Yay, mein erstes Review! (erster? Verbessert mich bitte, wenn ihr wisst, wie es heißt) Und deswegen gibt es jetzt auch gleich das nächste Kapitel drauf. Also, wer mir und sich selber eine Freude machen will - Review da lassen! Dauert auch wirklich nicht lange! Ich nehme mir jetzt vor, bei jedem neuen Review, ein neues Kapitel zu posten (nagelt mich aber bitte nicht darauf fest, wenn es nicht immer klappt) Viel Spaß :)
Harry gehört JK Rowling und ich habe mir nur erlaubt seine Geschichte ein wenig zu verändern.
Kapitel 7
Sie wachte spät auf und war sich sofort sicher, dass sie das Abendessen verpasst hatte.
Mit einem Blick auf die Uhr stellte sie fest, dass sie Recht hatte. Es war drei Uhr nachts.
Olivia gähnte und fuhr sich über das Gesicht.
Sie hatte immer noch ihre Straßenkleider an.
Einige Augenblicke blieb sie noch halb sitzend – halb liegend in ihrem Bett, dann griff sie sich ihr Nachthemd und verschwand ins Bad um sich umzuziehen. Sie würde nicht wieder schlafen können, nicht wenn sie diese unbequemen Sachen anhatte.
Als sie sich umgezogen hatte betrachtete sie für einige Momente ihre Kleider, welche sie immer noch verwandelte um ihre Schuluniform zu imitieren. Sie hatte keine Lust, sich eine echte zu bestellen und im Moment funktionierte die Sache ja auch ganz gut.
Trotzdem wusste sie, dass das wieder eine der Sachen war, die sie nicht ewig hinaus zögern konnte.
Sie schob den Gedanken aus ihrem Kopf und kehrte in den Schlafsaal zurück, wo sie sich wieder unter die Bettdecke setzte und begann ihren Zauberstab mit dem Tuch zu polieren, welches sie sich extra für diesen Zweck vor einem Jahr selbst zu Weihnachten geschenkt hatte.
Olivia ließ sich Zeit, doch trotzdem glänzte der Zauberstab für ihren Geschmack viel zu schnell.
Mit einem leisen Kopfschütteln legte sie das Tuch wieder auf ihren kleinen Nachttisch, ehe sie anfing mit ihrem Zauberstab leuchtende Fäden durch die Luft zu ziehen.
Sie war vollkommen in Gedanken und ihr Kopf war vollkommen leer und genau das war vermutlich der Grund, warum es auf einmal funktionierte.
Plötzlich wusste sie es einfach und es schien fast schon zu leicht. Ihr Körper war bis zum Bersten gefüllt mit Aufregung und sie stand schnell auf, ehe sie endlich das tat, worauf sie seit Wochen hingearbeitet hatte.
Mit einem Schlenker ihres Zauberstabes dachte sie das, was sie gerade entdeckt hatte und formte all die Zauber die sie in Verwandlung gelernt hatte, formte sie so, dass sie sie ganz verwandeln würden.
Für einen Moment schmerzte es so sehr, dass sie zu Boden sank und ihren Zauberstab fallen ließ, doch sie unterdrückte einen Schrei und knurrte nur leise.
Und dann war es auf einmal vorbei und sie fühlte sich auf einmal viel leichter und einfach total anders. Es schien so, als hätte jemand alle Farbe aus ihrer Umgebung gezogen und obwohl es Nacht war, wusste sie, dass sie es sich nicht einbildete. Sie hörte und roch auch alles viel besser. Hörte das leise Atmen ihrer Freundinnen, als würde sie direkt neben ihr liegen und vernahm sogar das leise Schuhuen einer Eule draußen im Verbotenen Wald.
Sie hatte es geschafft.
Sie war ein Animagus geworden.
Olivia hätte sich fast unbeabsichtigt zurückverwandelt, so sehr freute sie sich, doch sie wollte ihren neuen Körper noch nicht verlassen. Nicht bevor sie wusste, was sie war.
Sie drehte ihren Kopf zu allen Seiten und musterte sich selbst, so gut es ging.
