Tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat^^'Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten!
Danke an Faenwen, die immer noch dran ist und auch reviewt! :)
Überlegeter Aufbruch
Die wenigen Dinge, die sie hatte, waren schnell zusammen gepackt und im Morgengrauen gesellte sich noch etwas Proviant dazu. Alatariel war früher aufgestanden, um sich von Merenwen zu verabschieden, da beschlossen worden war, die Reise zu Fuß an zu treten – sehr zu ihrem Missfallen.
Große Distanzen lassen sich am schnellsten zu Pferde überbrücken und je eher der Ring vernichtet wird, umso besser! Wozu laufen, wenn reiten viel schneller ist?
Es erschien ihr durch und durch widersprüchlich, aber sie beugte sich der Entscheidung des Rates.
„Na meine Hübsche?" sie kraulte der Stute die Nüstern. „Es ist Zeit Abschied zu nehmen." Sacht legte sie ihre Stirn an die des Pferdes. „Lauf nach Hause und gib Acht auf dich!" sie sattelte das Tier auf, allerdings zog sie die Riemen nicht so fest wie sonst, Merenwen sollte sich wohl fühlen. In die Satteltaschen gab sie einen Brief für Éomer, in dem sie knapp und nicht viel verratend den Beschluss des Rates und den Grund für ihr Fernbleiben schilderte.
Sie führte die Stute bis zum Tore Bruchtals, dort ließ sie sie los. „Lauf heim!" rief sie dem hellen Tier nach, das munter davon trabte.
Einige Augenblicke stand Alatariel noch da und sah ihrer treuen Gefährtin nach, dann wandte sie sich ab, um noch ein wenig zu sich zu nehmen, bevor sie aufbrechen würde.
Sie setzte sich in der Halle zu den Hobbits, die anderen waren, wie ihr gesagt wurde schon fertig.
Ich muss doch länger im Stall gewesen sein, als beabsichtigt.
Die Hobbits aßen immer noch und waren putzmunter, trotz der frühen Stunde, und bestens gelaunt, als wäre das alles nur ein großes Spiel. Wenn Alatariel allerdings ehrlich war, dann war es für sie auch nur ein Abenteuer. Ich denke, ich werde noch eines besseren belehrt. Doch auch, wenn sie es besser wusste, eine Art Vorfreude machte sich in ihr breit.
„Warst du schon einmal im Gebirge?" fragte Sam sie mit großen neugierigen Augen.
„Nein, noch nicht. Das wird auch für mich das erste Mal." Sie lächelte ein wenig aufgeregt und wurde langsam unruhig.
„Wann brechen wir eigentlich auf?" fragte Pippin ebenso begierig auf große Abenteuer.
Nur Frodo war still und schien sich nicht wirklich zu freuen. Vermutlich weiß er als einziger hier am Tisch, was uns erwartet, oder ahnt es zumindest.
„Ich denke wir sollten nach sehen." Schlug Alatariel vor und erhob sich, sie Halblinge taten es ihr gleich und waren sofort mindestens einen Kopf kleiner. Die fünf machten sich auf den Weg in den Hof, wo Estel und Legolas standen, gestiefelt und gespornt.
„Guten Morgen!" Grüßte Estel freundlich und mit einem angedeuteten Lächeln nickte er dem Grüppchen zu.
„Morgen? Es ist noch Nacht!" empörte sich Merry die Hobbits lachten und auch Alatariel stimmte leise mit ein.
„Wie werden wir reisen?" fragte sie neugierig und gesellte sich zu den beiden Männern, während die Hobbits unter sich blieben.
„Ich meine Gandalf wollte über den Cahadras-Pass." Antwortete Estel auf ihre Frage.
„Ja, das wollte er!" erklang die Stimme des Zauberers hinter ihnen, der mit Boromir und Gimli erschien.
Die Elben verabschiedeten sie aus Bruchtal und die Gemeinschaft verließ das Tal Richtung des Gebirges.
