Krynda war unruhig geworden, nachdem Barrison sich seit gestern nicht mehr bei ihr gemeldet hatte. Dabei hatte er ihr noch vor zwei Tagen per Komlink mitgeteilt, dass Toprawa beinahe befreit und der Sieg der Jedi auf ganzer Linie nur eine Frage von einigen Stunden sei. Sie versuchte, eine Verbindung zu Barrison aufzubauen, nicht per Komlink diesmal, sondern über das partnerschaftliche Band, welches beide schon seit Jahren miteinander verband. Nach einigen Versuchen überkam sie ein Gefühl, welches mehr als mies war. Sie fühlte sich elend. Sie konnte nichts von Barrison mehr fühlen.

Krynda schrak hoch, als der zehnjährigen Lucien in ihr Zimmer hereinkam, um seine Mutter zu grüßen.

„Mama, darf ich rüber zu Dace gehen?"

„Geh nur", sagte sie mit belegter Stimme.

Dace war der beste Freund Luciens und wohnte gleich nebenan auf dem angrenzenden Grundstück und der darauf befindlichen Villa. Kein Grund also, weitere Fragen zu stellen. Als ihr Sohn gegangen war, versuchte Krynda, ihre seherischen Fähigkeiten einzuschalten. Sie sah eine schummrige Höhle, in welcher heruntergefallene Gesteinsbrocken lagen. Und unter diesen Gesteinsbrocken lagen Menschen, Nautolaner, Arkanianer – jetzt sah sie zwischen zwei riesigen Steinen blondes Haar hervorluken. Nein, das konnte nicht sein, das durfte nicht sein! Das war bestimmt nur ihre Angst, die ihre Sicht und ihr Urteilsvermögen trübte. Aber genau das war der Preis, den sie zahlen musste, weil sie eine derart innige emotionale Bindung zu einem Mann eingegangen war.

Nun versuchte sie, im Holo-Net irgendwelche Informationen von Toprawa zu erhalten. Aber noch immer existierte die kriegsbedingte Nachrichtensperre. Der Waldplanet schien für den Moment nicht zu existieren. Zumindest waren die Nachrichten von Yavin IV erfreulicher. Vielleicht wüsste ja jemand von den von dort zurückkehrenden Jedi etwas über ihren bislang vermissten Mann.

Der rote Massassi, den Dossa gerade eben noch Doktor Uburluh genannt hatte, schaute niedergeschlagen und gedankenverloren auf die Leiche seiner ehemaligen Patientin, dann ging er langsam auf Haazen zu, kniete vor ihm nieder und neigte sein Haupt.

„Lord", sagte er schlicht in Anerkennung der geänderten Umstände.

„Sie machen so ziemlich alles, hat sie angedeutet. Ist das so?", fragte sein neuer Herr.

„So ist es, mein Lord. Es tut mir leid, dass Euch die neuen Prothesen nicht so zusagen. Wir können später natürlich andere, menschlichere Teile besorgen, die Euch besser stehen."

„Das wird nicht nötig sein. Jemand wie ich hat es nicht mehr nötig, schön auszusehen", erwiderte Haazen milde abwinkend. „Aber Sie werden mir anderweitig dienen. Jetzt müssen wir erst einmal die Jedi einsammeln, die in der Höhle liegen. Ihre Körper müssen für die rituelle Einäscherung und die Überführung nach Coruscant und Arkania bereitgemacht werden. Sie werden außerdem die Lichtschwerter einsammeln und auf mein Schiff bringen."

„Und – was machen wir mit ihr?", fragte Doktor Uburluh und wies auf die tote Dossa.

Nun ging Haazen zu ihr und nahm ihr sein Lichtschwert wieder ab. Dann nahm er ihr den Hüftgürtel mitsamt ihren Waffen ab und gab ihn dem Massassi.

„Die können Sie aufheben. Und begrabt Dossa."

Der rote Doktor tat wie ihm geheißen.

Krynda war erleichtert, als Haazen in ihr Anwesen zurückgekehrt war. Etwas irritiert schaute sie auf den roten bulligen Massassi mit den auffälligen schwarzen Sith-Tätowierungen, den der Diener-Freund ihres Mannes im Schlepptau hatte. Aber der Sith-Abkömmling war für sie jetzt eine eher unbedeutende Angelegenheit.

„Was ist auf Toprawa geschehen? Wo ist Barrison?", fragte sie Haazen beinahe ungeduldig.

„Zuerst die gute Nachricht, Mylady: Die Sith auf Toprawa sind endgültig vernichtet."

Diese Einleitung war nicht dazu angetan, Kryndas innere Anspannung zu lösen. Ganz im Gegenteil. Ihr fiel beiläufig auf, dass Haazens rechte Hand zu einer klauenartigen Prothesenhand mutiert war. Dass sein rechtes Auge gelb war, während sein anderes künstliches Auge rot leuchtete. Aber auch das kümmerte sie im Moment nicht.

„Aber leider unter großen Verlusten auf unserer Seite", hörte sie Haazen weiterreden. „Ich war gerade dabei, gefallene Jedi von den anderen Leichen zu trennen, um sie für die Feuerbestattung vorzubereiten. Barrison und die anderen waren bereits weitergezogen. Da sah ich Dossa wieder."

Er machte eine Kunstpause.

„Diese unselige nautolanische Schmugglerin – schon wieder!", sagte Krynda leicht genervt.

„Sie war über und über mit Sith-Tätowierungen bedeckt, arbeitete für Exar Kun."

„Arbeitete?", stieß Krynda nach.

„Sie hatte einen Zünder bei sich, den sie gerade aktivieren wollte. Ich wusste sofort, was sie vorhatte. Ich lief also zu ihr, um ihr das Gerät wegzunehmen, sie daran zu hindern, die Bombe hochgehen zu lassen, aber ich kam einige Sekunden zu spät. Später stellte sich dann heraus, dass diese grüne Hexe gleich mehrere Sprengsätze mit einem Knopfdruck hochgejagt hatte. Dadurch sind in den Ansharii-Höhlen alle Jedi umgekommen, die zu diesem Zeitpunkt dort waren – entweder wurden sie direkt von den Sprengsätzen getroffen oder von herabfallenden Gesteinsbrocken begraben."

Haazen fand eine erneute Kunstpause angebracht.

„Auch Barrison?", fragte Krynda mit bebender Stimme, obgleich sie die Antwort bereits kannte.

