Kapitel 7: Unschuldige Leben
Ein Sturm hatte sich über Dras-Leona festgesetzt und beutelte die Stadt und das umliegende Land mit starken Winden und nicht enden wollenden Regengüssen. Trotzdem hielt sich Endres gerade und sicher in der Luft. Der Körper des schwarzen Drachen glitt über den Himmel hinweg, als wäre er ein Teil davon. Seine Flügelschläge waren gleichmäßige und kräftig und sorgten dafür, dass er sich schneller fortbewegte als jedes andere Wesen am Himmel.
Die Reiter auf seinem Rücken hatten es da schon wesentlich schwerer. Sie waren inzwischen bis auf die Knochen durchgeweicht. Beide hatten beschlossen, dass ein magischer Schutzwall gegen so etwas Banales wie den Regen schlicht Kraftverschwendung wäre. Es würde effektiver sein, sich vor Ort zu trocknen. Den beiden Jungdrachen schien diese Einstellung nicht zu gefallen. Da sie selbst noch nicht die nötige Geschwindigkeit erreichen konnten, mussten sie wohl oder übel auf dem Rücken ihres älteren Artgenossen mitfliegen. Anfangs hatte Fraya in Betracht gezogen, die beiden auf den Brennenden Steppen zurückzulassen. Sie konnten sich verstecken und ernähren. Von dieser Idee war sie aber schnell wieder abgekommen. Man konnte die beiden einfach nicht allein lassen. Lux schien angesichts dieser Feststellung ein wenig schmollen zu wollen, hatte aber keine Schwierigkeiten gemacht.
Die beiden Frauen auf Endres Rücken hatten die Zeit genutzt, um Wissen und Geschichten auszutauschen. Mit besonderem Interesse hatte Fraya ihre Begleiterin nach Eragon und Saphira ausgefragt. Zu gern hätte sie auch ein wenig über Oromis' und Glaedrs Schicksal erfahren. Sie wagte es jedoch nicht, die Sprache auf dieses Thema zu bringen. Ihr war nicht klar, wie viel Arya wusste. Sie hatte zwar berichtet, dass sich Eragon in Ellesméra einer Ausbildung unterzog, war aber nicht näher auf die Umstände eingegangen. Vielleicht, weil sie nicht mehr wusste, vielleicht auch, weil sie selbst noch Bedenken hatte.
Ansonsten hatten die beiden jedoch ein recht gutes Verhältnis zueinander aufgebaut. Sie hatten kaum den halben Flug hinter sich gehabt, als Fraya vorgeschlagen hatte, auf die Förmlichkeiten zu verzichten. Immerhin hatten die beiden es so weit gebracht, dass sie einander duzten und die Antworten waren im Laufe des Gesprächs offener geworden.
„...und nun stehen wir vor dem Problem, dass Galbatorix einen weiteren Reiter auf seiner Seite hat, der – wenn auch ohne Zweifel mit verabscheuungswürdigen Mitteln – offenbar stärker ist als Eragon", beendete Arya ihren Bericht.
Die Besorgnis in diesen Worten war nicht zu überhören. Fraya fühlte einen Anflug von Mitleid mit der Elfe. Sie hatte das Gefühl, dass auch auf ihr ein großer Druck lag. Es schien, als wäre sie nicht einfach nur die Abgesandte ihres Volkes, man erwartete von ihr in gewissem Maße, die Dinge am Laufen zu halten und den Interessen der Elfen das nötige Gewicht zu verleihen. Nicht, dass zumindest Letzteres nicht bei allen Völkern und Vertretern der Fall war.
„Ihr habt euch tapfer geschlagen", lobte Fraya. „Wenn man bedenkt, was euch das Schicksal alles aufgeladen hat. Es scheint, als hättest du eine sehr vertraute Beziehung zu Eragon entwickelt."
Die Reiterin spürte, wie sich Aryas Griff verkrampfte und verzog kurz das Gesicht.
Schlechtes Thema, wie es scheint, bemerkte Endres ähnlich verwundert.
„Wir haben gemeinsam die eine oder andere Schlacht geschlagen. Und nicht zuletzt sorge ich mich natürlich um sein Wohl. Schließlich ist er die große Hoffnung der freien Völker."
