Dieses Kapitel ist allen Sirius-Fans gewidmet, ich soll euch von ihm ein "Hallo" (mit einem sexy Augenaufschlag, versteht sich) ausrichten, er freut sich sehr, dass er so gut ankommt und so viele Verehrerinnen hat und überlegt ernsthaft, mal die eine oder andere zu einem Blind Date einzuladen^^

Freitag, 7. Dezember 1984, 12.07 Uhr

"Hey Stinker!" Verärgert verschränkte Harry die Arme vor der Brust und blitzte seinen Paten beleidigt an. "Ich bin kein Stinker!" "Nun, jemand der auch nur einmal das Vergnügen hatte dir die Windeln wechseln zu dürfen, würde das sicher anders sehen, aber gut, lassen wir das. Fangen wir noch mal von vorne an." Er ging in die Knie und breitete seine Arme aus. "Haaaarryyyyyy!" "Onkel Siiiiriiiii", kreischte der Kleine vergnügt zurück, stürzte auf den Schwarzhaarigen zu und ließ sich herumwirbeln. "Hast du mich vermisst, Welpe?" "Welpe?" Der Vierjährige runzelte die Stirn. "Welpe? Aber das passt nicht, weil Kinder von Hirschen sind... sind... Hirschbabies!" "Das Baby von einem Hirsch ist soweit ich weiß ein Kitz, aber das hört sich doch total doof an", sagte Sirius. "Aber lassen wir auch das. Ich jedenfalls habe dich ganz, ganz doll vermisst. Und du? Du bist bestimmt ganz verrückt geworden in der laaaangen Zeit, die du ohne mich verbringen musstest, was?" Harry runzelte die Stirn. "Du hast mir gestern Abend nach der Arbeit noch Gute Nacht gesagt! Und heute Morgen warst du im Kamin und hast mit Mummy geredet, wann du mich wieder nach Hause bringen sollst! Das ist keine lange Zeit." "Uhhh", machte Sirius und griff sich mit einer theatralischen Geste ans Herz. "Das tut echt weh! Ich vermisse dich in jeder freien Sekunde und du... du vermisst mich nur, wenn wir uns mehrere Tage nicht sehen? Uuuuhhh!" Harry verzog irritiert das Gesicht. "Uhm..." "Oh, vergiss es ,Harry, entschuldige. Ich vergesse manchmal, dass du noch ein Kind bist und diese Art von Humor noch nicht verstehst. Ähm... wie wärs, wenn wir dich schell anziehen und dann nach Hause apparieren?"

Der Kleine hüpfte folgsam zurück in die Garderobe vor dem Gemeinschaftsraum, in der die Kinder jeden Morgen ihre Jacken und Straßenschuhe auszogen, um dann in ihre Hausschuhe zu schlüpfen. Mit schnellen Bewegungen öffnete er die Klettverschlüsse und zog sich die Puschen von den Füßen. Mit einem einzigen Griff schnappte er sich seine Schuhe, quetschte seine Füße mit Hilfe seines Patens hinein und hielt sie diesem dann vors Gesicht. "Ich glaube, die kannst du schon selbst zumachen, oder?", fragte Sirius und wollte sich schon wieder erheben, als sich kleine Hände in den Stoff seiner Jacke krallten. "Aber guck, das sind die anderen Winterschuhe, die mit den Bändern!" Er hob die Füße höher und wackelte demonstrativ mit ihnen, woraufhin er nach rechts kippte und fast von der kleinen Bank fiel. "Na schön", machte sein Pate und bemühte sich nicht zu lachen. "Du kannst ja Mummy mal fragen, ob sie das Schleifen binden mit dir übt. Aber ich kanns dir ja jetzt schon einmal zeigen. Also...
Kreuz die Arme, schlüpf unten vor,
zieh ganz fest und leg ein Ohr.
Den Ring drumrum, zum Fenster raus,
zieh die Ohren lang, und jetzt ists aus.
Kapiert?" "Nein", sagte der Kleine nur, schien aber auch nicht wirklich interessiert daran zu sein, diese Wissenslücke zu füllen, war es doch viel einfacher seine Familie die Arbeit machen zu lassen.

