Da er nicht wusste, was er sonst tun sollte, zog Severus sich zurück und schloss die Tür so leise, wie er konnte. Für einige Sekunden stand er da und fragte sich, ob er sich die Begegnung eingebildet haben könnte, aber an diesem Punkt hatte nicht einmal er die Courage, die Tür wieder zu öffnen, um diese Theorie zu überprüfen. Außerdem war es selbst für sein verdrehtes Gemüt einfach zu grotesk, so etwas aus heiterem Himmel zu produzieren.

Was zur Hölle machte Hermione Granger im Keep? Warum hatte Neville ihn nicht vorgewarnt? Natürlich konnte es damit zu tun haben, dass er eigentlich erst in drei Tagen hätte zurückkehren sollen. Und ganz sicher wäre er nicht in den frühen Morgenstunden heimgekommen, hätte sein Portschlüssel nicht Verspätung gehabt.

Dennoch hätte er einen Hinweis zu schätzen gewusst, dachte er. Es hätte ihn zumindest davon abgehalten, dort hineinzuplatzen, wo er angenommen hatte, dass Augusta ihn mit ihrem Stöhnen und Seufzen zu irritieren versuchte, und stattdessen fand er Miss Granger am Rand des ...

Verflucht! Wie sollte er ihr danach jemals wieder in die Augen sehen? Er würde einfach so tun, als wäre es nie passiert, beschloss er. Wenn sie nicht davon sprach – und warum, um Himmels Willen, sollte sie – war es nie passiert.

Er lag in seinem Bett und hoffte, Schlaf zu finden. Sein Kopf arbeitete jedoch mit hundert Sachen pro Stunde weiter. Wenn es nie passiert war, warum konnte er nicht aufhören, wieder und wieder an diese Momente zu denken? Wenn es nie passiert war, warum konnte er dann den Anblick nicht loswerden, wie ihre großen, bernsteinfarbenen Augen ihn erschrocken direkt ansahen, ihre Lippen prall und voll, als ob sie im Eifer ihrer selbstverursachten Leidenschaft darauf gebissen hatte, ihre Hände irgendwo unter den Decken vergraben. – Oh, um Salazars Willen! Er würde das Mädchen nie wieder wie zuvor ansehen können.


Hermione schlief am nächsten Morgen lange und ging erst um halb zehn zum Frühstück. Sie nahm an oder hoffte zumindest, der Professor sei schon auf und bei der Arbeit. Zu ihrem Pech war Severus direkt vor ihr angekommen. Verlegen hielt sie auf der Schwelle einen Moment inne und ging dann weiter, um Platz zu nehmen. Sie bat Pippi um ein normales Frühstück mit Tee, Toast, einem Becher Joghurt und etwas Obst.

Mit einem leichten Lächeln wandte sie sich Severus zu und versuchte, ihn zu begrüßen, als sei mitten in der Nacht überhaupt nichts passiert. „Guten Morgen, Sir. Ich hatte nicht erwartet, dass Sie so bald nach Hause kommen. Neville hatte gesagt, Sie seien die ganze Woche unterwegs."

Severus sah sie über den Rand der Morgenzeitung hin an, während er antwortete. „Ja, Miss Granger, das war der ursprüngliche Plan. Meine Aufgabe war jedoch eher als erwartet erledigt."

Pippi kam mit einem Frühstückstablett mit Hermiones Essensauswahl herein und außerdem mit einem vollen Englischen Frühstück für Severus. Sie füllte ihm Kaffee nach und ploppte zurück in die Küche.

Hermione biss sich auf die Lippen, immer noch nervös, aber sie versuchte, sich normal zu benehmen. „Ich nehme an, Sie haben inzwischen mit Neville gesprochen, Professor, und er hat meine Anwesenheit hier erklärt?"

