Frühstückszeit. Heute hat Hermine frei, da es Sonntag war. Es war eine Woche lang her, als sie im Zauberermuseum von niemand anderen als Draco Malfoy erwischt wurde, während sie auf Beutejagd ging. Statt Schande und Gefängnis beschlossen sie, zusammen zu arbeiten. Hermine konnte es immer noch nicht fassen, am Frühstückstisch bei ihr zu Hause zu sitzen. Wenn Draco nicht den Deal vorgeschlagen hätte, säße sie jetzt im Gefängnis und musste die enttäuschten Gesichter ansehen, von ihren Freunden, von ihren Mitarbeitern, vor der ganzen Gesellschaft.

Die Tatsache musste sie erst mal verdauen, deshalb hatte sie seit dem misslungenen Einbruch nichts mehr gestohlen. Sogar die Presse brachte ein Artikel raus, wo sie schrieben, dass langsam Hoffnung aufkeimte und der mysteriöse Dieb vielleicht in ein anderes Land gezogen sei, weil es nicht seinem Motiv entsprach, eine Pause zu machen. Doch sie waren sich nicht ganz sicher, da erst sieben Tage vergangen waren und davor noch ein Einbruch im Zauberermuseum geschehen war.

Hermine hatte ganz andere Sachen im Kopf. Wann musste sie sich mit Draco treffen, für die nächste Ausplünderung? Bisher hatte er sich nicht gemeldet, doch auch er war sehr beschäftigt.

Um einen freien Kopf zu bekommen, beschloss Hermine einen Spaziergang zu nehmen. Nachdem sie sich fertig angekleidet hatte, trat sie in die frische Luft hinaus. Meistens ging sie spazieren, wenn sie nachdenken wollte. Und es gab vieles, worüber Hermine denken wollte. Wie kam sie auf die Idee, überhaupt eine zweite Identität zu basteln? Warum fing sie plötzlich mit dem Stehlen an? Was brachte sie auf diese Idee? Wieso ging sie in dieses Risiko ein? Plötzlich fiel ihr ein schmerzhafter Gedanke ein, die sie schon sehr oft durchdacht hatte, bevor sie damit anfing. Was ist, wenn sie für immer unverheiratet sein wird? Und wenn, irgendwann musste sie doch ihrem Mann es gestehen. Wie würde er reagieren über ihre nächtlichen Aktivitäten? Natürlich, dachte Hermine bitter, er wird direkt zum Zaubererministerium laufen und es ihnen berichten, wer Schande über die Nation gebracht hat. Dann sitzt sie zum Schluss im Gefängnis, ganz zu schweigen noch mit gebrochenem Herzen, da sie ihren noch nicht vorhandenen Mann geliebt hatte.

Ja, dieses Risiko hatte sie tausendmal überdacht. Jedes Mal die gleiche Lösung. Bleib Single. Lass dich niemand mit jemanden ein, der mehr als eine Nacht von dir will. Doch diese Erkenntnis blieb schmerzhaft. Sie war Einzelkind und wenn sie Single blieb bis ins Grab, was würde ihre Eltern denken? Sie würden sich Fragen stellen und traurig sein, weil sie dann keine Enkelkinder haben. Ja, das war der Preis, den sie zahlen musste. Keine Familie. Kein Familienglück. Keine schlaue Kinder, obwohl doch Hermine sich immer Kinder gewünscht hat. Und keine Liebe. Doch ihre „Extremsportart" erforderte solche Opfer und meistens lohnte es sich auch.

Hermine spazierte schon seit einiger Zeit und wollte wieder nach Hause. Sie versuchte krampfhaft ihre aufgestiegenen Tränen zurückzuhalten, bei dem Gedanken daran, dass sie ihre Liebe mit niemand teilen konnte. Doch zurück zu der Frage, wieso sie auf diese Gedanken kam.

Flashback

Sie hatte den Posten als Chefin für ihre Abteilung erst seit zwei Monaten. Und schon wieder einmal hatte sie einen Fall erfolgreich gelöst. Der Fall war nicht sehr schwer gewesen, der Dieb hatte sich durch sein Verhalten verraten. Man hat unsichtbare WebCams bei einer Falle angewendet. Hermine hatte sich sein Motiv gemerkt und vieles mehr, was den anderen Auroren entgangen war. Der Dieb war vom Beruf her Muggel-Tresorenhersteller. Jedes Mal, wenn er ein Tresor aufknackte, schaute er sich ein Tresor von den Seiten an. Danach tastet er es ab und klopft leicht. Und wenn er sich vorbeugt war sein Rücken komisch gekrümmt. All diese Symptome hatten ihn verraten, als Hermine seinem Laden einen Besuch abstattete und er dabei war, einem Kunden die Sicherheit des Tresors vorführte. Man hatte ihn sofort festgenommen und hat dabei erstaunt festgestellt, dass er eigentlich finanziell keine Probleme hatte. Denn er war für seine sicheren Tresore in der Muggelwelt bekannt, deshalb kauften nur noble Leute bei ihm ein.

Bei der Frage, warum er das mache, antwortete er wie betäubt: „Ach, dieses Gefühl…Sie werden es nie verstehen…ja, ich klaue nur wegen einem doofen Gefühl…"

Genau bei diesen Worten wurde Hermine neugierig, zeigte es aber nicht.

Warum brechen sie immer ohne Zauberstab ein?", fragte ein Auror.

Mein Zauberstab ist nicht meiner, es ist auch gestohlen und es wäre aufgefallen, wenn ich damit zaubern würde…aber sie verstehen nicht, ich musste es tun! Ich halte es nicht aus, nachts ruhig zu schlafen, während ich weiß, dass noch tausende von ungeknackten Tresoren in England auf mich warten! Nein, bitte, verstehen sie mich, bitte! Es ist wie Rauchen…bitte, sperren sie mich nicht ein…bitte…mein Geschäft…", bettelte er verzweifelt. Die Auroren schüttelten verständnislos ihre Köpfe.

Gut, wir nehmen an, dass er geistig nicht ganz bei sich ist. Er ist somit schuldig und die Strafe wird nachher festgelegt. Ich muss noch Personalien von ihm aufschreiben. Ihr könnt gehen", befahl sie den Auroren. Als die Tür hinter ihr zufiel, beugte sie sich langsam vor, als ob sie versuchte den Angeklagten zu verführen und flüsterte bedeutsam und ruhig: „Beschreiben sie dieses Gefühl ganz genau und sie dürfen einen Monat weniger im Gefängnis sitzen"

Nach der Ausfragung spürte sie ein Drang, es auch zu tun. Sie wollte endlich was Aufregendes machen. So kam es zu den ersten Ausbeutungen, wo es ihr gar nicht geheuer war. Sie war nervös und schuldbewusst, als sie die traurigen oder verheulten Gesichter von den Bestohlenen sah. Doch sie machte weiter, jede Erfahrung härtete sie ab, mit jeder Inspektion wurde sie mitleidsloser, mit jeder Nacht wurde sie geschickter, erfahrener, konzentrierter, einfach besser und nach einem Monat war sie gefangen, gefangen in der Sucht, gefangen im Bann, gefangen in einer kriminellen Welt und gefangen in einer ewigen Schuld…

Flashback Ende

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