Seize the Night – Chapter 7: Orientierung

Alles war schwarz. Pechschwarz. Sie realisierte dass sie wach war, aber öffnete ihre Augen nicht. Zum einen wollte sie sich nicht bewegen, wusste auch nicht ob sie es überhaupt konnte, denn ihr Körper schien völlig steif. Sich nicht zu bewegen änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass die Muskeln unter ihrer Haut brannten als hätte sie gerade einen sehr langen Marathon hinter sich gebracht.

Und dann war da noch die Gewissheit, dass sie vollkommen nackt war. An einem anderen Ort oder Zeitpunkt würde sie das nicht sonderlich kümmern, doch in diesem Augenblick, als ihr Oberschenkel eine eiskalte glatte Fläche streifte, wusste sie dass dies eben nicht einer dieser anderen Momente in ihrem Leben war.

Missmutig runzelte sie die Stirn und versuchte sich die Erinnerungen des letzten Abends ins Gedächtnis zurück zu rufen. Sie war im Keller aufgewacht, angekettet. Vage erinnerte sie sich an eine einsilbige Unterhaltung mit ihrem Wächter nachdem er ihr die Ketten abgenommen hatte. Sie hatte nicht sehr lange mit ihm geredet, ihn eher abgewimmelt bevor sie duschen gegangen war. Ein Schauer lief ihren Rücken hinunter bei dem Gedanken. Sie hatte geduscht, doch sie war nicht allein gewesen. Er hatte sie beobachtet und dann in ihrem Zimmer auf sie gewartet.

Plötzlich wurde sie sich dem Arm bewusst, der über ihrem Rücken lag. Kalte Finger ruhten auf ihrem Steißbein. Als sie einen tiefen Atemzug nahm stieg ihr der Geruch von Leder und Zigaretten in die Nase und schließlich öffnete sie beide Augen. Sie versuchte sich nicht zu bewegen, wollte nicht dass er merkte dass sie aufgewacht war. Stattdessen verharrte sie in ihrer Position und spähte unsicher in die Dunkelheit. Nur ein schwaches, dumpfes Licht erhellte die steinernen Wände in ihrem Blickfeld. Ihr linkes Bein war etwas weiter ausgestreckt und lag auf dem grauen, kalten Boden statt auf dem ledernen Kleidungsstück, das unter ihrem restlichen Körper ausgebreitet war. Als sie etwas weiter an sich herunter blickte, sah sie ein schwarzes Hemd, das von ihrer Hüfte herab über ihren Beine lag. Es war Spikes Hemd, der Geruch von Tabak und Whiskey war unverwechselbar.

Die Finger über ihrer Taille bewegten sich plötzlich und hinterließen kalte Spuren auf ihrem Rücken. Hatte er gemerkt, dass sie aufgewacht war? Sofort schloss sie ihre Augen wieder und konzentrierte sich darauf ihre Atmung gleichmäßig wirken zu lassen. Sie war noch nicht bereit dazu mit ihm zu reden. Nicht jetzt. Nicht wenn sie nicht einmal wusste wie oder wann sie hier her gekommen war.

Leider schien ihm das völlig egal zu sein.

„Ich weiß, dass du wach bist Liebes." Seine Stimme war so nah, sie spürte seine Lippen direkt an ihrem Ohr. „Dein Herz schlägt wie wild." Er ließ seine Finger nach oben wandern, über ihre Wirbelsäule bis zu ihren Schulterblättern wo er einen Moment verweilte. Dann umschloss er ihren Nacken mit der kompletten Handfläche und knetete die Haut dort einige Sekunden. Ein leises Seufzen kam ungewollt über ihre Lippen und sie konnte ihn leise lachen hören. „Dachte mir, dass du verspannt bist nach deinem kleinen Ausflug gestern."

Buffy öffnete ihre Augen mit einem Stirnrunzeln und drehte ihren Kopf etwas zur Seite um ihn ansehen zu können. Jedoch sandte schon die kleinste Bewegung schmerzhafte Impulse durch ihren Oberkörper und sie biss mit einem tonlosen Stöhnen auf die Unterlippe. Sie legte ihre Stirn für einige Sekunden auf die raue Oberfläche seines Mantels bevor sie ihren Kopf nach rechts neigte und ihn ansah. Er lag direkt neben ihr, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Den Kopf hatte er auf seinem Oberarm gebettet und den Mund zu einem kleinen Lächeln verzogen.

