Zuvor bei „Mein fester Freund":
„Gute Nacht, Lily.", flüsterte er, nahm seine Hand behutsam von meinem Gesicht und trat einen Schritt zurück.
Ich beobachtete wie er seinen Besen aufhob, das Fenster öffnete, sich ein letztes Mal umdrehte bevor er davonflog und mir wurde etwas ganz Wichtiges klar.
Ich hatte überhaupt nichts unter Kontrolle.
Kapitel 7
Rot, Rot, Rot
„Einem Teenager die Fakten des Lebens vermitteln zu wollen, ist wie wenn man einen Fisch badet." - Arnold H. Glasow
Piep. Piep. Piep.
Merlin, verdammt noch mal hör auf. Finite Incantatem.
Piep. Piep. Piep.
Sei verdammt noch mal still!
Pie-
Ich schwang meinen Arm in Richtung des Objektes, das mich so unerbärmlich aus dem Schlaf riss und schlug zu.
„Au! Verdammte Scheiße! Au!", schrie ich. Ich zog mir die Bettdecke vom Gesicht und öffnete meine Augen um meine Hand zu untersuchen. Glücklicherweise war kein Blut zu sehen, aber eine dunkle rote Stelle formte sich an meinen Fingerknöcheln. Das würde einen Bluterguss geben. Ich stöhnte wehleidig und strampelte ein bisschen umher um eine halbwegs aufrechte Sitzposition zu erlangen.
„Lily? Geht's dir gut? Was ist passiert?"
Großartig. Jetzt dachte meine Mutter auch noch ich würde im Schlaf ermordet. Ich kannte diesen schrillen panischen Ton. Es war der mütterliche Besorgnis-Ton Nummer neun.
Piep. Piep. Pie-
Ich sah zu diesem heimtückischen Wecker hinüber und machte ihn aus. Mein würdiger Gegner war besiegt. Ich sank wieder in meine Kissen.
„Lily!", rief meine Mutter, wie ich vermutete, vom Badezimmer aus.
Ich stöhnte. „Mir geht's gut, Mum. Kein Vergewaltiger oder Mörder oder Petunia. Du kannst aufhören verrückt vor Sorge zu werden."
„Was war das für ein Geräusch? Bist du verletzt?"
Ich sah auf meine Hand hinab, die noch immer rot und leicht angeschwollen war. Zumindest sahen meine Nägel noch gut aus. Dann konnten sie mich wenigsten nicht dazu zwingen meine Nägel auffrischen zu lassen bevor wir die Wellnesshotel-Hölle verließen.
„Nur meine Hand und mein Stolz.", rief ich zurück. „Wer stellt denn auch einen Wecker?"
Ich konnte ihr Lachen sogar unter meiner Bettdecke hören. „Lily, dafür sind sie ja auch da. Das ist vollkommen normal."
„Tja, nun, ich bin es nicht.", erwiderte ich verstimmt. „Ich hasse Piep-Geräusche."
Meine Mum kam aus dem Badezimmer, wo sie sich frisch gemacht hatte und ging auf mich zu, wobei ihr das Lachen noch im Gesicht stand. Ich hasste es, wenn Leute sich auf meine Kosten amüsierten. Ich hatte Schmerzen!
Sie setzte sich neben mich auf das Bett und küsste meine Stirn.
„Ja, aber irgendwie musste ich dich aufwecken. Ich wollte nicht getreten werden und Petunia ist unten und lässt sich ihre Arme wachsen."
Ich ignorierte ihren letzten Kommentar und die völlige Absurdität, die meine Schwester umgab, die sie mit ihren unergründlichen Gedankengängen auf die Idee brachte ihre blonden Arme seien zu behaart. Ich verzog das Gesicht.
„Du hast ihn gestellt?"
„Ja, und jetzt bist du wach.", verkündete sie mit einem Grinsen. „Siehst du, es funktioniert!"
„Ohh, wie wundervoll. Waffen funktionieren auch, aber wir testen sie nicht an armen unschuldigen Kindern.", murmelte ich leise.
„Das hab ich gehört.", grummelte meine Mum und schlug auf meine Bettdecke.
„Auhh!", schrie ich. Irgendwie hatte sie es fertig gebracht meine Hand zu erwischen. Ich nahm sie unter der Decke hervor. „Warum gerade meine Hand.", stöhnte ich.
„Ach, lass mich das mal sehen.", sagte meine Mum und schnappte sich meine Hand.
„Au!", rief ich aus.
„Entschuldige.", sagte sie und verringerte den Druck ihrer Hand. Sie untersuchte meine Hand mit ihren Fingern und drückte leicht auf den sich bildenden Bluterguss. Ich gab mein Bestes um nicht zu wimmern, oder die Tränen in meinen Augen fallen zu lassen.
„Nun, es ist auf jeden Fall nicht gebrochen. Du brauchst keinen Arzt."
„Merlin sei Dank.", hauchte ich. Ich hasste Krankenhäuser und Untersuchungen. Da musste man sich immer freimachen und diese Kittel tragen, die den Hintern nicht bedeckten und man bekam Fragen gestellt wie „Wie lange ist es her, dass sie das letzte Mal Geschlechtsverkehr hatten?" oder „Hatten sie heute schon Stuhlgang?". Darauf hatte ich heute ehrlich keine Lust.
„Wir sollten es einfach im Auge behalten und vielleicht können wir beim Frühstück etwas Eis besorgen bevor wir abreisen."
Ich sah sie erwartungsvoll an. „Wir reisen bald ab?"
Wenn sie meine Begeisterung angesichts des nahenden Endes unserer Mädelszeit bemerkt hatte, so ließ sie es sich nicht anmerken. „Ja, aber wir gehen bevor wir nach Hause fahren noch ein paar Stunden ins Einkaufszentrum. Petunia braucht noch ein Kleid für eine Party auf die sie mit Vernon geht."
Ins Einkaufszentrum? Verdammt, da würde ich ja lieber ins Krankenhaus gehen. Ich bevorzugte Hintern zeigende Kittel gegenüber dem Modegeschmack von Petunia. Da wusste ich zumindest, dass nur mein Hintern sichtbar war. Verflucht, warum war meine Hand denn nicht gebrochen?
„Mum, Tuney braucht ewig um Klamotten zu kaufen! Könnt ihr mich nicht einfach zu Hause absetzen?"
Meine Mum zerwuschelte meine Haare. „Dann müsste ich die Folter ja ganz alleine ertragen. Wenn ich leiden muss Lily, dann wirst du es auch müssen. Und außerdem, je eher du fertig bist, umso schneller haben wir das Ganze hinter uns.", sie lächelte mich mit dem Versuch an mir die Sache schmackhaft zu machen, aber darauf viel ich nicht herein. Leider hatte ich mir jedoch selbst geschworen meine Mum nicht aufzuregen.
Ich seufzte dramatisch und schwang dann meine Beine über die Kante des Bettes und stand mühsam auf. Ich stolperte in Richtung Badezimmer.
„Lily?", rief meine Mum.
Ich hielt an der Tür inne und drehte mich zu ihr um. „Ja, Mum?"
„Hattest du das Shirt gestern auch an?", fragte sie mich misstrauisch.
Mein Gesicht lief prompt rot an und ich betete zu allen Höheren Mächten, dass sie das Ganze nicht überbewerten würde. „Ähhm, nein, mir war so warm gestern Nacht und da hab ich das Shirt ganz unten in meiner Tasche gefunden. Ich hab es vorher wohl übersehen.", plapperte ich eiligst.
