A/N: Fiiiiiinaaaaaleee ooohoooooooooooooooooooo!!

Okay, okay, ich höre ja schon auf zu singen. Also, hier ist wie versprochen Kapitel 7. Viel Spaß damit.


Kapitel 7: Kampf an zwei Fronten

In der Gryffindorkabine herrschte konzentrierte Stille. Es faszinierte Angelina immer wieder, wie groß der Unterschied zwischen den Spielen und den Trainingseinheiten war. Normalerweise ging es hier ziemlich hoch her, auch ohne Fred und George. Es wurde gescherzt, gelacht oder diskutiert. Manchmal wurde auch mehr oder weniger heftig gestritten, aber Stille herrschte eigentlich nie. Stille war den Vorbereitungen auf ein Spiel vorbehalten, wenn alle sich nochmal auf den Punkt konzentrierten und ein letztes Mal Taktiken in Erinnerung riefen. Das war heute nicht anders, auch wenn hin und wieder ein Geräusch die Stille durchdrang, dass hier relativ selten zu hören war.

„Ich kann es den beiden nachfühlen.", brummte Ron, warf einen mitleidigen Blick zur Seite, wo eine Tür halb offen stand, und zog sich die Quidditchrobe über den Kopf.

Alicia nickte. „Ja, vor dem ersten Spiel ist man grundsätzlich das reinste Nervenbündel."

Ginny fluchte, als ihr ein Schnürsenkel riss und erntete einen aufmunternden Blick von Katie, den sie jedoch ziemlich giftig erwiderte. Katie grinste und sah zu Alicia rüber, die ihr Grinsen erwiderte. Angelina versuchte dagegen, alles um sich herum auszublenden. Ihre Augen waren geschlossen, die Gedanken meilenweit weg, in der Heimkabine des Puddlemerestadions, wo Oliver sich gerade auf seinen ersten Profieinsatz vorbereitete. Die Teamaufstellung würde erst im letzten Moment bekannt gegeben werden, weshalb in Hogwarts außer ihr im Moment niemand wußte, dass er spielen würde. Und das war ihr ganz recht. Es reichte schon, dass sie drei – nein, mit Ron eigentlich vier – mehr oder weniger nervöse Neulinge im Team hatte. Sie brauchte Katies und Alicias ganze Erfahrung und Konzentration. Sie brauchte die zwei, zusätzlich zu sich selber, als Ruhepole im Team, um überhaupt eine Chance auf einen Sieg zu haben. Sie konnten es sich schlichtweg nicht leisten, dass sie, wenn auch nur ab und zu, in Gedanken zu ihrem alten Kapitän abschweiften. Es reichte schon, dass ihr das den ganzen Tag über immer wieder passierte.

'Viel Glück, Käpt'n', murmelte sie stumm vor sich, atmete noch einmal tief durch und öffnete die Augen wieder. Nichts als Konzentration und Siegeswille lag jetzt in ihnen und nach einem aufmunternden Blick zu Ginny, die es inzwischen irgendwie geschafft hatte, ihr ihre Schuhe zuzubinden und leicht blass um die Nasenspitze unsicher zurück lächelte, ging sie in den Nebenraum, wo Jack und Andrew einträchtig nebeneinander über der Kloschüssel hingen und ihr ohnehin spärliches Frühstück wieder hochwürgten.

„Hey Jungs. Alles klar?"

Jack grinste gequält und schüttelte den Kopf. Andrew würgte an der nächsten Ladung. Aufseufzend griff Angelina nach einem kleinen Handtuch, hielt es unter fließendes Wasser, wrang es aus und hielt es den beiden auffordernd hin. Andrew griff danach und vergrub sein Gesicht darin, während Jack sich mit dem anderen Ende die kleinen Schweißperlen von der Stirn wischte.

„Hört mal.", begann sie schließlich und lehnte sich an das Waschbecken. „Ich weiß genau, wie ihr euch jetzt fühlt, und ich würde euch gerne sagen, dass es beim nächsten Mal besser wird, aber das wäre eine Lüge. Und anlügen will ich euch nicht. Die Nervosität wird mit der Zeit einfacher zu ertragen sein, aber ganz verschwinden wird sie nie ganz."

Andrew hob den Kopf aus dem Handtuch und sah sie ungläubig an.

„Du brauchst mich gar nicht so anzusehen, Jack. Frag Ron, wenn du mir nicht glaubst. Der sieht auch ziemlich käsig aus, aber er würgt diesmal zumindest nicht sein Frühstück aus, so wie ihr zwei. Über das Stadium ist er hinaus, immerhin ist es schon sein zweites Spiel. Und Ginny ist auch das reinste Nervenbündel, auch wenn sie nicht würgt."