Haazen nickte stumm und schaute in vorgeblicher Pein betreten nach unten. Dann erhob er seinen Blick wieder, um Krynda wieder anzusehen. Seine nunmehrige Herrin stand einen Moment lang erstarrt, ihre blauen Augen schockgeweitet. Ein Blinzeln und sie schaute wieder normal, während sich Trauer ihres Blickes bemächtigte.

„Erzähl weiter", bat sie ihn tonlos.

Haazen fühlte, dass sie sich gehörig zusammennahm, um nicht die Fassung zu verlieren angesichts dessen, was er ihr gerade erzählt hatte. Er zog es vor, jetzt umgehend ihrer Bitte zu entsprechen, um ihr die Ablenkung zu verschaffen, die sie jetzt brauchte, um sich langsam daran zu gewöhnen, von nun an allein zu sein, wenn sie nicht ...

„Als ich dann endlich bei ihr war, entspann sich ein Kampf zwischen uns. Es gelang mir, sie mit einem gezielten Fausthieb außer Gefecht zu setzen. Ich habe mir in jenem Kampf mein Lichtschwert wieder zurückgeholt, welches sie mir damals auf Arkania gestohlen hatte. Ich habe ihr die gezündete Klinge vor den Hals gehalten, sie aufgefordert, sich zu ergeben. Da erkannte sie, dass sie keine Chance mehr hatte. Sie zündete einen weiteren Sprengsatz, der sie selbst getötet und mich derart verunstaltet hat. So hat sie sich feige ihrer Gefangennahme entzogen. Aber sie wird nie wieder jemanden töten. Doktor Uburluh war auch dort. Er hat gemeinsam mit mir noch versucht, einige der verschütteten Jedi in den Höhlen zu retten, aber es war bereits zu spät. Deshalb beschloss er, ab sofort den Jedi zu dienen. Und Euch, Mylady. Er ist ein sehr guter Arzt. Er wird uns gute Dienste leisten", schloss Haazen seinen Bericht.

Krynda ließ diese Informationen erst einmal sacken, bevor sie weiterdachte oder gar sprach. Sie beschloss, sich zur Ablenkung über ihren eigenen Verlust mit den Schäden zu befassen, die der Krieg auf Toprawa Haazen zugefügt hatte. Also schaute sie ihn voller Mitgefühl an und versuchte zu ergründen, welche Verletzungen Haazen auf Toprawa wohl erlitten haben mochte. Aber er trug einen langen braunen Kapuzenumhang, welcher nahezu seine gesamte Gestalt verdeckte. Seine rechte krallenartige Prothesenhand und sein rechtes rotes Mechno-Auge hatte sie bereits ausgemacht. Auch, dass sein linkes Auge auf einmal gelb geworden war. Seltsamerweise erschien ihr das völlig normal. Sie wunderte sich nun darüber, dass sie so gar nicht erschrocken gewesen war, als sie Haazen vor etwa einer halben Stunde das erste Mal seit seinem Einsatz auf Toprawa wiedergesehen hatte. Und genau das gab ihr zu denken. War sie durch den Sith-Krieg schon derart abgebrüht, dass sie solcherart Prothesen als normal empfand? Oder lag es daran, dass sie in Haazen lediglich eine Art Freund oder Vertrauten sah, ohne mehr für ihn zu empfinden? Krynda schämte sich spontan ob ihrer Gefühllosigkeit.

„Du solltest zum Jedi-Tempel gehen, um dort noch mehr Informationen zu bekommen. Es ist so viel passiert", sagte sie schließlich mit unbewegtem Gesicht. „Ulic Qel-Droma ist nach langen Jahren auf der Dunklen Seite wieder in den Orden zurückgekehrt, nachdem ihn seine Ex-Frau von der Macht getrennt hat, um ihn für seinen gemeinen Mord an seinem eigenen Bruder zu bestrafen. Und jetzt, wo Exar Kun tot ist und seine Massassi-Krieger durch jenes grausige Ritual auf Yavin IV mit sich in den Tod gerissen hat, ist die Gefahr der Sith fürs Erste gebannt. Aber es gibt jede Menge zu tun und ein weiterer Arzt ist da dringend vonnöten. Das hast Du gut gemacht, Haazen", lobte sie ihn mit einem gequälten Lächeln.

Haazen fiel auf, dass sie, seit sie von ihm von Barrisons Tod erfahren hatte, in einer seltsam monotonen Stimmlage sprach.

„Wollt Ihr nicht mit mir in den Tempel kommen?", fragte Haazen freundlich.

„Ich will lieber zu Hause bleiben und auf Luciens Rückkehr warten", erwiderte sie genauso monoton wie vorher.

„Dann werde ich jetzt umgehend in den Jedi-Tempel gehen und danach werde ich die Unterlagen des Draay Trusts durchgehen, ob da Handlungsbedarf besteht. Außerdem werde ich mich um ein eigenes Haus für mich kümmern", erklärte Haazen.

„So sei es", erwiderte sie stoisch.

Kaum war Haazen gegangen, brach Krynda ohnmächtig zusammen und begann hemmungslos zu schluchzen. Alle Rituale der Beherrschtheit und des Bezwingens ihrer Gefühle, die sie einst im Jedi-Tempel gelernt hatten, waren auf einmal vergessen. Sie schickte Haazen noch eine Nachricht, dass sie bis zum Mittag des nächsten Tages nicht gestört werden wolle, dann versank sie in einer nie gekannten Dunkelheit. Am nächsten Tag ging sie in den Jedi-Tempel, um ihre Kollegen zu sehen, aber es war nicht wie sonst. Alle beglückwünschten sie zum Sieg über die Sith, bekundeten ihr Beileid zum Tod ihres Mannes. Aber dies alles ging an ihr vorbei. Genauso wie Kryndas Worte an den Jedi vorbeigingen, die nicht verstehen wollten, dass der Kampf der Jedi gegen die Sith noch lange nicht vorüber war und sie wachsam bleiben müssten.

Haazen begab sich nun zu Doktor Uburluh, der in einem Zimmer des Draayschen Anwesens übernachtet hatte.

„Sie können hier auf Coruscant eine Praxis eröffnen", bot Haazen Doktor Uburluh an. „Aber wenn ich Sie brauche, werden Sie da sein."

„Sehr wohl, mein Lord."

„Für Sie Darth oder Lord Hayze. Und bislang nur für Sie", eröffnete ihm der selbsternannte neue Dunkle Lord.

Mit etwas Geld der Draays mietete Haazen eine Praxis mit Wohnräumen an, welche Doktor Uburluh künftig nutzen sollte.

Es bereitete Krynda Mühe, den gewohnten Alltag weiterzuführen, als wäre nichts geschehen, sich um Lucien zu kümmern. Nach zwei Wochen hielt sie das alles nicht mehr aus und bat Haazen zu sich.