Sie nickte, blickte aber immer noch skeptisch drein. Sie öffnete den Mund, um noch etwas zu sagen, aber ich wehrte alle weiteren Fragen ab, indem ich die Badezimmertür aufriss und hineinstürzte. „Ich muss dringend pinkeln, Mum!"
Mit dem Rücken an die Tür gelehnt, nahm ich mir einen Moment, um mich wieder zu beruhigen. Ich kämmte meine Haare mit den Fingern und ging rüber zum Waschbecken, um mir etwas Wasser ins Gesicht zu spritzen. Ich betrachtete meine geröteten Wangen, und atmete tief ein. Heute war Tag fünf und ich war mir ziemlich sicher, dass ich bereits einen Nervenzusammenbruch hatte.
Letzte Nacht, hatte ich ihn zu nahe an mich rangelassen. Ich musste dafür sorgen, dass er mich nicht mehr so körperlich beeinflusste. Ich konnte kaum glauben, dass sein Körper meinen dazu brachte sich so primitiv und nur von Instinkten geleitet zu benehmen. Er musste sich mir nur auf wenige Zentimeter nähern und das Östrogen, das durch meine Adern gepumpt wurde, kontrollierte meinen Körper. Glücklicherweise ließ sich mein Gehirn nicht so leicht beeindrucken. Ich wusste, dass er immer noch derselbe James Potter war. Das zumindest würde sich niemals ändern.
Behutsam zog ich James Trikot aus und schnupperte ein letztes Mal daran bevor ich es schuldbewusst zusammenfaltete und weglegte, damit es nicht nass werden würde. Dann betrat ich die Duschkabine. Zeit sich für das Einkaufszentrum fertig zu machen. Freude, oh welch verdammte Freude! Hurra, Scheiße, Hurra!
Ich frühstückte ohne wirklich etwas zu schmecken. Ich bezweifle, dass ich irgendetwas Spektakuläres verpasst habe. Frühstück im Hotel bestand sowieso immer aus faden Zimtröllchen, fettigem Frühstücksschinken und Orangensaft mit zu viel Fruchtfleisch darin. Meine Mum versuchte mich in ein Gespräch über ihre Pläne für das kommende Schuljahr zu verwickeln, aber ich war zu tief in Gedanken und schon wieder müde, um irgendetwas Sinnvolles zum Gespräch beitragen zu können. Schließlich gab sie es dann auf mit mir über ihre Mal- und Bastelarbeiten und die Kurzgeschichten zu sprechen und unterhielt sich stattdessen mit Petunia.
Ich hätte ja Mitleid mit ihr gehabt, aber meine Hand tat verdammt weh.
Als wir das glanzlose Frühstück beendet hatten, holten wir unser Gepäck aus dem Zimmer und gingen nach unten. Natürlich durchsuchten wir erst alle Schränke und Schubladen für den Fall, dass wir etwas vergessen hatten. Die Welt wäre mit Sicherheit untergegangen, wenn wir Petunias liebste Wimpernzange vergessen hätten. Das Einzige, das zurück blieb war die Bibel. Ich wunderte mich, ob der Tropfende Kessel Bücher hatte, die er für seine Gäste herauslegte. Ich bezweifelte das Geschichte Hogwarts denselben Zweck erfüllen würde. Dann betraten wir den Aufzug und fuhren nach unten.
Petunia und ich hielten uns bei den noblen Möbeln auf, während Mum uns auscheckte.
„Deine Arme sehen sehr haarlos aus.", teilte ich Petunia mit.
„Danke.", erwiderte sie ohne sich mir zuzuwenden, allerdings blickte sie mich kurz von der Seite an.
Ich entschied, es wäre das Beste für alle Beteiligten, wenn ich nicht erwähnte, dass meine Bemerkung nicht als Kompliment gemeint war.
„Du solltest es wirklich in Erwägung ziehen zu wachsen.", sagte Petunia in einem ihr sonst unbekannten Anflug von Hilfsbereitschaft. „Es hält sehr viel länger als rasieren."
„Ja.", stimmte ich ihr zu. „Aber es tut auch weh."
Petunia zuckte mit den Achseln und wandte sich mir nun doch zu. „Ja, aber es ist toll für den Sommer. Man muss sich nicht jeden Morgen rasieren. Manchmal möchte ich fast Hosen tragen."
Ich lächelte. „Aber dann wirst du immer unruhig und willst wieder Flip-Flops tragen."
„Nein, werd ich nicht.", protestierte sie.
„Wirst du wohl!", beharrte ich. „Mum war unglaublich sauer auf dich, als du einmal im Winter Flip Flops zur Schule anhattest und beinahe Frostbeulen an den Füßen bekommen hättest."
„Oh.", lachte sie leise. „Stimmt."
Ich verstand ihre Einstellung total. Ich hasste es, wenn eine Jahreszeit zu lange andauerte. Ich hatte immer das Bedürfnis etwas anders zu machen, zu fliehen, etwas Neues zu beginnen. Ich hasste es mich gefangen zu fühlen.
„Aber es ist zu heiß, um im Sommer lange Klamotten zu tragen.", beschwerte sich Petunia. „Also habe ich keine andere Wahl als unentwegt meine Körperhaare zu entfernen.", sagte sie resigniert und seufzte.
Ich grinste. Jede Frau wusste genau wie sie sich fühlte. „ Was für tolle Gene wir doch haben, nicht wahr? Mum's Verwandte sind alle herzkrank und Dad's Familie besteht aus haarigen Biestern. Wie gut, dass wir hübsch sind.", scherzte ich.
„Zumindest eine von uns.", entgegnete sie und piekste meinen Arm.
Ich streckte ihr die Zunge raus.
Petunia rollte mit den Augen, aber lächelte leicht. „Wir sollten uns wirklich überlegen sie für ein neueres Model einzutauschen."
Ich lachte leise. „Aber dann wären wir ja so normal.", erinnerte ich sie und verzog mein Gesicht bei dem Wort. „Hatten wir uns als Kinder nicht vorgenommen Superheldinnen zu werden? Erinnerst du dich an den Tag, als Dad uns seine alten Comic Hefte gezeigt hat?"
Petunia nickte. „Ich erinnere mich. Ich wollte Superheldin werden und du mein treuer Gehilfe, weil du kleiner warst als ich."
„Und ich bekam immer einen Wutanfall, weil ich auch eine Superheldin sein wollte.", sagte ich, während ich wohlwollend an die alten Zeiten zurück dachte.
„Wir konnten sogar Mum dazu überreden uns Kostüme zu machen.", fügte Petunia hinzu.
„Ja, stimmt.", sagte ich.
Meine Mum kam mit einem breiten Lächeln auf den Lippen zu uns rüber. „Was sehe ich denn da?", fragte sie rhetorisch. „Meine Mädchen unterhalten sich miteinander, und ja, sie lächeln sogar.", betonte sie „ohne sich zu streiten? Hab ich was verpasst? Steht uns eine Naturkatastrophe bevor? Sollte ich mir eine Überlebensausrüstung zulegen?"
Ich lachte hohl. „Echt witzig, Mum."
„Das fand ich auch.", trällerte sie.
„Mit der Meinung stehst du allerdings alleine da.", murmelte Petunia. „Ich wusste wir hätten sie eintauschen sollen.", fügte sie leise hinzu.
Mum sah sie komisch an, aber Petunia ließ sich nichts anmerken. Ich fing ihren Blick auf und wir grinsten uns an.