„Mag sein.", gab Andrew kläglich zurück. „Aber du, Alicia und Katie seid die Ruhe selbst."

„Hast du eine Ahnung.", widersprach Angelina ihm. „Ich würde mich am liebsten neben euch hocken, und Alicia und Katie geht es bestimmt nicht besser. Das letzte Spiel, wovor wir drei mit den Nerven richtig am Ende waren, war das Finalspiel vor unserem Pokalsieg. Eben weil es auf uns ankam, ob wir den Pokal noch holen oder nicht. Die ganze Schule hat auf uns gehofft, nicht nur die Gryffindors. Und das ist nicht gerade ein ermunterndes Gefühl, auch wenn es von außen anders aussehen mag."

„Die Slytherins haben es nicht getan.", meinte Jack.

„Nein, aber der Rest. Hunderte von Menschen, die Erwartungen haben, die Siege und die Schlangen am Boden sehen wollen. Und wir drei sind das Zünglein an der Waage. Die anderen konnten uns nur so gut es geht beistehen. Nichtmal Harry konnte uns mit einem schnellen Schnatzfang erlösen, weil wir erst sechs Treffer vorlegen mußten. Es war der blanke Horror. Aber wißt ihr, warum wir trotzdem rausgegangen sind und es hin bekommen haben?"

Synchrones Kopfschütteln war die Antwort.

„Weil wir wußten, dass wir dazu in der Lage waren.", antwortete Angelina ihnen. „Weil wir wochen- und monatelang darauf hintrainiert hatten und wußten, dass wir es schaffen konnten, wenn wir uns nur zusammenreißen und die Nervosität in den Griff bekommen würden. Wir wollten die Schlangen am Boden sehen, genau wie alle anderen auch, und wir wollten diesen verdammten Pokal, koste es, was es wolle. Und natürlich wollten wir auch einen positiven Grund, um uns später mit dem Butterbier volllaufen zu lassen, dass die Weasleys unter Garantie auftreiben würden.", fügte sie zwinkernd und verschmitzt grinsend hinzu.

Leises Lachen von den beiden Jungs war die Antwort und Angelina wurde wieder ernst.

„Ihr zwei seid dazu in der Lage, mit dem Leistungsniveau in diesem Team mitzuhalten, sonst hätte ich euch schon vor Wochen ausgetauscht.", meinte sie leise und eindringlich. „Also reißt euch ein wenig zusammen und vertraut euch selbst ein wenig mehr. Ich kann euch garantieren, dass es ein gigantisches Gefühl ist, wenn man später im Gemeinschaftsraum von allen als Held gefeiert wird."

„OK", antwortete Jack und Andrew nickte. „Danke!"

„Da nicht für.", gab Angelina zurück. „Und jetzt macht euch fertig. Ich brauche meine Treiber da draußen und nicht auf dem Klo."

„Aye Käpt'n"


Von Ohr zu Ohr grinsend betrat Angelina am späten Sonntag Vormittag die Große Halle. Ihr erster Blick ging zum Ravenclawtisch rüber, wo ihr von der spärlichen Besetzung finstere Blicke zugeworfen wurden. Ihr selbstzufriedenes Grinsen wurde noch breiter, als sie einige ebenso finstere Blicke vom Slytherintisch auffing. Vor ein paar Tagen hatte sie noch geblufft, sogar gestern Morgen, beim Gespräch mit Jack und Andrew in der Kabine, war sie sich noch nicht sicher gewesen, ob sie sich nicht doch bis auf die Knochen blamieren würden, aber wundersamer Weise hatten Jack und Andrew sie eines besseren belehrt. Scheinbar hatte sie die richtigen Worte gefunden, um das Selbstvertrauen der zwei zu aktivieren.

