Kapitel 6: Flüche und andere Schwierigkeiten
Die Schüler saßen gespannt auf ihren Plätzen, denn ab heutigem Tag, nahmen sie die verschiedensten Flüche durch. Begonnen hatten sie mit den Unverzeihlichen.
„Welche gibt es?", fragte Frank in die Klasse.
„Imperius", sagte Amy.
„Cruciatus", fügte Sirius hinzu. Ein leichter Schauer durchfuhr ihn, wenn er an diesen Fluch dachte.
„Der Todesfluch", sagte die Ravenclaw.
Frank nickte. „Ihr wisst auch, welche Wirkung sie haben?" Einstimmig nicken. „Welcher ist eigentlich der Illegalste?"
„Es sind eigentlich alle gleich illegal, denn auf jeden einzelnen dieser Flüche steht lebenslange Haft in Askaban", sagte James. „Willenlosigkeit, qualvoller Schmerz und Tod, sind unentschuldbar."
„Wie jedoch kann man sich gegen so einen Fluch wären?", fragte er. „Den Imperius kann man mit viel Übung wieder abschütteln. Kosstet sehr viel Konzentration, Willenskraft und mentale Stärke. Jedoch ist dieser Fluch derjenige, der noch am Harmlosesten ist, obwohl wenn die Person willenlos ist, kann sie Dinge tun, die sie gewöhnlich nicht macht." Frank ging zu einem von drei Behältern, wo er Spinnen aufbewahrt hatte. Er öffnete mit Hilfe seines Zauberstabes eines dieser Gläser. Vorsichtig nahm er die Spinne in die Hand und betrachtete sie kurz. „Euer Schulleiter hat mir erlaubt, dass ich euch die Flüche auch zeigen darf." Einige Schüler atmeten schockiert auf. „Auch ist es vom Ministerium genehmigt, diese Flüche zu zeigen, aber eben nur in den beiden UTZ-Klassen. Der Grund dafür?"
„Das einige Schüler die Wirkung der Flüche nicht verkraften könnten", sagte Lily. Sie selbst hatte James unter dem Cruciatus gesehen und in ihr stiegen immer noch Übelkeit und Hass auf, wenn sie daran dachte.
Longbottom deutete nur mit seinem Zauberstab auf die Spinne, die plötzlich fünfmal so groß war wie vorher. Die Klasse sah gebannt auf den Lehrertisch, wo eine große Spinne saß, die einem Zauberstab entgegen blickte. „Imperio!", sagte Frank. Es schien sich nichts zu tun. Alle warfen ihren Sitznachbarn einen verwirrten Blick zu. Vielleicht konnte er die Flüche nicht? Diese drei Flüche forderten sehr viel Selbstbeherrschung und viele waren dafür einfach nicht geschaffen sie zu benutzen.
„Was soll ich sie tun lassen?", fragte Frank und sah jeden einzelnen genau an. „Sie durch die Lüfte fliegen lassen?" Schon flog sie an das andere Ende der Klasse. „Sie springen lassen wie einen Ball?" Jetzt bewegte sie sich auf und ab. „Sie Purzelbäume schlagen lassen?" So bewegte sie sich wieder nach vorne zu Frank und hüpfte auf den Tisch.
Wie üblich, hatte er eine Kerze auf seinem Tisch stehen und deutete der Spinne, dass sie sich dort hinbewegen sollte. „Oder soll ich sie dazu bringen, dass sie ein Bein in die Flammen hält?"
Bevor die Spinne jedoch die Flammen berührte, holte er sie zurück, schrumpfte sie und gab sie zurück in das Glas. Die Schüler starrten immer noch gebannt und mit weit offenen Augen nach vorne.
„Wie ich bereits erwähnt habe, kann man sich gegen die Imperius wehren", fuhr Longbottom fort, als wäre nichts gewesen. „Und da die Todesser ja nicht zurückschrecken die Unverzeihlichen einzusetzen, werdet ihr lernen, wie ihr euch gegen diesen Fluch wehren könnt."
Ein Junge mit hellbraunem Haar meldete sich. „Aber Sie selbst sagten doch, dass diese Flüche Unverzeihlich sind und jeder der einen auf einen anderen Mitmenschen anwendet, kommt nach Askaban."