Als wir ins Auto stiegen, dachte ich darüber nach wie glücklich ich darüber war, dass ich Petunia nicht gesagt hatte, dass ich mir lästige Körperbehaarung jederzeit mit einem Zauber entfernen konnte. Alles war so viel einfacher, wenn ich so tat, als sei ich normal. Ich wusste es war falsch und das ich etwas Besonderes war und all den Mist. Ich hatte die Möglichkeit so viel mit meiner Gabe zu bewirken, ich hatte die Verantwortung es zu tun. Aber für meine Schwester wollte ich unbedingt normal sein.
Unser Moment der schwesterlichen Einigkeit, war genauso schnell wieder vorüber wie er begonnen hatte. Kurz bevor wir im Einkaufszentrum ankamen, waren wir beide verärgert und weigerten uns miteinander zu sprechen. Es schien, als könne ich einfach nicht meine Klappe halten, wenn Vernon das Gesprächsthema war und Petunia wertete meine Aussagen immer als persönlichen Angriff. Ich wusste ich hätte das Wort Wal nicht erwähnen sollen. Aber es stimmte! Der Vergleich war wirklich sehr passend. Sie verhielt sich mal wieder unmöglich, wie immer.
Mum war verärgert, allerdings mehr wegen der Häufigkeit unserer Auseinandersetzungen, als nur wegen diesen einen Streits. Sie seufzte und zerrte uns in den nächstbesten Laden. Wir würden verdammt noch mal Zeit miteinander verbringen und kein noch so bescheuerter Streit würde uns davon abhalten. Ich bewunderte ihre Hartnäckigkeit. Meine Mum war echt cool drauf.
Als sie mich jedoch dazu zwang Klamotten anzuprobieren, kamen mir daran Zweifel.
„Mum.", teilte ich ihr verärgert mit. „Ich brauchte keine Kleider. Ich bin eine Hexe. Wir tragen Roben!"
„Weil ihr ins Badezimmer gehört.", spöttelte Petunia.
„Na, dann musst du ja einer Menge Zauberer begegnen, Tuney. Wann bist du denn nicht im Bad und begutachtest deine nicht vorhanden Mitesser?"
Ah, die Dinge gingen wieder ihren gewohnten Gang. Beleidigung und Erwiderung, immer und immer wieder. Es war ein vertrauter Rhythmus, der sich mir schon vor langer Zeit ins Gedächtnis eingeprägt hatte.
„Schluss damit, ihr Beiden. Wenn ihr euch nicht benehmt, fahren wir sofort nach Hause.", unterbrach uns Mum mit strenger Stimme.
„Großartig!", rief ich aus und legte die Kleider auf einen Stuhl im Umkleidebereich ab.
„Lily.", warnte mich meine Mutter und sah dabei so sehr aus wie ein Tiger, der zum Sprung ansetzt, dass ich mir schnell wieder die Kleider schnappte und in einer Umkleidekabine verschwand.
„Ich brauche wirklich kein Kleid.", beharrte ich, zog meine Klamotten aus und warf sie auf einen Haufen ohne mich darum zu kümmern, ob sie zerknitterten. „Ich geh doch sowieso nicht weg."
„Man weiß nie, wann man mal etwas Schönes zum Anziehen braucht. Es ist gut, wenn du es in deinem Kleiderschrank hast, für den Fall, dass du es brauchst.", riet meine Mutter weise, so wie es nur eine lebenserfahrene Frau konnte.
Ich rollte kindisch mit den Augen und mit einigen Verrenkungen schloss ich den Reißverschluss an meinem Rücken. Kurzerhand und ohne mich erst noch im Spiegel zu betrachten, trat ich aus der Kabine.
„Voila.", grummelte ich säuerlich.
Meine Mutter und Petunia beäugten mich kritisch. Wenn etwas Scheiße aussah, dann sagten wir es in unserer Familie. Ihr Blick ließ mich unbehaglich fühlen.
„Ich werde es dann mal wieder ausziehen.", murmelte ich.
„Nicht!", versicherte mir meine Mum. „Es steht dir wirklich wunderbar, Lily. Gefällt es dir?"
Ich schaute in den Spiegel. Das Kleid war trägerlos und endete ein paar Zentimeter über meinen Knien. Es war weiß, aber an der Taille erstreckte sich ein buntes Blumenmuster. Ich musste zugeben, wenn auch etwas unwillig, dass es ein sehr schönes Kleid war. Und trotzdem würde ich keine Gelegenheit haben es anzuziehen. Ich konnte ja schlecht auf dem Halloweenfest in Hogwarts in diesem Outfit auftauchen.
„Lily will es ja noch nicht einmal haben, Mum. Sollten wir nicht ein Kleid für mich suchen?", beschwerte sich Petunia, die Narzisstin.
„Nur eine Sekunde.", beharrte Mum. „Lily, als deine Mutter, die dir so selten anbietet Geld für dich auszugeben und in Zukunft wohl auch nicht mehr die Chance dafür haben wird, denn ich und dein Vater schmeißen dich wahrscheinlich raus sobald du deinen Abschluss hast, damit du dein eigenes Geld zaubern kannst, sage ich dir, sei nicht so verdammt stur und lass mich dir das Kleid kaufen."
Ich prustete.
„Außerdem", fügte sie mit einem Lächeln hinzu „denke ich, dass es James wirklich sehr gefallen würde."
Und mir nichts dir nichts hatte ich also ein neues Kleid.
Verärgert beobachtete ich, wie meine listige Mutter Petunia folgte. Sie spielte mit unfairen Tricks.
Ich zog mich schnell um und schleppte das blöde Kleid mit. Wen interessierte es, ob James fände, dass ich gut darin aussehen würde? Ich musste mich für ihn nicht auftakeln. Er war ja noch nicht einmal mein richtiger fester Freund. Außerdem schien ihm das was ich gestern Nacht anhatte auch gefallen zu haben. Ich wurde rot, als ich an sein Trikot dachte, welches ich sorgfältig in meine Tasche gepackt hatte, nachdem ich wie ich peinlich berührt zugeben muss einen Zauber darauf gesprochen hatte, der seinen Geruch konservierte. Ja, anscheinend war ich so erbärmlich.
Ich schüttelte den Kopf, um die komischen Gedanken loszuwerden die mich schon den ganzen Tag plagten und fand endlich auch die anderen weiblichen Mitglieder meiner Familie wieder. Meine Mum versuchte Petunia zu überreden einen, wie ich fand, sehr hübschen Rock in Erwägung zu ziehen, aber Petunia rümpfte nur ihre Nase.
„Mum, ich gehe zu Vernons Beförderungsfeier und nicht zu einer tristen Pensionierungsfeier. Ich muss nicht aussehen wie meine eigene Oma.", beschwerte sich Petunia.
„Vernon wurde befördert?", hakte ich nach. „Also darf er jetzt tatsächlich den Kopierer benutzen, oder ist das immer noch zu viel Verantwortung für ihn?"
Ich lachte über meinen eigenen Witz, aber der strafende Blick meiner Mutter gebot mir Einhalt.
„Lily, sei ruhig.", zischte sie in mein Ohr und schlug mir auf den Arm.
„Petunia, du magst keines der Kleider und da du die Röcke noch nicht einmal ansehen willst, weiß ich nicht was ich noch machen soll.", sagte meine Mum diplomatisch.
„Na dann müssen wir eben in ein anderes Geschäft gehen.", sagte Petunia einfach. „Am besten eines, dass nicht so geschmacklose Klamotten verkauft.", fügte sie mit einem abschätzigen Blick auf mein Kleid hinzu.
