lilly, wie immer vielen Dank.
An dieser Stelle war heute Nachmittag schon einmal ein Kapitel hochgeladen, aber das falsche;-)
Falls es jemand gelesen haben sollte: nicht wundern, es kommt dann als nächstes.
Tag 3 - Pläne
Er war erledigt.
Stunden hatte er im Labor gebraut und die warme und feuchte Luft hatte wohl ihr übriges zu all den Belastungen der vorherigen Tage getan.
Als er Poppy den Trank mit den Antikörpern hinauf gebracht hatte, hatte diese regelrecht entsetzt reagiert.
"Severus, du siehst nicht viel besser aus, als damals nach der Schlacht, und da warst du mehr tot als lebendig.
Sieh zu dass du dich hinlegst!"
Hatte sie despotisch befohlen.
Sie wollte weiterhin Wache am Bett von Miss Wilks halten, sie, die selbst alles andere als erholt aussah.
Doch sie hatte keinen Widerspruch zugelassen und ihm dringend geraten, einen Blick in den Spiegel zu werfen.
So lag er also wieder auf dem Sofa.
Das er Poppys Befehl - anders ließen sich ihre Worte nicht beschreiben - tatsächlich gefolgt war, bewies seinen desaströsen Zustand. Früher hätte er die Zähne zusammengebissen und der Heilerin genau das Gegenteil beweisen wollen.
Er hätte sie belächelt und eher sie in die Pause geschickt, als ihr zuzugestehen, dass sie Recht haben könnte. Aber das war hier und heute schlicht unmöglich, denn alles in ihm schrie nach Ruhe.
Seine Schultern waren verspannt und schmerzten, die Augen brannten, sein Kopf dröhnte. Und doch brauchte er noch eine halbe Stunde um tatsächlich in den Schlaf zu finden.
Denn er war auch euphorisch.
Poppy hatte Erfolg gehabt, die Tumore waren zerstört und Miss Wilks war in den kurzen wachen Momenten zumindest ansprechbar gewesen. Innerhalb der nächsten Stunden würden die Antikörper die Arbeit der Heilerin vollenden.
Zumindest sollten sie das in dem Fall, dass sein gebrauter Trank sich als wirksam erwies. Aber daran zweifelte er wenig bis gar nicht. Brauen konnte er schließlich meisterlich. Die Rezeptur war zwar kompliziert, aber nicht in einem solchen Maß, als das es ihn an seine Grenzen geführt hatte. Von seiner Konstitution einmal abgesehen.
In 24 Stunden würde Anny Wilks wohl vom Krebs geheilt sein.
Und dann?
Ehe er sich diesem Problem stellen musste, übermannte ihn dankenswerterweise der Schlaf.
Er sah sich irgendwann auf einer Londoner Straße von einer jungen Frau verfolgt, die immer wieder Zugang zur magischen Welt einforderte, die ihn anflehte ihn doch wieder mit zurückzunehmen.
In seine Verwunderung über diese Bitte hinein hörte er Poppys Stimme.
"Wach auf, Severus."
Unvermittelt setzte er sich auf und blickte die Heilerin mit vom Schlaf verwirrten Augen an.
Es dauerte einen Moment, bis er sich die Ereignisse der letzten Tage und Stunden vor Augen geführt hatte. Draußen war es bereits dunkel.
"Wie geht es ihr? "
Fragte Snape mit heiserer Stimme.
Poppy lächelte ihn warm an.
"Sie hat den Eingriff gut überstanden und dein Trank wirkt. Ihre Blutbildung funktioniert wieder normal. Ich habe vorhin noch einen Zauber auf ihre Niere gesprochen, der die Funktion etwas erhöht.
Mit viel Glück geht es ihr morgen früh schon bedeutend besser. Eine Weile wird sie noch Schmerzen haben, denn das magische Zellwachstum wirkt bei Mugglen etwas anders als bei uns. Vielleicht sogar einige Wochen lang, das dürfte aber tatsächlich eine der wenigen Sorgen sein.
Ich konnte eben auch kurz mit ihr sprechen, sie war völlig klar, aber sehr schwach. In ihrem Körper wird eben auch gerade alles auf den Kopf gestellt.
Du solltest sie heute Nacht gut überwachen. Es gibt Momente da steigt ihr Puls extrem an, aber er lässt sich mit einem simplen Zauber beherrschen. Deshalb habe ich dich erst einmal schlafen lassen."
Sie selbst sah sehr müde aus.
Das schlechte Gewissen plagte ihn, was sie allerdings augenblicklich mit einer Frage beiseite schob.
"Wie wird es mit ihr weiter gehen?"
Er erhob skeptisch die Augenbrauen.
"Wenn Sie symptomfrei ist, morgen wie du sagst, bringe ich sie in ihre Welt zurück."
Die Heilerin musterte ihn eine ganze Weile still und er ließ es über sich ergehen.
"Wie willst du das anstellen?"
Fragte sie schließlich nach.
Diese Frage hatte er während des Brauens für sich geklärt.
Sie in das Krebszentrum nach Newcastle zu bringen, wäre die naheliegendste Lösung. Dann wäre sie eben doch dort hin verlegt worden.
Es war naheliegend, aber nur auf den ersten Blick, nur so lange, bis man berücksichtigte, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, dass die Klinik überwacht wurde. Nein, dort würde er mit Sicherheit Auroren in die Arme laufen und es wäre damit klar, wer für das Verschwinden von Miss Wilks verantwortlich gewesen war.