„In gewisser Weise richtig, aber möchtest du gerne eine willenlose Marionette der Todesser sein? Und etwas tun, was du nicht tun willst? Ich weiß, dass ihr von dieser Idee nicht gerade beigeistert sein werdet, aber ich werde rechtzeitig aufhören", versprach Frank.
Er öffnete das zweite Glas und machte das Selbe wie mit der Spinne zuvor.
„Crucio." Er hielt den Zauberstab einfach nur auf die Spinne, die sich qualvoll wand. Hätte sie eine Stimme gehabt, würde sie schreien, würde den Schmerz aus sich raus schreien.
Lilys Hände verkrampften sich und plötzlich hatte sie das Bild von einem James Potter vor sich, der von den Todessern mit dem Cruciatus gefoltert wurde. Er schrie nicht, er wandte sich nur unter den starken Schmerzen. Sie konnte es sich nicht vorstellen wir schmerzhaft das war und sie wollte es auch gar nicht.
Nach kurzer Zeit hörte Longbottom schon auf. Die Spinne zuckte immer noch, obwohl er den Fluch von ihr genommen hatte. „Purer Schmerz. Viele Todesser setzten diesen Fluch ein, um Antworten aus ihren Opfern herauszubekommen. Anderen macht es einfach Spaß die Leute am Boden zu sehen und sie zu beobachten, wie sie sich das Leben aus dem Leibe schreien." Er hielt kurz inne. „Ich wünsche keinem von euch, dass er unter diesem Fluch landet."
Sirius und James warfen sich einen viel sagenden Blick zu, ehe Sirius etwas tat, was er sonst nie gemacht hätte. „Es kommt auch davon wer ihn spricht."
„Wie?"
„Eine Person, die niemanden verletzen will, kann auch keinen Unverzeihlichen verwenden. Verwenden schon, aber nicht in dem Sinne. Sie möchte ihm oder ihr nicht wehtun und deshalb hat der Fluch nur die halbe Kraft. Natürlich kann jeder die Flüche lernen, aber es fordert Selbstbeherrschung und mentale Stärke, um so etwas überhaupt zustande zu bringen."
„Eine gute Überlegung."
„Und wenn man oft unter dem Imperius oder dem Cruciatus stand, dann macht es einem mit der Zeit nichts mehr aus. Man hat sich daran gewöhnt und man kann Schmerzen besser ertragen."
Sirius biss sich leicht auf seine Unterlippe. Er wollte eigentlich nur den ersten Teil sagen und den zweiten nicht. Ihn hätte es nicht gewundert, wenn Longbottom ihm dazu einige Fragen gestellt hätte, aber er tat es nicht. Frank beobachtete Sirius genau und war überrascht, wie leichtfertig er das über die Lippen gebracht hatte.
Frank hatte sich dem letzten Spinnenglas zugewandt. Die Spinne, die er groß gezaubert hatte, schien etwas zu ahnen und wollte davon laufen, dann sprach er auch schon die Formel: „Avada Kedavra!" Die Spinne wurde in grünes Licht getaucht und blieb regungslos liegen.
„Der Todesfluch", sagte Frank und räumte die Spinne weg. „Der Schlimmste dieser Flüche. Es gibt zwar auch andere Flüche, die einen umbringen können, aber der Avada ist der Tödlichste und Wirkungsvollste, wenn man die anderen Flüche erst kennt. Noch bevor man den Boden erreicht, ist man tot. Es hat noch keinen gegeben, der diesen Fluch überlebt hat."
Es herrschte kurzes Schweigen.
„Steht auf", forderte Frank seine Schüler auf, die sich sofort erhoben, ihre Sachen wegpackten. Mit einem einzigen Schwenker seines Zauberstabes, beförderte er die Tische und Stühle an die Wand und zauberte auch noch ein paar Kissen, damit sich die Schüler nicht ernsthaft verletzen konnten.
„Verzeihung, Professor", sagte der Hufflepuff. „Aber wieso ist die Spinne so groß geworden, obwohl Sie keinen Zauberspruch gesagt haben?"
Frank starrte ihn mit großen Augen an. „Das war ein ungesagter Zauber", erklärte Frank. „Ich glaube, wir haben dieses Jahr noch viel Arbeit vor uns. Eigentlich hättet ihr die in eurem sechsten Jahr lernen sollen."
„Wir haben Ihnen auch gesagt, dass unsere Lehrer in den vergangen Jahren ziemlich inkompetent waren", antwortete Lily.