„Es gibt etwas Wichtiges zu besprechen."

Haazen war ganz Ohr.

„Ich sage das jetzt nur dir, hörst du, Haazen? Ich kann dem Orden der Jedi nicht mehr vertrauen. Sie haben Barrison in sein Unglück rennen lassen, sie haben dich mit dieser nautolanischen Hexe alleingelassen. Und sie erkennen nicht, dass die Sith immer noch aktiv sind. Ich kann sie spüren, aber niemand will mir glauben. Wir müssen unseren eigenen geheimen Bund innerhalb und doch außerhalb der Jedi aufbauen, wenn wir stark und entschlossen genug sein wollen, dieser Gefahr zur rechten Zeit die Stirn zu bieten. Ich vertraue dir meinen Sohn zur Ausbildung an. Und ich selbst werde weitere Schüler im prophezeienden Voraussehen unterweisen. Wirst du dabei sein?"

„Es ist mir eine Ehre, Mylady", sagte Haazen feierlich und deutete eine Verbeugung vor ihr an.

„Ich danke dir, Haazen. Ich wusste, ich kann mich auf dich verlassen", sagte sie erleichtert und Haazen sah ihre blauen Augen leuchten. Das erste Mal seit diesen zwei Wochen seit Barrisons Tod.

Einen Tag nach diesem Gespräch begab sich Haazen zu seinem Massassi-Diener in dessen Praxis.

„Es gibt Neuigkeiten, Doktor. Ich werde bald einen Schüler haben. Den jetzt zehnjährigen Sohn von Lady Krynda, welche ebenfalls eigene Schüler unterrichten wird. Auf diese Weise werden wir unserem Endziel einen großen Schritt näherkommen. Ihre Aufgabe dabei ist es, Waffen zu besorgen, die ich zu Trainingszwecken einsetzen kann. Und unauffällig ein paar Sith-Amulette in den Winkeln der Trainingsräume anzubringen, so, dass die Kinder in geeigneter Weise beeinflusst werden."

„Wie Ihr wünscht, Lord Hayze. Ich hätte da einen Vorschlag, wie wir an noch mehr Adepten herankommen könnten", sagte der Massassi, während seine drei gelben Augen aufglommen.

Haazen neigte halb den Kopf, um seinen geheimen Diener seiner uneingeschränkten Aufmerksamkeit zu versichern.

„Mein Herr, Dossa hat Kinder hinterlassen, die im selben Alter wie der Sohn von Lady Krynda sind. Wir könnten ihre Familie auf Glee Anselm informieren. Dort sind die Kinder momentan."

„Wie viele und von wem sind denn Dossas Kinder?"

„Es sind zwei. Ein Junge und ein Mädchen. Und sie stammen von Exar Kun höchst selbst."

„Sicher?", fragte Haazen etwas spöttisch.

„Dossa war nicht so eine", wies Doktor Uburluh seine Vermutung entschieden zurück. „Sie hat ihm die ganze Zeit über treu gedient und keinen anderen Mann angeschaut. Das weiß ich genau. Aber ich darf auch anmerken, dass Dossa viel von Euch gehalten hat."

„Ach, wirklich", entgegnete Haazen sarkastisch.

„Ja, sie war überaus besorgt um Euch, nachdem die Sprengsätze explodiert waren. Und Exar Kun war überaus ungehalten darüber, dass sie Euer Leben als Überläufer retten wollte. Und da hat sie … eine Art Zwischenlösung gefunden."

Haazen wandte sich abrupt von Doktor Uburluh ab. Sollte Dossa das damals alles wirklich ernst gemeint haben, was sie ihm damals auf Toprawa zugesäuselt hatte? … Mitnichten! Nicht, wenn Exar Kun überlebt und seine Macht behalten hätte!

„Was Dossa damals vielleicht gefühlt oder gewollt hat, ist jetzt irrelevant!", sagte Haazen hart und schwang wieder zu dem roten Massassi herum. „Wir werden uns später um die Kinder kümmern. Aber ich werde ihre Familie darüber informieren, dass die Kinder vorerst auf Glee Anselm bleiben sollen."

Doktor Uburluh atmete auf. Dann suchte er die Daten der Familie von Dossa heraus, damit Haazen mit ihr in Verbindung treten konnte.

„Es tut mir überaus leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Dossa während des Sith-Krieges auf Toprawa ums Leben gekommen ist", sagte Haazen Dossas Mutter per Komlink.

„Wer sind Sie?", fragte die Mutter.

„Jemand, der Dossa gut gekannt hat", erwiderte Haazen ausweichend. „Ich werde mich in etwa einem halben Jahr noch einmal bei Ihnen melden, um weitere Einzelheiten zu besprechen. Bis dahin wäre es vorteilhaft, die Kinder auf Glee Anselm zu lassen." Haazen hörte, wie die Frau sich bei ihm hohl und mechanisch bedankte. Er hatte nichts anderes erwartet.

Nachdem Haazen an Barrisons statt die Leitung der Geschäfte des Draay Trusts übernommen hatte, fand Krynda nun mehr Zeit, sich in die innere Meditation zu begeben und zu ergründen, wie es zustande kam, dass sie immer noch eine Bedrohung durch die Sith fühlte, obwohl Exar Kun bereits seit einem halben Jahr tot und dessen Schüler wieder in den Schoß der Jedi zurückgekehrt war. Dieses latente Gefühl der Bedrohung nahm sie derart in Beschlag, dass sie noch nicht einmal mehr in der Lage war, sich angemessen um ihren Sohn zu kümmern. Sie machte ihm das Essen, fragte ihn nach der Schule, nach seinen Freunden. Aber all dies geschah rein mechanisch, aus Pflichtgefühl heraus. Aber sie konnte keine Anteilnahme an seinem Leben mehr aufbringen, seit Barrison tot war. Wie gut, dass der treue Haazen sich neben seinen anderen Aufgaben im Namen des Hauses Draay nun auch der Jedi-Ausbildung ihres machtbegabten Sohnes annahm. Lucien würde später seinem Vater ein würdiger Nachfolger sein. Haazen wäre gut genug, ihren Sohn in diesem zarten Alter von zehn Jahren auszubilden, bis sie eine neue Lösung gefunden hätte, wenn der Schüler seinen Meister überflügeln würde, was bei Haazens mäßigem Talent nur eine Frage der Zeit wäre.

Krynda saß in ihrem geliebten Schaukelstuhl, während über all dies sinnierte. Da trat Haazen in ihr Zimmer. Sie blieb abgewandt auf ihrem Schaukelstuhl sitzen, ohne sich auch nur zu ihm umzudrehen. Haazen hatte sich bereits an dieses Gebaren gewöhnt.

