THE TALE
Teil I: Begegnung

Disclaimer:
Alle Rechte an der Harry Potter Reihe und deren Charakteren liegen bei der großartigen Autorin J. K. Rowling und den veröffentlichenden Verlagen. Ich leihe mir sie nur aus; mir gehört nichts außer ein paar undedeutenden OCs… und natürlich verdiene ich damit kein Geld.

A/N:
Dieses Kapitel entstammt zu großen Teilen einer Diskussion bei HaD, vor eineinhalb Jahren, inzwischen (Link im Profil)... und ohne sie wäre das Kapitel bei weitem nicht das, was es nun ist.

Ich möchte mich hiermit dafür bedanken, und widme es einigen Personen: Connemara, vor deren enormen Faktenwissen und Intelligenz ich meinen Hut ziehe... schade, dass du nicht mehr hier bist. Deine Beiträge fehlen schmerzlich.

Loons, die aus diesen Gedanken ihre eigene Geschichte machte ('A Tale Told by an Idiot'), die ich im übrigen noch nicht gelesen habe – daher sind alle möglicherweise vorhandenen Gemeinsamkeiten zufälliger Natur.

Annett ist das Porträt von Ignatius Potter gewidmet, denn sie hatte die Idee zuerst; Bernika Dumbledores silberne Instrumente, denn sie verband sie mit Godric's Hollow.

Und allen anderen, die mich zum Nachdenken anregten, und somit diese Geschichte erschufen.


Kapitel 6: Gedanken-Spiele: Schicksalsstunde

Urd heißt die eine, die andre Werdani:
Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose, das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend.

Edda (Völuspá – Der Seherin Weissagung)

Der Abend hatte eigentlich recht harmlos angefangen. Sirius war, wie er es James und insbesondere Lily versprochen hatte, nach Leeds appariert, kurz nach zehn, um nachzusehen, ob Peter in Sicherheit war. Das alte Haus mit dem winzigen, ungepflegten Vorgarten sah aus wie immer, und es brannte kein Licht.

Sirius stieg die Stufen hoch und klopfte. Es kam niemand. Er klopfte erneut. Er probierte den Knauf, und die Tür ging auf, es war nicht abgeschlossen. Er stand im düsteren Flur.

„Peter? Bist du da?"

Keine Antwort. Sirius ging in die Küche. Der Herd war kalt, in der Spüle standen schmutzige Teller von mehreren Mahlzeiten. Im Wohnzimmer war auch niemand. Auf dem Tisch stand eine leere Flasche Feuerwhisky. Sirius runzelte die Stirn.

Der Kalender an der Wand hatte das Datum eine Woche zuvor mit rot umkringelt, die Linien wirkten fahrig, zittrig. Ansonsten herrschte eine gespannte Atmosphäre, aber vielleicht waren das auch nur Sirius überreizte Nerven. Ein Möbelstück hinter ihm knackte plötzlich, unnatürlich laut in der Stille. Er zuckte zusammen und fuhr herum.

Niemand war dort.

Aber es gab keinen Grund für Peter, nicht da zu sein – sie hatten unmissverständlich verabredet, dass Peter in seinem Haus zu bleiben hatte. Es konnte sein, das er oben im Schlafzimmer war und schnarchte, aber Sirius glaubte nicht daran. Etwas stimmte hier nicht.

Er ging die Treppen hinauf, stieß die Schlafzimmertür auf und starrte auf das gemachte Bett. Peter war nicht hier, aber es gab keine Anzeichen von einem Kampf. Wo immer er auch war, er war freiwillig dort.

Sein ungutes Gefühl wurde stärker. Er bekam es mit der Angst zu tun. Peter war der einzige, der James und Lily verraten konnte, und wenn er… nein, er durfte nicht daran denken. Er musste zu seinen Freunden, er würde bei ihnen vorbeisehen, James würde über seine grundlosen Sorgen lachen, sie würden gemeinsam ein Butterbier trinken und anschließend konnte er ruhigen Gewissens ins Bett gehen.

Das einzige Problem war, dass ein Apparier-Bann Bestandteil der Schutzzauber über dem Cottage war, aus genau den Sicherheitsgründen, aus denen es auch nicht ans Flohnetzwerk angeschlossen war, sodass ihm diese Möglichkeit ebenfalls versperrt war. Andererseits war er kaum im Dorf selber gewesen…

Er würde sein Motorrad benutzen müssen, was Zeit kostete, wertvolle Zeit, die ihm wie Sand durch die Finger rann.

Augenblicke später war er in seiner Wohnung und rannte die Stufen hinunter in die Garage. Das große Motorrad erwachte donnernd und knatternd zum Leben, er fuhr auf die Straße und, als er sicher war, das niemand ihn sah, hob ab.

Er flog einen Bogen und steuerte dann mit Höchsttempo nach Westen.

Die Maschine schien kaum vorwärts zu kommen, aber seine Finger wurden im Fahrtwind der kalten Herbstnacht zu Eis, denn er hatte sich nicht die Zeit genommen, die Motorradkleidung anzulegen.

Er benutzte die Lichter von Städten als Wegweiser, die unter ihm in der ansonsten gleichmäßigen Schwärze blinkten, und als er schließlich eine große Ansammlung von ihnen, neben einer pechschwarzen dunklen Fläche erreichte hatte, die nur der Bristol Channel an der Mündung der Severn sein konnte, wusste er, dass er Bristol überflog.

Als Newport auf der anderen Seite des Kanals in Sicht kam und danach Meile um Meile nur Dunkelheit, erkannte er, dass ihm ab hier nichts anderes übrig blieb, als den Wegweisern zu folgen, das hieß, er musste landen. Er ging auf der leeren Kreuzung einer Landstraße hinunter, und sah ein kleines Schild, dass ihm neue Hoffnung gab, als er die Namen las: AlbercarnCrumlin… hier:

Ebbw Vale, 20 Meilen.

Der nächste größere Ort, von Godric's Hollow aus gesehen. Eine Viertelstunde später raste er durch das Dorf. Die Kirchturmuhr schlug viertel vor eins, als die Hollow Lane zu einem Feldweg wurde, an dessen Rand nur noch vereinzelte Häuser standen.

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James saß immer noch auf den Stuhl und starrte aus dem Küchenfenster.

Zwei rote Augen starrten zurück.

Er zuckte zusammen. Dreimal vor Harrys Geburt hatte er gegen den Mann, dem dieses Gesicht gehörte, gekämpft, einmal danach. Es gab keine Zweifel. James sprang auf, wobei der Stuhl über den Küchenfußboden schlitterte.

Lily war oben. Vielleicht hatte sie noch eine Chance.

„Lily! Nehm Harry und lauf! Er ist es! Geh! Lauf! Ich halte ihn auf –"

Oben stolperte jemand. Die Küchentür explodierte nach innen. Voldemort stand im Raum, und begann schrill zu lachen.