„Es besteht kein Anlass, so förmlich zu bleiben. Mein Name ist Severus, wenn Sie nichts dagegen haben. Ich bin schließlich niemandes Professor mehr. Darf ich annehmen, dass Sie keine Einwände haben, wenn ich Sie mit Ihrem Vornamen anspreche? Auf ihr Nicken hin fuhr er fort. „Sehr gut, dann Hermione. Ja, ich habe heute Früh Neville über das Flohnetzwerk angerufen, und er hat mich informiert, warum Sie hier sind. So albern es klingt, er behauptet, Sie haben eine Art ‚Geisterbekämpfungsfirma' gegründet. Ich habe verstanden, dass er Sie beauftragt hat, herzukommen und mit seiner Großmutter zu kommunizieren." Er schnaubte spöttisch. „Lassen Sie mich raten. Ist Ihr Slogan Ihr Geisterspezialist oder das Logo auf ihrer Visitenkarte ist dieser kleine, spitzköpfige Geist in einem roten, durchstrichenen Kreis?" Um sein Argument zu verdeutlichen, malte er einen Kreis in die Luft und durchkreuzte ihn mit seinem Finger.

Mit einem eiskalten Blick sah sie ihn an und sagte, "So ist es ganz und gar nicht. Sie verdrehen es zu einem Witz. Es ist eine reale Firma. ‚Gepolter in der Nacht' ist eine seriöse Agentur für paranormale Untersuchungen. Die Nachforschungen sind sehr wissenschaftlich. Meine Muggelkunden wertschätzen meine Dienste sehr. Sie bekommen von mir die Antworten, die sie suchen."

Er nippte langsam an seinem Kaffee und verdrehte die Augen als Antwort auf ihre Verteidigung. „Also sind Sie hier, um für uns die reizende Augusta loszuwerden, nehme ich an?"

Ehe Hermione antworten konnte, schallte ein Schrei aus dem Flur. „Lügnerin! Du hast mir gesagt, du seist nicht hier, um mich aus dem Haus zu vertreiben!" Sie verschwand, und alle Türen im Erdgeschoss fielen laut krachend in die Schlösser, sodass das Geschirr auf dem Tisch schepperte.

Wütend stand Hermione auf und warf ihre Serviette auf den Tisch. „Verdammt, Snape! Ich habe drei Tage dazu gebraucht, um sie dazu zu bringen, auch nur in Erscheinung zu treten und mit mir zu reden. Endlich hatte ich angefangen, ihr Vertrauen zu gewinnen, sie dazu zu bringen, mir zu vertrauen. Nun schauen Sie, was Sie angerichtet haben!" Hermione rauschte zur Tür und riss sie mit genügend Schwung auf, um die Teetassen wieder zum Scheppern zu bringen. „Augusta, warten Sie!" rief sie, während sie die Treppen hinaufrannte.

„Hmmm ... das war ... unerwartet", brummelte er laut. „Dennoch, zumindest denkt sie nicht an letzte Nacht." Er faltete die Zeitung zusammen, legte sie beiseite und machte sich über sein Frühstück her.


Sie verbrachte den Rest des Vormittags und den größten Teil des Nachmittags damit zu versuchen, Augusta von ihren guten Absichten zu überzeugen. Hermione redete sich praktisch heiser im Bemühen, Nevilles Oma davon zu überzeugen, dass Snape völlig daneben lag, und dass sie nicht versuchen würde, Augusta aus dem Keep zu vertreiben. Obwohl sie sich weigerte, mit ihr zu sprechen, erschien Augusta mehrere Male, nur damit sie sie abblitzen lassen konnte, indem sie die Temperatur um zehn Grad fallen ließ oder ihre Notizen verstreute, oder indem sie wütend und türenknallend den Raum verließ. Dennoch wertete Hermione dies als Fortschritt, weil Augusta ihr zumindest erschien und mit ihr interagierte, auch wenn es in entschieden negativer Form war.