„Mylady. Ich habe für den Draay Trust neue Investitionen getätigt, die sich schon bald auszahlen werden. Luciens Lichtschwerttechnik macht auch große Fortschritte."

Krynda hörte ihm zu, aber es ging ihr nicht wirklich nah, was Haazen erzählte. Sie schaukelte einfach sanft weiter.

„Lucien lässt anfragen, ob Ihr eine Nachricht für ihn habt", arbeitete Haazen weiter seine Liste dieses Tages ab.

„Nein", kam die einsilbige Antwort.

Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit für Haazen, sich zu verabschieden und zu gehen. Aber er blieb stehen und schaute Krynda im Schaukelstuhl an. Sie fühlte, dass sie ihm jetzt etwas sagen musste. Sie hätte ihn einfach fragen können, was er noch wollte. Aber das wollte sie nicht derart direkt tun.

„Ach Haazen. Du ahnst ja gar nicht, wie dankbar ich dir bin, dass du dich um alles kümmerst. Ich könnte das jetzt in meinem Zustand überhaupt nicht", sagte Krynda mit einer gewissen Wärme in ihrer ansonsten belegten Stimme.

„Mylady. Ich habe zu danken, dass ich Euch weiterhin dienen darf. Ich denke so viel an früher. An die Zeit, wo wir noch Padawane waren. Habt Ihr einmal daran gedacht, wo und wer WIR damals waren?"

Ihr schauderte spontan ob dieser seiner Worte. Mit einem Ruck stand Krynda aus ihrem Schaukelstuhl auf und wandte sich zu Haazen um. Haazens rotes und sein gelbes Auge schauten sie in einer nostalgischen Art und Weise an, die ihr höchstes Unbehagen bereitete. Krynda erfühlte sein Begehren. Sie ekelte sich vor dem diese Worte begleitenden sehnsuchtsvollen Blick. Sie hätte niemals gedacht, dass er jemals den Mut aufbringen würde, auch nur eine Andeutung darüber zu machen …! Sie wandte sich abrupt von Haazen ab und krümmte sich dabei spontan, wobei ihre langen hellblonden Haare bei dieser abrupten Bewegung noch eine Standardsekunde lang in einem wilden Wirbel durch die Luft flogen. Haazen fand, dass Krynda wunderschön aussah in diesem Augenblick der Pein, der sie in diesem Augenblick nicht entrinnen, die sie nicht vor ihm verbergen konnte.

„Haazen, ich glaube, du überschreitest hier gewisse Grenzen! Wo und wer wir damals waren, spielt jetzt überhaupt keine Rolle!", sagte sie streng. „Barrison ist tot. Und ich denke, wenn überhaupt, nur noch an die Zukunft", setzte sie etwas milder, dafür umso bitter nach.

Haazen atmete erleichtert auf. Er hatte sich diesen Moment schlimmer vorgestellt. Er war bereits zufrieden damit, dass ihn das Joch des Anscheins auf Dritte nicht allzu abstoßend wirken ließ. Dass es ihn jedoch zu einem unwiderstehlichen Schönling machen würde, hatte er mitnichten erwartet. So etwas hatten ihm damals weder Dossa noch Doktor Uburluh versprochen. Aber jetzt hatte ihm Krynda einen Korb gegeben. Sie hatte ihn jeglicher Hoffnung auf irgendeine Vereinigung in Liebe endgültig beraubt. Dafür fühlte er plötzlich ein anderes, nie gekanntes Gefühl in sich aufsteigen.

Auch wenn er nominell noch Krynda Draay diente, so war er doch innerlich auf einmal völlig unbeschwert, leicht und endlich … frei.

Er wandte sich nun ebenfalls von ihr ab, um dieses neue Gefühl voll in sich aufzusaugen, es zu genießen.

„Natürlich, Mylady", erwiderte er auf ihren Ausbruch hin, während er ein paar Schritte von ihr wegging, um die von ihr gezogene Linie der Distanz zu bekräftigen. Dann drehte er sich wieder zu ihr um.

„Mylady, ich fürchte, Ihr habt da etwas falsch verstanden."

Jetzt schwang auch Krynda wieder zu ihm herum und starrte ihn verblüfft an.

„Wir Drei waren doch vor über zehn Jahren auf Glee Anselm im Urlaub", begann Haazen zu erklären. „Das war so eine schöne unbeschwerte Urlaubszeit für mich. Ich würde jetzt gerne daran anknüpfen und in der nächsten Zeit dorthin für zwei Wochen in den Urlaub fahren, um mich etwas zu erholen. Wenn Ihr wollt, werde ich Lucien mit mir nehmen, so dass wir dort unser Training fortsetzen könnten."

Kryndas spontane Empörung wich jäh einem peinlichen Berührtsein. Sie hatte überreagiert. War sie in ihrer Einsamkeit derart zartbesaitet geworden, dass sie als Jedi-Meisterin jetzt ganz banale Sätze derart überinterpretierte?

„Nein, das wird nicht nötig sein", winkte sie erleichtert und mit einer graziösen generösen Geste ab.

Sollte Haazen doch in den Urlaub fahren. Das hatte er sich redlich verdient, nach allem, was ihm widerfahren war, für all das, was er für sie und das Haus Draay geleistet hatte. Sie würde Lucien in dieser Zeit in ein Urlaubscamp geben, welches sie damit beauftragen würde, ihren Sohn zu bespaßen.

„Ich danke Euch, Mylady", sagte Haazen zu seiner ehemaligen großen Liebe.

„Gern geschehen", gab sie matt zurück.

Haazen verließ Kryndas Aufenthaltsraum. Sie beschloss, Lucien morgen in dieser Sache zu kontaktieren, am Nachmittag, wenn er mit den Trainingseinheiten mit Haazen fertig sein würde. Oder aber übermorgen … Nun ließ sich Krynda wieder in ihren bequemen Lieblingssessel fallen und versank erneut in einer zwielichtigen Dämmerphase. Irgendetwas hatte sie übersehen … Irgendetwas war falsch … Ihre Kom-Konsole stand in Reichweite. Sie könnte Lucien jederzeit kontaktieren. Aber sie tat es nicht.