Diesmal konnte sie die Verwandlung nicht mehr zurückhalten.
Sie war ein Hund! Sie hatte sich tatsächlich in einen Hund verwandelt!
Sie hatte mit allem gerechnet. Einer Katze, einem Eichhörnchen, selbst eine Maus wäre ihr wahrscheinlicher vorgekommen. Sie hatte im Unterricht gut genug aufgepasst um zu wissen, dass der Animagus das Wesen einer Person wiederspiegelte.
Und sie war ein Hund! Ein wunderschöner Golden-Retriever!
Das waren die besten Nachrichten seit langem!
Sie jubelte kurz, so froh war sie, hörte jedoch sofort auf, als sie bemerkte, wie Ginny sich in ihrem Bett grummelnd umdrehte.
Ruhe, dass war es jetzt, was sie brauchte. Sie musste sich wieder beruhigen, freuen konnte sie sich immer noch am nächsten Tag.
Seufzend warf sie sich auf den Rücken, richtete sich jedoch noch einmal auf, um ihr Kissen zurecht zu klopfen.
Warum nur, hatte sie das Gefühl, diese Nacht nicht mehr schlafen zu können?
Tatsächlich schlief sie daraufhin lange nicht ein, und als sie es endlich tat, konnte sie gerade eine Stunde schlafen, ehe ihr Wecker auch schon klingelte.
Schöne Welt.
Verschlafen und mit Ringen unter den Augen ging sie dann mit den anderen zum Frühstück, war jedoch um einiges fröhlicher als die restlichen Tage und auch nicht mehr gestresst, da sie die Lösung nun endlich gefunden hatte.
Sie plauderte lachend mit den anderen und fühlte sich für einen Moment schlecht, als sie die Erleichterung auf den Gesichtern ihrer Freundinnen sah.
Sie hatte nicht daran gedacht, welch große Sorgen ihre Freundinnen sich um sie machen würden.
Kurz darauf wurde ihr fröhliches Plaudern unterbrochen, als sich Harry, Ron und Hermine zu ihnen gesellten, doch die Gespräche wurden kurz darauf wieder aufgenommen.
Wer die Gespräche schließlich ganz zum Versiegen brachte, war Nate, welcher sich auf einmal vollkommen ohne Vorwarnung neben Olivia auf die Bank fallen ließ und die überraschten Blicke der anderen gar nicht zu bemerken schien, als er ein fröhliches „Guten Morgen" in die Runde rief.
Daraufhin war es eine Weile still, während Ginny nicht gerade unauffällig mit Alex und Jaquie flüsterte. Offenbar schienen sie sich zu fragen, warum der gutaussehende Vertrauensschüler auf einmal bei ihnen saß und den fordernden Blicken nach zu schließen, die sie Olivia immer wieder zuwarfen, glaubten sie, dass er wegen ihr da saß und schienen zu erwarten, dass sie ihn ihnen als ihren Freund vorstellte.
Was natürlich lächerlich war, da sie nicht zusammenwaren und sie ihn sowieso viel besser kannten als sie.
Aus diesem Grund ignorierte sie die Blicke auch geflissentlich, konnte jedoch nichts dagegen tun, dass ihre sonst so weiße Haut rot wurde.
Als sie dann auch noch loskicherten, als Nate ihr ein Brötchen reichte und ihre Hände sich einen Moment zu lang berührten, wurde es Olivia zu viel und sie zischte zwischen den Zähnen hervor, dass sie losmüsse.
Ihre Freundinnen schienen auf einmal ein schlechtes Gewissen bekommen zu haben, denn sie folgten ihr – zwar weiterhin leise kichernd – aus der Großen Halle.
„Was ist denn nun zwischen euch beiden?", stellte Ginny dann schließlich die Frage, die alle drei Mädchen brennend zu interessieren schien.
„Nichts", antwortete sie wie aus der Pistole geschossen und brachte die anderen Mädchen dadurch sofort wieder zum Lachen.
„Nimm es mir nicht übel, aber du warst rot wie eine Tomate und da du nie rot wirst, denke ich schon, dass da mehr als nichts ist", meinte Alex lachend.