Hermione schob die Schuld für diesen Rückschlag gänzlich auf Snape und beschloss, ihn entsprechend zu behandeln. Sie weigerte sich schlichtweg, mit dem Deppen irgendetwas zu tun zu haben. Beim Mittagessen sah sie ihn nicht, weil sie es ausließ, während sie versuchte, Augusta von ihrem Missverständnis zu überzeugen. An diesem Nachmittag ging er in Nevilles Arbeitszimmer, während sie versuchte, ihre Notizen zu ordnen, aber sie zeigte ihm mit einem eisigen Blick die kalte Schulter und verließ den Raum, ohne mit ihm zu reden. Abends entschied sie, sich lieber von Pippi ein Tablett auf ihr Zimmer bringen zu lassen als die Mahlzeit mit dem abscheulichen Mann einzunehmen.

Nach dem Abendessen beantwortete Hermione einige Geschäftskorrespondenz, die sie von Mrs. Figg bekommen hatte. Der erste Brief betraf eine Anfrage für einen neuen Fall in Wales und ein weiterer einen Fall in Yorkshire, der verschoben worden war, weil der Eigentümer unerwartet verreisen musste. Arabella hatte außerdem eine Nachricht von Timothy Oglethorpe weitergeleitet. Das zauberte ein Lächeln auf Hermiones Gesicht. Er dankte ihr für den schönen Abend, den sie miteinander verbracht hatten. Überdies deutete er an, sofern sie interessiert sei, könne er sich ein paar Wochen freimachen, um sie in Clarissas Gasthof zu treffen. Clarissa war eine alte Schulfreundin von ihm und hatte auf Tims Empfehlung ‚Gepolter' engagiert. Hermione schrieb schnell eine kurze Antwort und teilte ihm mit, sie werde ihn Anfang der kommenden Woche wissen lassen, ob sie ihn treffen könne, und sandte die Nachricht zurück ins Büro, damit Mrs. Figg sie mit der Muggelpost verschicken konnte.

Hermione lag auf dem Bett, um eine Weile zu lesen, aber sie nickte ein. Obwohl es noch früh war, aber sie hatte in der Nacht zuvor wirklich nicht viel Schlaf bekommen und war begreiflicherweise erschöpft. Bald, ohne dass sie es merkte, strich eine Geisterhand ihr vorsichtig das Haar aus dem Gesicht, zog die Decken hoch und deckte sie zu.

Augusta Longbottom sah auf die schlafende Hexe hinab und murmelte, „Du hast Mumm und Entschlossenheit, Mädchen. Das gestehe ich dir zu. Ich glaube, du erinnerst mich an jemanden." Sie hielt inne und lächelte wissend. „Oh ja, das wäre ich." Sie blies die Kerze auf dem Tisch neben dem Bett aus und schwebte geräuschlos aus dem Raum.


Severus war zunächst recht glücklich darüber, nicht mit der nervigen Besserwisserin, bekannt als Hermione Granger, zu tun haben zu müssen. Er konnte einfach seinen Geschäften nachgehen und so tun, als bemerke er sie überhaupt nicht. Aus irgendeinem Grund tat er dies jedoch. Er bemerkte, dass sie sich nicht damit aufhielt, zum Mittagessen zu kommen. Er verstand nicht, warum ihn das beschäftigte, aber je mehr sie ihn mied, desto ärgerlicher wurde er.

Mitten am Nachmittag sah er sie Nevilles Arbeitszimmer betreten. Mit angemessenem Zeitverzug folgte er ihr, nur um sie dazu zu bringen, ihn mit einem frostigen Blick zu durchbohren und an ihm ohne ein einziges Wort vorbeizurauschen. Und an diesem Abend kam sie auch nicht zum Abendessen, obwohl er auf sie gewartet hatte, bis er von Griswold informiert wurde, dass die Miss ein Tablett auf ihrem Zimmer gehabt hatte. Am Ende des ersten Tages war er über die Göre ziemlich verärgert. Wer dachte sie, dass sie war, ihn so zu ignorieren?