Die Meyram-Bäume standen wieder in voller roter Blüte, als Haazen die Strandpromenade von Pieralos entlangschlenderte. Doktor Uburluh hatte ihm überlange Kniestrümpfe gegeben und einen speziellen Armstrumpf, die das salzige Meereswasser von seinen künstlichen Gliedmaßen fernhalten sollten. Und er durfte wegen seines künstlichen Auges nicht tauchen. Aber der Macht sei Dank war das Joch des Anscheins wasserdicht. Er musste und wollte es vor dem Bad nicht ablegen. Trotz dieser Einschränkungen hatte Haazen soeben das erste Bad im Meer seit langer Zeit genommen und er fühlte sich großartig. Seine Haare waren wieder nachgewachsen und er trug sie jetzt achselhöhlenlang, länger als früher, wo sie gerademal bis zum Kinn gegangen waren. Viele Narben auf seiner Haut waren zwar noch geblieben, aber sie hatten nicht reagiert, als er ins Wasser gestiegen war, zumindest nicht mehr wehgetan als sonst. Und jetzt, wo er die Promenade entlangschlenderte, hatte er auch keinen Kapuzenumhang mehr an. Sein Aussehen war ihm jetzt völlig egal hier unter Fremden.

„Hallo, wir kennen uns doch", hörte er, wie ihm von hinten jemand auf Basic zurief. Er drehte sich um und sah eine blaue Nautolanerin mit den weinroten Augen vor sich stehen, die ihn erkennend anschaute.

„Sind Sie die Freundin von Dossa", machte es auf einmal Klick bei ihm.

„Ja, die war ich", erwiderte sie etwas betreten. „Ihre Mutter hat es mir gesagt. Wissen Sie es auch?", fragte sie Haazen.

„Ich war es, der ihre Mutter angerufen hat", erklärte er ihr. „Wenn Sie wollen, dann kommen Sie doch mit mir, damit ich Dossas Familie in Ruhe erklären kann, was vorgefallen ist."

Meerda hatte das Gefühl, einen ganz neuen Haazen vor sich zu haben. Was es doch ausmachte, wenn er ohne seinen blonden Freund unterwegs war. Er wirkte so viel markanter, selbstsicherer, optimistischer. Jegliche Melancholie und Zauderhaftigkeit waren aus seinem Wesen gewichen. Das gefiel Meerda außerordentlich.

„Und sie hat sich wirklich selbst in die Luft gesprengt? Das kann ich von Dossa gar nicht glauben. Sie war doch immer so lebenslustig", sagte ihre Mutter melancholisch, während die vier Geschwister Dossas und deren beiden Kinder Haazen interessiert musterten.

„Sie war Exar Kun derart fanatisch ergeben gewesen, dass sie lieber sterben wollte, als von einem Jedi gefangengenommen zu werden. Zumindest ist sie einen schnellen Tod gestorben", sagte Haazen beinahe salbungsvoll.

„Dossa war schon immer etwas Besonderes. Aber das sie so enden musste", sagte die Mutter, während sich Tränen in ihre tiefschwarzen Augen schlichen.

„Jetzt, wo die Sith besiegt sind, besteht die Möglichkeit, dass die Jedi sich um die Ausbildung von Dossas Kindern kümmern können, da sie ja sehr machtbegabt sind. Ich werde mich dafür einsetzen, dass Dossas Kinder auf Coruscant eine gute Ausbildung erhalten."

Dossas Mutter schaute kurz erschrocken, dann aber dachte sie daran, welche Chancen sich Dossas Kindern auf Coruscant bei den Jedi bieten würden. Und bei Haazen, den Dossa ja so gut kannte, wenn sie sich an die Erzählungen ihrer Tochter von ihm erinnerte, wären die Kinder sicherlich in guten Händen, wenn dieser ein Auge auf sie hätte.

„Jedi dürfen heiraten, Familien gründen. Das ist heutzutage durch die Bindo-Theorie, die sich innerhalb der Jedi etabliert hat und aufrichtige bedingungslose Liebe zwischen zwei Partnern erlaubt, kein Tabu-Thema mehr", erklärte Haazen vollmundig.

Schließlich hatte Haazen die Mutter von seinen Plänen restlos überzeugt.

„Ich habe noch nie einen Menschen mit roten Augen gesehen", sagte Meerda mit einem koketten Augenaufschlag, als die Beiden das Haus von Dossas Familie verließen.

„Nun, es ist ja nur ein Auge rot, während Sie gleich zwei davon haben."

„Ach, das macht doch nichts", entgegnete Meerda fröhlich. „Wenn Ihr wollt, kann ich Euch morgen etwas von der Stadt zeigen. Das ist das Mindeste, was ich tun kann, wenn ich sehe, wie viel Ihr für Dossas Familie getan habt und vielleicht noch tun werdet."

„Ach, das ist das mindeste, was ich tun sollte", erwiderte Haazen bescheiden. „Gerne lasse ich mir morgen von Ihnen Pieralos zeigen", nahm er ihren Vorschlag an.

Am dritten Abend von Haazens Urlaub bot ihm Meerda an, sie in ihrem Haus zu besuchen. Sie war aufgeregt, nachdem er sie in ihrem Perlenladen besucht hatte und sie ihn dort ihrem Chef vorgestellt hatte.

„Und ich dachte, du magst Menschen überhaupt nicht", wunderte sich ihr Chef, nachdem sie ihm erzählt hatte, was für ein netter Kerl dieser Haazen doch sei, wie bescheiden und anständig.

„Ich hatte in den letzten Jahren genug Ärger mit nautolanischen Männern. Da kann ich es ja wenigstens einmal auch mit einem Menschen versuchen", entgegnete sie verschmitzt lächelnd.

„Dann haben dich die nautolanischen Männer aber sehr enttäuscht", gab der Chef zurück.

Dann zog er die grüne Stirn kraus. Er hatte einen schlimmen Verdacht, aber den behielt er für sich.

Als Haazen an jenem Abend zu Meerda kam, hatte er einen Strauß roter Pujji-Blumen dabei. Die blaue schlanke Nautolanerin nahm ihn ihm sofort mit einer anmutigen Geste ab und stellte ihn in eine Vase, die zwar viel zu klein war, aber für diesen Tag genügend Wasser vorhalten würde. Meerda hatte das Licht gedimmt, was Haazen außerordentliches Wohlbehagen bereitete. Er würde in diesem Licht noch gefälliger auf sie wirken.

„Ihr habt Dossa ziemlich gut gekannt, nicht wahr?", fragte Meerda ihren Gast.

„Du siehst ja, was es mir gebracht hat", sagte er mit einem müden Lächeln.

„Ach was", wischte sie seinen Einwand mit einer lässigen Handbewegung beiseite.

„Weißt du Haazen? Du bist etwas ganz Besonderes", setzte sie hinzu und strahlte ihn mit ihren roten Augen an.