"Na hopp", sagte Sirius und hielt dem Vierjährigen ungeduldig seine Jacke hin. "Wir haben eine Menge vor, also beeil dich ein bisschen!" Die Augen des Kleinen funkelten aufgeregt und er sprang schnell auf und ließ sich in die Jacke helfen. Als er kurz darauf den Reißverschluss hochzog und Sirius ihm seine Mütze mit den langen Troddeln dran aufsetzte und ihm dann einen Schal umband, betrat eine Frau mit langem, schwarzem Haar den Raum. "Oh Harry, du bist noch da?", fragte sie und lächelte den Kleinen an, woraufhin dieser fast unmerklich das Gesicht verzog. "Ja." "Und Sie sind...?" "Sirius", stellte sich dieser vor und reichte ihr mit seinem typischen, gewinnenden Lächeln die Hand. "Stacey", erwiderte die Schwarzhaarige. "Ich habe am Montag meine Probezeit hier angefangen. Wow", sie blickte auf seine Finger und lächelte dann kokett, "Haben Sie etwa ihren Ehering heute neben der Dusche vergessen?" "Äh nein?", machte Sirius und ignorierte dabei geflissentlich das energische Zupfen an seiner Jacke. "Ich bin nicht verheiratet." "Oh, gut", zwitscherte sein Gegenüber und ihr breites Lächeln entblößte mit Lippenstift verschmierte Zähne. "Wie wäre es, wenn Sie mich morgen Abend mal ins "Chez nous" einladen?" "Ähm", machte Sirius überrascht, mochte er zwar selbstbewusste Frauen, aber sich selbst einzuladen war dann doch etwas anderes. "Ähm, morgen ist ganz schlecht, aber sonst..." "Ach so", fauchte sie pikiert. "Erst baggern Sie mich aufs Schärfste an und dann zeigen Sie mir die kalte Schulter? So werden Sie aber keine Freundin finden!" "Er braucht keine Freundin", mischte sich Harry ein und schob seine Hand in die seines Patens. "Meine Mummy ist die einzige Frau in seinem Leben, jawohl!" "Oh. OH! Sie... Sie... Sie sind der Vater? Sie Schwein, Sie! Flirten mit mir, laden mich ein und sind schon vergeben? Nicht, dass ich da generell was dagegen hätte, aber mit einem Kind? Ich habe keine Lust jetzt schon Mutter zu spielen!" "Öhm, okay... Ja genau, Sie haben recht", machte Sirius, schnappte sich seinen Patensohn und flüchtete dann fast schon aus der Kindertagesstätte.

"Mann Harry, bin ich jetzt schon so alt, dass ich nicht mehr mitkriege, wenn ich flirte?", lachte Sirius nach einem Moment des Schocks, woraufhin sein Patensohn den Kopf schüttelte und ihn ernsthaft und sehr erwachsen ansah. "Ich hab ja versucht dich zu warnen, aber du musstest ja unbedingt mit ihr reden. Ich mag die nicht, die kichert den ganzen Tag und weißt du was? Die raucht im Garten und dabei darf man das gar nicht! Aber Stevie sagt, dass die bestimmt bald wieder weg geht, weil die hilft uns nämlich gar nicht, sondern tut immer so als wären wir total doof! Und die will uns immer küssen! Aber ich mag das nicht, dann hab ich nämlich bestimmt das ganze Gesicht voll Farbe und deswegen renn ich immer weg. Und dann läuft sie hinter mir her und kichert, dass wir jetzt Fangen spielen. Die ist sooo doof, Onkel Siri!" "Aber hübsch", warf dieser mit einem wehmütigen Lächeln ein, winkte dann aber ab. "Jedenfalls weiß ich jetzt wieder, warum ich single bin. Wo zum Henker verstecken sich nur die guten Frauen? Egal, bist du bereit zum Apparieren?" "Nein", sagte Harry und versuchte seine Finger aus der Hand seines Patens zu ziehen, aber da war es auch schon zu spät.

