(7)

Am späten Nachmittag beschloss ich, Marcus zu besuchen. Er hatte mir schließlich gesagt, ich könne jederzeit zu ihm kommen.

Im Vorraum versuchte mich ein Vampir, den ich noch nicht kennen gelernt hatte, abzuwimmeln.

„Herr Marcus darf nicht gestört werden. Sie hätten um eine Audienz bitten sollen, Renesmee.", pflaumte der Mann.

„Corin, führ Renesmee zu mir.", erklang schneidend streng die Stimme von Marcus aus dem Hauptraum. „Sie kann jederzeit zu mir kommen, verstanden? Und solltest du nicht längst zu einem meiner Brüder zurückgekehrt sein?"

Corin öffnete mir die Tür zum Hauptraum mit einem eisigen: „Herrin" und entfernte sich dann.

Marcus kam mir von seinem Schreibtisch entgegen. „Nessie, willkommen. Bitte entschuldige das ungebührliche Verhalten von Corin."

„Kein Problem.", versuchte ich nonchalant über meine Verärgerung hinwegzutäuschen. Wir schlenderten zu dem Sofa, das mir so vertraut geworden war.

Marcus schlug seine Rockschöße zurück, ehe er sich neben mir niederließ. „Konntest du deine Mahlzeit an der Sonne genießen?"

Ich blinzelte, überrascht von der Frage. War Marcus einer meiner Beobachter gewesen?

„Du würdest dich wundern, Nessie, über welch absurde Dinge mir Bericht erstattet werden." Marcus schüttelte abwertend den Kopf. „Das meiste lese ich nicht einmal, aber was dich angeht, muss ich gestehen, dass ich neugierig war. Ich hoffe, du kannst mir meine Indiskretion verzeihen."

„Da ich sowieso ausspioniert werde", ich zuckte mit den Schultern, „kann ich dir wohl verzeihen."

„Lebst du nur von menschlicher Nahrung? Oder benötigst du auch Blut? Ich konnte nicht umhin zu bemerken, dass deine Augen ein dunkleres Gold als gestern und vorgestern zeigen."

„Ich kann von beidem leben. Aber eigentlich ziehe ich Blut vor. Tierblut." Ich fühlte mich ein bisschen lächerlich, dass ich den Zwang verspürt hatte, das Letzte zu konkretisieren.

„Möchtest du zur Jagd gehen?", erkundigte Marcus sich. „Du kannst die Burg verlassen, wenn du willst."

„Du glaubst, Aro und Caius würden mich einfach so gehen lassen?"

„Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber mit mir als Geländeführer kommst du hier überall hin." Marcus lächelte. Mir war nicht entgangen, dass er einer Antwort ausgewichen war. Um mich in Sicherheit zu wiegen? Weil er überzeugt war, dass wir belauscht wurden? Weil er nicht wusste, wie die Pläne seiner Brüder aussahen?

„War das ein Angebot?", fragte ich nach. Ich wusste, dass ich es noch drei, vier Tage ohne Blut aushalten würde, ehe ich nagenden Hunger zu spüren begann.

„Wenn du willst. Ist dir heute Nacht genehm?"

„Okay." Jetzt, da ich einmal an Blut gedacht hatte, war ich wirklich hungrig. Ein leichtes Brennen tief in der Kehle.

„Ich hole dich eine Stunde nach Sonnenuntergang ab, ja?"

Ich nickte.

Zurück in Carlisles Zimmer sah ich im Internet nach, wann der Sonnenuntergang sein würde.

Es gibt da eine Erfindung namens Uhr, Marcus. Eine sehr alte Erfindung, wohlgemerkt.

Für einen Mann ohne Uhr war Marcus bemerkenswert pünktlich. Um 21 Uhr 47 klopfte er an meiner Tür.

Ich reagierte überrascht, als ich ihn ohne seine schwarze Robe und barfuß sah. Er war mit seiner üblichen schwarzen Anzughose, dazu mit einem schlichten mittelblauen Hemd und einem dunkelgrauen Sportsakko bekleidet. Unauffällig, wenn die wuchtige Goldkette mit dem Volturi-Wappen und seine nackten Füße nicht gewesen wären.

