Update 2018-08-31: Unnützes Klischee entfernt
Das Training zwischendurch empfand Ron weniger als Arbeit. Viel mehr hatte er mit den Geschehnissen zu kämpfen. Zurzeit war der größte Kampf allerdings der um Harrys Gedächtnis. Seine Ankunft im Hauptquartier ließ Ron etwas stutzen. Was nützte es, Harry an einen unbekannten Ort zu bringen. Ginge es um Sirius' altes Haus, hätte er es verstanden. Aber Dumbledores Plan verwirrte ihn etwas.
Naja was hatte er schon zu melden. Jason stand vor ihm und zeigte ihm nochmals die Tritte, die er wiederholen sollte. Als Ron vor dem Dummy stand und die Bewegungen nachahmte, notierte sich Jason einiges.
„Ah… sag mal, was ist das hier eigentlich? Warum machst du das hier mit mir, ist das so eine Art Ausbildung?"
Jason grinste, „Natürlich dürfen wir offiziell kein Ausbildungsverhältnis mit euch eingehen, das geht gegen die Vorschriften. Aber ihr werdet demnächst in den Orden aufgenommen, hat mir so ein Vögelchen erzählt. Naja ein sehr fusseliges und ansteckendes Vögelchen."
Ron beendete die Übung, „Remus? Und wann werden wir aufgenommen?"
Sein „Ausbilder" schien zu überlegen, „Naja ich sollte euch vorher noch Okklumentik fertig reindrücken."
Die körperlichen Übungen bestanden überwiegend aus Ausdauer- und Kraftübungen, sowie waffenlosem Nahkampf. Ron hatte sich schnell daran gewöhnt, diesen Aufbautrank schlucken zu müssen, und bemerkte schon früh Auswirkungen. Sein Körper schien sich langsam zu verändern, er sah überall bereits Ansätze von Muskeln.
Die nächste Okklumentik Übung, der auch Hermine beiwohnte, verlief ohne große Probleme, sie lernten einiges über geistige Abwehr und verschiedene Angriffstechniken. Ron hatte erst ein wenig Angst vor diesen Stunden, immerhin schienen sie wie das Unangenehmste was er machen musste.
Doch Jason blieb, genau wie sonst, auch bei dieser Übung locker und stresste sie nicht zu sehr. Ron versuchte sich zu konzentrieren, als Jason mit seinen Erklärungen anfing, „Also, Angriffe auf den Geist geschehen auf zwei mögliche Weisen: Die eine Art ist das projizieren der eigenen Geistespräsenz in den Kopf des anderen. Das Abzuwehren ist im Prinzip einfach, da es einfach ausgedrückt daraus besteht, die Person rauszuhalten. Die andere Art ist jedoch etwas kniffliger. Es gibt noch die Möglichkeit die Informationen praktisch aus dem Kopf des anderen heraus zu locken. Man tricks das Gehirn aus, die Informationen freiwillig preiszugeben."
Ron war gelinde gesagt verwirrt und Jason schien dies zu bemerken, „Natürlich ist es einfacher, den Unterschied zum Normalzustand zu spüren, sobald man seinen Ruhepol gefunden hat. Dafür war unter anderem auch die erste Übung gedacht. Wenn ihr euch komplett auf euch und euren Geist konzentrieren könnt, dann könnt ihr auch irgendwann die Veränderung erkennen wenn jemand in euren Geist eindringt."
Das war schon etwas besser zu verstehen. Sie meditierten nochmals, bevor Jason seinen Zauberstab auf sie richtete. „Ich werde jetzt in eure Köpfe eindringen. Unternehmt noch nichts, ich möchte nur, dass ihr erstmal eure Fühler ausstreckt."
Damit begann er schon, seinen Geist anzugreifen. Sowohl Ron als auch Hermine spürten etwas Fremdes. In ihren Köpfen herrschte ein gewisser Grundton, etwas, was man fast als Farbe deuten konnte. Doch nun war eine fremde Farbe dort. Wie eine kleine Wolke. Zusätzlich spürten sie eine Art Druck in ihren Köpfen. So schnell es gekommen war, war es auch wieder weg, und Jason fing erneut an zu reden, „Die Farben nützen euch wenig, das wichtige ist der empfundene Druck. Dagegen müsst ihr halten. Nochmal."
Als er diesmal in Rons Kopf eindrang, versuchte Ron, dem steigenden Druckgefühl zu widerstehen. Die Präsenz schien dann von seinen eigenen Farben überdeckt zu werden. Damit war es schon vorbei. „Gut, Ron, das war schon mal ein Anfang. Hermine, bei dir hab ich etwas zögern gemerkt, aber das legt sich schon noch. Für heute seid ihr fertig. Ich habe das Gefühl gleich kommt jemand Spezielles hier an."
