Als Merlin in Camlann eintrifft, ist ihm mulmig zumute. Weg ist sein Mut, seine Selbstsicherheit. Noch immer ist hier das Unheil zu spüren. Das Ungemach des Todes einer großen Schlacht. Er fühlt sich unbehaglich. Er sieht sich um. Es ist vormittags und die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Einzelne Strahlen erscheinen und tauchen das Schlachtfeld in ein seltsames Licht. Schnell passiert er das unheimliche Gelände. Wenn er nur wüsste, wo er suchen soll. Das Gelände ist so groß und weitläufig.
Sir Galahad ist ebenso bereits auf den Beinen, noch immer verfolgt er Merlins Spur. Die, wie er mittlerweile richtig vermutet, nach Camlann führt. Er selbst hat an der großen Schlacht nicht teilgenommen. Aber allein die Erzählungen seiner ritterlichen Freunde, lässt ihn vor Erhabenheit erzittern. Was will der Diener des Königs an einer solchen Gedenkstätte? Er seufzt. Den Spuren nach zu urteilen, hat Merlin etwa zwei Stunden Vorsprung. Das ist nicht allzu viel. Zu Mittag wird er ebenfalls in Camlann sein.
Der König ist noch immer furchtbar wütend. Er hat die Nacht kaum geschlafen. Bei Sonnenaufgang hat er sich zusammen mit Sir Leon und vier weiteren Rittern ebenfalls auf den Weg nach Camlann gemacht. Schnell jagen sie den Weg entlang. Der König sieht sich um. Außer Sir Leon ist keiner seiner engen Freunde bei ihm. Es fühlt sich eigenartig an. Sir Gwaine ist in Annis Königreich und Sir Percival ist ebenfalls dort um Sir Gwaine zu besuchen. Seine zwei weiteren Freunde, Sir Galahad und Merlin, sind irgendwo in Camlann unterwegs. Entschlossen die beiden zu finden, treibt er sein Pferd zu Höchstleistungen. In Gedanken versucht er noch einmal Merlin zu erreichen. "Merlin? Merlin antworte!" Aber der junge Zauberer antwortet nicht, er ist außer Reichweite.
Merlin ist von seinem Pferd abgestiegen und klettert eine Seite der Schlucht hoch. Die Stille an dem Ort ist gespenstisch. Einzig der Wind, der durch die Schlucht jagt, verursacht ein leises aber ebenso unangenehmes Geräusch. Oben angekommen sieht Merlin herunter. Er fürchtet sich vor dem Anblick. Trotzdem sieht er herunter. Ihn fröstelt bei dem Anblick und der Erinnerung an all die Toten. Schnell wendet er sich wieder ab. Er hat wichtigeres zu tun. Er muss dieses Schwert finden. Er überlegt. Wo würde er hier einen Freund bestatten? Magnetisch zieht es ihn zu dem kleinen Wäldchen etwas abseits der großen Schlucht. Langsam schreitet er auf einen einzelnen großen Baum in der Mitte des Wäldchens zu. Neben dem Baum erhebt sich ein kleiner Hügel. Er ist von weitem kaum zu erkennen, je dichter er jedoch kommt, desto deutlicher zeichnet er sich von seinem Umfeld ab. Mit einem dumpfen Gefühl läuft er darauf zu.
Sir Galahad hat Camlann erreicht. Er hält inne und sieht gerührt in die Schlucht. Langsam und bedächtig reitet er hindurch. Auf dem Boden befinden sich noch immer vereinzelte Waffen, Überreste der großen Schlacht. Wie soll er hier Merlin finden? Er hält inne. Dann erblickt er Merlins Pferd. Er reitet hinzu und steigt ab. Merlins Fußspuren führen an der Seite der Schlucht hinauf. Augenblicklich macht er sich zu Fuß auf den Weg.
Merlin steht andächtig vor dem Grabhügel. Gerührt sieht er zu Boden. Obwohl der junge Druide sich Morgana angeschlossen hatte, kann er keinen Hass gegen ihn empfinden. Nach allem ist es eher Mitleid und Trauer, die die Erinnerung an den jungen Mann begleiten. Er seufzt. Als er aufsieht, findet er weshalb er gekommen ist. Das Schwert, geschmiedet im Atem des Drachen. Es steckt in Mordreds Grab wie eine Warnung, wie eine Mahnung. Beinahe hat Merlin ein schlechtes Gewissen, als er nach dem Schwert greift. Aber es muss sein, er muss es an einen sicherern Ort bringen, bevor es Schaden anrichten kann. Langsam schließt er seine Hand um den Griff des Schwertes. Er kann die Macht in dem Schwert pulsieren fühlen.