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Das Porträt von Ignatius Potter Sr., seines Zeichens Schulleiter von Hogwarts in den Jahren 1631 bis 1667, hing in dem kleinen Arbeitszimmer im ersten Stock, schräg gegenüber der Tür des Kinderzimmers. Wie es sich traf, stand die Tür offen, und der Winkel war gerade so, das man von dieser Wand aus über den Flur das Kinderzimmer im Blick hatte.

Ignatius Potter hatte ruhig in seinem Bild in Hogwarts gesessen und nichts besonderes getan – abgehangen, wie die jungen Leute es nannten, und er musste jedes Mal über das Wortspiel kichern – bis ihn ein Schrei aus seinem anderen Rahmen aufgeschreckt hatte.

Er war sofort hinübergegangen, und hatte gerade noch gesehen, wie Lily Potter über die Türschwelle des Arbeitszimmers stolperte und in das Kinderzimmer stürmte, wo er sah, wie sie sich über die Wiege mitten im Raum beugte.

Von unten erklang ein schrilles Lachen, dann Kampfeslärm, der aber nur all zu schnell wieder verstummte. Dann erklangen schwere Schritte auf der Treppe, und Ignatius sah entsetzt, wie eine hässliche Figur mit einem unmenschlich wirkenden Gesicht über den Flur ging – er hatte Voldemort noch nie gesehen, aber er hätte seinen Rahmen darauf verwettet, dass er es war.

Er konnte nichts tun und nur hilflos mit ansehen, wie er in das Kinderzimmer ging, in dem Lily immer noch vor der Wiege stand. Es gab kein Entkommen, und er sah, dass sie es wusste, bevor Voldemort ihm den Blick auf sie versperrte.

Sie begann zu flehen – nicht um ihr Leben, sondern um das von seinem jüngsten Nachfahren, Harry.

„Nicht Harry, nicht Harry, bitte nicht Harry!"

Voldemort schien das aber nicht zu beeindrucken – und merkwürdigerweise tötete er sie nicht gleich, sondern redete erst. Was Ignatius von Gesprächen im Büro des Schulleiters mitbekommen hatte, klang anders.

„Geh zur Seite, du dummes Mädchen… geh weg jetzt…"

„Nicht Harry, bitte nicht, nimm mich, töte mich an seiner Stelle –"

Voldemort wurde schien langsam ärgerlich zu werden – sie stand zwischen ihm und Harry. Er trat zur Seite, sodass er ein freies Schussfeld hatte und hob den Zauberstab.

Lily war völlig aufgelöst.

„Nicht Harry! Bitte…verschone ihn… verschone ihn…"

Ein grüner Lichtstrahl badete das dunkle Kinderzimmer in einem grellen Licht, und Lily stieß gleich danach einen Schrei aus und warf sich zwischen den Fluch und Harry. Voldemort lachte schrill und Ignatius sah ein mattes weißes Leuchten. Er hoffte wider jeglicher Vernunft… aber dann verschwand es, und ihr lebloser Körper fiel zu Boden.

Voldemort beugte sich über die Wiege.

Ignatius stellte sich vor, wie Harry mit seinen großen grünen Augen unschuldig zu Voldemort hoch starrte… konnte diese Kreatur überhaupt noch so etwas wie Mitgefühl empfinden? „Mamam?"

Er bezweifelte es. Voldemort Stimme klang herüber.

„Deine Mutter ist tot, du blödes Ding. Genauso wie du gleich… was? Hast du gedacht, du könntest einfach so jemand werden, der die Macht hat, mich zu vernichten? Nicht mit mir."

Wieder hob er seinen Zauberstab und hielt ihn auf den Bauch des Babys. Es fing an zu weinen.

Avada Kedavra!"

Wieder erstrahlte das Zimmer gegenüber grün, aber dieses Mal dauerte es an und wurde gleißend hell, immer heller – so hell, dass er nichts mehr im Zimmer erkennen konnte – und dann zerriss ein ohrenbetäubender Knall das Haus und die Stille der bis dahin scheinbar so ruhigen Nacht.

Der Raum explodierte, das Haus – und Ignatius sprang aus seinem Rahmen, der gleich darauf zerfetzt wurde, aber in den Sekundebruchteilen, in denen er vorher noch einen Blick erhaschen konnte, hätte er schwören können, dass Voldemort verschwunden war.

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Mr. Smith legte gerade die fertig reparierte Uhr auf die Fläche seines Schreibtisches, und war ans Fenster getreten, um die Gardienen zuzuziehen, als er einen grellen Blitz im Westen sah und gleich darauf eine ferne Explosion hörte. Das Echo rollte sekundenlang zwischen den anliegenden Bergen hin und her.

Er debattierte kurz mit sich, und schaute ins Schlafzimmer, aber seine Frau hatte schon immer einen festen Schlaf gehabt und rührte sich nicht, und er wollte sie nicht wecken. Schließlich gewann seine Neugier, und er ging hinunter in den Flur, griff Hut und Mantel und verließ das Haus. Er ging in die Richtung, in der er das Licht gesehen hatte, und wurde gleich darauf von einem schwarzen Motorrad überholt, das mit höllischem Tempo an ihm vorbeidonnerte.

Die Viertelstunden-Glocke am Kirchturm schlug dreimal, als er das Ende des Dorfes erreicht hatte. Dort kam ihm ein weiteres Fahrzeug entgegen, dieses Mal eine altmodische Limousine, die im Licht der letzten Laterne dunkelgrün schimmerte. Er wäre fast überfahren worden, weil sie ohne zu halten aus dem Seitenweg kam, aber es gelang ihm gerade noch rechtzeitig, zur Seite ins Gras zu springen, wobei er mit den Füßen eine Ratte aufscheuchte, die quiekend im Gebüsch verschwand.

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Eines der wenigen Häuser, die hier standen, brachte Sirius zu einem abrupten Halt. Alles, was von diesem Cottage übrig war, war ein großer Haufen Trümmer, über dem eine dünne Staubwolke hing, die geisterhaft weiß in der Schwärze der Nacht leuchtete, wenn der Mond durch die Wolken am Himmel schien. Daneben war eine Gestalt, die der Größe nach zu urteilen nur Hagrid sein konnte, dabei, Trümmer beiseite zu räumen. Sirius Gesicht verlor alle Farbe.

Peter war der Spion gewesen. Voldemort war hier gewesen. Er hatte den Tausch vorschlagen. Und nun war er zu spät gekommen.

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Ein paar Minuten später sah Albert Smith das Motorrad wieder. Es parkte vor einem Grundstück, das vermutlich einmal eines der typischen Cottages beherbergt hatte, aber jetzt war davon nur noch ein großer Trümmerhaufen übrig. Er hatte anscheinend den Ort der Explosion gefunden. Das Ganze war recht gut zu sehen, weil der Mond jetzt öfter Löcher in den Wolken fand.