Die zwei waren während des Spiels kaum wieder zu erkennen gewesen und hatten ihre Schläger und Besen beherrscht, als hätten sie nie Probleme damit gehabt. Solchermaßen zufriedengestellt konnte Angelina sich auf ihre eigene Aufgabe konzentrieren und hatte zusammen mit Katie und Alicia die Ravenclawringe in eine Schießbude verwandelt. Auch Ron hatte eine Menge mehr Selbstvertrauen gehabt und eine saubere Leistung gezeigt, auch wenn er seine Ringe nicht vollkommen sauber gehalten hatte. Die größte Überraschung aber war Ginny gewesen. Ihre Besenkontrolle war einzigartig und man konnte deutlich erkennen, wie oft sie Harry beobachtet haben mußte. Auch an Mut hatte es ihr nicht gemangelt, wodurch sie mehrfach erschrockene Schreie auf den Rängen und Panik bei Cho ausgelöst hatte, die nicht ganz so risikofreudig zu sein schien, wie Ginny. Am Ende hatten sie mit 230:30 deutlich gewonnen. Dank acht Treffern von Katie, Alicia und ihr, und einem spektakulären Schnatzfang von Ginny. Und wieder mal hatten Fred, George und Lee die versammlten Gryffindors nicht enttäuscht und hatten riesige Mengen an Süßigkeiten und Butterbier besorgt. Über einen Weg, der Angelina inzwischen sehr vertraut war.

„Ist das Leben nicht schön?", fragte sie und rutschte neben Alicia auf die Bank.

Alicia grinste zurück und schaufelte sich gut gelaunt Müsli in den Mund. „Und wie. Ich verstehe gar nicht, warum die da drüben so lange Gesichter ziehen."

Angelina lachte auf und gab die finsteren Blicke vom Ravenclawtisch ein weiteres Mal herausfordernd zurück. Gut gelaunt griff sie ebenfalls nach der Müslischüssel.

„Ist die Post schon gekommen?"

„Ja, und du hast auch was bekommen.", antwortete Alicia und wühlte unter ihrem Tagespropheten rum, um einen Brief für Angelina hervor zu ziehen. „Langsam sollte ich mal ein Sekretärinnengehalt von dir verlangen."

„Verlangen kannst du gerne, aber ob du es kriegst, ist eine andere Sache.", erwiderte Angelina, nahm den Brief entgegen und nickte zu Alicias Tagespropheten rüber. „Heute keine Lust zu lesen?"

„Mir gefällt heute die Aussicht bedeutend besser.", gab Alicia zurück, was ihr ein erneutes Grinsen von Angelina einbrachte. Allerdings griff sie jetzt doch zu ihrer Zeitung und stieß kurz darauf einen überraschten Aufschrei aus.

Angelina verschluckte sich vor Schreck an ihrem Müsli und hustete ein paar Mal, bevor sie sich zu Alicia drehte.

„Spinnst du oder willst du mich umbringen? Was steht da denn so aufregendes drin, dass du so quiekst? Hat Oliver sich jetzt einen Harem zugelegt oder was?"

„Das nun nicht gerade, aber es hat was mit Oliver zu tun.", antwortete Alicia, schob ihre Müslischüssel zur Seite und breitete die Zeitung vor sich aus, damit Angelina mitlesen konnte.

Kurz darauf wußte sie, was Alicia so aus dem Häuschen gebracht hatte. Der größte Teil der ersten Sportseite war dem gestrigen Puddlemere-Kestrels-Spiel gewidmet und ein großes Foto, auf dem Oliver einen Quaffle spektakulär abwehrte, zog sofort die Blicke auf sich. Ein breites Lächeln glitt über Angelinas Gesicht. So wie es aussah, hatte auch Oliver gestern einen spitzenmäßigen Tag gehabt. Sie fragte sich, wie es ihm jetzt ging. Wahrscheinlich hatte er sein erstes Spiel gestern noch ausführlich begossen.

„Habt ihr schon gehört? Oliver hat gestern gespielt! Und sogar gewonnen!"

Katie stürmte mit einer Zeitungsseite wedelnd in die Große Halle, wofür sie einige überraschte Blicke und leises Raunen von allen Seiten erntete. Stühle und Geschirr wurde überall gerückt und das Rascheln von Zeitungsseiten war zu hören, als ihre Mitschüler hektisch nach dem Artikel suchten. Sie ließ sich schwungvoll gegenüber von Angelina und Alicia auf die Bank fallen und knallte ihre Seitungsseite auf den Tisch, dass die Müslischüsseln leise klirrten. Ihr Grinsen hätte die Grinsekatze neidisch machen können.

„Wissen wir.", antwortete Alicia ebenso begeistert und tippte mit dem Finger auf die Zeitung vor ihr. „Scheinbar haben nicht nur wir gestern auf den Putz gehauen."

Katie nickte und griff nach einem Apfel, von dem sie ein großes Stück abbiß. Kauend sprach sie weiter, doch Angelina blendete sie aus und riß ihren Brief auf. Ein gefaltetes Stück Pergament fiel ihr entgegen, doch es standen nur wenige Zeilen drauf.