Ich zwang mich zu einem Grinsen. Vielleicht, aber vielleicht auch nicht blitzten Flüche aus meinen Augen.
Wir, oder eher meine Mum, bezahlten das Kleid, und dann begaben wir uns zu einem anderen, sehr viel teureren und pompöseren Laden mit dem Leitspruch „Nur das Beste". Von den übereifrigen Verkäufern bis hin zur angesagten Musik erweckte der Laden bei mir einen Brechreiz. Petunia natürlich, liebte es dort.
Sie flatterte durch die Reihen von Kleiden und schnappte sich Klamotten, die meiner Meinung nach stark nach Kindergröße aussahen, so als ob sie verschwinden würden, wenn sie sie nicht sofort in den Händen hielt.
„Mum.", rief ich. „Ich komm gleich wieder. Ich geh nur mal schnell in einen anderen Laden."
Meine Mutter sah mich panisch an. „Lass mich nicht allein mit ihr.", bat sie mich verzweifelt.
„Mum.", flötete ich mit einem Lächeln. „Bei diesem Ausflug geht es darum Zeit miteinander zu verbringen. Möchtest du nicht Zeit mit deiner ältesten Tochter verbringen, solange du noch kannst?"
Meine Mum betrachtete mich mit einem mörderischen Blick. „Ich werde dafür sorgen, dass du für den Rest des Sommer Small Talk mit Vernon machen musst!", drohte sie mir.
Ich lachte, als ich zur Tür hinausging.
Froh endlich aus diesem einengenden Laden heraus zukommen, ging ich zu dem einzigen Ort, den ich im Einkaufszentrum wirklich mochte: den Buchladen. Als ich den Laden betrat lauschte ich nach irgendwelchen Geräuschen, aber glücklicherweise, herrschte dort willkommene Stille. Ich lächelte. Ich fuhr mit den Fingern über die Buchrücken, während ich die Regale auf und ab ging. Ich machte einen Halt bei der klassischen Literatur und schaute auf all die bemerkenswerten Bücher. Das Schreiben fiel mir unglaublich leicht. Einen halben Meter über die Koboldkriege, oder etwas ähnlich Schreckliches konnte ich in ungefähr dreißig Minuten zu Stande bringen. Die Faszination für wirklich gute Lektüre ließ mich jedoch niemals los. Ich konnte ein paar Wörter aneinander reihen: Subjekt, Verb, Objekt. Aber nichts was ich je über die Theorie von Zaubertränken schreiben könnte, wäre je vergleichbar mit dem, was sich vor mir erstreckte. Denn ein wirklich gutes Buch muss mit Liebe und Leidenschaft geschrieben werden.
Behutsam nahm ich eines meiner geliebten Bücher aus dem Regal und tat das was ich am liebsten tat. Ich atmete den Geruch frisch gedruckter Seiten ein und setzte mich inmitten der Regale hin. Im Schneidersitz vertiefte ich mich in die Lektüre. Es war himmlisch in eine andere Welt einzutauchen, in der Magie wirklich nur der Stoff für Märchen war. Die Zeit verstrich und ich fühlte mich sicher in meiner eigenen kleinen Welt. Niemand störte mich und ich hatte keine Sorgen, keine Erwartungen und keine Gedanken, die nicht die Geschichte in meinen Händen betrafen. Das einzig Blöde war, dass ich irgendwann diese wunderbare Welt verlassen und in meine eigene zurückkehren müsste.
Nachdem ich ein Kapitel beendet hatte, stand ich langsam auf und stellte das Buch zurück. Ich hätte zwar ewig in diesem Laden bleiben können, aber ich musste zurück zu meiner Mutter, bevor meine Schwester sie umbrachte. Aber wenn es darauf ankäme, glaube ich meine Mutter könnte Petunia platt machen. Petunia konnte zwar treten, aber meine Mutter hatte eine ganz schöne Kraft hinter ihrem Schlag.
Wie ich erwartet hatte, war meine Mutter nicht erfreut, als ich wiederkehrte. Ich hörte wie sie etwas über graue Haare faselte, als ich ankam. Anscheinend hatten wir alle ein Problem mit Haaren. Sie klammerte sich an meinen Arm wie ein Ertrinkender an einen Rettungsschwimmer. Ihre Nägel hinterließen Spuren, die das bewiesen. Endlich, nach dem ich bestimmt ein Dutzend Mal mit den Augen gerollt hatte, doppelt so oft verächtlich geprustet hatte und mir schwor Petunia nie wieder in die Nähe dieses Ladens zu lassen, gingen wir Mittagessen.
Ich beäugte Petunias Häufchen überaus delikaten Salat und schob mir grinsend das saftige und zarte Hühnchensandwich in den Mund.
„Entschuldigt mich.", sagte Petunia und klang dabei leicht angewidert. „Ich verschwinde für einen Moment ins Bad."
„Ja, um mein unglaubliches Sandwich nicht sehen zu müssen.", murmelte ich und beobachtete wie sie aufstand, um sich wahrscheinlich ein Dressing zu besorgen, das negative Kalorien hatte und das sie „als Beilage" zu sich nehmen würde.
„Lily, ich muss mit dir reden.", sagte meine Mum und legte die Gabel beiseite. Sie beobachtete mich und dabei zuckte ihr rechtes Auge, was nie ein gutes Zeichen war.
Ich nickte mit dem Mund voll mit gebratenem Hühnchen. „Alles klar, leg los.", antwortete ich nachdem ich es hinuntergeschluckt hatte.
„Ich mache mir Sorgen wegen deiner Beziehung mit James.", sagte sie vorsichtig.
Geschockt legte ich mein Sandwich auf den Teller. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? War das die Gelegenheit, diese ganze Scharade zu beenden, nach der ich so lange gesucht hatte? Ja, Merlin liebte mich wieder!
„Was?", fragte ich.
„Nun, Lily, du bist sechzehn Jahre alt und du hast einen festen Freund, für den du starke Gefühle hegst. Und ich weiß wie es ist in einen Jungen verliebt zu sein und ihr wollt einfach nur zusammen sein."
Ich nickte bedächtig. Sicher, das könnte man wohl so sagen. Was würde James feste Freundin tun?
„Und versteh mich nicht falsch, ich mag James wirklich sehr. Ich denke er ist ein wundervoller Junge. Er ist so höflich, charmant und attraktiv."
„Ja, er ist wundervoll.", erwiderte ich und versuchte dabei noch nicht mal den Sarkasmus in meiner Stimme zu verstecken.
„Deshalb mache ich mir ja auch Sorgen.", sagte sie.
Ich runzelte meine Nase. „Ich kann dir nicht ganz folgen.", erklärte ich ihr.
Sie seufzte erschöpft. „Lily, ich weiß, dass du und James daran denkt sexuell intim miteinander zu werden und ich-"
Geschockt ließ ich meine Hand auf den Tisch fallen. Natürlich war es die verletzte Hand, aber ich war so entsetzt, dass ich mich nicht um das Pochen in meiner Hand kümmerte. „Mum!", schrie ich schrill.
„Lily, ich finde es wichtig, dass wir uns darüber unterhalten. Du bist diesem Gruppenzwang ausgesetzt und du denkst ‚Na ja, wenn alle anderen es tun, warum darf ich es nicht auch tun?'"
„Mum, erzähl mir bitte nicht, was ich denke!", jammerte ich während ich versuchte mein hochrotes Gesicht unter dem Tisch zu verstecken.
„Lily, das hier ist wichtig.", versuchte sie mir klar zu machen.