Neben den Trümmern stand ein Mann, und eine zweite, hünenhafte Person, kletterte gerade mit einem Bündel im Arm zwischen zwei verkeilten Holzträgern, die er mit einer Hand hoch hielt, hervor.

Langsam ging Albert Smith im Schatten der Hecke näher heran; jetzt konnte er hören, was gesagt wurde. Der Mann fiel auf die Knie und starrte auf die Reste des Hauses.

„James und Lily – sind sie – sie sind – tot?"

Der Hüne stand inzwischen neben dem Mann und legte ihm tröstende den Arm auf die Schulter.

„Nich's mehr zu machen, Sirius. Beide da drin, beide t-t-tot…"

Er schniefte lautstark.

Sirius schüttelte den Kopf, als würde alles verschwinden, wenn er es nur lange genug bestritt.

„Nein. Nein, das kann nicht – Wo –?"

Der andere schnäuzte in ein überdimensionales kariertes Taschentuch und schüttelt ebenfalls den Kopf.

„Es is' – sie sin' wirklich, Sirius –"

Er stieß einen lauten Schluchzer aus. Sirius starrte weiter auf den Trümmerhaufen. Er umklammerte den dicken Arm an seiner Seite.

„Wo, Hagrid?"

„Kommst da so nich' ran. Hatte größte Mühe, Harry da unter rauszuziehen."

Sirius sprang auf und wirbelte herum.

„Harry? Harry lebt?"

Erst jetzt schien er die kleine Gestalt im Arm von Hagrid zu bemerken.

„Jaoh, schläft – hat 'nen Riss auf der Stirn un' alles, aber er lebt. Dumbledore hat gesagt, dass Du-weißt-schon-wer's Fluch bei ihm nich' funktioniert hat – er wollte Harry töten, aber konnte nich'… un' jetzt is' er verschwunden. Nich' ma' sein Körper is' mehr da."

Er erschauerte.

Albert Smith holte erschrocken Luft. Erst jetzt war er zu einer Reaktion fähig. Während des Gespräches hatte er wie in Schockstarre festgefroren gestanden; seit er die ersten Namen gehört hatte.

Er hatte James gekannt, schon als dieser ein kleiner Junge war, und war zu seiner Hochzeit mit Lily eingeladen gewesen. Dorothea und er hatten ein freundschaftliches Verhältnis mit Harold und Maireen Potter gepflegt, bis zu ihrem Tod; Harold war kurz nach ihr vor etwas über einem Jahr gestorben, beide waren recht alt gewesen.

Und nun war auch ihr Sohn und seine Frau tot. Aber was hatten sie hier unten in dem Haus gemacht? Potter Manor lag gut zehn Meilen entfernt, und es führte kein direkter Weg hierher.

Er starrte weiter auf die Überreste des Hauses, ohne sie wirklich zu sehen, verloren in Erinnerungen; und nahm nur am Rande die Worte der Beiden war.

Drüben sagte Sirius: „Gib Harry mir, Hagrid, ich bin sein Pate, ich kümmere mich um ihn."

Hagrid schüttelte den Kopf.

„Dumbledore will, dass Harry zu sein' Verwandten kommt."

„Dumbledore will vieles", fuhr Sirius auf. „Es war auch seine Idee, den Fidelius-Zauber anzuwenden – hätte er nicht – dann hätte ich nicht…"

Er schluckte.

„Jedenfalls – wofür ist ein Pate da, wenn nicht, um sich um sein Patenkind zu kümmern? Das ist alles, was ich jetzt noch tun kann. Ich bin ihnen wenigstens das schuldig. Und von welchen Verwandten redest du? Er hat keine Verwandten mehr."

„Lilys Schwester, glaub' ich. Muggel."

Sirius starrte ihn an.

„Muggel? Warum um alles in der Welt soll Harry zu Muggeln?"

„Da is' er am sichersten, Sirius. Dumbledore macht da was, was er woanders nich' kann… Harry wird da sicher sein, vor Du-weißt-schon-wem und seinen Todessern."

Sirius seufzte, er schien geschlagen. „Wie kommst du dahin? Babys vertragen magische Transporte nicht sehr gut…"

Er starrte eine Zeit lang in die Nacht, bevor er schließlich weiter redete.

„Nimm mein Motorrad, und bring Harry dorthin, ich brauch es nicht mehr."

„Bist du sicher?"

„Ja, ich habe noch etwas anderes zu tun…"

Sie gingen zum Motorrad und Hagrid setzte sich mit Harry im Arm darauf. Albert Smith drehte sich um und bemerkte, dass vom Dorf her mehr Menschen kamen, in der Ferne hörte er Sirenen von Feuerwehr und Polizei. Irgendjemand musste sie alarmiert haben.

Hinter ihm erklärte Sirius Hagrid die Bedienung des Motorrads, dann sprang die Maschine laut knatternd an, und hob gleich darauf ab. Sie flog nach Norden, bemerkte er, in die Richtung, in der Potter Manor lag.

Er hatte kein Bedürfnis mit anderen Muggeln darüber zu reden, was hier passiert war. Er hielt sich im Schatten und ging zügig zurück ins Dorf. Die gute Nachricht, die er kaum erwarten konnte, Dorothea zu erzählen, war, das Du-weißt-schon-wer tot war, und die Traurige, dass er vorher noch James und Lily getötet hatte. Wenigstens hatte der kleine Harry überlebt… er hoffte, er würde ihn eines Tages wiedersehen.

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Sirius starrte Hagrid hinterher, als er mit lautem Donnern auf dem Motorrad davon flog, fort von ihm, fort von den Überresten von Lily und James…

James, sein bester Freund, der ihn ohne zu zögern bei sich wohnen ließ, als er es zu Hause nicht mehr aushielt. Die Jahre in Hogwarts, frei und unbeschwert, voller Späße und Abenteuer. Gemeinsam hatten sie so viele Pläne gehabt, waren unbesiegbar gewesen… doch nicht wirklich. Hier, vor den Trümmern des Hauses, hatte die Wirklichkeit sie eingeholt, ohne Rücksichtnahme, ohne zweite Chance.

Es war kein schiefgelaufener Streich, es wurde nicht mit Nachsitzen bei McGonagall bestraft… nein, es war endgültig, grausam und kalt.

Lily… schöne, brillante Lily, immer warmherzig und fröhlich, so voller Lebenslust und Ideen, sie brachte jeden Raum zum Strahlen, wenn sie nur eintrat… nun lag sie irgendwo dort neben James, leblos und still. Worüber hatte man mit ihr nicht alles reden können! Immer hatte sie ein offenes Ohr, hörte freundlich zu, und half, wo sie konnte.

Sie wollte ihren Meistertitel in Zauberkünste ablegen, der kleine Flitwick hatte tagelang gestrahlt… nun würde sie nie die Chance dazu bekommen.