„Ausflug?", brachte sie nach einigen Minuten leise hervor und wandte ihren Blick wieder ab. Stattdessen starrte sie auf den kahlen Steinboden unter ihm. Der schwarze Ledermantel lag nur unter ihrem eigenen Körper, die langen Ärmel zu einem notdürftigen Untergrund für ihren Kopf zusammengedrückt. Sie seufzte als er wieder leise lachte und versuchte mit zusammengekniffenen Augen ihren Rücken durchzustrecken. Vergeblich.

„Du erinnerst dich an gar nichts, oder?" Sie hörte sofort, dass die Frage rhetorisch war. Er wusste, dass sie sich nicht erinnern konnte.

Wütend hob sie ihren Kopf wieder und starrte ihn an. „Was hast du mit mir gemacht?" Seine Mimik veränderte sich sofort, wurde defensiv und verärgert. Er zog seine Augenbrauen zusammen und starrte sie an, als hätte sie ihm soeben ohne Grund ins Gesicht geschlagen. Er wusste ja gar nicht wie kurz er davor war, das wahr werden zu lassen. Bei dem Gedanken fiel ihr Blick auf sein rechtes Auge. Es war noch immer leicht angeschwollen von dieser Nacht in der Gasse neben der Polizeistation vor einigen Tagen. Die Haut unter seinem Auge war stark gerötet und hatte sich zu einer kleinen Beule verformt. Eine Gänsehaut zog sich über ihren Rücken bei dem Gedanken, dass sie ihn ohne einen wirklichen Anlass verprügelt hatte bis sein Gesicht nur noch eine blutige Masse gewesen war.

„Was ich gemacht habe?", raunte er im nächsten Moment und winkelte seinen rechten Arm an um seinen Kopf darauf zu stützen. „Ich hab' deinen pelzigen kleinen Hintern gerettet als du draußen herum spaziert bist und beinahe diesen Penner verdrückt hättest." Er zog eine Augenbraue in die Höhe und studierte ihr Gesicht. Sie wusste nicht, wie sie in diesem Moment drein schaute. Sie hatte ihn gehört aber verstand kein Wort von dem was er gesagt hatte. Sie wollte es nicht verstehen, konnte es nicht. Noch nicht.

Sie schluckte lautstark und zog ihre Oberarme zu ihrem Körper um sich daran hoch drücken zu können. Ihr Rücken protestierte mit einem stechenden Schmerz an der Wirbelsäule, als sie sich nach oben dehnte, ihr Gewicht auf den Unterarmen verlagert. Ihre linke Hand griff nach dem Kragen seines Mantels und zog ihn ebenfalls hoch, um ihre Brüste damit zu verdecken. Im Augenwinkel sah sie, wie er sich auf den Rücken fallen ließ und eine Hand auf seine Stirn legte. Er verharrte einen Moment in dieser Position, bevor er sich mit einer fließenden Bewegung aufsetzte und die Hand nach etwas ausstreckte. Für einen Moment dachte sie, er wollte sich mit ihr abstützen um aufzustehen, doch dann waren seine Finger an ihrem Hintern.

„Hey!", rief sie und riss ihren Kopf herum um über ihre Schulter gucken zu können. Zuerst konnte sie nur seinen Rücken sehen, doch als er seinen Kopf zur Seite neigte entdeckte sie ein kleines Grinsen auf seinen weißen Lippen. Seine Finger wanderten von ihrem Po weiter herab, über ihren Oberschenkel und nach einigen Sekunden schob er ungeniert zwei Finger unter ihr Bein. „Hör auf", zischte sie und rutschte ein wenig zur Seite.