„Ohh, Mum!", unterbrach ich sie. „Du willst nicht wirklich gerade jetzt mit mir über Sex sprechen.", beschwerte ich mich. „Wir sind in der Öffentlichkeit, in einem Restaurant."
„Das weiß ich, Lily.", machte sie weiter. „Aber als ich dich heute Morgen in seinem T-Shirt gesehen habe, dachte ich es wird Zeit, dass wir mal miteinander reden."
Verdammt, ich wusste dieses Shirt würde mich in Schwierigkeiten bringen. Dafür roch es nämlich viel zu gut.
„Mum, bitte nicht jetzt.", flehte ich sie an und fühlte wie mein Gesicht noch röter wurde.
„Lily, Jungs wollen bestimmte Sachen von Mädchen. Ihre Triebe sind Stärker als die unseren."
Ich bezweifelte sehr, dass sie jemals von James Potter geküsst worden war. Verdammt, ich wusste ganz genau was Triebe waren. In letzter Zeit waren meine wohl um ein vielfaches stärker als seine. Oh, Merlin, hatte ich das gerade wirklich gedacht? Mein Gesicht wurde noch einmal um ein zehnfaches röter.
„Es ist ein ganz natürlicher und wunderschöner Teil des Lebens. Allerdings musst du reif genug sein um damit umgehen zu können. Und es gibt Risiken: ungewollte Schwangerschaft, Herpes, Genitalwarzen."
„Mum!", jammerte ich und beobachtete die anderen Restaurantgäste argwöhnisch. „Nicht so laut."
„Du musst dir nur ganz sicher sein, dass du bereit dafür bist, mein Engel. Überstürze nichts. Mir wäre ja am wohlsten, wenn du bist nach der Hochzeit damit wartest, aber ich vertraue darauf, dass du die richtige Entscheidung für dich selbst triffst. Ich erinnere mich noch, als dein Vater und ich-"
„Mum, wenn du nicht willst, dass ich den Rest meines Lebens zum Psychiater muss, hör bitte auf zu reden.", wies ich sie an.
„Aber-", versuchte sie etwas zu sagen.
„Nein.", schnitt ich ihr das Wort ab. „ Du und Daddy, ihr hab mich vom Storch in einem Korb mit einem Ballon daran bekommen. Ende der Diskussion."
„Lily, du verhältst dich sehr kindisch wegen dieser ganzen Sache."
„Tja, und du beschreibst alles zu bildlich für meinen Geschmack.", teilte ich ihr mit.
Sie lachte befreit, während ich mir ein kleines dunkles Loch wünschte, in das ich mich verkriechen konnte. „Nun, woher, soll ich denn wissen, was bei dir los ist? Du und James, ihr geht den Großteil des Jahres auf dieselbe Schule ohne irgendwelche elterliches Aufsicht. Ich mache mir Sorgen."
Unwillkürlich stellte ich mir uns in Hogwarts vor. Es wäre ganz einfach für ihn eines Nachts in meinen Schlafsaal zu schleichen- auch mit dem Treppenalarm- und das Nervenheil meiner Mutter zu zerstören. Hände, Zungen und Gliedmaßen würden miteinander verschmelzen. Ich dachte an die Seufzer, die er mir entlocken könnte, wie er mich nur mit seinen Küssen zum stöhnen bringen würde und wie mein Stöhnen immer lauter werden würden. Dann sah ich meine Mutter an. Alle Gedanken an Sex waren wie ausgelöscht.
„Und außerdem,", redete sie weiter „wenn du noch nicht einmal reif genug bist, um mit deiner Mutter- der Frau die dich zur Welt gebracht hat- über Sex zu sprechen, dann glaube ich nicht, dass du bereit dafür bist sexuell aktiv zu sein."
„Du musst dir keine Sorgen machen, Mum.", grummelte ich.
„Was?", fragte sie hoffnungsvoll.
Ich fuchtelte unruhig mit den Händen umher und errötete noch mehr. Sie wollte wirklich, dass ich es aussprach. „James und ich haben keinen Sex.", murmelte ich.
Sie seufzte hörbar. „Oh, Gott sei Dank.", murmelte sie und lächelte mich dann an. „Nicht das ich James nicht mögen würde, Lily, Schatz. Ich glaube einfach nicht, dass du schon dafür bereit bist. Du wirst es wissen wenn die Zeit gekommen ist. Du warst schon immer ein schlaues Mädchen. Ich weiß du wirst kluge, sichere Entscheidungen treffen, Lily.", sagte sie. „Entscheidungen, die du hoffentlich nicht treffen wirst bevor du vierzig bist."
Ich rollte mit den Augen.
„Also, bist du dir sicher du willst keine meiner Geschichten hören?", bot sie mir verschmitzt grinsend an. „Ich hab ein paar Gute auf Lager, die sind auch etwas versaut."
Meine Augen fielen mir fast aus den Höhlen, aber noch bevor ich eine Antwort formulieren konnte, setzte sich Petunia wieder zu uns.
Noch nie in meinem ganzen Leben war ich so froh gewesen sie zu sehen.
Mein Gesicht hatte fast wieder seine normale Gesichtsfarbe angenommen, als wir zu Hause ankamen. Eifrig begab ich mich nach drinnen und ließ meinen Blick über all die vertrauten Dinge schweifen: der saubere Küchentisch aus Holz, das Bild an der Treppe auf dem eine junge Petunia weinte und mein jüngeres zahnloses Ich an ihren Haaren zog und die abgenutzte, gemütliche Couch, in der man versank, wenn man sich setzte.
„Wir sind zu Hause!", verkündete meine Mutter dem gesamten Haus.
Ich hörte das Schlurfen von Füßen und andere Geräusche bevor die Jungs- ich denke ein männlicher Wal könnte wohl auch in die Kategorie Junge fallen- die Treppe hinuntereilten und bei uns ankamen. James Augen fanden die meinen umgehend. Eine brennende Sekunde lang schaute ich zurück, dann fing ich den Blick meiner Mutter auf und mir wurde erneut ganz warm im Gesicht.
„Meine Frauen sind zurück!", rief mein Vater aus, als er meine Mutter umarmte. „Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, ob nicht bald die Polizei anruft und mich über einen gewaltigen Zickenkrieg informiert."
„Dad!", empörte ich mich.
„Hey, meine Kleine.", begrüßte er mich, schlang seinen Arm um meine Schulter und küsste mich auf den Kopf. „Und Tuney.", fügte er hinzu und streckte den Arm auch nach ihr aus. „Meine zwei liebsten Töchter. Ich bin froh, dass ihr euch nicht gegenseitig umgebracht habt. Es hat immerhin so lange gedauert bis ihr gelernt habt auf die Toilette zu gehen."
„Dad!", rief Petunia empört.
Er lachte und ließ uns los, um sich dann meiner Mutter zuzuwenden. „Du strahlst noch mehr als du es sonst schon tust, mein Schatz."
Meine Mum kicherte, riss sich dann aber zusammen und zwang sich zu einem grimmigen Gesichtsausdruck. „Versuch dich nicht bei mir einzuschmeicheln, Henry. Ich kann das indische Essen riechen."
„Verdammt.", seufzte mein Dad. „Die Katze ist aus dem Sack, James. Ich hab dir doch gesagt sie hat eine Nase wie ein Spürhund."
„Henry!"
Von diesem Moment an war ich zu abgelenkt von James, der weniger als einen Meter von mir entfernt stand, um meinen Eltern weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken. Ohne ein Wort zu wechseln gingen wir in das leere Wohnzimmer.