Er entließ sie und sie machten sich auf den Weg in den Konferenzraum. Ron hielt sich lieber etwas bedeckt. Seitdem Ginny tot war und Harry überlebt hatte… Hatte er etwas Schuldgefühle. Er ertappte sich manchmal dabei, sich vorzustellen, dass Ginny noch am Leben wäre und Harry tot. Es war doch seine kleine Schwester!
Immer dann kamen die Schuldgefühle in ihm auf. Doch das sollte ihn alles nicht davon abhalten, Harry zu helfen. Von dem grün aufflammenden Kamin wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Harry schritt mit Emilia aus den Flammen. Er schien ein wenig desorientiert, konnte sich aber weitestgehend auf den Beinen halten.
Als er den Raum betrat, wollte Ron fast im Boden versinken. Er wusste nicht, seit wann das so war, aber es war kein gutes Zeichen. Neben ihm und Hermine waren nur Jason und Molly anwesend, welche Harry sogleich herzlich drückte, was den unter Amnesie leidenden aber sehr verwirrte.
Ron schritt auf seine Mutter zu, „Mum ich denke du lässt das besser, er kann sich an nichts erinnern, auch nicht an uns." Sie ließ Harry los als hätte sie sich verbrannt. Harry legte den Kopf schief und schien beim Anblick von Mrs. Weasly nachzudenken. „Ich weiß nicht wer sie sind…"
Ron stutzte etwas. Das war nicht sonderlich einfühlsam, und normalerweise war Harry jetzt nicht so direkt. Auch seine Mutter schien ein wenig verwirrt zu sein. Doch vielleicht lag es einfach an der Amnesie. Es verging sicher von selbst.
Als Harry hereinkam, fing sich Mrs. Weasly wieder und begrüßte ihn weniger stürmisch, „Ich bin Molly Weasley, die Mutter von Ron. Wir kennen uns seit Jahren, und du kannst dich wirklich an nichts erinnern, mein Junge?"
Harry schüttelte den Kopf, „Nein da ist nichts… Aber das geht bestimmt vorbei." Sie nickte darauf, sichtlich enttäuscht. Wahrscheinlich hatte sie auf bessere Nachrichten gehofft. Das hatten sie alle.
„Na gut…" Molly wirkte sehr resigniert. Etwas was Ron noch nie an ihr beobachtet hatte. Sie war aufgebracht oder fürsorglich, manchmal sogar etwas zu sehr, aber nie so niedergeschlagen und resigniert. So viel hatte sich verändert. Wie sie sich verhielten, wie sie redeten. Wie sie miteinander umgingen. Es fühlte sich einfach falsch an.
Harry wanderte etwas verloren im Raum herum. Ron hatte das Gefühl dass er sammelte. Ob es Informationen oder Bilder waren, wusste er nicht. Harry besah sich auch nochmals Hermine und diesmal glaube Ron sogar einen Funken Wiedererkennung in Harrys Augen zu sehen, aber er konnte sich auch getäuscht haben. Dumbledore ergiff das Wort, „Du hast alle Zeit der Welt. Wir werden erst weiter mit dir verfahren, wenn deine Erinnerungen zumindest ansatzweise wieder zu dir zurückkehren."
Harry nickte darauf. hatte dann aber doch noch eine Frage, „Werde ich wieder nach Hogwarts gehen?"
Die Frage fand Ron durchaus berechtigt. Denn was war wenn Harry nie seine Erinnerung wieder erhielt? Hermine sah Ron etwas traurig an. Dumbledore räusperte sich, „Nunja, wir bereden das lieber beim Abendessen. Bald müsste es auch so weit sein."
Ron zog sich vorher noch in sein Zimmer zurück, während Hermine wohl in Richtung Bibliothek verschwand. Molly ging in die Küche, vielleicht musste sie sich ablenken. Allgemein zerstreute sich die Familie Weasley in letzter Zeit sehr, man sah sich am Tisch, aber sonst kaum. Tatsächlich war Rons häufigster Kontakt in den letzten Tagen Jason gewesen.
Als es Abendessen gab, waren wieder mehr Menschen im Hauptquartier. Thomas, der direkt neben Dumbledore saß, bereitete Ron Unbehagen mit seinem kalten Blick und seiner unnahbaren Aura, aber das Essen würde ja nicht lange dauern.