Alatariel lief neben Merry und Pippin her, die ihr allerhand Geschichten aus dem Aueland erzählten, von denen sie zwar nur die Hälfte verstand, die sie aber dennoch gerne hörte. Im Gegenzug musste sie den beiden Geschichten und Sagen aus Rohan erzählen, was sie auch gerne tat.
Am Abend waren sie am Fuß der Berge angekommen und schlugen ihr Lager auf.
„Sollten wir nicht etwas jagen, so lange es noch etwas gibt, das wir jagen können?" fragte Boromir, als Estel ein Feuer entfachte.
„Ein wahres Wort." Stimmte Gandalf zu.
Legolas sprang von dem Baumstamm, auf dem er gesessen hatte. „Estel?" er sah den Mann fragend an, der sich grinsend erhob.
„Lass uns gehen!" und der Mann und der Elb machten sich auf die Jagd.
Gimli und Gandalf saßen Pfeife rauchend auf ihren Lagern und die vier Halblinge erkundeten ein wenig die nähere Umgebung. Alatariel blickte aus den Augenwinkeln zu Boromir, der anscheinend ebenso wenig wusste, was er tun sollte wie sie selbst.
Die Pfeifenraucher unterhielten sich, so weit Alatariel es hören konnte, über das Abenteuer, von dem Bilbo berichtet hatte.
„Könnt ihr mit den Waffen umgehen?" fragte Boromir die Hobbits, die an ihren Seiten kleine Messer, die aber auf Grund ihrer geringen Körpergröße für sie schon Kurzschwerter waren.
„Nicht richtig." Antwortete Frodo wahrheitsgemäß und sah zu dem Mann. „Könnt ihr es uns beibringen?"
Alatariel hätte eigentlich darauf gewettet, dass er nein sagen würde, doch mit einem Lächeln stand der Sohn Denethors auf.
„Es wäre mir ein Vergnügen!" er zog sein Schwert und stellte sich dem Halbling gegenüber, der ebenfalls seine Waffe zog. „Nehmt die Beine etwas mehr auseinander, dann habt ihr einen festeren Stand!" korrigierte er Frodo. Nach einigen Hinweisen mehr, die auch die restlichen Hobbits gerne hörten, begann er mit einem leichten Schlag, den der Hobbit gut parieren konnte.
Alatariel begab sich hinüber zu Gandalf und Gimli, die mit großem Interesse das Übungsgefecht verfolgten.
„Was wisst ihr über die Mitglieder der Gemeinschaft?" fragte sie den Zauberer, der daraufhin erst einmal einen schönen Ring Rauch in den Himmelsteigen ließ, der schillernd seine Farbe änderte.
„So einiges, über die einen mehr, über die anderen weniger. Über euch zum Beispiel, weiß ich sehr wenig. Über Frodo, die anderen drei und Aragorn und Legolas weiß ich so einiges. Und über Gimli und Boromir auch noch vieles, aber nicht ganz so viel wie über die zuvor Genannten."
Sie dachte einen Moment über das Gesagte nach bevor sie wieder sprach. „Und was wisst ihr über mich?" fragte sie, um abschätzen zu können, was er als ‚nicht viel' definierte.
„Nun," er zog an seiner Pfeife. „Ihr seid Alatariel, Tochter von Idril und Erofing aus Rohan. Ihr versteht euch mit Éomer und kennt auch seine Schwester sehr gut, was ungewöhnlich ist, da ihr aus einfachen Verhältnissen stammt. Euer Pferd heißt Merenwen und ist euch treu ergeben, wie es alle Pferde Rohans ihren Reitern sind und wie alle Frauen Rohans könnt ihr durch aus mit dem Schwert umgehen. Mehr weiß ich nicht über euch." Beendete er seinen kleinen Vortrag.
