7. His Father's Study
„In life, the monsters win."
George R.R. Martin, A Game of Thrones
Seine Hand lag nachdenklich über seinem Mund, während sein Blick Teresa Zabini folgte, die Kreise durch sein Büro tigerte und sich über das Ministerium und die Menschen, die darin arbeiteten, aufregte. Sein Tag hätte gemütlich sein können, aber nein. Und wenn er ehrlich mit sich war, dann waren seine Tage eher selten gemütlich.
„Und wie in Merlins Namen sollen wir denn weiter wohltätig sein, wenn uns unser Vermögen streitig gemacht wird? Von einer-! Von dieser… dieser Person!", spuckte sie ihm außer sich entgegen. Es war so, dass Teresa sich über eine Sache solange ergehen konnte, bis selbst sie vergessen hatte, worüber sie gerade philosophierte. „Lucius!", verlangte sie erbarmungslos seine Aufmerksamkeit. Lucius war keine vierzig mehr. Merlin, er wäre in zwei Monaten keine fünfzig mehr, und die Zeit machte für ihn keine Ausnahmen.
Es gab keine Ausnahmen mehr für ihn.
„Mh", machte er also.
„Ist das alles, was du zu sagen hast?", wollte Teresa gefährlich ruhig von ihm wissen.
„Ich-", begann er ausgewählt bedächtig, aber Terese hatte bereits den nächsten Dorn im Auge.
„-und wo ist er? Wo ist dein fabelhafter Sohn? Wie lange soll das Büro noch leer stehen? Ich meine, ich habe einen Neffen, Lucius. Er ist begabt, hat seine Aufmerksamkeit ganz und gar der Vereinigung versprochen und wäre-"
„-er kommt", unterbrach Lucius sie beschwichtigend, mit Worten, dessen Wahrheit er nicht bestätigen konnte.
„Wann?", wollte Teresa ungnädig wissen. Lucius atmete müde aus.
„Bald", versprach er erneut vollkommen gelassen.
„Lucius, wenn dir die Arbeit zu schwierig wird, musst du nur ein Wort sagen. Nur einen Ton, und wir finden einen Ersatz für-"
„-Teresa, deine Sorgen sind unbegründet. Niemand, nicht einmal Miss Granger, wird uns vor das Ministeriumsgericht bekommen. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. Sie wird einen solchen Betrag nicht einziehen können, und erst recht nicht rückwirkend."
„Ich habe diese Menge an Gold nicht einfach so herum liegen, Lucius!", entrüstete sie sich.
„Wie ich schon sagte, das ist auch nicht nötig", wiederholte er gepresst.
„Wenn, dann kannst es auf dich nehmen. Ich meine, diese Art von Gold ist schließlich bei den Malfoys zu suchen, wohl kaum bei den Zabinis!", griff sie ihn direkt an. Lucius musterte sie.
„Was soll das bedeuten?"
„Das soll bedeuten, dass Narzissa und du euch bedeckt haltet. Ihr spendet nicht, was ihr könntet, ihr geht an keine finanziellen Grenzen, ihr-"
„-lass dir gesagt sein, dass auch wir keine 200 Millionen unter der Matratze liegen haben", unterbrach er sie rigoros.
„Nein, aber 200 Millionen würden eurem Verlies wenig ausmachen, oder nicht?", fragte sie direkt. Und so ungerne Lucius Fragen über die Vergangenheit beantwortete, so ungerne beantwortete er Fragen über sein Gold.
„Ich denke, dieses Gespräch hat sein Ende gefunden, Teresa?", erwiderte er eindeutig. Sie wirkte nicht zufrieden. „Es wird nicht soweit kommen", versprach er erneut, und wie zur Bestätigung hörte er plötzlich laute Stimmen vor dem Fenster auf dem Platz. Teresa hatte sich abgewandt und war zu den langen getönten Fenstern marschiert.
„Gut zu wissen", entfuhr es ihr kalt. „Wirklich gut zu wissen, Lucius. Wieso sagst du es den Demonstranten nicht direkt?", ergänzte sie mit einem freudlosen Lächeln und deutete auffordernd nach draußen.