Es überraschte Drache und Reiterin, als Arya ihre Worte plötzlich nicht mehr in der alten Sprache formulierte. Außerdem wirkte die Antwort doch ein wenig … sehr elfisch. Fraya konnte nur den Kopf schütteln. Diese Art, zu sprechen und etwas anderes zu meinen oder gar nichts zu sagen, war ihr auch nach all den Jahrhunderten noch ein Rätsel. Vor allem in den ersten Jahren ihrer Ausbildung hatte sie sich schwer getan mit dieser Art und ihren Lehrmeister insgeheim so manches Mal verflucht, wenn er ihr diese Verhaltensweise zugemutet hatte. Irgendwann hatte sie jedoch für sich beschlossen, dieses Verhalten als lohnenswerte Herausforderung anzunehmen und sich selbst darin zu üben. Auf ihrer Reise hatte ihr diese Fertigkeit gute Dienste geleistet.
„So vertraut, ja?", meinte die Reiterin mit einem stillen Lächeln. „Bevor du mir jetzt erzählst, dass ich die falschen Schlüsse ziehe, kann ich dir versichern, dass ich mit niemandem ohne deine Erlaubnis über deine Gefühle sprechen und dich, wenn du es wünschst auch nicht weiter damit belästigen werde. Aber ich gebe dir einen guten Rat: Egal wie schwierig euer unterschiedlicher Stand die Dinge macht, solltest du wirklich echtes Interesse an dem Jungen haben, dann verdränge es nicht. Wir sind hier mitten in einem Krieg, der jeden von uns jederzeit das Leben kosten könnte. Du solltest deine Gefühle also offenlegen, solange noch jemand da ist, der sie erwidern kann."
Sie unterbrach ihre Ansprache einen Moment und strich gedankenverloren mit einer Hand über Endres' Schuppen. Der schwarze Drache brummte beruhigend.
„Ich weiß, wovon ich spreche", fuhr sie schließlich fort. „Ich habe hier fast alle verloren, die mir etwas bedeutet haben und manch einem hätte ich gern noch einmal gesagt, wie wichtig er mir ist oder wie dankbar ich ihm bin. Diese Möglichkeit ist vertan. Du solltest sie nicht verstreichen lassen."
Fraya konnte über Endres' Wahrnehmung spüren, wie sich Arya unbehaglich im Sattel bewegte. Offenbar hatte sie genau den Nerv getroffen. Sie wollte die junge Elfe sicher nicht in Verlegenheit bringen. Doch diese Worte hatten sich einfach nach draußen gedrängt, weil sie die Reiterin selbst so beschäftigten. Was würde sie nicht für die Gelegenheit geben, sich wenigstens noch verabschieden zu können.
„Ich sehe schon, wir sollten das Thema wechseln", ergriff sie schließlich wieder das Wort.
„Das sollten wir", stimmte Arya leise zu.
„Na schön. Wir sind bald da. Endres wird zuerst eine Runde um den Berg fliegen um sich einen Eindruck zu verschaffen. Es ist angebracht, auf alles vorbereitet zu sein und sowohl die Schwerter als auch die magischen Schilde aller Art bereit zu halten. Wir wollen die Ra'zac nicht provozieren oder aus der Reserve locken sondern nur Eragon, Saphira und Roran sicher aus dem Berg holen. Sobald uns das gelungen ist, sehen wir zu, dass wir das Weite suchen. Einverstanden?"
„Das klingt vernünftig"
Arya sah sich aufmerksam um, als Endres im Inneren des Helgrinds landete. Die äußere Fassade hatte sich als reine Täuschung herausgestellt, die wohl zum Einen mögliche Feinde abhalten und zum Anderen die mystischen Charakter aufrechterhalten sollte. Ein verabscheuungswürdiger und blutiger Kult rankte sich um diesen Berg und seine Bewohner. Es war der Elfe völlig unklar, wie man sich so erniedrigen und selbst verstümmeln konnte und das für nicht mehr als derart abscheuliche Kreaturen wie die Ra'zac. Aber das sollte im Moment nicht ihr Problem sein. Sie musste sich auf die kommende Aufgabe konzentrieren. Das fiel schon schwer genug. Auch wenn sie es nicht zugeben würde, Frayas Worte hatten sie getroffen. Die Vorstellung, dass Eragon hier etwas zugestoßen sein könnte und sie nie wieder ein Wort wechseln würden, hatte die Elfe schwer getroffen. Bisher hatte sie jede Regung in diese Richtung verdrängt. Es war einfach nur die Situation, die sie zusammenhielt. Das hatte sie sich bisher zumindest eingeredet. Aber entsprach das der Wahrheit? Arya konnte sich selbst nicht mehr sicher sein. In ihr tobten widersprüchliche Gefühle, dessen war sie sich jetzt bewusst. Aber sie hatte keine Ahnung, was sie damit anfangen sollte. Was davon war ernst zu nehmen? Wie gut würde sie den Rest von sich wegschieben können?
