„Nein! Stopp! Her damit!" Ein lauter Knall riss mich aus meinem Traum und ich schrie auf.

Panisch blickte ich umher. Es war keiner hier. Ich wischte mir mit meinem Hemd den Schweiß von der Stirn. Meine Fresse, was war das denn für ein abgefuckter Traum? Ich schüttelte meinen Kopf und griff mir mit einer Hand in den Nacken. Ich war total verschwitzt. Noch einmal schaute ich mich in dem kleinen Büro um. Nichts Auffälliges. Beyond, fängst du an zu spinnen? Was hatte das zu bedeuten? Ich stand auf, ging zum Kühlschrank und schnappte mir eine Dose Cola. Ich musste unweigerlich grinsen. Mit einem leisen Zischen öffnete ich sie und nahm einen großen Schluck. Oh Gott, tat das gut. Kein widerliches Wasser, sondern endlich mal etwas mit Geschmack. Ich schloss meine Augen. Die Jagd hatte begonnen. Mittlerweile wurden die Leichen bestimmt schon entdeckt. Es dauerte nun nicht mehr lange bis die Suche nach dem Mörder losging. Ich musste mich nun langsam wirklich mit nützlichem Zeug eindecken. Ich öffnete wieder meine Augen und fuhr meinen Daumen an die Lippen. Unbewusst fing ich an, am Nagel zu knabbern. Ich setzte mich in die Hocke und legte meine freie Hand auf ein Knie. Es würde langsam Ernst werden. Ich musste mich dringend mit einer Waffe, einem Messer und vielleicht einem Baseballschläger oder so etwas in der Art eindecken. Zu einem für meine eigene Verteidigung und zum anderen für meine geplante Morde. Ein Messer war immer praktisch, man konnte es gut verstecken und war sehr effektiv im Nahkampf. Ein Baseballschläger war mehr für das Grobe. Ich musste erneut grinsen. Tja und die Waffe, sie war für den absoluten Notfall. Viel zu laut und leider auch eine primitive Variante zu sterben. Viel zu schnell und einfach langweilig. Ein Lachen entfuhr mir. Zu langweilig…

Doch die große Frage war, woher bekam ich das ganze Zeug. Ich konnte ja schlecht so verlumpt in einen Waffenladen spazieren und mir das Zeug kaufen. Hundert Dollar würden sowieso nicht reichen. Ich kaute wieder auf meinem Daumennagel herum. Oh mein Gott, ich hab's! Ein Geistesblitz. Ein Polizist hatte logischerweise meist eine Waffe bei sich, meist auch einen Knüppel. Im optimalsten Fall würde er auch ein Messer bei sich haben. Doch wie sollte ich das anstellen? Ein Polizist war nie alleine unterwegs, er hatte immer einen Partner an seiner Seite. Ich schloss die Augen erneut. Komm schon Beyond, du bist clever. Du willst doch den großen L hervorlocken. Streng dich an! Ich riss die Augen auf. Aber ja! Wie konnte ich nur nicht daran denken? Die Augen! Ich musste unweigerlich laut loslachen. Du bist ein Genie Beyond. Ein verdammtes Genie. Endlich werden die Shinigami Augen von Nutzen sein.

Die nächsten Tage verbrachte ich damit zu beobachten. Beobachten und Lernen. Ich setzte mich dafür immer auf eine Parkbank in der Nähe und mein Blick schweifte über den Park und die Alleen um ihn herum. Es gab einige Polizeiwagen, die regelmäßig um den Park herum streife fuhr. Zwei junge Männer morgens. Uninteressant. Mittags eine reifere Frau und ein junger Mann. Ebenfalls uninteressant. Am Abend dann mein Opfer, ein junger Mann und ein älterer Herr. Ich hatte sie drei Tage lang beobachtet. Alle drei Pärchen fuhren immer zur gleichen Zeit ihre Route. Auch am heutigen Abend waren der junge Mann und der ältere Herr zuverlässig. Sie fuhren einmal komplett um den Park herum und kamen auch an mir vorbei. Ich legte ein finsteres Grinsen auf, als sie an mir vorbei fuhren. Der junge Mann, Ryan Gordon, hatte nur noch einen Tag zu leben. Ich konnte es klar und deutlich erkennen. Der arme Kerl. Ich grinste weiter vor mich hin. Und natürlich war da noch der ältere Herr, Freddy Cellen. Sie fuhren an mir vorbei und schauten mich an. Ich hob nur kurz die Hand zum Gruß und starrte ihnen böse hinterher. Ja, der gute Freddy… wie konnte man nur so viel Glück wie ich haben. Die Zahlen flackerten über ihm, er würde am gleichen Tag sterben wie Ryan. Ich stand von der Bank auf und trottete zurück zu meinem Versteck. Morgen sollte mein Plan starten. Ein befreiendes Lachen dröhnte durch den Park.