Mit einem lauten "Plopp!" erschienen sie in der Küche von Sirius' Wohnung, wo sich der Schwarzhaarige sofort bei dem Sohn seiner besten Freunde entschuldigte. "Aber jetzt sind wir wenigstens da", sagte er. "Und wir haben richtig viel Zeit gespart!" "Mummy holt mich immer zu Fuß oder mit dem Auto ab", maulte der Vierjährige und versuchte sein Gleichgewicht wiederzufinden. "Ich wohne aber auch weiter vom Kindergarten entfernt", widersprach Sirius, schüttelte dann aber den Kopf und grinste. "Und ich bin auch ein klitzekleines bisschen faul." Damit half er seinem Patenkind aus der Jacke, schnappte sich seine Mütze, seinen Schal und mit einem Wink seines Zauberstabes auch seine Schuhe und ging in den Flur. Harry, der prompt auf dem Hintern gelandet war, als die Schuhe einfach so unter ihm weggerissen worden waren, stand jetzt murrend wieder auf, ging zur Besteckschublade, griff sich das extra für ihn besorgte Kindergeschirr, kletterte auf seinen Lieblingsstuhl am Fenster und wartete dann auf den besten Freund seiner Eltern. Als dieser auf seinen Socken in die Küche geschlittert kam, fing der Kleine an, rhythmisch mit Gabel und Löffel auf den Tisch einzuklopfen. "Wir haben Hunger, Hunger, Hunger, haben Hunger, Hung..." "Wir? Ich sehe hier nur dich", unterbrach ihn Sirius breit grinsend und ging zum Kühlschrank, um einen Topf mit Milchreis herauszunehmen, ihn auf den Herd zu stellen und diesen dann anzustellen. "Oh, magst du nichts essen? Na gut, dann hab ich mehr", grinste der Vierjährige breit, woraufhin Sirius' Augen groß wurden und er schnell den Kopf schüttelte. "Nee, du hast natürlich recht." Dann betrachtete er das Ebenbild seines besten Freundes (von Lilys Augen natürlich mal abgesehen) und runzelte die Stirn. "Du klingst schon wie deine Mummy und dein Daddy, du lernst wirklich schnell!"

Harry grinste fröhlich und begann wieder zu singen und nach ein paar Sekunden stimmte auch Sirius mit ein. Nach der dreiundzwanzigsten Wiederholung allerdings klang Harry langsam etwas heiser und so sprach der Hundeanimagus leise einen Zauber und Sekunden später war der Milchreis dann auch endlich warm. Schnell füllte Sirius die Teller bis zum Rand und stellte sie auf den Tisch. Dann ging er zum Kühlschrank, holte ein Glas Apfelmus heraus und als er sich kurz darauf wieder umdrehte, konnte er sich ein sanftes Lächeln nicht verkneifen. Harry hatte den Löffel mit der ganzen Faust umklammert, hing mit dem Kopf nur Zentimeter über dem Tellerrand und schaufelte den Reis nur so in sich hinein. Sein Gesicht war völlig verklebt, seine Wangen gerötet und er sah einfach nur bezaubernd aus.

