7. Ein neues Leben
Vom Fenster seines Büros aus hatte Albus Dumbledore einen direkten Blick zum Verbotenen Wald. Er mochte diesen Ausblick, vor allem, wenn die Sonne hinter den dichten Bäumen aufging, so wie es eben jetzt der Fall war. Der Horizont war in die unterschiedlichsten Farben getaucht, rot, gelb, blau in allen Schattierungen. Ein neuer Tag wurde geboren und keiner konnte wissen, was er bringen würde. Es war seine Angewohnheit, meist schon vor den restlichen Schloßbewohnern auf den Beinen zu sein, dies verschaffte ihm noch einige wenige Momente der Ruhe, die es nicht mehr geben würde, bevor nicht alle Schüler am Abend wieder in ihren Schlafräumen waren.
Für gewöhnlich nutzte er diese Zeit um seine Post durchzugehen oder andere anfallende Arbeiten zu erledigen. Nicht so heute, heute stand er am Fenster und gönnte sich einmal wieder diesen Anblick der aufgehenden Sonne. Sie ließ sich durch nichts beeinflussen, ganz gleich was auch geschehen mochte, sie ging jeden Abend unter um am nächsten Morgen mit ihrem Aufgehen einen neuen Tag einzuleiten. Der gestrige Abend ging ihm noch einmal durch den Kopf, wobei er ihn eigentlich die ganze Nacht bis in seine Träume verfolgt hatte.
Sirius Black in Gryffindor, diese Entscheidung hatte ihn doch etwas überrascht, waren doch bisher die allermeisten Blacks den Slytherins zugeteilt worden. Keine Überraschung war dagegen die Entscheidung des Sprechenden Hutes in Bezug auf Lucius Malfoy. Ein Slytherin durch und durch wie, es schien, zumindest wenn man den momentan geltenden Vorurteilen und teilweise falschen Wertvorstellungen folgen mochte. Am meisten hatte ihn jedoch der junge Severus Snape verwirrt. Dabei waren es nicht mal die in ihm aufgeflammten verwirrenden Gefühle, die er empfunden hatte, nein, das Verhalten des Sprechenden Hutes hatte ihn mehr als erstaunt. Gryffindor und Slytherin, welch eine seltsame Mischung. Wahrscheinlich war es unsinnig sich den Kopf darüber zu zerbrechen, womöglich war die Wortwahl des Sprechenden Hutes rein zufällig gewesen, vielleicht aber auch nicht. Nun, er würde abwarten müssen wie sich die Dinge entwickelten und ein wachsames Auge – oder auch zwei - auf Severus Snape und Sirius Black haben.
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Der kleine, schmächtige Slytherin mit den schwarzen Haaren und stechend schwarzen Augen war erstaunt, daß ihm die Eingewöhnung in Hogwarts so leicht fiel. Slytherin war in der Tat die richtige Wahl für ihn gewesen, dessen war er sich inzwischen sicher. Hier ließ man ihn in Ruhe, niemand interessierte sich besonders für den stillen Wunderling, der sich jeden Abend als erster in die Schlafräume zurückzog und auch ansonsten den Kontakt mit seinen Schulkameraden auf ein Minimum beschränkte. Im Unterricht saß er neben Lucius Malfoy, mit dem er hin und wieder einige Worte wechselte, die jedoch rein obligatorischer Natur waren.
Auch der Lernstoff bereitete ihm keinerlei Probleme, wahrscheinlich war auch das der Grund für den weniger begabten Lucius Malfoy immer mehr die Gesellschaft des anderen zu suchen. Severus begegnete den Lehrern mit höflichem Respekt, nicht mehr und nicht weniger. Nur keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dennoch fiel er durch seine hervorstechenden Leistungen jedem Mitglied des Lehrerkollegiums auf, wenngleich er im Unterricht kaum ein Wort von sich gab und wenn, dann nur wenn er direkt angesprochen wurde.
Eine Schwachstelle hingegen hatte auch er, wie er nach nur wenigen Tagen bereits feststellen mußte. Verwandlung lag ihm einfach nicht. Nicht, daß er nicht mit dem Zauberstab umgehen konnte, nein, seine Leistungen in anderen Fächern wie Verteidigung gegen die dunklen Künste sprachen dagegen. Tiere in Kelche zu verwandeln weckte einfach nicht seinen Ehrgeiz. Minerva McGonagall begleitete seine dahingehenden Versuche mit einem immer tiefer werdenden Seufzen. Bedauerlicher Weise besuchten die Schüler der Slytherins die meisten Kurse auch noch zusammen mit jenen von Gryffindor, was immer wieder für Zündstoff und hin und wieder auch für Explosionen sorgte.