Es waren noch nicht viele am Tisch, nur sehr schleppend trafen die unfreiwilligen Bewohner des Hauptquartieres ein. Auch Harry war noch nicht da. Man versuchte dem anderen nicht unbedingt in die Augen zu schauen. Ron hatte ein ungutes Gefühl, nicht nur wegen der bedrückten Stimmung, die mittlerweile hier immer herrschte sondern auch weil Ron die Veränderungen fürchtete, die Dumbledore wohl ankündigen würde.
Hermine neben Ron konnte sich kaum gedulden, „Was meinten Sie vorhin? Was ist mit Harry und warum sollte er nicht mehr zur Schule dürfen?"
Dumbledore schien überrascht von dem plötzlichen Ausbruch. Er räusperte sich, vielleicht fiel es ihm schwer das Folgende zu sagen, „Mit Harry ist etwas passiert, was sich im Moment vielleicht außerhalb eurer Vorstellung befindet."
„Was soll das denn heißen?" Ron bemerkte seineoft sehr kurze Geduldsspanne mit Dingen in letzter Zeit.
Hermine schien es aber genauso zu gehen, „Warum sollte er nicht mehr nach Hogwarts dürfen?"
„Miss Granger, ich suche nach einem Weg; und zwar nicht euch so wenig, sondern es so schonend wie möglich mitzuteilen.", funkelte Dumbledore sie an. Das war auch etwas Neues.
Hermine entschied sich darauf lieber, nichts zu sagen. Dumbledore fuhr fort, „Harry wurde von einer Vereinigung gefangen genommen, die wir gemeinhin als Schattenwanderer bezeichnen. Der Name entstammt einem Volksmythos, welcher um 1800 entstanden ist. Es handelt sich um eine spezielle Art von Magiern, die eine Magieform nutzen, wie sie auch bei Vampiren beobachtet wurde, sie haben sonst aber weitestgehend menschliche Eigenschaften. Sie sind dafür bekannt-"
„Kinder zu entführen und sogar Familien zu ermorden." Warf Hermine geschockt ein. Sie sah zu Boden, „Da ist ein Buch in der Bibliothek…"
Dumbledore schien trotz des Themas sogar zu lächeln, „Ah, meine alten Aufzeichnungen!"
Ron verschluckte sich an seinem Essen. Es dauerte mehrere Minuten bis sowohl der Schock als auch der Husten abgeklungen waren, „Das ist von Ihnen?"
Ron gegenüber saß Remus, welchen er zuvor nicht bemerkt hatte, „Wichtig im Moment ist zu wissen, dass die Kindesentführung mit ihrer Anzahl zusammenhängen. Sie benutzen Kinder und foltern sie damit sie wie sie werden. Machen auch Experimente mit ihnen. Diese Kinder sehen schreckliche Zauber."
Ron und Hermine sahen hilfesuchend zwischen den Redenden hin und her, auch Thomas fing an zu sprechen, „Einige der Zauber wurden von Gellert Grindelwald entwickelt, der Rest hat wahrscheinlich seinen Ursprung im 16. Jahrhundert. Die den Verstand verändernden Zauber verwenden die Magie des Opfers und zerstören sie. Dafür erschließt sich dem Magier eine ganz andere Art der Magie. Mister Potter kann nicht mehr nach Hogwarts gehen, weil er keine normalen Zauber mehr wirken kann. Für die Verwandlung in einen Schattenmagier hat er ein sehr hohes Alter, aber es wird Voldemorts Anordnung gewesen sein."
Dumbledore unterbrach ihn, „Was der Hauptgrund zur Besorgnis zurzeit ist, und der Grund, warum allgemein eine sehr enge Zusammenarbeit gefordert wird. Der Orden arbeitet seit kurzem mit den Unsäglichen zusammen, welche in allen Ministerien eine offizielle Anerkennung des Ordens erwirkt haben. Sollte unseren Informationen entsprechend Voldemort eine Art Allianz mit den Schattenwanderern eingegangen sein, so sind diese weit aktiver als in der Vergangenheit, und werden auch an normalen Todesser-Angriffen teilnehmen."
Thomas unterbrach, „Das Problem mit Mister Potter ist ebenfalls, dass auch er trainiert werden soll. Der Art und Weise, wie sein Körper nun arbeitet, ist es zu verdanken, dass der Orden ihn nicht ausbilden kann und dass er selbst zu einem Fall wird, der in die Zuständigkeit der Unsäglichen fällt. Das bedeutet im Klartext, ihm wird erstmal das Recht entzogen, Hogwarts zu besuchen, und er wird die nächste Zeit in der Zentrale verbringen, bis er sich erholt hat."