Der nächste Morgen war angebrochen. Es war endlich soweit. Mein erster geplanter Mord. Es musste einfach alles perfekt sein. Ich stand vom Stuhl auf und hob eine Spiegelscherbe nach oben. Ihr Rand war mit vertrocknetem Blut bedeckt. Ich schaute mir in die Augen, dann mustere ich mein Gesicht und zu guter Letzt meine Haare. Mit meiner Hand wuschelte ich sie kurz durch. Plötzlich bemerkte ich ein Flimmern über mir. Wie konnte mir das die ganze Zeit entgehen. Beyond Birthday stand über mir in einer roten wabernden Schrift. Ich petzte meine Augen zusammen. Wie sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte meinen eigenen Todeszeitpunkt einfach nicht erkennen. Verdammt, aber was soll's. Ich schmiss die Scherbe wieder in die Ecke und blickte auf meine Uhr. 13:37 Uhr. Der Wagen von Ryan und Freddy kam leider erst um ca. 19:20 Uhr an der Straße vorbei, von der meine Gasse abzweigte. Ich hatte also noch etwas Zeit. Den Mittag verbrachte ich damit mir über alles Mögliche Gedanken zu machen. Wer war L? Wieso hatte er mich getötet? Wo bin ich aufgewachsen? Ich saß in dem großen Lederstuhl, mit angezogenen Beinen, den Kopf auf die Knie gelegt und mit geschlossenen Augen. Wie bin ich aufgewachsen? In meinen Augen durchzuckten helle Blitze das Schwarz. Ein stechender Schmerz meldete sich in meinem Kopf. Ich presse meine Hände an die Schläfen. Nicht schon wieder! Das kannte ich doch! Ein weißer Nebel entstand vor meinem inneren Auge. Wieder konnte ich kaum was erkennen. Schon gar nicht Gesichter. Eine Person saß vor mir auf einem Bett. Sie hatte die Beine angewinkelt am Körper und vergrub ihren Kopf zwischen den Knien. War ich das? Aber das konnte nicht sein, ich blickte ja auf diese Person. Ich hob einer meiner Hände zum Kopf dieser Person. Einzelne Haarsträhnen glitten durch meine Finger. Wie konnte das sein? Ist das…? Meine Hand rutschte ihn seinen Nacken, nur kurz, dann zuckte ich weg und legte die Hand auf seine Schultern. „Hey L… aufwachen.", sagte ich. Plötzlich verschwamm alles. Ich konnte nichts mehr erkennen.

Das konnte nicht wahr sein! Was war das? Was habe ich da gerade gesehen. War das wirklich L? Wieso sah er genauso aus wie ich? Oder sah ich so aus wie er? Ich schüttelte in Gedanken meinen Kopf. Was stelle ich mir für bescheuerte Fragen? Der weiße Neben vor meinen Augen wurde dunkler, immer dunkler bis alles um mich herum schwarz war. Was passierte hier? Ein ohrenbetäubender Knall durchfuhr meinen kompletten Körper. Ein lauter Schrei und dann hektisches Gebrülle. Der schmerzt in meinem Kopf wurde immer schlimmer. Ich konnte es kaum noch aushalten, meine Hände drückten stärker gegen die Schläfen. Aufhören! Und plötzlich verstummte alles. Hektisch blickte ich im Dunkeln hin und her. Nicht alles verstummte. Irgendwas flüsterte mir Etwas zu.

„Ich…", mehr verstand ich nicht.

Ich nahm alle Kraft zusammen und konzentrierte mich noch ein letztes Mal auf das Flüstern.

„Ich dich doch auch."

Was hatte das zu bedeuten? Wer war das?

„BEYOND!", schrillte es plötzlich in meinen Ohren und ich wachte auf.

