7. Kapitel: Überraschungen
Für den Rest des Tages zog
Harry sich in sein Labor, wie die anderen Hausbewohner den Raum im
zweiten Stock nannten, zurück um den Trank neu zu brauen, wobei
die Flüche, die aus der geschlossenen Tür ab und an
drangen, gekonnt ignoriert wurden.
Nachdem Snape die drei
Weasleys, Hermine, Remus und Draco über den Trank und seine
Wirkung aufgeklärt waren, begannen die sechs sich Sorgen zu
machen, vor allem, da der Tränkemeister erwähnte, dass die
Einnahme des Trankes nicht zwingend überlebt werden muss. Leider
konnte nicht ein mal Snape sagen, welche Voraussetzungen derjenige
haben musste, der den Trank nahm, um zu überleben.
Betretenes
Schweigen war im Black Haus danach eingekehrt und im Stillen waren
alle den Weasleys dankbar, dass sie den Trank vorerst zerstört
hatten.
Voldemort hatte irgendwann angefangen, den Vertrag, den er
mit Harry ausgehandelt hatte, aufzusetzen und die Einzelheiten der
Hochzeit mit Katasumi, der bis zur Hochzeit den Sonnenclan verwalten
würde, zu besprechen.
Auf Grund des Wutanfalls von Harry am
Morgen, der Aufklärung über den Trank, den Harry braute und
dem Schock über die bevorstehende Hochzeit von Tom Vorlost
Riddle, auch bekannt als Lord Voldemort, und Harry James Potter, dem
Retter der Zaubererwelt, schlichen die Weasleys und Hermine die
folgenden Tage unnatürlich blass und vorsichtig durch die Flure
des Hauses und Hermine zuckte jedes Mal ängstlich zusammen, wenn
sie Snape, Draco oder Tom über den Weg lief.
Letztgenannter
hatte inzwischen Kontakt mit Bill Weasley aufgenommen und diesen
damit beordert, ein Haar von Dumbledore und die persönlichen
Sachen von Fred, George, Ginny und Hermine zu besorgen. Danach war er
im Phönixorden nicht mehr gern gesehen, da er den vieren
geholfen hatte, unerlaubterweise Kontakt mit Harry aufzunehmen,
weshalb er ebenfalls in den Grimmauldplatz einzog.
Als Harry am
fünften Tag mit müden Augen, dreckigen Klamotten,
ausgemergeltem Gesicht und saurem Gesichtsausdruck endlich sein Labor
wieder verließ, war er ziemlich erstaunt, sein Zimmer
aufgeräumt, seinen Schrank gefüllt und einen weitern
Weasley, nach einer dringend benötigten Dusche, zu
entdecken.
"Bill? Was machst du denn hier?"
"Hm? Hey
Harry, Tom hat mir erlaubt hier zu bleiben, weil die Leute im Orden
mir jetzt misstrauen, ist doch in Ordnung, oder?"
"Ja, ja. Von
mir aus.", brummte der nur, setzte sich an den Tisch und goss sich,
müde gähnend, einen Kaffee ein. Als er gerade die Tasse
angehoben hatte, um einen Schluck zu trinken, hielt er verwundert
inne. "Tom? Seit wann das denn? Ich dachte er hasst es, so genannt
zu werden."
"Nur Freunde dürfen mich so nennen und Bill
gehört seit einiger Zeit dazu.", meinte Tom, als er die Küche
betrat. "Im übrigen, schön, dass man dich auch mal wieder
zu Gesicht kriegt."
"Hatte zu tun.", brummte Harry nur und
widmete sich wieder seinem Kaffee.
/Wie oft hast du dich diesmal
verletzt?/, fragte Illeneus, der auf einer Stuhllehne saß.
"Genau
57 mal, wenn du's unbedingt wissen willst.", grummelte Harry
zurück.
"Was? So tollpatschig kenn ich dich gar nicht.",
meinte Bill nur.
"Beschwer dich bei Dumbles oder Ron.
Irgendeiner von den beiden hat mir nen Fluch aufgehalst.", brummte
Harry zurück. Er schien nicht sonderlich angetan davon zu sein,
jetzt in ein Gespräch verwickelt zu werden.
"Warum bist du
eigentlich runter gekommen? Hunger?"
"Nein, müde. Was zu
essen und zu trinken kann ich mir herzaubern. Aber in diesen Dämpfen
schläft sich's beschissen.", brummte Harry.
"Und warum
ausgerechnet jetzt?", fragte Hermine.
"Weil der Trank jetzt
erst mal für zwei Tage köcheln muss, ehe die nächste
Zutat dazukommt. Dann eine weitere Woche köcheln und dann die
letzte Zutat und für zwölf Stunden vom Feuer nehmen und
ziehen lassen. Dann ist er fertig und macht euch keine Mühe, ich
hab die Tür mit mehreren Zaubern versiegelt. Ihr kommt nicht in
den Raum.", meinte Harry, als er den Blick bemerkte, den sich Fred
und George zuwarfen.