Ich hatte für mich einen eng anliegenden Strickpullover, Jeans und die flachsten Schuhe, die ich hatte finden können, gewählt. Meine rosa Chucks, mit denen ich nach Volterra gekommen war, waren mir für eine Jagd zu schade, wenn ich nicht wusste, welche Geländebedingungen mich erwarteten. Jake hatte mir die Chucks geschenkt.

Mit dem Aufzug fuhren wir im modernen Teil der Burg in ein Kellergeschoss, das eine Garage beherbergte. Ich war geradezu schockiert, dass lediglich 14 Autos unterschiedlicher Fabrikate, von der Luxuslimousine bis zum günstigen Stadtauto, hier versammelt waren. Auf den zweiten Gedanken hin, fiel mir ein, dass es wohl nicht der einzige Fuhrpark der Volturi und ihrer Wache war.

Marcus steuerte einen Geländewagen an, ein etwa zehn Jahre altes Modell einer italienischen Luxusmarke für Elektrofahrzeuge. Natürlich besaßen die Volturi ebenso wenig wie meine Familie billige Fortbewegungsmittel.

„Mal sehen, wo ist der Schlüssel…?" Bei geöffneter Wagentür sah Marcus sich in der Fahrgastkabine um, stieg aber nicht ein. Schließlich klappte er die Sichtblende über dem Fahrersitz herab und nahm die Chipkarte, die dort steckte, in die Hand. Ratlos dreht er sie zwischen den Fingern.

Inzwischen hatte ich mich selbst ins Auto gelassen und saß auf dem Beifahrersitz. Marcus fuhr fort, sich das Armaturenbrett anzusehen.

„Du musst die Karte in den Scanner stecken.", riet ich.

Marcus hielt mir das Plastik entgegen. „Vielleicht ist es besser, wenn du fährst, Nessie. Ich beschreibe dir den Weg."

Ich rutschte auf den Fahrersitz, Marcus umrundete den Wagen und stieg ein. Ich startete das Auto mit der Überlegung, wie viele versteckte Ortungsgeräte ich wohl gerade eben in Gang gesetzt hatte.

Die Fahrt aus Volterra heraus dauerte eigentlich nicht sehr lange. Wenig mehr als zwanzig Minuten im Stadtverkehr, dann noch zehn über Land. Ich las etwa fünfzig Kilometer vom Armaturenbrett ab. Die letzte Wegstrecke hatte uns zuerst über eine Schnellstraße, dann über schmale Wege in eine Hügellandschaft geführt bis vor ein schmiedeeisernes Tor, zu dessen beiden Seiten eine niedere Mauer ein riesiges bewirtschaftetes Anwesen umschloss.

Ein von Weinbergen umgebenes Gutshaus im toskanischen Baustil erwartete uns: Flach, einstöckig, weiß gekalkt, ein rotes, kaum ansteigendes Ziegeldach. Ich parkte den Wagen vor dem Gebäude, wie Marcus mich anwies. In der kühlen Nachtluft witterte ich, dass vier Vampire sich in jüngster Zeit, wohl in der vergangenen Woche, hier aufgehalten hatten. Da ich keine Menschen riechen konnte, ging ich davon aus, dass Vampire für die Volturi das Anwesen bewirtschafteten, um die Tarnung eines ländlichen Betriebes um das Gebäude aufrecht zu erhalten.

Wir liefen in zügigem, aber gemütlichem Tempo den Weinberg hinter dem Haus hinauf. Ich sog begierig die kalte Luft in meine Lungen, genoss das würzige Aroma von Erde, Gras und Weinreben.

Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Volterra gab es niemanden mehr, der mich belauschte.

„Gibt es einen besonderen Grund, warum du mich begleitest? Traust du deinen Brüdern nicht, dass sie mich gehen lassen würden?" Ich wusste, ich riskierte mit der Frage, Marcus zu erzürnen.