Hey Lina

Lust auf eine kleine Siegesfeier unter Kapitänen? Tipsy wirbelt schon wie gestochen in der Küche, um mir ein Abendessen zu machen, wie es sich für Sieger gehört (ihre Worte, nicht meine) und ich fürchte, alleine kriege ich es nicht auf. Bitte hilf mir.

Gruß Oliver

PS: Ich gratuliere zum Sieg.

„Woher, bei Merlin, weiß er das?", murmelte Angelina irritiert vor sich hin, während sie verdutzt auf den Brief starrte.

„Was?", fragte Katie und hielt den Apfel auf halbem Weg zum Mund auf, um sie irritiert anzusehen. Angelina hatte sie mitten im Satz unterbrochen.

„Ach nichts.", erwiderte Angelina und winkte ab. Sie faltete das Pergament wieder zusammen und steckte in mit dem Umschlag zusammen in die Robentasche. Sie würde schon rauskriegen, woher er das wußte, wenn sie erstmal bei ihm war.

Mit einem leisen PLOP tauchte Angelina in Olivers Wohnzimmer auf. Der Weg durch den Geheimgang aus dem Schloß raus hinter die Appariergrenze gefiel ihr von mal zu mal besser. Er war ein kleines Stückchen Freiheit in Dolores Umbridges Hochsicherheitstrakt, auch wenn sie sich immer genau umsehen mußte, um nicht von einem Lehrer oder dem neu eingeführten Inquisitionskommando erwischen lassen wollte. Der Rückweg war jedes Mal eine „Hopp oder Top"-Aktion, da sie von innen nicht sehen konnte, ob sich gerade jemand im Flur befand. Aber da der Flur ziemlich abgelegen in einem Seitenflügel lag, war das Risiko nicht ganz so hoch, wie es das anderswo gewesen wäre.

Oliver war nicht im Wohnzimmer, wie sie schnell feststellte, also warf sie ihren Umhang lässig über die Rücklehne des Sofas und machte sich auf den Weg in den Flur. Sie war bis kurz vor die Küchentür gekommen, als Oliver aus seinem, gegenüber der Küche gelegenen, Arbeitszimmer trat. Er stutzte kurz, da er mit ihr erst ein wenig später gerechnet hatte, doch nur einen Moment später verlor Angelina den Boden unter den Füßen. Übermütig wirbelte Oliver sie mehrfach im Kreis herum, bevor er sie wieder abstellte.

„Ich fühle mich heute, als könnte ich die ganze Welt umarmen."

Oliver strahlte Angelina an und zog sie hinter sich her zurück ins Arbeitszimmer, wo ein Chaos aus Zeitungen, Zeitschriften, Briefen, Postern und anderen Dingen herrschte, die mit Quidditch zu tun hatten. Was es im Wohnzimmer zu wenig gab, war hier definitiv zuviel, aber das störte Angelina im Moment herzlich wenig. Quidditch gehörte im Moment definitiv zu den positiven Dingen im Leben. Für sie beide.

„Und ich dachte, du würdest dich heute mit einem Kater rumquälen, den du dir gestern auf eurer Siegesfeier angelacht hast." Angelina grinste ihn an.

„Was denkst du von mir?", fragte Oliver sie, doch seine Mundwinkel zuckten, als er sich wieder an seinen Schreibtisch setzte, um einen angefangenen Brief zu beenden. „Meine Hauselfe kennt sich mit Anti-Kopfschmerz-Tränken bestens aus."

„Ah! Das erklärt's natürlich.", erwiderte Angelina übertrieben nickend und zog den heutigen Tagespropheten aus dem Zeitungswust hervor. „Das Foto hier ist klasse."

Oliver sah kurz auf, nickte und schrieb die letzten paar Worte auf den Brief, bevor er ihn schwungvoll unterschrieb. Dann faltete er ihn, schob ihn in einen Umschlag und legte ihn zur Seite. „Ja, das ist es. Aber jetzt erzähl endlich, wie euer Spiel gelaufen ist. Das steht schließlich nicht im Tagespropheten."

„Nur wenn du verrätst, woher du überhaupt weißt, dass wir gewonnen haben.", antwortete Angelina.

„Von Hagrid."

Angelina hob fragend eine Augenbraue. Oliver grinste und kam um seinen Schreibtisch herum, um sich auf der anderen Seite dagegen zu lehnen.