Er lachte leise, zog seine Hand nach einigen Sekunden wieder zurück und hob sie hoch, eine Zigarettenschachtel zwischen den beiden Fingern. „Weißt du Buffy", sagte er mit einem amüsierten Tonfall, während er das Päckchen öffnete und sich eine Zigarette zwischen die Lippen steckte. „Man sollte wirklich meinen du würdest nach den letzten Wochen endlich aufhören so zu tun als würde ich dich nicht nackt kennen." Er schüttelte den Kopf, seine rechte Hand fuhr durch seine Haare und verweilte schließlich an seinem Nacken. Dann beugte er sich etwas zur Seite und als er seine schwarze Jeans zu sich zog wurde ihr zum ersten Mal bewusst dass auch er nichts anhatte.

Er zog das kleine silberne Zippo aus der Hosentasche und entflammte den Tabak mit einer kurzen Bewegung. Mit einem leisen Seufzen drückte er seine Schultern nach hinten und streckte sich danach mit beiden Armen nach oben, den Rauch in einer kegelförmigen Säule in Richtung Decke ausatmend. Dann winkelte er sein rechtes Bein an und drehte sich zu ihr um, den Rücken gegen die graue Felswand gelehnt.

Sie wandte ihren Blick sofort ab, fühlte sich so nackt wie sie nun einmal war und zog den Mantel mit sich, als sie versuchte sich etwas weiter aufzusetzen. Natürlich wusste sie, dass er darauf wartete, dass sie diese eine Frage stellte, die ihr schon seit Minuten auf der Zunge brannte. Sie wusste auch, dass es unvermeidbar war sich damit auseinanderzusetzen wie sie hier hergekommen war oder warum sie sich an absolut nichts erinnern konnte. Doch sie zweifelte daran, dass sie schon bereit war die Worte zu hören, die ihrem Leben wie sie es kannte ein abruptes Ende setzen würden. Sie hatte es in Oz's Gesicht gesehen, als er am Tag nach Vollmond in die Bibliothek gekommen war. Natürlich wusste sie was auf sie zukommen würde, doch wenn er es jetzt sagte, würde er jegliche Hoffnungen, dass sie sich vielleicht doch irrte zunichte machen.

„Willst du nicht wissen was heute Nacht passiert ist?", wusste er natürlich wie immer genau was in ihr vorging und er lehnte seinen Kopf gegen die Wand hinter sich, während er einen tiefen Zug von der Zigarette nahm. Mit einem leisen Seufzen sah sie wieder zu ihm auf, das Gesicht emotionslos und ausgelaugt. Sie senkte ihre Schultern und starrte ihn für einige Sekunden einfach nur an, bevor sie langsam den Kopf schüttelte.

Er hielt ihren Blick, doch seine Gesichtszüge verzogen sich angestrengt. Seine Stirn runzelte sich und er verspannte den Kiefer bis seine markanten Wangenknochen deutlich zum Vorschein kamen. Für einen Moment sah er sie einfach nur an, besorgt, nachdenklich. Dann streckte er den linken Arm nach ihr aus und legte seine Hand auf ihre nackte Schulter. „Buffy, du..."

„Nicht", bat sie leise und sie spürte wie sich Tränen zwischen ihren Wimpern sammelten. „Bitte Spike, sag es nicht."

Mit einem leisen Keuchen streckte sie beide Arme durch und winkelte ihre Beine an um sich aufzusetzen. Ihre Muskeln verkrampften sich noch immer bei jeder noch so kleinen Bewegung und ihre Beine fühlten sich wie abgestorben an.

„Okay." Seine Stimme hatte jeglichen Ausdruck verloren und als sie zu ihm aufsah, hatte er seinen Kopf gesenkt.

„Okay?", fragte sie, ehrlich erstaunt. „Keine Schadenfreude, kein schnippischer Kommentar?" Als er mit einem verwirrten Gesichtsausdruck wieder aufblickte verzog sie ihren Mund angespannt und strich sich mit der rechten Hand selbst über die Schulter. „Du findest das alles doch sicher unglaublich praktisch", fuhr sie nach einigen Sekunden fort. „Das wolltest du doch oder? Du und ich in der Dunkelheit, ohne meine Freunde, ohne Dawn." Sie lächelte bitter, während sie die Haut an ihrem Nacken fest zusammen zog. „Nun, herzlichen Glückwunsch, ich..."