„Ach seid einfach still", murrte Olivia nur und drehte sich in Richtung Kerker.
Selbst auf eine Doppelstunde Zaubertränke bei Professor Slughorn freute sie sich im Moment. Hauptsache sie würde für einige Zeit ihre Ruhe haben, denn Alex und Jaquie hatten Zaubertränke abgewählt und Ginny war zumindest halbwegs vernünftig.
Als Ginny sie kurz darauf einholte, war sie tatsächlich äußerst vorsichtig, mit dem, was sie sagte. Zu Anfang sagte sie nämlich gar nichts.
Als sie dann schließlich doch das Wort ergriff, waren sie schon fast vor dem Klassenzimmer.
„Nimm nicht so ernst, was sie sagen. Sie sind einfach nur aufgeregt, weil sie dich das erste Mal so erleben. Weißt du, die ganzen Jahre haben sie sich verliebt und wieder entliebt, während du munter deine Freunde gewechselt hast, ohne auch nur die Spur eines Gefühls zu zeigen. Sie fühlen sich gut, zu wissen, dass es dir, zumindest dieses Mal, so geht wie ihnen."
Olivia seufzte und schüttelte den Kopf. Ginny die Hobbypsychologin.
„Als es bei mir mit den Jungs angefangen hat, war ich gar nicht mehr hier in Hogwarts, woher wollen sie also wissen, wie ich mich gefühlt habe?"
Ginny zog die Augenbrauen hoch und sagte dann eindringlich: „Die Briefe? Erinnerst du dich nicht?"
„Doch, schon, aber woher sollen sie wissen…"
„Ach komm, Oliv, stell dich nicht dümmer als du bist. Du hast uns jede Woche von einem neuen Freund geschrieben und kein einziges Mal hast du auch nur angedeutet, dass du in einen verliebt bist, oder es dir leid tut, mit einem von ihnen Schluss gemacht zu haben."
Einen Moment lang blieb Olivia stehen und sah zu Boden, dann fragte sie, auf einmal verzweifelt: „Willst du mir sagen, dass ich nie etwas gefühlt habe? Das ich nie auch nur in der Lage sein werde, etwas zu fühlen?"
„Nein, Livie. Das will ich nicht sagen. Die Aktion gerade zeigt doch mehr als deutlich, dass es nicht so ist. Es zeigt nur, dass du nicht so dumm bist, dein Herz an jeden nächstbesten Typen zu verschenken. Ich denke, mit Nate hast du da genau den richtigen getroffen. Er ist ein guter Kerl."
Sie nickte erleichtert und schenkte Ginny sogar ein kleines Lächeln, ehe sie gemeinsam das Klassenzimmer für Zaubertränke betraten.
Der restliche Tag war gefüllt von Blicken und Bemerkungen, die Olivia fast in den Wahnsinn trieben. Sie hoffte nur, Nate würde sich beim Abendessen nicht wieder neben sie setzen. Sogar das Mittagessen hatte sie gemieden, um dieser Situation aus dem Weg zu gehen.
Sie war auch nach dem Unterricht nicht im Gemeinschaftsraum geblieben, sondern hatte sich gleich in den Schlafsaal zurückgezogen.
Sie wusste nicht, was mit ihr los war und überlegte sich ernsthaft, wo das gute Gefühl vom gestrigen Abend hin verschwunden war.
Das einzige, was sie wieder aufmuntern konnte, war ihr „neuer bester Freund" – sie selbst, oder besser gesagt, ihr zweites Ich.
Olivia hatte einfach die Tür abgeschlossen und hatte sich verwandelt.
Es fühlte sich zu Anfang immer noch komisch an, doch mit der Zeit fühlte sie sich immer wohler und genoss es sogar in ihrer Hundegestalt noch mehr, sich auf ihr Bett zu legen, auch wenn sie dabei fast weiße Haare auf ihrer Tagesdecke zurückließ.
Sie liebte Hunde, auch wenn es leicht nervte, dass sie auf einmal einen merkwürdigen Appetit auf Papier hatte, welchen sie jedoch zum Glück noch leicht verdrängen konnte.