Die große Eingangsgrotte bot genug Platz für Endres. Bei den abgehenden Gängen sah dagegen schlechter aus. Keiner von ihnen würde dem Drachen genug Platz bieten. Es wurde also schnell festgestellt, dass er wohl oder übel zurückbleiben musste.
Das gefällt mir nicht, beschwerte er sich.
Fraya klopfte ihm beruhigend gegen die Flanke und musste offenbar all ihre Überzeugungskraft einsetzen, damit er sie ohne weitere Schwierigkeiten gehen ließ. Dann zog sie ihr Schwert aus der Scheide und stellte sich neben Arya vor den Gängen auf. Die Elfe nahm sich einen Moment Zeit, die Waffe zu inspizieren. Die Klinge war schwärzer als eine Nacht ohne Mond und Sterne. In der Dunkelheit einer solchen war sie für menschliche Augen wahrscheinlich gar nicht mehr zu erkennen. Daraus konnte sich unter Umständen ein gewisser Vorteil ergeben. Der Griff wiederum war in einem dunklen Grün gehalten, dass mit silbrigen Verzierungen durchsetzt war. Ein schwarzer Edelstein von beachtlicher Größe und hoher Reinheit war in den Knauf eingearbeitet. Ohne Zweifel war er nicht nur schön anzusehen sondern auch ausgesprochen nützlich.
Die beiden Frauen waren sich schnell einig, welchen Weg sie nehmen würden. Arya konnte die Anwesenheit von drei Personen spüren und ihre Präsens war stark genug, um sie verfolgen zu können. Seite an Seite machten sich die beiden auf den Weg durch den Berg. Es beunruhigte Arya, dass sie außer den drei offenbar menschlichen Wesen nichts spüren konnte. Wo waren die Ra'zac? Wo war Saphira? Warum konnte sie die Drachendame nicht wahrnehmen? Es gab mehrere verschiedene Erklärungsansätze dafür und keiner davon gefiel der Elfe sonderlich gut.
Die Situation wurde noch unbehaglicher, als die beiden die Zellen erreichten. Ihr erster Blick fiel auf einen Mann, der sie mit dem resignierenden Blick eines Menschen betrachtete, der bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Neben ihm in der Zelle befand sich ein weiterer Unbekannter, der schlief oder bewusstlos war.
„Ihr seid das Abendessen, vermute ich?", fragte Fraya nach.
Der Mann in der ersten Zelle nickt und begann unkontrolliert zu zittern. Zwar war klar zu erkennen, dass sie keine Ra'zac waren, doch der Mann schien trotzdem erst einmal von einer Gefahr auszugehen.
„Der Hauptgang ist gestrichen", legte die Reiterin fest und öffnete die Zelle mit einem kurzen Zauber.
Inzwischen wandte sich Arya dem dritten Gefangenen zu. Zu ihrer Erleichterung erkannte sie Eragons Cousin Roran. Er würde ihnen sicher Auskunft über den Verbleib des Reiters und seines Drachens geben können. Roran schreckte hoch, als er eine Bewegung vor seiner Zelle bemerkte. Zuerst starrte er Arya nur angsterfüllt an. Dann schien er sich langsam zu erinnern. Hoffnung trat in seine Züge, während Arya die Tür öffnete. Sie trat in die Zelle und halft Roran auf die Beine. Der junge Mann wirkte so geschwächt, dass er sich wahrscheinlich allein nicht hätte bewegen können. Er hatte eine Platzwunde am Kopf, diverse Kratzer am ganzen Körper und etwas, das wie ein Biss aussah. Diese Wunde sah nicht gut aus. Arya machte sich ernsthafte Sorgen um sein Überleben.
Inzwischen hatte Fraya die beiden anderen Männer aus ihren Zellen befreit.
„Ist er das?", wollte sie von Arya wissen und deutete auf Roran.
Die nickte bedeutungsvoll und schleppte Roran aus der Zelle. Er machte den Eindruck, als könnte er sich kaum bei Bewusstsein halten.
