Kapitel 7 – Bewohnern helfen
Für den heutigen Tag beschließen Flutter und ich, dem zweiten Teil der Alchemie zu folgen und den Bewohnern der Stadt zu helfen. Anschließend, da der Schmetterling es sich wünscht, wollen wir zum Zunftbüro gehen.
Nach einem gemütlichen Frühstück mit Pam treten wir vor das Haus und genießen die frische Morgenluft.
„Und, wie gehen wir nun am besten vor?", will Flutter wissen.
„Ich schlage vor, dass wir einmal durch die Stadt gehen, alle Wünsche einsammeln und sie hinterher abarbeiten."
„Klingt gut", stimmt sie zu und wir beginnen unseren Weg.
Nach einer Weile treffen wir auf Rupert.
„Hey Sylva!", ruft er und läuft zu uns.
„Hallo, Rupert", erwidere ich. Ich überlege, ob ich ihn nach seinem Glück fragen soll, entscheide mich aber dagegen, falls die Antwort negativ ausfällt. Ich muss dem armen Kerl seine Tollpatschigkeit ja nicht ins Gedächtnis rufen.
„Ich habe gehört, dass du schon ein Lehrling geworden bist", meint er grinsend.
Ich nicke und frage mich, woher er das so schnell erfahren hat. Eigentlich kommt dafür nur Fizz in Frage…
„Hier für dich!", ruft er dann und holt aus seiner Tasche einen Eisenbarren.
Ich nehme das schwere Ding entgegen. „Ähm… danke", erwidere ich verwundert. Was für ein seltsames Geschenk.
Doch Rupert lacht und erklärt, dass man Eisenbarren zum Schmieden von Ringen benötigt.
„Ah, super", sage ich nun mit mehr Elan. Ja, jetzt verstehe ich das Geschenk – und es ist wirklich praktisch, wenn auch ein wenig unhandlich.
Wir verabschieden uns von ihm, Flutter wünscht ihm noch „Viel Glück!"…, und wir suchen weiter nach Wünschen, sowie Zutaten, wann immer wir welche finden. Falls wir letztere nicht gebrauchen können, können wir sie immerhin verkaufen.
„Ich habe das Gefühl, dass sich manche Aufträge gar nicht lohnen", meint Flutter, nachdem wir mit einer Frau gesprochen haben, die sich ein paar Eier wünscht und uns dafür eine Kanne Milch geben möchte…
Ich nicke. „Da stimme ich dir zu – aber ich vermute, dass das eben zum Leben hier dazugehört."
Flutter überlegt einen Moment, dann nickt sie ebenfalls. „In Ordnung. Wenn das so ist, dann müssen wir da eben durch."
Ich lache leise. Wenn sie es so formuliert, klingt es, als würde uns etwas Schreckliches bevorstehen, dabei verteilen wir lediglich Güter und bekommen dafür andere, die bisweilen auch weniger wertvoll sein können. Und wir bringen den Menschen Freude.
Als wir die Stadt einmal umrundet haben und wieder an unserem Ausgangspunkt (vor Pams Haus) angelangt sind, haben wir folgenden Aufträge eingesammelt:
-3x Schlaf-Gegenmittel
-10x Eier
-5x Kohl
-5x Castele-Karausche
-4x Grasland-Honig
-1x Königsgrashüpfer
-5x Kuhmilch
-5x Waldpilze
-5x Schlafpulver
Außerdem müssen wir noch 5x Karottchen und 10x Banditen besiegen.
Von diesen Dingen haben wir schon ein paar Pilze, ein wenig Honig, eine Milch und ein paar Eier in unserer Tasche. Daher begeben Flutter und ich uns nun auf die Suche nach dem Rest. Das meiste finden wir in der näheren Umgebung, einiges auch auf der Östlichen Grasebene (wie den Königsgrashüpfer zum Beispiel), anderes kaufen wir auch ein. Die Karottchen kann ich besiegen, doch die Banditen sind noch immer zu schwer für mich (zumal ich noch keine Zeit gehabt habe, mir eine andere Waffe zu suchen…). Im Labor braue ich das Schlaf-Gegenmittel einfach selbst.
Insgesamt ist es ein elendes hin und her Gerenne und Gesuche. Selbst Flutter bittet zwischendurch nach einer Pause und wir setzen uns auf einen Steg ans Wasser.
„Vielleicht sollten wir das nächste Mal nicht alles an einem Tag machen", schlägt sie vor. „Sondern immer nebenbei, wenn es gerade passt."
