Frischen Croissants und den verführerisch duftenden Kaffee nicht anrühren. Ihr war nach weinen zu Mute und der einzige Mensch, der sie jetzt wohl auffangen könnte, war vor ein paar Minuten gegangen.

Will zwang sich dazu nicht zurück zu sehen. Er wäre sonst leichtfertig umgekehrt und das hätte weder ihm noch Kenzie gutgetan. Er hatte ihre gemeinsame Nacht genossen, mehr noch, er bereute die vielen Nächte, die er ohne seine Geliebte verbracht hatte, doch er brauchte jetzt Abstand. Das war gar nicht so einfach, auf einer Insel, nicht größer als ein Baseballfeld, doch wenigstens waren sie hier nicht dazu gezwungen sich zu sehen.

Jetzt eine Nachrichtensendung auf die Beine stellen zu müssen war bestimmt kein passender Umstand um sich über die eigenen Gefühle klar zu werden. Will war froh, dass es nicht in New York passiert war.

Er betrat seinen Bungalow, wechselte die Sachen und schnappte sich seine Gibson. Er würde wieder zu seiner Bucht zurückkehren und vielleicht gar nicht über seine Gefühle nachdenken.

Die Sonne stand inzwischen hoch am Himmel und Will flüchtete unter den Schatten einer hohen Palme. Zwar brachte die schwache Meeresbrise ein wenig Abkühlung, doch ungeschützt in der Sonne zu sitzen hielt selbst er nicht aus.

Der Ältere schob einen abgestorbenen Palmwedel mit dem Fuß bei Seite und setzte sich dann in den Sand. Keinen Meter vor ihm spülten die Wellen kleine Steinchen und Muschelschalen ans Ufer. Dieser Ort war so friedlich, dass Will ihn am liebsten nie mehr wieder verlassen hätte. Er stützte seine Gitarre auf den Oberschenkel, legte die Finger an die Saiten und begann leise zu spielen. Er war tief in die Melodie versunken und stoppte erst, als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm.

„Ich wollte dich nicht unterbrechen…spiel´ ruhig weiter. Ich bleibe einfach hier stehen." Es war Kenzie, die mit nackten Füßen im heißen Sand stand und unschuldig den Kopf geneigt hatte. Neben ihr lag ein großes Stück Treibholz, auf das sie sich setzte und Will auffordernd musterte. Sie trug ein schlichtes weißes Leinenkleid, welches ihr bis zu den Knien reichte. Es verbarg ihre zierliche Figur und saß so locker, dass es für dieses heiße Wetter ideal geeignet war.

Die Wangen und Nase der Brünetten waren leicht gerötet und an ihrem linken Unterschenkel befand sich ein dünner Kratzer. Sie hatte einen Sonnenbrand und sich verletzt.

Will deutete zu ihrem Bein, doch Kenzie schüttelte nur beschwichtigend ihren Kopf. „Nicht so schlimm. Allerdings ist die örtliche Flora äußerst angriffslustig." Sie lächelte und der Ältere nickte zufriedengestellt. Er wollte schon weiterspielen, da fiel ihm doch noch etwas ein.

„Woher wusstest du eigentlich, dass ich hier bin?" wollte er wissen und lehnte sich dabei herausfordernd auf sein Instrument.

„Dein Zimmermädchen hat es mir gesagt…du bist jeden Tag hier?", fragte sie besorgt und faltete die Hände über ihren Knien. MacKenzie sah so unschuldig und verletzlich aus wenn sie das tat. Sie beugte ich ein wenig vor und vergrub die Zehenspitzen im schattigen Sand vor dem Baumstamm. Will könnte sie ewig einfach nur ansehen. „Billy?", setzte sie nach, als er ihr nicht sofort antwortete und der Ältere schluckte ertappt, als er sich bewusst wurde, dass er sie sekundenlang einfach nur angestarrt hatte.

„Ein guter Platz um nachzudenken", antwortete er mit trockener Kehle und wendete sich wieder seiner Gibson zu. Er zupfte einen Akkord und legte sehnsüchtig den Kopf in den Nacken. Hoffentlich wollte sie jetzt nicht wissen worüber er nachdachte.

„Und, denkst du nach?"

„Ich versuche es!", wich er wage aus und Kenzie quittierte seinen Versuch sie auf Abstand zu halten mit einem einsichtigen Nicken. Vermutlich war es noch viel zu früh um wirklich Klarheit zu schaffen.

„Gut, ich lasse dich dann wieder allein. Eigentlich wollte ich nur sehen ob bei dir alles in Ordnung ist." MacKenzie erhob sich, strich ihr Kleid glatt und warf einen kurzen Blick hinaus aufs Meer. Ein wenig entfernt von der Küste dümpelte ein kleines Fischerboot und am Horizont zog ein Windjammer mit gehissten Segeln vorüber.

Sie hatte nicht herausfinden können wie Will jetzt zu ihr stand, doch das konnte sie verschmerzen. Eigentlich wollte sie nur sicher gehen, dass er sich nichts antat, weil er verzweifelt bereute, sich auf sie eingelassen zu haben.

Kenzie winkte ihm zurückhaltend zu, indem sie lediglich die Finger hob und wandte sich dann zum Gehen. Sie wollte ihm seine Ruhe lassen, wenn es das war was er brauchte. Sie hatte sich bereits einige Meter entfernt und stieg gerade über eine dicht am Boden wachsende Palme, als Will noch einmal aufsah und ihr nachrief.

„Letzte Nacht war wundervoll…heute Morgen auch. Ich wollte nur…" Er hielt inne und untermalte seine Worte mit einer versöhnlichen Geste der rechten Hand. „…dass du das weißt, Mac."

Die Brünette drehte sich daraufhin zu ihm um, hielt sich schützend die Hand vor die Augen und schüttelte bedächtig den Kopf.

„Obama? Wirklich!?" Ihr Kichern war so herrlich erfrischend, dass Will ihr noch nicht einmal böse sein konnte, weil sie schon wieder damit anfing. Er zuckte nur mit den Schultern und stimmte dann einen neuen Song an.