Nun, das war ja doch schon einiges. Dennoch fragte sie nach keinem anderen, sie wollte nicht zu neugierig erscheinen und widmete sich daher wieder den Halblingen und Boromir, der nun Sam unterwies.
Estel und Legolas kehrten mit einem jungen Rehbock zurück, den der Elb über den Schultern trug. Beide schienen guter Laune zu sein und trugen ein breites Lächeln im Gesicht.
„Was lässt euch so grinsen Herr Elb?" fragt Gimli misstrauisch, was Legolas nicht zu stören schien, da er nur leise auflachte und sich daran machte, den Bock auszunehmen.
„Nur," begann Estel, der zum einen belustigt, aber auch ein wenig verstimmt. „dass er mal wieder sein Jagdgeschick unter Beweis stellen konnte."
„Das immer noch besser ist als das deinige!" gab der Elb feixend zurück.
Die Hobbits lachten und Alatariel schmunzelte.
Es war ein köstliches Abendessen, wenn auch schlicht. Sie aßen den Rehbock, den sie über dem offenen Feuer brieten, mit ein wenig Brot und dank den Hobbits blieb nichts übrig.
Am nächsten Tag brachen sie früh auf, mussten gegen Mittag den Hobbits zu liebe rasten und liefen dann weiter bis zum Abend. So vergingen einige Tage, bis sie das Gebirge erreichten und sich nun schmale Pfade empor arbeiten mussten. Die Felswände waren grau und wirkten kalt und einschüchternd, nicht zu letzt, wegen ihrer schier unendlichen Höhe. Das Wetter war ihnen wohl gesonnen und zur Mittagszeit geriet man der Sonne wegen schon mal leicht ins schwitzen.
Sie stiegen einen engen Weg hinauf, Alatariel lief hinter den Hobbits, die nicht begeistert waren von diesem anstrengenden Marsch. Nicht selten fragten sie nach dem zweiten Frühstück oder dem elf Uhr Tee, doch sowohl Gandalf als auch Estel trieben sie weiter.
„Boromir!" rief Pippin, der direkt vor Alatariel lief dem Mann zu, der vor den Hobbits ging.
Der Gerufene blieb stehen und ließ Frodo passieren. „Was gibt es?"
„Ich habe mich nur gefragt, ob ihr mich auch unterweisen werdet…" erklärte Pippin und warf, wenn er nicht auf den Weg sah, dem Mann neugierige Blicke zu.
Boromir wirkte überrascht. „Wenn ihr möchtet sicherlich."
Merry sah empört zu dem strahlenden Pip. „He, dann will ich aber auch!"
„Also gut." Lachte der Mann und reichte Merry die Hand. Sam hatte er auch an sich vorbei gelassen. „Was ist mit euch?" er nickte Alatariel zu. Ein spöttisches Funkeln in den Augen. „Könnt ihr mit eurem Schwert um gehen?"
Wut kochte in ihr hoch. Wie konnte er es nur wagen? Aber sie besann sich. „Was lässt euch glaube, ich würde mit einem Schwert kämpfen?" fragte sie ganz ruhig und ging nun nach Pippin auch an ihm vorbei.
„Nun, ihr tragt eines an eurer Seite! Daher werdet ihr wohl mit ihm kämpfen." Er folgte der Frau.
Sie lächelte, was Boromir allerdings nicht sehen konnte. „An eurer Seite hängt ein Horn, seid ihr deswegen Musiker?" fragte sie ihn zurück, wohl wissend, dass es ein Rufhorn war, wenn auch ein ungewöhnlich Großes, das man sicherlich auch zum Musizieren hätte verwenden können.
Wieder blieb Boromir stehen, diesmal aus Empörung.
„Nehmt euch in Acht Sohn Gondors!" rief Legolas von weiter vorne. „Ihre Zunge ist schärfer als ihr Schwert!"
Die Gemeinschaft lachte, bis auf Boromir, der Alatariel einen missgünstigen Blick zu warf.