Am zweiten Tag beschloss er, dass er ihr, falls sie zur Vernunft und ihm entgegenkam, erlauben würde, sich für ihr rüdes Benehmen ihm gegenüber zu entschuldigen, und war willens, ihr zu vergeben. Dies schien ihm ein logischer Plan zu sein, bis er entdeckte, dass sie nicht vorhatte, sich zu entschuldigen. Eher ganz im Gegenteil, sie erwartete von ihm, sich bei ihr zu entschuldigen.

„Sind Sie hier, um sich zu entschuldigen? Wenn nicht, machen Sie sich nicht die Mühe, mit mir zu reden", sagte sie ihm unverblümt, als er sie in der Bibliothek stellte.

„Das kann nicht Ihr Ernst sein", erklärte er. „Sie sind verrückt, wenn Sie glauben, ich würde mich entschuldigen. Wofür? Sie sind es, die sich wie ein schmollendes Kind benommen hat, indem sie mich mit Schweigen strafen und mir seit eineinhalb Tagen aus dem Weg gehen."

„Sie haben mich beleidigt. Warum sollte ich Sie nicht ignorieren?"

Ich habe Sie beleidigt? Wie um Himmels Willen kommen Sie denn darauf?" forderte er mit ungläubig gerunzelter Stirn.

„Das haben Sie", forderte sie ihn heraus und stemmte die Hände in die Hüften, während sie ihn anblitzte. „Sie können nicht so tun, als erinnern Sie sich nicht. Sie haben mich beleidigt, als Sie meine Firma ins Lächerliche gezogen haben, und sie haben meine Arbeit hier behindert, indem Sie Augusta gegenüber Dinge angedeutet haben, die einfach nicht wahr sind. Sie haben meine Arbeit vermasselt und mich in meinem Bemühen, ihr Vertrauen zu gewinnen, sicher um mehrere Tage zurückgeworfen."

„Ihre Firma? Guter Gott, ich habe all diesen Unsinn nicht ernst genommen ... Also haben Sie es tatsächlich ernst gemeint mit dieser ganzen Geisterbekämpfungssache?"

„Hören Sie auf, darüber so zu sprechen!" forderte Hermione und trat nach vorn, um ihn wütend mit dem ihrem Zeigefinger anzustubsen. „Genau davon rede ich. Es beleidigt mich, wenn Sie sich über das, was ich tue, lustig machen."

„Ich dachte, es war ein Witz! Ich dachte, Sie versuchen einfach, Neville zu helfen. Ich habe wirklich nicht geglaubt, dass Sie dies tatsächlich tun, um Ihren Lebensunterhalt zu verdienen." Träge rieb er über den Punkt auf seinem Brustbein, wo sie ihn mit ihrem spitzen, kleinen Finger gestoßen hatte. „Was ist mit Ihnen passiert, Granger. Es fällt mir schwer zu verstehen, dass die klügste Hexe der Generation ihr Geld damit verdient, für Muggel zu arbeiten, indem sie ihre Zeit mit Spukhäusern und Geistern vertut. Ich hätte gedacht, Sie würden an irgendeiner bahnbrechenden Forschung arbeiten oder die Karriereleiter des Ministeriums hochklettern, um die Kontrolle von innen zu übernehmen und all die Missstände in der Zaubererwelt zurechtzurücken."

Mit einem Seufzer ließ sich Hermione auf das Sofa fallen und blickte in den Kamin. „Nun, es ist schwer all diese Dinge zu tun, wenn einem niemand den Steigbügel hält. Jeder Job von irgendwelcher Wichtigkeit in der Zaubererwelt erfordert anständige N.E.W.T.s Ergebnisse, und die sind schwierig zu liefern, wenn sie einen nicht einmal die verflixte Prüfung ablegen lassen, oder zumindest irgendetwas Gleichwertiges."

„Nebenbei sind Sie genau der Richtige, um den Mund aufzureißen, nicht wahr? Ein bekannter Zaubertränkemeister, erfahrener Lehrer, Kriegsheld, Doppel- ... Dreifach- … was immer Sie waren, Geheimagent, und worauf wurden Sie reduziert? Geschäfte mit Muggeln machen – übrigens die gleichen Muggel, mit denen ich arbeite – mit Dingen wie Eselsmilchkäse, seltenen Pilzen oder Kaffeebohnen, die aus dem Hintern irgendeines armen Tieres ausgesch...ieden wurden."