„Wenn wir mit dem Duellieren anfangen, machen wir auch gleich die ungesagten Zauber mit. Bei Duellen sind sie sehr hilfreich. Der Gegner könnte sich sonst einen Gegenzauber parat legen, wenn er die Formel kennen würde und bei einem ungesagten Zauber, sieht er nur die Zauberstabbewegung. Einige Zauberstabbewegungen sind einmalig, das man sofort weiß um was es sich handelt, aber einige ähneln sich in gewisser Weise und man muss wirklich alle Bewegungen auswendig wissen, um den richtigen Gegenzauber zu verwenden."
Sie waren ja wirklich weit zurück. Wer hätte gedacht, dass sie so viel nicht gemacht hatten? Manchmal fragten sie sich sogar, wie sie überhaupt durch die ZAGs gekommen waren. Und wie waren die anderen eigentlich immer durch ihre Prüfungen gekommen? Bei den Lehrern?
„Wer möchte zu erst?", fragte Frank und jeder Schüler trat einen Schritt zurück. Wie konnte er auch nur so blöd fragen? Keiner würde sich freiwillig unter einen Unverzeihlichen stellen lassen.
„Ich mach's", sagte James und trat vor. Alle anderen hörte man erleichtert aufatmen.
„Bereit?", fragte Frank und hob seinen Zauberstab. Er richtete ihn genau auf James und konzentrierte sich auf seinen Fluch. „Imperio."
Der Strahl traf James mitten in die Brust. Zuerst zuckte er kurz zusammen, dann blieb er normal stehen und hörte eine Stimme in seinem Kopf.
„Richte deinen Zauberstab auf einen deiner Freunde und lasse ihn tanzen."
„Warum sollte ich?"
„Lass einen deiner Freunde tanzen", forderte die Stimme erneut.
„Eigentlich habe ich dazu keine Lust", sagte seine Stimme mit festerer Stimme.
„Lass einen deiner Freunde tanzen." Die Stimme wurde immer fordernder, aber eine andere Stimme hielt ihn davon ab, dass zu tun, was von ihm gefordert wurde.
„NEIN", sagte er mit fester Stimme und konnte nun endlich wieder die Umrisse seiner Freunde sehen. Alle starten ihn verblüfft an, sogar Longbottom schien überrascht zu sein.
„Da scheint jemand aber einen starken Willen zu haben?", fragte Frank und lächelte dann doch.
James wusste, dass er gegen den Imperius standhielt. Sein Vater gab ihm den Tipp, dass, wenn er Okklumentik beherrschte, auch den Imperius abschütteln konnte. Er musste nur seinen Gegner, der ihn kontrollieren wollte, aus seinem Kopf schmeißen, so wie bei der Okklumentik.
Die restlichen Schüler traten jetzt auch vor, nur das bis auf Sirius keiner mehr den Fluch abschütteln konnte. Einige wehrten sich dagegen, aber komplett wurden sie ihn nicht los.
Frank war dennoch überrascht, dass sie so abgeschnitten hatten. Er hatte nicht einmal erwartet, dass überhaupt einer den Fluch komplett abschütteln konnte, aber das es zwei schafften? Wahrlich, damit hatte er nicht gerechnet.
Das Duellieren mit den Beiden durfte noch interessant werden. Wenn sie so gut auskannten und auch dem Imperius standhielten, hatten sie mit anderen Flüchen mit Sicherheit auch kein Problem. Die anderen schienen jedoch auch etwas zu besitzen, was aber noch entdeckt werden musste und an die Oberfläche gehörte.
Die Unterrichtsstunden bei Frank vergingen immer wahnsinnig schnell und waren auch jedes Mal interessant und man konnte sich immer auf die nächste Stunde freuen, weil einen immer etwas Neues erwartete.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause und Mittagessen, mussten sie sich in den Kerkern einfinden. Slughorn, der Professor für Zaubertränke, hatte für sie einen schweren Trank vorbereitet. Er hatte beschlossen, sie den Vielsafttrank brauen zu lassen. Mit ihren Stunden in diesem Jahr und da sie auch häufig hatten, gab es auch keine Probleme den Trank zu brauen. Da die Siebtklässler auch in einem anderen Kerker unterrichtet wurden wie die anderen Schüler, konnten sie den Trank stehen lassen, ohne dass etwas passierte.