„Ich bin überzeugt, Aro und Caius hätten dir ein, zwei Wachen nachgeschickt, wärst du allein gegangen, um sicherzustellen, dass du auch zurückkehrst. Ich wollte aus dem einfachen Grund mit dir kommen, weil mich das Leben in der Burg langweilt. Ich war eine Weile nicht draußen."

Wieder dieses „eine Weile".

„Gehst du denn sonst nicht nach draußen, wenn dir langweilig ist?", fragte ich verwundert. An Geld für interessante Reisen mangelte es den Volturi wahrlich nicht.

„Nein. Das Leben außerhalb der Burg ist ebenso langweilig und nichtssagend. Es ist egal, in welchem Land, auf welchem Kontinent ich mich befinde. Mit der Zeit wird alles öde und unendlich gleich."

„Aber es gibt so viel zu sehen und zu erleben!", widersprach ich heftig. „Alles ändert sich so rasend schnell, selbst für uns!"

Marcus seufzte. „Es scheint nur so. Das Leben der Menschen verändert sich, ja, aber unseres bleibt tagein, tagaus dasselbe. Ich habe lange genug versucht, mit der Zeit zu gehen, aber zu welchem Zweck? Es ist nichts weiter als langweilig, ein neues Stück Technik, ein neues Buch, einen neuen Film kennen zu lernen. Alles wiederholt sich. Das wirst du eines Tages auch erkennen, Nessie. Das Leben ist unendlich langweilig, wenn es niemanden gibt, mit dem man es teilen kann. Jemanden zu haben, den man liebt und der einen wiederliebt, ist das Einzige, wofür es sich zu leben lohnt."

Den beiden letzten Sätzen konnte ich nichts entgegensetzen. Marcus hatte Recht.

Schweigend erreichten wir die Bergkuppe. Von unten war nicht zu erkennen gewesen, dass sich eine Hochebene oberhalb des Weinguts erstreckte. Vor uns lag eine ausgedehnte Wiesenlandschaft und in ungefähr zwei Kilometern Entfernung begann ein Wäldchen.

Dort aus den nächtlichen Schatten nahm ich hunderte Herzschläge war; manche leise und zitternd wie die der Mäuse und Hasen, die sich im Grasteppich versteckten; rasch und aufgeregt wie die Herzen der nachtaktiven Eulen, die den kleinen Nagern auflauerten; der saftige, stete Puls der Rehe, die am Waldrand ästen.

Ich fühlte, wie Speichel sich in meinem Mund sammelte. Mein Speichel enthielt nur winzige Spuren an Vampirgift und war weder stark genug konzentriert, um einem Gestaltwandler zu schaden noch stark genug, um einen Menschen verwandeln zu können, aber es war ausreichend, um sogar große Raubkatzen zu lähmen. Nicht, dass ich nicht auch körperlich in der Lage war, mit einem wütenden Puma oder einem Löwenweibchen fertig zu werden.

Meine Beinmuskeln spannten sich wie von selbst und ich schnellte über die Ebene dahin, das Reißen des Windes in meinem Haar.

Die Rehe würden auf ihrer Flucht noch vor mir im Wald verschwinden, ehe ich die ersten Bäume erreichte. Es war egal, denn ich wusste, dass ich dennoch sie mühelos einholen konnte. Ich brauchte nur ihrer adrenalinschwangeren Witterung und dem Lockruf ihres ängstlichen Herzschlages zu folgen. Auf lange Distanz war ich ihnen überlegen.

Meine Beute war mir sicher.

Ich blickte zurück und lächelte, als Marcus zu mir aufschloss.

„Du rennst schneller als der Wind, junge Dame." Marcus stand vornüber gebeugt da, die Hände auf den Oberschenkeln abgestützt, als müsste er wie ein Mensch zu Atem kommen.

„Du bist doch nicht etwa erschöpft, Marcus?", neckte ich. Ich war doch nicht einmal besonders schnell gerannt. Vor allem – ich war als Halbvampir eigentlich daran gewohnt, die lahme Ente in meiner Familie zu sein.