"Schling nicht so, sonst hast du nachher Bauchschmerzen", sagte Sirius, setzte sich hin und winkte sich selbst einen Löffel herbei, als ihn der Blick seines Patenkinds traf. Irgendwie erinnerte ihn dieser Ausdruck sehr an den von James, wenn er "Das sagt der Richtige!" dachte. "Daddy ging es übrigens den ganzen Tag gut", plapperte der Kleine. "Aber er hat ja auch auf Mummy gehört! Und er hat gesagt, dass du bei der Arbeit in deine Schublade gekotzt hast!" "Das ist kein schönes Wort, Harry", mahnte Sirius, grinste aber dann. "Aber es ist auch keine schöne Tätigkeit, von daher..." Er stutzte und setzte noch einmal neu an: "Außerdem haben weder der Keksteig noch die Kekse danach meinem Magen geschadet, das waren das Fischbrötchen und die Sahnetorte, die ich mir zum Mittagessen gegönnt hatte! Kurz darauf bin ich appariert und ja... das fand mein Magen wohl nicht so toll." "Uäh", machte Harry und verzog das Gesicht, wie er es auch immer tat, wenn sich seine Eltern leidenschaftlich küssten. "Voll eklig!" "Ich hatte da aber Hunger drauf", maulte Sirius. "Und bevor du jetzt fragst, ob ich schwanger bin... Das kannst du dir sparen, das hat Lily gestern Abend schon getan."

Harrys Löffel hing sekundenlang in der Luft und der Schwarzhaarige starrte irritiert vor sich hin. "Männer können keine Kinder kriegen. Und deswegen musst du dir nämlich eine Freundin suchen und dann kriegt ihr ein Baby und ich kann für immer mit ihm spielen." "Ah", machte Sirius wenig intelligent und mit offenem Mund, schüttelte dann aber den Kopf und wechselte das Thema. "Und was hast du heute im Kindergarten gemacht?" "Uhh, wir haben ein neues Lied gelernt und dann hab ich mit Amy in der Puppenküche gespielt und dann kam Thomas und er hat mich ausgelacht und er hat gesagt, dass ich voll ein Mädchen bin...", seine Stimme wurde weinerlich, "Und dann... dann hat sich der Stuhl bewegt und ihm ein Bein gestellt und er ist hingefallen und hat sich den Kopf angehauen! Und dann hat er geheult und ich bin hingegangen und wollte sagen, dass er jetzt das Mädchen ist, aber dann hat er mir Leid getan und ich habe ihn getröstet und jetzt sind wir Freunde und nächstes Mal kochen wir zusammen ." "Aha", nickte Sirius mit einem breiten Grinsen und schob sich einen weiteren Löffel Milchreis in den Mund. "Un wasch wa in dei Klenda?", schmatzte er und mischte noch etwas Apfelmus unter sein Essen. Harry brauchte eine Weile, verstand dann aber doch, was sein Pate hatte fragen wollen, sprang auf und rannte in den Flur. Sirius wirkte merklich verblüfft und blickte immer wieder zwischen seinem Teller und der Tür, durch die Harry verschwunden war hin und her und wirkte dabei leicht verzweifelt, aber bevor er sich entschieden hatte, was jetzt Vorrang hatte, schlitterte Harry schon wieder zurück zu ihm und blickte ihn dann von unten herauf an. "Guck", strahlte er und hielt seinem Gegenüber eine kleine Tüte vor das Gesicht.

"Uh, Kekse", strahlte Sirius, schnappte sich die Tüte, holte ein Gebäckstück heraus und biss genüsslich hinein. "Uh... Kekse", machte er erneut, streckte die Zunge raus und kratzte dann mit den Fingern über eben diese, um auch selbst den kleinsten Rest von seinem Geschmacksorgan zu entfernen. "Das ist ja widerlich!" "Das ist nicht widerlich, das sind Hundekuchen", belehrte ihn Harry mit erhobenen Zeigefinger. "Mummy wollte mir eigentlich eine Leine schenken, aber sie hat gesagt, dass sie Angst hat, dass du sie damit stra... stran... dass du damit irgendwas machst, was sie nicht gut findest." "Vielleicht hätte sie Wahrsagen doch nicht abwählen sollen", knurrte der Hundeanimagus und schob sich schnell einen weiteren Löffel Milchreis in den Mund, der ihm allerdings nicht mehr zu schmecken schien, denn er spuckte ihn kurzerhand wieder aus. "Das darf man nicht", rügte ihn Harry erneut, woraufhin er sich einen tödlichen Blick einfing.