„Hast du jetzt völlig deinen Verstand verloren?", rief er laut und sah sie aus zusammengekniffenen Augen wütend an. „Glaubst du wirklich ich wollte das?" Nach einem letzten Zug schmiss er den Zigarettenstummel zur Seite und presste seine Hände links und rechts von seiner Hüfte auf den Boden. Mit einer fließenden Bewegung stand er auf und griff nach seiner Hose.

Sie spürte wie ihr Kinn kaum merklich zu zittern begann, als er den Reißverschluss der Jeans zuzog und sich mit einem dumpfen Geräusch vor sie kniete. Er legte seinen Daumen an ihr Kinn und zwang sie ihn anzusehen. Es machte die Dinge für gewöhnlich erträglicher wenn sie ihre Wut auf ihn projizieren konnte, doch er machte es ihr so schwer wenn er sie mit diesem Blick ansah. „Was ich im Bronze gesagt hab', hat mit dem hier absolut nichts zu tun", sagte er leise und legte seine Hand auf ihre Wange. Seine Finger fanden eine lose Haarsträhne und schoben sie zurück hinter ihr Ohr. „Ich würde mir so etwas niemals wünschen."

Eine Träne hing schwer an ihren unteren, kurzen Wimpern und als sie sich schließlich ihren Weg über ihre Wange bahnte, zog er seine Augenbrauen mit einem tiefen Atemzug traurig zusammen. „Buffy..."

Ein Schluchzen entwich ungewollt ihren Lippen und sie legte sofort die linke Hand auf ihren Mund. Sie schüttelte ihren Kopf und wollte sich weg drehen, doch seine andere Hand umfasste ihre Schulter und hielt ihren Oberkörper an Ort und Stelle. „Wieso ich?", fragte sie ohne auf eine Antwort zu hoffen. „Wieso passiert so was immer mir?"

Er sagte nichts, sah sie einfach nur an, der Blick voller Sorge und Mitgefühl.

Sie hasste es.

Ihre Hände legten sich auf seine nackte Brust und sie senkte ihren Kopf, als er sie zu sich zog. Ohne darüber nachzudenken drückte sie ihre Stirn in seinen Nacken und sie schloss ihre Augen als ein Schauer ihren Körper durchfuhr. Sie spürte wie er einen Arm fest um ihren Oberkörper schlang, die andere Hand legte er in ihren Nacken und ließ seine Finger über ihre Kopfhaut wandern.

„Oh Gott Spike, ich komm doch gerade mal so durch den Tag", schnaubte sie gegen die kalte Haut seines Halses. „Dawn hasst mich und meine Freunde sehen mich an als könnte ich jedem Moment den Verstand verlieren. Ich weiß nicht wie ich jetzt das noch schaffen soll." Ein weiterer Impuls rann durch ihren Körper und als er einen Kuss auf ihre linke Schulter hauchte, verlor sie sich. Tiefe Schauer durchfuhren ihre Glieder und sie krallte ihre Fingernägel fest in seine Brust. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, sie fielen hart gegen sein Schlüsselbein und benetzten seine blasse Haut.

Er sagte nichts, kein Wort drang über seine Lippen. Stattdessen hielt er sie einfach fest und ließ sie die Welt für ihre Ungerechtigkeit verdammen. Sie presste sich an seinen Körper, der Mantel lag vergessen auf dem Boden. Immer wieder verteilte er sanfte Küsse auf ihrer Schulter, strich beruhigend durch ihre Haare und verstärkte seinen Griff um sie, wenn ihr Körper drohte durch das krampfhafte Zucken nachzugeben. Langsam zog sie ihre Fingernägel von seiner Haut weg, nur kleine rote Halbmonde blieben auf seiner Brust zurück. Stattdessen legte sie ihre Hände in seinen Nacken und ließ ihre Fingerkuppen durch seine zerzausten Haare gleiten. Sie konnte ihn gegen ihr Ohr seufzen hören, bevor er ihren Namen flüsterte und seinen Kopf wenige Sekunden später etwas zurück zog um sie ansehen zu können.