Zwei Menschen, nicht älter als er, aber schon tot. Er hatte nicht verstanden, warum sie so schnell geheiratet hatten. Nun sah er die Dinge anders. Vielleicht hatten sie geahnt, dass sie nicht viel Zeit haben würden…

Und so hatten sie das Meiste aus ihrer Zeit gemacht… ja, gemeinsam hatten sie jeden Tag zusammen zum vollsten genutzt, gelebt, gestritten und geliebt, dass sie am Ende nicht ungenutzte Chancen betrauern mussten. Vielleicht war das ein Trost.

Aber sie ließen ihn zurück, ihn und Harry, weil er im entscheidenden Augenblick versagt hatte.

„Kannst du mir verzeihen, alter Freund?", flüsterte er mit erstickter Stimme. „Ich hätte auf dich hören sollen, Lily…Was soll ich jetzt ohne euch machen, nur mit Remus und seinem pelzigen kleinen Problem als Gesellschaft?"

Ohne es zu wollen, musste er lächeln. James hatte das immer gesagt.

„Du wirst mir fehlen… ich schätze, ich werde alleine mit Moony draußen herumlaufen müssen, wie?"

Das Motorengeräusch war in der Ferne verklungen. Er wischte sich verstohlen über die Augen. Männer weinten nicht. Aber wieso spürte er dann eine so riesige, schmerzende Leere in ihm, die ihm die Tränen in die Augen trieb?

„Ich verspreche euch, ich werde auf Harry aufpassen… und ich werde Peter zur Strecke bringen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue!"

Das war sein Impuls gewesen, seit er vor einigen Stunden das leere Haus gefunden hatte. Harry war im Moment in Sicherheit. Dumbledore hatte Pläne. Das ließ ihn frei, frei für seine Jagd auf Peter.

Er verwandelte sich in den großen, schwarzen Hund, seine Animagusform, und begann am Boden zu schnüffeln. Hier roch es eindeutig nach Ratte. Oh, was für eine passende Bezeichnung für diesen elenden Verräter. Er folgte der Spur aus dem Garten, über die Straße bis in den Wald, wo sie an einer Stelle plötzlich aufhörte.

Peter war appariert. Er verwandelte sich zurück und überlegte, während die kalte Wut sich in seine Schuldgefühle mischte. Es gab nur einen Ort, den er kannte, an den Peter vielleicht noch einmal zurückkehren würde. Er apparierte ebenfalls; dorthin, wo sein Abend begonnen hatte.

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Albus Dumbledore beendete den letzten Zauber. Dafür stand er an einer Ecke eines perfekt getrimmten Gartens mitten im Beet, und hatte seinen Zauberstab in einem Viertelkreis zum Haus hin geschwungen. Das hatte er in jeder Ecke des quadratischen Grundstücks getan.

Nachdem er irgendwann nach Mitternacht wachgeworden war, war er als erstes die Stufen von seinem Schlafzimmer in sein Büro hinab gestolpert. Der Lärm dort hatte ihn fast überwältigt. Seine Apparaturen klingelten, pfiffen, pufften und zischten; es war ein heilloses Durcheinander.

Nach und nach wertete er die Anzeigen aus. Der Monitor, der die Schutzzauber um James und Lily Versteck überwachte, pfiff wie ein Teekessel; alle Schutzzauber waren gebrochen.

Die drei Geräte, die die Lebensfunktionen der Bewohner prüften, zeigten unterschiedliche Resultate: die Rädchen bei James und Lily standen still, aber das, welches Harry überwachte, drehte sich noch und surrte.

Also war Harry am Leben, aber James und Lily tot. Er setzte sich schwer in einen Stuhl, und merkte nicht einmal, dass darauf Papiere lagen. Die einzige Erklärung war, dass Voldemort nach Godric's Hollow gekommen war, und irgendwie den Fidelius gebrochen hatte – ja, er war nicht mehr vorhanden, er konnte sich genau erinnern, wo sich James und Lily mit Harry versteckt hatten, und Sirius, als der Geheimniswahrer, hatte es ihm nie gesagt.

Dumbledore wusste nicht, wie man einen Fidelius brechen konnte, aber es war offensichtlich, das Voldemort es geschafft hatte. Sicherlich hatte der Spion, dessen Namen er immer noch nicht kannte, ihm wertvolle Hilfe geleistet, aber trotzdem…

Nun, nachdem er einen Fidelius brechen konnte, waren die übrigen Schutzzauber wohl ein Kinderspiel für Voldemort. Dann hatte er James und Lily getötet, die Harry mit allem verteidigten, was sie hatte, natürlich, und dann… wieso war Harry noch am Leben?

In diesem Moment hörte er, wie sein Name gerufen wurde. Er sah auf und erkannte das wilde Gesicht von Ignatius Potter in seinem Porträt.

Dumbledore sprang auf.

„Ignatius! Warst du da? Konntest du etwas sehen?"

Dann lauschte er gebannt Ignatius Potters Geschichte, erzählte auf Ignatius' Bitten seine Befunde, und wusste am Ende nicht mehr, was er glauben sollte. Voldemort konnte Harry nicht töten? Wie, bei Merlin und Morgana, hatte Harry einen Todesfluch überlebt? Voldemort dagegen war verschwunden? Wohin? Hatte sich die Prophezeiung damit erfüllt?

Er sah hoch zu den Porträts, um Ignatius vielleicht etwas zu fragen, aber er und viele andere der ehemaligen Schulleiter waren nicht mehr in ihren Rahmen. Viele hatten Bilder in anderen Häusern, und vermutlich verbreiteten sie die Nachricht weiter – nicht alles, was sie gehört hatten, sie waren recht diskret, aber Voldemorts Verschwinden und Harrys Überleben würde bald an vielen Orten bekannt sein.

Seine Gedanken wurde von einem der Schutzzaubermonitore abgelenkt, der puffte, und eine weiße Rauchwolke ausstieß. Dumbledore zwinkerte verblüfft. Weiß war die Farbe für alle Blutzauber. Er ging wieder zu dem Tischchen und begann, an einer genaueren Analyse zu arbeiten.

Zehn Minuten später hatte er alles herausgefunden, was von hier aus herauszufinden war. Das fragliche Blut war Lilys, und der Schutz lag nicht über dem Haus, sondern über Harry. In seinem Kopf bildeten sich erste Theorien, über das wie und warum, aber er schob sie beiseite; zuerst war es Zeit zu handeln.

Dieser Blutschutz, wie immer er auch entstanden war, versetzte ihn in eine so glückliche Lage, wie es unter den Umständen nur denkbar war. Er konnte den Schutz über Harry hinaus ausdehnen und verstärken, indem er darauf aufbauend einen auf gleichem Blut basierenden Schutzbann über Harrys neuem Haus errichtete.