"Bist du jetzt böse auf mich?", fragte Harry leise und Sirius seufzte. "Nein, natürlich nicht, ich bin nur ein bisschen doof, aber erzähl Mummy nicht, dass ich das gesagt habe, sonst schmeißt die eine Riesenparty, weil ich es endlich zugegeben habe." Er lachte, riss sich dann aber schnell wieder zusammen, als er das irritierte Gesicht seines Patenkinds sah. "So, jetzt bin ich wieder normal, versprochen. Zumindest für die nächsten zwei Minuten", murmelte er leise und verdrehte die Augen. "Oh je, ich tue es ja schon wieder. Jetzt aber. Also Hundekuchen, ja? Na gut, Mummy will ja eh, dass wir nachher noch rausgehen, damit du ein wenig Bewegung hast, dann kann ich dich ja auch als Padfoot begleiten. Aber du bleibst immer in Sichtweite, klar? Ich habe nämlich keine Lust, von deinem Vater kastriert und von deiner Mum jedes Haar an meinem Körper -und ich meine wirklich jedes Haar- einzeln ausgerissen zu bekommen, weil ich dich verloren habe!" "Okay", grinste Harry und entblößte dabei sämtliche Zähne. "Warum lachst du?" "Weil... Ich musste doch letztens geimpft werden, nech? Und ich hatte ganz doll Angst und Mummy hat gesagt, sie lässt sich auch spritzen, aber das ging nicht, weil sie das erst kurz vorher getan hat. Und...", er kicherte, "Mummy hat dann rausgefunden, dass Daddy gar nicht mehr richtigen... ähm... Schutz hat. Und dann hat sie gesagt, dass er nicht einen Trank, sondern eine Spritze nehmen soll und dann musste er mit und wir haben uns impfen lassen und das hat auch gar nicht doll wehgetan. Und wir haben ein Pflaster und einen Lolli gekriegt und daaaannn...", er grinste breit, "Dann hat Daddy das Pflaster abgerissen und dann hat er geschrien, das war sooo lustig! Weil da hat er sich Haare mit ausgerissen und dann hat Mummy ihn getröstet, aber sie musste auch lachen und da war Daddy ganz beleidigt und hat auf der ganzen Fahrt nach Hause nicht mit uns geredet."

Sirius lachte bis ihm die Tränen kamen. "Oh Merlin, das hat Lils mir ja gar nicht erzählt, wie genial! Uh Harry, dafür hast du dir echt eine Extraportion Eis verdient!" Der Kleine strahlte fröhlich und sah seinen Paten dann auffordernd an. "Oh", machte dieser. "Jetzt?" Harry schob schmollend seine Unterlippe vor, woraufhin sein Gegenüber immer noch lachend die Augen verdrehte. "Okay, wie wäre es mit einem Kompromiss? Wir gehen gleich eine Runde auf den Spielplatz und dann gehen wir beim Kiosk vorbei und du darfst dir aussuchen, was auch immer du willst. Eis, Kekse, Weingummi... Was du willst, okay?" "Okay", strahlte Harry und sah den besten Freund seiner Eltern dann neugierig an. "Und was machen wir heute?" "Tja, ich hatte eigentlich gehofft, dass es schneien würde, aber da haben wir ja leider noch kein Glück gehabt. Ich wollte dir da nämlich noch... etwas zeigen. Aber aufgeschoben heißt ja nicht aufgehoben. Uh, ich LIEBE diese Redewendung." Er gluckste, sprang aufgekratzt auf und fing an in der Küche auf und ab zu laufen. "Wir können Zoo spielen oder wie wärs mit fernsehen? Oder wir gehen jetzt schon raus und spielen ein bisschen Fangen. Es ist dein Patentag, also darfst du entscheiden. Wir könnten auch Verstecken spielen! Aber nicht, dass du wieder Daddys Tarnumhang klaust, du hast mir damals nämlich echt einen Riesenschrecken eingejagt!" "Okay", lachte Harry und setzte den berühmten Hundeblick auf, den er sich von seinem heißgeliebten Paten abgeguckt hatte. "Können wir dann mit Padfoot spazieren gehen?" "Sicher", sagte Sirius und wunderte sich, dass Harry deswegen solche Geschütze aufgefahren hatte, musste ihm doch klargewesen sein, dass sein Pate sofort zustimmen würde. "Also du gehst dann natürlich mit Padfoot spazieren, nicht ich, das geht ja nicht." "Nein... also...ja... aber... können wir bitte eine Leine mitnehmen? Weil das ist nämlich das Coolste an einem Hund, die führt man mit so lustigen Ausziehleinen aus, die sind ganz, ganz toll!"