Was zur Hölle war gerade passiert? Ich hatte immer noch meine Hände an meinen Kopf gepresst, doch dieser war frei von jeglichem Schmerz. Scheiße! Was hatte das zu bedeuten?! Ein Piepsen meiner Uhr riss mich aus meinen Gedanken. 19:00 Uhr. Verdammte Scheiße! Ich musste mich beeilen, in ca. 20 Minuten kamen Ryan und Freddy hier vorbei. Über diese bizarre Vision konnte ich mir auch noch später Gedanken machen doch nun musste ich meinen Plan umsetzen. Ich hüpfte vom Stuhl, schnappte mir ein Glas Erdbeermarmelade, schob 2-3 Portionen in meinen Mund, ein bisschen verteilte ich auf dem Hals und den Rest verteilte ich im Eingang des Büros. Danach machte ich die Tür soweit zu, dass nur noch ein Spalt offen stand. Das Licht der Schreibtischlampe ließ ich brennen. Mit einem Grinsen, was verschmiert war mit Marmelade, schlenderte ich aus dem Geschäft heraus, Richtung Straße. Ich blickte auf mein Handgelenk. 19:18 Uhr. Gleich ging es los. Ich setzte mich auf den Boden, schloss die Augen und lehnte meinen Rücken gegen die Mauer. Und endlich hörte ich sie.

Der einzige Wagen, der um diese Uhrzeit an diesem Winkel des Parkes entlang fuhr. Wie erwartet. Ich musste mir mein Grinsen unterdrücken. Plötzlich reifenquietschen, eine Tür wurde geöffnet.

„Hey Sir, alles in Ordnung?" Das musste Ryan sein.

„Hallo Sir?" Ich blieb weiterhin stumm. Dann ging eine zweite Tür auf.

„Oh scheiße schau mal Ryan. Der sieht nicht mehr so gut aus."

Zwei Türen wurden zugeschmissen.

„Hey Mister, was ist passiert?" Einer von ihnen schüttelte mich.

Nun hieß es warten und hoffen. Ich musste mich dieses eine Mal auf mein Glück verlassen. Kein guter Plan, der auf Glück basierte, aber es ging dieses eine Mal nicht anders. Ich hatte schon mal ca. 60% geschafft. Beide werden heute sterben. Da sie aber aktuell noch am Leben waren, blieben nur noch 4 Stunden und 40 Minuten des Tages übrig. Sollte keiner der Zwei in den nächsten Minuten abkratzen ließ ich es einfach so aussehen, als wäre ich besoffen zusammen gebrochen. Doch sollte einer gleich das Zeitliche segnen, ging mein Plan in die zweite Phase.

„Oh Gott, er ist ja voller Blut!", rief Ryan. Ich unterdrückte mir ein weiteres Mal das Grinsen. Keiner würde einer wildfremden Person ins Gesicht fassen und sich vergewissern, ob es wirklich Blut war.

„Ich glaube wir sollten schnell einen Krankenwagen rufen. Freddy wärst du so nett? Ich fühle derzeit den Puls."

Keine Antwort. Ein schmerzverzerrter Ton zerriss die Stille. Freddy krümmte sich vor Schmerzen und drückte seine Hände an die Brust. Dann klappte er in sich zusammen.

Ich öffnete meine Augen nur ein winziges Stück und erkannte, wie Ryan über den alten Mann gebeugt war und ihn an den Schultern schüttelte. Nun musste es schnell gehen. Ich begutachtete den jungen Polizisten. Mütze, normale Uniform und da erblickte ich sie! Waffe rechts am Gürtel in einem Holster, Knüppel und Messer links. Jawohl! Soviel Glück war schon unheimlich. Ich kicherte und stand auf. Ryan hatte es noch nicht bemerkt, da er zu sehr damit beschäftigt war an seinem Kollegen herum zu schütteln.

Phase 2 hatte begonnen.

Ich bückte mich und griff Richtung Waffe, öffnete mit flinken Fingern das Holster und schnappte mir die Waffe.

„Hey, was machen Sie da?", schrie mich Ryan an und stand auf, doch ich rannte bereits in die dunkle Gasse.

Ich knallte die Ladentür auf, rannte durch einen der Gänge, schob die Tür auf und machte einen großen Schritt über die Marmelade. Danach schloss ich die Tür einen spaltbreit und versteckte mich dahinter. Ich begutachtete das gute Stück, eine Glock 22, hübsch. Danach entsicherte ich die Waffe. Holen wir uns noch das Messer und den Knüppel. Ich grinste bitterböse. Jeder Muskel meines Körpers war angespannt.