Nun war Lily zwar tot, aber sie hatte eine Schwester, Petunia, wenn er sich recht erinnerte; das war das beste, mit dem er arbeiten konnte, aber es würde immer noch viele Male stärker sein, als alles, was er sonst an Schutzzaubern hätte aufbieten können. Und das war wichtig, denn selbst, wenn Voldemort tatsächlich verschwunden war – und bisher war das nur eine Hypothese – gab es noch genügend Todesser, die in diesem Fall nur allzu gerne ihren Herrn würden rächen wollen.

Er hatte keine Zeit zu verlieren. Harry musste so schnell wie möglich aus dem Haus, aber er musste genauso schnell anfangen, die Schutzzauber über dem Haus von Lilys Schwester zu installieren, denn er brauchte dafür die Ruhe der Nacht. Selbst er konnte nicht beides zugleich tun.

Er beschloss Hagrid nach Godric's Hollow zu schicken – er war kräftig genug, um Trümmer beiseite räumen zu können, denn er selbst war der einzige, der im Moment genügend Wissen hatte, um die Zauber zu wirken.

Es würde bis zum Morgen dauern, also würde Hagrid, der ebenfalls nur nachts mit Harry bei Petunia auftauchen konnte, wenn der Transport geheim bleiben sollte, den Tag über irgendwo in einem Versteck verbringen müssen… am besten im Manor. Ja, für einen Tag würde es sicher genug sein. Er rief Fawkes zu sich, und gemeinsam verschwanden sie aus dem Raum.

Und so war er, nach einem kurzen Zwischenstopp bei Hagrids Hütte, seit kurz nach ein Uhr nachts im Garten vom Hause am Ligusterweg Nummer vier an der Arbeit.

Natürlich waren es Muggel, aber in einigen seiner noch nicht ganz zu Ende gedachten Überlegungen war auch das vorteilhaft – Harry würde fern seiner Welt sein, einer Welt, die ihn als Helden verehren würde… er musste darüber nachdenken, auch über die Prophezeiung, aber das hatte Zeit, bis Harry hier war… und hier würde er in Sicherheit sein, in mehr als einem Sinne.

Auch für den Schutzzauber war ein Muggelheim vorteilhaft – dieser spezielle verlangte höchste Präzision, aber glücklicherweise konnte er sich darauf verlassen, das die Muggel mit dieser Präzision ihre Grundstücke aufteilten – jedes gleich groß, exakt geschnitten, quadratisch.

Er fand es höchst langweilig und fad, aber heute war er dankbar dafür. Hätte er die Positionen selber berechnen müssen, hätte die Zeit bei weitem nicht ausgereicht. Es dämmerte inzwischen, auch wenn die dicken Wolken nur ein graues Licht hindurchließen, und er musste den auf dem Blut von Lily basierenden Schutz noch mit ihrer Schwester verbinden.

Er versuchte sich zu bewegen, aber seine Robe hing in einem Rosenbusch fest. Er zog und zerrte, und hoffte, dass Mrs. Dursley nicht allzu böse sein würde, als der Zweig brach; er hatte es eilig.

Dumbledore öffnete die Hintertür des Hauses mit einem schnellen Alohomora, schlich die Treppen hinauf durch den dunklen Flur in das Schlafzimmer, aus dem lautes Schnarchen ertönte, und bewegte den Zauberstab hin und wieder zurück über Mrs. Dursley, um die Verbindung zwischen Schutzzauber und ihr herzustellen. Sobald Harry als dritte Komponente hier war, würde sich der Zauber aktivieren.

Damit war hier seine Arbeit getan, aber es war noch nicht vorbei. Ministerin Bagnold würde jetzt, es war – er zog seine Uhr heraus – kurz vor sieben Uhr morgens, schon in ihrem Büro sein; und sie würde einen Bericht erwarten.

Dann musste er noch mit der Presse hantieren – ein Glück, das keine Bilder von Harry im Umlauf waren, dass hieß, sie konnten keines abdrucken, und so hatte Harry noch zusätzlich den Schutz der Anonymität; nur einige Mitglieder im Orden, die James kannten, würden Harry erkennen, und diese würden ihm nichts antun.

Nichtsdestotrotz würde er ihnen etwas erzählen müssen… aber vielleicht konnte die Ministerin das tun; er wollte zum Schauplatz des Geschehens; vielleicht hatte irgendjemand etwas gesehen.

An Schlaf war nicht zu denken. Er apparierte, bevor Augenblicke später der Wecker im Schlafzimmer klingelte und ein neuer, ganz gewöhnlicher Diensttag für die Dursleys begann – der letzte für eine lange, lange Zeit.

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Während am Abend in einem kleinen Ort in der Nähe von London ein Treffen zwischen einem alten Zauberer, einer Hexe und einem Halbriesen auf einem Motorrad mit einem Baby stattfand, an unzähligen anderen Orten im Land ausgelassene Feiern begannen, und die Eulen fleißig dabei waren, eine Extraausgabe des Abendpropheten zu verteilen, deren Schlagzeile die Worte der Ministerin aus der Stellungnahme vom Mittag war („Es ist vorbei!"), wartete Sirius in Peters Haus.

Er tat das schon den ganzen Tag, und hatte sich kaum eine Minute Ruhe gegönnt. Es war nur eine Ahnung, aber Sirius war sich sicher, dass Peter noch einmal hierhin zurückkehren würde – und wenn es nur aus dem Grund war nachzusehen, ob er keine Spuren zurückgelassen hatte.

Es war nur eine Frage der Zeit. Und wenn die Ratte kam, oh ja, dann würde er bereit sein. Sirius rollte seinen Zauberstab zwischen den Fingern und starrte grimmig durch die Wohnzimmertür in den Flur.

Etwa um die Zeit, als Mrs. Petunia Dursley in Little Whinging viele Stunden später die Tür öffnete und einen schrillen Schrei ausstieß, hörte Sirius ein Geräusch. Wie der Blitz sprang er auf und stellte sich in eine dunkle Ecke des Flures. Draußen erklangen Schritte, und die Tür öffnete sich langsam.

Sirius hob den Zauberstab und wartete. Peter trat einen Schritt ins Haus. Sirius sprang aus dem Schatten.

„Guten Abend, Peter."

Peter erstarrte.

„Si- Sirius? Was machst du hier?"

Sirius lächelte böse.

„Oh, ich hatte James und Lily versprochen, bei dir gelegentlich vorbeizusehen. Du weißt schon – zum Beispiel vorgestern Abend. Nein, die Frage ist, was du vorletzte Nacht gemacht hast. Stell die mein Erstaunen vor, als ich hier ankam und das Haus war leer."

„Oh, ich – äh – war nur – ich meine –"

„Spar die deine Ausreden, Ratte. Du warst noch nie ein besonders guter Lügner oder Schauspieler. Ich hätte es sehen müssen, nicht wahr? Die ganze Zeit, das ganze Jahr, bei jedem Treffen des Orden… du warst immer unruhig, nervös… kein Wunder, wenn man ein Spion bei Voldemort ist und seine Leute verrät."

Peter war langsam zurückgewichen.