Severus ließ sich neben ihr fallen und legte seine Füße auf eimem von Augustas feinen Mahagonietischen hoch. „Wenn Sie es so ausdrücken, schätze ich, Sie haben recht. Ich kann Sie kaum kritisieren. Man tut, was man muss, nicht wahr?"

„So ist es, Severus", antwortete sie, während sie sich zurücklehnte und sich umwandte, um ihn zu betrachten. „Und wissen Sie, was ich dazu sage? Scheiß drauf, scheiß auf sie alle. Wir kriegen es beide auf unsere eigene Weise hin, nicht wahr? Und wir tun es alleine, nach unseren eigenen Regeln, anstatt nach ihrer Pfeife zu tanzen. Das sollte etwas wert sein."

„Das sollte es tatsächlich", sagte er, und seine Mundwinkel verzogen sich sogar zu einem kleinen Lächeln nach oben.

Oben fiel krachend eine Tür zu, und beide erschraken leicht aufgrund des unerwarteten Geräusches. Mit einem Blick zu Decke fragte er, „Spricht sie überhaupt schon mit Ihnen?"

„Noch nicht, aber ich denke, sie wird es bald tun. Zumindest erscheint sie mir, und sie scheint zuzuhören, wenn ich mit ihr rede. Sie kommuniziert noch nicht, aber sie wird einlenken."

„Es tut mir leid, wenn ich sie aufgebracht und Ihre Arbeit behindert habe. Jetzt, wo mir klar ist, dass Sie es ernst meinen." Er senkte seine Stimme zu einem Flüstern, warf noch einen Blick nach oben und fragte, „Glauben Sie, Sie können Sie loswerden?"

„Ehrlich, Severus, ich habe es ernst gemeint, als ich sagte, dass ich nicht hier bin, um sie zu vertreiben. Ich bin hier um herauszufinden, warum sie noch immer hier ist. Wenn das wirklich ihre Bestimmung ist, dann soll es so sein, und ihr habt sie am Hals. Aber wenn es etwas gibt, das sie braucht, um Frieden zu finden und durch den Schleier ins Jenseits weiterzugehen, und wenn ich ihr helfen kann, das zu finden, dann ist das genau das, was ich zu tun vorhabe. Es würde meine Arbeit sehr erleichtern, wenn sie wenigstens mit mir sprechen würde."

Er schnaubte und sagte, „Ich wünschte ich könnte sie dazu bringen, nicht mehr mit mir zu sprechen. Sie ist ziemlich nervig. Sie taucht zu den unmöglichsten Zeiten auf und scheint es zu genießen, mich zu ärgern."

„Ja, Neville erwähnte, dass sie Ihnen gegenüber eine spezielle Abneigung entwickelt zu haben scheint, seit Sie hier wohnen. Fällt Ihnen irgendein Grund dafür ein? Hatten Sie irgendwelchen direkten Umgang mit ihr zu ihren Lebzeiten, der ihre Meinung über Sie beeinflusst haben könnte?"

Severus schüttelte den Kopf. „Nicht dass ich wüsste. Ich kannte die Frau kaum, wirklich."

„Hmmm ... wären sie bereit, mir von den Begegnungen mit ihr zu erzählen? Bis ich sie dazu bringe, mit mir zu reden, wäre alles, was ich in Erfahrung bringen kann, hilfreich, um sie zu verstehen."

„Natürlich bin ich bereit zu helfen. Ich habe heute Nachmittag jedoch ein paar Geschäftstermine und einige Dinge zu erledigen. Vielleicht könnten wir uns heute Abend nach dem Abendessen zusammensetzen und alles besprechen. Falls Sie vorhaben, zum Abendessen herunterzukommen, statt ein Tablett auf ihr Zimmer mitzunehmen?"