Vor dem Klassenzimmer, kamen sie Severus Snape, einem Siebtklässler aus Slytherin entgegen. Keiner wollte es zugeben, aber er war der Beste in Zaubertränke. Er hatte sogar Slughorn korrigiert und ihm etwas vorgeschlagen, was einen Trank besser machte. Nur das niemand auf ihn gehört hatte und er es deswegen bleiben ließ.
„Sie einer an, die Gryffindors wagen sich auch wieder in die Kerker?", spöttelte er. Seine fettigen Haare hangen ihm ins Gesicht. „Und das Schlammblut hat sich doch tatsächlich auf dich eingelassen, was Potter? Was musstest du ihr den verabreichen? Liebestrank? Hast du ihr auf den Kopf geschlagen, damit sie alles vergisst und du ihr irgendetwas erzählen konntest? Oder hast du sie unter den Imperius gesetzt?" Nach dem er die letzte Frage ausgesprochen hatte, hatten alle die um sie herumstanden, scharf die Luft eingezogen.
„Was willst du damit behaupten?", zischte James gefährlich. Seine rechte Hand war bereit seinen Zauberstab zu packen und ihm den erstbesten Fluch entgegen zu schleudern, wenn er es auch nur noch einmal wagte, so eine Vermutung aufzustellen.
„Beruhig dich", flüsterte Lily und legte beschwichtigend ihre Hand auf seinen Arm.
„Sieh mal einer an! Ist Potter zahm geworden?", spottete er weiter. Sein hämisches Grinsen war genauso ekelhaft wie seine Haare.
„Willst du dir nicht lieber die Haare waschen?", schlug James vor und Snape verging das Grinsen. „Oder hast du von deiner Mutter keine Körperpflege gelernt?"
„Lass meine Mutter aus dem Spiel", fauchte er bedrohlich. Seine Augen hatten sich zu Schlitzen geformt. „Zumindest muss ich keine Leute unter den Imperius setzen."
„Du wirfst mir also vor, dass ich einen Unverzeihlichen verwende?", fragte James aufgebracht. „Wie viele Menschen hast du eigentlich schon unter dem Cruciatus gefoltert oder mit dem Todesfluch getroffen?"
Dieses Gespräch schien immer tiefer zu gehen, wenn dies überhaupt noch möglich war. Solche Dinge, dass jemand absichtlich die Unverzeihlichen verwendete, ein Schüler zudem noch, war eine schlimme Beleidigung und konnte bei den Beiden, so wie sie sich ansahen, zu einem Desaster führen.
Zur Erleichterung der Meisten, öffnete sich in diesem Moment die Türe und Professor Slughorn blickte hinaus. Verwirrt blieb sein Blick auf seinen beiden Schülern hängen, die sich nur mit ihren Blicken versuchten umzubringen.
„Was ist hier los?", fragte er.
„Nichts", antworteten James und Severus, wandten aber den Blick nicht voneinander ab.
„Dann kommen Sie herein", bat Slughorn an und trat beiseite, so dass die Schüler eintreten konnten. In UTZ-Kursen ist es immer üblich, dass man sich zu viert an einen Tisch setzte. So kam es, dass Lily, Remus, Sirius und James an einem Tisch saßen. Severus, Bellatrix, Walden und Theodor teilten sich ebenfalls einen Tisch. Einen Dritten teilten sich drei Ravenclaws und eine Hufflepuff. Amy hatte Zaubertränke abgewählt, weil sie keinen gescheiten Trank ohne Lilys Hilfe zusammen brachte. Sie hatte zwar ihre Spezialgebiete, aber Zaubertränke gehörten einfach nicht dazu. Sie interessierte sich viel mehr für Kräuterkunde, wo sie die Klassenbeste war. Brauchte jemand eine Pflanze oder wollte die Wirkung erfahren, musste er oder sie nicht in einem Buch in der Bibliothek nachsehen, sonder befragte einfach Amy und die Hausaufgaben waren erledigt.
Amy liebte Pflanzen einfach, weil die Pflanzen für sie eigenen Lebewesen waren, die erforscht werden mussten.
„Euer letztes Jahr bricht nun an", sagte Slughorn und klang ziemlich theatralisch. Ihm schien es jetzt schon etwas auszumachen, dass sie in ein paar Monaten Hogwarts verließen.
