Disclaimer: Immer noch besteht JKR darauf die Reste für sich zu behalten. Gierig!

A/N: Ich weiß, ich hab Ewigkeiten gebraucht um was zu schreiben. Aber das hatte mehrere Gründe, die ich zu meiner Verteidigung anführen kann: ein neuer Job, der meinen Lebensrythmus durcheinander bringt, Müdigkeit, Hirnstau, Ideenlosigkeit, eine Geburtstagsfeier,... Ihr könnt euch eine Vorstellung davon machen.

Aber jetzt. JETZT! endlich gehts hier weiter. Mal sehen was Remus zu Jos Idee betreffend der Hundeumsiedlung zu sagen hat:


Here comes the rain again,
falling from the stars.
Drenched in my pain again,
becoming who we are.
As my memory rests,
but never forgets what I lost.

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(Wake me up when September ends - Green Day)

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Ich schlüpfe in die Buchhandlung in der John-Dee-Gasse, Remus' Arbeitsplatz. Gerade rechtzeitig, denn Darius humpelt bereits mit dem Schlüssel in Richtung Ladentür. Geschäftsschluss für heute. Der Nachmittag mit John ist mächtig schnell verflogen.

Darius lächelt breit, als er mich erkennt und nickt mir zu.

"Wenn du deinen Romeo suchst, der ist oben. Muggelliteratur. Du kennst den Weg."

Ich lache. "Wie ich sehe hatten Sie bereits Ihre Shakespeare Einführung, Sir."

"Oh ja, ich hatte bereits das Vergnügen.", grinst Darius und schließt die Tür hinter mir ab. "Langsam bringt der Junge sogar mich dazu mir einmal eines dieser Bücher genauer anzusehen."

Oh ja, das ist Remus wie ich ihn kenne. Ich wünsche Darius noch einen schönen Abend und nehme die Treppe in den ersten Stock.

Den Buchhändler meines Vertrauens finde ich schließlich zwischen Joyce und Kafka, das letzte Chaos der Kunden beseitigend.

"Wir haben bereits geschlossen, Madame.", sagt er, noch ehe ich ihn erreicht habe, und dreht sich grinsend zu mir um, Ulysses noch in der Hand.

"Ich weiß.", entgegne ich und hoffe, dass der Wolf mein schlechtes Gewissen nicht ebenso schnell durchschaut wie meinen kläglichen Versuch mich anzuschleichen. "Ich steh nicht so auf Publikum, wenn ich meinen Lieblingsbuchhändler vernasche."

Spontanes Ablenkungsmanöver. Ich überwinde die letzte Distanz zwischen uns, nehme ihm das Buch aus der Hand, lege es auf dem nächsten Stapel ab und küsse ihn. Meine Finger versinken in seinem ergrauenden Haarschopf, meine Zunge fordert Einlass, erhält ihn aber nicht. Remus umfasst meine Handgelenke und tritt einen Schritt zurück.

"Nicht hier.", flüstert er. "Darius..."

"...wird uns nicht stören.", unterbreche ich ihn. "Und wenn er doch raufkommt hören wir ihn rechtzeitig mit seinem Stockgeklapper."

Ich entziehe meine Handgelenke seinem Griff und lasse eine Hand über die Knopfleiste seines Hemdes nach unten wandern. Remus seufzt.

"Also gut. Machen wirs kurz. Was hast du diesmal angestellt?"

Soviel zu meiner Hoffnung.

"Gar nichts.", versuche ich es mit Unschuldsmiene und nehme meine Hand weg. Der prüfende Blick in Remus' Augen bleibt. Ich seufzt und sehe mir die Regale genauer an. "Ich war bei deinem Dad.", sage ich schließlich so, als würde ich ihm erzählen das heute die Sonne schien.

Wortlos dreht Remus sich um, nimmt den abgelegten Ulysses vom Stapel und stellt ihn ins Regal.

"Ach komm schon, Remus. Sei nicht kindisch."

"Ich bin nicht kindisch.",sagt er und nimmt Kafkas Prozess, um ihn ins Regal zu stellen. "Ich bringe hier nur meine Arbeit zu Ende. Ich kann mich auch währenddessen mit dir unterhalten, weißt du?"

"Aha."

Stille.

"Was hielt er von deiner Idee?", fragt Remus ohne mich dabei anzusehen.

"John ist einverstanden, solange Dumbledore das auch ist."

Keine Antwort. Dafür spricht Remus' ganze Körperhaltung mehr als genug, wenn man ihn kennt.

"Irgendwas passt dir nicht."

Remus seufzt, schon wieder, dann dreht er sich doch zu mir um. "Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, Jo."

"Warum?" Wenn er verdammt noch mal eine bessere Idee hat, dann raus damit. Wir müssen was tun. Jetzt. Im Grimmauldplatz geht Sirius uns langsam aber sicher ein wie eine Primel.

"Ich weiß nicht, ob...ob er so glücklich werden kann...bei meinem Dad.", sagt Remus vorsichtig.