Er sah so traurig aus. Beinahe verloren, wie er vor ihr kniete und sie anstarrte. Sie konnte sehen wie er nachdachte, seine Pupillen wanderten hin und her über ihr Gesicht und es dauerte einige Minuten bis er schließlich ihrem Blick mit einem weiteren Seufzen begegnete. „Es ist nur noch eine Nacht, richtig?"

Für einen kurzen seligen Moment musste sie überlegen was er meinte, doch dann erinnerte sie sich und senkte ihren Blick automatisch. Der Tag nach Vollmond. Die letzte Verwandlung. Zumindest für einen Monat. Sie spürte wie sie kaum merklich nickte und neigte sich etwas gegen seine Berührung, als er wieder über ihre Wange strich. Es entstand eine kleine Pause und sie konnte im Augenwinkel sehen, wie er sich auf die Unterlippe bis, während er zur Seite blickte.

„Wir haben noch knappe vier Stunden bis Sonnenuntergang", murmelte er schließlich und ließ seine Hand an seiner Seite herunter fallen. Mit geweitetem Blick griff sie nach dem Mantel neben ihrem Knie und zog ihn hoch, als er sich zurück lehnte und sie aus seiner Umarmung entließ. Für einen flüchtigen Moment beobachtete er was sie machte und sie glaubte zu sehen wie er die Augen rollte, doch dann wandte er sich von ihr ab indem er aufstand. „Am besten du holst ein paar Sachen und sagst deinen Leuten, dass du heute Nacht beschäftigt sein wirst." Er runzelte seine Stirn und strich sich über den Nacken. „Na ja, vielleicht sagst du es ein wenig anders", überlegte er leiser und schob sein Kinn etwas nach vorne, als er sich durch die Haare fuhr.

Buffy starrte ihn für einen Moment einfach nur an, dann lächelte sie. Es war wie eine Naturgewalt, nicht aufzuhalten und als er sich zu ihr herumdrehte biss sie sich auf die Backen, um es zu verstecken.

„Was?", half das natürlich herzlich wenig und als er sie musterte und ihre Gesichtszüge analysierte, zog er seine vernarbte Augenbraue in die Höhe. „Lachst du über mich?"

Sie versuchte ihre Mimik zu korrigieren und schüttelte ihren Kopf, während sie den Mantel etwas zur Seite zog um einen Ärmel frei zu legen. Sie setzte sich zurück auf den Höhlenboden und legte den freien Arm vor ihre Brust, während sie in den Ledermantel schlupfte. Nachdem sie ihn zugezogen hatte blickte sie wieder zu ihm auf und sah in zwei funkelnde Augen, die sie voller Ehrfurcht anstarrten.

Sie runzelte ihre Stirn und verzog ihren Mund. „Was?"

Doch er winkte sie nur mit einer Hand ab und griff nach seinem Hemd. Als sie ihre Hände in die Hüfte stützte lachte er leise und lugte über seine Schulter zu ihr zurück. „Ich wusste immer, dass du in dem Ding verflucht heiß aussehen würdest, Jägerin." Er hockte sich vor sie und ließ eine Hand wie zufällig über ihren nackten Oberschenkel streifen, der zwischen den Mantelenden herausragte. Sein Blick fand ihren und er verzog seine Lippen zu einem kleinen Grinsen. „Vor allem wenn du darunter nichts anhast."

„Schwein." murmelte sie und rollte die Augen, während sie die Vorderseite zuknöpfte.

„Und du wälzt dich gerne mit mir im Schlamm", gluckste er, sah sie jedoch nicht mehr an und zog sich stattdessen das Hemd über. Er hob die kleine Zigarettenpackung auf und drückte sie in seine vordere Hosentasche, bevor er sich wieder zu ihr wandte. „Kannst du aufstehen?"

Sie schnaufte tief und sah auf ihre angewinkelten Beine. Dann stützte sie ihre Handflächen auf dem Boden unter sich ab und verlagerte ihr Gewicht darauf. Er war sofort neben ihr und zog einen Arm um ihre Taille um sie daran hochzuziehen. Als sie ihre Fußsohlen auf den Boden drückte zuckte sie kurz zusammen und stützte eine Hand auf seiner Schulter ab um ihr Gleichgewicht zu halten. Sie verzog ihr Gesicht angestrengt und wippte einige Male zwischen Zehen und Ballen hin und her, bis sie von ihm abließ. Mit einem leisen Seufzen senkte sie ihre Schultern, bevor sie sich mit der linken Hand einige Haare aus dem Blickfeld strich.