Das durfte doch wohl nicht-! Er hatte sich erhoben und schritt ebenfalls zu den Fenstern. Er atmete entnervt aus. Eine kleine Menschenmenge hatte sich tatsächlich mit magischen Bannern vor dem Gebäude versammelt, prangerte das Reinblütertum an, die fragwürdigen Machenschaften der Vereinigung und seinen Namen allgemein.
Er ging zurück zum Kamin hinter seinem Schreibtisch, warf eine Handvoll Pulver in die Flammen und der Kopf seiner Sekretärin erschien keine Sekunde später.
„Mr. Malfoy, Sir?"
„Was wird das da draußen?", erkundigte er sich ungeduldig. Die Dame räusperte sich.
„Sir, ich nehme an, es handelt sich um eine Demonstration", antwortete sie höflich.
„Sein Sie so gut und zerschlagen Sie diese, Miss Hester", knurrte er.
„Sehr wohl, Mr. Malfoy, Sir", erwiderte sie eilig und ihr Kopf verschwand aus den Flammen. Er rieb sich über die Stirn.
„Und? Sind meine Sorgen noch immer unbegründet?", unterbrach Teresas scheinheilige Stimme seine Gedanken.
„Declan!", rief er Richtung Flur, und sein Sicherheitszauberer betrat anschließend sein Büro.
„Ja, Sir?" Er trug einen schwarzen unauffälligen Anzug, den Zauberstab griffbereit im Gürtel.
„Finden Sie heraus, wer Kopf dieser Demonstration ist und nehmen Sie diese Person in Untersuchungshaft. Ein widerrechtliches Betreten des Grundstücks ist untersagt. Sagen Sie meinem Sohn Bescheid, dass ich Wert auf seine Anwesenheit bei der Verhandlung lege!", befahl er knapp, und Declan nickte ungerührt.
„Sehr wohl Mr. Malfoy, Sir", verabschiedete sich der Mann und verließ das Büro wieder.
„Wenn ich sage, du brauchst dir keine Gedanken machen, dann meine ich jedes Wort ernst, Teresa. Und wenn ich dich jetzt bitten dürfte, mein Büro zu verlassen? Manche von uns arbeiten nämlich tatsächlich und planen nicht nur Teepartys", gab er zu bedenken, und sie schenkte ihm noch einen tödlichen Blick.
„Es ist eine Dinnerparty, Lucius. Zur Unterstützung der magischen Jagdgesellschaft gegen die Überpopulation der Knurr-Rehe, damit sie keine Gefahr für diese undankbaren Muggel darstellen!", spuckte sie ihm entgegen. „Und das eingenommene Spendengold geht direkt an das magische Krankenhaus für Kinder-Im-… äh, Kinder-"
Er konnte gerade so verhindern, dass seine Augenbraue spöttisch in die Höhe wanderte. „Kinder-Impetigo?", schlug er ihr das Wort vor, weswegen sich die Vereinigung nun seit Wochen traf. Und ihre Mundwinkel zogen sich bitter nach unten.
„Ja", zischte sie zornig.
„Du findest den Weg?", erwiderte er abschätzend, und mit zornigen Schritten verließ sie sein Büro. Merlin, irgendwann würde er noch eine Eingangskontrolle aufstellen, und alles, was Zabini hieß, hatte gefälligst draußen zu bleiben!
So weit Männerfreundschaften gingen, so schnell endeten sie auch. Draco legte nicht besonders viel Wert auf diese Art von Freundschaften, denn andere Alphatiere waren ihm bloß im Weg. Sie waren nichts weiter als Konkurrenz, denn soweit es ihn betraf, rammte ihm jeder Konkurrent irgendwann das Messer in den Rücken. Zum Trinken waren Männer die bessere Gesellschaft. Für tiefschürfende Gespräche, sollte er jemals das Bedürfnis haben, ein solches zu führen, würde er auch männliche Gesellschaft bevorzugen.
Aber im Moment waren die einzigen männlichen Neigungen seine eigenen, die er ertragen konnte.
Er hatte auf ein morgendliches Heiler-Gespräch mit Preston verzichtet, der ihn bereits im Mungo empfangen, begrüßt und mit Earl Grey versorgt hatte. Denn er war froh, nach dieser Nacht, aufgestanden zu sein. Diese Tänzerinnen waren wirklich ausdauernd gewesen. Auf die beste Art und Weise.