Ich schüttle den Kopf. "Dort hat er so viel Licht und Freiheit. Euer Garten ist riesig. Er kann sich die Hundeseele praktisch aus dem Leib lau-"

"Verdammt, Jo, darum geht es nicht.", unterbricht mich Remus forsch.

"Worum dann, bei Merlin?"

"Mein Vater hat ihn damals festgenommen und nach Askaban gebracht. Ich weiß nicht, ob wir Sirius tatsächlich helfen, wenn wir ihn zu einer wandelnden Erinnerung an diese Zeit stecken."

Ich sehe ihn mit großen Augen an. "Oh."

"Ja. Oh.", sagt Remus und fährt sich mit den Fingern durchs Haar.

"Warum hast du mir das nicht erzählt, damals?"

"Wir haben nicht mehr viel miteinander gesprochen danach. Ich hielt es, die Umstände betrachtend, nicht wichtig genug."

Ich nicke stumm. Remus hat Recht. Wir hatten wirklich kaum noch miteinander gesprochen, jeder mit seiner Trauer und der Verarbeitung des Geschehenen beschäftgt. Jeder zu sehr in sich selbst verboht, um den anderen noch wahrzunehmen. Und dann kam meine Entscheidung zu gehen.

"Ich mache es ihm nicht zum Vorwurf.", fährt Remus nach einer Weile fort. "Es war als Auror seine Aufgabe. Wie hätte er auch ahnen können, dass die Dinge anders lagen, als sie sich präsentierten? Ich selbst habe es doch nicht gesehen."

Ich seufze und starre auf den kleinen Stapel Stefan Zweig Bücher, die noch darauf warten zurück ins Regal gestellt zu werden. Verwirrung der Gefühle, Ungeduld des Herzens, Angst, Schachnovelle, Die Welt von Gestern.

"Abgesehen von diesen Umständen bin ich der Meinung, dass wir zunächst mit Sirius über die Möglichkeit eines Umzuges sprechen sollten. Bevor wir zu Dumbledore gehen. Wir könnten gleich nach der Ordenssitzung mit ihm reden."

"Fuck!", entfährt es mir.

"Ich schließe aus deiner Wortwahl, dass du diese Sitzung vergessen hast, hab ich Recht?"

Ja, hat er. Merlin, langsam sollte ich mir echt einen Terminplaner zulegen. Aber was schreib ich dann zu den Sitzungsterminen? "18.30 Uhr: Geheime Sitzung" kommt nicht gut, wenn ich den Planer mal verliere oder bei was weiß ich welcher Aktion vom Ministerium gefasst werde und die meine Tasche auf den Kopf stellen. Vielleicht krieg ich in einem solchen Fall ja Sirius' alte Zelle, zwecks Familienzusammenführung, sollten sie ihn irgendwann auch noch erwischen, wovon die ja immer noch überzeugt sind. Idioten.

Remus nimmt den Zweig-Stapel von der Ablage und stellt die Bücher zurück wo sie hingehören. Er lässt seinen Blick noch einmal prüfend über die Muggelabteilung wandern, dann nimmt er wortlos meine Hand und führt mich die Treppen hinunter. Durch die Hintertür, an der auch schon im ersten Krieg gegen Voldemort und seine Wahnsinnigen immer wieder Ordensgeschäfte abgewickelt wurden, verlassen wir schließlich die Buchhandlung.

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"Aua."

"Sssscht."

"Hast du mich gerade angessscht?"

"Ja."

"UND du hast mich getreten."

"Auch ja."

"Warum?"

"Du schnarchst. McGonagall schaut schon."

"Oh. Naja.", sagt Sirius und streckt sich, sodass der Rest der Anwesenden garantiert mitbekommt, dass er nicht ganz bei der Sache ist.

"Sirius."

"Was denn?"

Welpenblick. Ich seufze. Zum hundertsten Mal heute. "Wenn du schon nicht zuhörst, dann wenigstens so, dass es keiner mitbekommt."

"Ich weiß wie so was geht. Ich hatte genügend Übung in der Schule. Danke."

"Warum machst dus dann jetzt nicht?"

"Keine Lust."

Ich sehe ihn von der Seite her an. Manchmal sucht dieser Mann geradezu nach Ärger.

"Hör auf mich so anzusehen. Du bist nicht mein Kindermädchen."

"Manchmal komm ich mir aber so vor."

Sirius verdreht die Augen. "Merlin, Moony, erlös mich."

"Wie soll ich das anstellen, deiner Meinung nach?", fragt ihn der zu Hilfe gerufene über die Tasse in seinen Händen hinweg. Ich nehme meine Teetasse, die vor mit auf dem Küchentisch steht, und trinke einen Schluck. Heute Abend ist es Jasmintee.

"Beschäftige sie. Mach ihr ein Kind."

