Kapitel 7

„Wie geht es ihm denn, Sarah?", wollte Alfred von ihr wissen, als er den Raum betrat. Breda lag nun schon seit zwei Tagen bewusstlos in einem Bett. Sie hatten ihn dort hingelegt, weil sie dachten, dass es dort bestimmt bequemer sein würde, als in seinem Sarg und außerdem konnten sie ihn hier besser beobachten als dort drinnen.

„Ich weiß es nicht, er ist ja noch nicht einmal aufgewacht. Aber ich hoffe es geht im gut." Beantwortete sie die Frage.

„Du Sarah, da gibt es was, was ich dir sagen möchte."

„Wieder das gleiche Thema?"

„Ja."

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Als Breda erwachte lag er in einem Bett.

Was sollte das? Wo war sein Sarg?

Er versuchte sich auf zu setzten, aber ein starker Schmerz in seinem Rücken ließ ihn wieder zurücksinken.

Woher kam diese Verletzung?

Auf einmal fiel es ihm wieder ein. Die Hochzeit, und dann die Vampirjäger. Er hatte doch so gehofft, dass seine zweite Hochzeit ohne Störungen verlaufen würde. Was war mit Sarah? Ging es allen anderen gut? Und wer zum Teufel hatte ihn hierher gebracht? Er sah sich im Zimmer um. Es würde bald Dämmern, das sah er durch die Fenster. Moment- durch die Fenster? Müssten die Vorhänge nicht eigentlich zu sein?

Breda versuchte sich erneut auf zusetzten, was ihm allerdings mit dem gleichen Ergebnis gelang, wie beim ersten Versuch.

Wenn er es nicht schaffen würde, die Vorhänge zu zuziehen, dann würde es sein Ende bedeuten. Allerdings konnte er sich kaum bewegen.

Auf einmal trat jemand in sein Zimmer. Es war Alfred. Er hatte ein Tablett mit Blut bei sich.

Als er Breda sah, stockte er leicht in seinen Bewegungen.

„oh." Entfuhr es ihm. „Wie geht es dir? Wir haben uns alle Sorgen um dich gemacht. Ich wollte eigentlich nur nach dir sehen, und hab vorsichtshalber ein Glas Blut mitgenommen, für denn Fall, dass du erwachst und durstig bist." Alfred hielt ihm fragend das Glas hin und Breda ergriff es.

„Mir geht es gut. Was ist passiert?" Breda wollte die Schmerzen im Rücken nicht gegenüber Alfred erwähnen. Schließlich hatte er auch noch ein bisschen Würde, er würde nicht vor Alfred jammern.

„Bei der Hochzeit sind durch die Fenster Vampirjäger eingedrungen, dass weißt du bestimmt noch. Ein paar von uns konnten die Vampirjäger verletzten, so wie dich, was aber nicht weiter schlimm ist, es sind keine all zu schweren Verletzungen. Ein paar haben sie aber auch tödlich verletzt. Leider…war jemand dabei, den wir näher kannten..." Fügte er hinzu, als er den besorgten Blick des Grafen bemerkte.

„Wer ist es?" Breda hoffte, dass es nicht jemand war, dem ihn all zunahe stand. Sarah war es bestimmt nicht, Herbert auch nicht, sonst wäre Alfred trauriger gewesen. Nun fragte er sich, wer umgebracht worden war.

„Es ist Luzifer. Er starb, als er versuchte, eine Gruppe von Vampiren, zu retten. Sie haben ihn das Herz durchbohrt." Alfred hielt inne. Auch er wusste was das hieß. Die Vampire hatten ihr Oberhaupt verloren, in einer sinnlosen und unnützen Schlacht. Was aber viel wichtiger war: Es musste ein neues Oberhaupt ernannt werden, und die Wahl wurde auf Breda treffen, er war schließlich der älteste und weiseste Vampir, den es jetzt noch gab. Die anderen Vampire waren jung, viel jünger als er.

Luzifer hatte Breda damals gebissen, ihn zu einen der ersten ihrer Art gemacht. Und nun war er tot. Breda hätte sich nie im Tot vorgestellt, dass es seinen ‚Schöpfer' irgendwann einmal nicht mehr geben sollte, aber nun war er an der Reihe den Clan in eine hoffentlich glanzvolle oder friedliche Zukunft zu führen und er würde kaum noch Zeit für seine Familie haben, denn ‚absagen' konnte er nicht, das würde nicht erduldet werden.

„Wir konnten einige Jäger fangen. Allerdings haben ein paar Vampire ein paar von den Jägern umgebracht. Manche konnten auch entkommen, aber die meisten sind im Moment im Kerker, gefesselt, und werden verhört. Was mir ihnen passiert, ist nun deine Aufgabe." Unterbrach Alfred seine düsteren Gedanken.

Wieso hatte Alfred eigentlich keine Angst mehr ihm gegenüber? Normalerweise war er doch immer schnellst möglich von ihm weggegangen. Lag es daran, dass er hier in einem Bett lag und sich kaum rühren konnte? Oder, dass er in diesem Moment einfach einen Mitleiderregenden Anblick bot, so wie er da lag, zusammen gesunken und über eine scheußliche Zukunft nachdenkend.