„Ich bin wieder da.", war alles was mir einfiel und ich lächelte unbehaglich.
Er grinste. „Ja, hattest du Spaß?"
„Auf einer Skala von eins bis zehn?", fragte ich.
James nickte.
„Es war furchtbar. Meine Mum glaubt wir hätten Sex."
Er lachte bellend und zog mich in eine Umarmung. „Das ist fantastisch!", lachte er dann leise.
„Idiot.", grummelte ich. „Es war schrecklich!"
„Arme Lily.", flötete er süßlich. „Wäre das denn wirklich so schlimm?", fragte er mich mit einem Lachen, während seine Hände weiter meinen Rücken hinunter wanderten.
„James!", schrie ich und schnappte seine Hände. „Ja, das wäre es. Erinnerst du dich? Das war eine Abmachung dieser lächerlichen Scharade, die wir ein für alle Mal geklärt hatten."
„Tschuldige, ich bin so vergesslich.", flüsterte er und rieb sein Gesicht an meinem Nacken, so dass ich seinen Atem und seine Wärme gegen mich gepresst fühlen konnte. „Ich bin froh, dass du wieder da bist.", seufzte er in mein Ohr.
Ich schloss die Augen und atmete seinen Geruch ein, der sehr viel intensiver war, als der meines neuen Lieblingsshirts. „Ich auch.", gab ich zu.
„Hast du mich vermisst?", fragte er, als er sich etwas aus der Umarmung löste, um mir in die Augen sehen zu können.
„Weniger als mein Bett.", antwortete ich frech.
„Nun, mir fällt da ein Weg ein wie wir beide Probleme lösen könnten.", antwortete er mit einem Zwinkern.
Ich rollte mit den Augen und stieß gegen seine Brust. „Nicht in diesem Leben, Potter. Jetzt sei still. Sonst hört dich meine Mum noch.", zischte ich. „Weißt du eigentlich wie entsetzlich das Ganze war? Ich denke nicht. Ich werde ihr eine Woche lang nicht in die Augen sehen können."
„Ich denke es wäre eine recht angenehme Erfahrung.", erwiderte James mit einem frechen Grinsen.
„James.", ermahnte ich ihn.
„Lily.", sagte er, und bei ihm klang mein Name nicht wie eine Warnung sondern wie ein Gebet. Er ließ seine Finger über mein Gesicht streifen mit dem- wie es sich anfühlte- Versuch sich jeden Zentimeter einzuprägen.
„Ich kann nicht fassen wie ungerührt du wegen dieser ganzen Sache bist.", teilte ich ihm mit. „Die ganze Zeit war es ein unglaubliches Schlamassel. Ich kann noch nicht einmal daran denken, ohne dass mein Gesicht ganz rot und fleckig wird."
Er lachte leise und seine Finger wanderten über den offensichtlichen Beweis meiner Beschämung. „Wir haben die Situation unter Kontrolle."
Ich prustete. Er vielleicht, ich ganz bestimmt nicht.
„Eltern haben eine Höllenangst davor, dass ihre Kinder erwachsen werden.", sprach er weiter. „Ich bin mir sicher, dass du dieses Gespräch sowieso irgendwann hättest durchstehen müssen. Meine Eltern hatten dieses Gespräch mit mir als ich fünfzehn wurde, und es gab viele langwierige und unglücklich gewählte Metaphern. Bis zum heutigen Tag kann ich keine Nilpferde mehr ansehen ohne rot zu werden."
„Nilpferde?", fragte ich.
Sein Gesicht nahm eine leicht rötliche Färbung an und er bewegte sich unruhig. Alles in allem könnte man es als niedlich bezeichnen. „Mein Dad sollte wirklich keine Metaphern verwenden."
„Dann ist es wohl für jeden schrecklich.", seufzte ich. „Ich hatte nur gehofft meine Mutter würde mit diesem Gespräch warten bis ich alt und grau bin. Blöderweise veranlasste sie mein falscher fester Freund das Gespräch vorzuziehen."
Er grinste. „Kannst du es ihr verübeln? Natürlich denkt sie sich ihren Teil. Ich bin unglaublich attraktiv, weißt du?", neckte er mich. „Sie hat allen Grund um deine Unschuld zu bangen."
Ich weigerte mich diese verführerischen Worte zusammen mit dem Aufflackern von Lust in seinen Augen meine Atmung aussetzen zu lassen. Meine Lungen allerdings sahen das ganz anders.
„Es ist leichter dir zu widerstehen als du glaubst.", sagte ich.
„Ach, wirklich?", forderte er mich heraus. Er packte meine Hüfte und bugsierte mich zur Couch hinüber. Er beugte sich so weit nach vorne, dass ich keine andere Wahl hatte als mich hinzulegen um den Abstand zwischen uns zu bewahren. Er näherte sich mir bis sein Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt war und sein Körper gegen meinen presste.
Mein Atem kam stoßweise, was zeigte wie wenig ich ihm widerstehen konnte.
„Du behauptest also,", flüsterte er und sein Atem vermischte sich mit meinem. „dass du gerade nicht an Sex denkst?"
Mein Herz hämmerte in meiner Brust. „Ja.", brachte ich heraus, aber in meinen Ohren klang es eher wie eine Frage.
Er bewegte seine Lippen nach unten, so dass sie über meinem Kinn schwebten, bis sie einen Druckpunkt an meinem Hals fanden und das Fleisch dort mit einer aufreizenden Berührung neckten.
„Bist du dir sicher?", fragte er heiser.
Ich fühlte wie meine Augen sich nach hinten drehten. „Nein.", hauchte ich.
„Mmmh.", stöhnte er und ich fühlte die Vibrationen in seiner Brust und seinen Atem auf meinem Hals. „Das dachte ich mir.", bemerkte er gedehnt.
Dann hüpfte er von mir herunter und grinste. Verwirrt und benebelt setzte ich mich auf. Was? Wo blieb der Kuss? Wie konnte er es wagen mich so warten zu lassen? Ich öffnete den Mund, um mich zu beschweren, aber dann wurde mir klar, dass ich ihm damit viel zu viel Macht geben würde. Schnell schloss ich meinen Mund wieder.
Er musste meinen hungrigen und enttäuschten Blick bemerkt haben, denn er fing an zu lachen.
„James! Du hast mich reingelegt!", warf ich ihm vor und schlug ihn. „Das ist nicht fair!"
„Das ist es auch nicht, wenn du mich mit deinen unschuldigen kleinen Augen ansiehst und mit mir über Sex redest. Ich bin ein Teenager. Ich hab mich in deiner Nähe nicht unter Kontrolle."
„Das merkt man aber nicht.", grummelte ich.
„Das liegt daran, dass du immer so schwer atmest und deshalb nichts bemerkst.", erwiderte er mit einem anzüglichen Grinsen.
Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und ich streckte die Hand aus um ihn erneut zu schlagen, aber seine Quidditchreflexe waren zu schnell für mich.
Er betrachtete meine Hand eingehend, als ich vor Schmerz zusammenzuckte.
„Was hast du gemacht?"
„Der Wecker hat es herausgefordert. Ich musste ihn vernichten.", sagte ich.
„Lily.", seufzte er und strich sanft mit seinen Fingern über den sich färbenden Bluterguss. Ich zischte und er hörte abrupt auf.
„Ich werd es besser machen.", versprach James.
Ich rollte mit den Augen. „Wenn du vor hast meine Hand zu küssen um es besser zu machen…", warnte ich ihn.