Und heute ging er sicher, niemals Nachkommen zu zeugen.
„Mr. Malfoy, wir wären soweit", empfing ihn eine Schwester, und er erhob sich aus dem bequemen Sessel. Eigentlich war Preston für Innere Fluchschäden zuständig, aber für die richtigen Kunden machte er die richtige Ausnahme. Und Draco zahlte gutes Gold.
Er folgte der Schwester in ein Behandlungszimmer, ließ sich den Mantel abnehmen und öffnete müde die Knöpfe seines Hemds.
„Wunderbaren guten Morgen, Mr. Malfoy", begrüßte ihn Preston munter und viel zu gut gelaunt. „Lange Nacht gehabt?", fing er unverfänglich das Gespräch an, während er seinen Zauberstab vorbereitete. „Das Hemd können Sie anlassen, die Hose ebenfalls. Es ist ein schneller Zauber. Permanent, aber absolut komfortabel."
„Selber ausprobiert?", wollte Draco knapp wissen, während seine Stimme reibeisenrau klang.
„Aber natürlich. Allerdings habe ich die Evolution nicht um meine Samen beraubt, sondern eine Probe abgegeben." Er zwinkerte bei seinen Worten. „Quasi der Hauptgewinn für eine reiche Patientin, wenn sie denn klug genug ist." Draco begriff nicht wirklich.
„Was?", entfuhr es ihm weniger intelligent zu so früher Stunde.
„Samenspende", erläuterte Preston lächelnd, als wäre es nicht halb so eklig, wie es klang. Draco verzog angewidert den Mund. „Kann ich Sie dafür begeistern?", fuhr Preston fort, aber Draco schüttelte hastig den Kopf.
„Auf gar keinen Fall. Niemals." Das wäre ja noch schlimmer! Seinen kostbaren Samen verschenken, ohne dass eine Frau überhaupt etwas dafür tun müsste!
„Wie Sie wollen. Dann setzen Sie sich, lehnen Sie sich zurück, es dauert keine Minute."
Preston händigte ihm einige Formulare aus, damit er das Mungo nicht verklagen würde, wenn er sich seine Meinung anders überlegen sollte. Er unterschrieb sie blind und gerne. Seine Meinung änderte er so gut wie nie. Es tat nicht gut, wankelmütig zu sein. Es half auch keinem, ständig anderer Meinung zu sein. Er glaubte auch nicht daran, dass reiferes Alter ihn zu neuen Einsichten bringen würde. Er war sich sicher, er hatte seine Prioritäten in bester Ordnung sortiert.
„Dann wollen wir mal", bestätigte Preston und zog den Zauberstab. Draco schloss die Augen, denn er brauchte dringend Ruhe. Und dann würde er sein Apartment verkaufen. Vielleicht sogar mit lukrativem Gewinn. Sein Vater hatte heute versucht, ihn zu erreichen, aber er hatte kein Interesse an jedwedem Kontakt gehabt. Schlimm genug, dass er am Wochenende zum Essen auftauchen musste.
Das Unternehmen seines Vaters war das geeignete Sprungbrett gewesen, aber Draco war darüber hinaus gewachsen. Schon vor einer Ewigkeit. Er war für Besseres geschaffen, für Höheres geeignet. Die Vereinigung zu beraten war nichts, was er tun wollte, geschweige denn, wofür er die besten Jahre seines Lebens hingeben würde.
Er hatte studiert, hatte mit Auszeichnung abgeschlossen, und es befielen ihn regelrecht Albträume, wenn er daran dachte, sein Dasein, wie sein Vater, in der Malfoy Group fristen zu müssen. Amerika wartete auf ihn. Weit weg von seinen Eltern, weit weg von allen Konventionen. Und er wusste, sein Vater hielt die Position im Unternehmen weiterhin offen. Er wollte ihn, Draco, dort sitzen haben. Aber Draco hatte ihm bereits deutlich zu verstehen gegeben, dass er nicht bleiben würde. Auch nicht für die Familie. Erst recht nicht dafür!
Und Draco ließ sich nicht zwingen, nicht festhalten, nicht durch gutes Zureden und Vernunftgesprächen dazu bewegen, etwas zu tun, was er nicht tun wollte. Es engte ihn ein. Der ganze Reinblüter-Quatsch langweilte ihn zu Tode. Das Gold war nett. Und es war seins. Er hatte seinen festen Anteil, der unumstößlich sein Eigentum sein würde.