„Ich habe James und Lily nicht verraten – ich w-würde n-nie…"

Peter brach ab, als er Sirius Gesichtsausdruck sah.

„Aber woher hast du gewusst, das ich von ihnen geredet hab? Nun, Peter, das Spiel ist aus – James und Lily sind tot, weil du eine miese kleine verräterische Ratte bist… und weißt du, weshalb ich hier bin?"

Peter schüttelte stumm den Kopf und machte einen weiteren Schritt rückwärts.

„Ich bin hier, um dich zu ihnen zu schicken, wo immer sie jetzt auch sein mögen, damit sie dich persönlich in die Mangel nehmen können. Sag Lebewohl, Peter… Avada Kedavra!"

Wie sehr er es auch ablehnen mochte, Sirius war in einer notorisch Dunklen Familie aufgewachsen, und hatte zwangsläufig einiges über die Dunklen Künste gelernt. Das theoretische Wissen kam jetzt zur praktischen Anwendung.

Der grüne Lichtstrahl schoss haarscharf an Peters Kopf vorbei; er hatte sich gerade noch rechtzeitig geduckt. Er drehte sich um und sprang die Stufen vor der Haustür hinunter, und lief zur Straße. Sirius verfolgte ihn.

„Oh, du willst also spielen?"

Mille Morsus!

Ossis Fragmen!

Rumptocorpus!

Er feuerte verschiedene Flüche in Richtung Peter, die ihn alle knapp verfehlten. Mitten auf der Straße blieb Peter stehen und drehte sich um. Er probierte einen Schockzauber, den Sirius wie eine lästige Fliege mit einem Schild beiseite wischte. Er erwiderte das Feuer mit einem Schnittfluch, der durch Peters Umhang ging und eine tiefe Wunde in seinem Arm verursachte. Ein dunkler Fleck begann sich rasch auf dem Stoff auszubreiten.

Mittlerweile hatte sich eine Menschenansammlung gebildet – viele der Männer, die auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit waren, blieben stehen und starrten verwundert auf die farbigen Blitze, aber Sirius sah nur Peter.

Sectumpunctis!

Flamen nigris!

Die Schwarzfeuerzunge schoss auf Peter zu und umhüllte ihn. Sie ließ Kleidungsstoff heil, aber verbrannte die Haut darunter. Peter schrie.

Sirius wollte, das Peter genauso litt wie er, als er am zerstörten Haus angekommen war, aber es war Zeit, das Spiel zu beenden. Er begann sich erneut für einen weiteren Todesfluch zu konzentrieren, als Peter plötzlich wild anfing zu reden.

„James und Lily!", schrie er. „Wie konntest du das tun! Sie haben dir vertraut, und du hast sie verraten."

Sirius sah ihn ungläubig an und schüttelt den Kopf. Was faselte er da? Sein Zauberstab zielt auf Peters Brust.

Eine gewaltige Explosion riss einen metertiefen Krater in die Straße. Die Muggel, die am nächsten standen, hatten keine Chance, sie wurde von der Druckwelle getötet. Weiter weg schlugen die Trümmer aus dem Krater ein und verursachten weitere schwere Verletzungen und Todesfälle. Innerhalb von Sekunden waren zwölf Menschen tot und fünfunddreißig weitere schwerverletzt.

Sirius überlebte nur, weil es ihm gelang, im letzten Moment ein Ganzkörperschild zu benutzen, aber es machte ihn bewegungsunfähig, und er musste hilflos mit ansehen, wie etwas silbern, dann dunkelrot an Peters linker Hand aufblitzte, sein blutbefleckter Umhang zu Boden fiel, und er zu schrumpfen begann, bis eine Ratte im Krater verschwand.

Dann herrschte für ihn einen Moment Stille. Gleich darauf schlug ihm eine grelle Kakophonie entgegen: das schrille Heulen von Sirenen, die Schreie von verletzten Menschen, das vielfache Pop von mehrfachem Apparieren.

Sirius nahm kaum war, was um ihn geschah. Er starrte benommen in den Krater, selbst als zwei Menschen ihn an den Armen packten und fortzogen. Er war erschöpft, der Tag ohne Schlaf begann ihn einzuholen, aber mehr noch die Ironie der Situation.

Es hätte der perfekte Bluff für Voldemort sein sollen, und nun war er der gebluffte, hatte sich selber ausgetrickst. Die ganze Anspannung der letzten Tage brach aus ihm heraus, und er fing hysterisch an zu lachen.

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„Das war der Hintergrund, den Sie haben wollten, Robert."

Harry stand auf, und begann, Öl in die Lampe nachzufüllen, bevor er sie wieder entzündete, und ihr helles Licht die Hütte erleuchtete. Der Sturm draußen hatte etwas nachgelassen.

Er setzte sich wieder zu den anderen beiden.

„Als nächstes werde ich die Änderung vornehmen, denke ich, denn die Jahre dazwischen sind recht uninteressant."

„Nun, im Maßstab dieser Geschichte ist vieles uninteressant", sagte John lachend. „Eine spannende Geschichte, fürwahr. Und Sie sind ein guter Erzähler; Sie haben Talent."

„Wenn Sie das sagen…"

„Nun, mir soll es recht sein", erklärte Robert. „Ich bin einigermaßen gespannt, was Sie ändern wollen… aber dann ist es Zeit für unseren Schicksalsspruch."

Harry nahm einen Schluck aus seinem Glas.

„Und wie genau haben Sie sich das gedacht?"

Robert überlegte.

„Was sagten Sie vorhin über diese Nornen, John? Zwei geben Glück, die dritte begrenzt es?"

„Nun, ich bin kein Experte, aber warum machen wir es nicht so: Sie, Harry, sind für das Glück zuständig. Sie treffen eine Wahl, irgendetwas, das den Ausgang der Geschichte betrifft, und stellen es in den Raum."

„Anschließend werden Sie, Robert, es begrenzen. Schränken Sie einfach Harrys Aussage ein. Sie beide haben freie Wahl. Ist das akzeptabel?"

„Es klingt interessant", meinte Harry. „Natürlich hat Robert einen Vorteil, weil er auf meine Aussage reagieren kann, aber ich nehme an, er darf mir nicht direkt wiedersprechen?"

„Nein, nur einschränken, ganz recht."

„Und wie oft machen wir das?", wollte Robert wissen.

„Oh, ich denke, wenn wir schon bei Magie sind…" John zwinkerte. „Was halten Sie von drei Runden?"

„Von mir aus", sagte Harry und sah ihn an. „Aber was machen Sie?"

„Ich werde nach Ihnen etwas sagen – sozusagen als letztes Urteil."

„Wollen wir anfangen?" Robert schien begeistert von seiner Spielidee.

Harry schüttelte den Kopf und dachte kurz nach.

„Ah… Er wird siegreich sein."

Robert zog eine Grimasse.

„Wie soll ich das denn einschränken?"