Er lachte und zog seinen Zauberstab. „Wie schnell du doch immer an meine Küsse denkst.", erwiderte er. Er richtete den Zauberstab auf meine Hand und auf einmal war er Schmerz verschwunden, genau wie der Bluterguss.
Ich schlug mir mit der nun geheilten Hand gegen die Stirn. „Merlin, ich hatte den ganzen Tag meinen Zauberstab bei mir und es ist mir nicht einmal in den Sinn gekommen ihn zu benutzen. Mein Leben als Muggel lässt mich so einiges vergessen."
James lachte leicht. „Du warst zu sehr damit beschäftigt so wie Petunia zu sein.", sagte James und deutete auf meine Fingernägel.
Ich rollte mit den Augen, aber dann wurde mein Gesichtsausdruck wieder freundlich. „Danke, James."
Er zuckte mit den Schultern und hob meine Hand an seine Lippen. „Jetzt ist es besser."
„Betrüger."
Er grinste mich verschmitzt an.
Wir hatten nicht viel Zeit um uns zweideutige Bemerkungen zuzuwerfen und zärtliche Berührungen auszutauschen, denn das Abendessen war bald fertig. Es gab Fisch. Als wir unsere klischeehafte Mädelszeit hatten, hatten die Jungs scheinbar ein typisches Männerabenteuer, sie waren angeln. Allein der Gedanke daran ließ mich unkontrolliert kichern. Ich konnte mir genau vorstellen, wie mein Vater mit seinem „speziellen" Angelhut und seinen hüfthohen Gummistiefeln versuchte einen seekranken Vernon zu beruhigen, während James lachend hinten saß und das Boot schaukeln ließ. Es war noch lächerlicher als drei Frauen, die im Umkleidebereich herumschrien.
Da ich die Hälfte meines Hünchensandwiches beim Mittagessen hatte liegen lassen, weil mir der Appetit vergangen war, als ich erfuhr, dass meine Mum sich darum sorgte, dass James mir gezeigt hatte wie, äh, sein Zauberstab funktioniert, machte ich mich hungrig über den Fisch her. Ich lauschte dem Gespräch meiner Eltern über ihre jeweiligen Wochenenden, während ich mir das Essen in den Mund schaufelte. James, der mir seitdem ich wieder da war kaum von der Seite gewichen war, langte unter dem Tisch nach meiner linken Hand.
Neugierig beobachtete ich, wie er unsere Finger miteinander verwob.
Ich lehnte mich zu ihm rüber. „Jetzt kannst du nicht essen.", flüsterte ich ihm zu.
„Ich benutzte einfach meine linke Hand.", erklärte er mir, drückte meine Hand leicht und küsste meine Wange etwas zu nah an meinem Mund, als dass es harmlos gewesen wäre und griff ungeschickt mit seiner linken Hand nach der Gabel. Ich beobachtete wie er sich schwer tat so zu essen und meine Mundwinkel hoben sich unwillkürlich.
Nach dem Abendessen, ging James duschen und ich versuchte sehr über diese absolut normale und alltägliche Notwendigkeit nachzudenken, die man auf keinen Fall als Grundlage für irgendwelche Fantasien nehmen sollte. Es war notwendig. Ahh, notwendig hatte für mich nun eine ganz andere Bedeutung. Ich musste es aus meinem Wortschatz entfernen, sofern ich nicht auch unter die Dusche wollte. Ich entschied mich diese Gedankengänge nicht weiter zu verfolgen und ließ mich neben meinen Vater auf einen Stuhl in der Küche sinken.
„Hey, Daddy.", begrüßte ich ihn.
„Hallo, meine liebste Blume."
Ich lachte. Nur mein Vater durfte solche Pflanzenanspielungen machen. „Was machst du?", fragte ich und beobachtete wie er in einem Haufen seltsamer Metallteile herumkramte.
„Ich verstaue nur einen Teil meiner Angelausrüstung.", teilte er mir mit. „Ich hatte heute sehr viel Spaß mit den Jungs. James hat wirklich Talent. Er hat fünf von den sieben Fischen gefangen!", rief er aufgeregt aus.
„Wirklich?", hakte ich interessiert nach. „Ich wusste gar nicht, dass er angeln kann."
„Kann er wohl auch nicht, aber er hat talentierte Finger."
Das musste er mir nun wirklich nicht sagen. Ich überspielte die aufsteigende Röte und wechselte das Thema. „Ich wette ihr hattet mehr Spaß als wir."
Dad lachte leise. „Nur meine kleine Lils hasst es, wenn sie verwöhnt wird. Du warst schon immer ein seltsames Kind. Du wolltest auf Berge klettern und Dinge explodieren lassen. Wir konnten dich nie dazu bringen dich hinzusetzen und zusammen mit Petunia Puppen zu spielen."
„Das liegt daran, dass das so langweilig ist.", sagte ich in einem übertriebenen Tonfall und rümpfte die Nase.
Er stupste meine Nase mit seinem Zeigefinger. „Du warst genau wie ich, als ich ein kleiner Junge war."
„Wirklich?", fragte ich
„Wirklich.", sagte er.
Ich lächelte, doch dann verzog ich schmollend das Gesicht. „Mist.", bescherte ich mich. „Ich wollte doch wie jemand sein, der cooler ist."
„Lily Evans!", rief er.
Ich kicherte. „Ich mach nur Spaß, Dad."
Er verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte melodramatisch. „Das will ich dir auch geraten haben.", warnte er mich.
Wir fingen beide an hysterisch zu lachen.
Er nahm seine Brille ab und fuhr sich über die Augen, während er versuchte sich wieder unter Kontrolle zu bringen. „Lily, ich bin wirklich froh, dass du deine Mum begleitet hast. Es hat ihr viel bedeutet mit ihren zwei Mädels Zeit zu verbringen."
Seine Dankbarkeit ließ mich erröten. Mein Dad schaffte es immer, dass ich mich besonders fühlte, auch wegen Kleinigkeiten. Sogar, wenn ich nur die Wäsche mit nach oben nahm, lobte er mich. Traurigerweise, konnte ich nie das Gefühl loswerden, dass ich das nicht verdiente. „Ich hätte etwas freundlicher zu Tuney sein können.", gab ich zu.
Er lächelte mich an. „Du tust was du kannst. Ältere Schwestern sind nun einmal dazu da dich in den Wahnsinn zu treiben. Das ist nun mal so. Die Aufgabe des jüngeren Geschwisterteils ist es ihnen auf die Nerven zu gehen. Frag mal deine Tante Lucy. Ich habe keine Gelegenheit ausgelassen, sie so sehr zu nerven wie ich nur konnte. Wahrscheinlich hat sie mich gehasst.", sagte Dad und klang dabei sehr zufrieden.
Ich lachte. „Gut, dass ich das kleine Nesthäkchen bin."
„So klein bist du nicht mehr, Lils.", erinnerte er mich mit sanfter Stimme.
„Ja."
Er machte eine kurze Pause, bevor er wieder den Mund öffnete um etwas zu sagen. „Weißt du, Lily, Ich mag James wirklich. Ich finde er ist ein netter Junge."
Ich lachte leicht. „Das ist er.", seufzte ich.
„Gut, denn ich will nicht, dass jemand der es nicht verdient hat, mir die Liebe meines kleinen Mädchens stiehlt."
„Dad.", sagte ich, so als würde ich zu einem Kleinkind sprechen. „Mach dir darüber keine Gedanken. Du bist immer noch der Beste."