Hermione verdrehte die Augen. „Ja, Severus. Ich werde mit ihnen zu Abend essen."


Sie hatten ein wunderbares Abendessen genossen, was Hermione sehr überraschte. Wie sich herausstellte, konnte Severus wirklich ein ziemlich interessanter und geistreicher Gesellschafter sein, sofern er sich dazu entschloss, sich ein wenig Mühe zu geben. Nach dem Abendessen zogen sie sich in sein Arbeitszimmer zurück, um bei einem Glas Elfenwein seine Begegnungen mit Augusta zu erörtern. Wie üblich machte Hermione sich seitenweise Notizen und stellte außerdem viele Fragen. Manche davon schienen relevant, andere schienen komplett verrückt zu sein.

Severus' gute Laune wechselte plötzlich, als Hermione ihm dankte und erklärte, sie habe für heute alle notwendigen Informationen und würde am nächsten Tag abreisen.

„Was zum Teufel meinen Sie damit, dass sie morgen Früh abreisen? Sie haben bisher noch gar nichts erreicht", forderte Severus.

„Das ist nicht wahr. Es ist ein ziemlich komplizierter Fall. Sie haben doch nicht wirklich erwartet, dass ich ihn innerhalb einer Woche abschließen kann, oder? Ich bin sicher, Neville hat verstanden, dass es länger dauern könnte", erklärte sie vernünftig. „Keine Sorge. Ich komme zurück, wahrscheinlich in der übernächsten Woche. Ich denke, ich habe Augusta etwas zum Nachdenken gegeben, und sobald ich zurückkomme, wird sie sicher eher willens sein, mit mir zu reden."

„Also ist im Wesentlichen alles, was Sie getan haben, herzukommen und sie in Aufruhr zu versetzen. Jetzt wollen Sie fröhlich Ihrer Wege ziehen und überlassen es mir, mit dem alten Drachen klarzukommen?" fragte er verdrießlich.

„Ich denke, Sie haben schon gezeigt, dass Sie in der Lage sind, mit ihren Eskapaden umzugehen, Severus. Ich muss ein paar Nachforschungen zu Augustas Vergangenheit anstellen um zu sehen, ob sie irgendwelche Feinde hatte, und versuchen herauszufinden, woran genau sie gestorben ist. Und glauben Sie es oder nicht, es ist mein voller Ernst, dass ‚Gepolter' eine rechtmässige Firma ist. Ich habe andere Kunden, die ebenfalls meine Aufmerksamkeit benötigen. Ich war die ganze Woche hier und habe andere Dinge liegen lassen, deshalb werde ich die Woche brauchen, um sie aufzuarbeiten. Überdies habe ich auch ein Privatleben. Ich habe für Freitagabend und ebenso für das kommende Wochenende etwas vor."

„Sie haben etwas vor?" fragte er, während er eine Braue hochzog. „Etwas vor wie ein Date?"

Sein Gesichtsausdruck ärgerte sie. „Ist das so schwer zu glauben? Warum hört es sich von Ihnen an wie ein Schock, dass wirklich jemand mit mir ausgehen wollen könnte?"

"Ich ... nein, ich meinte nicht —"

"Oh! Natürlich, weil eine streberische Besserwisserin wie ich niemals an etwas anderem als Büchern und Forschung Interesse hätte, nicht wahr? Der kleine Bücherwurm Hermione würde natürlich niemals zum Abendessen ausgehen oder Zeit mit einem Mann verbringen wollen oder – Merlin behüte! – zwei, drei Küsse bekommen. Grrrrr! Das ist es, warum ich niemals mit jemandem ausgehen kann, den ich aus der Schule kenne! Zauberer! Ihr seid alle unmöglich!" Hermione stürmte aus dem Raum mit einem Türenknallen, auf das Augusta stolz gewesen wäre."

„Habe ich etwas Falsches gesagt?" fragte sich Severus laut, während er zurück auf seinen Stuhl sank und sein Glas Wein austrank. „Warum habe ich das Gefühl, ich werde mich schon wieder entschuldigen?"