„Wie ich euch schon in der letzten Stunde mitgeteilt habe, werden wir nun den Vielsafttrank brauen. Ich hoffe, dass ihr eure Aufgaben erledigt habt?", fragte er in die Runde. Gemeint war der Aufsatz über die Wirkung und Zutaten des Vielsafttrankes. Mit einem einzigen Zauberstabwink sammelte er die Pergamente ein. „Jetzt nehmt euch eure Bücher und fangt an den Trank zu brauen. Nehmt euch so viel Zeit wie ihr wollt und passt mir ja auf, dass nichts schief geht, denn so ein Vielsafttrank kann üble Folgen haben", warnte er sie noch, ehe sie sich die Zutaten holten, die er für sie bereit gelegt hatte.
Remus und Lily waren wirklich sehr genau. Millimeter für Millimeter arbeiteten sie sich vor, um die Zutaten, die sie heute noch verwenden mussten, genau zuzuschneiden.
Sirius und James zündeten das Feuer an, schauten, dass die Flammen die passende Temperatur hatte und das Wasser nur leicht dampfte. Langsam gab Lily ihre Zutaten hinzu und rührte um.
Die Aufgaben waren genau verteilt. Die Feinarbeit machten Lily und Remus, für die Kontrolle des Trankes waren alle zuständig und die restlichen Zutaten bearbeiteten Sirius und James.
Am Ende der Stunde hatte ihr Trank eine leicht bläuliche Farbe angenommen. Nach Remus fachmännischer Meinung, war der Trank bis hierhin richtig. Wäre auch ein wenig blöd, wenn sie gleich am Anfang einen Fehler eingebaut hätten.
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Rauch! Überall war Rauch! Die Steine standen nicht mehr über einander, die Häuser waren in sich zusammengestürzt. Überall waren noch Flammen, die die Umgebung ein wenig erleuchteten, denn der Himmel war pechschwarz, nur darüber leuchtete ein großer, grüner Totenkopf.
Der Boden war von Asche nur so bedeckt, genauso wie von vielem Blut, das mittlerweile getrocknet war.
Leichen lagen überall. Einige wiesen Platzwunden auf, Schnittwunden, Vergiftungen, Todesfluchopfer, alles war dabei. Es war ein grauenhafter Anblick.
Doch den schlimmsten Anblick bot eine junge Frau, die in den Trümmern ihres Hauses gefunden wurde. Sie schien den Zorn der Todesser gewaltig auf sich gelenkt zu haben, zumindest von einem Todesser.
Die Auroren betraten den Raum, der schon stabilisiert wurde. Die Leiche der Frau war unter einer Plane versteckt.
Zu den Auroren zählte Alastor Moody, der die Leiche entdeckt hatte. Benjamin Potter, der es als sein Pflicht ansah, sich das hier anzusehen und seine Frau. Gideon Prewett, der mit seinem roten Haar in dieser tristen Umgebung hervorstach. Sein Zwillingsbruder Fabian war draußen und half den anderen beim ‚Aufräumen'.
Und eine junge Rekrutin, die jetzt unter den Fittichen von Gideon stand, weil sie ihren vorherigen Mentor verloren hatte. Sie zitterte am ganzen Körper, nicht wissend, was sie jetzt erwarten würde. Die Anspannung im Raum war groß, beinahe greifbar.
„Sicher das ihr alle hier bleiben wollt?", fragte Moody. Ein einstimmiges Nicken, nur Claudia Reynolds nickte zaghaft.
„Du musst nicht hier sein, wenn du nicht willst", bat Gideon ihr höflich an. Doch sie schüttelte den Kopf.
„Was ist, wenn ich selber mal in so einer Situation bin? Und niemand da? Dann kann ich doch nicht einfach davon laufen", antwortete sie.
„Sie denkt richtig", sagte Alastor. „Dann macht euch mal auf etwas Grauenhaftes gefasst. So etwas, habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nicht gesehen." Langsam und vorsichtig zog er die Plane zurück und enthüllte das tote Gesicht. Claudia spürte, wie sich ihr der Magen umdrehte. Gideon verlor jegliche Gesichtsfarbe. Susan klammerte sich an ihrem Mann fest, damit sie nicht umkippte. Und Benjamin Potter starrte einfach nur mit großen Augen auf die Leiche. Er brauchte einen Moment, bis er seine Stimme wieder fand. „Wa …was … i … ist mit ihrem Gesicht passiert?", stotterte er, seiner Stimme nicht ganz mächtig.