"Harry, du könntest dabei
draufgehen."
"Nein, könnte ich nicht.", brummte Harry
nur auf Hermines Einwurf.
"Und warum nicht?"
Harry stand
auf, ging zur Tür und meinte noch, ehe er den Raum verließ:
"Weil ich jungfräulich bin."
Dann war er auch schon
weg.
"Was für eine Verschwendung.", meinte Bill nur und
wand sich als erster wieder seinem Frühstück zu.
"Severus,
kann das der Grund sein, dass man überlebt?"
"Es wäre
möglich. Sogar ziemlich. Die meisten, die die Einnahme des
Trankes überlebt haben, waren Kinder. Nur wenige Erwachsene
haben es überlebt."
"Ähm, Tom...das würde aber
bedeuten, dass du sein erster wärst.", meinte Draco
vorsichtig. "Und ich bezweifle, dass er umsonst gewartet hat, so
viele Angebote, wie er in Hogwarts bekommen hat."
Tom stand auf
und folgte Harry. Sie mussten unbedingt darüber reden, immerhin
wollte er Harry nicht verletzten.
Er fand den Schwarzhaarigen
in seinem Zimmer, wo er gerade nur mit einer Pyjamahose bekleidet,
das Bad verließ.
"Harry?", fragte Tom vorsichtig.
"Lach
ruhig. Ich weiß, dass es komisch ist, in meinem Alter noch
Jungfrau zu sein."
"Ich will dich nicht auslachen aber, warum?
So wie du aussiehst, könntest du jeden haben."
"Ich
wollte warten, bis ich auf jemanden treffe, den ich wirklich liebe,
aber das ist ja jetzt auch egal. Freu dich lieber, du bist der Erste,
der ran darf.", meinte Harry und starrte aus dem Fenster, zu dem
er, während er gesprochen hatte, gegangen war. In der Spiegelung
der Scheibe sah Tom Harrys traurige Augen.
"Tut mir leid, das
ich diese Anforderung nicht erfülle. Sollen wir mit der Hochzeit
warten?"
"Nein, das würde sowieso nichts bringen.",
meinte Harry nur und dachte an denjenigen, an den er sein Herz
verloren hatte. Harry hatte lange darüber nachgedacht, warum ihm
dieser Kuss nicht aus dem Sinn gegangen war und warum er solches
Herzklopfen hatte, wenn er daran zurückdachte. Er hatte sich in
den Voldemort aus der anderen Dimension verliebt. Da war er sich
sicher. Aber dieser Tom hier, war ein anderer als der, den er in der
anderen Dimension getroffen hatte. Somit hatte er sein Herz an
jemandem verloren, der für ihn unerreichbar war.
"Bist du
dir sicher?"
"Ja. Würdest du jetzt bitte gehen, ich würde
gerne etwas schlafen.
"Natürlich. Du hast viel mitgemacht.
Verzeih mir.", meinte Tom, verließ das Zimmer und zog hinter
sich die Tür zu. Harry drehte sich erstaunt um und sah die
geschlossene Tür an.
Fast das gleiche hatte Tom ihm auch in
der anderen Dimension gesagt. War er...vielleicht doch derselbe?
Harry stürzte zur Tür und riss sie auf. Er wusste nur einen
Weg, das herauszufinden.
"Tom, warte!!", rief Harry.
Tom
blieb stehen und drehte sich mit fragendem Blick um. Harry ging
vorsichtig auf ihn zu.
"Würdest du mir einen Gefallen
tun?"
"Welchen?"
"Mach die Augen zu und bleib einfach
so stehen."
Tom seufzte tief. Er schloss seine Augen, fest damit
rechnend, dass Harry ihm eine runterhauen würde. Was er dann
aber spürte, ließ ihn die Augen wieder aufreißen.
Warme,
sanfte Lippen legten sich zögernd auf seine. Nur kurz sah er in
Harrys halbgeöffnete Augen, aus denen die ersten Tränen
liefen.
Harry war in diesem Moment zum ersten Mal seit langer Zeit
glücklich. Er kannte den Geschmack dieser Lippen. Und er kannte
das warme Gefühl in seiner Magengegend, dass sich auszubreiten
begann, als er diese zarten Lippen erneut kosten durfte. Langsam
löste er sich wieder von Tom und sah dem Älteren in die vor
Schreck geweiteten Augen.
