„Gut das Sie hier sind Miss Granger.", begrüßte die Direktorin Hermine und wies auf einen Stuhl ihrem Schreibtisch gegenüber.
Hermine warf ihrer Hauslehrerin einen verwunderten Blick zu. „Sie haben mich erwartet Professor?"
Die ältere Hexe musterte Hermine kurz irritiert über den Rand ihrer Brille. „Natürlich. Ich habe Sie doch vor fünf Minuten per Hauself hier her beordert."
„Davon weiß ich nichts. Ich bin hier weil ich Sie noch einmal bezüglich Lucius Malfoy sprechen wollte."
McGonagall wedelte mit der Hand durch die Luft. „Ich auch Miss Granger. Ich auch. Aber warten wir bitte bis Mr. Potter und Mr. Weasley auch hier sind. Es geht Sie nämlich alle drei an was ich zu sagen habe." Sie vertiefte sich erneut in ein Pergament das vor ihr lag und schüttelte leise vor sich hin murmelnd den Kopf.
Hermine lehnte sich überrascht zurück und beobachtete die ältere Frau. Sie schaffte es immer noch nicht sich an den Anblick von McGonagall an diesem Schreibtisch zu gewöhnen. Der Platz in dem imposanten Lehnstuhl würde immer Dumbledore gehören und jeder andere der darauf saß, wirkte fehl am Platz.
Hermine schossen tausend Gedanken durch den Kopf. Hatte Malfoy sich bei McGonagall beschwert? Hatte sie es übertrieben mit ihren Bemerkungen gestern auf dem Gang? Aber wieso ging es dann Harry und Ron auch etwas an? Was hatten die beiden damit zu tun?
Immer wieder warf sie einen ungeduldigen Blick zur Tür in der Hoffnung, dass diese sich endlich öffnen und ihre beiden Freunde hereinkommen würden, damit das Rätsel endlich gelöst wurde. Als es dann klopfte zuckte Hermine erschrocken zusammen.
„Herein mit euch!" McGonagall schob energisch das Pergament beiseite und setzte sich aufrecht hin.
„Hallo Professor. Entschuldigen Sie das es so lange gedauert hat aber wir waren gerade beim Quidditch…" Harry fuhr sich verlegen durch die Haare.
Die Direktorin winkte ab nur Hermine zog ihre Augenbrauen in die Stirn.
„Solltet ihr nicht lieber lernen? Die UTZ…"
„Miss Granger ich bin zuversichtlich das Mr. Potter und Mr. Weasley ausreichend Zeit mit dem Lernen verbringen. Manchmal muss man sich auch eine Auszeit gönnen." Sie zwinkerte den beiden zu und der Anflug eines Lächelns flog über ihr Gesicht.
Hermine holte Luft, schloss ihren Mund und lehnte sich mit einem leichten Kopfschütteln zurück.
„Da Sie jetzt alle drei hier sind werde ich nicht lange um den heißen Brei herum reden. Es geht um Mr. Malfoy-„
„-den ich jetzt schon zweimal hier im Schloss gesehen habe. Hat er nicht ein Verbot?", fiel Hermine ihr aufgebracht ins Wort.
„Er war hier auf meine ausdrückliche Bitte hin. Und wenn Sie sich gedulden würden, dann würde ich Ihnen gern erzählen warum." Die Direktorin warf der jungen Hexe einen strengen Blick über den Rand ihrer Brille zu, unter dem die Jüngere ihren Mund sofort zuklappte.
„Wie Sie bestimmt schon mitbekommen haben ist Dracos Mutter gestorben.", setzte McGonagall fort.
Hermine und ihre beiden Freunde nickten.
„Nun, Mrs. Malfoy hat ein Testament hinterlassen in dem sie Hogwarts 500000 Galeonen vermacht."
Hermine hielt die Luft an. Deshalb das viele Geld! Lucius Malfoy hatte es nicht freiwillig gegeben. Aber was hatte das mit ihnen zu tun?
„Das war übrigens der Grund warum er gestern hier war Miss Granger. Sein Anwalt teilte mir das mit und ich bat Lucius hier her."
Hermine senkte den Blick. Wie hatte sie nur zweifeln können…
„Das erste Mal war er übrigens da als seine Frau - Dracos Mutter - im Sterben lag. Er wollte seinen Sohn möglichst schonend informieren und gleichzeitig abholen."
„Das dachte ich mir damals schon", murmelte die junge Hexe betreten.
„Das ist ja toll das Hogwarts so viel Geld bekommt, aber was hat das nun eigentlich mit uns zu tun?", platzte Ron heraus.