Haazen wurde warm bei ihrem plötzlichen Duzen. Er dachte nur für einen Moment daran, was er doch für ein bornierter Trottel gewesen war, ständig irgendwelchen unerreichbaren Schönheiten oder durchtriebenen Femme Fatales hinterhergeschmachtet zu haben. Diese Frau hier vor ihm sah sehr gut aus, sie war anständig und schien eine treue Seele zu sein, so wie sie noch an ihrer toten Freundin Dossa hing. Und schon bald würde sie ihm zur Seite stehen und ihn bedingungslos unterstützen. Und warum hatte er eigentlich bislang nicht bemerkt, wie schön rote Augen sein konnten? Zumal diese wohlproportionierte Frau vor ihm das erste Wesen war, welches sein neues rotes Prothesenauge interessant fand.

Jetzt rückte er zu ihr heran und nahm sie in die Arme. Er küsste sie und sie küsste ihn zurück. Wie weich und prall sich doch ihre blaue Haut, ihr dunkelblauer Mund beim Küssen anfühlte. Meerda fuhr mit ihrem Finger über seine Narben. Dann versuchte sie, den Hüftgürtel seines Jochs des Anscheines zu öffnen, den er über seiner Kleidung trug. Dieser Gürtel wies zwischen seinen Beinen eine nach unten reichende ziemlich lange Spitze auf, welche genau die Mitte zwischen seinen Oberschenkeln verdeckte - im Kampf bestimmt ein guter Tiefschutz seines edelsten Teiles, jetzt allerdings eher hinderlich.

„Lass uns ins Schlafzimmer gehen", schlug Meerda vor.

Nun im Schlafzimmer zog sie sich aus, während Haazen sich auf das Bett setzte und ihren blauen, immer hüllenloseren Körper wohlgefällig und mit wachsender Vorfreude betrachtete. Jetzt war die Stunde der Wahrheit gekommen. Jedenfalls die der kleineren äußeren Wahrheit. Langsam nahm Haazen den Hüftgürtel ab und zog sich unten herum aus. Er hatte ja noch die Schulterklappen. Die würden vielleicht die Scheußlichkeit seines Gesichts notdürftig verdecken.

Meerda schaute ihn einen Moment lang überrascht an. Dann schaute sie ihm in die roten und gelben Augen.

„Wie ich schon sagte: Du bist etwas ganz besonderes. Du bist jetzt ein ganz anderer neuer Haazen. Und dieser neue Haazen gefällt mir."

Nach diesen ihren Worten entledigte sich Haazen auch seiner Schulterklappen und seiner Oberbekleidung. Es interessierte ihn auch gar nicht im Detail, was genau Meerda an dem neuen Haazen so toll fand. Es genügte ihm, zu sehen, wie die neue Frau seiner Träume ihn weiterhin fasziniert anschaute. Dann knipste Meerda das Licht aus.

Sie kam langsam zu ihm ans Bett, setzte sich neben ihn, zog ihn an der Hüfte zu sich heran und küsste ihn erneut. Er drückte sie aufs Bett nieder, so dass er über ihr lag. Dann zog er ihr Höschen aus und drang mit Macht in sie ein, während sie aufstöhnte. Er schaute in ihre Augen, um die Sensation der Aufgewühltheit und des Begehrens in ihnen zu erblicken und zu genießen. Sein neues rotes Auge ermöglichte ihm auch in nahezu völliger Dunkelheit eine ausgezeichnete Sicht auf die verzückte blaue Frau unter ihm. Ein lauter Seufzer entrang sich ihm, dann begann er, wieder und wieder in sie hineinzustoßen, während er mit seiner gesunden linken Hand in ihren Lekkus herumwühlte. Er hatte sich früher häufig gefragt, wie sich wohl Dossas Lekkus anfühlen würden… Nein! Solche Gedanken waren jetzt endgültig passé!

Meerdas Lekkus fühlten sich weich, elastisch und samtig an. Es war eine Freude, damit herumzuspielen. Er würde das später fortsetzen, wenn sie mit jenem Tun fertig wären, was ihn jetzt immer mehr und nach ein paar Augenblicken völlig beherrschte. Seine Stöße wurden nun tiefer und schneller. Ein paar Mal wurde Meerdas Gesicht dabei von Strähnen seines herunterhängenden braunen Haares gestreift. Und von einem Medaillon, welches sie kannte. Sie sah es nun genauso rot vor sich in der Dunkelheit glitzern wie an dem Tag, als ihre Freundin es vor über zehn Jahren im Meer von Glee Anselm entdeckt hatte. Sie würde Haazen am nächsten Morgen danach fragen.

Ein paar Tropfen Schweiß fielen auf ihr Gesicht. Ein paar davon leckte sie weg und ließ sie eine Weile auf ihrer Zunge, bevor sie dort zergingen. Sie war viel zu erregt, um mitzubekommen, dass die Finger von Haazens rechter künstlicher Hand blutige Striemen an ihrer linken Hüfte hinterlassen hatten, bevor Haazen seinen Fehler korrigierte und die Hand neben ihrem Kopf platzierte, um sich damit abzustützen. Vielleicht sollte er demnächst einen Handschuh tragen, um ein Aufschlitzen von Haut oder Bezügen zu vermeiden.

Aber jetzt spürte er, wie seine Atmung stoßartiger wurde. Haazen war kurz davor, den ersten Orgasmus seines Lebens in einer Frau zu bekommen. Er hörte, wie Meerda leise seinen Namen stöhnte. Dann wurde ihm unglaublich heiß und er fühlte, wie sein gesamter Körper eine Schweißwelle ausstieß.

„Haazen! … Ooooh Haaaazen!", hörte er sie nun ziemlich laut rufen.

Dann kam er mit einem lauten Stöhnen, während er ein Klirren von einigen Gegenständen im Zimmer wahrnahm. Ob er spontan eine Druckwelle der Macht ausgesandt hatte? Nur kurze Zeit später fiel er auf seine erste wahrhaftige reale Geliebte nieder und schlief selig ein.

„Darf ich mal deine Haare kämmen?", fragte Meerda ihn am nächsten Morgen, nachdem sie aufgewacht waren.

„Machst du das gerne?"

„Ich weiß noch nicht, ich habe noch niemandes Haare gekämmt, aber ich würde es gerne mal tun", erwiderte sie fröhlich.

Haazen stand auf und kramte einen Kamm aus seiner Tasche. Er setzte sich wieder zu ihr aufs Bett und reichte ihn ihr. Da wurde ihm auf einmal schlagartig bewusst, dass er immer noch völlig nackt im Tageslicht vor ihr saß - ohne das Joch des Anscheins, während sie ihn trotz dessen Fehlens anschaute, als sei sein Aussehen mit den vier Prothesen ganz normal.