„Was ist passiert?", wollte Arya wissen und hoffte, dass sich der Menschen lange genug wachen halten konnte, um zu antworten.
Wenn er allein an diesem Ort zurückgeblieben war, dann musste etwas schief gegangen sein. Die Elfe argwöhnte, dass Eragon genau in die Falle gelaufen war, vor der Arya ihn gewarnt hatte. Warum war er nur so unvorsichtig gewesen?
„Es war eine Falle", krächzte Roran. „Wir wurden hier bereits erwartet … der rote Drache ..."
„Sie haben Eragon und Saphira mitgenommen?", half ihm Arya auf die Sprünge.
„Ja. Wir hatten keine Chance. Es ging so schnell"
„Verflucht!", schimpfte Fraya. „Das bringt uns in eine ausgesprochen unschöne Situation. Es fragt sich, ob wir sie noch einholen können, bevor sie Urû'baen erreichen. Danach dürfte es fast unmöglich werden, sie zu befreien. Was ist mit den Ra'zac?"
„Weg – im Moment", konnte Roran gerade noch von sich geben.
Die beiden Frauen wechselten bedeutungsvolle Blicke. Dann machten sie sich auf den Weg zurück zu Endres. Sie hatten einen günstigen Zeitpunkt getroffen, um die drei Gefangenen zu befreien. Doch dieses Glück musste man nicht unnötig strapazieren. Es würde sich nicht ewig fortsetzen. Während sie zurück zum Eingang gingen, verfluchte sich Arya selbst. Sie hätte Eragon von dieser Leichtsinnigkeit abhalten müssen, egal mit welchen Mitteln. Inzwischen war so viel Zeit vergangen, dass es praktisch undenkbar schien, ihn noch zu erreichen und zu befreien, bevor er in Urû'baen landete und unerreichbar war.
Kurz bevor sie das Eingangsgewölbe erreichten, hielt Fraya an. Sie versetzte die beiden Gefangenen in Tiefschlaf und schleppte sie anschließend weiter. Offenbar hatte sie vor, ihre Geheimhaltungsstrategie konsequent weiter zu führen. Vielleicht fürchtete sie auch nur, dass die beiden Männer beim Anblick von Endres Schwierigkeiten machen würden.
Der schwarze Drache scharrte nervös mit den Krallen auf den Höhlenboden, als sie zurückkehrten.
Das wird ja auch Zeit, beschwerte er sich.
Wir müssen diesen Ort schnell verlassen, teilte ihm Arya mit. Im Moment sind die Ra'zac nicht hier, aber das kann sich schnell ändern.
Soll mir recht sein, bekam sie zur Antwort.
In aller Eile hievten die beiden Frauen die befreiten Gefangenen auf den Drachenrücken. Dort mussten sie gehalten werden, ohne dass man weitere Vorkehrungen traf. Dafür blieb jetzt keine Zeit. Endres schlitterte regelrecht zum Ausgang, ließ sich über den Abhang fallen und fing seinen Sturz kurz über dem Boden ab, um dann wieder aufzusteigen. Für Aryas Geschmack war es fast zu knapp gewesen, doch am Ende musste sie sich wohl eingestehen, dass sie den Drachen unterschätzte.
Sie flogen etwa eine halbe Stunde lang in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Dann landete Endres auf einem Hügel, der ihnen in der Dunkelheit eine gute Tarnung bot. Der schwarze Drache fiel darauf kaum auf. Vorsichtig luden die beiden Frauen die Befreiten wieder ab. Sofort machte sie sich daran, Rorans Verletzungen zu versorgen. Während Arya die letzten Schnittwunden versorgte, reichte Fraya ihm Wasser und etwas zu essen.
„Danke", meinte Roran und genoss die Mahlzeit im Freien sichtlich.
Es war deutlich zu sehen, dass er sich zumindest seelisch schon ein wenig erholt hatte. Sein Atem ging ruhiger und er hatte aufgehört, sich hektisch umzusehen.
„Es war eine gemeine Falle. Katrina war nicht mal dort", teilte Roran schließlich verbittert mit. „Wer weiß, was sie mit ihr gemacht haben."
„Nicht die Hoffnung aufgeben", riet ihm Fraya mit betonter Entschlossenheit. „Noch könnte sie als Druckmittel von Nutzen sein. Vor allem wenn die Ra'zac bemerken, dass du entkommen bist."