„Ich bin viel gerannt oder?" Sie hörte ihre Stimme selbst kaum, doch als er verwundert aufblickte wusste sie, dass er sie gehört hatte.

Er lächelte etwas und legte seinen Kopf schief. „Die ganze Nacht. Drei Mal vom Bronze bis zur Wasserschleuse am Highway." Ein leises Lachen trat über seine Lippen, als sich ihr Mund einen Spalt öffnete und sie ihn etwas geschockt anstarrte. „Du hattest dieses kleine Reh-"

Sofort hob sie einen Finger und riss ihre Augen auf. „Nicht." Ihr Blick fiel auf eine Stelle neben ihm und sie legte ihre linke Hand mit einem gequälten Ausdruck auf ihren Bauch. „Oh Gott..."

Wieder lachte er und ging auf sie zu, legte einen Arm unter ihre Achseln um sie abzustützen. Sie setzte vorsichtig einen Fuß nach vorne und war erleichtert, als das Brennen ihrer Muskeln langsam nachließ. Er hob sie kurzerhand einige Zentimeter über den Boden, als sie an einem kleinen Felsvorsprung ankamen und nachdem sie um die nächste Ecke gelaufen waren, strömten ihnen helle Sonnenstrahlen entgegen. Kurz kniff sie ihre Augen zusammen um sich an das Tageslicht zu gewöhnen. Spikes Arm war noch immer um ihren Rücken gelegt, doch er war einen Schritt zurückgetreten und als sie sich zu ihm herumdrehte sah er sie entschuldigend an.

„Schätze nach Hause musst du allein gehen, Liebes", sagte er mit einem Blick in Richtung Höhlenausgang und griff in seine Hosentasche. Buffy nickte etwas und vergrub ihre Hände mit einem tiefen Atemzug im Mantel.

Nachdem er die Zigarette angezündet hatte sah er sie mit einem kleinen Lächeln an und strich ihr mit den Fingern seiner rechten Hand über die warme Wange. „Komm vor Sonnenuntergang in die Gruft, in Ordnung?" Sie zog ihre Augenbrauen unruhig zusammen und nickte wieder. Der Gedanke an die kommende Nacht hinterließ eine seichte Gänsehaut auf ihrem Rücken und sie erschauderte etwas, als sie seine kühle Hand in ihrem Nacken spürte. Dann blickte sie wieder auf und starrte direkt in zwei blaue Augen, die sie wissend musterten. „Es ist nur noch eine Nacht, Buffy. Deine Freunde müssen es nie erfahren."

Ein Lächeln zog sich über ihren Mund und sie legte ihren Kopf schief. Für einen kleinen Moment sah sie ihn einfach nur an, verlor sich in seinem intensiven Blick und vergaß die Welt um sich herum. Dann reckte sie ihren Hals ein wenig und legte ihre Lippen auf seine. Er schloss seine Augen nicht, sah sie vielmehr an als wäre sie nicht echt, nur ein Trugbild. Einen Augenblick lang verstand sie diesen Blick nicht. Sie hatten sich schon viele Male geküsst und ganz andere Sachen miteinander angestellt. Aber dann belehrte sie sich eines Besseren und schenkte ihm ein warmes Lächeln. Sie wusste, dass Zärtlichkeit nie ein Faktor zwischen ihnen gewesen war. Niemals. Bis heute.

Mit einem letzten Blick drehte sie sich um und stützte ihre linke Hand an der Felswand ab, während sie langsam zum Höhlenausgang lief. Das Sonnenlicht benetzte ihre Haut mit grellen Strahlen und ließ sie kurz zusammenzucken. Bevor sie einen Fuß auf den Waldboden setzte, blieb sie jedoch stehen. Ihr Kopf neigte sich zur Seite, sie sah jedoch nicht zurück. „Danke."