Sie blieb so lange in ihrer Animagusgestalt, bis sie jemanden an der Tür klopfen hörte und sich augenblicklich zurückverwandelte, was leichter war, als sie erwartet hatte.
Mit wenigen Schritten war sie bei der Tür und löste den Zauber, wobei sie für einen Moment Probleme damit hatte, auf zwei Beinen zu laufen.
Vor der Tür stand Jaquie. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt und wirkte für den friedliebenden Menschen, der sie war, äußerst wütend.
„Olivia Marner, hast du eigentlich den klitzekleinen Funken einer Ahnung, was für einen Fehler du gerade machst?"
Ihr klappte der Mund auf und sie brachte nur ein stotterndes „Wwaas?" heraus.
„Jetzt mal im Ernst, Livie! Da unten wartet einer der süßesten Typen die es hier in Hogwarts gibt, und du verbarrikadierst dich in deinem Schlafzimmer? Die Olivia, die ich gekannt habe, hätte die Herausforderung dankend angenommen und wäre mittlerweile bestimmt schon in irgendeiner Besenkammer verschwunden!"
„Ehh… das mit Nate ist etwas vollkommen anderes…"
„Ja, genau! Weil nämlich zum ersten Mal Gefühle im Spiel sind. Es tut uns wirklich leid, dass wir so gelacht haben, aber du musst so langsam wirklich lernen mit diesen nervigen kleinen Dingern umzugehen! Und jetzt, wo du sogar noch einen Grund dafür hast, solltest du es doppelt so hart versuchen!"
Einen Moment sah sie in Jaquies große, graue Augen und diese erwiderte ihren Blick entgegen ihrer sonstigen Schüchternheit selbstbewusst und mit einer sonst nicht gekannten Herausforderung im Blick.
„Geh einfach da runter und schnapp dir den Kerl. Und mach dir keine Sorgen, von wegen, ihr kennt euch noch nicht lange genug. Der Typ steht ganz offensichtlich auf dich. Las es darauf ankommen. Du hast zwar viel zu verlieren aber umso mehr zu gewinnen", meinte sie, jetzt deutlich sanfter und Olivia fragte sich für einen Moment, wie sie so gute Freunde verdient hatte.
„Oh, ich liebe dich, Jaquie!", flüsterte sie und zog ihre Freundin in eine feste Umarmung.
Jaquie lachte und bedeutete ihr mit einem Zucken ihres Kopfes, dass sie den Vertrauensschüler nicht länger warten lassen sollte.
„Na geh schon, du packst das! Du bist einfach traumhaft und versuch dir nicht, etwas anderes einzureden!"
Olivia lächelte und hob die Hand zum Abschied ehe sie nicht sehr damenhaft die Wendeltreppe hinunterpolterte.
Es dauerte nicht lange, da sah sie ihn auch schon.
Kaum dass er sie bemerkt hatte, war er aufgestanden und nun kam er auch schon breit lächelnd – wenn auch mit einer Spur Verunsicherung darin – auf sie zu.
Olivia konnte nicht anders – sie schenkte ihm ein mehr als strahlendes Lächeln.
Und dann nutzte sie wieder ihre Ausrede, in Frankreich gelebt zu haben und küsste ihn auf beide Wangen. Begrüßen tat sie ihn diesmal aber trotzdem auf Englisch.
„Hey!"
„Ähh, hey. Wofür war das denn schon wieder?"
Mit einer gewissen Befriedigung stellte sie fest, dass er rot anlief.
„So begrüßt man sich nun mal in Frankreich. Sie nennen es bise oder bisou. Ich habe gedacht, ich könnte das hier wieder aufleben lassen. Es fühlt sich dann vertrauter hier an, verstehst du?"
Er nickte, doch sie sah ihm an, dass er die Hälfte, die sie die letzte halbe Minute lang gesagt hatte, eben nicht verstanden hatte.
„Was gibt es denn?", fragte sie und war froh, dass sie dabei so selbstbewusst klang.
„Ehm, ja. Ich wollte dich fragen, ob du Lust hast mit mir zum Abendessen zu gehen?"