„Fünf Fische, Lily!", rief er aufgeregt. „Und das auch noch auf seinem ersten Angelausflug!"
Ich schüttelte den Kopf und lachte.
Vor Mitternacht sah ich James nicht mehr. Wir trafen uns wieder draußen bei der Schaukel. „Hey.", begrüßte ich ihn.
„Hey."
Er setzte sich neben mich und fing an ein leicht hin und her zu schaukeln.
„Mein Dad mag dich sehr.", teilte ich ihm mit. „Das hat er mir vorhin gesagt."
James seufzte erleichtert. „Das ist gut. Ich wollte einen guten Eindruck bei deinen Eltern machen."
Ich wurde stutzig. „Weil du so tust als wärst du mein fester Freund, nicht wahr?", fragte ich, um sicher zu gehen.
„Ja.", stimmte er mir zu.
„Tja,", sagte ich und hatte Mühe den Satz auszusprechen, „danke James. Ich weiß es wirklich zu schätzen wie sehr du dich engagierst. Es ist wahrscheinlich das Bescheuertste was ich je getan habe und ich weiß wirklich nicht wie wir bisher alle täuschen konnten. Also, ja, danke."
James lachte leise. „Das hast du geprobt, oder?"
Ich rutschte auf meiner Schaukel umher. „Vielleicht.", antwortete ich ausweichend. Er grinste mich an und ich seufzte gereizt. „Na ja, du warst ziemlich lange da drinnen!"
Er lachte laut. „Entschuldige, dass ich dich hab warten lassen.", sagte er. „Und zu der anderen Sache, das hab ich gern getan, Lily, auch wenn ich nicht genau verstehe warum du dich bei mir bedankst. Allerdings,", fügte er hinzu, „ist es mal ne ganz nette Abwechslung zu dem was ich sonst von dir gewohnt bin."
Ich lächelte etwas beschämt, als ich an all die Dinge dachte, die ich James in der Vergangenheit an den Kopf geworfen hatte. „Na ja, egal.", machte ich weiter. „Du hast es geschafft meinen Dad für dich zu gewinnen, und meine Mum ist bereits Feuer und Flamme für die enthaltsame Lily und James Beziehung."
James kicherte. „Witzig.", bemerkte er.
Ich zuckte mit den Schultern. „Es kommt und geht."
„Weißt du, ich mag deinen Dad auch sehr.", sagte James und schaukelte vor und zurück. „Heute Morgen hatten wir ne Menge Zeit, also haben wir natürlich Vernon ignoriert und uns über Quidditch unterhalten. Nachdem ich deinem Dad die Regeln erklärt hatte, war er wirklich begeistert von dem Spiel. Er kennt sich auch sehr gut mit Strategien aus. Ich werde ein paar seiner Ideen nächstes Jahr mit unserer Mannschaft ausprobieren. Ich würde ihn gerne Mal zu einem richtigen Spiel mitnehmen."
„Das würde ihm wahrscheinlich sehr gefallen.", erwiderte ich.
Der Gedanke daran wie sich James und mein Vater gut verstanden war komisch. Einerseits war es gut, dass mein Vater kein Problem mit ihm hatte und ich deshalb problemlos diese Scharade weiterführen konnte ohne Misstrauen zu erwecken. Andererseits wollte ich nicht, dass sie sich zu gut verstanden, denn ich wollte nicht, dass mein Vater verletzt wurde. Sicher, James war toll. Er hatte es geschafft das Wohlwollen meiner überbesorgten und überängstlichen Eltern zu gewinnen, und dass in nur fünf Tagen. Er angelte, er heilte, und er verzauberte die Leute. Als ich ihn am meisten brauchte, war er da für mich und er hatte sich nicht einmal darüber beschwert meinen festen Freund spielen zu müsse. Aber wie wusste er was nur Schauspielerei war? Dad hatte es gerade erst geschafft, die Vorurteile, die er James gegenüber hatte abzulegen. Alles was jetzt noch passierte, würde ihm wehtun, wenn das hier alles vorbei war und wir wieder zu unserem Leben zurückkehren konnten. Mein Vater musste auf sich aufpassen und sehen, dass er sich nicht zu sehr fallen ließ, und nicht zu tief. Er durfte nicht glauben, dass das hier echt war. Letztendlich würde er verletzt werden.
„Lily?", fragte James und wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht. „Alles klar bei dir? Du siehst aus als hätte man dich gerade mit einem Vergessenszauber belegt."
Ich lachte und schüttelte den Kopf um die Gedanken loszuwerden. „Ich war nur in Gedanken.", sagte ich. „Also, James, wie hast du es wirklich geschafft fünf Fische zu fangen."
Er zerwuschelte sein Haar, und grinste verschmitzt. „Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?"
Ich rollte mit den Augen. „Sieht ganz so aus."
„Ich hab den Aufrufezauber benutzt, als niemand hinsah."
Wir lachten zusammen eine ganze Weile. Ich glaube es lag eher an der Uhrzeit, als an der Komik es Gesagten, auch wenn mich das Bild sehr zum Lachen brachte.
Nachdem wir uns wieder beruhigt hatten, lehnte James sein Gesicht an die Kette meiner Schaukel.
„Mmmh, ich bin müde.", gähnte er und kuschelte sein Gesicht an meine Schulter. „Dein Dad hat mich heute Morgen um vier Uhr aufgeweckt."
„Aber du hast das Hotelzimmer erst gegen Ein Uhr verlassen.", bemerkte ich.
Er gähnte erneut. „Ich weiß.", stöhnte er.
„Merlin, du musst wirklich erschöpft sein. Wir sollten rein gehen."
„Nein.", protestierte er. „Mir gefällt's hier.", sagte er von seinem Platz an meiner Schulter. „Du riechst nach Erdbeeren." Jetzt hörte er sich wirklich müde an. Die Art von Müdigkeit, bei der man Dinge von sich gab, die nicht viel Sinn ergaben.
„Na, komm schon, James, es ist Zeit ins Bett zu gehen."
„Aber nicht mit dir.", bemerkte er.
„Ja.", stimmte ich ihm zu. „Ganz bestimmt nicht mit mir."
Ich musste ihn halb ins Haus und dann ins Gästezimmer zerren.
Er lachte, als wir die Zimmertür erreichten „Du hast mich zur Tür gebracht!", sagte er. „Heißt das jetzt, ich bin das Mädchen?"
Ich lachte leise. „Ja, das tut es.", flüsterte ich.
„Dann musst du mich jetzt küssen."
„Nein, muss ich nicht.", protestierte ich.
„Doch, das musst du."
Mir wurde klar, dass wir hier noch eine Ewigkeit stehen würden. „In Ordnung.", prustete ich. Ich streckte mich und küsste ihn auf die Wange, aber nachdem ich sein Gesicht berührt hatte, drehte er es so, dass ich seine Lippen berührte. Er küsste mich langsam, so als wolle er mich in den Schlaf wiegen.
Als er jedoch von mir abließ, fühlte ich mich zu aufgedreht, um überhaupt an Schlaf zu denken.
Er grinste glücklich. „Gute Nacht, Liebling."
„Gute Nacht, James.", gab ich zurück.
Ich begab mich in mein Zimmer und holte meine Tasche hervor. Behutsam nahm ich James zusammengefaltetes Shirt heraus und zog es über, bevor ich in mein Bett krabbelte und einschlief.
Ich hab mich wirklich über die verhältnismäßig vielen Reviews gefreut.
Freut mich, dass euch die Story und auch meine Übersetzung so gut gefällt. LG Melissa