"Boah", sagte Sirius. "Das tat jetzt aber weh." Theatralisch griff er sich ans Herz und wischte sich eine imaginäre Träne aus dem Augenwinkel. "Du liebst ja gar nicht mich, du liebst nur mein Ausseh... meine Leine!", schluchzte er im Stil einer verletzten Freundin und als Harry daraufhin verwirrt die Nase kräuselte, winkte er lachend ab, nahm seine Hand und zog ihn in den Flur. "Aber ich muss noch Zähne putzen", widersprach der Vierjährige. "Du bist ein komisches Kind", antwortete Sirius langsam, schwang dann allerdings den Zauberstab und murmelte "Ratzeputz!", woraufhin Harry zu würgen anfing und erst einmal eine halbe Minute lang Schaum durch die Gegend spuckte. "Das war nicht sehr nett, Mummy macht das so nie! Und sowieso... Mummy sagt, sie muss sich auf mich verlassen können." Er nickte heftig und ließ sich dann von seinem Paten erneut in die Schuhe helfen. "Und Mummy ist ganz schlau und weiß alles und wenn sie sagt, dass man sich die Zähne putzen muss, weil sie sonst kaputt gehen, dann ist das so! Und wir haben zusammen ein Buch gelesen, da sind da so kleine Dinger in den Zähnen rumgelaufen und die hatten Namen und haben da gelebt und das war ganz, ganz gruselig! Und dann hab ich so doll meine Zähne geputzt, dass der Griff abgebrochen ist und dann hat Mummy noch mal mit mir geredet und gesagt, dass da keine dicken Männchen in meinem Mund leben!" Aufgekratzt wie (fast) immer nickte er mit dem Kopf.

"Soso", unterbrach Sirius und hielt ihm die Jacke hin. "Aber du hast recht, deine Mummy ist wirklich clever. Sie hat das Talent, Spaß und Nützliches unter einen Hut zu bringen und dafür beneide ich sie echt, ich kann ja noch nicht einmal fernsehen und gleichzeitig bügeln! Zum Beispiel heute... Sie weiß genau, dass wir total gerne Zeit zu zweit verbringen und hat so schon vor Wochen den Termin mit mir ausgemacht und jetzt kann sie in Ruhe Geschenke einpacken. Und irgendetwas ist auch mit James, der hat sich nämlich für heute Nachmittag freigenommen und war ganz aufgeregt!" Nachdenklich sah er an die Wand und zuckte erschrocken zusammen, als er die Stimme seines Patenkinds hörte. "Du bist ja doof!", lachte Harry. "Weißt du denn nicht, dass der Weihnachtsmann die Geschenke einpackt?" "Boah", machte Sirius beleidigt. "Wen nennst du hier doof? Pass bloß auf, du, sonst spreche ich mal ein paar Wörtchen mit dem Weihnachtsmann, den interessiert dein Benehmen sicher sehr." "Pah", schnaubte Harry. "Du kennst den Weihnachtsmann doch gar nicht, du hast den bestimmt noch nie gesehen und Geschenke kriegst du bestimmt auch nur ganz selten von ihm! Weil man muss nämlich brav sein und das bist du gar nicht! Du bist immer ganz frech und unartig, jawohl!" "Sagt Mummy, oder was?", fragte Sirius mit zuckenden Mundwinkeln und Harry schüttelte den Kopf. "Nee, sag ich!" "Boah", machte Sirius erneut und stürzte sich mit einem "Kitzelattacke!" auf den Vierjährigen.