Arya konnte diesen Optimismus nicht teilen, doch sie hatte nicht vor, sich einzumischen. Menschen brauchten ihrer Erfahrung nach diese Arte von Beistand, um mit schweren Rückschlägen umgehen zu können. Allerdings blieb noch die Frage, was aus Eragon und Saphira werden sollte. Wahrscheinlich war es längst zu spät, um ihnen zu helfen. Mit diesem Gedanken wollte sich die Elfe aber nicht abfinden und es ging nicht nur ihr so.
„Wir sollten es auf jeden Fall versuchen", beschloss Fraya. „Wir folgen ihren Spuren und sehen zu, was wir noch tun können. Wenn es keine Möglichkeit gibt, dann sehen wir weiter. Ich bin nicht bereit, auch nur noch einen weiteren Reiter und Drachen an diesen Verräter und Mörder zu verlieren."
Arya konnte die Wut in der Reiterin förmlich spüren, auch wenn ihre Stimme fest klang und ihre Gesichtszüge ausdruckslos blieben. Endres knurrte wütend im Hintergrund.
Ungeachtet der drängenden Zeit brachen sie nicht sofort auf. Fraya nahm sich die Zeit, die nächste größere Siedlung aufzusuchen. Zurück kam sie mit Proviant und einem Pferd für jeden der Befreiten.
„Du solltest dich noch bis zum Morgen ausruhen, bevor du dich auf den Weg machst", empfahl sie Roran. „So schnell dürften die Ra'zac euch nicht vermissen. Und wenn doch, werden sie eher unseren Spuren folgen. Die beiden" Sie deutete auf die beiden anderen Gefangenen. „werden in ein paar Stunden von selbst wieder aufwachen. Es gibt genug Vorräte für euch alle. Einigt euch, ob ihr zusammen bleibt oder nicht. Es wäre wohl gut für dich, die Flucht in Richtung Surda zu wagen."
Roran nickte verständig. Schließlich drückte ihm Fraya noch einen Sack aus ihrem persönlichen Gepäck in die Hand.
„Da drin sind Dinge von äußerster Wichtigkeit, die ich auf keinen Fall auch nur in die Nähe von Urû'baen mitnehmen will. Ich bitte dich, sie mitzunehmen und in Sicherheit zu bringen. Außerdem werden die beiden kleinen Drachen – Lux und Lyda – euch begleiten."
Die beiden Jungdrachen hatten Roran zu seinem deutlichen Unwillen einer intensiven Untersuchung unterzogen und für vertrauenswürdig befunden. Im umgedrehten Fall schien sich das noch ein wenig schwieriger gestalten.
„Sollten wir innerhalb einer angemessenen Zeit nicht zurückkehren, dann tun wir das wahrscheinlich nie mehr. In diesem Fall bitte ich dich, dafür zu sorgen, dass die beiden Kleinen und diese Sachen nach Ellesméra gelangen. Dort ist jemand, der sich darum kümmern wird. Nur für ihn sind diese Sachen bestimmt und keinen anderen. Das ist wichtig. Außerdem solltest du nicht zu weit in die Welt hinausbrüllen, was du heute hier gesehen hast."
Roran nickte und nahm den Sack an sich, auch wenn er sichtbar nicht begriff, was das alles zu bedeuten hatte. Arya warf Fraya einen fragenden Blick zu. Was meinte sie mit jemandem in Ellesméra, der sich darum kümmern würde? Es gab dort unter den Elfen zweifellos viele, die dazu in der Lage wären. Oder konnte sie etwa von Oromis und Glaedr wissen? Völlig unmöglich fand Arya das nicht. Immerhin war es Oromis damals auch gelungen, mit Eragon über eine weite Strecke Kontakt aufzunehmen und ohne Zweifel hatte die Reiterin aktiv nach möglichen Überlebenden ihres Ordens gesucht.
„Ich werde mich darum kümmern", versprach Roran.
„Danke", entgegnete Fraya und wandte sich dann Arya zu. „Und du bist sicher, dass du uns begleiten willst? Das wird ein wirklich gefährliches Unternehmen und die Aussichten stehen sehr schlecht. Mir ist nicht wohl dabei."
„Ich bin mir absolut sicher", entgegnete die Elfe entschlossen.
Fraya nickte nur. Dann stiegen die beiden wieder auf Endres' Rücken. Von jetzt an galt es, keine Zeit mehr zu verlieren.