"Du bist es.", flüsterte Harry
noch, bevor die Welt um ihn herum schwarz wurde und er ohnmächtig
in sich zusammensackte. Tom bewahrte den schmalen, kleineren Körper
vor sich vor einer schmerzhaften Bekanntschaft mit dem Boden, in dem
er ihn geistesgegenwärtig auffing. Noch immer zutiefst verwirrt
über den Kuss, nahm er Harry auf die Arme und trug ihn zurück
in sein Zimmer. Er verstand nicht, warum der Jüngere ihn auf
einmal geküsst hatte. Und er verstand auch nicht, was dessen
komische Worte, als er den Kuss gelöst hatte, bedeuten
sollten.
Noch immer verwirrt ging er zurück in die
Küche.
"Severus, könntest du mal nach Harry sehen. Er
ist vorhin zusammengeklappt. Wahrscheinlich der Stress der letzten
Tage, aber sicher ist sicher.", meinte Tom geistesabwesend, als er
die Küche betrat.
"Was hat er gesagt?", fragte Draco
neugierig, als Severus den Raum verlassen hatte um nach Harry zu
sehen.
"Dass er auf jemanden warten wollte, den er wirklich
liebt.", antwortete Tom, noch immer geistesabwesend.
"Erde an
Tom? Was ist da oben passiert, dass du so weggetreten wirkst?",
fragte Bill nach, als er Toms Gesichtsausdruck bemerkte.
"Er hat
mich geküsst. Einfach so, als ich gerade gehen wollte. Dann hat
er irgendwas von wegen, du bist es, gemurmelt und ist
umgekippt."
/Echt? Hat er das gesagt? Hat er wirklich gesagt, du
bist es?/, fragte Illeneus neugierig nach. Er war der einzige im
ganzen Haus, der von dem Kuss in der anderen Dimension wusste. Und er
wusste auch, dass Harry sich in den dortigen Voldemort verliebt
hatte.
"Ja. Warum fragst du?"
/Wenn du ihm weh tust, schwör
ich dir, war es das Letzte, was du jemals getan haben wirst.
Verstanden./
"Ich habe nicht vor, ihn zu verletzten. Ist alles
festgelegt. Keine Angst."
/Was genau steht in diesem
Vertrag?/
"Da steht drinnen, das Harry und ich heiraten, unter
den Bedingungen, dass:
1. Ich keinem Wesen, das in diesem Haus
lebt, Schaden zufüge.
2. Ich ihn hier in Ruhe leben lasse.
3.
Er mir gegenüber, außer der Hochzeitsnacht, keine weiteren
Verpflichtungen hat.
4. Ich mich dazu verpflichte, sollte er sich
verlieben, nicht zwischen den beiden zu stehen.
5. Er kompletten
Einfluss auf den Clan hat und meine Entscheidungen anzweifeln und
aufheben darf.
und 6. Er sich dazu verpflichtet, sollte er nicht
in Riddle Manor einziehen, hier ein paar Todesser zu beherbergen, die
mir für seine Sicherheit verantwortlich sind.
Wir waren beide
mit diesen Regeln einverstanden und Harry selbst hat auf diesen
Vertrag bestanden."
/Was ist, wenn er sich in dich
verliebt?/
"Wie kommst du auf so einen schwachsinnige Idee.
Harry will mich zwar nicht mehr töten, aber er hasst mich.",
sagte Tom, der inzwischen wieder in die Realität zurückgefunden
hatte.
/Nur mal angenommen. Was ist, wenn er sich in die
verliebt./
"Der Vertrag wird wahrscheinlich trotzdem bestehen
bleiben, da er seinen freien Willen ja behält."
/Ich meinte
damit, was dann mit dir wäre, du Trottel./
"Ich weiß
nicht, ob ich seine Gefühle erwidern könnte, aber ich würde
ihn so gut behandeln, wie es mir möglich ist. Er musste, meiner
Meinung nach, schon genug durchmachen und hätte ein bisschen
Wärme und Geborgenheit verdient. Ich würde versuchen, ihm
das zu geben, aber ob ich ihn lieben könnte, das weiß ich
nicht."
"Warum weißt du das nicht?", fragte Bill
nach.
"Ich kenn ihn doch gar nicht richtig."
"Und da
sitzt du noch hier rum? Tom, du wirst ihn heiraten, also versuch ihn
kennen zu lernen. Er ist absolut liebenswert und ein echtes
Goldstück."
"Sag mal, Brüderchen, kann es sein, dass
du in ihn verschossen bist?", fragte Fred und grinste Bill fies
an.
Dieser wurde nur leicht rot im Gesicht und wandte sich wieder
seinem Frühstück zu.
Tom beschloss in diesem Moment,
Harry etwas besser kennen zu lernen, bevor sie heirateten. Nicht den
Goldjungen Dumbledores oder aber die Ikone der Zaubererwelt – nein
- sondern den jungen Mann, der hinter dem ganzen Rummel steckte. Den
Menschen, der er wirklich war.