„Er war gestern meine Leibwache, um ungesehen in die Gryffindorkabine und zurück zu kommen. Man muß zugeben, der Mann hat Talent, jemanden mit seinem Körper vor fremden Blicken zu schützen. Er hat mir gestern zugesagt, dass er mich informiert. Egal wie es ausgehen würde."

„So ein Verräter.", murrte Angelina. „Ich hatte mich schon so darauf gefreut, dich ein wenig an der Nase herum zu führen."

„Kann ich mir denken. Was glaubst du, warum ich Hagrid darum gebeten habe. Ich kenne dich schließlich nicht erst seit gestern. Also, wie war's?"

„Phänomenal. Auch wenn's vorher in der Kabine ganz und gar nicht danach aussah.", antwortete Angelina und fing an, das Spiel und die Ereignisse davor und danach in allen Einzelheiten zu erzählen.

Oliver hörte ihr zu und beobachtete sie genau. Das Glitzern in ihren Augen war ihm enorm vertraut. Er hatte es unzählige Male vorher gesehen, wenn er nach einem erfolgreichen Spiel in den Spiegel gesehen hatte. Wahrscheinlich lag es auch jetzt in seinen Augen. Heute Mittag war es zumindest noch da gewesen. Ein Strahlen ging von ihr aus, dass nur ein wirklich unerwarteter oder bedeutender Sieg einem Quidditchspieler geben konnte, und Oliver erkannte, dass er sie noch nie so begeistert gesehen hatte. Nichtmal nach ihrem gemeinsamen Pokalsieg vor anderthalb Jahren. Aber er konnte es verstehen. Es war ein Unterschied, ob man ein Spiel als einfacher Spieler oder als Kapitän gewann, auch wenn es noch nicht das Finale war. Die Verantwortung lastete einfach stärker auf den Schultern und die Anspannung vor dem Spiel war größer. Da war es nur natürlich, wenn auch ein Erfolg deutlich mehr berauschte.

Lächelnd stand er auf und ging auf sie zu. Er fing ihre Hand in der Luft ab, mit der sie wild gestikulierend etwas erklärte, was ihm entgangen war, so sehr war er damit beschäftigt gewesen, sie zu beobachten. Verwirrung trat in ihre Augen, als sie zu ihm aufsah, doch statt ihr eine Erklärung für sein Verhalten zu geben, wurde sein Lächeln noch eine Spur intensiver.

Er hatte keine Ahnung, woher er plötzlich den Mut nahm. Nur eins wußte er genau, nämlich dass er sie jetzt küssen würde, sonst würde er den Verstand verlieren. Viel zu oft war er in in letzter Zeit kurz davor gewesen und doch im letzten Moment zurückgeschreckt; in seinem Schlafzimmer nach der Kissenschlacht oder am Freitag Abend in der Gryffindorkabine. Viel zu oft hatte er das Pro und Contra im Kopf abgewiegt und war doch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen. Seine Welt stand Kopf und das hatte nicht nur mit dem ganzen Pressechaos zu tun. Seit er sie vor ein paar Wochen an der Heulenden Hütte wieder getroffen hatte, fuhren seine Gefühle Achterbahn. Sie war in seinen Gedanken, wann immer er einen Moment Zeit hatte nachzudenken. Auch, wenn er es sich eigentlich nicht leisten konnte, so wie gestern kurz vor Spielbeginn, als seine Gedanken kurzfristig ins Quidditchstadion von Hogwarts abgeschweift waren. Und auch in seinen Träumen war sie in den vergangenen Wochen beunruhigend oft aufgetaucht.

Angelina war inzwischen verstummnt und sah ihn fragend an. Ihre Augen flackerten irritiert hin und her, einen Moment lang hatte er Angst, dass er sie mit seinem irritierenden Verhalten ängstigte. Doch als ihr Blick kurzfristig ein paar Zentimeter tiefer rutschte, wußte er, dass sie begriff, was hier gerade vor sich ging – und diesmal schien sie schien nicht wirklich etwas dagegen zu haben, denn sonst hätte sie sich längst von ihm losgerissen. Sein Herz machte einen unkontrollierten Hüpfer, sein Lächeln vertiefte sich und im nächsten Moment berührten seine Lippen ihre.