Und der Vertrag war aufgesetzt. Er war Partner der magischen Kanzlei.
Sie hatte ihren Hauptsitz in New York, unterstützte magische Investoren auf der ganzen Welt, und Draco konnte dem kleinbürgerlichen Reichtum endlich Lebewohl sagen und bei ‚Burgh & Baine' eine echte Karriere beginnen. Und sie wollten ihn. Sein Name besaß einen urbanen Reiz. Ländlicher, magischer Adel. Und er war ungebunden, er war kaum noch zu halten.
Nur im Moment war er wirklich, wirklich müde.
Und tatsächlich machte es ihr der Zauber nicht einfacher. Auch heute war ihr so übel, als befände sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff, mitten auf dem Ozean bei Windstärke Zwölf, ohne Aussicht auf Land in Sicht. Sie war völlig bereit, ihr Leben zu veräußern, für nur fünf Minuten ohne Schwindel in ihrem Kopf.
Es klopfte hart gegen ihre Tür. Sie hatte sich krank gemeldet, und für gewöhnlich klopften die Eulen nicht, wenn sie Pakete brachten. Hermine band sich den Bademantel fester um den Körper und wankte zur Tür. Vielleicht war es Neville, der sie zur Demo abholen wollte. Natürlich würde sie so nicht teilnehmen können. Sie wollte mit keinem reden. Sie wollte sich zusammenrollen und sterben. Mehr nicht.
Sie öffnete die Tür und musste sich am Türrahmen abstützen. Und kurz öffnete sich ihr Mund.
Es herrschte ein kurzer Moment unangenehmer Stille, und sie hätte sich am liebsten direkt übergeben.
„Miss Granger", begrüßte sie ihr gegenüber kühl und konsterniert, während ein Leibeigener anscheinend seinen Koffer trug und der andere an ihre Tür geschlagen haben musste.
„Was wollen Sie?", kürzte Hermine die karge Begrüßung ab, hielt sich ihren Bauch und konnte mit dieser Situation gerade nicht wirklich umgehen. Lucius Malfoy schien ihre nichtvorhandene Hochachtung gegenüber seiner Gestalt weder ernstzunehmen, noch überhaupt weiter zu beachten. Am liebsten hätte sie ihn angeschrien. Er brauchte überhaupt nicht so auszusehen, als verdiene er einen roten Teppich ausgelegt, während alle Bürgerlichen vor ihm auf die Knie fielen, wo auch immer er lang flanierte!
Es regte Hermine einfach schon auf, ihn zu sehen! An die Vereinigung der beknackten Reinblüter zu denken, regte sie schon auf! Und er verhielt sich jedes Mal so schrecklich arrogant! Er behandelte alles und jeden, der nicht mit unverdientem Gold geboren worden war von oben herab. Und sie hasste es. Diese Heucheleien dieser verdammten Gesellschaft! Und gerne würde sie diese Worte laut sagen, aber sie konnte nicht. Ihr Körper ließ es heute leider nicht zu.
Er war flankiert von seinem Personal erschienen, und ganz kurz leuchtete in ihrem Kopf eine schwache Erinnerung. Lucius erinnerte sie an seinen Sohn, denn auch dieser war im Schloss immer nur flankiert von seiner Leibgarde auftaucht. Sie dachte daran nur, weil sie es als Kind schon immer lächerlich und seltsam gefunden hatte. Gott, sie hasste diese Leute! Sie konnte nur annehmen, Lucius hatte mit Draco Malfoy eine genauso feige Kopie von sich selbst erzogen, und Hermines Fingerspitzen kribbelten heiß bei seinem reichen, verlogenen Anblick.
„Ich dachte, ich informiere Sie persönlich darüber, dass drei Ihrer Mitstreiter in Untersuchungshaft im Ministerium sitzen", erklärte er ruhig. Sie blinzelte kurz. Er hatte sie unsanft aus ihren bösen Gedanken gerissen.
„Was?"