Olivia prustete los und Nates Gesicht verschloss sich augenblicklich.
„Heißt das, Nein?"
„Nein? Was? Nein, das heißt einfach, warum hast du nicht früher gefragt!"
Das Lächeln kehrte langsam wieder auf sein Gesicht zurück.
„Das heißt also, Ja!"
Sie nickte grinsend und hackte sich bei ihm unter, ehe sie gemeinsam den Gemeinschaftsraum verließen.
„Und, feuerst du uns übermorgen beim Quidditchspiel an?"
„Natürlich! Diesen Slytherins müsst ihr es unbedingt zeigen!", meinte er voller Enthusiasmus.
„Ähm ja, und deswegen muss ich nach dem Abendessen auch zum Training. Tut mir Leid", meinte sie zerknirscht.
Er lachte nur und entgegnete: „Solange ihr gewinnt, komme ich schon damit klar. Immerhin gibt es noch viele freie Nachmittage und Abende, an denen du kein Quidditchtraining hast, oder?"
Olivia nickte fröhlich und zog ihn in einen Geheimgang, welcher den Weg zur Großen Halle um ein ganzes Stück verlängerte. Nate schien sich daran nicht zu stören.
„Warum eigentlich Nate? Das ist doch eine Abkürzung, oder?"
„Ehm, ja, das ist es. Mein ganzer Name ist Nathan. Ich wurde nach meinem Vater benannt, aber nach der ganzen Sache…", er stockte.
„Schon in Ordnung. Du musst nichts sagen. Ich denke, ich verstehe, was du meinst."
Nate lächelte schief und fragte: „Wirklich?"
Sie nickte und lächelte schüchtern zurück. Das ganze Thema war ihr auf einmal unglaublich unangenehm.
Trotzdem konnte sie sich nicht davon abhalten zu sagen: „Mein… Dad starb, als ich zehn war. Ich weiß, dass es nicht das Gleiche ist – er ist an Krebs gestorben – aber trotzdem. Ich weiß, was du meinst."
Einen Moment liefen sie schweigend weiter, beide in ihre eigenen Gedanken versunken, dann ergriff Nate schließlich wieder das Wort.
„Warum zögerst du immer, bevor du Mum oder Dad sagst? Warum bist du so durchgedreht, als du mich mit dem Brief gesehen hast?"
Sie erstarrte und fühlte, wie sich tausend kleine Eiszapfen in ihre Haut bohrten. Unglaublich, dass ihm das aufgefallen war.
„Es… eigentlich will ich es niemanden sagen. Ich habe es nicht einmal meinen Freunden erzählt, obwohl sie die besten Freunde sind, die man haben kann."
Er sah sie verständnisvoll an und nickte, „Und ich glaube, dass genau das der Grund ist, weshalb du mit jemand anderem reden solltest."
Olivia erwiderte seinen Blick verständnislos und er erklärte es ihr.
„Sie sind dir in diesem Fall zu nahe. Sie kennen dich zu lange, du hast Angst, dass sie erkennen, was du wirklich fühlst, oder sogar Mitleid mit dir haben. Bei jemand anderem hättest du dieses Problem nicht. Glaub mir, ich sprech´ aus Erfahrung. Wenn du es mir also erzählen willst, kannst du das tun. Ich werde mir nichts dabei denken, egal was du sagst."
Einen Moment lang blickte sie in skeptisch an.
„Ach und keine Sorge, ich werde damit klar kommen, egal was es ist und weitererzählen werde ich es ganz sicherlich auch nicht."
Einen Moment lang ließ sie sich noch Zeit und fragte sich, ob der „Fremdeneffekt" bei ihm überhaupt noch funktionierte. Er hatte ihre Sorgen gerade so gründlich beseitigt, dass sie sich nicht sicher war, ob er sie nicht vielleicht besser kannte, als er es darstellte.
Schließlich konnte sie die Worte aber nicht mehr davon abhalten, aus ihrem Mund zu laufen und sie wehrte sich auch nicht mehr dagegen.