Alatariel selbst spürte wie ihre Wangen heiß wurden, aber grinsen musste sie dennoch. Die Runde ging an mich. Verbuchte sie ihren Erfolg im Stillen.
Nach einem weiteren Tag hatten sie so weit an Höhe gewonnen, dass es wieder einigermaßen ebenerdig voran ging. Sie rasteten auf einer Fläche mit großen runden Felsbrocken und ein paar wenigen Sträuchern. Ein kleines Feuer, über dem sie zuvor einige Eier zum Mittagessen gebraten hatten brannte noch und die Sonne schien wärmend herab. Glücklicherweise war es windstill, sonst wäre es in dieser Höhe ungemütlich geworden.
Sie saß neben Estel, der ihr ein paar elbische Worte beibrachte, beide hielten ab und an inne um Merry und Pippin zu zusehen, die gegen Boromir kämpften und immer besser wurden.
„Nicht mehr lange und sie besiegen ihn." Meinte Alatariel und die Vorstellung, dass Boromir von einem Halbling besiegt würde erfreute sie.
„Unterschätze ihn nicht!" gab Estel zu bedenken und biss in seinen Apfel. „Man sollte nie seinen Gegner unterschätzen!" er warf ihr aus belustigt blitzenden Augen einen seitlichen Blick zu, als würde er auf ihre Reaktion warten.
„Er hat angefangen." Sie wusste selbst, wie kindisch sie sich verhielt und dennoch verschränkte sie auch noch ihre Arme.
Estel lachte leise. „Nun, wenn du das sagst wird es so sein."
Sie wollte gerade noch etwas sagen, als Merry aufschrie.
„Verzeiht mir! Es tut mir Leid!" Boromir wollte sich hinab beugen um nach der Verletzung zu sehen, doch Merry und Pippin, die sich nur einen kurzen Blick zu geworfen hatten, warfen sich gegen ihn und brachten ihn zu Fall.
Alatariel konnte nicht anders, sie musste lachen. Estel, Gimli und dem Rest erging es nicht anders. Es war ein lustiges Bild. Boromir lag auf dem Rücken, die Hobbits über ihm, die ihn kitzelten und er lachte ebenso wie der Rest. Ob er Kinder hat? Es wirkt so…
Estel erhob sich. „Langsam reicht es." Er schritt auf die drei zu, wollte sie zur Ordnung rufen, doch ehe er sich versah lag er auch auf dem Boden und Alatariel musste wieder lachen.
Boromir konnte sich befreien und aufrappeln, während sich die Hobbits mit Estel beschäftigten. Lächelnd und noch etwas schwer atmend stand er neben den drei.
„Ihr wurdet von zwei Halblingen zu Fall gebracht." Merkte sie spöttisch an.
Der Mann wandte seinen Kopf und sein Lächeln verschwand für einen Moment. „Habt ihr das gehört? Sie glaubt ihr kriegt sie nicht zu auf den Boden!" seine hellen Augen fixierten sie.
Augenblicklich ließen Merry und Pippin von Estel ab und rannten auf Alatariel zu, die sich gegen den ersten Ansturm der beiden erwehren konnte. Die Hobbits schafften es jedoch spielend leicht, sie doch noch zu überwältigen. Pippin hing sich an ihre Taille und Merry schlug ihr in die Kniekehlen. Mit einer Mischung aus Aufschrei und Lachen fiel sie doch zu Boden, die Hobbits kitzelten sie und vor lauter Lachen konnte sie nichts sagen.
„Gnade!" brachte sie gerade so zwischen dem Lachen keuchend heraus und die Halblinge ließen immer noch lachend von ihr ab.
„Und ihr konntet ihnen trotzen?" schnarrte Boromir über ihr.
Alatariel schnaubte. „Genauso wenig wie ihr es konntet!" sie stützte sich auf ihre Ellenbogen und starrte den Mann über ihr wütend an.