„Deine Haare sind ziemlich zottelig und zerzaust", sagte sie leicht tadelnd, aber mit einem Lächeln.

Haazen strahlte sie ob dieser Worte an. Und es war ihm egal, dass sie ihn beim Kämmen ziepte und an seinen Haaren zerrte, so dass er einige davon verlor. Sie würde das schon noch lernen. Genauso, wie sie später die große innere noch geheim gehaltene Wahrheit über den neuen wahren Haazen akzeptieren und bejahen würde. Er fand es außerordentlich beruhigend, dass Meerda über keinerlei Machtkräfte verfügte. Sie würde weder eine eigene Sith-Karriere anstreben, noch zu den Jedi gehen. Sie wäre genau der sichere Hafen, der Ort der Ruhe, wo er das ausleben konnte, was ihm an Gefühlen und Gelüsten noch geblieben war, seit er Dossa getötet hatte. Bei Meerda würde er sich von seinem neuen Sith-Dasein und dem neuen Versteckspiel mit den Jedi ausruhen können. Diese beiden Welten würde er streng voneinander trennen, solange es ging.

„Gibt es auf Coruscant auch ein Meer?", wollte Meerda neugierig wissen.

„Ja, das Westliche und das Östliche Meer. Sie sind zwar nicht so groß wie auf Glee Anselm. Allerdings gibt es auch nicht allzu viele Nautolaner auf Coruscant. Also wird es für dich wohl reichen. Wir können eine Wohnung im Manarai-Distrikt nehmen. Da wirst du Meerblick haben und kannst baden gehen, so oft du willst."

„Hast du das von Dossa?", fragte sie und strich mit ihren schlanken hellblauen Fingern über das eiförmige rotglitzernde Medaillon, welches um Haazens Hals hing.

„Das habe ich mir genommen, als sie tot vor mir lag", erklärte Haazen. „Es hilft, machtbegabte Wesen in großer Entfernung aufzuspüren."

„Hat sie dir das gesagt?", fragte Meerda überrascht.

„Ja, sie hat damals auf Arkania ziemlich damit herumgeprahlt", behauptete Haazen, froh, eine derartig plausible Erklärung für seine etwas waghalsige Behauptung von vorhin nachschieben zu können. Jetzt durfte er sich nicht mehr in weitere Widersprüche verwickeln.

„Wir haben es damals zusammen hier im Meer entdeckt", eröffnete sie ihm nun.

„Dann soll es dir gehören, wenn ich irgendwann einmal nicht mehr sein sollte. Du sollst es unseren oder Dossas Kindern weitergeben."

„Aber bis dahin wird doch noch viel Zeit vergehen, oder?", fragte sie etwas besorgt und kuschelte sich an ihn.

Haazen war überrascht, wie schnell er Vertrauen zu Meerda gefasst, wie rasend schnell sich seine Zuneigung zu ihr und ihre Zuneigung zu ihm entwickelt hatte. War das alles jetzt wirklich nur deshalb möglich, weil er damals vor über zehn Jahren diese Beiden am Strand von Glee Anselm das erste Mal getroffen hatte? Und das nur ziemlich oberflächlich? Aber warum darüber grübeln, wenn er und Meerda es jetzt am eigenen Leibe fühlten? Dossa hatte Recht gehabt! Rekindling funktionierte wunderbar!

Nachdem Meerda ihrem Chef ihre Kündigung überbracht hatte, sah dieser sich in seinem Anfangsverdacht bestätigt.

„Ich begreife das einfach nicht. Früher hast du so getan, als wenn Menschen das Schlimmste und Hässlichste überhaupt seien und jetzt bist du mit einem wirklich ziemlich unansehnlichen Exemplar dieser Spezies zusammen", schalt er sie.

„Haazen ist ein Vorzeigejedi und ein Kriegsheld im Kampf gegen die Sith! Wie können Sie es wagen, so von ihm zu reden?!", wies sie seine Stichelei entrüstet zurück.

"Er hat ziemlich zerzauste Haare. Du hast immer gesagt, dass du das an Menschen besonders eklig findest."

„Haazen hat an seinem Hinterkopf einen Wirbel, der die Haare an dieser Stelle nach einer Weile immer nach oben stehen lässt. Aber Haare kann man kämmen", konterte sie.

Nun schüttelte er resigniert seinen Kopf und wünschte ihr viel Glück. Wie man das eben mit kündigenden Mitarbeitern so tat. Wieder einmal hatte ihm ein Mensch von außerhalb eine gute Mitarbeiterin abgeworben.

Krynda freute sich aufrichtig für Haazen, als er von seinem Urlaub gleich noch eine Ehefrau mitbrachte. Wahrscheinlich hatte er damals für diese Dossa doch mehr empfunden, als er Barrison gegenüber zugegeben hatte, so dass er jetzt auf dieses nautolanische Schema Frau festgelegt war. Sie rechnete es ihrem Wirtschafter hoch an, dass er sogar die beiden Kinder dieser Dossa mitgebracht hatte, um ihnen eine gute Ausbildung auf Coruscant zu ermöglichen. Haazen würde sie nicht in den Jedi-Tempel stecken. Er würde sie zusammen mit seiner Frau selbst erziehen und unterrichten genau wie ihren Lucien, der in Dossas gleichaltrigen und ebenfalls machtbegabten Kindern bestimmt gute Kameraden finden würde. So dass sie später allesamt, unbeeinträchtigt von den Schwächlichkeiten und der Ignoranz des Ordens, zu den neuen wahren Jedi der Zukunft heranreifen würden. So wie ihre vier Seher-Schüler. Die Übungsstunden mit diesen waren die einzige feste Konstante in ihrem jetzigen Leben. Ja, es stimmte, was sie damals Haazen gesagt hatte. Sie lebte wirklich nur für die Zukunft. Außerdem träumte sie von der Vergangenheit. Aber die Gegenwart widerte sie an.

Marnus, Atrixa, Lucien und die vier Schüler von Lady Krynda hatten gerade ihre Trainingseinheit in dem großen Lagerraum beendet, den Haazen für seine Zöglinge angemietet hatte.

„Deine Machtfähigkeiten sind enorm gewachsen", lobte er den rosafarbenen Marnus.

„Danke. Ich hätte nicht gedacht, dass es bei den Jedi so cool ist", erwiderte Dossas Sohn und seine grauen Augen leuchteten vor Freude über dieses Lob auf.