Harry grinste.

„Ihr Problem."

„Oh, jetzt haben Sie mich herausgefordert… nun, das haben Sie davon: Er wird siegreich sein – nur, wenn er sich selbst besiegt."

Jetzt verzog Harry das Gesicht.

„Wie soll das denn gehen?

Und Robert grinste.

„Ihre Geschichte."

Harry probierte es erneut.

Er wird leben."

Aber Robert hatte jetzt den Dreh raus.

„Oh, das ist einfach. Er wird leben – nur, wenn er bereit ist, zu sterben."

„Ihre letzte Chance, Harry", sagte John.

Diesmal dachte Harry länger nach.

Er wird eine Bindung finden, wie es sie einmal gibt in tausend Jahren."

Robert runzelte die Stirn.

„Was heißt das denn? Aber egal: Er wird eine Bindung finden, wie es sie einmal gibt in tausend Jahren – nur, wenn er bereit ist, loszulassen. Das ist genauso vage."

„Nun, damit ist Ihr Los bestimmt, Harry – und vergessen Sie nicht, Ihre Geschichte muss sich daran halten."

„Genau, nicht schummeln", sagte Robert.

„Und was ist jetzt mit Ihnen, John?"

„Oh, ich dachte an etwas neutrales – Er wird niemals aufgeben. Damit Sie auch ganz bis zum Ende erzählen können, und nicht einfach entscheiden, dass Sie – oder vielmehr, Ihre Figur, keine Lust mehr hat."

„Dann ist jetzt Ihre Änderung dran, und dann geht es richtig los", sagte Robert aufgeregt.

Harry lehnte sich zurück.

„Hier ändert sich also die Geschichte…

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Ginny Weasley stampfte wütend die Treppen hoch, riss die Tür auf, knallte sie wieder zu und warf sich aufs Bett. Es war gut, wütend zu sein, denn die einzige andere Alternative wäre gewesen, dass sie geweint hätte – und dann hätte Ron Recht gehabt.

Kleine Mädchen weinten. Oh, sie würde ihm zeigen, das sie kein kleines Mädchen war! Es waren nur noch zwölf Tage bis zu ihrem zehnten Geburtstag, und dann war sie nur noch ein Jahr jünger als er.

Aber er würde sie trotzdem nicht mitspielen lassen, das wusste sie. Es war alles die Schuld von diesem blöden Hogwarts! Seit Ron seinen Brief bekommen hatte, war er immer darauf bedacht, erwachsen zu sein. Was daran so toll sein sollte, oder was das genau war, wusste sie nicht, aber ganz offensichtlich war es etwas, das sie nicht war, und etwas, das ihn keine Zeit mehr für sie haben ließ.

Sie überlegte, ob sie Hogwarts hasste. Sie konnte es nicht erwarten, dorthin zu kommen, aber jedes Jahr, nach dem Sommer, hatte es ihre Brüder gestohlen und sie zurückgelassen. Und dieses Jahr hatte es ihr auch noch Ron weggenommen, den letzten, den sie noch gehabt hatte.

Und alles nur, weil zu klein war. Zu klein, um nach Hogwarts zu gehen, und zu klein, um erwachsen zu sein – nicht, dass sie das unbedingt wollte, wenn es sie so machte, wie Ron, aber jedenfalls wollte er deswegen nicht mehr mit ihr spielen.

Die Sommer waren normalerweise immer eine fröhliche Zeit für sie gewesen – es waren viele Menschen im Haus, und einer hatte immer Zeit für sie, aber das hatte sich geändert, als Bill und Charlie auszogen, und nun…

Sie war im Garten gewesen, als Ron, Fred und George mit den alten Zauberstäben ankamen, die auf den Dachboden lagen. Sie waren zu kaputt, um noch wirklich brauchbar zu sein, aber man konnte doch noch einiges mit ihnen anfangen – zum Beispiel Ticken spielen.

Und das hatten ihre Brüder auch vor. Dazu mussten sie die Zauberstäbe einfach nur Funken sprühen lassen, und da die Funken eine Zeitlang glommen (ohne Schaden anzurichten) und die Farbe je nach Person verschieden war, was das eine gute Methode, um festzustellen, ob derjenige, der dran war, jemanden bekommen hatte.

Sie hatte sich gefreut – bis Ron gesagt hatte, dass es für sie zu gefährlich war, weil sie ein kleines Mädchen war, und sie auch überhaupt zu langsam, um mitspielen zu können.

Und deswegen lag sie hier oben im Bett, hörte das Gelächter aus dem Garten durch ihr offenes Fenster, und versuchte angestrengt wütend zu sein, damit sie nicht weinen musste.

Es gelang ihr nicht wirklich; und sie spürte, wie ihre Wangen feucht wurden, was sie nur noch bedrückter machte, weil es hieß, dass Ron recht hatte. Und plötzlich fühlte sie sich, trotz all der Menschen im Haus, einsam.

Ron hatte Fred und George, die beiden und Percy hatten ihre Freunde in Hogwarts, die oft genug vorbeikamen, Bill und Charlie waren bei ihrer Arbeit, aber sie, sie hatte niemanden.

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Sie musste eingeschlafen sein, denn als sie aufwachte, war die Sonne ein gutes Stück weiter gezogen, und schien durch ihr Fenster. Die Tür ging auf, und ins Zimmer kam ihre Mutter.

„Ist alles in Ordnung, Schatz? Du bist nicht gekommen, als ich zum Abendessen gerufen habe.", fragte Mrs. Weasley.

Ginny starrte die Wand an, und sagte nichts. Sie wollte nicht zugeben, dass sie geweint hatte, und ihre Mutter würde es sehen, wenn sie sich umdrehte. Und sie war kein kleines Mädchen, dass immer zu ihrer Mutter rannte, wenn etwas nicht in Ordnung war. Sie musste nur warten, und dann würde ihre Mutter gehen…

…der blaue Sommerhimmel schien sich merkwürdig zu verhalten. Das blau wurde unnatürlich, in einer unbeschreibbaren Weise – nicht heller oder dunkler, einfach anders. Es war, als ob etwas dahinter war – und dieses Etwas drang durch die Farbe.

Niemand bemerkte es. Aber vielleicht war das auch nicht weiter verwunderlich, denn im selben Moment, als das Phänomen begann, schien für einen Augenblick die Zeit stehen zu bleiben.

Der Gnom im Garten stoppte mitten im Abrupfen einer Rose.

Der Hund des brummigen alten Mannes am Ende des Dorfes erstarrte mitten im Bellen.

Peeves, der Poltergeist, und seine Stinkbomben, die er gerade in das Büro des Hausmeisters warf, froren mitten in der Luft fest.

Und im Büro des Schulleiters, der gerade aus einem steinernen Becken eine in Schals gehüllte Figur emporstiegen ließ, und lauschte, als sie sagte …siebte Monat stirbt… hielt ebenfalls alles mitten in der Bewegung.