Keiner der Beiden hatte den kleinen Aufruhr um einen ‚Wolkenfetzen' mitbekommen, sie duellierten sich weiterhin mit ihren Blicken.
„Crebain aus Dûnland!" rief Legolas und sofort sahen sich alle nach einem Versteck um.
Boromir stieß einen Fluch aus und packte Alatariel an der Hand und zog sie mit in eine Felsspalte.
„Ihr tut mir weh!" fauchte sie leise und entwand ihren Arm seinem Griff.
„Verzeiht mir!" zischte er doch ein spöttischer Unterton war definitiv nicht zu überhören. „Ich hätte euch vielleicht liegen lassen sollen und unser aller Auftrag gefährden!"
Sie erwiderte nichts, sondern presste die Lippen aufeinander und sah stur in eine andere Richtung.
Es herrschte eisiges Schweigen, bis Estels Ruf sie aus ihrer Starre löste. „Sie sind vorüber gezogen!"
Die Gefährten kamen aus ihren Verstecken hervor und blickten sich unsicher um.
„Wir sollten unseren Weg fortsetzten." Meinte Gandalf, nach dem sie sicher waren
„Wir hätten die Pforte Rohans nehmen sollen." Brummte Boromir und schulterte sein Gepäck.
„Nein, am sichersten wäre es durch die Minen Morias zu gehen!" grummelte Gimli.
„Was wurde in diesen Minen geschürft?" fragte Alatariel den Zwerg.
„Mithril!" gab er mit seiner tiefen Stimme zur Antwort und setzte zu einem langen Vortrag über diese Minen an. Woraufhin sie begann sich mit Gimli über die Schmiedekunst der Rohirrim und der Zwerge zu unterhalten.
In den nächsten Tagen liefen sie immer höher hinauf und es wurde kälter und kälter, bis sie irgendwann in den Bereich kamen, der eingeschneit war.
Alatariel war Boromir aus dem Weg gegangen und hatte sich hauptsächlich an Estel, Legolas und Gimli gehalten.
Sie alle standen bis zur Taille im Schnee, die Hobbits bis zum Hals. Estel und Boromir liefen voran und schaufelten den Weg bestmöglich frei. Der Wind wurde immer stärker und ein richtiger Schneesturm kam auf. Legolas, der vorne weg auf der Schneedecke lief, um den Weg auszukundschaften kam zurück.
„Grausame Stimmen sind in der Luft!" rief er gegen den Sturm.
Sie kämpften sich einige weitere Schritte voran, als ein Rumpeln den Berg erschütterte und eine Lawine auf sie herab stürzte. Alatariel machten einen Satz zurück in die Richtung der Felswand, wobei sie Boromir am Gürtel packte und ihn mitriss. Dennoch wurden sie von dem Schnee begraben.
Alles war dunkel um sie herum und Alatariel fürchtete sich. Eine unglaubliche Last lag auf ihr und aufs Geratwohl grub sie sich in eine Richtung durch. Zum Glück war es die richtige Richtung und sie steckte ihren Kopf durch die Schneedecke. Keuchend blickte sie um sich, hier und da kamen die anderen Gefährten zum Vorschein.
„Danke!" Boromir nickte ihr zu.
Sie alle gruben sich aus dem Schnee frei, was wegen des Sturms nicht gerade einfach war.
„Gandalf, wir müssen umkehren!" Boromir hatte schützend die Arme um Merry und Pippin gelegt. „Sonst ist es der Tod der Hobbits!"
Es stimmt. Sie sind blass und ihre Lippen sind ganz blau…und ich erfriere auch bald. Sie fror in der Tat erbärmlich, doch sie verbot sich selbst auch nur ein Wort der Klage.
„Lasst uns die Pforte Rohans nehmen!" rief Alatariel und erntete Zustimmung von Boromir.