Alfred wollte gerade die Vorhänge zu ziehen, als es erneut an der Tür klopfte, und Herbert eintrat.

„Ach, hier bist du Alfi, ich hab dich schon im Ganzen Schloss gesucht…"

Er bemerkte, dass sein Vater wach war und kam gleich ein paar Schritte näher zu ihm heran an sein Bett.

„wie geht es dir Paps? Ich wollte eigentlich nur Alfred abholen…. Du warst lange ohne Bewusstsein, wir dachten schon, du wachst gar nicht mehr auf."

„Mir geht es gut, Herbert."

Langsam nervte ihn dieses ständige: ‚Geht es dir gut?'

„Ich werde dann mal Sarah zu dir holen, sie wollte zwar schon zu Bett gehen, aber ich glaube sie kommt dich dann noch mal vorher besuchen. Sie hat sich die ganze Zeit über Sorgen gemacht."

Herbert schnappte sich Alfred, der total vergessen hatte, die Vorhänge zu zuziehen( was Breda allerdings nicht mitbekam), als Herbert rein kam, und verließ das Zimmer, nicht ohne vorher noch ein „Tschüss Paps" zu nuscheln.

Nun war Breda wieder allein im Zimmer. Er dachte über das gesagte nach. Er war also Tage lang bewusstlos gewesen? Nur wegen so einen paar Vampirjägerchen? Andererseits, war Luzifer, der mächtigste Vampir, den es je gegeben hatte, durch sie gestorben. Gegen einen Pflog durchs Herz konnte keiner standhalten.

Es sah sich erneut und auch etwas sorgsamer in dem Zimmer um. Das war sein altes Zimmer, hier hatte er immer as Mensch geschlafen zusammen mit seiner ersten, sterblichen Frau. Es waren glückliche Zeiten gewesen, bevor er gebissen worden war. Seitdem war so gut wie nichts geschehen, das ihm Freude bereitet hätte. Selbst die Hochzeit hatte in einem Desaster ihr Ende gefunden. Wenn er genau nachdachte, was das einzig glückliche, was in dieser Zeit jemals passiert war, dass Sarah zu ihm gekommen und auch bei ihm geblieben war.

Sein Blick blieb am Fenster hängen. Alfed hatte doch glatt vergessen, die Vorhänge zu zuziehen. Wollte er ihn umbringen? Breda konnte sich kaum rühren, sie also auch nichts selbst schließen. Wieso hatte Alfred es nicht für ihn getan?

Wenn sie nicht noch jemand schließen würde, dann würde er qualvoll durch die Sonne verbrennen. Wieso hatte Alfred diese verdammten Vorhänge nicht zu gemacht? War es Absicht gewesen…?

Breda schaute erneut zum Fenster. Der Himmel hatte bereits seine purpurne Farbe angenommen, wie er es immer in der Dämmerung tat. Nur normaler Weise, lag er um diese Zeit schon in seinem Sarg oder war in irgendeiner dunklen Ecke verborgen. Sollte das sein Ende sein? So ein jämmerliches Ende? Und nur wegen Alfred, diesem schusseligen….

Gerade als er anfing, richtig wütend auf Alfred zu werden klopfte es leise an der Tür und Sarah trat herein.

„Du bist ja wirklich wach! Ich dachte Herbert wollte sich nur einen Spaß mit mir erlauben." begrüßte sie Breda freundlich. „Alfred sah ja nicht sonderlich glücklich aus, wie er von Herbert zu seiner Gruft gezogen wurde… Wie geht es dir, Schatz?"

Immer musste sie von Alfred anfangen. Was fand sie nur an ihm? Was hatte Alfred, was er nicht hatte?

„Mir geht es gut…" Schon wieder diese Frage, sie nervte wirklich.

Sarah fielen die offenen Vorhänge auf. Sie ging zu ihnen und zog sie zu.

„Hat Alfred vergessen sie zu zuziehen? Er ist doch deswegen extra noch einmal hierher gekommen…" überlegte sie laut.

„Scheint so." Breda versucht ruhig zu klingen, was ihm aber anscheinend nicht richtig gelang. Mehr sagte er nicht, denn dann würde Sarah mit Sicherheit rausbekommen, dass er wütend auf Alfred war und das wollte er nicht. Vielleicht war seine Wut auch unbegründet, er wusste es nicht.

„Es tut dir auch gar nichts weh? Du wurdest von so einem Pflock im Rücken getroffen… Es sah sehr schmerzhaft aus."

„Ja, der Rücken schmerzt ein wenig… aber in ein bis zwei Tagen dürfte das wieder in Ordnung sein." meinte Breda.

„Willst du, dass ich die Nacht über hier, bei dir bleibe?"

Breda überlegte kurz, schließlich nickte er.

„Ja, das wäre schön…"

Sarah ging zu Breda auf das Bett zu, kletterte über ihn rüber und schlüpfte unter die Bettdecke.

„Ich liebe dich Breda" Meinte sie und gab ihm einen Kuss auf die Lippen.

„Ich dich auch, Sternkind."

Breda dachte noch über Alfred und Luzifer nach, jedoch dauerte es nicht lange, bis sie Beide eingeschlafen waren.