Alastor ignorierte sein Stottern. „Du meinst, was ist mit der einen Hälfte passiert."
Wie konnte dieser Mann so gelassen sein? Vielleicht, weil er es nicht anders gewohnt war? Weil er es im Grindelwald-Krieg schon gesehen hatte? Aber so etwas, konnte er doch unmöglich schon einmal gesehen haben. Es war einfach nur noch grausam, barbarisch, sadistisch.
„Was ist mit ihr passiert?", sprach Benjamin Potter wieder. Dieses Mal hatte er seine Stimme und sich selbst unter Kontrolle.
„Aus dem Stand sieht es so aus, als hätte sie jemand mit einem Messer bearbeitet, denn kein Fluch könnte so etwas zu Stande bringe und es würde nachweisbar sein." Moody starrte seinen Vorgesetzten an. „Bis auf die Knochen ausgekratzt. Außerdem hat er den linken Augapfel herausgeschnitten-"
„Das reicht, Alastor!", stoppte Susan ihn prompt.
Der Auror war erstaunt. „Was ist los mit dir? Du benimmst dich ja wie ein Anfänger."
„Sie sieht so … grotesk aus."
„Allerdings." Er musterte das verschandelte Gesicht. „Ich fürchte, da wollte jemand was beweisen. Schau dir die perfekte bilaterale Symmetrie an … direkt durch die Nasenspitze. Gerade wie ein Lineal. Die rechte Gesichtshälfte ist völlig unberührt, die linke vollkommen zerstört. Weißt du, woran mich das erinnert?"
„Ich will das nicht hören."
Moody hielt inne und richtete sich auf.
Mit äußerster Anstrengung konnte er sich vorstellen, dass sie einmal hübsch gewesen war. Ein schöner Teint, hohe Wangenknochen, volle Lippen – die Hälfte davon. Vorsichtig zog er die Decke vom Körper, zuckte zusammen und wich zurück.
Ihr Oberkörper entsprach dem Gesicht. Eine Hälfte war völlig versehrt. Zarte Knochen. Diese Seite hatte glatte Haut, einen flachen Bauch, eine gerundete Taille … wohlgeformte Beine. Die andere Seite der Rippen war wie ein zerfetzter Hamburger. Lose Muskelstränge hingen noch an freigelegten Knochen und tanzten bei jedem Windstoß.
Mit offenem Mund starrte Claudia die Leiche mit der übel zugerichteten Körperhälfte an. Instinktiv wich sie zurück, tastete nach der Tür und steckte den Kopf nach draußen. Sie spürte, wie ihr Abendessen nach oben gesprudelt kam. Sie erbrach sich, bis ihr Magen leer war.
Alle die draußen standen, starrten sie an. Was war denn da drinnen bloß?
Gideon kam ebenfalls heraus und wirkte auch nicht gerade besser. Die ganze Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Zitternd schaute er zurück und blickte wieder auf die Leiche, dann sah er weg.
Er reichte Claudia ein Taschentuch, die es dankbar annahm.
Drinnen standen alle noch geschockt da.
„Wer war sie?", fragte Benjamin.
„Keine Ahnung", antwortete Alastor, der die Leiche wieder zudeckte. „Keine Hinweise hier. Keine Papiere, keine Ausweise, die uns ihre Identität verraten könnten."
„Wie kann jemand nur so grausam sein?", brachte Susan schließlich hervor.
Benjamin hatte seine Frau in die Arme genommen. „Wer?"
„Todesser vermutlich", sagte Alastor. „Vielleicht wollten sie mal eine andere Mordmethode ausprobieren und die Menschen wirklich noch qualvoller sterben zu lassen", schlug er vor. „Aber die abgerissenen Muskelstränge zeigen deutlich, dass es kein Messer gewesen sein kann."
„Mit den bloßen Händen oder was?", fauchte Susan.
Benjamin riss die Augen auf. „Natürlich."
„Was meinst du?"
„Greyback", murmelte er.
„Fenrir Greyback?", fragte Susan nach.
„Genau der", bestätigt Benjamin. „Er ist ein Werwolf. Gewiss eine sadistische Seite und ich traue ihm zu, dass er das gemacht hat."
„Bedenke Benjamin. Es ist nicht einmal Vollmond", sagt Moody und blickte ihn verständnislos an.