Wenn es soetwas wie eine Disziplin in kollektivem Tee-über-den-Tisch-spucken gibt, dann hätten Remus und ich Chancen auf die Goldmedaille. Perfekt synchron.

"Ich muss schon sehr bitten.", ertönt McGonagalls Stimme und die dazu passende Frau mustert uns mit ihrem Falke-auf-der-Jagd-Blick.

"Verzeihung.", hustet Remus, dem es sichtlich unangenehm ist, dass die Aufmerksamkeit des halben Ordens auf uns lastet, statt auf Snape, der mitten im Vortrag über die Todesserpläne der nächsten Woche ist.

"Tee. Eine wahrlich glänzende Idee.", höhnt er auch schon mit eisiger Stimme. "Ich bin sicher damit können wir uns die nötige Zeit verschaffen."

"Können wir auch. Wir könnten Lucius darin ertränken.", wirft Sirius grinsend ein, während er Remus auf den Rücken klopft. Snape zieht eine Augenbraue hoch.

"Womit du erneut deine Kompetenzen bewiesen hättest, die dich an dieses Haus binden, Black. Ich hoffe das Putzen des Hauses entspricht eher der Leistungsfähigkeit deines Gehirns."

Sirius knurrt leise und umfasst die Stuhllehnen.

"Bleib sitzen, Sirius.", flüstert Remus und legt ihm eine Hand auf den Arm. Sirius tut es und lockert den Griff um die Lehnen etwas.

"Einfache Hundekommandos scheint dein Gehirn trotz geringer Kapazität noch verarbeiten zu können. Wie überaus beruhigend."

"Ich brech dir gleich beruhigend die Nase, Snivellus."

"Black. Snape. Dies hier ist eine Ordenssitzung, kein Duellierclub.", versucht McGonagall in ihrer Funktion als Versammlungsleiterin den Blick der Beteiligten wieder zurück auf den eigentlichen Grund unseres Beisammenseins zu führen.

Vergeblich. Ein diabolisches Lächeln umspielt Snapes Züge. "Deine Drohungen sind immer noch die selben, Black. Du solltest froh sein, dass Potter die Enttäuschung erspart bleibt zu erkennen, dass deine Kreativität offenbar gemeinsam mit deiner Intelligenz verschunden ist."

KLIRR!

Der Krug, der bislang vor Sirius auf dem Tisch gestanden hat, verfehlt Snape nur um Haaresbreite, und auch nur durch einen schnellen Schritt zur Seite, und geht an der anderen Küchenwand in tausend Scherben. Snape betrachtet sie teilnahmslos.

"Offensichtlich sind auch deine Fähigkeiten als Quidditch-Treiber verloren gegangen. Wie bedauernswert." Seine Raubvogelaugen fliegen zu Sirius zurück. "Noch eine der vielen Enttäuschungen, die Potter erspart bleiben."

Sirius' Stuhl geht krachend zu Boden, so schnell ist er auf den Beinen und an mir vorbei, noch ehe ich reagieren kann. Molly schreit auf, Mundungus wacht aus seinem Nickerchen auf und grunzt verschlafen. Ich bin zu langsam. Der Stoff von Sirius' Umhangs entgleitet meinen Fingern. Seine sturmgraue Augen sind nun fast schwarz und sprühen, als hätte jemand dahinter ein Feuer entzündet.

"Sirius!", versuche ich es, obwohl ich weiß, dass Worte bereits sinnlos geworden sind.

Remus will ihm hinterher. Kingsley ist jedoch schneller. Mit ein paar schnellen Handgriffen hat er Sirius' Hände hinter dessen Rücken gebracht und ihn mit der Tischplatte Bekanntschaft machen lassen. Beeindruckend, Sirius ist wirklich keiner von denen, die leicht zu bändigen sind, wenn er mal in Fahrt ist.

"Beruhig dich Sirius.", brummt Kingsley. "Glaub mir, dass hier ist für uns beide nicht angenehm."

"Dann lass mich los, verdammt noch mal."

"Wenn du dich benimmst."

"Ich bin ruhig!", knurrt Sirius und sieht gar nicht danach aus.

"Also schön.", sagt Kingsley und lockert seinen Griff langsam, jedoch ohne Sirius aus den Augen zu lassen.

Dieser seht langsam auf, strafft die Schultern und wirft Snape einen tötlichen Blick zu. Er sieht sehr danach aus als kämpfe er gerade einen hoffnungslosen Kapf gegen sich selbst, um Snape, der ihn immer noch kalt mustert, nicht das Nasenbein und sämtliche andere Knochen zu brechen. Dann dreht er sich um und verlässt ohne ein weiteres Wort die Küche.

Ich tausche mit Remus einen Blick. Er schüttelt den Kopf. Ich seufze, bleibe aber sitzen. Er hat ja Recht. Sirius braucht jetzt erst mal Zeit zum Abkühlen. Zeit, die ich nutzen werde Snape anzustarren. Ganz böse. Denn leider steckt mein Zauberstab in meinem Mantel in der Eingangshalle.