„Sie sind es doch, die verantwortlich für diese lächerliche Demonstration heute war? Zumindest steht Ihr Name auf den Anträgen", fuhr er fort, ohne ihrem Zustand besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen. Sie krümmte sich vornüber. Mist! Die Demo war vorbei? Und die Leute hatten ihr nicht Bescheid gegeben. Na, das würde noch ein Donnerwetter geben.
„Au – wissen Sie", begann sie mühsam. „Ich muss gerade mal weg!", würgte sie knapp hervor, ehe sie in Richtung Gästebad rannte. Sie hatte die Tür einen Spalt offen gelassen. Es war ihr egal, ob Lucius Malfoy nun in ihrem Haus ein Mahnfeuer zünden würde oder alles in die Luft jagte! Sie erreichte das Bad, knallte die kleine Tür zu und schaffte es noch gerade ebenso sich auf die Fliesen zu werfen. Den Klodeckel hatte sie gar nicht erst runter geklappt.
Sie erbrach ihr nicht gegessenes Frühstück. Immerhin ging es schnell, denn eigentlich gab es in ihrem Körper nichts, was sie loswerden müsste. Mit geschlossenen Augen verharrte sie über der Kloschüssel. Es hätten fünf Minuten vergangen sein können oder auch zehn.
Sie erhob sich nach einer Ewigkeit, taumelte zum Waschbecken und spülte sich langsam den Mund aus.
„Wieso tust du mir das an?", wollte sie anklagend von ihrem Unterleib wissen, den sie mitgenommen im Spiegel fixierte. „Was habe ich dir je getan?", flüsterte sie schwach, ehe sie den Bademantel straffer zog und die Toilette wieder verließ.
Sie zuckte zusammen vor Schreck, denn Lucius und seine Lakaien standen mittlerweile in ihrem Flur.
„Ist es, was auch immer Sie haben, ansteckend?", wollte er eine Spur angewidert wissen, und sie nahm seine Gestalt völlig auf. Er trug schwarz. Sein schimmernder Anzug war protzig und angeberisch. Und sie wollte ihn nicht in ihrem Haus haben.
„Das kann ich mir nicht denken", erwiderte sie trocken, aber er musterte sie misstrauisch. „Verlassen Sie mein Haus", ergänzte sie zorniger.
„Sehr gerne. Sie müssen nur unterschreiben." Sie starrte ihn an. Was? Ein dritter Mann betrat unaufgefordert ihr Haus.
„Hallo, ach, gut, dass Sie alle hier sind", sagte der fremde Mann und trat sich immerhin die Füße ab. „Bennett, mein Name, Miss Granger", stellte er sich vor. „Das hier ist eine einstweilige Verfügung, die Ihnen verbietet, Demonstrationen auf dem Grundstück der Malfoy Group durchzuführen. Wären Sie so gut?" Er hielt ihr ein Blatt Pergament unter die Nase, eine Feder in der anderen Hand.
„Sagen Sie, was fällt Ihnen allen eigentlich ein, mein Haus unaufgefordert zu betreten?", donnerte sie jetzt, ohne Höflichkeit oder Geduld. „Und wenn ich nicht unterschreibe?", fuhr sie zornig fort und fixierte den dritten Mann. „Was passiert dann? Bringen Sie mich dann um und lassen das Dunkle Mal über meinem Haus leuchten?", schnappte sie bitter, und der Mann namens Bennett wirkte äußerst betroffen.
In arroganter Manie schenkte ihr Lucius ein nachsichtiges Lächeln. Oh, er hielt sich für so liberal, für so unschuldig! Grrr! Am liebsten würde sie-
„-na-natürlich würden wir nichts dergleichen tun?", erwiderte der Mann unsicher, mit einem hilfesuchenden Blick in die Richtung von Lucius Malfoy.
„Glauben Sie mir, ich möchte hier nicht sein. Wirklich nicht", betonte Lucius ernsthaft, und Hermine spürte, wie sich ihre Oberlippe kräuselte.
„Ich habe Recht. Und das wissen Sie!", informierte sie ihn boshaft.
„Haben Sie das?", ging er mit spöttisch erhobenen Augenbrauen auf ihre Worte ein.
„Ja! Sie verdienen keine 200 Millionen Galleonen. Für was, frage ich mich, benötigen die Reichen der Gesellschaft so viel Gold? Ich frage sie ernsthaft, Mr. Malfoy!", knurrte sie. Aber er machte eine abschätzende Geste.