„Nein! Wir können nicht über den Berg gehen, also lasst uns drunter hindurch, sage ich!" gab Gimli eine Alternative.
Gandalf schien von beidem nicht begeistert. „Lassen wir den Ringträger entscheiden!" rief er so laut, dass alle ihn trotz des Tosen und Wüten des Sturmes hörten.
Frodo zitterte genau wie die anderen Hobbits am ganzen Leib. „Wir gehen durch die Minen!" entschied er nach einigem Zögern.
Es war entschieden, sehr zu Gimlis Freude, und so machten sie sich auf den Rück weg.
Alatariel zog sich die Kapuze ihres Umhangs über den Kopf. Finger, Ohren und Nase spürte sie kaum noch und jeder Atemzug schmerzte in den Lungen, wie hundert Messerstiche. „Also sind wir den ganzen Weg umsonst gelaufen." Murrte sie und stapfte, nur auf ihre Füße achtend voran.
„Es sieht so aus." Erklang die Stimme Legolas' neben ihr, der federleicht über die Schneedecke schritt. „Kommt!" er bot ihr eine Hand dar, die sie dankend er griff und zog sie zu sich hinauf.
Alatariel sank zwar ein, aber nicht so tief wie gedacht. Bis zur Hälfte der Waden steckte sie noch im Schnee, kam aber ganz gut voran.
Nach dem sie Schnee und Eis wieder hinter sich gelassen hatten ging die Reise wieder schneller voran.
Gandalf und Gimli liefen vorne weg berieten sich über den Weg, der zu gehen war um den verborgenen Eingang nach Moria zu finden und Boromir übte wieder mit den Halblingen.
Spät abends, die Sonne war schon unter gegangen, trieb Gandalf sie dennoch weiter, da es, so glaubte er, nicht mehr weit bis zum Eingang der Minen sei.
Sie kamen an eine glatte Felswand und Gandalf strich über einen Teil.
Alatariel musterte diese Stelle genauer und glaubte feine Linien im Fels zu erkennen, doch sicher war sie sich nicht. Als der Mond durch brach bestätigte sich ihr Verdacht jedoch. Die Linien begannen zu Leuchten und ergaben die Umrisse eines filigran gearbeiteten Tores mit einem elbischen Schriftzug.
„Da steht," begann der Zauberer. „'Sprich Freund und tritt ein.'" Zufrieden stemmte er die Hände in die Hüften. „Man sagt das Losungswort und die Tore öffnen sich. Das waren die Zeiten des Friedens." Er schwieg kurz. „Annon edhellen, edro hi ammen! Fennas nogothrim, lasto beth lammen!" sprach er dann in einem gebieterischen Ton, doch nichts geschah.
„Und jetzt?" fragte Pippin, neugierig wie er war, in die Stille hinein.
„Jetzt werde ich versuchen die Tore mit deinem Kopf einzurammen, Perigrin Tuk!" sagte Gandalf. „ Wenn sie davon nicht auf geht und ich ein Weilchen Ruhe vor deinen Fragen habe, dann werde ich über das richtige Losungswort nachdenken." Er ärgerte sich noch ein wenig, dass sein Gedächtnis nachgelassen hatte und Pippin senkte ein wenig beschämt den Kopf.
Alatariel strich ihm durch die Locken. „Nimm es nicht zu schwer!" sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.
Schweigend standen alle da, warteten, dass Gandalf das richtige Wort einfallen würde, bis Frodo die Stille brach.
„Gandalf, das ist ein Rätsel! Was heißt ‚Freund' auf Elbisch?" fragte der Ringträger und Gandalf schien ein Licht aufzugehen.
„Mellon!" rief er mit seiner tiefen Stimme und die feinen Linien leuchteten auf, bevor sich das Tor öffnete.
Jetzt geht es also hinein in die Minen. Dachte Alatariel und ihr war nicht wohl bei dem Gedanken.