„Du weißt wozu Greyback verantwortlich ist oder?" Moody nickte. „Hast du ihn schon mal gesehen, als er nicht verwandelt war?" Wieder ein Nicken. „Hast du dir seine Hände angesehen? Sie sehen aus wie Klauen. Wie die Klauen eines Werwolfes."
Moody schien angestrengt über etwas nachzudenken. Wo Benjamin das jetzt so erwähnte, dann klang alles plausibel. Greyback wurde immer sadistischer.
Ein Werwolf war, während er in seiner Gestalt als Werwolfes herum lief, nicht zurechnungsfähig und folgte nur seinem Trieb. Greyback schien ein Werwolf durch und durch zu sein. Was hieß, dass er nicht nur in Vollmondnächten Menschen ‚reißt', sondern auch zwischen drinnen.
Einfach nur daran zu denken, dass ein Mensch mit bloßen Händen jemandem so etwas zu fügen konnte, aber Greyback war schon zu verbittert, um überhaupt noch unterscheiden zu können, ob er jetzt der Mensch war, als der er geboren wurde oder ob er der Werwolf war. Bei ihm hatten sich die beiden Grenzen anscheinend vermischt.
Die drei Auroren wandten sich noch einmal der zugedeckten Leiche auf dem Boden zu und schritten dann hinaus. Überall diese Zerstörung und dieses grüne Licht, dass alle in Angst und Schrecken versetzte.
Sie suchten sogar in den Trümmern nach weiteren Überlebenden, aber nach einigen Stunden Suche, hatten sie kaum noch Hoffnung, überhaupt noch jemanden lebendig zu finden. Die Todesser hatten dieses Dorf beinahe dem Erdboden gleichgemacht und nur, weil sie nicht mit ihm kooperieren wollten, hatte er einfach mehrere dutzend Existenzen ausgelöscht. Auf grausame Weise und er ließ auch so morden, in seinem Auftrag.
Wenn sie Voldemort doch nur fangen konnten, aber das war unmöglich. Warum? Weil er sich nicht lebendig fangen ließ. Sein Motto war: Tod oder lebendig! Was anderes gab es nicht.
Sein Ziel war es, die Reinblütigkeit zu bewahren, aber er löschte viele reinblütige Familien aus. Er entfernte sich immer mehr davon, als das er dort hin kam. Wenn dann nur mehr die Todesser übrig sein würden, würde Hogwarts überhaupt keine Schüler mehr beherbergen, weil sie garantiert einen Grund fanden jemanden umzubringen. Die einzige Überlebenschance hätte man nur, wenn man sich ihm anschloss, wenn es denn je so weit kommen würde.
Daran mochte Benjamin nicht denken. Es war einfach ein zu grausamer Gedanke, der ihm nach diesem Erlebnis gekommen war.
Als die Aurorenzentrale die Meldung von einem Angriff erreichte, dachte niemand, dass es so ein Massaker sein würde. Sie machten sich schnell auf den Weg, nahmen so viele Auroren mit, wie ihnen über den Weg liefen und apparierten schnell hier her, nach ‚Bone Garden'. Welch Ironie dieser Name doch barg.
Die Auroren apparierten etwas entfernter von dem Dorf und machten sich dann unbemerkt auf den Weg, nur das zu diesem Zeitpunkt das dunkle Mal schon am Himmel stand und die Feuer hohe Flammen hatten. Nicht einmal konnte man Menschen schreien hören.
Die Todesser waren bereits verschwunden und hatten ein Schlachtfeld hinterlassen. Nichts war mehr an seinem Platz. Nicht einmal vor Kindern machten sie halt, um ihre Flüche auszuprobieren.
Kurz bevor die Auroren ankamen, waren die Todesser verschwunden. Sie mussten einen Hinweis bekommen haben, denn anderes war es nicht zu erklären gewesen. Aber der Informant hätte dann in der Aurorenzentrale sitzen müssen und von dem Einsatz gewusst haben.
‚Lächerlich', schallte sich Potter und schüttelte seinen Kopf. So einen irren Gedanken hatte er noch nie. Ein Auror sollte den Todessern helfen und sie warnen? Nein, ein Auror war dazu nicht fähig. Er hatte in letzter Zeit nur zuviel mitgemacht, dass er das sogar glaubte.
„Wir haben irgendwo ein Leck", sprach Moody aus und bleckte seine Zähne. Benjamin warf ihm einen undefinierbaren Blick zu.