„Du musst wissen, dass du die erste Person bist, der ich davon erzähle. Es ist wirklich… ziemlich persönlich", sie wartete keine Antwort ab, sondern fuhr vollkommen ruhig fort „In den Sommerferien war ich mit meiner Mum in Paris, wo wir eine kleine Wohnung haben. Einen Tag vor der Abreise des Hogwartsexpresses hat sie mir eröffnet, dass sie nicht meine richtige Mum ist, und auch mein Dad nie mit mir verwandt war. Deine Mutter wollte dich beschützen, das waren ihre Worte." Sie konnte die Bitterkeit, die bei der Erinnerung in ihr hoch kam nicht unterdrücken und auch ihr Hals fühlte sich seltsam zugeschnürt an.
„Deine Eltern müssen dich wirklich geliebt haben", flüsterte Nate in die entstandene Stille hinein und schien ihre stumme Frage zu hören, ohne dass sie sie hätte aussprechen müssen.
„Beide. Ich meine beide deine Eltern. Sowohl deine leiblichen, als auch deine Adoptiveltern. Ich kann zwar nicht aus Erfahrung sprechen, aber es muss schlimm sein, sein Kind weggeben zu müssen. Davor benötigt es bestimmt mehr Mut als vieles andere in einem ganzen Leben."
„Ich weiß, mittlerweile habe ich das auch kapiert", seufzte sie und schaute ihn zum ersten Mal, seit sie ihre Erzählung begonnen hatte, wieder ins Gesicht.
In seinen Augen lag kein Mitleid, nur Verständnis und ihre Sorgen waren für einen Moment vollkommen verschwunden.
Sie blieb stehen, benommen von dem Blick, der er ihr zuwarf.
„Was… ist los?"
„Ehm, nichts", meinte er und wandte peinlich berührt den Blick von ihren Augen ab und sah seine Hände an, als wären sie interessanter als sie.
Das konnte Olivia natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Wenige Momente überlegte sie noch, ob sie es wagen sollte, ob sie sich nicht vollkommen mit ihm und seinen Zeichen täuschte – er war so vollkommen anders, als die anderen Jungen, mit denen sie sich getroffen hatte.
Dann entschied sie sich für Alles oder Nichts.
Mit einem Schritt stand sie direkt vor ihm, legte eine Hand in seinen Nacken und stellte sich auf die Zehenspitzen um ihn zu küssen.
Einen Moment lang rührte er sich nicht und Olivia hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass sie vielleicht nicht auf ihr Glück und ihr Gefühl vertrauen hätte sollen.
Nate war nicht der Typ Junge, der mit jedem dahergelaufenen Mädchen wild in einem abgelegenen Gang rumknutschte – nicht wenn er sie erst so kurz kannte.
Die Gedanken schwirrten wirr durch ihren Kopf und sie fragte sich, ob sie sich von ihm lösen sollte, ehe er sie wegstoßen würde, ihnen wurde jedoch jäh ein Ende gesetzt, als Nate plötzlich einen Arm um ihre Hüfte legte und sie näher an sich zog.
Olivia war geschockt – ehrlich geschockt – und die Erkenntnis, dass sie ihn geküsst hatte, ohne sich hundertprozentig sicher zu sein, ließ noch merkwürdigere Gedanken durch ihren Kopf schießen.
Sie erwiderte seinen Kuss, während sie fast panisch nach der Lösung in ihrem eigenen Kopf suchte.
Sie dachte nicht nach, wenn sie einen Jungen küsste!
Es war nicht richtig!
Es fühlte sich nicht richtig an!
Mit einem atemlosen Keuchen stieß sie ihn von sich weg brachte gerade noch ein „Sorry!" hervor, ehe sie davonstürmte.
Nur weg, das war das Einzige, woran sie denken konnte.
So, hoffe, das ist jetzt nicht zu merkwürdig und übertrieben, aber es hat sich einfach nach der richtigen Reaktion angefühlt... Naja.
In den nächsten Tagen wird wohl nichts mehr kommen, da ich über die Ferien in London bin und dort andere Dinge vorhab als zu schreiben hehe :D
Bis zum nächsten Mal ringelblume