„Der Jedi-Tempel ist ja auch viel größer als …", die grüne Atrixa hielt urplötzlich in ihrem Satz inne.

„Ja?", ermunterte Haazen sie, weiterzusprechen. „… als das Haus von Oma auf Glee Anselm", sprach das grüne Mädchen etwas steif ihren Satz zu Ende.

„Meister Haazen?", fragte der blonde Lucien seinen Ziehvater. „Wann bekommen wir denn nun endlich unsere Trainingslichtschwerter?"

„Wenn die Lieferung von Kristallen von Mygeeto eingetroffen ist", erwiderte Haazen.

„Warum trainieren wir eigentlich so selten mit den anderen Jedi?", fragte ein Miraluka-Mädchen, welches Lady Kryndas Schülerin war.

„Weil ihr etwas Besonderes seid. Aber das dürfen wir den anderen Jedi nicht so sagen, weil sie sich sonst verletzt fühlen würden und dann würde euer Trainingsniveau nicht mehr so hoch sein wie jetzt, wenn ihr zu oft mit ihnen trainieren würdet", erklärte Haazen mit Stolz in der Stimme.

„Meister Haazen, ist hier irgendwo ein Sith-Tempel?", fragte Atrixa und schaute in eine Ecke, aus welcher ihr eine altbekannte Dunkelheit entgegengewabert war."

Haazen strich ihr in einer milden Geste über ihr schwarzes Haar und sagte dann:

„Es gab einmal auch auf Coruscant Sith-Tempel. Aber die wurden nach der Rückeroberung durch die Jedi alle zerstört. Aber du könntest einige Überreste von ihnen fühlen. Aber wenn du den anderen Jedi davon erzählen würdest, würden sie misstrauisch werden und dich fragen, ob du vielleicht Verbindungen zu den Sith hast. Das würde deine Ausbildung gefährden und das wollen wir doch nicht, nicht wahr, Atrixa?", sagte Haazen mit einem eindringlichen Blick auf das zehnjährige Mädchen.

„Natürlich nicht, Meister", versicherte ihm Atrixa.

„Aber dass du so etwas überhaupt fühlst, deutet auf dein sehr starkes Machtpotential hin. Die anderen Jedi im Tempel haben mir niemals von derlei Beobachtungen erzählt. Du kannst also stolz darauf sein, was du fühlst. Aber manchmal müssen wir unsere Gefühle bezähmen, damit uns der Neid anderer weniger Begabter nicht schädigt", führte Haazen mit wichtiger Miene aus.

Alle Kinder nickten eifrig dazu.

Als Marnus und Atrixa wieder daheim im Haus von Haazen und Meerda und allein auf ihrem Zimmer waren, kicherten sie leise.

„Eigentlich ist es komisch", sagte Marnus zu seiner Zwillingsschwester. „Früher mussten wir geheim halten, dass unser Vater ein Sith ist. Und jetzt sind wir Jedi, aber wir müssen geheim halten, dass wir anderes sind als der Rest der Jedi. Wird diese Geheimhaltung jemals aufhören?"

„Dann sei doch froh, dass wir schon Übung im Geheimhalten haben", beruhigte ihn Atrixa. „So kriegen wir die Jedi-Amulette zu sehen, die die anderen Jedi niemals sehen, weil sie verboten sind, weil die Amulette zu stark sind."

„Aber wenn sie zu stark sind, heißt das nicht, dass die übrigen Jedi zu schwach sind?", fragte Marnus seine Schwester.

„Genau das hat Onkel Haazen neulich gemeint, als er sagte, dass wir auserwählt sind", sagte Atrixa stolz.

Als Haazen Krynda im nächsten Jahr mitteilte, dass seine Frau schwanger war, kam ihr der Gedanke, dass es jetzt eigentlich ebenfalls angebracht wäre, sich für die Beiden zu freuen. Sie würde dem Paar und Dossas Kindern auf jeden Fall einen Kuchen backen und Blumen mitbringen anlässlich dieser frohen Neuigkeit, wenn sie in ihrer selbstgewählten Einsamkeit schon keine echte Freude für diese Schwangerschaft erübrigen konnte. Das war das mindeste, was sie jetzt für die werdende Familie tun konnte. Aber das hätte sicherlich bis morgen Zeit – oder bis übermorgen. Aber jetzt war sie aus unerfindlichen Gründen so müde und musste sich dringend hinlegen. Als sie sich hingelegt hatte, überkam sie wieder eine dieser beunruhigenden Visionen, in welchen rote Lichtschwerter eine bedeutende Rolle spielten. Krynda schreckte hoch.

Jetzt würde sie umgehend einen Kuchen backen. Das hatte sich das Paar verdient. Zumal diese blaue Nautolanerin außer, dass sie Dossas Kinder großzog, auch häufig auf Lucien aufpasste, während Haazen anderswo war, um die Rücklagen des Draay-Trusts weiter zu mehren oder um Kontakt zu den Jedi zu pflegen, mit denen Krynda nichts mehr zu tun haben wollte, seit Barrison tot war.

Aber zunächst wollte sie noch ihre Schmucksammlung ordnen. Das hatte sie sich schon seit langem vorgenommen. Dabei würde sie auch ihre Gedanken ordnen. Und ihre Gefühle. Sie öffnete den Schmuckkasten. Und den nächsten. Und noch einen. Auf einmal fiel ihr eine Perlenkette in die Hände, die sie noch nie in ihrer Schmucksammlung gesehen hatte. Die Perlen dieser Kette waren himmelblau und die Kette selbst war ziemlich kurz. Diese himmelblaue Kette würde also perfekt an ihrem Hals anliegen, ohne dabei über den Ausschnitt ihrer Kleider herunterzuhängen – ein Fauxpas, den sie sich niemals erlauben würde. Nicht, dass sie in letzter Zeit irgendeinen Antrieb verspürt hätte, auf eine dieser rauschenden Partys zu gehen, die sie früher am Arm von Barrison so gerne besucht und genossen hatte.

Krynda versenkte ihre Vorstellungskraft in die unbekannte Kette und sah sich, Barrison und Haazen am Strand von Glee Anselm … vor langer langer Zeit. Ja, ganz bestimmt hatte Barrison damals Haazen zu einer dieser Perlenverkäufer geschickt, um für sie diese Kette zu kaufen. Barrison wusste genau, was ihr gefiel. Er hatte Haazen sicherlich genaue Anweisungen darüber gegeben, welche Kette er kaufen sollte. So wie er es immer getan hatte, wenn er Haazen auf Einkaufstour schickte. Ja, so war es gewesen.