„Wissen Sie, das sind komplizierte Gesetze von denen Sie, mit Verlaub, nicht die geringste Ahnung haben. Und ich denke, heute ist nicht der richtige Anlass, darüber zu diskutieren", wiegelte er ihre Worte ab. „In Ihrem Zustand, in diesem Haus", beleidigte er sie glatt, und sie ballte die Hände zu Fäusten.
„Sie und Ihre Gesellschaft sind Gift für normale Menschen!", zischte sie, und Lucius betrachtete sie fast mitleidig, als wäre sie eine verrückte Furie.
„Vielleicht… äh… würden Sie unterschreiben, Miss Granger?", versuchte der Rechtsmagier erneut sein Glück. Sie wandte sich kochend an ihn. Sie wollte wissen, wer in Untersuchungshaft saß. Bestimmt arme, dumme Weltverbesserer, die sie auch noch angestiftet hatte.
„Was passiert mit den Leuten in Untersuchungshaft?"
„Mit Ihrer Unterschrift dürfen diese gehen", sagte der Rechtsmagier, erleichtert, dass sie ihn zur Kenntnis nahm. Aber sie merkte schon, sie würde heute keinen Kampfgeist aufrechterhalten können. Aber er bemerkte ihr Zögern. „Miss Granger, es hindert Sie nicht, vor dem Ministeriumsgericht zu sprechen, es dient lediglich-"
„-ok, fein. Schon gut!", lenkte sie ein, denn der Schwindel kehrte zurück. Sie musste sich am Türrahmen zum Wohnzimmer abstützen. Ihre Hand hielt ihren Unterleib, und mit der rechten Hand zeichnete sie ihren Namen unter das Pergament. Ungerne und nicht besonders leserlich.
„Das… ging schneller als erwartet", bemerkte der Rechtsmagier verblüfft. Normalerweise unterschrieb sie nie. Gar nichts. Für niemanden. Aber es gab immer ein erstes Mal, nahm sie an. „Alles in Ordnung?", erkundigte sich der Rechtsmagier besorgt.
„Alles bestens", murrte sie. „Und jetzt verschwinden Sie!", zischte sie, an alle Anwesenden gewandt.
Und Mr. Bennett beeilte sich, danach folgten die Lakaien, und Lucius schenkte ihr einen knappen Blick aus grauen Augen. Die blonden Haare waren zum Zopf gebunden, aber bereits mit Grau durchzogen. Er überragte sie einen unangenehmen Kopf weit.
Sie bemerkte, sein Blick ging kurz über ihren Kopf hinaus. Im Wohnzimmer schwebten die Ballons mittlerweile müde ein wenig unterhalb der Decke und wechselten die Farben nicht mehr.
Auch den pinken Banner hatte sie nicht entfernt, denn gestern war sie froh gewesen, als sie endlich eingeschlafen war. Und sie nahm an, er kombinierte messerscharf. Aber selbst ein Troll würde wohl zum richtigen Schluss kommen.
„Kieselbacherde", sagte er schließlich, und Hermine hob verwirrt den Blick zu seinem ausdruckslosen Gesicht. Merlin, sie hasste diesen Mann. Und wieso stand er noch immer hier? „Das hat meiner Frau in den ersten Wochen geholfen", schloss er und hatte sich abgewandt.
Ihre Tür fiel hinter ihm leise ins Schloss.
Sie war sich nicht sicher, ob sie es dreist und unpassend von ihm fand, ihr solche Ratschläge zu geben, oder ob er einfach nur ein Mann war, der überall seinen Senf dazugeben musste. Sie brauchte seine Ratschläge jedenfalls nicht! Sie hasste seine Art. Sie hasste alle Reinblüter. Und sie würde lieber nackt ein Bad in Kieselbacherde nehmen, als dass sie diese tatsächlich in einem Tee einnehmen würde! Nicht dass Lucius Malfoy womöglich auch noch Recht haben könnte! Da litt sie lieber noch zwei Tage!
Couch. Couch klang wirklich super. Sie hoffte nur, die armen Mitstreiter kamen schnell aus der Untersuchungshaft raus. Und sie hoffte, sie würden nicht sofort zu ihr kommen, denn sie wollte nur noch liegen. Nie mehr aufstehen!