„Nicht schon wieder", sagte er zu ihm, aber hatte er nicht gerade denselben Gedanken? Wieso hatte er Moody denn gerügt?
„Glaub mir doch Potter", versuchte Moody in zu überzeugen. „Irgendwer zwitschert wie ein Vogel. Wir sind so schnell wie möglich hier her gekommen. Da hätten die Todesser gewöhnlich keine Chance gehabt zu verschwinden. Vielleicht einige, aber einige hätten wir fassen können", argumentierte er weiter.
„Du wirst lachen Mad-Eye", sagte Benjamin. „Aber ich hatte eben die selben Gedanken."
„Also glaubst du jetzt auch, dass irgendwer den Todessern hilft?"
„Aus unserer Zentrale?", fragte er sarkastisch.
„Man weiß nie", antwortete Moody. „Es kann theoretisch sein und von diesem Einsatz wussten nur die Leute in unserer Zentrale. Nicht einmal die anderen Abteilungen der AMS wussten davon."
Benjamin wollte es nicht wahr haben. Aber in letzter Zeit entkamen ihnen viel Todesser. Sie wussten anscheinend immer, wo die Auroren als nächstes auftauchten und waren dann nicht mehr dort. Nur ein riesiges Chaos war noch vorzufinden.
„Sieh es ein, Potter", sagte Moody. „Es gibt einen Spion unter den Auroren. Nur kann ich mir noch keinen Reim darauf machen, wer es ist", sagte er und schwieg kurz. „Aber ich werde ihn finden."
„Sei aber diskret", mahnte Potter. „Lass ihn in Sicherheit schwelgen. Gib allen zu verstehen, dass du keine Vermutung hast. Irgendwann wird er oder sie einen Fehler machen und dann können wir zuschlagen, aber vorher dürfen wir uns keinen Fehler erlauben, sonst sind wir dran."
„In Ordnung. Sagen wir es auch den Anderen?", fragte er.
„Nein." Potter blieb stehen und ließ seinen Blick über alle Auroren wandern, die mit ihm zu diesem Einsatz gekommen waren. „Sie werden selber darauf kommen müssen und ich vermute, dass einige sogar schon darauf gekommen sind, nur nichts dazu sagen wollen, weil sie denken, dass ihre Vermutungen falsch sind. Außerdem brauchen wir Beweise."
„Die dürften am Schwersten zu bekommen sein", meinte Mad-Eye. „Auch wenn wir die Sicherheit haben, dass er-"
„oder sie", mischte sich Potter ein.
„Sie?", fragte Moody ungläubig.
„Ja, sie", bestätigte er. „Es kann wirklich jeder sein, also müssen wir auch alle in Betracht ziehen."
„oder sie ein Todesser ist, brauchen wir Beweise, um es überhaupt anderen mitteilen zu können. Es gab mal so einen Fall bei den Unsäglichen. Erst vor kurzem. Er meinte dann nur: ‚Das was Sie betreiben ist Rufschädigung. Dafür kann ich Sie verklagen.' Das alles nur, weil keine Beweise da waren, aber die Sicherheit war da, dass er Informationen weiter gab."
Benjamin seufzte. „Man kann wirklich kaum noch jemandem trauen." Er schloss kurz die Augen um seine Gedanken zu ordnen. „Packen wir mit an."
Die Auroren verbrachten noch eine halbe Stunde damit, das Schlimmste zu beseitigen, als dann endlich der ‚Putztrupp', wie diese Einheit gern genannt wurde, eintraf, apparierten die Auroren zurück in die Zentrale und Benjamin hatte die ehrenvolle Aufgabe, einen Bericht zu schreiben. Das war eben der Nachteil eines Vorgesetzten. Er hätte es zwar weiter geben können, aber er hätte es dann noch einmal Korrekturlesen müssen, also ersparte er sich die Wartezeit und die Lesezeit und schrieb es gleich selbst.
lool: Hi! Dir war nicht zufällig langweilig, so dass du zu jedem Kapitel ein Review geschrieben hast? Mich freut es auf jeden Fall sehr, dass du wirklich zu jedem Kapitel etwas geschrieben hast. Du hättest zwar nicht müssen, aber danke dafür. Hoffe, dass dir die anderen Kapitel auch weiterhin so gut gefallen. HDL
So und wie immer hoffe ich auf Reviews von euch. Ihr hinterlasst mir doch eines oder?
Lg
Magic