Olivers Magen machte einen Salto rückwärts und sein Puls raste. Angelina lehnte sich ihm entgegen. Ihre Arme schoben sich um seinen Nacken und irgendwann spürte er beiläufig, wie sich sein linker Arm um ihre Taille legte und sich die rechte Hand in ihre Haare schob. Überschäumende Gefühle rissen sie mit und ließen den Kuß immer hungriger und leidenschaftlicher werden. Als sie sich einige Zeit später wieder voneinander lösten war Atmen eine Sache, die dringend notwendig war, um wieder zu einigermaßen logischem Denken zurückzufinden. Allerdings konnten beide nicht die Augen voneinander abwenden. Schokoladenbraune Augen brannten sich in fast schwarze, und beide wußten in diesem Moment, dass dieser Kuß, was immer ihn am Ende auch ausgelöst hatte, nicht der letzte bleiben würde.

„Das ... das war ..." Angelina brach ab und schluckte verwirrt, doch Oliver nickte. Er verstand auch so, was sie sagen wollte. Ihm ging es nicht anders.

„Ja, das war ... wow!" Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Ich habe absolut kein Problem damit, wenn es sich wiederholen würde. Was auch immer das war."

Angelina lächelte ebenfalls. „Ich auch nicht.", murmelte sie leise.

Der Kuß, den sie diesmal teilten, war wesentlich ruhiger und intensiver als der vorherige, weshalb sie auch nicht ganz so atemlos waren, als sie sich diesmal voneinander lösten. Langsam trat Angelina einen Schritt zurück und ließ die Arme sinken, bis ihre Hände seine fanden und sich mit ihnen verschränkten.

„Eins ist damit wohl geklärt.", meinte Oliver verschmitzt. „Schwul scheine ich wirklich nicht zu sein."

Angelina lachte leise auf. „Nein, schwul bist du scheinbar nicht. Aber auch kein Kapitän."

„Was?"

„In deinem Brief stand, ob ich Lust auf eine Siegesfeier unter Kapitänen hätte.", erklärte sie, als er sie verwirrt ansah. „Du bist allerdings kein Kapitän. Zumindest nicht mehr."

„Noch nicht.", korrigierte er sie und zog sie mit einem verschmitzten Funkeln in den Augen wieder näher an sich ran. „Aber ich arbeite drauf hin."

„Wie du gestern eindrucksvoll bewiesen hast."

Oliver nickte und sah ihr tief in die Augen. „Und jetzt sollten wir zusehen, dass wir in die Küche kommen. Sonst ist Tipsy beleidigt, weil wir ihr kulinarisches Meisterwerk schmählich ignorieren."

„Nun, dass Tipsy beleidigt ist, wollen wir ja auf gar keinen Fall, sonst läßt sie dich noch verhungern und dann habe ich nichts mehr von dir."

„Weise Worte einer weisen Frau." Oliver gab ihr einen leichten Kuß auf die Nasenspitze.

Angelina lachte unterdrückt auf und ließ sich von Oliver aus dem Arbeitszimmer in Richtung Küche ziehen. Diese Siegesfeier im kleinen Kreis gefiel ihr und hatte definitiv eine interessante Wendung genommen.


A/N: OK, wie ihr seht, habe ich die eigentlichen Spiele rausgelassen. Sie waren einfach nicht wichtig für den Plot, und dadurch hätte ich die Geschichte nur unnötig noch um ein Kapitel länger gemacht. Also habe ich beide Spiele rausgelassen und nur die Eindrücke vorher und nachher aufgeschrieben. Und ich denke, die letzte Szene ist die eigentlich wichtige Szene, Quidditch hin oder her.

Also, verratet mir, ob ihr mit dem Ende zufrieden seid oder nicht. Ich hoffe, ihr seid es. Und bevor ihr euch jetzt über mangelnde Bestrafung für Connor beschwert: Der kriegt sein Fett noch weg. Eine meiner Mit-Rumtreiberinnen schreibt gerade an einer Fortsetzung für "Kapitänssache" und knöpft ihn sich vor. Seine "Verbrechen" sind viel zu groß, um sie mal eben so in ein paar Sätzen zu rächen.

Außerdem bastele ich gerade an einer Fortsetzung, die die heimliche Beziehung von Roger und Katie thematisiert (für die, die jetzt aus allen Wolken fallen: Ja, die zwei haben was miteinander. Ich konnte Katie doch nicht einsam zurücklassen, wenn ich ihren Oliver schon mit einer anderen verkupple). Ich hoffe, dass ich damit nach Ostern weiter komme.

Ansonsten, frohe Ostern, viele bunte Eier, gutes Wetter und alles, was ihr euch sonst noch so erhofft.

Es hat Spaß gemacht, euch mal wieder eine Geschichte zu schenken.

Eure Rumtreiberin KitKat2006