So hatte er sich gefragt, wie es mit ihr weiter gegangen wäre, wenn er sie nicht zu sich geholt hätte.
Sie wäre binnen weniger Tage gestorben.
In das konnte sie nicht zurück, ihr Verschwinden dort hatte zu viel Aufsehen erregt. Es gab nur eine Möglichkeit, er würde sie in ein Hospiz bringen. Dort würde er Erinnerungen und Akten fälschen.
Wie viel Arbeit würde das sein?
Er brauchte eine kleine Lösung, überschaubar.
Er ließ Poppy stehen und trat an ihr vorbei an sein Bücherregal.
Mit wenigen Blicken hatte er gefunden, wonach er suchte.
"Würde" war der Roman eines jungen Muggles, der seine letzten Monate, beherrscht von einer schweren Krankheit für die Nachwelt dokumentiert hatte.
Er blätterte zu den letzten Seiten.
Die katholische Kirche.
Es gab Hospizhäuser, die von Nonnen betreiben wurden. Klein, sehr persönlich, ruhig.
Ärzte schauten regelmäßig vorbei, aber die Hauptverantwortung trugen medizinisch ausgebildete Ordensschwestern, im Normalfall zwei bis drei, die sich je ausschließlich um einen Patienten und dessen Angehörige kümmerten.
Er drehte sich zu Poppy um.
"Sie wird in gute Hände gelangen und wie durch ein Wunder wird sie nicht wie erwartet sterben. Irgendwann wird man sie untersuchen und feststellen, dass sie gesund ist.
Mehr brauchst du nicht wissen."
Sie zögerte und so ergänzte er
"Bisher hast du nichts Verbotenes getan. Du könntest behaupten, nichts von ihrer Identität gewusst zu haben, oder dass ich dich darüber belogen habe.
Ich möchte nicht, dass du dich strafbar machst."
Sie nickte zögernd und widerwillig.
Dann
"Was ist mit ihr?"
"Was sollte mit ihr sein?"
Sie tat einen tiefen Atemzug.
"Was wohl? Wird sie sich an deine Version halten?"
Er neigte in einer skeptischen, ja fast zweifelnden Geste den Kopf
"Mit Sicherheit wird sie das. Es wird das sein, woran sie sich erinnert."
Es hatte Poppy wohl für einen Moment die Sprache verschlagen, ihr anhaltendes Schweigen gepaart mit diesem ratlosen Gesichtsausdruck ließen für Snape keine andere Deutung zu.
Schließlich fragte sie gepresst
"Du riskierst deine Freiheit, du holst sie in dieses Haus, rettest damit ihr Leben und willst, dass sie genau das vergisst. All das? Habe ich das richtig verstanden?"
Auf sein Nicken hin fragte sie sofort die unvermeidliche Frage
"Warum?
Severus, deine Rettung ist ein Geschenk. Sie ist sich bewusst, dass du das Gesetz gebrochen hast, für sie.
Die Diskussion an deiner Haustür war vorgestern sehr deutlich bis in dein Schlafzimmer zu hören. Du willst ihr das wieder nehmen?"
Er schnaubte verächtlich.
"Du kann so schrecklich pathetisch sein, Poppy Pomfrey.
Sie wird gesund sein. Das ist mein und auch dein Geschenk an sie. Das bleibt, unabhängig von ihren Erinnerungen."
Die Medimagierin schüttelte den Kopf.
"Nenn mich pathetisch, wenn es dir damit besser geht.
Aber Unwissenheit kann eine Qual sein. Sie wird ihr Überleben nicht verstehen, es wird für sie nicht mehr als ein Zufall sein. Das ist doch nicht das selbe!"
Er schnitt ihr das Wort ab
"Ich habe das Gesetz gebrochen. Ob du es glaubst oder nicht, dieses Gesetz halte ich sogar für sinnvoll.
Sie hat nichts von uns zu wissen! Sie ist ein Muggle, Poppy.
Und das Ministerium kann mir kaum etwas vorwerfen, wenn am Ende kein Schaden entstanden ist."
Die Heilerin schnaubte
"Es fehlt noch das "nur", um dich den herzlosen und skrupellosen Mann in Perfektion spielen lassen. Sie ist nur ein Muggle."
Er reagierte nicht und so fügte sie hinzu.
"Wenn sie nichts von uns zu wissen hat, warum ist die dann hier? Tu nicht so, als sei sie dir egal."
Nein, egal war sie ihm sicher nicht. Sie interessierte ihn weit mehr als es ihm lieb war.
"Es bleibt dabei."
Fauchte er mit aller Endgültigkeit, die er aufbringen konnte.
Poppy seufzte resigniert auf und schob sie sich an ihm vorbei.
Während sie ihre Sachen im Flur zusammen suchte, gab sie ihm kühl Anweisungen für die Nacht.
Er sollte den Puls und die Temperatur von Miss Wilks anhaltend mit einem Alarmzauber überwachen. Die Tränke für den nächsten Morgen hatte sie bereits im Schlafzimmer auf den Nachttisch bereitgestellt.
"Gute Nacht und bis morgen früh."
Rief sie noch, ehe sie die Tür hinter sich laut ins Schloss fallen ließ.