„Ich bin alt.", beschwerte Marcus sich. „Und es ist Jahrhunderte her, seit ich zuletzt rennen musste." Er sank in einer einzigen Bewegung in einen Schneidersitz. Ich folgte seinem Beispiel und ließ mich neben ihm nieder. Das Gras unter meinen Händen war strohig und knisterte leicht.

„Wie lang genau?", fragte ich aufgeregt. Ich fand es spannend, etwas über Marcus zu erfahren.

Marcus überlegte einen Moment. „Unsere letzten großen Kämpfe gegen die Rumänen fanden zwischen 500 und 550 nach Christus statt. Anfangs dachte ich, es würde mir leichter fallen, ohne Didyme zu leben, wenn ich ihren Tod gerächt hätte…" Er seufzte.

Ich war überwältigt, wie sich unser Gespräch innerhalb von Sekunden von fröhlich zu düster gewandelt hatte.

„Ich war blind vor Trauer und Zorn.", berichtete Marcus mit leiser, trauriger Stimme. „Ich tötete dutzende Männer und Frauen ohne einen Unterschied zu machen zwischen denen, die zu Stefans und Vladimirs Clan gehörten, und denen, die nur einen entfernten Kontakt nach Rumänien hatten. Einige verhörte ich selbst, andere ließ ich von Aro berühren, ehe ich sie hinrichtete, um zu erfahren, ob sie etwas von dem Hinterhalt gewusst hatten, in dem meine Frau starb. Niemand wusste etwas außer Gerüchten."

Erst als Marcus innehielt, bemerkte ich, dass ich erschüttert und entsetzt den Atem angehalten hatte. Mein Gott! Ich kannte nur die Tatsache, dass im sechsten Jahrhundert nach Christus die großen Kriege zwischen den europäischen Vampirclans stattgefunden hatten. Doch da die Geschichtsschreibung der Vampire noch stärker als die der Menschen eine Geschichte der Sieger war, kannte ich nur Carlisles Aussage, dass die Kämpfe auf beiden Seiten verlustreich geendet hatten und sich die Volturi als die Gewinner erachteten. Und Carlisle wiederum wusste auch nur, was die Volturi ihm gesagt hatten.

Die Rumänen Stefan und Vladimir waren mir begegnet, doch ich besaß nur kindliche Erinnerungen an sie. Sie hatten zu den Zeugen gehört, die meine Familie um meine Eltern und mich versammelt hatten, um den Volturi zu beweisen, dass ich kein Unsterbliches Kind war.

Als Marcus nach einer schweren Pause fortfuhr, war seine Stimme noch dunkler und verbitterter als zuvor. „Durch mein Talent begriff ich, dass ich Unschuldigen das Gleiche antat, wie meine Gegner mir: Ich raubte durch ihren Tod ihren Gefährten das wertvollstes Gut. Eine so viel hinterhältigere Art, einen Vampir zu zerstören als durch das Feuer.

Ich zog mich aus den Kämpfen zurück und kehrte heim nach Volterra, wo meine Brüder und ich uns 800 Jahre zuvor mit unseren Frauen niedergelassen hatten. Ich wollte und konnte mich nicht länger an dem sinnlosen Abschlachten beteiligen.

Aro verfolgte Stefan und Vladimir noch eine Weile…" Marcus suchte kurz meinen Blick. „Didyme war seine menschliche Schwester, Nessie. Er verwandelte sie, weil er den Gedanken, sie altern und sterben zu sehen, nicht ertragen konnte. Nach mir war er derjenige, der Didyme am meisten liebte…

Letztlich gelang es Aro mit einem Teil der damaligen Wache, die Rumänen-Könige mit ihren Gefährtinnen und einigen Gefolgsleuten zu stellen. Der Kampf dauerte mehrere Tage an. Die einzigen Überlebenden auf Seite der Rumänen waren Stefan und Vladimir. Aro kehrte nur mit Felix und Demetri zurück."

Marcus' Worte sanken zuletzt auf ein Flüstern herab. Mit gesenktem Kopf atmete er einige Male tief durch, um sich zu beruhigen.

Mit einem Ruck sah er plötzlich zu mir auf. „Habe ich dich mit dem Geständnis meiner Verbrechen erschreckt, Renesmee? Dein Herz schlägt so schnell."