„Ja, vielleicht", erwidere ich nur, denn es entspricht nicht meiner Natur, etwas nur nebenbei zu erledigen: Entweder ich fokussiere mich auf eine Sache und dann gebe ich mein Bestes, um sie ordentlich zum Abschluss zu bringen, oder ich lasse es von Anfang an bleiben. Aber diese ewigen Wünsche könnte man vielleicht wirklich im Vorbeigehen erledigen…
Schließlich können wir alle Aufträge ausführen (bis auf die Banditen, und das Schlafpulver und den Kohl, weil ich keine Ahnung habe, woher ich das bekommen soll und ich noch keine Zeit gehabt habe, dies in der Bibliothek herauszufinden). Ich bin mit dem Ertrag zufrieden und da Flutter sich nicht beschwert, vermute ich, dass es ihr ebenso geht.
„Gehen wir jetzt zum Zunftbüro, bitte?!", ruft sie aufgeregt.
Ich schmunzle über diese Begeisterung, etwas so Mundanes wie ein Zunftbüro besichtigen zu wollen. „Ja, können wir machen."
Mittlerweile ist die Nacht bereits hereingebrochen, doch das Zunftbüro hat noch immer geöffnet. Der Zunftmeister begrüßt mich sogleich und beglückwünscht mich, dass ich anscheinend in meinem neuen Leben angekommen sei.
Da fliegt Flutter von meinem Hals und schaut sich das Zimmer an.
„Oh nein!", ruft der Meister erschrocken. „Jetzt haben wir auch noch ein Ungezieferproblem hier! Warten Sie einen Augenblick, ich hole schnell das Pestizid!"
„Ich bin kein Ungeziefer!", entrüstet sich der Schmetterling. „Ich heiße Flutter!"
Der Zunftmeister sieht mich irritiert an. „Sylva, haben Sie die Stimme auch gehört?"
Ich rolle mit den Augen. Wie oft muss ich das noch erleben, dass die Menschen Flutter kennenlernen und dabei der Meinung sind, ihren Verstand verloren zu haben…?
„Ich war das", beharrt Flutter. „Bitte nicht sprühen", ergänzt sie noch schnell ängstlich.
Der Meister ist sichtlich geschockt. Dann geht ihm etwas auf. „Diese Stimme kenn ich doch… Die war doch vorgestern auf dem Marktplatz…"
Nachdem wir ihm über den sprechenden Schmetterling und den Streit auf dem Marktplatz aufgeklärt haben, erzählt er uns, wofür man das Zunftbüro nutzen kann. Hier kann man sein Leben so häufig ändern, wie man will, sowie größere Beute, die man macht, beim Prämienbeamten gegen eine gute Belohnung (Geld und anderes Nützliches) abgeben. Ähnlich wie ein Kopfgeldjäger.
„Was könnte den ein gutes Leben für mich sein?", will Flutter irgendwann wissen.
Während ich mir ein Lachen verkneife, überlegt der Zunftmeister angestrengt. „Hmmm. Ein Leben für einen Schmetterling? Vielleicht das Zuckerwasserleben?"
„Gibt es das wirklich!?", ruft Flutter und ihr Ton verrät, dass sie große Augen macht.
Jetzt lache ich wirklich.
„Nein, leider nicht", erwidert der Zunftmeister. Er scheint zu träumen, denn er murmelt: „Ich wäre gern ein Schmetterling… Denn mein Leben ist kein Zuckerschlecken…" Zum Schluss schenkt er uns noch 3x Mini-Bombe (die wir vermutlich verkaufen werden, oder Flamel zum Geburtstag schenken können…) und wir bedanken uns.
„Viel Glück euch noch", verabschiedet sich der Zunftmeister mit einem Winken. „Und Ihnen, Sylva, besonders viel in Ihrem neuen Leben."
Ich nicke dankend und wir verlassen das Zunftbüro.
Auf dem Weg nach Hause und in das Dachbodenzimmer erzählt Flutter ununterbrochen vom Tag. „… Und die Grasebene ist so riesig, nicht wahr? So majestätisch! Nicht, wie König Erik."
„Flutter!", zische ich erschrocken und blicke mich um, doch niemand scheint uns gehört zu haben.
„Ja, ja", macht der Schmetterling und berichtet weiter.
Wir gehen nach einem schnellen Abendessen zu Bett und ich lösche die Kerze.
„Wäre es nicht toll, wenn etwas Aufregendes passieren würde, so wie unser eigener Meteorschauer zum Beispiel?", fragt Flutter müde. Sie liegt bereits auf meinem Kissen und schläft fast.
Ich runzele die Stirn über diesen Einfall, doch erwidere lachend: „Also ich hab schon genug Aufregung mit meiner Ausbildung und den ganzen Aufgaben der Leute und all den Orten, die du sehen möchtest."
„Okay", meint Flutter nur noch, dann ist sie eingeschlafen.
Ich bin noch einen Moment wach, lasse den Tag Revue passieren, und dabei fällt mir plötzlich auf, dass ich Fizz heute gar nicht gesehen habe. Seltsam: Ich kenne sie erst seit zwei Tagen und schon fällt es mir auf, wenn ich sie nicht sehe…