„Stehen bleiben!" Ryan war nun am Eingang des Ladens angekommen.

„Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!", brüllte er von draußen herein.

Das war zu komisch. Ich lachte laut los.

„Sie kranker Irrer! Was gibt es da zu lachen! Ich habe gerade meinen Kollegen verloren und sie widerlicher Drecksack nutzen es auch noch aus."

Ich lauschte, hier und da knackte ein Ast oder eine Dose wurde weggetreten. Er stand nun vor dem Büro und schob die Tür langsam auf. Ein schmatzendes Geräusch ertönte. Dank der Marmelade wusste ich genau wie weit er schon den Raum betreten hatte. Tja, damit hast du bestimmt nicht gerechnet. Noch ein weiterer Schritt. Los, mach schon deinen letzten Schritt, feuerte ich ihn in Gedanken an. Da war er, der dritte Schritt! Ich sprang hinter der Tür hervor und wollte ihm grade in den Kopf schießen, als mir ein unglaublicher schmerzt in den Magen fuhr.

Scheißdreck!

Er hatte mit einem Hinterhalt gerechnet und kam gebückt in den Raum. Er hatte mir einen kräftigen Schlag in den Magen verpasst. Ich musste mich vor Schmerzen zusammenkrümmen. Ein weiter unglaublicher Schmerz durchzuckte meine linke Rippe. Er hatte mit aller Kraft einen Seitenhieb ausgeführt. Das durfte nicht wahr sein! Meine Wut stieg plötzlich ins Unermessliche. Ich blickte ihm in die Augen, hob die Waffe mit aller Kraft auf Magenhöhe. Ein Schuss löste sich. Ryan hatte nach der Waffe gegriffen und sie herumgerissen. Die Kugel bohrte sich in den Boden neben uns.

„Es ist vorbei! Geben Sie es auf. Sie werden hier sterben", schrie ich ihn an und lachte auf.

„Sie kranker Bastard!", erwiderte Ryan.

Unsere Hände umklammerten die Waffe. Mit aller Kraft drückte ich den Lauf ihn seine Richtung, doch plötzlich gab er nach und nutze den Moment um die Waffe herum zu reißen. Ein weiterer Schuss löse sich und die Kugel zog, knapp an meinem Ohr vorbei, Richtung Fenster. Das durfte so nicht Enden! So war das nicht geplant. Plötzlich rutschte die Waffe aus unseren schwitzigen Händen und viel zu Boden. Nun würde es sich entscheiden. Ich fühlte es. Ich verzog meinen Mund zu einem hässlichen Grinsen. Gleichzeitig warfen wir uns auf die Waffe.

„Nein! Stopp! Her damit!", brüllt ich und da löste sich der entscheidende Schuss.

Die Waffe viel zu Boden. Ryan kniete auf allen Vieren vor ihr. Ich stand vorsichtig auf doch verlor plötzlich das Gleichgewicht und stolperte einige Schritte zurück. Ich knallte mit dem Rücken gegen den Schreibtisch und sackte zusammen. Mein Grinsen war nicht verschwunden. Ich blickte zu Ryan herüber doch irgendetwas war komisch. Ich blinzelte mehrmals, doch alles um mich herum verschwamm vor meinem Auge. Was war passiert?

Ich blickte an mir herab und meine Augen weiteten sich. Ein roter runder Fleck, der immer mehr heranwuchs, bildete sich auf meinem weißen Hemd auf Bauchhöhe. Panisch drückte ich meine Hand auf die Stelle. Es schmerzte nicht. Mein Körper war wie betäubt. Ein Kribbeln, wie man es von eingeschlafenen Füßen kannte, breitete sich von meinem Magen ausgehend aus. Erst wurden meine Beine taub und dann langsam zog das Gefühl in meine Brust. Meine Hand sackte auf meinem Oberschenkel. Sie war komplett bedeckt mit Blut. Meine Arme wurden taub, selbst meine Augenlider wurden schwer. Ich hatte keine Kraft mehr, alles um mich herum wurde in einen schwarzen Schleier gehüllt. So füllte sich also sterben an… Mein Kopf sackte auf meine Brust.