Mein Herzschlag raste noch rascher, jetzt, da Marcus es erwähnte. Seine Frage hatte er jedoch sanft und ehrlich besorgt vorgebracht.

Ja, ich hatte Angst.

Aber ich war mir nicht sicher, was genau meine Angst verursacht hatte. Die Volturi-Brüder waren als Kollektiv einschüchternd, da jeder Vampir von ihren Gesetzen und ihren skrupellosen Methoden, die Gesetze durchzusetzen und zu vollstrecken, wusste. Die Volturi waren die selbsternannten Richter und Henker unserer Welt, während sie selbst im Lauf ihrer Existenz hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen ermordet hatten.

Der letzte Punkt entsetzt natürlich nur die Vegetarier unter den Vampiren, dachte ich voller Sarkasmus.

Hatte ich Angst vor Marcus persönlich oder nur vor dem Amt, das er bekleidete?

Sah ich ihn mit anderen Augen als zuvor?

War ich überhaupt in der Lage, mir ein Urteil erlauben zu können, weil er Rache für den Tod seiner geliebten Frau gesucht hatte?

Ich könnte nicht sagen, wie ich reagiert hätte, wäre Jake nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern ermordet worden.

Im Nachhinein war mir klar, dass ich völlig irrational gewesen war, als ich mich in einen Flieger gesetzt und nach Italien gereist war mit dem Wunsch zu sterben. Ich war vor Trauer nicht bei Verstand gewesen. Doch um wie vieles irrationaler hätte ich erst gehandelt, wäre Jake gewaltsam gestorben?

Und was das Menschentöten anging: Ich war in dem vollen Bewusstsein aufgewachsen, dass es so etwas wie eine sichere, gewaltfreie Welt nicht gab. Von klein auf hatte ich am eigenen Leib erfahren, dass es Vampire gab, die anderen Vampire schaden wollten und die Menschenblut tranken.

Ich wusste, dass mein eigener Vater als junger Vampir Esme und Carlisle einige Jahre lang den Rücken gekehrt hatte. Als Nomade tötete er Menschen und ernährte sich von ihrem Blut. Er hatte in der vollen Überzeugung gehandelt, es sei durch sein Talent sein vom Schicksal ausersehenes Recht, Mörder, Vergewaltiger und andere Verbrecher auszumerzen. Es änderte nichts daran, dass er selbst willentlich zum Mörder geworden war. An dem Tag, an dem Edward begriffen hatte, dass er zu einem Monster geworden war, kehrte er zu Esme und Carlisle zurück und tötete nie wieder einen Menschen.

Mein Onkel Jasper hatte von allen Familienmitgliedern als Einziger von Anfang an als „richtiger" Vampir gelebt – leben müssen – und über achtzig Jahre lang Menschen gejagt. Er war von einer ruchlosen Frau verwandelt worden, die ihn als Soldat in den Territorialkämpfen der lateinamerikanischen Vampirclans missbrauchte. Er hatte keine andere Wahl gehabt als Menschen zu töten, da er um sein eigenes Überleben kämpfen musste. Jasper war der sanftmütigste Mann, den ich kannte, auch wenn seine aggressiven Fähigkeiten als Beschützer und Soldat seine guten Eigenschaften auf den ersten Blick überlagerten. Was Maria ihm angetan hatte, hatte ihn innerlich zerstört. Ohne Alice wäre er zugrunde gegangen. So sehr brauchten wir unsere Gefährten.

Nach all diesen Gedanken antwortete ich Marcus schließlich. „Ich bin entsetzt von dem, was du mir erzählt hast, Marcus. Wie könnte ich es auch nicht sein? Aber du bist nicht mehr derselbe, der du damals warst. Ich habe dich völlig anders kennen gelernt. Gutmütig, höflich und bescheiden. Ich bin überzeugt davon, dass Leute sich ändern können. Auch Vampire."

Marcus erwiderte nichts auf meine Worte, sondern schenkte mir nur ein trauriges Lächeln.

Immerhin ein Lächeln.