Und so war es überall. Dann leuchtete der Himmel auf, und ein silbernes Licht erschien, das alles durchdrang und sich überall hin ausbreitete, in jeden Winkel, jede Ritze, in Menschen, Häuser und Gestein. Alles leuchtete weiß. Und fast schien es, als ob das Dahinter am Himmel klarer wurde – war es ein dunkler Raum?

Das blendende weiß…

eine pechschwarze Finsternis.

durchdringt alles.

Die alles verschluckt…

Im weiß, ein schwarzer Riss…

ein Licht im Dunkel.

Durch den Riss, ein Ort, dunkel, aber erhellt, und er sieht.

Ein Hügel, eine Wiese, ein Schlachtfeld. Er steht oben und blickt…

Sein blutroter Umhang weht hinter ihm. Das Haar schwarz, und die Augen…

Er blickt auf die Verwüstung… und lacht. Harte grüne Augen, machtvoll und gnadenlos…

Der Wind in seinem Haar, streicht es kurz aus seinem Gesicht, und auf der Stirn…

Ein Blitz zuckt! Nein! Es kann, darf nicht sein! Er erkennt… was ist dies?

Alptraumhafte Gespinste eines müden Verstandes?

Oder prophetischer Blick auf das, was kommt?

Er steht hochaufgereckt über seinem Werk, jeder Zoll ein Aristokrat…

Tod und Zerstörung… Er sieht alles, und lacht, und lacht, und lacht…

Bis die Dunkelheit am Rande…

Das erhellende Licht im Zentrum…

das Zentrum des Dunkels.

der Rand des Lichtes.

Vergeht und…

Erstrahlt…

alles erlischt.

nur das blendende weiß bleibt.

Aber dann verschwand das Licht, und alles war vorbei. Der Gnom fuhr fort, die Rosen zu zerrupfen, der Hund bellte, als sei nichts passiert, Argus Filch jagte unter Flüchen Peeves aus seinem Büro – nur der Schulleiter saß mit bleichem Gesicht in seinem Stuhl, und starrte starr ins Nichts, wie in eine andere Welt, während Sybill Trelawneys ätherische Stimme weiter ihre schicksalhaften Worte verkündete.

Im Schlafzimmer im ersten Stock sah Ginny ihre Mutter an, und erzählte gerade, was vorgefallen war.

„…und Ron sagt ich bin zu klein, Mum. Zu klein für dies, zu klein für das… immer bin ich nur ein kleines Mädchen, und er lässt mich nie mitspielen. Niemand hat mehr Zeit für mich."

Sie spürte, dass wieder Tränen in ihren Augen erschienen.

Molly Weasley seufzte. Sie verstand genau, was Ginny meinte – sie hatte selber ältere Brüder gehabt, und es war ihr ebenso ergangen. Aber es gab nicht viel, was sie tun konnte – sie konnte Ron sagen, dass er sie mitspielen lassen sollte, aber das hatte noch nie funktioniert.

Allerdings konnte sie Ginny vielleicht etwas aufmuntern. Sie musste morgen in die Winkelgasse, und sie wusste, dass Ginny gerne mitkommen würde. Eigentlich hatte sie alleine gehen wollen, weil sie für Ginnys Geburtstag einkaufen wollte, und weil sie keine Zeit verbummeln wollte.

Aber nachdem sie gehört hatte, was Ginny erzählt hatte, besonders, dass niemand für sie Zeit hätte… Ein wenig schuldbewusst fasste sie den Entschluss, dass sie sich Zeit für sie nehmen würde.

„Komm her, Ginny."

Sie nahm ihre Tochter in die Arme und strich ihr übers Haar.

„Was hältst du davon, wenn wir morgen zusammen in die Winkelgasse gehen?"

Ein Schniefen. „Wirklich?"

„Wirklich. Gleich morgen Vormittag."

„Das wäre schön."

Sie drückte Ginny.

„Dann lass uns morgen gehen. Und wie wäre es jetzt mit Abendessen?"


A/N:
Ja, das war das. Was eigentlich ein kurzes Kapitel sein sollte, wuchs und wuchs zu einer Geschichte über das Ende der Herumtreiber. Und ich bin, trotz des völlig aus den Proportionen geratenen Umfangs, nicht böse, dass ich sie geschrieben habe. Direkt hieran schließt das erste Kapitel des Steins der Weisen an.

Aber nun ist es Zeit für Neues. Ein wenig Mystery zum Schluss, ein wortwörtlicher "Eingriff"" in die Geschichte... Harrys Änderung wird Folgen haben, gute und schlechte, wie es sich gehört.

Wer hat ein paar versteckte Verweise in diesem Kapitel gefunden, und welche sind es? Was haltet ihr von dem "Schicksalsspruch"? Hat jemand die Änderung vorhergesehen? Was genau hat Dumbledore gesehen? Wird er sich deswegen anders verhalten, als in den Büchern? Wer kann das nächste Kapitel kaum erwarten? Habt ihr euren Stein der Weisen parat?

Oh, und – kann eine Geschichte mehr sein, als nur eine Geschichte?

Schreibt mir – kommentiert, fragt, lobt, kritisiert. Ich bin mir auch unsicher, wie ich Sirius hinkommen habe, als er nach Hagrids Abflug allein in Godric's Hollow steht... insbesondere hier bin ich für jedes Wort dazu dankbar.

Hexe – Vielen Dank für dein Review. Ich denke, deine Kritik kann unter dem Punkt der zu detaillierten Szenen eingeordnet werden? Das ist mir bewusst, vielleicht suche ich da noch eine Balance. Aber ich hätte es auch nicht streichen mögen; es war mir wichtig, etwas Hintergrund zu Regulus zu vermitteln, was er bei den Todessern erlebt hat der Teil war nämlich wahr.

Ob man das nun langweilig findet oder nicht, ist vermutlich Geschmackssache (ich hab eher auf schockierend gezielt ;-)), aber es ist natürlich kein Problem, zu scrollen, hab ich auch schon gemacht. Auch dafür hat es ja die Trennzeichen, und der Textteil war kursiv, sodass du das Ende leicht gefunden haben solltest.

Schön, dass es dir ansonsten gefallen hat, und danke für das Lob!

Aus: Kapitel 7 – Begegnungen in der Winkelgasse

Ginny hörte nur mit halbem Ohr zu. Ihre Mutter redete ständig darüber, was ihre Brüder alles anstellten, aber sie meinte es eigentlich nie wirklich böse. Meistens. Allerdings wusste sie auch nicht, dass Ginny genauso oft die Salben benutzte.

Fasziniert betrachtete sie die Auslagen der Apotheke, und blickte erst auf, als sie ihren Namen hörte: „…und bleib immer dicht bei mir, Ginny, man weiß nie, wer unterwegs sein könnte, und – was! Drachenleber, sechzehn Sickel die Unze, die müssen verrückt sein…"