Das schlug ein wie eine Bombe. Nicht nur, dass Harry nicht mehr nach Hogwarts gehen konnte, sie würden ihren Freund auch eine längere Zeit überhaupt nicht sehen! Hermine schüttelte ungläubig den Kopf, Ron starrte zwischen den Rednern mit offenem Mund hin und her.
Remus versuchte wohl einfühlsam zu wirken, „Wir wissen natürlich auch, dass das sehr schwer sein wird, auch für euch und natürlich für Harry, vor allem sobald er seine Erinnerung wieder erlangt. Es ist auch nicht für lange. Sobald er sich halbwegs erholt hat kann er sich wieder frei bewegen und ihr könnt ihn besuchen."
Es klopfte an der Tür, kurz bevor sie sich öffnete. Jason trat ein, gefolgt von Emilia. Ron war sehr dankbar, dass die zwei auch eintrafen, und sie erkannten bereits, um was es ging. Doch die dritte Person, die durch die Tür kam war Harry. Plötzlich herrschte eine bedrückende Atmosphäre. Molly hatte sich bisher unnatürlich still verhalten, doch nun begrüßte sie Harry, „Ach armer Junge, komm her, setz dich zu uns. Und iss genug ja? Du siehst sehr mager aus…" murmelte sie, als sie auch schon aufgestanden war und Harry zu einem Stuhl schob.
Harry blickte Hermine an, immernoch war kaum ein Funken der Wiedererkennung an ihm zu finden, doch sein Blick war etwas weniger verklärt. Tatsächlich schien er sich sehr wenig daraus zu machen, in welcher Runde er gerade saß. Direkt und ohne Vorbehalt fing er an zu sprechen, „Wohin werde ich gebracht, Professor?" fragte er an Dumbledore gewandt.
Dieser antwortete ebenso schnell. Ron wunderte das etwas, aber er entschied sich das zu übergehen, „In die Zentrale des Verbandes der Unsäglichen. Ich bin sicher Emilia und Jason haben dir schon etwas erzählt. Ziel der nächsten Monate ist, dich auf einen Stand zu bringen, wo du dich selbst gegen die lauernden Gefahren verteidigen kannst. Du erfährst dort auch, wie du mit deinen neuen Fähigkeiten umgehen kannst, und welche alte du verloren hast."
Ron fand das wenig einfühlsam oder schonend, was aber auch an seinem eigenen Schock liegen konnte. Etwas entgeistert nahm er jedoch war, dass Harry die ganze Situation einfach abnickte. Es war zwar logisch, immerhin hatte der Amnesie-Harry keine Verbindung zu irgendwas hier, aber etwas merkwürdig war das trotzdem. Ron bemerkte, wie Thomas vor seinem Teller mit Essen saß und sehr nachdenklich schien. Er blickte Dumbledore an, welcher seinen Blick erwiderte.
Ron glaubte fast die Beiden führten ein geistiges Gespräch oder sowas, und dann fing Dumbledore auch schon an zu reden, „Ich bin sicher Harry, dass deine Freunde eine Veränderung an dir wahrgenommen haben. Möchtest du uns nicht schildern, wie du dich fühlst?"
Harry schien von der Frage überrascht, „Naja, da ist schon etwas. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mein Kopf wie eine leere Hülle ist und ich absolut keine Ahnung habe, was ich tun soll, ohne das man es mir sagt… Ich kann es nicht richtig beschreiben…"
Dumbledore räusperte sich, „Unser Harry macht im Moment etwas durch, was seine Erlebnisse in der letzten Zeit bedingen. Die Flüche, denen er ausgesetzt ist, bringen sein Kopf etwas in… Unruhe. Für gewöhnlich werden die Kinder in seinem Stadium täglich unter Einfluss von einer Form der Gedankenübertragung gestellt, damit sie gefügig sind. Da Harry keinem Fluch sonderlich lange ausgesetzt war, besteht bei ihm keine Gefahr einer bleibenden Veränderung. Er wird bald wieder der Alte sein."
Ron fühlte, wie viele unbeantwortete Fragen nun verschwanden. Doch die Frage, was als Nächstes passieren würde, drückte stets auf ihn. Es würde nicht lange dauern, bis Harry weggebracht wurde. Da er sich nicht an sie erinnern kann, würden sie sich nicht anständig verabschieden können. Frustration machte sich in Ron breit, doch er wollte sich wenigstens am Tisch nichts anmerken lassen. Später würde er Jason nach dem Dummys fragen.
So das war's ;) kommi lassen wenn ihr wollt^^