„Ja und wieso nimmt Hogwarts dieses Geld eigentlich an?", ereiferte sich Harry. „Von so einem… abartigen, widerlichen-„
„Mr. Potter mäßigen Sie sich!" Die erhobene Stimme seiner Hauslehrerin ließ Harry augenblicklich verstummen und seine Lippen pressten sich zu einem dünnen Strich zusammen.
„Wir haben im Kollegium lange darüber beraten. Aber Hogwarts braucht dieses Geld dringend und es wäre dumm es auszuschlagen!"
Sie musterte die drei eindringlich.
„Aber das ist nicht der Grund warum Sie heute hier sind." Sie holte tief Luft und zog das Pergament, das sie vorher beiseitegeschoben hatte, wieder zu sich heran.
Hermine, Harry und Ron sahen sie gespannt an.
„Narzissa Malfoy hat ihrem Testament noch einen Wunsch hinzugefügt. Und es liegt in Ihrem Ermessen ob Sie dem nachkommen wollen oder nicht. Seien Sie versichert das Sie mein vollstes Verständnis haben werden wenn Sie ablehnen."
Hermines Herz schlug schneller und sie hatte einen trockenen Mund. Was konnte Narzissa nach ihrem Tod noch von ihnen wollen?
„Mrs. Malfoy wünscht sich, dass Sie alle drei eine Woche auf Malfoy Manor genießen. Sie-„
Harry sprang auf. „WAS?! SIE WILL WAS?!", rief er laut und griff erregt nach dem Pergament das McGonagall in der letzten Sekunde noch wegzog.
„SETZEN SIE SICH POTTER!", herrschte sie ihn erneut an.
Er ließ sich nach einem weiteren wütenden Blick auf McGonagall und das Pergament knurrend wieder auf seinen Stuhl sinken und starrte angestrengt auf seine Füße.
McGonagall holte hörbar Luft bevor sie fort fuhr. „Sie möchte sich damit bedanken, dass Sie Draco das Leben gerettet haben und sie möchte Ihnen beweisen, das Malfoy Manor nicht das ist, als was Sie es kennengelernt haben, sondern die Gastfreundschaft der Familie Malfoy unter Beweis stellen. Sie möchte die Dinge die Ihnen dort widerfahren sind nicht vergessen machen, Ihnen aber zeigen, dass ihre Familie sich auch zivilisiert verhalten kann. Sie hofft, dass Sie das Angebot annehmen."
Hermine blinzelte perplex, blinzelte noch zwei- dreimal und starrte McGonagall dann an, als ob sie ihr eben mitgeteilt hätte, dass sie durch sämtliche Prüfungen gerauscht wäre. Dann suchte sie mit ihrem Blick die Gesichter ihrer Freunde in denen sie die den gleichen Schock lesen konnte.
Harry saß zum Zerreißen gespannt und mit fest um die Armlehnen seines Stuhls gekrallten Händen da und Hass loderte hell in seinen Augen. Ron hatte den Mund in Erstaunen und Unglauben weit geöffnet und seine Augen machten den Eindruck als wollten sie ihm gleich aus dem Kopf purzeln. Keiner der drei sagte ein Wort. Bis auf die entfernten Geräusche der Schüler auf den Gängen durchbrach kein Laut die Stille des Raumes.
„Das ist nicht sein Ernst oder?", nahm Hermine mit brüchiger Stimme das Gespräch wieder auf. „Ich meine - das KANN er nicht ernst meinen!"
Die Direktorin sah ruhig von einem zum anderen. „Ich denke Sie sollten diese Einladung erst einmal setzen lassen. Wie gesagt – mein Verständnis haben Sie wenn Sie das ablehnen. Das habe ich auch Mr. Malfoy gesagt als er hier war. Er machte auch nicht unbedingt den Eindruck als ob er selber so begeistert von der Idee wäre. Das möchte ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten. Reden Sie doch alle drei in Ruhe darüber, treffen Sie Ihre Entscheidung und teilen Sie mir diese dann mit. Oder wenden Sie sich direkt an Mr. Malfoy."
Harry war aufgesprungen und durchmaß den Raum mit langen zornigen Schritten.
McGonagall ignorierte ihn, zog eine Schublade auf und ließ das Pergament darin verschwinden. „Ich habe damit meine Pflicht getan und Ihnen die Einladung der Familie Malfoy überbracht. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen wollen, ich muss noch zu Shaklebolt, da er als Minister auch ein Wörtchen mitzureden hat wie das viele Geld in Hogwarts angelegt werden sollen." Die Direktorin stand auf, ging zur Tür die sie öffnete und warf ihren drei Schützlingen einen auffordernden Blick zu.
Harry verließ als erster mit ungemindertem Tempo und angespannten Gesicht den Raum. Ron und Hermine folgten ihm zögernd.