"Ah... nein...hihi... nein... Onkel... hihi... Onkel... Onkel...hihi... nein, nein, hör auf!", quietschte der Kleine und schlug dabei so heftig wie möglich um sich. "Ich ka... kann nicht mehr, ich kann nicht... nicht mehr, hör auf!" Sirius stoppte allerdings erst in dem Moment, als Harry vor lauter lachen kaum noch Luft bekam und merklich erschöpft wirkte. "Ich wusste gar nicht, dass ich Hihi heiße", sagte der Hundeanimagus todernst und hob den Kleinen vom Boden auf, nur um dann den Reißverschluss seiner Jacke zu schließen und ihm die Mütze so schief auf den Kopf zu setzen, dass sie seine Augen komplett verdeckte. "Naja, Onkel Hihi ist wenigstens besser als Onkel Pipi", sagte er dann trocken, wusste er doch, dass diese Art der Wortwahl Kinder immer zum Lachen brachte und tatsächlich kicherte der Kleine, während er gleichzeitig versuchte die Mütze in eine anständige Position zu bringen, was ihm auch gelang und mit einem stolzen Aufschrei quittiert wurde. "So, fertig? Gut, dann gehen wir", sagte Sirius und wollte schon die Tür öffnen, als sich sein Patensohn mit einem breiten Grinsen räusperte und dann auf seine Socken mit dem Kuchenstückenaufdruck zeigte. "Oh", sagte Sirius. "Das... das wusste ich. Das war nur ein Test, ich wollte sehen, ob du genauso gut darauf achtest, dass es mir gut geht, wie ich es auch bei dir tue." "Oh", sagte jetzt auch Harry und blickte seinen Paten voll unschuldigem Vertrauen an. "Habe ich den Test besteht... bestanden?" Sirius schmolz bei seinem Anblick dahin und lächelte den Kleinen zärtlich an. "Mit Auszeichnung. Dafür kriegst du noch mehr Süßes. Das ähm... müssen wir ja Mummy und Daddy nicht verraten, nech? Mummy haut mich glatt und Daddy... Daddy tut es wahrscheinlich auch, aber aus einem anderen Grund, der wäre nämlich ganz schön beleidigt, dass wir ihn nicht auch zum Futtern eingeladen haben!"

Damit setzte er Harry ab, streifte sich schnell die nächstbesten Schuhe über, griff nach seiner Jacke und nahm die Hand des Kindes. "Na komm, Harry. Holen wir uns so viele Süßigkeiten wie wir tragen können und veranstalten ein Wettessen." "Aber wenn ich mich dann übergeben muss, schreit Mummy dich an", widersprach der kleine Wuschelkopf, sah ihn aber trotz seiner Worte mit großen, sehnsüchtigen Augen an. "Sie wird viel zu sehr damit beschäftigt sein, meine Haare von der Kloschüssel fernzuhalten", antwortete der Schwarzhaarige trocken und grinste leicht. "Okay", sagte Harry, runzelte die Stirn und folgte ihm durch die Tür. "Aber wieso hören wir nicht auf zu essen, bevor uns schlecht wird?" "Merlin!", machte Sirius und sah sein Patenkind fast schon entsetzt an. "Was bist du für ein Kind? Kinder essen, was sie in die Finger kriegen und sie denken nicht im Voraus!" "Hmm." "Was "hmm"?" "Mummy hat genau das gestern über dich gesagt. Und das stimmt voll, weil du hast Kuchenteig gegessen und dann ist dir schlecht geworden, genau wie Mummy gesagt hat!" "Jaja, Mummy hat immer recht, ich weiß", knurrte Sirius, aber seine Mundwinkel zuckten verräterisch. "Natürlich", sagte Harry und nickte energisch. "Meine Mummy weiß alles und sie ist die beste und liebste Mummy auf der ganzen, ganzen Welt!" Und diesmal widersprach Sirius nicht.